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Textinterpretation: Hürlimann: "Der letzte Auftritt" (visualisiert)

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 www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12
Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 1

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Klaus Schenck

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Die beiden vierstündigen Klassenarbeiten zur D-Abi-Aufgabe 2005 werden visualisiert, um anhand der Farben die verschiedenen Aufgaben, Schritte und Schwerpunkte zu erläutern und an den Klassenarbeiten konkret zu zeigen.

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www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 1 von 6 Textinterpretation Hürlimann: ,,Der letzte Auftritt" Text: https://www.bange- verlag.de/downloads/dl/file/id/217/product/0/huerlimann der letzte auftritt.pdf Aufgabenstellung: Interpretieren Sie den Text! 1. Einleitung → Einleitung schreiben (Autor, Titel, Textsorte [nicht: Geschichte oder Erzählung, beides sind keine Textsorten!], Kurzzusammenfassung (Inhalt od. Thematik od. Personen, dies hängt von der Kurzgeschichte oder der ersten Aufgabenstellung ab). Ich biete dir zwei Lösungen, überlege dir selbst, welche dir eher liegt oder kombiniere beide für dich zu deiner (dritten) Lösung! In der Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt“ von Thomas Hürlimann steht die Schauspielerin Ka im Zentrum, die ihre gescheiterte Existenz vor ihren Freunden verleugnet und dadurch zum letzten Mal die Möglichkeit bekommt, all ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. In seiner Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt“ erzählt der Autor Thomas Hürlimann von der Begegnung einer gescheiterten Schauspielerin mit deren ehemaligen Schauspielerfreunden. Im Zuge ihres „letzten Auftrittes“ belügt sie diese durch Schilderungen einer glorreichen Karriere. Doch zu guter Letzt wird sichtbar, dass nicht nur ihre Darstellungen Lug und Trug waren. www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 2 von 6 2. Inhaltsangabe 1. Inhaltsangabe Ohne Existenz, mit gescheiterten Träumen und hungrig macht sich eine Schauspielerin, genannt Kathi oder Ka, auf den Weg zu ihren...

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Schauspielfreunden. Die anfängliche Wiedersehensfreude verfliegt schnell und Ka nutzt zum letzten Mal die Möglichkeit ihre schauspielerischen Künste zu präsentieren, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf in Wirklichkeit alles verloren zu haben. Ganz Schauspielerin inszeniert sie ein „Meisterwerk“, getragen durch ein Gerüst aus Lügen, sich immer mehr in ihren Schwindel verstrickend hat sie bald keine Chance mehr diesem zu entkommen und erhält auf der anderen Seite noch reichlich Verständnis und Anerkennung für ihre doch allzu schwierige und stressige Lage. Während ihre Freunde die Realität nicht zu beschönigen versuchen und ihr Probleme offen darlegen, erwähnt sie mit keinem Wort ihre tatsächliche Lage, im Gegenteil, sie ist froh noch einmal eine Rolle annehmen zu können, die sogar ihres Erachtens mit Applaus gekrönt wird. 2. Inhaltsangabe Die gealterte Schauspielerin Ka kehrt nach ihrem Scheitern in der Branche an den Ort ihres ersten Auftrittes, St. Gallen, zurück. In einem Biergarten trifft sie Schauspielfreunde aus früheren Zeiten an. Nach einer herzlichen Begrüßung lügt sie ihnen ihre imaginären Erfolge vor, doch ihre Maske fällt nach einiger Zeit. Ka gibt vor ihren Freunden zu, am Ende zu sein, doch diese interpretieren die Aussage als Anzeichen von Erschöpfung wegen der vielen Engagements. Auch die Bekannten scheinen erfolgreich zu sein, aber zu Ende der Geschichte fällt der Schleier und es wird klar, dass sie ebenso gescheitert sind. Trotz des Versuches der Klarstellung bleibt Kas Lüge von der glorreichen Karriere bis zum Schluss unerkannt und so bezeichnet die Schauspielerin diesen Vorfall als ihren letzten Auftritt und revidiert so die eigentliche Lüge. 3. Interpretation Einleitung / Einleitungsgedanke Zitatintegration Stilfiguren und Erzähltechnik Zentrale Interpretationsansätze Allgemeine Textbeobachtungen Die Zeilenzählung entspricht der Abituraufgabe von 2005. 1. Interpretation (Auszug / Beginn) Betrachtet man zunächst einmal die äußere Form der Kurzgeschichte, so fällt auf, dass Hürlimann sehr viele Absätze benutzt. Dennoch lässt sich hier ein logisches System erkennen, da die Absätze mit dem Handlungsverlauf der Kurzgeschichte übereinstimmen. Zu Beginn werden keine Absätze gewählt, da dort auch das Geschehen relativ unbedeutend ist. Ka macht sich lediglich auf den Weg zu ihren Freunden und der Leser erfährt, dass ihre „Existenz gescheitert [ist]“ (Z. 2) und auch „ihre Träume zerbrochen“ (Z.2) sind. Sie ist vollkommen alleine und hat außer ihrem „Schminkkoffer […] nichts mehr“ (Z.2f). Im weiteren www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 3 von 6 Verlauf des Geschehens nehmen mit zunehmender Wichtigkeit auch die Absätze zu. Ka baut sich ihre eigene neue Welt aus Lügen auf, um somit ihre wirkliche Lage nicht preisgeben zu müssen. Gegen Ende ist die Spannung und Intensität des Gespräches erloschen, was auch der beinahe fortlaufende Text darstellt. Bereits zu Beginn der Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt“ hat der Autor parataktisch das Geschehen charakterisiert: „...und sie hatte Hunger, und sie war müde...“ (Z.3). Dadurch wird das Ausmaß ihrer bisherigen schlimmen Lage verdeutlicht, der Leser spürt förmlich, wie schlecht es Ka geht und kann sich gut in ihre Lage hineinversetzen. Die Ellipsen in Z.2, „Die Existenz gescheitert, die Träume zerbrochen“ (Z.2), zeigen, dass wirklich alles, was ihr wichtig ist, ihre ganze Karriere und sogar ihre Existenz, nun der Vergangenheit angehören, das Einzige, was nur noch geblieben ist, ist „ihr […] Schminkkoffer“ (Z.1). Durch die Hyperbel „zum Sterben müde“ (Z.3) wird beschrieben, dass sie schon seit längerer Zeit ihre Karriere aufgegeben hat und diesen Zustand der Langeweile satt hat. Sie erträgt die Tatsache nicht nun alles verloren zu haben. Darauf deutet auch das Adjektiv „müde“ (Z.2) hin, das in dieser Zeile sogar gleich zweimal vorkommt. Die ganze Anstrengung, die es gekostet haben muss, ihre Karriere als Schauspielerin aufrecht zu erhalten, war vergeudete Zeit. Anstrengung, die sie nun geschwächt hat. Durch die Frage „und heute?“ (Z.5), die sogleich auch eine Ellipse darstellt, wird auf die Veränderung hingewiesen, nichts ist jetzt mehr so, wie es früher gewesen ist, alles hat sich verändert. Nicht nur die Tatsache, dass ihre „Träume zerbrochen“ (Z.2) sind, sondern auch an Ka selbst sind die Zeichen der Zeit nicht spurlos vorüber gegangen. Früher sei sie „hübsch“ (Z.4) gewesen, die „Lust auf Liebe“ (Z.5) und „Zukunft und Kunst“ (Z.5) hätten ihr Leben dominiert. Dass dies heute nicht mehr so ist, verdeutlicht das Adverb „damals“ (Z.4). Es stellt nochmals kurz das Vergangene in den Vordergrund, zeigt aber auch sogleich, dass es so nicht mehr für die jetzige Zeit relevant ist. Ka vergleicht sich mit den Leuten, die sie im Garten sieht, wie sie ihre Textbücher" (Z.7) lesen und sich auf eine neue Rolle vorbereiten. In der Schauspielerin kommen Erinnerungen auf, sie erinnert sich an „früher“(Z.6), in welcher Zeit sie sich in dieser Situation befunden hat, zu welcher Zeit ihre Karriere noch nicht „ge- scheitert"(Z.2) ist. Das Adjektiv „still“ (Z.10) hat eine ganz besondere Bedeutung. Es soll dem Leser zeigen, in welcher jetzigen Situation die Schauspielerin sich befindet. Aus ihrem Leben ist jegliche Art von Spaß und Aufregung verschwunden, sie lebt quasi nur noch vor sich hin, ganz „still“ (Z.10) einsam und alleine. Ebenso leitet genau dieses Adjektiv die Erscheinung Mattmanns ein. Dadurch stellt ihn der Autor automatisch in den Mittelpunkt und die Aufmerksamkeit des Lesers gipfelt in diesem Mann. Der häufige Gebrauch des Adjektivs „alt“ (Z.12) unterstreicht seine Wesenzüge und auch die Tatsache, dass er sich „kaum verändert“ (Z.13) hat, er ist einfach wie „früher“ (Z.13), nahe zu „unsterblich“ (Z.13). Das Adjektiv „unsterblich“ (Z.13) bezieht sich hier zum einen auf Mattmann, der stark und unverwundbar dargestellt wird und eine Kämpfernatur verdeutlicht. Mögen die Zeiten auch noch so schwer sein, er schafft es immer wieder Halt zu finden und sich aufzurappeln, letztendlich der Gleiche zu bleiben. Zum anderen wird auch ein Kontrast hervorgehoben, der sich im negativen Sinne auf die Schauspielerin Ka übertragen lässt. Sie ist im Vergleich zu ihrem Freund Mattmann nicht „unsterblich“ (Z.13), denn sie hat den Kampf mit dem Schicksal verloren. Sie war nicht standhaft genug, hat das, was Mattmann auszeichnet, nie erreicht, denn ihre „Existenz“ (Z.2) ist „gescheitert“ (Z.2)….. 2. Interpretation (vollständig) Thomas Hürlimann zeigt uns am Beispiel der Schauspielerin Ka eine große Gefahr des Menschen auf. Das Verlangen eines jeden nach Stolz, Würde und Ansehen verhindert die Ehrlichkeit. So verschleiert Ka ihre Probleme und beschönigt die Situation stark. Zwar erhält sie dadurch die angestrebte Bewunderung, doch ihr wirkliches Bedürfnis wird nicht gestillt – sie erhält keinen Trost und auch keinen Rückhalt. Letztendlich bleibt sie alleine zurück. www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 4 von 6 Ebenso wie Ka laufen durch ihr übermäßiges Streben, etwas Besseres zu sein, alle Menschen Gefahr zu vereinsamen. „Der letzte Auftritt“ wird aus einer Sicht der Hauptperson Ka dargestellt. Durch deren erlebte Rede-[h]übsch war sie damals gewesen“ (Z. 46) – lässt sich die Erzählperspektive als eine personale identifizieren. Nach dem abrupten Einstieg in die Geschichte wird zunächst einmal die Lebenssituation der Hauptfigur beschrieben. Ihre „Existenz [ist] gescheitert, die Träun zerbrochen“ (Z. 2) und sie ist „zum Sterben müde“ (Z. 3). Diese Hyperbel verdeutlicht die Sicht Kas auf ihr gescheitertes und auswegsloses Leben. Im Gegensatz dazu steht die Zeit „ihr[es] erste[n] Engagement[s]" (Z. 4). Damals besaß sie noch Talent und sie erinnert sich zurück an die Jahre, als die Textbücher metaphorisch „vom Feuer der Probenleidenschaft angesengt und gerollt waren" (Z. 7f.). Ihre jetzige Verfassung unterscheidet sich stark von dem damaligen Enthusiasmus, als sie „voller Lust auf Liebe, Zukunft und Kunst“ (Z. 5) gewesen ist. Nun rücken solche Grundsätze in den Hintergrund und einfache Grundbedürfnisse, wie die Tatsache, dass sie „Hunger“ (Z. 3) hat, treten hervor. Ihre Illusionen sind dahin und die innere sowie äußere Schwäche wird durch die Art, wie sie „taumelt[ ]“ (Z. 9), verdeutlicht. Der Ausspruch „dann war es still“ (Z. 10) macht ihre Einsamkeit klar. Diese wird jedoch durch die erste direkte Rede in „Der letzte Auftritt“, durch den Ruf: „Kathi“ (Z. 11) durchbrochen. Ka ist nun nicht länger eine gescheiterte, einsame Person, sondern ein Mensch, der erkannt wird. Die Schwermütigkeit, die sie dazu brachte ihren Schminkkoffer zu „schlepp[en]“ (Z. 1), ist dahin. Eine neue Ka kommt zum Vorschein. Sie befindet sich wieder in ihrer „Anfängerzeit“ (Z. 12). Und in diesem Moment erfüllt Ka voll und ganz das Schema des von Thomas Hürlimann kritisierten Menschen. Ihre Wandlung wird auch durch die parataktisch gebauten Sätze, zu Beginn des zweiten Sinnabschnittes, verdeutlicht, ebenso wie durch das Asyndeton: „Umarmung, Küsse, Tränen.“ (Z. 17). Die Geschichte scheint sich auf einmal beschleunigt zu haben, die obige Akkumulation (vgl. Z. 17) verbreitet eine gewisse Hektik, Lebendigkeit und reißt Ka scheinbar aus der Schwermütigkeit. Doch als Pfand für diese Metamorphose dient die Glaubwürdigkeit. Schon die ersten Aussprüche: „Kathi! Liebling! Du!" (Z. 16) deuten auf den weiteren gekünstelten Verlauf der Geschichte hin. Denn nach so langer Zeit ist die Kosebezeichnung „Liebling“ (Z. 16) kaum angebracht und verspricht so ein wahres Schauspiel. Hiermit ist eine Entwicklung, dass „Ka schwindelt []“ (Z. 17), abzusehen und die euphemistische Rechtfertigung, dass es „ohne Absicht“ (Z. 17) und „einfach so“ (Z. 17) geschieht, nicht verwunderlich. Von nun an ist das ganze Gespräch auf ein Lügengebilde aufgebaut, von dem nicht nur Ka ergriffen wird. Auch Mattmann versucht sich, durch die „kesse Blonde“ (Z. 15) an seiner Seite, Jugend in alten Jahren zu verschaffen. Thomas Hürlimann symbolisiert das Abgleiten und Entgleisen des Gespräches durch eine Klimax. So wird der „kleine Schwindel“ (Z. 18) bald zur „ekelhafte[n], fette[n] Lüge“ (Z. 18f.). Die Zügel entgleiten Ka und durch ihre Erzählungen zwingt sie auch ihre Zuhörer in eine unehrliche Rolle. Sie erzwingt sich von ihnen geradezu für sie glücklich zu sein (vgl. Z. 24) und somit ihre Geschichte als glaubwürdig zu titulieren. Schaut man jedoch etwas genauer hin, so blickt man leicht hinter die Fassade und erkennt am Kommunikationsmuster der Freunde deren schauspielerisches Talent. Sie schreien, „flöte[n]“ (Z. 22) und „hauch[en]“ (Z. 24), kurz gesagt, bedienen sich ihrer berufsbedingten Fähigkeiten, um sich gegenseitig eine heile Welt vorzuspielen. Die Maske fällt zuerst bei Mattmann, dessen Blick „trüb[]“ (Z. 29) wird, als sein „Jungbrunnen“, „die Blonde“ (Z. 29), geht. In diesem Bereich ist auch die Wende des Gespräches zu sehen, als Ka scheinbar ihrem Gewissen nachgibt und so „plötzlich“ (Z. 32) sagt, dass sie „am Ende“ (Z. 32) sei und „nicht mehr“ (Z. 32) könne. Diese Aussage kann als Hilferuf gesehen werden, der die Freunde auffordert, ihr eine Stütze zu sein, doch Ka hat sich schon zu sehr in ihrem Lügengebilde verwickelt und so wird ihr Versuch zur Ehrlichkeit falsch gewertet. Gudrun „versteh[t]“ (Z. 33) sie der eigenen Meinung nach. Diese Blindheit gegenüber der Wahrheit scheint jedoch auch nur gespielt zu sein und so wird ihr Angebot an Ka – „Ich drück dich“ (Z. 36) – durch die Emphase „ehrlich“ (Z. 37) als Schaustück enttarnt. Nachdem man einmal hinter diese perfekte Welt aus Lügen geschaut hat, fällt eben diese nun in sich zusammen. „Mattmann war nun doch […...] alt geworden“ (Z. 58) und seine Krankheit - „Leberkrebs“ (Z. 40) – wird durch die Personifikation „das Kinn fiel zittrig vom Gesicht“ (Z. 40) www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 5 von 6 nur noch verstärkt. Der „Unsterblich[e]“ (Z. 13) wird sterblich. Und letztendlich tritt auch Gudrun aus ihrer Rolle heraus und gibt zu, dass „ihr Geliebter“ (Z. 41) ein „Trottel“ (Z. 42) sei. Mit dem „Abendläuten“ (Z. 43) ist das Gespräch beendet. Durch die Aussage „der Himmel wurde blau, der Garten schattig“ (Z. 43) wird der erneute Wandel Kas versinnbildlicht. Nachdem sie wieder alleine ist, wird ihre Welt wieder einsam und „schattig“ (Z. 43). Ein letztes Mal lügt sie sich selbst etwas vor, indem sie ihre vorhergehenden Handlungen rechtfertigt: „Ich habe nicht gelogen […] [,] ich habe noch einmal gespielt.“ (Z. 45 f.) Die ganze Begegnung wird somit als nicht unwahr dargestellt, eben als Kas „letzte[n] Auftritt" (Überschrift). Sie ist wieder die Alte, gebeugt vom Leben, wie sie „leise“ (Z. 46) spricht und aus dem Garten schleicht (vgl. Z. 48). Doch ein gewisser Fortschritt ist erkennbar, da sie nun zu wahren Gefühlen fähig zu sein scheint. Sie schickt Mattmann „einen Kuß zu“ (Z. 49), obwohl er ihn nicht sehen kann, da er schläft. Für diese grundehrliche Handlung, für ihren ganzen Auftritt wird sie durch den „Applaus“ (Z. 50) der „Platanen“ (Z. 50), die „raschel[n] und rausch[en]“ (Z. 50) offensichtlich belohnt. 4. Schluss • Bezug zur Einleitung / zur Geschichte herstellen • Allgemeingültigkeit der Aussage des Stücks / der Textstelle / des Werkes betonen • Abschließende Bewertung in Blick auf die Aktualität des Stücks / Werkes 1. Schluss (Achtung: Tendenz zu Allgemeinplätzen / Floskeln!) Die Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" von Thomas Hürlimann ist auch heute noch immer aktuell, denn auch heute gibt es Menschen, die mit ihrer wirklichen Situation nicht klar kommen. Sie bauen sich einfach eine zweite Welt auf, in der sie leben, um so die erste, schreckliche Welt verkraften zu können. Der Autor möchte den Leser zum Nachdenken anregen. Man darf auf keinen Fall die Wirklichkeit, in der man lebt, verdrehen, man muss das, was geschieht, akzeptieren und lernen damit fertig zu werden. Es ist einfacher zu lügen als sich der Wirklichkeit zu stellen. Die Kunst besteht darin, sich mit der Situation, in der man sich befindet, abzufinden und eine Lösung zu suchen, um es für einen selbst erträglicher zu gestalten. Doch wenn man Ignoranz walten lässt und alles verdrängen will, dann wird man irgendwann selbst von den Tatsachen eingeholt und man kommt nicht mehr mit allem klar. Wie man in der Geschichte gesehen hat, gehen alle Menschen mit ihren Problemen anders um, einige reden über sie und andere verschweigen diese. Ebenso wird klar, dass jeder Mensch sein eigenes Bündel zu tragen hat und somit ist es keine Schande, wenn man offen über alles redet, denn Reden hilft immer! Die Sturheit, mit welcher Kathi in der Geschichte vorgeht, und die Tatsache, dass sie sich von ihrem Vorhaben auch noch bekräftigt, sollten für den Leser keinen Anreiz zur Nachahmung bieten, denn irgendwann kommt auch Kas Fassade zum Wackeln und bricht ein. 2. Schluss Nach dieser genauen Betrachtung wird nun klar, dass Thomas Hürlimann uns in „Der letzte Auftritt" eine Warnung zuspricht. Die Kurzgeschichte kann dahingehend gedeutet werden, dass das Leben eines Menschen aus Masken besteht. Je nachdem, wie es die Situation

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In einem Biergarten trifft sie Schauspielfreunde aus früheren Zeiten an. Nach einer herzlichen Begrüßung lügt sie ihnen ihre imaginären Erfolge vor, doch ihre Maske fällt nach einiger Zeit. Ka gibt vor ihren Freunden zu, am Ende zu sein, doch diese interpretieren die Aussage als Anzeichen von Erschöpfung wegen der vielen Engagements. Auch die Bekannten scheinen erfolgreich zu sein, aber zu Ende der Geschichte fällt der Schleier und es wird klar, dass sie ebenso gescheitert sind. Trotz des Versuches der Klarstellung bleibt Kas Lüge von der glorreichen Karriere bis zum Schluss unerkannt und so bezeichnet die Schauspielerin diesen Vorfall als ihren letzten Auftritt und revidiert so die eigentliche Lüge. 3. Interpretation Einleitung / Einleitungsgedanke Zitatintegration Stilfiguren und Erzähltechnik Zentrale Interpretationsansätze Allgemeine Textbeobachtungen Die Zeilenzählung entspricht der Abituraufgabe von 2005. 1. Interpretation (Auszug / Beginn) Betrachtet man zunächst einmal die äußere Form der Kurzgeschichte, so fällt auf, dass Hürlimann sehr viele Absätze benutzt. Dennoch lässt sich hier ein logisches System erkennen, da die Absätze mit dem Handlungsverlauf der Kurzgeschichte übereinstimmen. Zu Beginn werden keine Absätze gewählt, da dort auch das Geschehen relativ unbedeutend ist. Ka macht sich lediglich auf den Weg zu ihren Freunden und der Leser erfährt, dass ihre „Existenz gescheitert [ist]“ (Z. 2) und auch „ihre Träume zerbrochen“ (Z.2) sind. Sie ist vollkommen alleine und hat außer ihrem „Schminkkoffer […] nichts mehr“ (Z.2f). Im weiteren www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 3 von 6 Verlauf des Geschehens nehmen mit zunehmender Wichtigkeit auch die Absätze zu. Ka baut sich ihre eigene neue Welt aus Lügen auf, um somit ihre wirkliche Lage nicht preisgeben zu müssen. Gegen Ende ist die Spannung und Intensität des Gespräches erloschen, was auch der beinahe fortlaufende Text darstellt. Bereits zu Beginn der Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt“ hat der Autor parataktisch das Geschehen charakterisiert: „...und sie hatte Hunger, und sie war müde...“ (Z.3). Dadurch wird das Ausmaß ihrer bisherigen schlimmen Lage verdeutlicht, der Leser spürt förmlich, wie schlecht es Ka geht und kann sich gut in ihre Lage hineinversetzen. Die Ellipsen in Z.2, „Die Existenz gescheitert, die Träume zerbrochen“ (Z.2), zeigen, dass wirklich alles, was ihr wichtig ist, ihre ganze Karriere und sogar ihre Existenz, nun der Vergangenheit angehören, das Einzige, was nur noch geblieben ist, ist „ihr […] Schminkkoffer“ (Z.1). Durch die Hyperbel „zum Sterben müde“ (Z.3) wird beschrieben, dass sie schon seit längerer Zeit ihre Karriere aufgegeben hat und diesen Zustand der Langeweile satt hat. Sie erträgt die Tatsache nicht nun alles verloren zu haben. Darauf deutet auch das Adjektiv „müde“ (Z.2) hin, das in dieser Zeile sogar gleich zweimal vorkommt. Die ganze Anstrengung, die es gekostet haben muss, ihre Karriere als Schauspielerin aufrecht zu erhalten, war vergeudete Zeit. Anstrengung, die sie nun geschwächt hat. Durch die Frage „und heute?“ (Z.5), die sogleich auch eine Ellipse darstellt, wird auf die Veränderung hingewiesen, nichts ist jetzt mehr so, wie es früher gewesen ist, alles hat sich verändert. Nicht nur die Tatsache, dass ihre „Träume zerbrochen“ (Z.2) sind, sondern auch an Ka selbst sind die Zeichen der Zeit nicht spurlos vorüber gegangen. Früher sei sie „hübsch“ (Z.4) gewesen, die „Lust auf Liebe“ (Z.5) und „Zukunft und Kunst“ (Z.5) hätten ihr Leben dominiert. Dass dies heute nicht mehr so ist, verdeutlicht das Adverb „damals“ (Z.4). Es stellt nochmals kurz das Vergangene in den Vordergrund, zeigt aber auch sogleich, dass es so nicht mehr für die jetzige Zeit relevant ist. Ka vergleicht sich mit den Leuten, die sie im Garten sieht, wie sie ihre Textbücher" (Z.7) lesen und sich auf eine neue Rolle vorbereiten. In der Schauspielerin kommen Erinnerungen auf, sie erinnert sich an „früher“(Z.6), in welcher Zeit sie sich in dieser Situation befunden hat, zu welcher Zeit ihre Karriere noch nicht „ge- scheitert"(Z.2) ist. Das Adjektiv „still“ (Z.10) hat eine ganz besondere Bedeutung. Es soll dem Leser zeigen, in welcher jetzigen Situation die Schauspielerin sich befindet. Aus ihrem Leben ist jegliche Art von Spaß und Aufregung verschwunden, sie lebt quasi nur noch vor sich hin, ganz „still“ (Z.10) einsam und alleine. Ebenso leitet genau dieses Adjektiv die Erscheinung Mattmanns ein. Dadurch stellt ihn der Autor automatisch in den Mittelpunkt und die Aufmerksamkeit des Lesers gipfelt in diesem Mann. Der häufige Gebrauch des Adjektivs „alt“ (Z.12) unterstreicht seine Wesenzüge und auch die Tatsache, dass er sich „kaum verändert“ (Z.13) hat, er ist einfach wie „früher“ (Z.13), nahe zu „unsterblich“ (Z.13). Das Adjektiv „unsterblich“ (Z.13) bezieht sich hier zum einen auf Mattmann, der stark und unverwundbar dargestellt wird und eine Kämpfernatur verdeutlicht. Mögen die Zeiten auch noch so schwer sein, er schafft es immer wieder Halt zu finden und sich aufzurappeln, letztendlich der Gleiche zu bleiben. Zum anderen wird auch ein Kontrast hervorgehoben, der sich im negativen Sinne auf die Schauspielerin Ka übertragen lässt. Sie ist im Vergleich zu ihrem Freund Mattmann nicht „unsterblich“ (Z.13), denn sie hat den Kampf mit dem Schicksal verloren. Sie war nicht standhaft genug, hat das, was Mattmann auszeichnet, nie erreicht, denn ihre „Existenz“ (Z.2) ist „gescheitert“ (Z.2)….. 2. Interpretation (vollständig) Thomas Hürlimann zeigt uns am Beispiel der Schauspielerin Ka eine große Gefahr des Menschen auf. Das Verlangen eines jeden nach Stolz, Würde und Ansehen verhindert die Ehrlichkeit. So verschleiert Ka ihre Probleme und beschönigt die Situation stark. Zwar erhält sie dadurch die angestrebte Bewunderung, doch ihr wirkliches Bedürfnis wird nicht gestillt – sie erhält keinen Trost und auch keinen Rückhalt. Letztendlich bleibt sie alleine zurück. www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 4 von 6 Ebenso wie Ka laufen durch ihr übermäßiges Streben, etwas Besseres zu sein, alle Menschen Gefahr zu vereinsamen. „Der letzte Auftritt“ wird aus einer Sicht der Hauptperson Ka dargestellt. Durch deren erlebte Rede-[h]übsch war sie damals gewesen“ (Z. 46) – lässt sich die Erzählperspektive als eine personale identifizieren. Nach dem abrupten Einstieg in die Geschichte wird zunächst einmal die Lebenssituation der Hauptfigur beschrieben. Ihre „Existenz [ist] gescheitert, die Träun zerbrochen“ (Z. 2) und sie ist „zum Sterben müde“ (Z. 3). Diese Hyperbel verdeutlicht die Sicht Kas auf ihr gescheitertes und auswegsloses Leben. Im Gegensatz dazu steht die Zeit „ihr[es] erste[n] Engagement[s]" (Z. 4). Damals besaß sie noch Talent und sie erinnert sich zurück an die Jahre, als die Textbücher metaphorisch „vom Feuer der Probenleidenschaft angesengt und gerollt waren" (Z. 7f.). Ihre jetzige Verfassung unterscheidet sich stark von dem damaligen Enthusiasmus, als sie „voller Lust auf Liebe, Zukunft und Kunst“ (Z. 5) gewesen ist. Nun rücken solche Grundsätze in den Hintergrund und einfache Grundbedürfnisse, wie die Tatsache, dass sie „Hunger“ (Z. 3) hat, treten hervor. Ihre Illusionen sind dahin und die innere sowie äußere Schwäche wird durch die Art, wie sie „taumelt[ ]“ (Z. 9), verdeutlicht. Der Ausspruch „dann war es still“ (Z. 10) macht ihre Einsamkeit klar. Diese wird jedoch durch die erste direkte Rede in „Der letzte Auftritt“, durch den Ruf: „Kathi“ (Z. 11) durchbrochen. Ka ist nun nicht länger eine gescheiterte, einsame Person, sondern ein Mensch, der erkannt wird. Die Schwermütigkeit, die sie dazu brachte ihren Schminkkoffer zu „schlepp[en]“ (Z. 1), ist dahin. Eine neue Ka kommt zum Vorschein. Sie befindet sich wieder in ihrer „Anfängerzeit“ (Z. 12). Und in diesem Moment erfüllt Ka voll und ganz das Schema des von Thomas Hürlimann kritisierten Menschen. Ihre Wandlung wird auch durch die parataktisch gebauten Sätze, zu Beginn des zweiten Sinnabschnittes, verdeutlicht, ebenso wie durch das Asyndeton: „Umarmung, Küsse, Tränen.“ (Z. 17). Die Geschichte scheint sich auf einmal beschleunigt zu haben, die obige Akkumulation (vgl. Z. 17) verbreitet eine gewisse Hektik, Lebendigkeit und reißt Ka scheinbar aus der Schwermütigkeit. Doch als Pfand für diese Metamorphose dient die Glaubwürdigkeit. Schon die ersten Aussprüche: „Kathi! Liebling! Du!" (Z. 16) deuten auf den weiteren gekünstelten Verlauf der Geschichte hin. Denn nach so langer Zeit ist die Kosebezeichnung „Liebling“ (Z. 16) kaum angebracht und verspricht so ein wahres Schauspiel. Hiermit ist eine Entwicklung, dass „Ka schwindelt []“ (Z. 17), abzusehen und die euphemistische Rechtfertigung, dass es „ohne Absicht“ (Z. 17) und „einfach so“ (Z. 17) geschieht, nicht verwunderlich. Von nun an ist das ganze Gespräch auf ein Lügengebilde aufgebaut, von dem nicht nur Ka ergriffen wird. Auch Mattmann versucht sich, durch die „kesse Blonde“ (Z. 15) an seiner Seite, Jugend in alten Jahren zu verschaffen. Thomas Hürlimann symbolisiert das Abgleiten und Entgleisen des Gespräches durch eine Klimax. So wird der „kleine Schwindel“ (Z. 18) bald zur „ekelhafte[n], fette[n] Lüge“ (Z. 18f.). Die Zügel entgleiten Ka und durch ihre Erzählungen zwingt sie auch ihre Zuhörer in eine unehrliche Rolle. Sie erzwingt sich von ihnen geradezu für sie glücklich zu sein (vgl. Z. 24) und somit ihre Geschichte als glaubwürdig zu titulieren. Schaut man jedoch etwas genauer hin, so blickt man leicht hinter die Fassade und erkennt am Kommunikationsmuster der Freunde deren schauspielerisches Talent. Sie schreien, „flöte[n]“ (Z. 22) und „hauch[en]“ (Z. 24), kurz gesagt, bedienen sich ihrer berufsbedingten Fähigkeiten, um sich gegenseitig eine heile Welt vorzuspielen. Die Maske fällt zuerst bei Mattmann, dessen Blick „trüb[]“ (Z. 29) wird, als sein „Jungbrunnen“, „die Blonde“ (Z. 29), geht. In diesem Bereich ist auch die Wende des Gespräches zu sehen, als Ka scheinbar ihrem Gewissen nachgibt und so „plötzlich“ (Z. 32) sagt, dass sie „am Ende“ (Z. 32) sei und „nicht mehr“ (Z. 32) könne. Diese Aussage kann als Hilferuf gesehen werden, der die Freunde auffordert, ihr eine Stütze zu sein, doch Ka hat sich schon zu sehr in ihrem Lügengebilde verwickelt und so wird ihr Versuch zur Ehrlichkeit falsch gewertet. Gudrun „versteh[t]“ (Z. 33) sie der eigenen Meinung nach. Diese Blindheit gegenüber der Wahrheit scheint jedoch auch nur gespielt zu sein und so wird ihr Angebot an Ka – „Ich drück dich“ (Z. 36) – durch die Emphase „ehrlich“ (Z. 37) als Schaustück enttarnt. Nachdem man einmal hinter diese perfekte Welt aus Lügen geschaut hat, fällt eben diese nun in sich zusammen. „Mattmann war nun doch […...] alt geworden“ (Z. 58) und seine Krankheit - „Leberkrebs“ (Z. 40) – wird durch die Personifikation „das Kinn fiel zittrig vom Gesicht“ (Z. 40) www.KlausSchenck.de / Deutsch / 2 vierstündige Klassenarbeiten / Kl. 12 Textinterpretation / Thomas Hürlimann: „Der letzte Auftritt“ / S. 5 von 6 nur noch verstärkt. Der „Unsterblich[e]“ (Z. 13) wird sterblich. Und letztendlich tritt auch Gudrun aus ihrer Rolle heraus und gibt zu, dass „ihr Geliebter“ (Z. 41) ein „Trottel“ (Z. 42) sei. Mit dem „Abendläuten“ (Z. 43) ist das Gespräch beendet. Durch die Aussage „der Himmel wurde blau, der Garten schattig“ (Z. 43) wird der erneute Wandel Kas versinnbildlicht. Nachdem sie wieder alleine ist, wird ihre Welt wieder einsam und „schattig“ (Z. 43). Ein letztes Mal lügt sie sich selbst etwas vor, indem sie ihre vorhergehenden Handlungen rechtfertigt: „Ich habe nicht gelogen […] [,] ich habe noch einmal gespielt.“ (Z. 45 f.) Die ganze Begegnung wird somit als nicht unwahr dargestellt, eben als Kas „letzte[n] Auftritt" (Überschrift). Sie ist wieder die Alte, gebeugt vom Leben, wie sie „leise“ (Z. 46) spricht und aus dem Garten schleicht (vgl. Z. 48). Doch ein gewisser Fortschritt ist erkennbar, da sie nun zu wahren Gefühlen fähig zu sein scheint. Sie schickt Mattmann „einen Kuß zu“ (Z. 49), obwohl er ihn nicht sehen kann, da er schläft. Für diese grundehrliche Handlung, für ihren ganzen Auftritt wird sie durch den „Applaus“ (Z. 50) der „Platanen“ (Z. 50), die „raschel[n] und rausch[en]“ (Z. 50) offensichtlich belohnt. 4. Schluss • Bezug zur Einleitung / zur Geschichte herstellen • Allgemeingültigkeit der Aussage des Stücks / der Textstelle / des Werkes betonen • Abschließende Bewertung in Blick auf die Aktualität des Stücks / Werkes 1. Schluss (Achtung: Tendenz zu Allgemeinplätzen / Floskeln!) Die Kurzgeschichte „Der letzte Auftritt" von Thomas Hürlimann ist auch heute noch immer aktuell, denn auch heute gibt es Menschen, die mit ihrer wirklichen Situation nicht klar kommen. Sie bauen sich einfach eine zweite Welt auf, in der sie leben, um so die erste, schreckliche Welt verkraften zu können. Der Autor möchte den Leser zum Nachdenken anregen. Man darf auf keinen Fall die Wirklichkeit, in der man lebt, verdrehen, man muss das, was geschieht, akzeptieren und lernen damit fertig zu werden. Es ist einfacher zu lügen als sich der Wirklichkeit zu stellen. Die Kunst besteht darin, sich mit der Situation, in der man sich befindet, abzufinden und eine Lösung zu suchen, um es für einen selbst erträglicher zu gestalten. Doch wenn man Ignoranz walten lässt und alles verdrängen will, dann wird man irgendwann selbst von den Tatsachen eingeholt und man kommt nicht mehr mit allem klar. Wie man in der Geschichte gesehen hat, gehen alle Menschen mit ihren Problemen anders um, einige reden über sie und andere verschweigen diese. Ebenso wird klar, dass jeder Mensch sein eigenes Bündel zu tragen hat und somit ist es keine Schande, wenn man offen über alles redet, denn Reden hilft immer! Die Sturheit, mit welcher Kathi in der Geschichte vorgeht, und die Tatsache, dass sie sich von ihrem Vorhaben auch noch bekräftigt, sollten für den Leser keinen Anreiz zur Nachahmung bieten, denn irgendwann kommt auch Kas Fassade zum Wackeln und bricht ein. 2. Schluss Nach dieser genauen Betrachtung wird nun klar, dass Thomas Hürlimann uns in „Der letzte Auftritt" eine Warnung zuspricht. Die Kurzgeschichte kann dahingehend gedeutet werden, dass das Leben eines Menschen aus Masken besteht. Je nachdem, wie es die Situation