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Szenenanalyse Faust Garten

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 Das Drama „Faust – Der Tragödie Erster Teil“, geschrieben von Johann Wolfgang
von Goethe und erschienen im Jahr 1808, handelt von dem Geleh

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Das Drama „Faust – Der Tragödie Erster Teil“, geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe und erschienen im Jahr 1808, handelt von dem Gelehrten Faust, der rastlos nach Wissen und Begierde strebt, welche er versucht zu stillen, indem er sich dem Teufel verschreibt und versucht ein unschuldiges Mädchen zu verführen. Zu Beginn der Lektüre schließt Mephisto, der Teufel, mit Gott dem Herrn im Himmel eine Wette darüber ab, dass er Faust, ein angesehener Gelehrter, auf Abwege führen könne. Dieser kann, aufgrund von seiner Gier nach mehr Erkenntnis und mehr Lust, den Moment nicht genießen. Tief deprimiert und lebensmüde, schließt er mit Mephistopheles einen Pakt. Sollte Mephisto Faust so weit bringen, dass er einen glücklichen Augenblick festhalten wolle, dann erhält er Fausts Seele. Mephisto tut alles, um Faust vom rechten Weg abzubringen. Im Zuge einer Reise bringt er Faust unter Leute und macht ihn sogar mit der Hilfe eines Zaubertranks jünger und lustvoller. Szenenanalyse Faust: Garten Schließlich begegnet Faust der jungen Margarete, die ihn verzückt. Er verlangt von Mephisto sie ihm als Geliebte zu beschaffen, welcher daraufhin Gretchen kostbaren Schmuck zu kommen lässt. Auf der Grundlage einer Lüge Fausts kommt es letztendlich zu einem ersten Treffen der beiden, das sich in der Szene ,,Garten“ (V. 3073ff.) abspielt. In der Szene treffen sich neben Gretchen und Faust auch Mephisto und Marthe,...

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die Nachbarin Gretchens, welcher Faust den Tod ihres Mannes versichert hat, damit er sich mit Gretchen in ihrem Garten treffen kann. Im Verlauf der Szene kommen sich Gretchen und Faust näher, während Mephisto und Marthe sich über das Leben und seinen Verlauf unterhalten. 1 Die Szene verdeutlicht die charakterlichen Unterschiede Gretchens und Fausts und deutet bereits auf Gretchens Untergang hin. Auch kontrastiert sie Mephisto und Faust und zeigt Gretchen als Mittäterin an dem weiteren Verlauf ihres eigenen Lebens. Der Ort der Szene ist der ,,Garten" Marthens. Dieser steht, im Hinblick auf das Liebesgeschehen, für ein Paradies der Versuchung und der Begierde. Damit steht die Szene bereits von Anfang an unter dem Schatten der Lust, was als Andeutung auf die später folgenden, in der Gesellschaft als Fehltritte betitelte, Taten Gretchens gedeutet werden kann. Die Regieanweisungen zu Beginn der Szene zeigen sogleich den Kontrast zwischen den beiden im Garten herumstolzierenden Paaren auf. So befindet sich ,,Margarete an Faustens Arm", während „Marthe mit Mephisto auf und ab spazier(t)". Folglich lässt sich sagen, dass Margarete und Faust sich schon hier physisch nahestehen und den körperlichen Kontakt zu dem jeweiligen anderen suchen, während Marthe und Mephisto eher unruhig sind und in keinerlei Verbindung zueinander stehen. Diese Arbeit mit Kontrasten zwischen den beiden Paaren wird im weiteren Verlauf der Szene bei der Charakterisierung Fausts und Gretchens Beziehung behilflich sein. Zu Beginn des Abschnittes, werden zunächst Gretchen und Faust ins Visier genommen, wobei Gretchen die anscheinend vorherrschenden ständischen Unterschiede der beiden thematisiert. So sei Faust ein „erfahrne(r) Mann“ (V. 3077), der durch Gretchens ,,arm Gespräch nicht unterhalten (werden) kann“ (V. 3078). Dies zeigt, dass sich Gretchen der gesellschaftlichen, unüberbrückbaren Differenzen zwischen ihr und Faust bewusst ist, dennoch davon träumt durch Faust einen sozialen Aufstieg zu erhalten, um nicht mehr so schwer ,,schaffen (zu) müssen“ (V. 3083). In dem selben Kontext wird zudem deutlich, dass Gretchen zwar ein tugendreiches Mädchen ist, da sie unteranderem von der Güte des „Herr(n)“ (V. 3073) redet, was bedeutet, dass sie christlich ist, jedoch eine rebellische Seite besitzt. So kritisiert sie ihre „Mutter“ (V. 2 3084) für ihre Genauigkeit, aufgrund von welcher sie hart „schaffen“ (V. 3083) müsse und nun eine „garstige“ (V. 3082) und „rauh(e)“ (V. 3082) „Hand“ (V. 3080) besäße. Faust, der ihre „Hand“ (V. 3080) „küsst“ (V. 3080) und damit definitiv eine körperliche Zuneigung zum Audruck bringt, hält gegen Gretchens Zweifel seine Gefühle für sie, indem er Gretchens Gestalt mit „alle(n) Weisheit(en)" (V. 3080) vergleicht. Dieser Vergleich, der zugunsten von Gretchens „Blick“ (V. 3079) und Gretchens „Wort“ (V. 3079) ausfällt, ist unterschwellig das Thema von Fausts eigenem inneren Konflikt, zwischen dem Streben nach ganzheitlicher Erkenntnis und Erfüllung seiner Begierde. Dadurch, dass Fausts Gedanken wohl auch in der Nähe zu Gretchen an der ,,Weisheit dieser Welt" (V. 3080) hängen, lässt sich bereits vorausdeuten, dass Fausts Begierde nach Liebe ihn nicht von dem Streben nach Erkenntnis abbringen wird, und es zu einer Katastrophe kommen muss. Auf diesen Abschnitt hin schwankt die Szene zu Marthes und Mephistos Handlungsstrang über. Die beiden unterhalten sich über das Altwerden und das Niederlassen. Während des Gespräches wird deutlich, dass Marthe Gefallen an Mephisto gefunden hat, schließlich ist sie übermäßig höflich und spricht ihn mit „mein Herr“ (V. 3085) und „,werter Herr" (V. 3095) betont unterwürfig an. Auch wird durch ein Repetitio des Wortes ,um“ (V. 3090) klar, dass Marthe sich erhofft, dass Mephisto von seinem ,,Gewerb und Pflicht" (V. 3086), das ihn nur immer zu zum „fort“ (V. 3085) „reis(en)“ (V. 3085) zwingt (vgl. V. 3087f.), ablässt, um sich, bestenfalls mit ihr niederzulassen. Schließlich wird durch das wiederholen des Wortes ,,um“ (V. 3090) und dem Verwenden des Begriffs „streifen“ (V. 3090) anstelle des Begriffs „reisen“, der Nicht - Sässhaftigkeit eine pejorative Bedeutung hinzugefügt, welche durch das Aufgreifen einer Todesmetaphorik (vgl. V. 3092) verstärkt wird. Mephisto jedoch geht darauf kaum ein und antwortet nur, dass es ihm vor dem einsamen Sterben schon zu ,,Grausen" (V. 3094) vermöge. 3 Gretchen und Faust haben inzwischen weitere Unterschiede zwischen sich aufgedeckt. So sei, laut Gretchen, Faust beliebter (vgl. V. 3098) und durchaus auch gebildeter (vgl. V. 3099) als sie. Faust setzt dagegen, dass durch „Eitelkeit und Kurzsinn“ (V. 3101) sich die Welt vereinfachen ließe und man dadurch „verständig“ (V. 3100) wirke. Durch jene Reaktion wird der Bildungsunterschied der beiden besonders deutlich, da Gretchen hier als unwissende Person dargestellt wird, welche von Faust über die wesentlichen und wichtigen Eigenschaften eines Menschen belehrt werden müsste. Schließlich sei, laut Faust, „die Einfalt“ (V. 3102) und „die Unschuld“ (V. 3102) „heil`ge(...) Wert(e)" (V. 3103). Zugleich beschreibt Faust in jenem Absatz sein persönliches Schönheitsideal, zu dem wohl auch die „Demut (und die) Niedrigkeit" (V. 3104) gehören. Folglich wird klar: Gretchen erscheint für Faust deshalb entzückend, da sie seiner Meinung nach seinem eigenen Schöhneitsideal entspricht. Schließlich hat Gretchen gleich zu Beginn gezeigt, zum Beispiel durch das betonen ihrer Stellung zu der sich ,,der Herr“ (V. 3073) „herab(lasse)“ (V. 3074), dass sie jene Tugenden der „Demut (und) Niedrigkeit" 8V. 3104) besitzt. Im weiteren Verlauf des Gesprächs der beiden wird besonders gut deutlich, dass Gretchen eine aktive Mitspielern in der Beziehung der beiden darstellt. So besitzt sie den größten Redeanteil und unterbricht Faust (vgl. V. 3105f.) voller Energie, um das Gesprächsthema, auf ihre Einsamkeit zu lenken, welche sie mit den Worten sie „werde Zeit genug (…..) haben“ (V. 3107) „an (Faust) zu denken“ (V. 3107) betitelt. Die Lenkung des Gesprächs in diese Richtung, kann als Apell an Faust aufgefasst werden, dass sie bereit zu Heiraten sei. Auch der weitere Absatz betont Gretchens Heiratswille, schließlich führt sie in dem besagten, jegliche ihrer Fähigkeiten auf, die sie zu einer guten Ehefrau und Hausfrau machten. So könne sie ,,kochen, fegen, stricken / Und nähn, und laufen früh und spat" (V. 3111f.), und das ziemlich gut, denn ihre „Mutter“ (V. 3113) sei sehr „akkurat“ (V. 3114). Des 4 Weiteren sei sie kein schlechter Fang, weil sie besäße „ein Häusschen und ein Gärtchen vor der Stadt" (V. 3118). Außerdem könne sie eine gute Mutter sein, da sie schoneinmal Erfahrung in der Kindererziehung gesammelt hat, als es ihrer Mutter „elend“ (V. 3127) gewesen ist, und sie sich um ihr ,,Schwesterchen“ (V. 3121) gekümmert habe und es „ganz allein" (V. 3132) „erzog“ (V. 3132). Hier verdeutlicht sie ihre Erziehungskünste sogar noch einmal, indem sie ihre ganzen Mühen über einen Tag hinweg auflistet (vgl. V. 3137ff.). Schlussendlich lässt sich sagen, dass Gretchen das Tempo ihrer Beziehung zu Faust durch das Darlegen ihrer Heiratsfähigkeit nach vorne treibt und somit einen aktiven Part in der Gestaltung ihrer Beziehung spielt. Im selben Redefluss, wird ein weiteres mal deutlich, dass Gretchen zwar größtenteils ein tugendreiches Mädchen ist, dass ihrer „Mutter" (V. 3113) Folge leistet und gläubig (vgl. V. 3073) ist, dennoch kritisiert sie ihre Lebensverhältnisse und ihre Mutter, welche pedantisch sparsam sei, obwohl sich ihre Familie „weit eh`r als andre regen“ (V. 3116) könne. Diese Kritik zeigt bereits, dass der Charakter Gretchens als zweiseitig verstanden werden kann. So ist sie auf der einen Seite ganz den gesellschaftlichen Normen entsprechend tugendreich, und strebt eine Heirat mit Faust an, auf der anderen Seite kritisiert sie jedoch auch die Gesellschaft, welche von ihrer Mutter verkörpert wird, in der sie aufgewachsen ist. Zur gleichen Zeit wandelt sich die Konversation Marthens und Mephistos immer mehr in ein missglücktes Gespräch. Marthe, welche Mephisto mag, drängt darauf herauszufinden, ob dieser schon eine Frau beziehungsweise die Liebe (vgl. V. 3154) „gefunden“ (V. 3153) habe. Mephisto jedoch beantwortet die Frage nicht, sondern weicht aus, indem er ein „Sprichwort" (V. 3155) zitiert, das sowohl mit dem Wert der Einsamkeit als auch des Vermögens interpretiert werden kann. Dabei wird besonders der Wert durch die Symbolik des ,,Gold(es) und (der) Perlen“ (V. 3156) hervorgehoben. 5

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die Nachbarin Gretchens, welcher Faust den Tod ihres Mannes versichert hat, damit er sich mit Gretchen in ihrem Garten treffen kann. Im Verlauf der Szene kommen sich Gretchen und Faust näher, während Mephisto und Marthe sich über das Leben und seinen Verlauf unterhalten. 1 Die Szene verdeutlicht die charakterlichen Unterschiede Gretchens und Fausts und deutet bereits auf Gretchens Untergang hin. Auch kontrastiert sie Mephisto und Faust und zeigt Gretchen als Mittäterin an dem weiteren Verlauf ihres eigenen Lebens. Der Ort der Szene ist der ,,Garten" Marthens. Dieser steht, im Hinblick auf das Liebesgeschehen, für ein Paradies der Versuchung und der Begierde. Damit steht die Szene bereits von Anfang an unter dem Schatten der Lust, was als Andeutung auf die später folgenden, in der Gesellschaft als Fehltritte betitelte, Taten Gretchens gedeutet werden kann. Die Regieanweisungen zu Beginn der Szene zeigen sogleich den Kontrast zwischen den beiden im Garten herumstolzierenden Paaren auf. So befindet sich ,,Margarete an Faustens Arm", während „Marthe mit Mephisto auf und ab spazier(t)". Folglich lässt sich sagen, dass Margarete und Faust sich schon hier physisch nahestehen und den körperlichen Kontakt zu dem jeweiligen anderen suchen, während Marthe und Mephisto eher unruhig sind und in keinerlei Verbindung zueinander stehen. Diese Arbeit mit Kontrasten zwischen den beiden Paaren wird im weiteren Verlauf der Szene bei der Charakterisierung Fausts und Gretchens Beziehung behilflich sein. Zu Beginn des Abschnittes, werden zunächst Gretchen und Faust ins Visier genommen, wobei Gretchen die anscheinend vorherrschenden ständischen Unterschiede der beiden thematisiert. So sei Faust ein „erfahrne(r) Mann“ (V. 3077), der durch Gretchens ,,arm Gespräch nicht unterhalten (werden) kann“ (V. 3078). Dies zeigt, dass sich Gretchen der gesellschaftlichen, unüberbrückbaren Differenzen zwischen ihr und Faust bewusst ist, dennoch davon träumt durch Faust einen sozialen Aufstieg zu erhalten, um nicht mehr so schwer ,,schaffen (zu) müssen“ (V. 3083). In dem selben Kontext wird zudem deutlich, dass Gretchen zwar ein tugendreiches Mädchen ist, da sie unteranderem von der Güte des „Herr(n)“ (V. 3073) redet, was bedeutet, dass sie christlich ist, jedoch eine rebellische Seite besitzt. So kritisiert sie ihre „Mutter“ (V. 2 3084) für ihre Genauigkeit, aufgrund von welcher sie hart „schaffen“ (V. 3083) müsse und nun eine „garstige“ (V. 3082) und „rauh(e)“ (V. 3082) „Hand“ (V. 3080) besäße. Faust, der ihre „Hand“ (V. 3080) „küsst“ (V. 3080) und damit definitiv eine körperliche Zuneigung zum Audruck bringt, hält gegen Gretchens Zweifel seine Gefühle für sie, indem er Gretchens Gestalt mit „alle(n) Weisheit(en)" (V. 3080) vergleicht. 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Auch wird durch ein Repetitio des Wortes ,um“ (V. 3090) klar, dass Marthe sich erhofft, dass Mephisto von seinem ,,Gewerb und Pflicht" (V. 3086), das ihn nur immer zu zum „fort“ (V. 3085) „reis(en)“ (V. 3085) zwingt (vgl. V. 3087f.), ablässt, um sich, bestenfalls mit ihr niederzulassen. Schließlich wird durch das wiederholen des Wortes ,,um“ (V. 3090) und dem Verwenden des Begriffs „streifen“ (V. 3090) anstelle des Begriffs „reisen“, der Nicht - Sässhaftigkeit eine pejorative Bedeutung hinzugefügt, welche durch das Aufgreifen einer Todesmetaphorik (vgl. V. 3092) verstärkt wird. Mephisto jedoch geht darauf kaum ein und antwortet nur, dass es ihm vor dem einsamen Sterben schon zu ,,Grausen" (V. 3094) vermöge. 3 Gretchen und Faust haben inzwischen weitere Unterschiede zwischen sich aufgedeckt. So sei, laut Gretchen, Faust beliebter (vgl. V. 3098) und durchaus auch gebildeter (vgl. V. 3099) als sie. Faust setzt dagegen, dass durch „Eitelkeit und Kurzsinn“ (V. 3101) sich die Welt vereinfachen ließe und man dadurch „verständig“ (V. 3100) wirke. Durch jene Reaktion wird der Bildungsunterschied der beiden besonders deutlich, da Gretchen hier als unwissende Person dargestellt wird, welche von Faust über die wesentlichen und wichtigen Eigenschaften eines Menschen belehrt werden müsste. Schließlich sei, laut Faust, „die Einfalt“ (V. 3102) und „die Unschuld“ (V. 3102) „heil`ge(...) Wert(e)" (V. 3103). Zugleich beschreibt Faust in jenem Absatz sein persönliches Schönheitsideal, zu dem wohl auch die „Demut (und die) Niedrigkeit" (V. 3104) gehören. Folglich wird klar: Gretchen erscheint für Faust deshalb entzückend, da sie seiner Meinung nach seinem eigenen Schöhneitsideal entspricht. Schließlich hat Gretchen gleich zu Beginn gezeigt, zum Beispiel durch das betonen ihrer Stellung zu der sich ,,der Herr“ (V. 3073) „herab(lasse)“ (V. 3074), dass sie jene Tugenden der „Demut (und) Niedrigkeit" 8V. 3104) besitzt. Im weiteren Verlauf des Gesprächs der beiden wird besonders gut deutlich, dass Gretchen eine aktive Mitspielern in der Beziehung der beiden darstellt. So besitzt sie den größten Redeanteil und unterbricht Faust (vgl. V. 3105f.) voller Energie, um das Gesprächsthema, auf ihre Einsamkeit zu lenken, welche sie mit den Worten sie „werde Zeit genug (…..) haben“ (V. 3107) „an (Faust) zu denken“ (V. 3107) betitelt. Die Lenkung des Gesprächs in diese Richtung, kann als Apell an Faust aufgefasst werden, dass sie bereit zu Heiraten sei. Auch der weitere Absatz betont Gretchens Heiratswille, schließlich führt sie in dem besagten, jegliche ihrer Fähigkeiten auf, die sie zu einer guten Ehefrau und Hausfrau machten. So könne sie ,,kochen, fegen, stricken / Und nähn, und laufen früh und spat" (V. 3111f.), und das ziemlich gut, denn ihre „Mutter“ (V. 3113) sei sehr „akkurat“ (V. 3114). Des 4 Weiteren sei sie kein schlechter Fang, weil sie besäße „ein Häusschen und ein Gärtchen vor der Stadt" (V. 3118). Außerdem könne sie eine gute Mutter sein, da sie schoneinmal Erfahrung in der Kindererziehung gesammelt hat, als es ihrer Mutter „elend“ (V. 3127) gewesen ist, und sie sich um ihr ,,Schwesterchen“ (V. 3121) gekümmert habe und es „ganz allein" (V. 3132) „erzog“ (V. 3132). Hier verdeutlicht sie ihre Erziehungskünste sogar noch einmal, indem sie ihre ganzen Mühen über einen Tag hinweg auflistet (vgl. V. 3137ff.). Schlussendlich lässt sich sagen, dass Gretchen das Tempo ihrer Beziehung zu Faust durch das Darlegen ihrer Heiratsfähigkeit nach vorne treibt und somit einen aktiven Part in der Gestaltung ihrer Beziehung spielt. Im selben Redefluss, wird ein weiteres mal deutlich, dass Gretchen zwar größtenteils ein tugendreiches Mädchen ist, dass ihrer „Mutter" (V. 3113) Folge leistet und gläubig (vgl. V. 3073) ist, dennoch kritisiert sie ihre Lebensverhältnisse und ihre Mutter, welche pedantisch sparsam sei, obwohl sich ihre Familie „weit eh`r als andre regen“ (V. 3116) könne. Diese Kritik zeigt bereits, dass der Charakter Gretchens als zweiseitig verstanden werden kann. So ist sie auf der einen Seite ganz den gesellschaftlichen Normen entsprechend tugendreich, und strebt eine Heirat mit Faust an, auf der anderen Seite kritisiert sie jedoch auch die Gesellschaft, welche von ihrer Mutter verkörpert wird, in der sie aufgewachsen ist. Zur gleichen Zeit wandelt sich die Konversation Marthens und Mephistos immer mehr in ein missglücktes Gespräch. Marthe, welche Mephisto mag, drängt darauf herauszufinden, ob dieser schon eine Frau beziehungsweise die Liebe (vgl. V. 3154) „gefunden“ (V. 3153) habe. Mephisto jedoch beantwortet die Frage nicht, sondern weicht aus, indem er ein „Sprichwort" (V. 3155) zitiert, das sowohl mit dem Wert der Einsamkeit als auch des Vermögens interpretiert werden kann. Dabei wird besonders der Wert durch die Symbolik des ,,Gold(es) und (der) Perlen“ (V. 3156) hervorgehoben. 5