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Szenenanalyse Faust

Szenenanalyse Faust

 Lisa Kocher
Frau Zach
Deutsch; Basisfach
03.10.2020
Szenenanalyse: „Wagner im Schlafrocke“ (V. 522 – 601)
Das Drama „Faust – Der Tragödie E

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Wagner im Schlafrocke

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Lisa Kocher Frau Zach Deutsch; Basisfach 03.10.2020 Szenenanalyse: „Wagner im Schlafrocke“ (V. 522 – 601) Das Drama „Faust – Der Tragödie Erster Teil“, geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe und erschienen im Jahr 1808, beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob der Mensch als Wesen eher vernunftsbegabt, oder doch triebhaft ist. Im Vorspiel auf dem Theat treten der Direktor, der Theaterdichter und eine lustige Person auf. Der Direktor plant eine neue Aufführung. Dafür bittet er den Dichter und die lustige Person um ihre Mithilfe. Er selbst muss die Erwartungen des Publikums befriedigen, um geschäftlichen Erfolg zu haben. Der Dichter fühlt sich vor allem der Kunst verpflichtet. Die lustige Person hält dagegen, dass das Publikum ein Recht darauf habe, unterhalten zu werden. Der Prolog findet im Himmel statt. Dort glaubt Gott, der Herr, an das Gute in jedem Menschen: Nicht einmal der zweifelnde Doktor Faust würde sich vom rechten Weg abbringen lassen. Der Teufel, Mephisto, dagegen ist überzeugt, dass er Faust auf Abwege führen könne. Er schließt darüber eine Wette mit Gott ab. In der nächsten Szene, der Nacht, tritt Dr. Heinrich Faust, ein angesehener Gelehrter, zum ersten Mal auf. Er befindet sich in seinem Studierzimmer und grübelt über den Sinn des Daseins nach, wobei ihm seine hervorragende Bildung nicht weiter behilflich zu sein erscheint. Diese kommt ihm auf der Suche nach...

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den wesentlichen Geheimnissen des Lebens, nach einer ganzheitlichen Erkenntnis nicht zu Gute. Verzweifelt wendet sich Faust der Geisterwelt zu und beschwört den Erdgeist. Er versucht, sich den Geistern gleichzustellen, was ihm jedoch nicht gelingt. Somit schafft er es letztendlich den Geist zwar hervorzurufen, 1 jedoch nicht ihn zu halten. Faust sieht sich ein weiteres Mal geschlagen und in seine Schranken gewiesen. In dieser dramatischen Situation, welche besonders von Selbstzweifeln des Gelehrten geprägt ist, klopft es an die Türe seines Studierzimmers. Es ist sein Assistent, welcher Fausts verzweifelten Monolog mit einer griechischen Tragödie verwechselt hat, und gekommen ist, um von Fausts Vortragskunst zu lernen. Die beiden beginnen ein Gespräch über die Rhetorik, wobei Faust die Meinung vertritt, dass ein guter Redner gefühlvoll sein muss. Im Laufe der Konversation fangen Wagner und Faust an, über die Wissenschaften und historische Quellen zu diskutieren. Das Gespräch endet damit, dass Faust Wagner bittet zu gehen. Dieser möchte das Gespräch schließlich am nächsten Tag fortsetzen. Faust ist nun wieder allein. Das Aufeinandertreffen der beiden Charaktere erscheint ein wenig ulkig, jedoch zugleich hitzig, da die Diskussion der beiden, zum einen, die verschiedenen Perönlichkeiten der Figuren hervorkehrt, zum anderen jedoch auch die Kritik an der Wissenschaft, als auch an der Universität, fortzusetzen scheint. Dabei stellt sich die Frage, in wie weit dieser Szenenausschnitt für den weiteren Verlauf des Dramas ins Gewicht fällt. Bereits zu Beginn des Ausschnittes wird deutlich, dass Wagner wohl eher eine ulkige Person in dem Drama darstellen soll. So tritt der Schüler des Gelehrten Fausts, „im Schlafrocke und der Nachtmütze“ (V. 522) in der Nacht in das Zimmer seines Professors ein, mit der Intention, von seiner Vortragskunst zu „profitieren“ (V. 524). Faust ist davon alles andere als begeistert, da er sich nur „unwillig“ (V. 523) seinem Gelehrten zu wendet, welcher ihn in seinem Vorhaben, nach einer Lösung für die Suche nach einer umfassenden Erkenntnis über das Leben, mächtig stört. Folglich, verfolgt Faust auch im weiteren Verlauf des Gespräches, seinen Gesprächspartner so schnell wie möglich los zu werden. Darum behandelt Faust Wagner von oben herab, stellt die Ansichten Wagners auch denen eines ,,Tor(es)“ (V. 549) gleich und 2 sagt, dass Wagners Vorstellung von Rhetorik nur „Kindern und Affen" (V. 542) begeistern könnten. Wagner stellt die erste These der Diskussion auf. So könne ein „Komödiant“ (V. 527) ,,einen Pfarrer lehren" (V. 527). Doch bereits nach dieser These weist Faust Wagner in seine Schranken, in dem er ihm widerspricht, dass dies nur möglich sei ,,wenn der Pfarrer ein Komödiant" (V. 528) sei. Die Aussage Wagners, welche einem Paradoxon gleicht, und Fausts Reaktion zeigen, dass Wagners Ansichten von der Welt deutlich von Fausts Meinung abweichen und etwas realitätsfern erscheinen. Schließlich ist es völlig auszuschließen, dass ein Komödiant einen Pfarrer, welcher eher ernstere Themen in seinen Predigten behandelt, lehren könnte. Diese Realitätsferne wird zugleich im weiteren Verlauf deutlich. So erklärt Wagner, dass er häufig „in sein Museum gebannt“ (V. 530) sei, wobei das Museum eine Metapher für die Studierstube darstellt. Diese Wortwahl kann sogleich satirisch aufgefasst werden, da in einem Museum üblicherweise ältere Kunstwerke ausgestellt werden, und zugleich nichts so wirklich vorangetrieben wird. Übertragen auf das Studierzimmer bedeutet das, dass auch von dem Studieren, abgeschieden von der „Welt“ (V. 531), die Wagner anspricht und sich selbst nicht dazu zählt, nichts herumkommen kann, das zu einer tatsächlichen Entwicklung beiträgt und lediglich der Reproduktion bereits bekannten Wissens dient. Daraufhin stellt Wagner die Frage was einen guten Redner ausmache (vgl. V. 533). Faust antwortet schlussendlich, dass es wichtig sei den Inhalt seiner Reden mit Leidenschaft zu behandeln und diesen zu „fühl(en)“ (V. 534). Wenn die „Seele“ (V. 535) nicht mit dem Inhalt übereinstimme, so ließen sich nicht alle ,,Herzen aller Hörer" (V. 537) mitreißen. Auch kritisiert Faust, das Dasein Wagners, der hier zugleich als Vertreter aller Studierenden funktioniert, an seinem Schreibtisch, an dem er „nur immer“ (V. 538) dasäße, und den Inhalt der eigenen Reden aus, von anderen gemachten Erkenntnissen, zusammen bastele. Er bezieht 3 sich demnach wieder auf die Reproduktionsarbeit Wagners. Dabei bedient sich Faust einer sehr bildlichen, pejorativen und metaphorischen Sprache. Das ,,Ragout" (V. 539) steht, beispielsweise, für den zusammengewürfelten Inhalt der Rede, der aus den Erkenntnissen (,,Schmaus" (V. 539)) „andrer“ (V. 539) bestünde und kaum von fundamentaler Bedeutung sei. Vielmehr noch „kümmerlich(…)“ (V. 540) „(ausge)blas(en)“ (V. 540) und damit leblos und heruntergebrannt, wie ein „Aschenhäufchen“ (V. 541) erscheint. Diese sprachlichen Mittel dienen Faust dazu, seine Lehre gegenüber seinem Schüler zu verdeutlichen und sich gleichzeitig auch etwas über Wagner lustig zu machen, der vor allem von historischen Quellen in seinem ,,Museum“ (V. 530) lernen möchte. Wagner hingegen erwidert, dass nicht das Forschen und der Inhalt der Reden glücklich machen, sondern „allein der Vortrag" (V. 546) ein Gewinn darstellt. Sprich, dass die Rhetorik, der Gewinn aus dem Studieren sei. Auch betont er, dass er zwar schon auf dem richtigen Weg sei, jedoch noch viel zu lernen habe (vgl. V. 547). Damit ordnet er sich Faust ganz klar unter und zeigt, dass er sich seiner Rolle als Schüler bewusst ist. Im nächsten Abschnitt verwendet Faust den Imperatif, um Wagner direkt anzusprechen und ihn anzuleiten, den ,,redlichen Gewinn" (V. 548), das heißt das eigentliche Glück des Lebens zu suchen und kein ,,schellenlauter Tor" (V. 549) zu sein, also ein Narr, der denkt er wisse alles und bräuchte sich nicht mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Weiterhin appelliert Faust an die „Kunst“ (V. 551), die das einzige sei was bleibe und nicht täuschen könnte, im Gegensatz zum ,,Verstand und rechten Sinn" (V. 550). Dies wird durch die Metapher des „Nebelwind(es)“ (V. 556) deutlich, der nicht nur „unerquicklich“ (V. 556), also freudlos, sondern auch nicht tiefgründig oder „die dürren Blätter" (V. 557) erfüllend sei. Nach diesem Absatz gleitet das Gespräch nun völlig in eine Diskussion über die historischen Wissenschaften. Wagner gibt zu, dass er „(b)estreb(e)“ (V. 560), durch das 4 Erwerben von althergebrachten „Mittel“ (V. 562), so viel Wissen, wie die Schriftsteller der Antike, deren Texte oder „Quellen“ (V. 563) ihm als Hilfe dienen, zu erwerben. Dabei stehe ihm nur die Kürze des „Leben(s)“ (V. 559) im Weg. So reiche die eigene Lebensdauer wohl gerade dazu, die Hälfte des Wissens, das er „erreich(en)“ (V. 564) wolle, in Erkenntnis zu bringen, bevor man „sterben“ (V. 565) müsse. Hierbei verwendet Wagner den Begriff des „Teufel(s)“ (V. 565), was bereits eine Hindeutung auf den weiteren Verlauf des Dramas und die Rolle des Teufels, der direkt mit dem Tod in Verbindung steht, repräsentiert. Für Wagner ist das Quellenstudium die Möglichkeit, sich in den Geist der Zeiten" (V. 571) zu versetzen und zu erkennen wie „weit“ (V. 573) es die Menschheit bereits „gebracht“ (V. 573) hat. Daraus zieht Wagner seine Freude, sein „Ergetzen“ (V. 570) im Leben. Faust hingegen betrachtet die ,,Vergangenheit“ (V. 575) als „ein Buch mit sieben Siegeln" (V. 576) und damit als unergründlich. Er erklärt seine Meinung damit, dass der ,,Geist der Zeiten" (V. 577) wohl kaum in historischen Schriften verarbeitet sei, sondern viel mehr der ,,Geist“ (V. 578), die Einstellung, der Autoren, welche durch die Geschehnisse der Zeit beeinflusst wurden (vgl. V. 579). Demnach möchte Faust die Welt im Hier und Jetzt selbst erkunden, und nicht als „Kehrichtfass“ (V. 582) in seinem Studierzimmer, seiner „Rumpelkammer“ (V. 582), sitzen und „höchstens“ (V. 583) für eine „Haupt – und Staatsaktion" (V. 582) in die Welt hinausgehen. In diesem Zusammenhang verwendet Faust die Metapher von „Puppen“ (V. 585), welche von den ,,pragmatischen Maximen" (V. 584), also von den wissenschaftlichen Beweisen, die realitätsfern sein vermögen, beeinflusst werden, ohne selber nachzudenken. Er malt hier also ein durchaus schlechtes Bild von dem althergebrachten Quellenstudium und verwendet eine pejorative Wortwahl (vgl. V. 582). Wagner jedoch verbindet das Quellenstudium sogleich mit dem menschlichen Fortschritt und zeigt eine Art Fortschrittsglaube auf. So sei das „,(E)rkennen“ (V. 587) der 5

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Lisa Kocher Frau Zach Deutsch; Basisfach 03.10.2020 Szenenanalyse: „Wagner im Schlafrocke“ (V. 522 – 601) Das Drama „Faust – Der Tragödie Erster Teil“, geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe und erschienen im Jahr 1808, beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob der Mensch als Wesen eher vernunftsbegabt, oder doch triebhaft ist. Im Vorspiel auf dem Theat treten der Direktor, der Theaterdichter und eine lustige Person auf. Der Direktor plant eine neue Aufführung. Dafür bittet er den Dichter und die lustige Person um ihre Mithilfe. Er selbst muss die Erwartungen des Publikums befriedigen, um geschäftlichen Erfolg zu haben. Der Dichter fühlt sich vor allem der Kunst verpflichtet. Die lustige Person hält dagegen, dass das Publikum ein Recht darauf habe, unterhalten zu werden. Der Prolog findet im Himmel statt. Dort glaubt Gott, der Herr, an das Gute in jedem Menschen: Nicht einmal der zweifelnde Doktor Faust würde sich vom rechten Weg abbringen lassen. Der Teufel, Mephisto, dagegen ist überzeugt, dass er Faust auf Abwege führen könne. Er schließt darüber eine Wette mit Gott ab. In der nächsten Szene, der Nacht, tritt Dr. Heinrich Faust, ein angesehener Gelehrter, zum ersten Mal auf. Er befindet sich in seinem Studierzimmer und grübelt über den Sinn des Daseins nach, wobei ihm seine hervorragende Bildung nicht weiter behilflich zu sein erscheint. Diese kommt ihm auf der Suche nach...

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Das Gespräch endet damit, dass Faust Wagner bittet zu gehen. Dieser möchte das Gespräch schließlich am nächsten Tag fortsetzen. Faust ist nun wieder allein. Das Aufeinandertreffen der beiden Charaktere erscheint ein wenig ulkig, jedoch zugleich hitzig, da die Diskussion der beiden, zum einen, die verschiedenen Perönlichkeiten der Figuren hervorkehrt, zum anderen jedoch auch die Kritik an der Wissenschaft, als auch an der Universität, fortzusetzen scheint. Dabei stellt sich die Frage, in wie weit dieser Szenenausschnitt für den weiteren Verlauf des Dramas ins Gewicht fällt. Bereits zu Beginn des Ausschnittes wird deutlich, dass Wagner wohl eher eine ulkige Person in dem Drama darstellen soll. So tritt der Schüler des Gelehrten Fausts, „im Schlafrocke und der Nachtmütze“ (V. 522) in der Nacht in das Zimmer seines Professors ein, mit der Intention, von seiner Vortragskunst zu „profitieren“ (V. 524). Faust ist davon alles andere als begeistert, da er sich nur „unwillig“ (V. 523) seinem Gelehrten zu wendet, welcher ihn in seinem Vorhaben, nach einer Lösung für die Suche nach einer umfassenden Erkenntnis über das Leben, mächtig stört. Folglich, verfolgt Faust auch im weiteren Verlauf des Gespräches, seinen Gesprächspartner so schnell wie möglich los zu werden. Darum behandelt Faust Wagner von oben herab, stellt die Ansichten Wagners auch denen eines ,,Tor(es)“ (V. 549) gleich und 2 sagt, dass Wagners Vorstellung von Rhetorik nur „Kindern und Affen" (V. 542) begeistern könnten. Wagner stellt die erste These der Diskussion auf. So könne ein „Komödiant“ (V. 527) ,,einen Pfarrer lehren" (V. 527). Doch bereits nach dieser These weist Faust Wagner in seine Schranken, in dem er ihm widerspricht, dass dies nur möglich sei ,,wenn der Pfarrer ein Komödiant" (V. 528) sei. Die Aussage Wagners, welche einem Paradoxon gleicht, und Fausts Reaktion zeigen, dass Wagners Ansichten von der Welt deutlich von Fausts Meinung abweichen und etwas realitätsfern erscheinen. Schließlich ist es völlig auszuschließen, dass ein Komödiant einen Pfarrer, welcher eher ernstere Themen in seinen Predigten behandelt, lehren könnte. Diese Realitätsferne wird zugleich im weiteren Verlauf deutlich. So erklärt Wagner, dass er häufig „in sein Museum gebannt“ (V. 530) sei, wobei das Museum eine Metapher für die Studierstube darstellt. Diese Wortwahl kann sogleich satirisch aufgefasst werden, da in einem Museum üblicherweise ältere Kunstwerke ausgestellt werden, und zugleich nichts so wirklich vorangetrieben wird. Übertragen auf das Studierzimmer bedeutet das, dass auch von dem Studieren, abgeschieden von der „Welt“ (V. 531), die Wagner anspricht und sich selbst nicht dazu zählt, nichts herumkommen kann, das zu einer tatsächlichen Entwicklung beiträgt und lediglich der Reproduktion bereits bekannten Wissens dient. Daraufhin stellt Wagner die Frage was einen guten Redner ausmache (vgl. V. 533). Faust antwortet schlussendlich, dass es wichtig sei den Inhalt seiner Reden mit Leidenschaft zu behandeln und diesen zu „fühl(en)“ (V. 534). Wenn die „Seele“ (V. 535) nicht mit dem Inhalt übereinstimme, so ließen sich nicht alle ,,Herzen aller Hörer" (V. 537) mitreißen. Auch kritisiert Faust, das Dasein Wagners, der hier zugleich als Vertreter aller Studierenden funktioniert, an seinem Schreibtisch, an dem er „nur immer“ (V. 538) dasäße, und den Inhalt der eigenen Reden aus, von anderen gemachten Erkenntnissen, zusammen bastele. Er bezieht 3 sich demnach wieder auf die Reproduktionsarbeit Wagners. Dabei bedient sich Faust einer sehr bildlichen, pejorativen und metaphorischen Sprache. Das ,,Ragout" (V. 539) steht, beispielsweise, für den zusammengewürfelten Inhalt der Rede, der aus den Erkenntnissen (,,Schmaus" (V. 539)) „andrer“ (V. 539) bestünde und kaum von fundamentaler Bedeutung sei. Vielmehr noch „kümmerlich(…)“ (V. 540) „(ausge)blas(en)“ (V. 540) und damit leblos und heruntergebrannt, wie ein „Aschenhäufchen“ (V. 541) erscheint. Diese sprachlichen Mittel dienen Faust dazu, seine Lehre gegenüber seinem Schüler zu verdeutlichen und sich gleichzeitig auch etwas über Wagner lustig zu machen, der vor allem von historischen Quellen in seinem ,,Museum“ (V. 530) lernen möchte. Wagner hingegen erwidert, dass nicht das Forschen und der Inhalt der Reden glücklich machen, sondern „allein der Vortrag" (V. 546) ein Gewinn darstellt. Sprich, dass die Rhetorik, der Gewinn aus dem Studieren sei. Auch betont er, dass er zwar schon auf dem richtigen Weg sei, jedoch noch viel zu lernen habe (vgl. V. 547). Damit ordnet er sich Faust ganz klar unter und zeigt, dass er sich seiner Rolle als Schüler bewusst ist. Im nächsten Abschnitt verwendet Faust den Imperatif, um Wagner direkt anzusprechen und ihn anzuleiten, den ,,redlichen Gewinn" (V. 548), das heißt das eigentliche Glück des Lebens zu suchen und kein ,,schellenlauter Tor" (V. 549) zu sein, also ein Narr, der denkt er wisse alles und bräuchte sich nicht mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Weiterhin appelliert Faust an die „Kunst“ (V. 551), die das einzige sei was bleibe und nicht täuschen könnte, im Gegensatz zum ,,Verstand und rechten Sinn" (V. 550). Dies wird durch die Metapher des „Nebelwind(es)“ (V. 556) deutlich, der nicht nur „unerquicklich“ (V. 556), also freudlos, sondern auch nicht tiefgründig oder „die dürren Blätter" (V. 557) erfüllend sei. Nach diesem Absatz gleitet das Gespräch nun völlig in eine Diskussion über die historischen Wissenschaften. Wagner gibt zu, dass er „(b)estreb(e)“ (V. 560), durch das 4 Erwerben von althergebrachten „Mittel“ (V. 562), so viel Wissen, wie die Schriftsteller der Antike, deren Texte oder „Quellen“ (V. 563) ihm als Hilfe dienen, zu erwerben. Dabei stehe ihm nur die Kürze des „Leben(s)“ (V. 559) im Weg. So reiche die eigene Lebensdauer wohl gerade dazu, die Hälfte des Wissens, das er „erreich(en)“ (V. 564) wolle, in Erkenntnis zu bringen, bevor man „sterben“ (V. 565) müsse. Hierbei verwendet Wagner den Begriff des „Teufel(s)“ (V. 565), was bereits eine Hindeutung auf den weiteren Verlauf des Dramas und die Rolle des Teufels, der direkt mit dem Tod in Verbindung steht, repräsentiert. Für Wagner ist das Quellenstudium die Möglichkeit, sich in den Geist der Zeiten" (V. 571) zu versetzen und zu erkennen wie „weit“ (V. 573) es die Menschheit bereits „gebracht“ (V. 573) hat. Daraus zieht Wagner seine Freude, sein „Ergetzen“ (V. 570) im Leben. Faust hingegen betrachtet die ,,Vergangenheit“ (V. 575) als „ein Buch mit sieben Siegeln" (V. 576) und damit als unergründlich. Er erklärt seine Meinung damit, dass der ,,Geist der Zeiten" (V. 577) wohl kaum in historischen Schriften verarbeitet sei, sondern viel mehr der ,,Geist“ (V. 578), die Einstellung, der Autoren, welche durch die Geschehnisse der Zeit beeinflusst wurden (vgl. V. 579). Demnach möchte Faust die Welt im Hier und Jetzt selbst erkunden, und nicht als „Kehrichtfass“ (V. 582) in seinem Studierzimmer, seiner „Rumpelkammer“ (V. 582), sitzen und „höchstens“ (V. 583) für eine „Haupt – und Staatsaktion" (V. 582) in die Welt hinausgehen. In diesem Zusammenhang verwendet Faust die Metapher von „Puppen“ (V. 585), welche von den ,,pragmatischen Maximen" (V. 584), also von den wissenschaftlichen Beweisen, die realitätsfern sein vermögen, beeinflusst werden, ohne selber nachzudenken. Er malt hier also ein durchaus schlechtes Bild von dem althergebrachten Quellenstudium und verwendet eine pejorative Wortwahl (vgl. V. 582). Wagner jedoch verbindet das Quellenstudium sogleich mit dem menschlichen Fortschritt und zeigt eine Art Fortschrittsglaube auf. So sei das „,(E)rkennen“ (V. 587) der 5