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Textinterpretation: Hürlimann: "Der letzte Auftritt"

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 www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll
Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte

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Klaus Schenck

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www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 1 von 13 Textinterpretation: Hürlimann: „Der letzte Auftritt" Text: https://www.bange- verlag.de/downloads/dl/file/id/217/product/0/huerlimann der letzte auftritt.pdf Aufgabenstellung: Interpretieren Sie den Text! 1. Klassenarbeit In der Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt“ von Thomas Hürlimann steht die Schau- spielerin Ka im Zentrum, die ihre gescheiterte Existenz vor ihren Freunden verleug- net und dadurch zum letzten Mal die Möglichkeit bekommt all ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Ohne Existenz, mit gescheiterten Träumen und hungrig macht sich eine Schauspielerin, genannt Kathi oder Ka, auf den Weg zu ihren Schauspielfreunden. Die anfängliche Wiedersehensfreude verfliegt schnell und Ka nutzt zum letzten Mal die Möglichkeit ihre schauspielerischen Künste zu präsentieren, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf in Wirklichkeit alles verloren zu haben. Ganz Schauspielerin inszeniert sie ein „Meisterwerk", getragen durch ein Gerüst aus Lügen, sich immer mehr in ihren Schwindel verstrickend hat sie bald keine Chance mehr diesem zu entkommen und erhält auf der anderen Seite noch reichlich Verständnis und Anerkennung für ihre doch allzu schwierige und stressige Lage. Während ihre Freunde die Realität nicht zu verschönern versuchen und ihr Probleme offen darlegen, erwähnt sie mit keinem Wort ihre tatsächliche Lage, im Gegenteil, sie ist froh noch einmal eine Rolle annehmen zu können, die sogar ihres Erachtens mit Applaus gekrönt wird. Betrachtet man zunächst einmal...

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die äußere Form der Kurzgeschichte, so fällt auf, dass Hürlimann sehr viele Absätze benutzt. Dennoch lässt sich hier ein logisches System erkennen, da die Absätze mit dem Handlungsverlauf der Kurzgeschichte übereinstimmen. Zu Beginn werden keine Absätze gewählt, da dort auch das Ge- schehen relativ unbedeutend ist. Ka macht sich lediglich auf den Weg zu ihren Freunden und der Leser erfährt, dass ihre „Existenz gescheitert [ist]“ (Z. 2) und auch ihre Träume zerbrochen“ (Z.2) sind. Sie ist vollkommen alleine und hat außer ihrem „Schminkkoffer [...] nichts mehr“ (Z.2f). Im weiteren Verlauf des Geschehens nehmen mit zunehmender Wichtigkeit auch die Absätze zu. Ka baut sich ihre eigene neue Welt aus Lügen auf, um somit ihre wirkliche Lage nicht preisgeben zu müssen. Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 2 von 13 Gegen Ende ist die Spannung und Intensität des Gespräches erloschen, was auch der beinahe fortlaufende Text darstellt. Bereits zu Beginn der Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" hat der Autor parataktisch das Geschehen charakterisiert: „...und sie hatte Hunger, und sie war müde...“ (Z.3). Dadurch wird das Ausmaß ihrer bisherigen schlimmen Lage verdeutlicht, der Leser spürt förmlich, wie schlecht es Ka geht und kann sich gut in ihre Lage hineinversetz- en. Die Ellipsen in Z.2, „Die Existenz gescheitert, die Träume zerbrochen“ (Z.2), zeigen, dass wirklich alles, was ihr wichtig ist, ihre ganze Karriere und sogar ihre Existenz, nun der Vergangenheit angehören, das Einzige, was nur noch geblieben ist, ist ,,ihr [...] Schminkkoffer“ (Z.1). Durch die Hyperbel „zum Sterben müde“ (Z.3) wird beschrieben, dass sie schon seit längerer Zeit ihre Karriere aufgegeben hat und diesen Zustand der Langeweile satt hat. Sie erträgt die Tatsache nicht nun alles verloren zu haben. Darauf deutet auch das Adjektiv „müde“ (Z.2) hin, das in dieser Zeile sogar gleich zweimal vorkommt. Die ganze Anstrengung, die es gekostet haben muss, ihre Karriere als Schauspielerin aufrecht zu erhalten, war vergeudete Zeit. Anstrengung, die sie nun geschwächt hat. Durch die Frage „und heute?“ (Z.5), die sogleich auch eine Ellipse darstellt, wird auf die Veränderung hingewiesen, nichts ist jetzt mehr so, wie es früher gewesen ist, alles hat sich verändert. Nicht nur die Tatsache, dass ihre „Träume zerbrochen“ (Z.2) sind, sondern auch an Ka selbst sind die Zeichen der Zeit nicht spurlos vorüber ge- gangen. Früher sei sie „hübsch“ (Z.4) gewesen, die „Lust auf Liebe“ (Z.5) und „Zu- kunft und Kunst“ (Z.5) hätten ihr Leben dominiert. Dass dies heute nicht mehr so ist, verdeutlicht auch das Adverb „damals“ (Z.4). Es stellt nochmals kurz das Vergangene in den Vordergrund, zeigt aber auch sogleich, dass es so nicht mehr für die jetzige Zeit relevant ist. Ka vergleicht sich mit den Leuten, die sie im Garten sieht, wie sie ihre Textbücher“ (Z.7) lesen und sich auf eine neue Rolle vorbereiten. In der Schauspielerin kommen Erinnerungen auf, sie erinnert sich an „früher“(Z.6), in welcher Zeit sie sich in dieser Situation befunden hat, zu welcher Zeit ihre Karriere noch nicht gescheitert“ (Z.2) ist. Das Adjektiv „still“ (Z.10) hat eine ganz besondere Bedeutung. Es soll dem Leser zeigen, in welcher jetzigen Situation die Schauspielerin sich befindet. Aus ihrem Le- ben ist jegliche Art von Spaß und Aufregung verschwunden, sie lebt quasi nur noch vor sich hin, ganz „still“ (Z.10) einsam und alleine. Ebenso leitet genau dieses Adjek- tiv die Erscheinung Mattmanns ein. Dadurch stellt ihn der Autor automatisch in den Mittelpunkt und die Aufmerksamkeit des Lesers gipfelt bei diesem Mann. Der häufige Gebrauch des Adjektivs „alt“ (Z.12) unterstreicht seine Wesenzüge und auch die Tat- sache, dass er sich „kaum verändert“ (Z.13) hat, er ist einfach wie „früher“ (Z.13), nahe zu „unsterblich“ (Z.13). Das Wort „unsterblich“ (Z.13) bezieht sich hier zum ei- nen auf Mattmann, der stark und unverwundbar dargestellt wird und eine Kämpfer- natur verdeutlicht. Mögen die Zeiten auch noch so schwer sein, er schafft es immer wieder Halt zu finden und sich aufzurappeln. Zum anderen wird auch ein Kontrast hervorgehoben, der sich im negativen Sinne auf die Schauspielerin Ka übertragen lässt. Sie ist im Vergleich zu ihrem Freund Mattmann nicht „unsterblich“ (Z.13), denn Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 3 von 13 sie hat den Kampf mit dem Schicksal verloren. Sie war nicht standhaft genug, hat das, was Mattmann auszeichnet, nie erreicht, denn ihre „Existenz“ (Z.2) ist ja „ge- scheitert" (Z.2). Die Parataxe in Z.17, „Da passierte es“, stellt den Wendepunkt der Geschichte dar. Dieser Satz ist ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Handlung, da zu be- merken ist, dass die Handlung kippt und nur noch auf Kas Lügen aufgebaut ist. Man merkt, dass es nicht das erste Mal ist, dass Ka ihre wirkliche Lage durch Lügen zu verschönern versucht. Völlig kaltherzig erfindet sie die tollsten Sachen vor ihren Freunden, um diesen zu zeigen, dass ihre zerbrochene Karriere doch nicht existiert. Es scheint für sie schon eine Leichtigkeit zu sein wirre und nicht zutreffende Ideen hervor zu zaubern. Ka lebt in ihrer Scheinwelt, sie vertuscht die Wirklichkeit und will sie nicht wahr haben, da sie es nicht verkraften würde. Viel leichter ist es doch eine Scheinwelt aufzubauen, in der alles seine Ordnung hat, so dass man niemanden Rede und Antwort stehen muss, warum alles so gekommen ist, wie es ist. Durch ih- ren Schwindel, den Ka gerade dabei ist, sich auszudenken, geht es ihr besser, sie entfernt sich von all ihren Problemen und schlüpft in eine neue, schönere Welt. Wie- der liefert Hürlimann einen Anhaltspunkt dafür, dass Ka mit Sorglosigkeit all diese „ekelhafte[n], fette[n] Lügen“ (Z.19f.) inszeniert, da sie hierbei sogar noch „lächeln [ ]“ (Z.19) kann. Es bereitet ihr wahnsinnig viel Freude ihre Gedanken in einer neuen Welt freien Lauf zu lassen und sich alles so zusammen zu reimen, wie sie es gerne hätte. Ka verdeutlicht ihren ehemaligen Schauspielfreunden, dass sie total im Stress sei und keine Zeit mehr für sich selbst finde, da sie sich kaum noch vor Aufträgen retten könne. Dies lässt Hürlimann in Zeile 19f. stark zum Vorschein kommen, denn hier sind in einem Satz eine direkte Zeitbestimmung und eine Zeitspanne vereint. „Gestern“ (Z.19), die direkte Zeitbestimmung, sagt aus, dass sie ununterbrochen in der Welt herumreise und kaum Zeit zum Erholen finde, jeden Tag ist sie in einer an- deren Stadt, um ihre Aufträge zu erfüllen: „gestern habe sie in Wien verhandelt [...]" (Z.19f.). Da noch im gleichen Satz nun die Zeitspanne „heute Abend“ (Z.20) einge- setzt wird, verstärkt der Autor nochmals den Stress, dem Ka ununterbrochen aus- gesetzt zu sein scheint. Gestern war sie noch in „Wien“ (Z.19) und „heute Abend" (Z.20) soll sie schon wieder in „Zürich“ (Z.20) sein. Der Autor zeigt dadurch das per- fekt aufgebaute Lügengebilde von Ka. Sie gibt alles, damit ihre Freunde ihr auch wirklich das abkaufen, was sie ihnen erzählt. Auf keinen Fall soll Mattmann und Gud- run ihre wirkliche miserable Lage erfahren, und einer viel beschäftigten Frau, die un- unterbrochen am Reisen ist, nimmt man eine erfolgreiche Karriere doch gerne ab. Zur Krönung ihrer Lügen fügt sie noch hinzu, dass das „ZDF“ (Z.27) ein „Feature“ (Z. 27) mit ihr plane. Der Titel dieses „Feature[s]“ (Z.27) „die Gnade des späten Erfolges“ (Z.27) zeigt die Sehnsüchte Kas. Sie wünscht sich nichts sehnlichster als einen Neuanfang. All den Ehrgeiz und die Verbissenheit, die sie in ihre Karriere gesteckt hat, haben sich nicht gelohnt, da sie ja jetzt ohne alles dasteht. Trotz dieser Tatsache hofft sie immer noch auf einen „späten Erfolg“ (Z.27), sie will unbedingt den Höhepunkt ihrer zerbrochenen Karriere erleben, obwohl es bereits verloren ist; trotzdem gibt Ka die Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 4 von 13 Hoffnung nicht auf. Die Aussage von Ka „Ich bin am Ende. Ich kann nicht mehr“ (Z.31) hat der Autor extra so gestellt, dass wieder zwei Deutungsmöglichkeiten möglich sind. Zum einen lässt es sich auf ihre bisherige Lage beziehen und stellt auch gleichzeitig die Wahrheit da, denn Kathi hat alles verloren und ist wortwörtlich völlig am „Ende“ (Z.32). Zum anderen kann man die Aussage auf ihre Lüge beziehen und den Stress. Durch all ihre Lügen entsteht bei den Freunden ein Bild von einer starken und erfolgreichen Schauspielerin, die gefragt und ständig in anderen Städten ist. Sie führt ein völlig stressiges Leben. Es soll Mattmann und Gudrun gezeigt werden, dass der ganze Stress zwar schön und teilweise auch gewollt ist, doch auf der anderen Seite sie auch mitnimmt und Ka langsam, aber sicher am Ende am Ende ihrer Kräfte zu sein scheint. Wie bereits oben erwähnt, stellt die Schauspielerin eine Person mit äußerst schwa- chem Charakter dar. Ein weiteres deutliches Signal findet man gegen Ende des Ge- sprächs mit ihren Freunden. Mattmann und Gudrun offenbaren ihre derzeitigen Probleme. Er leidet an „Leberkrebs“ (Z.40) und sie hat eine Oberkieferoperation hin- ter sich und noch dazu einen „Geliebte[n]“ (Z.42), der sie nicht heiraten will. Trotz der Tatsache, dass nun Kathi all die Probleme der anderen kennt und auch weiß, dass deren Leben nicht perfekt und ohne Makel sind, kann sie nicht den Mut aufbringen und ihre Lügen aufklären. Sie ist viel zu feige und hat wahnsinnige Angst vor der Re- aktion. Auch kann beziehungsweise will sie nicht wahrhaben, dass all ihre Träume und ihre Karriere nicht mehr existieren. Die Feigheit kommt durch den Satz „Ich habe nicht gelogen" (Z.45f.) gut zum Ausdruck, da sie sich vor sich selbst rechtfertigen will, um so das, was sie getan hat, besser verkraften zu können. Mit dem Satz „ich habe noch einmal gespielt“ (Z.46) geht Hürlimann auf den Titel der Kurzgeschichte ein und zeigt, dass all die Lügen Teil einer Rolle gewesen sind und Kathi nun „ihren letzten Auftritt" gehabt hat. Glücklich verlässt sie den Garten und hört durch das Rauschen der Bäume einen „Applaus“ (Z.50). Dieser „Applaus“ (Z.50) stellt ihre innere Zufrie- denheit dar, sie ist mit der Rolle, die sie gespielt hat, voll und ganz zufrieden. Dieser „letzte Auftritt" war noch der letzte Auftritt zu diesem Wohlbefinden. Die Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" von Thomas Hürlimann ist auch heute noch immer aktuell, denn auch heute gibt es Menschen, die mit ihrer wirklichen Situation nicht klar kommen. Sie bauen sich einfach eine zweite Welt auf, in der sie leben, um so die erste, schreckliche Welt verkraften zu können. Der Autor möchte den Leser zum Nachdenken anregen. Man darf auf keinen Fall die Wirklichkeit, in der man lebt, verdrehen, man muss das, was geschieht, akzeptieren und lernen damit fertig zu werden. Es ist einfacher zu lügen als sich der Wirklichkeit zu stellen. Die Kunst be- steht darin sich mit der Situation, in der man sich befindet, abzufinden und eine Lö- sung zu suchen, um es für einen selbst erträglicher zu gestalten. Doch wenn man Ignoranz walten lässt und alles verdrängen will, dann wird man irgendwann selbst von den Tatsachen eingeholt und man kommt nicht mehr mit allem klar. Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 5 von 13 Wie man in der Geschichte gesehen hat, gehen alle Menschen mit ihren Problemen anders um, einige reden über sie und andere verschweigen diese. Ebenso wird klar, dass jeder Mensch sein eigenes Bündel zu tragen hat und somit ist es keine Schande, wenn man offen über alles redet, denn Reden hilft immer! Die Sturheit, mit welcher Kathi in der Geschichte vorgeht, und die Tatsache, dass sie sich von ihrem Vorhaben auch noch bekräftigt, sollten für den Leser keinen Anreiz zur Nachahmung bieten, denn irgendwann kommt auch Kas Fassade zum Wackeln und bricht ein. 2. Klassenarbeit In seiner Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" erzählt der Autor Thomas Hürlimann von der Begegnung einer gescheiterten Schauspielerin mit deren ehemaligen Schauspielerfreunden. Im Zuge ihres „letzten Auftrittes" belügt sie diese durch Schilderungen einer glorreichen Karriere. Doch zu guter Letzt wird sichtbar, dass nicht nur ihre Darstellungen Lug und Trug waren. Die gealterte Schauspielerin Ka kehrt nach ihrem Scheitern in der Branche an den Ort ihres ersten Auftrittes, St. Gallen, zurück. In einem Biergarten trifft sie Schauspielfreunde aus früheren Zeiten an. Nach einer herzlichen Begrüßung lügt sie ihnen ihre imaginären Erfolge vor, doch ihre Maske fällt nach einiger Zeit. Ka gibt vor ihren Freunden zu, am Ende zu sein, doch diese interpretieren die Aussage als Anzeichen von Erschöpfung wegen der vielen Engagements. Auch die Bekannten scheinen erfolgreich zu sein, aber zu Ende der Geschichte fällt der Schleier und es wird klar, dass sie ebenso gescheitert sind. Trotz des Versuches der Klarstellung bleibt Kas Lüge von der glorreichen Karriere bis zum Schluss unerkannt und so bezeichnet die Schauspielerin diesen Vorfall als ihren letzten Auftritt und revidiert so die eigentliche Lüge. Thomas Hürlimann zeigt uns am Beispiel der Schauspielerin Ka eine große Gefahr des Menschen auf. Das Verlangen eines jeden nach Stolz, Würde und Ansehen verhindert die Ehrlichkeit. So verschleiert Ka ihre Probleme und beschönigt die Situation stark. Zwar erhält sie dadurch die angestrebte Bewunderung, doch ihr wirkliches Bedürfnis wird nicht gestillt - sie erhält keinen Trost und auch keinen Rückhalt. Letztendlich bleibt sie alleine zurück. Ebenso wie Ka laufen durch ihr übermäßiges Streben, etwas Besseres zu sein, alle Menschen Gefahr zu vereinsamen. „Der letzte Auftritt“ wird aus einer Sicht der Hauptperson Ka dargestellt. Durch deren erlebte Rede „[h]übsch war sie damals gewesen“ (Z. 46) – lässt sich die Erzählperspektive als eine personale identifizieren. Nach dem abrupten Einstieg in die Geschichte wird zunächst einmal die Lebenssituation der Hauptfigur beschrieben. Ihre „Existenz [ist] gescheitert, die Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€

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Die Ellipsen in Z.2, „Die Existenz gescheitert, die Träume zerbrochen“ (Z.2), zeigen, dass wirklich alles, was ihr wichtig ist, ihre ganze Karriere und sogar ihre Existenz, nun der Vergangenheit angehören, das Einzige, was nur noch geblieben ist, ist ,,ihr [...] Schminkkoffer“ (Z.1). Durch die Hyperbel „zum Sterben müde“ (Z.3) wird beschrieben, dass sie schon seit längerer Zeit ihre Karriere aufgegeben hat und diesen Zustand der Langeweile satt hat. Sie erträgt die Tatsache nicht nun alles verloren zu haben. Darauf deutet auch das Adjektiv „müde“ (Z.2) hin, das in dieser Zeile sogar gleich zweimal vorkommt. Die ganze Anstrengung, die es gekostet haben muss, ihre Karriere als Schauspielerin aufrecht zu erhalten, war vergeudete Zeit. Anstrengung, die sie nun geschwächt hat. Durch die Frage „und heute?“ (Z.5), die sogleich auch eine Ellipse darstellt, wird auf die Veränderung hingewiesen, nichts ist jetzt mehr so, wie es früher gewesen ist, alles hat sich verändert. Nicht nur die Tatsache, dass ihre „Träume zerbrochen“ (Z.2) sind, sondern auch an Ka selbst sind die Zeichen der Zeit nicht spurlos vorüber ge- gangen. Früher sei sie „hübsch“ (Z.4) gewesen, die „Lust auf Liebe“ (Z.5) und „Zu- kunft und Kunst“ (Z.5) hätten ihr Leben dominiert. Dass dies heute nicht mehr so ist, verdeutlicht auch das Adverb „damals“ (Z.4). Es stellt nochmals kurz das Vergangene in den Vordergrund, zeigt aber auch sogleich, dass es so nicht mehr für die jetzige Zeit relevant ist. Ka vergleicht sich mit den Leuten, die sie im Garten sieht, wie sie ihre Textbücher“ (Z.7) lesen und sich auf eine neue Rolle vorbereiten. In der Schauspielerin kommen Erinnerungen auf, sie erinnert sich an „früher“(Z.6), in welcher Zeit sie sich in dieser Situation befunden hat, zu welcher Zeit ihre Karriere noch nicht gescheitert“ (Z.2) ist. Das Adjektiv „still“ (Z.10) hat eine ganz besondere Bedeutung. Es soll dem Leser zeigen, in welcher jetzigen Situation die Schauspielerin sich befindet. Aus ihrem Le- ben ist jegliche Art von Spaß und Aufregung verschwunden, sie lebt quasi nur noch vor sich hin, ganz „still“ (Z.10) einsam und alleine. Ebenso leitet genau dieses Adjek- tiv die Erscheinung Mattmanns ein. Dadurch stellt ihn der Autor automatisch in den Mittelpunkt und die Aufmerksamkeit des Lesers gipfelt bei diesem Mann. Der häufige Gebrauch des Adjektivs „alt“ (Z.12) unterstreicht seine Wesenzüge und auch die Tat- sache, dass er sich „kaum verändert“ (Z.13) hat, er ist einfach wie „früher“ (Z.13), nahe zu „unsterblich“ (Z.13). Das Wort „unsterblich“ (Z.13) bezieht sich hier zum ei- nen auf Mattmann, der stark und unverwundbar dargestellt wird und eine Kämpfer- natur verdeutlicht. Mögen die Zeiten auch noch so schwer sein, er schafft es immer wieder Halt zu finden und sich aufzurappeln. Zum anderen wird auch ein Kontrast hervorgehoben, der sich im negativen Sinne auf die Schauspielerin Ka übertragen lässt. Sie ist im Vergleich zu ihrem Freund Mattmann nicht „unsterblich“ (Z.13), denn Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 3 von 13 sie hat den Kampf mit dem Schicksal verloren. Sie war nicht standhaft genug, hat das, was Mattmann auszeichnet, nie erreicht, denn ihre „Existenz“ (Z.2) ist ja „ge- scheitert" (Z.2). Die Parataxe in Z.17, „Da passierte es“, stellt den Wendepunkt der Geschichte dar. Dieser Satz ist ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Handlung, da zu be- merken ist, dass die Handlung kippt und nur noch auf Kas Lügen aufgebaut ist. Man merkt, dass es nicht das erste Mal ist, dass Ka ihre wirkliche Lage durch Lügen zu verschönern versucht. Völlig kaltherzig erfindet sie die tollsten Sachen vor ihren Freunden, um diesen zu zeigen, dass ihre zerbrochene Karriere doch nicht existiert. Es scheint für sie schon eine Leichtigkeit zu sein wirre und nicht zutreffende Ideen hervor zu zaubern. Ka lebt in ihrer Scheinwelt, sie vertuscht die Wirklichkeit und will sie nicht wahr haben, da sie es nicht verkraften würde. Viel leichter ist es doch eine Scheinwelt aufzubauen, in der alles seine Ordnung hat, so dass man niemanden Rede und Antwort stehen muss, warum alles so gekommen ist, wie es ist. Durch ih- ren Schwindel, den Ka gerade dabei ist, sich auszudenken, geht es ihr besser, sie entfernt sich von all ihren Problemen und schlüpft in eine neue, schönere Welt. Wie- der liefert Hürlimann einen Anhaltspunkt dafür, dass Ka mit Sorglosigkeit all diese „ekelhafte[n], fette[n] Lügen“ (Z.19f.) inszeniert, da sie hierbei sogar noch „lächeln [ ]“ (Z.19) kann. Es bereitet ihr wahnsinnig viel Freude ihre Gedanken in einer neuen Welt freien Lauf zu lassen und sich alles so zusammen zu reimen, wie sie es gerne hätte. Ka verdeutlicht ihren ehemaligen Schauspielfreunden, dass sie total im Stress sei und keine Zeit mehr für sich selbst finde, da sie sich kaum noch vor Aufträgen retten könne. Dies lässt Hürlimann in Zeile 19f. stark zum Vorschein kommen, denn hier sind in einem Satz eine direkte Zeitbestimmung und eine Zeitspanne vereint. „Gestern“ (Z.19), die direkte Zeitbestimmung, sagt aus, dass sie ununterbrochen in der Welt herumreise und kaum Zeit zum Erholen finde, jeden Tag ist sie in einer an- deren Stadt, um ihre Aufträge zu erfüllen: „gestern habe sie in Wien verhandelt [...]" (Z.19f.). Da noch im gleichen Satz nun die Zeitspanne „heute Abend“ (Z.20) einge- setzt wird, verstärkt der Autor nochmals den Stress, dem Ka ununterbrochen aus- gesetzt zu sein scheint. Gestern war sie noch in „Wien“ (Z.19) und „heute Abend" (Z.20) soll sie schon wieder in „Zürich“ (Z.20) sein. Der Autor zeigt dadurch das per- fekt aufgebaute Lügengebilde von Ka. Sie gibt alles, damit ihre Freunde ihr auch wirklich das abkaufen, was sie ihnen erzählt. Auf keinen Fall soll Mattmann und Gud- run ihre wirkliche miserable Lage erfahren, und einer viel beschäftigten Frau, die un- unterbrochen am Reisen ist, nimmt man eine erfolgreiche Karriere doch gerne ab. Zur Krönung ihrer Lügen fügt sie noch hinzu, dass das „ZDF“ (Z.27) ein „Feature“ (Z. 27) mit ihr plane. Der Titel dieses „Feature[s]“ (Z.27) „die Gnade des späten Erfolges“ (Z.27) zeigt die Sehnsüchte Kas. Sie wünscht sich nichts sehnlichster als einen Neuanfang. All den Ehrgeiz und die Verbissenheit, die sie in ihre Karriere gesteckt hat, haben sich nicht gelohnt, da sie ja jetzt ohne alles dasteht. Trotz dieser Tatsache hofft sie immer noch auf einen „späten Erfolg“ (Z.27), sie will unbedingt den Höhepunkt ihrer zerbrochenen Karriere erleben, obwohl es bereits verloren ist; trotzdem gibt Ka die Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 4 von 13 Hoffnung nicht auf. Die Aussage von Ka „Ich bin am Ende. Ich kann nicht mehr“ (Z.31) hat der Autor extra so gestellt, dass wieder zwei Deutungsmöglichkeiten möglich sind. Zum einen lässt es sich auf ihre bisherige Lage beziehen und stellt auch gleichzeitig die Wahrheit da, denn Kathi hat alles verloren und ist wortwörtlich völlig am „Ende“ (Z.32). Zum anderen kann man die Aussage auf ihre Lüge beziehen und den Stress. Durch all ihre Lügen entsteht bei den Freunden ein Bild von einer starken und erfolgreichen Schauspielerin, die gefragt und ständig in anderen Städten ist. Sie führt ein völlig stressiges Leben. Es soll Mattmann und Gudrun gezeigt werden, dass der ganze Stress zwar schön und teilweise auch gewollt ist, doch auf der anderen Seite sie auch mitnimmt und Ka langsam, aber sicher am Ende am Ende ihrer Kräfte zu sein scheint. Wie bereits oben erwähnt, stellt die Schauspielerin eine Person mit äußerst schwa- chem Charakter dar. Ein weiteres deutliches Signal findet man gegen Ende des Ge- sprächs mit ihren Freunden. Mattmann und Gudrun offenbaren ihre derzeitigen Probleme. Er leidet an „Leberkrebs“ (Z.40) und sie hat eine Oberkieferoperation hin- ter sich und noch dazu einen „Geliebte[n]“ (Z.42), der sie nicht heiraten will. Trotz der Tatsache, dass nun Kathi all die Probleme der anderen kennt und auch weiß, dass deren Leben nicht perfekt und ohne Makel sind, kann sie nicht den Mut aufbringen und ihre Lügen aufklären. Sie ist viel zu feige und hat wahnsinnige Angst vor der Re- aktion. Auch kann beziehungsweise will sie nicht wahrhaben, dass all ihre Träume und ihre Karriere nicht mehr existieren. Die Feigheit kommt durch den Satz „Ich habe nicht gelogen" (Z.45f.) gut zum Ausdruck, da sie sich vor sich selbst rechtfertigen will, um so das, was sie getan hat, besser verkraften zu können. Mit dem Satz „ich habe noch einmal gespielt“ (Z.46) geht Hürlimann auf den Titel der Kurzgeschichte ein und zeigt, dass all die Lügen Teil einer Rolle gewesen sind und Kathi nun „ihren letzten Auftritt" gehabt hat. Glücklich verlässt sie den Garten und hört durch das Rauschen der Bäume einen „Applaus“ (Z.50). Dieser „Applaus“ (Z.50) stellt ihre innere Zufrie- denheit dar, sie ist mit der Rolle, die sie gespielt hat, voll und ganz zufrieden. Dieser „letzte Auftritt" war noch der letzte Auftritt zu diesem Wohlbefinden. Die Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" von Thomas Hürlimann ist auch heute noch immer aktuell, denn auch heute gibt es Menschen, die mit ihrer wirklichen Situation nicht klar kommen. Sie bauen sich einfach eine zweite Welt auf, in der sie leben, um so die erste, schreckliche Welt verkraften zu können. Der Autor möchte den Leser zum Nachdenken anregen. Man darf auf keinen Fall die Wirklichkeit, in der man lebt, verdrehen, man muss das, was geschieht, akzeptieren und lernen damit fertig zu werden. Es ist einfacher zu lügen als sich der Wirklichkeit zu stellen. Die Kunst be- steht darin sich mit der Situation, in der man sich befindet, abzufinden und eine Lö- sung zu suchen, um es für einen selbst erträglicher zu gestalten. Doch wenn man Ignoranz walten lässt und alles verdrängen will, dann wird man irgendwann selbst von den Tatsachen eingeholt und man kommt nicht mehr mit allem klar. Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Verbesserungsprotokoll Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 5 von 13 Wie man in der Geschichte gesehen hat, gehen alle Menschen mit ihren Problemen anders um, einige reden über sie und andere verschweigen diese. Ebenso wird klar, dass jeder Mensch sein eigenes Bündel zu tragen hat und somit ist es keine Schande, wenn man offen über alles redet, denn Reden hilft immer! Die Sturheit, mit welcher Kathi in der Geschichte vorgeht, und die Tatsache, dass sie sich von ihrem Vorhaben auch noch bekräftigt, sollten für den Leser keinen Anreiz zur Nachahmung bieten, denn irgendwann kommt auch Kas Fassade zum Wackeln und bricht ein. 2. Klassenarbeit In seiner Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" erzählt der Autor Thomas Hürlimann von der Begegnung einer gescheiterten Schauspielerin mit deren ehemaligen Schauspielerfreunden. Im Zuge ihres „letzten Auftrittes" belügt sie diese durch Schilderungen einer glorreichen Karriere. Doch zu guter Letzt wird sichtbar, dass nicht nur ihre Darstellungen Lug und Trug waren. Die gealterte Schauspielerin Ka kehrt nach ihrem Scheitern in der Branche an den Ort ihres ersten Auftrittes, St. Gallen, zurück. In einem Biergarten trifft sie Schauspielfreunde aus früheren Zeiten an. Nach einer herzlichen Begrüßung lügt sie ihnen ihre imaginären Erfolge vor, doch ihre Maske fällt nach einiger Zeit. Ka gibt vor ihren Freunden zu, am Ende zu sein, doch diese interpretieren die Aussage als Anzeichen von Erschöpfung wegen der vielen Engagements. Auch die Bekannten scheinen erfolgreich zu sein, aber zu Ende der Geschichte fällt der Schleier und es wird klar, dass sie ebenso gescheitert sind. Trotz des Versuches der Klarstellung bleibt Kas Lüge von der glorreichen Karriere bis zum Schluss unerkannt und so bezeichnet die Schauspielerin diesen Vorfall als ihren letzten Auftritt und revidiert so die eigentliche Lüge. Thomas Hürlimann zeigt uns am Beispiel der Schauspielerin Ka eine große Gefahr des Menschen auf. Das Verlangen eines jeden nach Stolz, Würde und Ansehen verhindert die Ehrlichkeit. So verschleiert Ka ihre Probleme und beschönigt die Situation stark. Zwar erhält sie dadurch die angestrebte Bewunderung, doch ihr wirkliches Bedürfnis wird nicht gestillt - sie erhält keinen Trost und auch keinen Rückhalt. Letztendlich bleibt sie alleine zurück. Ebenso wie Ka laufen durch ihr übermäßiges Streben, etwas Besseres zu sein, alle Menschen Gefahr zu vereinsamen. „Der letzte Auftritt“ wird aus einer Sicht der Hauptperson Ka dargestellt. Durch deren erlebte Rede „[h]übsch war sie damals gewesen“ (Z. 46) – lässt sich die Erzählperspektive als eine personale identifizieren. Nach dem abrupten Einstieg in die Geschichte wird zunächst einmal die Lebenssituation der Hauptfigur beschrieben. Ihre „Existenz [ist] gescheitert, die Visualisierte Darstellung der 1. Klassenarbeit mit Lösungsstrategien und Zeitplänen findet sich in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€