Literarische Erörterung zu ,,der Verlorene''

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 Literarische Erörterung zu „Der Verlorene“ – transgenerationale Traumaweitergabe
Bei dem gegebenen Text handelt es sich um ein Interview, w
 Literarische Erörterung zu „Der Verlorene“ – transgenerationale Traumaweitergabe
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Literarische Erörterung zu „Der Verlorene“ – transgenerationale Traumaweitergabe Bei dem gegebenen Text handelt es sich um ein Interview, welches von Helwi Braunmiller und der Psychiaterin und Psychotherapeutin Silke Bachmann im Jahre 2016 geführt wurde und die elterliche Weitergabe eines Traumas an die nächsten Generationen thematisiert. Die Erzählung,,Der Verlorene" von Hans-Ulrich Treichel, die 1998 veröffentlicht wurde, handelt von einer Familie aus der Nachkriegszeit, deren Leben maßgeblich von einem Schleier aus Schuld und Scham bedeckt ist. Inwieweit sich Letzteres erklären und in Bezug zu einer interfamiliären Traumaweitergabe setzen lässt, werde ich durch das Hinzuziehen des Interviews erörtern. In dem Interview über die Traumaweitergabe wird das Trauma als Resultat besonders bedrohlicher Situationen definiert, bei welchem die Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen überstiegen werden. Daraus wiederrum können laut Bachmann Probleme wie auch Krankheiten entstehen, auch wenn der Mensch das Trauma scheinbar verarbeitet habe. Wichtig sei, nicht über das Geschehene zu schweigen, vor allem nicht gegenüber seinen Kindern, da dies die Kinder nicht schützte, sondern im Gegenteil dazu das Wissen um das Normale nehme. Die Auswirkungen dieses Schweigens gegenüber der nächsten Generation können auch erfolgen, wenn nur ein Elternteil betroffen ist, da auch so die wortlose und zugleich unbewusste Weitergabe des Traumas erfolge, so Bachmann. Die daraus folgenden geerbten Symptome seien individuell, jedoch wüssten die meisten Menschen nicht, dass sie von der transgenerationalen...

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Alternativer Bildtext:

Traumatisierung betroffen sind. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Traumaweitergabe sinke, sofern die Betroffenen darüber sprächen, treffe die Eltern keine Schuld, denn sie würden immer das Beste für ihre Kinder wollen. Eine kollektive Verarbeitung eines Traumas könne, müsse aber nicht erfolgen, da das Erleben sowie die Verarbeitung von Mensch zu Mensch verschieden sei. Das beste Modell für die transgenerationale Traumatisierung biete die Bindungsforschung, da es durch die sofortige soziale Interaktion zwischen Mutter und Baby, welche üblicherweise zu einem stabilen Grundvertrauen führe, ebenfalls zu einer Traumaweitergabe kommen könne, die von dem Baby unbewusst aufgenommen werde. In der Erzählung,,Der Verlorene“ erleiden die Eltern des Ich-Erzählers neben den Kriegsauswirkungen auch eine Flucht 1945, bei welcher sie ihre gesamte Existenz verloren, die Mutter vergewaltigt wurde und ihr erstgeborener Sohn Arnold abhanden gekommen ist. Der Ich- Erzähler, welcher erst später geboren wurde, lebt im Gegensatz dazu ein wohlhabendes Leben zusammen mit seinen Eltern, jedoch ist die Vergangenheit omnipräsent, was es der Familie unmöglich macht glücklich zu sein. Die Vergangenheit beider Elternteile enthält stark prägende und vor allem traumatisierende Ereignisse. Frau Bachmann definiert außergewöhnlich bedrohliche Situationen, bei denen die Bewältigung für den Menschen nicht möglich sei, als Trauma. Solche Situationen stellt beispielsweise die Vergewaltigung der Mutter durch einen oder mehrere Russen dar, bei welchem diese als direktes Opfer gilt und der Vater als Zeuge der Tat ebenfalls traumatisiert wird. Des Weiteren wirkt auch der Verlust des Erstgeborenen Arnold traumatisch auf die Eltern, denn in allen genannten Situationen waren die leidtragenden Personen machtlos. Nahezu machtlos auch im Sinne der Bewältigung. Obwohl es der Familie gelingt, nach der Flucht ein gutes Leben aufzubauen, was zumindest den finanziellen Wohlstand angeht, und somit äußerlich scheinbar geheilt von den traumatischen Ereignissen sind, leiden die Eltern weiterhin darunter. Als die Mutter beispielsweise nach einem Sturz ins Krankenhaus eingeliefert wird und dort einige Wochen behandelt wird, entlassen sie die Ärzte, da sie äußerlich genesen scheint. Die Zeit im Krankenhaus, die sie nutzte um in Gedanken zu schwelgen und so womöglich unbeabsichtigt ihre traumatischen Erinnerungen ins Bewusstsein holt, brachte eine psychische Verschlechterung mit sich. So hat sich die Mutter zwar von dem Sturz erholt, ist aber in schlechterer psychischer Verfassung als vor dem Sturz beziehungsweise Krankenhausaufenthalt (vgl. S.80). Konkret daraus kann man schlussfolgern, dass sich die Persönlichkeit der Mutter durch die traumatisierenden Ereignisse verändert hat und diese zwar immer begleitend, jedoch nie derart präsent im Bewusstsein sind, da der Mensch dazu neigt, derartige Erlebnisse zu verdrängen. Wie man gut an der Beziehung zwischen den Eltern und dem Zweitgeborenen, also dem Ich-Erzähler, erkennen kann, fehlt die Kommunikation und Interaktion, die laut Bachmann maßgeblich zu einer erleichterten Traumabewältigung beiträgt und andernfalls schädlich für die nachfolgenden Generationen ist. Wie der Ich-Erzähler mehrmals erwähnt, erhält er von seinem Vater nur kurze und aussagekräftige Befehle, während dieser mit seinen Kunden fast schon freundschaftlich wirkende Gespräche führt (vgl. S.50). Auch die Kommunikationsfähigkeit der Mutter ist eingeschränkt, was man immer dann erkennen kann, wenn sie versucht die Ereignisse, die ihr auf der Flucht widerfahren sind, in Worte zu fassen. So wird im gesamten Buch keines Mals die Vergewaltigung als solche erwähnt. Die Mutter spricht immer nur von dem Schrecklichen, das ihr widerfahren ist (vgl. S.14). Dass diese eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit, die auch unausweichlich zu einem Schweigen diesbezüglich führt, Auswirkungen auf den Ich-Erzähler, der jedoch keines dieser traumatisierenden Ereignisse miterlebt hat, mit sich bringt, macht sich an seiner sozialen Interaktion deutlich. Der Leser erfährt nichts von einem Freund oder Schulkameraden, nicht einmal von einem gleichaltrigen Bekannten ist die Rede. Dies zeigt, dass soziale Kontakte, die in der Gesellschaft als normal und auch notwendig angesehen werden, bei dem Ich-Erzähler fehlen. Eine Schlussfolgerung wäre, dass aufgrund der fehlenden Kommunikationsfähigkeit der Eltern, die aus Traumata resultieren, dem Kind das Wissen um die gesellschaftliche Normale genommen wurde. Man kann nur vermuten, dass die Eltern-Kind-Beziehung verbessert und die unbewusste Traumaweitergabe verhindert werden konnte, sofern die Eltern fähig wären zu reden und somit ihr Schweigen zu brechen. Neben der gestörten sozialen Interaktionsfähigkeit löst die transgenerationale Traumatisierung bei dem Ich-Erzähler weitere Folgestörungen aus. So entwickelt sich mit dem wachsenden Erfolg des Vaters, was zugleich eine sinkende Aufmerksamkeit gegenüber dem Ich-Erzähler und eine wachsende Distanz in der Vater-Sohn-Beziehung bedeutet, eine Reisekrankheit. Erkennbar macht sich dies hinsichtlich der Autokäufe des Vaters. Während der alte Ford das einzige Gefährt seiner Kindheit war, in dem ihm nicht schlecht wurde, veranlasst ihn die schwarze Limousine immerzu sich zu übergeben (vgl. S.21f.). Zudem wird bei dem Jungen eine Trigeminusneuralgie festgestellt, die aufgrund der unbekannten Ursache nicht behandelbar sei (vgl. S.57). Genauso wie man diesbezüglich die Symptome beziehungsweise die Ursachen nicht wahrnimmt, wird auch der Ich-Erzähler nicht wahrgenommen, was für eine emotionale Vernachlässigung des Kindes seitens der Eltern spricht. Entgegen der Aussage Bachmanns schreibt die Mutter sich selbst die Schuld am Verlust Arnolds zu (vgl. S.16f.). Diesbezüglich würde ihr aber niemand Schuld antragen, da das Weggeben Arnolds mit der Intension erfolgte, ihn zu schützen und somit nur das Bestmögliche für das Kind gewollt war. Hinsichtlich des zweiten Kindes ist die Situation eine andere. Nirgendswo steht das Wohl des Jungen im Vordergrund, nie wird auf ihn eingegangen. Im Fotoalbum der Familie ist Arnold vorne überdimensional groß abgebildet, während es von dem Ich-Erzähler nur winzige Fotos irgendwo im Album gibt, auf denen er nicht einmal vollständig abgebildet ist (vgl. S.7ff.). Die Mutter versucht die Schuld, die sie sich für Arnolds Verlust zuschreibt, wiedergutzumachen, indem sie alles dafür tut, ihn wiederzufinden. Gleichzeitig wird jedoch der Zweitgeborene vernachlässigt. Hier lädt sich die Mutter Schuld auf, jedoch erscheint es ihr unmöglich, diese wiedergutzumachen, da sie das Trauma, welches sie durch das Schweigen immer noch nicht verarbeitet hat, und die Opferrolle, in der sie sich hineinversetzt fühlt, hindern. Um aus diesen Traumata auszubrechen, sieht Bachmann eine kollektive Verarbeitung als Möglichkeit. Im Falle dieser Familie jedoch scheinen die Herangehensweisen des Umgangs mit den Traumata unterschiedlich zu sein, jedoch lässt sich feststellen, dass keines der Elternteile das Sprechen über die Ereignisse als Möglichkeit ansieht. Der Vater stürzt sich in die Arbeit, womöglich mit der begleitenden Angst, nochmals von vorne zu beginnen, wie es nach der Flucht der Fall war, da die Familie einen prägenden Existenzverlust widerfahren ist (vgl. S.32). Die Mutter scheint das Verdrängen der Vergewaltigung und den Versuch der Wiedergutmachung hinsichtlich Arnold als Möglichkeit anzusehen, sowie die Ablenkung durch das Arbeiten im Haus (vgl. S32). Deutlich wird, dass sich die Eheleute voneinander entfernt haben und beide noch immer mit den Traumata zu kämpfen haben. Dieser Schleier von Schuld und Scham bedeckt seither die Familie, was auch zur Folge hat, dass der Ich-Erzähler in eine vorbelastete Umgebung geboren wird (vgl. S.17f.). Die soziale Interaktion, die bei der Mutter seit der Vergewaltigung und dem Verlust ihres Sohnes, gestört zu sein scheint, belastet das notwendige Grundvertrauen zwischen Mutter und dem Zweitgeborenen. Alle Ängste, Sorgen und Erinnerungen der Mutter werden unbewusst vom Ich-Erzähler aufgenommen, sogar ohne das Wissen um das eigentliche Trauma. Durch die Ich-Perspektive bekommt der Leser einen Einblick in das Wissen des Zweitgeborenen, woraus sich erkennen lässt, dass er nichts von der Vergewaltigung weiß. Auch über den Verlust Arnolds wird er erst später aufgeklärt, jedoch sorgt dieser Schleier, welcher über der Familie liegt, für die transgenerationale Traumatisierung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Phänomen der transgenerationalen Traumaweitergabe in der Erzählung ,,Der Verlorene“ zu erkennen ist. Wie bereits erörtert waren die Ereignisse auf der Flucht sowie diese an sich Auslöser der Traumata. Direkte Folgen stellt die gestörte Kommunikationsfähigkeit der Eltern dar, welche wiederrum Auswirkungen auf den Ich-Erzähler haben. Dieser war zum Zeitpunkt der traumatischen Ereignisse zwar noch nicht geboren, trägt aber durch diesen Schleier aus Schuld und Scham und ohne genaueres Wissen über die Ereignisse Folgen davon, die sich einerseits bezüglich seiner psychischen Verfassung, andererseits aber auch durch körperliche Beschwerden äußern.