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Nathan der Weise Szenenanalyse 3,6

Nathan der Weise Szenenanalyse 3,6

 Szenenanalyse: Nathans Monolog (III, 6)
Im sechsten Auftritt des dritten Aufzugs des 1779 erschienenen dramatischen
Gedichtes ,,Nathan der

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Szenenanalyse zu Aufzug 3 , Auftritt 6 Monolog Nathans

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Szenenanalyse: Nathans Monolog (III, 6) Im sechsten Auftritt des dritten Aufzugs des 1779 erschienenen dramatischen Gedichtes ,,Nathan der Weise" von G.E. Lessing handelt es sich um einen inne- ren Monolog der Hauptfigur Nathan in Saladins Palast, den er in der gewährten kurzen Bedenkzeit mit sich selbst führt: Er überlegt, wie er mit der Frage des Sultans umgehen soll, der von ihm wissen möchte, welche der drei Religionen er für die Wahre hält. (Inhaltsangabe) Nathan führt im Audienzsaal in Saladins Palast während seiner Bedenkzeit, die er vom Sultan bekommen hat, ein Selbstgespräch. Dieser zeigt seine Verwunde- rung über die Frage Saladins, welche der drei Weltreligionen, Judentum, Chris- tentum und Islam, die richtige sei. Daher denkt Nathan, die unerwartete Situa- tion, in der er sich befindet, sei eine Falle für ihn, da er zum Gespräch mit dem Sultan mit dem Gedanken gekommen ist, es gehe um Geld und nicht um die wahre Religion. Während seines Monologs vergleicht Nathan die Wahrheit mit einer Münze. Der jüdische Kaufmann bemüht sich auf eine ordentliche Antwort zur Frage von Saladin, da er das Verlangen hat, sich selber aus dieser Falle zu retten und zu befreien. Schließlich findet er die Lösung und die Antwort zu sei- nem Problem: Er möchte die Frage anhand eines Märchens beantworten. (Einordnung der Szene) Die 6. Szene gehört zum dritten Aufzug,...

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der dramentheoretisch in die Peripetie einzuordnen ist. Die Handlung steuert auf den Höhe- und Wendepunkt zu. Der stark verschuldete Sultan Saladin hat von seinem Schatzmeister, Al-Hafi, erfahren, dass der jüdische, tolerante und reiche Nathan ihm Geld borgen könnte und hat ihn in seinen Palast kommen lassen. Kurz vor dem Eintreffen Nathans haben sich Saladin und seine Schwester Sittah eine List überlegt, wie sie an sein Geld herankommen können. Im Gespräch stellt ihm der Sultan die Frage, wel- che der drei Weltreligionen die richtige sei. Nathan ist über diese Frage sehr ver- wundert, deshalb gewährt ihm Saladin eine kurze Bedenkzeit, die die Hauptfigur nutzt, um der Falle zu entgehen. (Figurenanalyse) Nathan, der stets vernünftig und bedacht handelt, hat den Sultan durchschaut. Da er wittert, dass seine Antwort auf Saladins Frage seine Zukunft bestimmen wird, überlegt er geschickt, wie er an die Glaubensfrage herangeht. Eine Identifikation mit dem Judentum würde eine Abgrenzung zu anderen Religionen erfordern, die nicht zu seinem Bewusstsein passt und gleichzeitig den Sultan beleidigen würde. Seine Religion verleugnen kann und will Nathan auch nicht. (Szenenanalyse und Interpretation) Nathans Monolog lässt sich in vier Sinnesabschnitte unterteilen: -Der erste Sinnesabschnitt (V. 1865-1867) ist durch Nathans Verwunderung ge- kennzeichnet. Im zweiten Teil (V. 1868-1875) vergleicht die Hauptfigur die Wahrheit mit ei- ner Münze. Das Gefühl des Misstrauens prägt den dritten Sinnesabschnitt (V. 1875-1888). Im letzten Abschnitt (V. 1888-1890) findet Nathan eine Lösung, wie er auf die unerwartete Frage Saladins reagieren soll. Nathans Gedanken entwickeln sich im Laufe des inneren Monologs von Speku- lationen und Unwissen bis hin zur Wahrheit. Der Monolog beginnt mit der wie- derholten Interjektion „Hm!“ (V. 1865), die seine Verwunderung und Nach- denklichkeit ausdrückt, einer Sprechpause, die durch den Gedankenstrich ge- kennzeichnet ist und der Ellipse ,,Wunderlich!“ und endet mit einer gewissen Gelassenheit und Zuversicht, die wir in den Worten ,,Er kömmt. Er komme nur!" (V. 1890) als Ergebnis der Selbstreflexion erkennen. Diese Entwicklung ist ein zentrales Element des Auftritts. Sie zeigt, dass der im gesamten Werk als weise und quasi allwissend dargestellte Nathan auch nicht sofort Bescheid weiß und menschlich ist. Die Ausrufe (vgl. V. 1865, 1866, 1881, 1884 und 1888) und die Ellipsen (vgl. V. 1869f., 1876, 1884, 1886 und 1887f.) spiegeln seine anfängliche Erregtheit: Er erken nämlich die Falle Saladins (vgl. V. 1879) und sucht fieberhaft nach einem Ausweg. Verstärkt wird dieser Eindruck, den man von Nathan bekommen soll, noch durch das Stilmittel von Wiederholungen; besonders auffällig in Vers 1877 f. ("Zwar, Zwar [...]"). Diese Wiederholung wirkt wie ein Stottern, sie zeigt, dass Nathan unsicher ist. Im ersten Sinnesabschnitt stellt Nathan sich anfangs die Frage: „Was will der Sultan? Was?" (V. 1866), weil Saladin ihn nach der wahren Religion gefragt hat, obwohl Nathan doch darauf gefasst gewesen ist, vom Sultan nach Geld ge- fragt zu werden (V. 1867). Nachdem er sich diese rhetorische Frage gestellt hat, wird im Anschluss direkt deutlich, dass er sie selbst beantwortet, denn "[der Sul- tan] will - Wahrheit.“ (V.1867). Jedoch ist das untypisch für rhetorische Fragen, weil man diese Fragen normalerweise nicht beantwortet, da die Antwort bekannt ist. Durch die Anapher ,,Wahrheit" (V.1867) verstärkt sich die Wirkung der Verwunderung Nathans, da man sich das Gesagte besonders gut merkt. Außerdem erkennt man im Laufe des Monologs, wie wichtig die Wahrheit für Nathan ist, da das Wort sieben Mal wiederholt wird. Im zweiten Abschnitt vergleicht Nathan die Wahrheit mit einer blanken Münze (vgl. V. 1868). Indem er die Wahrheit mit der Münze gleichstellt, drückt Nathan aus, dass es keine fest definierte und absolute Form von Wahrheit gibt, genauso wie bei uralten Münzen (vgl. V.1868ff.). Früher habe man uralte Münzen nicht fest definieren und schon gar nicht festlegen (V.1872ff.) können, ob die Münze original, wahr, oder gefälscht, falsch ist, ebenso, wie mit dem Wahrheitsgehalt der Religionen. Die Wahrheit hat seiner Meinung nach keinen festen ,,Stempel" (V. 1873), wie die neuen Münzen, bzw. das heutige neue Geld. Als Kaufmann kennt er sich mit dem Wert und Herstellungsprozess der Münzen aus. Der von ihm ausgesuchte Gegenstand, die Münze, ist als Metapher zu betrachten, damit man sich die Lage bildlich und somit besser vorstellen kann. Außerdem erkennt man auch die Problematik in Nathans Situation, nämlich dass der Sultan die Wahrheit sofort und direkt auf die Hand gelegt haben möchte. Doch, wie bei ei- ner Münze, kann dies nicht direkt erfolgen. Der Abschnitt ,,Misstrauen" beginnt sofort mit der rhetorischen Frage, „Wer ist denn hier der Jude? Ich oder er?" (V.1875f.). Diese Frage verdeutlicht nochmal, wie verwundert Nathan doch ist, als Jude gefragt zu werden, die Wahrheit der Religionen zu bewerten und zu bestimmen. Mit dieser Frage stellt er sich eine Rangstufe unter dem Sultan Saladin und somit dem Islam und geht mit seiner Weisheit bescheiden um. Denn er war nicht auf solch eine Frage, sondern mit ei- ner Anforderung von Geld gefasst (vgl. V.1867). Er wittert eine Falle in Sala- dins Frage und will deshalb sorgfältig an die Sache herangehen (vgl. V.1878f.), um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. In Vers 1877 wiederholt er die Anapher ,,Wahrheit", das zeigt dem Leser, wie wichtig Nathan die Aufklärung auf neutraler Ebene mit der Wahrheit ist. Die Wiederholung der Worte „Zu klein" in Vers 1880f. verdeutlicht dem Leser, dass egal, wie Nathan antworten wird, Saladin fähig wäre, diese Antwort auf Grund seiner Machtposition gegen ihn zu verwenden. Denn Nathan ahnt, dass Saladin ihn in eine Falle locken will. In diesem Moment stellt er sich erneut un- ter Saladin, mit der Aussage: ,,Was ist für einen Großen denn/ Zu klein?“ (V.1881f.). Hier wird verdeutlicht, dass Nathan Saladin als den „Großen“ (V.1880) und in dem Falle als den Mächtigen ansieht. Denn Juden wurden in der damaligen Gesellschaft als niedrig angesehen. Durch die Hyperbel, einer starken Übertreibung ,,Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder." (V. 1886) stei- gert Nathan seine Gefühlsintensivität. Diese wird noch einmal durch die Ellipse ,, [...] wenn kein Jude, dann dürft er [mich] nur fragen, […]” (V.1887) betont und somit wird der Inhalt bzw. die Rangunterstufung Nathans verstärkt. Damit versucht Nathan sich darüber zu äußern, dass Juden damals verachtenswert an- gesehen wurden und meint, dass Saladin ihn nur fragen dürfte, wenn er kein Jude wäre. Außerdem stellt dies auch eine starke Verletzung der Gefühle Nathans dar, da dem Leser bewusst ist, welch einen Wert er auf Toleranz und Gleichsetzung aller auf menschlicher Ebene legt. In dieser Situation wird seine Vorstellung von Menschlichkeit und Gleichsetzung am eigenen Leib mit Füßen getreten. Die Verachtung gegenüber Juden stärkt er, indem er sagt, dass es nichts anderes oder irgendjemanden gibt, der „minder" (V.1886) bzw. schlim- mer als ein Jude stehen kann. „Die Lösung" auf die Frage des Sultans wird im Monolog und somit im letzten Sinnesabschnitt zwar angeregt, jedoch noch nicht näher erläutert, da sie in der darauffolgenden Szene zu finden ist. Nathan will ihm die Antwort in Form eines Märchens anbieten, welches auch die Ringparabel bildet. Dies äußert er anhand der Aussage, „Nicht die Kinder bloß speist man / Mit Märchen ab" (V.1889). Gleichzeitig verwendet er hier geschickt eine Inversion, um das kleine, jedoch entscheidende Wort „nicht" zu betonen. Denn in diesem Falle möchte Nathan Saladin mit einem Märchen überzeugen. Schließlich lässt sich sagen, dass die sprachlichen Mittel die Intentionen Nathans in seiner schwierigen Situation besser verdeutlichen und seine Gefühls- lage verstärken. Nathans Absicht ist es, den Sultan mit Vernunft aufzuklären, ohne ihn zu verärgern. Dieser Monolog kann als Entscheidungsmonolog be- zeichnet werden, da Nathan sich für eine Antwort entscheiden muss, mit der er sich seine Zukunft sichert. Eine falsche bzw. eine Antwort, die dem Sultan nicht gerecht kommt, könnte dementsprechend Konsequenzen für Nathan mit sich bringen. Deshalb iässt sich zusammenfassend sagen, dass der Monolog Nathans den wei- teren Verlauf der Handlung beeinflussen wird, da er mit diesem Entscheidungs- monolog genau überlegen muss, wie er die Glaubensfrage beantwortet, weil er Saladin nicht reizen möchte. Nathan hat sich die Zukunft unabsichtlich gesichert und beeinflusst. Nath gut überlegte Antwort sichert ein Leben: Der mächtige Sultan Saladin hätte ihn nämlich auf Grund einer falschen Antwort tö- ten können. Außerdem bietet ihm sein sicherer Umgang mit der Sprache ein Stück weit Sicherheit. Die Weisheit Nathans ist im Monolog erneut deutlich ge- worden, da er gewusst hat, dass er diese Frage nicht mit seinen Gefühlen hin- sichtlich seiner Religion beantworten darf. Eine weitere Thematik, auf die Lessing im inneren Monolog anspielt, ist die Frage, ob man seine Religion leugnen darf, um sich zu schützen. Nathan ist da- von überzeugt, dass das nicht in Ordnung sei (vgl. V. 1886).

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Eine Identifikation mit dem Judentum würde eine Abgrenzung zu anderen Religionen erfordern, die nicht zu seinem Bewusstsein passt und gleichzeitig den Sultan beleidigen würde. Seine Religion verleugnen kann und will Nathan auch nicht. (Szenenanalyse und Interpretation) Nathans Monolog lässt sich in vier Sinnesabschnitte unterteilen: -Der erste Sinnesabschnitt (V. 1865-1867) ist durch Nathans Verwunderung ge- kennzeichnet. Im zweiten Teil (V. 1868-1875) vergleicht die Hauptfigur die Wahrheit mit ei- ner Münze. Das Gefühl des Misstrauens prägt den dritten Sinnesabschnitt (V. 1875-1888). Im letzten Abschnitt (V. 1888-1890) findet Nathan eine Lösung, wie er auf die unerwartete Frage Saladins reagieren soll. Nathans Gedanken entwickeln sich im Laufe des inneren Monologs von Speku- lationen und Unwissen bis hin zur Wahrheit. Der Monolog beginnt mit der wie- derholten Interjektion „Hm!“ (V. 1865), die seine Verwunderung und Nach- denklichkeit ausdrückt, einer Sprechpause, die durch den Gedankenstrich ge- kennzeichnet ist und der Ellipse ,,Wunderlich!“ und endet mit einer gewissen Gelassenheit und Zuversicht, die wir in den Worten ,,Er kömmt. Er komme nur!" (V. 1890) als Ergebnis der Selbstreflexion erkennen. Diese Entwicklung ist ein zentrales Element des Auftritts. Sie zeigt, dass der im gesamten Werk als weise und quasi allwissend dargestellte Nathan auch nicht sofort Bescheid weiß und menschlich ist. Die Ausrufe (vgl. V. 1865, 1866, 1881, 1884 und 1888) und die Ellipsen (vgl. V. 1869f., 1876, 1884, 1886 und 1887f.) spiegeln seine anfängliche Erregtheit: Er erken nämlich die Falle Saladins (vgl. V. 1879) und sucht fieberhaft nach einem Ausweg. Verstärkt wird dieser Eindruck, den man von Nathan bekommen soll, noch durch das Stilmittel von Wiederholungen; besonders auffällig in Vers 1877 f. ("Zwar, Zwar [...]"). Diese Wiederholung wirkt wie ein Stottern, sie zeigt, dass Nathan unsicher ist. Im ersten Sinnesabschnitt stellt Nathan sich anfangs die Frage: „Was will der Sultan? Was?" (V. 1866), weil Saladin ihn nach der wahren Religion gefragt hat, obwohl Nathan doch darauf gefasst gewesen ist, vom Sultan nach Geld ge- fragt zu werden (V. 1867). Nachdem er sich diese rhetorische Frage gestellt hat, wird im Anschluss direkt deutlich, dass er sie selbst beantwortet, denn "[der Sul- tan] will - Wahrheit.“ (V.1867). Jedoch ist das untypisch für rhetorische Fragen, weil man diese Fragen normalerweise nicht beantwortet, da die Antwort bekannt ist. Durch die Anapher ,,Wahrheit" (V.1867) verstärkt sich die Wirkung der Verwunderung Nathans, da man sich das Gesagte besonders gut merkt. Außerdem erkennt man im Laufe des Monologs, wie wichtig die Wahrheit für Nathan ist, da das Wort sieben Mal wiederholt wird. Im zweiten Abschnitt vergleicht Nathan die Wahrheit mit einer blanken Münze (vgl. V. 1868). Indem er die Wahrheit mit der Münze gleichstellt, drückt Nathan aus, dass es keine fest definierte und absolute Form von Wahrheit gibt, genauso wie bei uralten Münzen (vgl. V.1868ff.). Früher habe man uralte Münzen nicht fest definieren und schon gar nicht festlegen (V.1872ff.) können, ob die Münze original, wahr, oder gefälscht, falsch ist, ebenso, wie mit dem Wahrheitsgehalt der Religionen. Die Wahrheit hat seiner Meinung nach keinen festen ,,Stempel" (V. 1873), wie die neuen Münzen, bzw. das heutige neue Geld. Als Kaufmann kennt er sich mit dem Wert und Herstellungsprozess der Münzen aus. Der von ihm ausgesuchte Gegenstand, die Münze, ist als Metapher zu betrachten, damit man sich die Lage bildlich und somit besser vorstellen kann. Außerdem erkennt man auch die Problematik in Nathans Situation, nämlich dass der Sultan die Wahrheit sofort und direkt auf die Hand gelegt haben möchte. Doch, wie bei ei- ner Münze, kann dies nicht direkt erfolgen. Der Abschnitt ,,Misstrauen" beginnt sofort mit der rhetorischen Frage, „Wer ist denn hier der Jude? Ich oder er?" (V.1875f.). Diese Frage verdeutlicht nochmal, wie verwundert Nathan doch ist, als Jude gefragt zu werden, die Wahrheit der Religionen zu bewerten und zu bestimmen. Mit dieser Frage stellt er sich eine Rangstufe unter dem Sultan Saladin und somit dem Islam und geht mit seiner Weisheit bescheiden um. Denn er war nicht auf solch eine Frage, sondern mit ei- ner Anforderung von Geld gefasst (vgl. V.1867). Er wittert eine Falle in Sala- dins Frage und will deshalb sorgfältig an die Sache herangehen (vgl. V.1878f.), um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. In Vers 1877 wiederholt er die Anapher ,,Wahrheit", das zeigt dem Leser, wie wichtig Nathan die Aufklärung auf neutraler Ebene mit der Wahrheit ist. Die Wiederholung der Worte „Zu klein" in Vers 1880f. verdeutlicht dem Leser, dass egal, wie Nathan antworten wird, Saladin fähig wäre, diese Antwort auf Grund seiner Machtposition gegen ihn zu verwenden. Denn Nathan ahnt, dass Saladin ihn in eine Falle locken will. In diesem Moment stellt er sich erneut un- ter Saladin, mit der Aussage: ,,Was ist für einen Großen denn/ Zu klein?“ (V.1881f.). Hier wird verdeutlicht, dass Nathan Saladin als den „Großen“ (V.1880) und in dem Falle als den Mächtigen ansieht. Denn Juden wurden in der damaligen Gesellschaft als niedrig angesehen. Durch die Hyperbel, einer starken Übertreibung ,,Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder." (V. 1886) stei- gert Nathan seine Gefühlsintensivität. Diese wird noch einmal durch die Ellipse ,, [...] wenn kein Jude, dann dürft er [mich] nur fragen, […]” (V.1887) betont und somit wird der Inhalt bzw. die Rangunterstufung Nathans verstärkt. Damit versucht Nathan sich darüber zu äußern, dass Juden damals verachtenswert an- gesehen wurden und meint, dass Saladin ihn nur fragen dürfte, wenn er kein Jude wäre. Außerdem stellt dies auch eine starke Verletzung der Gefühle Nathans dar, da dem Leser bewusst ist, welch einen Wert er auf Toleranz und Gleichsetzung aller auf menschlicher Ebene legt. In dieser Situation wird seine Vorstellung von Menschlichkeit und Gleichsetzung am eigenen Leib mit Füßen getreten. Die Verachtung gegenüber Juden stärkt er, indem er sagt, dass es nichts anderes oder irgendjemanden gibt, der „minder" (V.1886) bzw. schlim- mer als ein Jude stehen kann. „Die Lösung" auf die Frage des Sultans wird im Monolog und somit im letzten Sinnesabschnitt zwar angeregt, jedoch noch nicht näher erläutert, da sie in der darauffolgenden Szene zu finden ist. Nathan will ihm die Antwort in Form eines Märchens anbieten, welches auch die Ringparabel bildet. Dies äußert er anhand der Aussage, „Nicht die Kinder bloß speist man / Mit Märchen ab" (V.1889). Gleichzeitig verwendet er hier geschickt eine Inversion, um das kleine, jedoch entscheidende Wort „nicht" zu betonen. Denn in diesem Falle möchte Nathan Saladin mit einem Märchen überzeugen. Schließlich lässt sich sagen, dass die sprachlichen Mittel die Intentionen Nathans in seiner schwierigen Situation besser verdeutlichen und seine Gefühls- lage verstärken. Nathans Absicht ist es, den Sultan mit Vernunft aufzuklären, ohne ihn zu verärgern. Dieser Monolog kann als Entscheidungsmonolog be- zeichnet werden, da Nathan sich für eine Antwort entscheiden muss, mit der er sich seine Zukunft sichert. Eine falsche bzw. eine Antwort, die dem Sultan nicht gerecht kommt, könnte dementsprechend Konsequenzen für Nathan mit sich bringen. Deshalb iässt sich zusammenfassend sagen, dass der Monolog Nathans den wei- teren Verlauf der Handlung beeinflussen wird, da er mit diesem Entscheidungs- monolog genau überlegen muss, wie er die Glaubensfrage beantwortet, weil er Saladin nicht reizen möchte. Nathan hat sich die Zukunft unabsichtlich gesichert und beeinflusst. Nath gut überlegte Antwort sichert ein Leben: Der mächtige Sultan Saladin hätte ihn nämlich auf Grund einer falschen Antwort tö- ten können. Außerdem bietet ihm sein sicherer Umgang mit der Sprache ein Stück weit Sicherheit. Die Weisheit Nathans ist im Monolog erneut deutlich ge- worden, da er gewusst hat, dass er diese Frage nicht mit seinen Gefühlen hin- sichtlich seiner Religion beantworten darf. Eine weitere Thematik, auf die Lessing im inneren Monolog anspielt, ist die Frage, ob man seine Religion leugnen darf, um sich zu schützen. Nathan ist da- von überzeugt, dass das nicht in Ordnung sei (vgl. V. 1886).