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Szenenanalyse Nathan der Weise

Szenenanalyse Nathan der Weise

 Szenenanalyse Nathan der Weise 2. Aufzug 5. Auftritt
Das Drama ,,Nathan der Weise" geschrieben von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahre
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Szenenanalyse Nathan der Weise 2. Aufzug 5. Auftritt Das Drama ,,Nathan der Weise" geschrieben von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahre 1779 handelt von der Hauptfigur Nathan, welche versucht den Humanitäts- und Toleranzgedanken der Aufklärung unter den anderen Figuren des Dramas zu verbreiten. In dem fünften Auftritt des zweiten Aufzugs geht es um die erste Begegnung zwischen dem Tempelherrn und Nathan und die Entstehung ihrer Freundschaft. Die Szene lässt sich als erregendes Moment der steigenden Handlung auffassen, da sie eine Schlüsselszene für das Verhältnis zwischen Nathan und dem Tempelherrn bildet. Außerdem befasst sich die Szene mit dem Humanitätsgedanken im Gegensatz zu Vorurteilen der drei Weltreligionen. Zuvor konnte Nathan Recha davon überzeugen, dass ihr Retter kein Engel, sondern der Tempelherr sei, welchen Nathan nun vorerst alleine kennenlernen möchte, um ihm zu danken. Zu Anfang der Szene möchte Nathan dem Tempelherrn für die Rettung seiner Tochter danken, wird jedoch mehrmals abweisend behandelt. Im Folgenden gehen die beiden Figuren jedoch einen Kompromiss ein. Der Tempelherr hört langsam auf, Nathan auf seine Religion zu reduzieren. Nachdem Nathan relativ erfolgreich versucht ihm mit den Gedanken der Aufklärung die Augen zu öffnen, entschließen sich die Beiden zu einer Freundschaft. Nathan, welche zugleich die Hauptfigur des Dramas ist, verhält sich zu Anfang der Szene demütig, bescheiden und dankbar (V.1191 ff.). Es ist in Nathans Augen...

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seine Pflicht, sich bei dem Tempelherrn zu bedanken und ihm einen Wunsch im Gegenzug zu erfüllen: „Sagt, befehlt: womit kann man Euch dienen?" (V. 1229 f.). Trotz der abweisenden Haltung des Tempelherrn und seinen offensichtlich abwertenden Aussagen, bleibt Nathan geduldig und lässt sich nicht irritieren (V.1200 ff.). Er schmeichelt dem Tempelherrn, bis dieser nachgibt und Nathan erlaubt, ihm in der Zukunft einen neuen Mantel zu schenken als Dank (V. 1235 ff.). Nathan freut sich überschwänglich über die Erlaubnis, begibt sich dann jedoch langsam auf eine weniger emotionale Stufe, als das Thema Vorurteile angesprochen wird (V. 1256 ff.). Die Hauptfigur spricht nun allgemeiner und übernimmt die Rolle des Aufklärers. Es stellt sich heraus, dass Nathan alle Religionen als gleich an Wert ansieht und keine davon die einzig wahre Religion sei (V.1305 ff.). Sein Menschenbild entspricht dem Humanitätsgedanken. Für ihn definiert sich der Mensch nicht anhand seiner Religion. Jedes Volk, jede Religion hat laut Nathan gute und schlechte Menschen, welches jedoch nicht an der Religionszugehörigkeit liegt: „Wir unser Volk? Was heißt denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?" (V. 1309 f.). Nathan lehnt Intoleranz grundsätzlich ab und versucht seine aufgeklärten Werte auf seine Mitmenschen zu übertragen. Insgesamt lässt sich Nathan als die aufgeklärte Figur verstehen. Im Gegensatz zu Nathan zeigt der Tempelherr sich als abweisend, abwertend und arrogant. Seine Vorurteile zeigen sich sofort: ,,Was, Jude? Was?" (V.1200). Er fordert weder Dank noch etwas im Gegenzug von Nathan und versucht ihn schnell wieder los zu werden: ,,Wenn zu danken: - spart's!“ (V. 1208). Der Tempelherr empfindet die Rettung als seine Pflicht, obwohl Recha nur eine Jüdin für ihn ist (V. 1210 ff.). Schließlich gibt er jedoch nach, da er sich über die Demut Nathans wundert, immerhin sei dieser ein Jude. Langsam fängt der Tempelherr jedoch an seine Vorurteile abzulegen. Der Tempelherr erläutert den Ursprung seiner Vorurteile. Das Volk der Juden habe den Streit um den wahren Gott angefangen und dränge anderen Völkern die Ansicht auf, dass sie an den wahren Gott glauben (V. 1295ff.). Diese Aussagen der Juden machen den Tempelherrn, als Christ, wütend. Er erkennt jedoch, dass Nathan diese Ansicht nicht teilt und möchte daraufhin mit Nathan Freundschaft schließen (V.1317). Seine Intoleranz blendet er während des Gespräches immer mehr aus. Zu Anfang definiert die Religionszugehörigkeit für ihn den Menschen, doch nachdem er Nathan kennenlernt, muss er diese Ansicht anzweifeln. Der Anlass des Dialoges ist deutlich. Nathan möchte unbedingt seinen Dank aussprechen, nachdem der Tempelherr seine Tochter rettete. Dieser hingegen verfolgt zu Anfang die Absicht, das Gespräch schnell zu beenden, was sich an den parataktischen Sätzen erkennen lässt. Das ändert sich jedoch als er Nathan besser kennenlernt. Zum Schluss verfolgt er sogar die Absicht sich mit Nathan anzufreunden. Nachdem Nathan sich bedanken konnte, möchte er die Vorurteile des Tempelherrn aus der Welt schaffen. Am Anfang entsteht ein angespanntes Verhältnis zwischen den Figuren aufgrund des Konfliktes, welcher zwischen den Beiden herrscht. Im weiteren Verlauf nähern die Figuren sich jedoch an und ändern ihre Einstellung zueinander. Nathans Demut verschwindet und der Tempelherr fängt an seine Vorurteile abzulegen. Indem Nathan den Tempelherrn von der Gleichheit aller Völker überzeugt, entwickelt sich von dem angespannten Verhältnis eine Freundschaft. Der Tempelherr verfolgt die Strategie Nathan mit abweisenden Worten loszuwerden, was jedoch erfolglos bleibt, da Nathan mit seiner schmeichelnden und bescheidenen Strategie den Tempelherrn für sich gewinnen kann. Im Folgenden entsteht eine offene Unterhaltung, in welcher der Tempelherr ehrlich seine Vorurteile schildert. Nathans Erklärung seiner Ansichten erscheint ihm plausibel, weswegen er diese nun auch vertritt. Der Vernunftgedanke hat sich auf den Tempelherrn durch Nathans überzeugende Argumentation übertragen. Nathans Rolle als Aufklärer ist erfüllt. Zuerst überlässt Nathan dem Tempelherrn die Autorität, was sich jedoch ändert als es zu dem Thema der Religionsauffassung kommt. Hier zeigt sich Nathan als eine Art Lehrer. Die Gesprächsanteile des Tempelherrn vermehren sich während des Dialoges. Seine kurzen abweisenden Sätze wandeln sich zu längeren, ausführlicheren Textstellen. Nathans Redeanteil ändert sich nicht viel, obwohl er zu Beginn längere Redeanteile hat als der Tempelherr, da er diesen überzeugen möchte. Der Dialog befindet sich zuerst auf einer komplementären Basis, da sich die beiden Gesprächspartner in vielen Aspekten ergänzen. Außerdem begibt sich Nathan freiwillig vorerst auf einen niedrigeren Wert. Am Ende entsteht jedoch eine symmetrische Beziehung, da sie auf einer Augenhöhe miteinander sprechen. Die Szene hat von großer Bedeutung für die Entwicklung des Tempelherrn als auch für das Verhältnis zwischen ihm und Nathan. Die Ansichten des Tempelherrn haben sich durch das Gespräch stark geändert. Gotthold Ephraim Lessing zeigt in dem fünften Auftritt des zweiten Aufzugs die zeitgenössischen Ideen. Zur Zeit der Aufklärung gab es zwei hauptsächliche Gedankenwege. Einerseits gab es die aufgeklärten Menschen, welche an dem Humanitätsgedanken festhielten, die Religion als keine Begründung für einen Charakterzug ansahen. Außerdem respektierten diese Menschen alle Religionen und nutzten ihren eigenen Verstand, wie Nathan es in dem Drama ,,Nathan der Weise" tut. Er repräsentiert die aufgeklärte Menschengruppe, schließlich glaubt er an das Gute und die Vernunft im Menschen. Der Tempelherr repräsentiert im Gegenzug zuerst die andere Gruppe. Diese hält noch an Vorurteilen fest, definiert Menschen anhand ihrer Religion und zeigt einen hohen Grad an Intolerant. Während des Auftrittes zeigt Lessing jedoch, die Entwicklung zu einem aufgeklärten Charakter anhand des Tempelherrn. Dieser benutzt zum Ende der Szene seinen eigenen Verstand. Zusammenfassend lässt sich der fünfte Auftritt des zweiten Aufzugs als einen zentralen Punkt des Dramas ansehen. Der Auftritt stellt die Werte der Aufklärung dar und zeigt die Entwicklung des Tempelherrn, welche für den weiteren Verlauf von hoher Bedeutung ist.

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Jedes Volk, jede Religion hat laut Nathan gute und schlechte Menschen, welches jedoch nicht an der Religionszugehörigkeit liegt: „Wir unser Volk? Was heißt denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?" (V. 1309 f.). Nathan lehnt Intoleranz grundsätzlich ab und versucht seine aufgeklärten Werte auf seine Mitmenschen zu übertragen. Insgesamt lässt sich Nathan als die aufgeklärte Figur verstehen. Im Gegensatz zu Nathan zeigt der Tempelherr sich als abweisend, abwertend und arrogant. Seine Vorurteile zeigen sich sofort: ,,Was, Jude? Was?" (V.1200). Er fordert weder Dank noch etwas im Gegenzug von Nathan und versucht ihn schnell wieder los zu werden: ,,Wenn zu danken: - spart's!“ (V. 1208). Der Tempelherr empfindet die Rettung als seine Pflicht, obwohl Recha nur eine Jüdin für ihn ist (V. 1210 ff.). Schließlich gibt er jedoch nach, da er sich über die Demut Nathans wundert, immerhin sei dieser ein Jude. Langsam fängt der Tempelherr jedoch an seine Vorurteile abzulegen. Der Tempelherr erläutert den Ursprung seiner Vorurteile. Das Volk der Juden habe den Streit um den wahren Gott angefangen und dränge anderen Völkern die Ansicht auf, dass sie an den wahren Gott glauben (V. 1295ff.). Diese Aussagen der Juden machen den Tempelherrn, als Christ, wütend. Er erkennt jedoch, dass Nathan diese Ansicht nicht teilt und möchte daraufhin mit Nathan Freundschaft schließen (V.1317). Seine Intoleranz blendet er während des Gespräches immer mehr aus. Zu Anfang definiert die Religionszugehörigkeit für ihn den Menschen, doch nachdem er Nathan kennenlernt, muss er diese Ansicht anzweifeln. Der Anlass des Dialoges ist deutlich. Nathan möchte unbedingt seinen Dank aussprechen, nachdem der Tempelherr seine Tochter rettete. Dieser hingegen verfolgt zu Anfang die Absicht, das Gespräch schnell zu beenden, was sich an den parataktischen Sätzen erkennen lässt. Das ändert sich jedoch als er Nathan besser kennenlernt. Zum Schluss verfolgt er sogar die Absicht sich mit Nathan anzufreunden. Nachdem Nathan sich bedanken konnte, möchte er die Vorurteile des Tempelherrn aus der Welt schaffen. Am Anfang entsteht ein angespanntes Verhältnis zwischen den Figuren aufgrund des Konfliktes, welcher zwischen den Beiden herrscht. Im weiteren Verlauf nähern die Figuren sich jedoch an und ändern ihre Einstellung zueinander. Nathans Demut verschwindet und der Tempelherr fängt an seine Vorurteile abzulegen. Indem Nathan den Tempelherrn von der Gleichheit aller Völker überzeugt, entwickelt sich von dem angespannten Verhältnis eine Freundschaft. Der Tempelherr verfolgt die Strategie Nathan mit abweisenden Worten loszuwerden, was jedoch erfolglos bleibt, da Nathan mit seiner schmeichelnden und bescheidenen Strategie den Tempelherrn für sich gewinnen kann. Im Folgenden entsteht eine offene Unterhaltung, in welcher der Tempelherr ehrlich seine Vorurteile schildert. 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Am Ende entsteht jedoch eine symmetrische Beziehung, da sie auf einer Augenhöhe miteinander sprechen. Die Szene hat von großer Bedeutung für die Entwicklung des Tempelherrn als auch für das Verhältnis zwischen ihm und Nathan. Die Ansichten des Tempelherrn haben sich durch das Gespräch stark geändert. Gotthold Ephraim Lessing zeigt in dem fünften Auftritt des zweiten Aufzugs die zeitgenössischen Ideen. Zur Zeit der Aufklärung gab es zwei hauptsächliche Gedankenwege. Einerseits gab es die aufgeklärten Menschen, welche an dem Humanitätsgedanken festhielten, die Religion als keine Begründung für einen Charakterzug ansahen. Außerdem respektierten diese Menschen alle Religionen und nutzten ihren eigenen Verstand, wie Nathan es in dem Drama ,,Nathan der Weise" tut. Er repräsentiert die aufgeklärte Menschengruppe, schließlich glaubt er an das Gute und die Vernunft im Menschen. Der Tempelherr repräsentiert im Gegenzug zuerst die andere Gruppe. 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