Unterschiedliche Argumentationen von Kohlhaas und Luther
Die Unterhaltung zwischen Michael Kohlhaas und Martin Luther offenbart zwei grundlegend verschiedene Rechtsauffassungen. Kleist nutzt verschiedene sprachliche Mittel, um diese Unterschiede zu verdeutlichen und die Charaktere zu zeichnen.
Kohlhaas' Argumentation:
- Er sieht sich als "Statthalter Michaels, des Erzengels" , was seine selbstgerechte Haltung unterstreicht.
- Seine Sprache ist emotional und leidenschaftlich, geprägt von Ausrufen wie "Verstoßen [...] nenne ich den" .
- Er rechtfertigt seine Gewalttaten als notwendige Konsequenz der erfahrenen Ungerechtigkeit.
Quote: "Verstoßen [...] nenne ich den, dem der Schutz der Gesetze versagt ist!"
Luthers Argumentation:
- Er vertritt die Position der staatlichen Ordnung und des christlichen Gebots der Vergebung.
- Seine Sprache ist mahnend und autoritär, er spricht Kohlhaas mit "rasender, unbegreiflicher und entsetzlicher Mensch" an.
- Luther betont die Notwendigkeit, sich dem Gesetz und der Obrigkeit zu unterwerfen.
Example: Luther vergleicht Kohlhaas' Handeln mit dem eines "Wolfs der Wüste" , um die Wildheit und Gesetzlosigkeit zu verdeutlichen.
Die sprachlichen Mittel, die Kleist einsetzt, unterstreichen den Konflikt:
- Metaphern und Vergleiche: z.B. "Wolf der Wüste" für Kohlhaas
- Rhetorische Fragen: "Wer hat dich [...] berufen?"
- Wiederholungen: "Ungeheuer"
Diese Szene verdeutlicht die zentrale Thematik der Novelle: den Konflikt zwischen individuellem Rechtsempfinden und staatlicher Ordnung. Sie zeigt, wie Heinrich von Kleist die komplexe Frage nach Gerechtigkeit in seiner Erzählung verarbeitet.






