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Thomas Hürlimann „Der Filialleiter

Thomas Hürlimann „Der Filialleiter

 Analyse & Interpretation: Thomas Hürlimann „Der Filialleiter"
Die Kurzgeschichte ,,Der Filialleiter" wurde von Thomas Hürlimann
geschrieben

Thomas Hürlimann „Der Filialleiter

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Kevin Majewski

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Analyse & Interpretation: Thomas Hürlimann „Der Filialleiter" Die Kurzgeschichte ,,Der Filialleiter" wurde von Thomas Hürlimann geschrieben und im Jahr 1994 publiziert. Dieser epische Text handelt von einer öffentlichen Kompromittierung eines Mannes, welche von seiner Frau in die Wege geleitet wurde. Die Kurzgeschichte beschreibt die eigentlich sehr emotionsgeladene Situation in einer gescheiterten Ehe, die jedoch betont sachlich dargestellt wird und scheinbar nur noch aufgrund von alltäglichen Ritualen Bestand hat. Eingangs wird beschrieben, wie der Filialleiter Willy und seine Ehefrau Maria- Lisa, die ebenfalls im Supermarkt arbeitet, abends gemeinsam vor dem Fernseher sitzen, als Willy seine Frau in einer Talkshow wiederfindet, in der sie ihre wahren Gefühle über ihren Mann offenbart. Er ist wütend und schockiert, nachdem Maria-Lisa der Moderatorin erklärt, dass Willy sie anekle und sie nichts mehr für ihren Willy empfinde. Dennoch wird des Weiteren beschrieben, dass der Filialleiter seine Ehefrau nicht danach fragt, obwohl er die Möglichkeit dazu hat und der Abend mit der gleichen Routine verläuft, wie alle anderen zuvor. Die einzige Sorge, die Willy hat, ist, dass vor seinen Augen sein Supermarkt, aufgrund der öffentlichen Bloßstellung zerstört wird. Trotz dieser katastrophalen Folge kommt es zwischen dem Ehepaar nicht zur Konfrontation. Stattdessen nehmen beide wie gewohnt ihr alltägliches Kamillenfußbad und gucken Seite an Seite fern, ohne ein Wort über das erniedrigende Ereignis zu wechseln. Die Kernaussage des Textes ist...

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vermutlich, dass eine gesunde Ehe nur mit guter Kommunikation existieren kann. Der Er-/Sie- Erzähler, „, (…) er täuschte sich nicht (…)” (Z.4), „ (…) saß sie in einer größeren Runde (...)" (Z.5), stellt die Handlung mit personalem Bezug auf den Filialleiter Willy dar. Dies gibt dem Leser die Möglichkeit ein tieferes Verständnis für seine Empfindungen zu entwickeln und die Situation aus seiner Perspektive beurteilen zu können. Der Erzähler gibt vorrangig das wieder, was er von außen wahrnimmt, wie,,Der Filialleiter hielt immer noch Maria-Lisas Arm." (Z.15) oder „Maria-Lisa reichte ihm das Frotteetuch, aber der Filialleiter stieg noch nicht aus dem Eimer (...)” (Z.33-34). Die Außenperspektive wird jedoch partiell durch die Innenperspektive unterbrochen. Gefühle von Willy, wie,,Ungeheuerlich!" (Z.28) ,,hier fand er, war sie flacher als im Leben" (Z.16) werden vom Erzähler dargelegt. Die Kurzgeschichte besteht überwiegend aus dem Erzählbericht, beinhaltet jedoch auch die direkte- und indirekte Rede, wie ,,Das Wasser wird kalt” (Z.37), oder „Mein Willy ekelt mich an." (Z.18) und,, (...) über den Hass, ehrlich gesagt, sei sie schon hinaus.” (Z.13). Dieser mangelnde, verbale, direkte Austausch deutet auf eine gestörte Kommunikation hin. „Der Filialleiter" ist größtenteils zeitdeckend geschrieben, was es für den Leser einfacher macht dem Text zu folgen, da sich Erzählzeit und erzählte Zeit decken. Zeitdehnung tritt vereinzelt auf, wenn Gedanken von Figuren durch den Erzähler näher beschrieben werden (vgl. Z. 28-32). Die ganze Geschichte spielt sich abends auf der Couch vor dem Fernseher im Wohnzimmer ab, was eine gewisse Vertrautheit mit der Situation beim Leser erschafft. Zusätzlich erzeugen die „rote(n) Plastikeimerchen" (Z.11) mit dem ,,lauwarme(n) Kamillenbad" (Z.11-12) eine gelassene und entspannte Atmosphäre. - Der Titel der Kurzgeschichte bezieht sich einerseits auf den Ehemann, der von Beruf Filialleiter ist (vgl. Z.1) und somit den Mittelpunkt der gesamten Kurzgeschichte darstellt. Damit zeigt der Erzähler, dass es ausschließlich um ihn und seine Auffassung der Situation geht. Andererseits greift der Titel die Sachlichkeit des Textes auf. Der Ehemann durchlebt seinen Alltag, wie in einer Blase, und hat auch nicht vor, dies zu ändern. Außerdem erlebt er einen Augenblick der Ahnungslosigkeit (vgl. Z. 31). Darüber hinaus ist er sich zuerst nicht im Klaren, dass das Dilemma wirklich passiert ist (vgl. Z.21-22). Es scheint ihm surreal, weil er vermutlich ein solches – ehrliches und gleichzeitig angreifendes, negatives - Verhalten von seiner Frau noch nie erlebt hat und nie glaubte, dass dies wirklich ihre Meinung sei. Da die Frau ihre Kritik nicht persönlich übermittelt und die beiden den Vorfall auch nicht thematisieren, ist dies ein weiteres Indiz für eine Kommunikationsstörung. Somit ist das ein allgemeines Anzeichen für eine zwiespältige zwischenmenschliche Beziehung, die vermeintlich durch offene Kommunikation gelöst werden könnte. Die Ehe wirkt somit sehr oberflächlich und nicht aufrichtig. Der Filialleiter verwendet im Text Ellipsen (vgl. Z. 19, 24), diese sollen noch einmal betonen, dass er kaum einen Satz zu Ende bringen kann, da er wegen seiner Fassungslosigkeit kaum Worte fassen kann. Darüber hinaus wird die wörtliche Rede verwendet (vgl. Z. 7), um die Aussagen der Figuren besonders zu unterstreichen und ihnen eine gewisse Persönlichkeit zu geben, was im Kontrast zu der unpersönlichen Beziehung steht. Nachdem der Filialleiter seine Frau in einer Talkshow erblickt, ist er zunächst sehr schockiert, da allgemein bekannt ist, dass in diesen Sendungen das Privatleben der Gesprächspartner "näher beleuchtet" wird. Zudem erzeugt die Hyperbel,, (…), erschrak zu Tode." (Z.4) Spannung für den folgenden Text. Ebenfalls hebt die Übertreibung die Gefühle des Filialleiters besonders hervor. Ergänzend dazu, lässt der Erzähler den Leser sozusagen den Schock und die Gedanken des Filialleiters durch Ausrufe, wie zum Beispiel ,,Und das in Großaufnahme!"(Z.19) mitfühlen. Dass seine Frau ihn nicht über diesen Auftritt informiert hat, ist das schon die zweite Kommunikationsstörung. Normalerweise ist es üblich, dass der Lebenspartner die erste Person ist, die über einen Besuch in einer Talkshow informiert wird. Darüber hinaus verwendet Hürlimann die Metaphern ,,ein totes Paar Füße“ (Z. 35) und ,,lauwarmes Kamillenbad" (Z. 11). In diesem Zusammenhang bilden die Metaphern die Beziehung der Ehepartner ab und geben Spielraum zur Deutung. Somit ist ein ,,lauwarmes Kamillenbad“ (Z. 11) eine Metapher für die Beziehung der beiden. Hierbei wird diese nicht als „heiß“ beschrieben, was viel emotionaler und aufgebrachter wäre, sondern als „lauwarm(…)“ (Z. 11). Mit dieser eher milden und unpersönlichen Beschreibung wirkt ebenfalls die Zweisamkeit der beiden distanziert und trocken. Jene Metapher ist somit Beleg für die leidenschaftslose Ehe. Darüber hinaus ist die Metapher „ein totes Paar Füße“ (Z. 35) als eine „tote“ Ehe zu verstehen. Die Füße stellen hierbei eine Beziehung zum Beruf her und dieser wiederrum zu den Ehepartnern. Infolgedessen sind die „toten Paar Füße“ (Z. 35) als tote, gestörte Ehe definierbar bzw. können sie auch für die Gefühle der Eheleute stehen. Demnach sind diese aufgrund des Berufs der Ehepartner ebenfalls tot. Mit diesem Hintergrund kann man von einer entfremdeten, zerstörten, nicht mehr auf persönlichem Kontakt beruhenden Beziehung sprechen. Mit ,,In der Ecke stand der Gummibaum, an der Wand tickte die Kuckucksuhr."(Z.22-23) wird der Raum beschrieben und hinterlässt so einen eher kleinbürgerlichen, spießigen Eindruck dieser Ebene. Was jedoch auffällt ist, dass in der Beschreibung Maria- Lisa von Willy nur als „die Frau, mit der er verheiratet war” (Z.24) gesehen wird. Dazu kommt noch, dass sie in der Aufzählung der Dinge, die an ihrem Platz waren, mit aufgezählt wird (vgl. Z.22-24). Das lässt darauf schließen, dass Willy seine Frau nicht einmal mehr als seine Partnerin sieht, für welche er Gefühle in irgendeiner Form hegt, sondern nur noch als Einrichtungsgegenstand, der eben einfach da ist und zu dem er gar keine Gefühle mehr hat. Hierbei wird auch die Selbstverständlichkeit, mit der er seine Frau betrachtet klar. Ab ,,Maria-Lisa reichte ihm das Frotteetuch, aber der Filialleiter stieg noch nicht aus dem Eimer." (Z.33-34) verändert sich das Erzählverhalten von einem personalen zu einem neutralen. D.h. beide Personen werden nun neutral betrachtet/dargestellt. Ab dieser Stelle wird beschrieben, wie die Ehepartner einfach mit ihrer gewohnten Routine weitermachen und dieses emotionale Defizit im Raum stehen lassen. Dies sorgt anfangs, etwas für Verwirrung, da man es nicht erwartet. Der Autor stellt die Geschichte auf zwei Ebenen: Es gibt einmal die Fernsehwirklichkeit, was eigentlich die echte Wirklichkeit ist, da dort die Wahrheit offenbart wird (der Hass auf Willy von Maria-Lisa) und die Beziehung des Ehepaars klarstellt und die Wohnzimmerrealität in der kaum kommuniziert wird und in der die Routine herrscht. In der Wohnzimmerrealität erfährt man nichts direkt über das Paar, da es keine wirkliche Kommunikation gibt, diese Ebene stellt die Hülle ihrer Beziehung da. Trotzdem dominiert die Wohnzimmerrealität mit ihrer Routine und ihrem Alltag, in Form von ihrem täglichen Kamillenbad (vgl. Z. 23) und dem Fernsehen, und steht im Vordergrund. Ebenfalls wird dadurch, dass das Paar nicht kommuniziert, der Kontrast der zwei Wirklichkeiten verstärkt. Durch Maria-Lisas Offenbarung des Hasses auf Willy (vgl. Z. 17-18), wird die Distanz zwischen den zwei Eheleuten und das emotionale Defizit von Willy verdeutlicht. Willy erlebt hingegen ein persönliches Gespräch zwischen ihm und seiner Partnerin mit Hilfe von einem seiner gewöhnlichen Unterhaltungsmedien. Dies betont den Kontrast, dass ein so emotionales und persönliches Gespräch eher beiläufig, unangekündigt und kühl abgetan wird. Da seine Frau sich im Klaren darüber ist, dass ihr Mann sein tagtägliches Ritual vollzieht, offenbart sie ihm ihre Meinung zu ihrer problematischen Beziehung. Dafür benutzt sie ein öffentliches Medium, die Talkshow, weil sie so für mehr Aufmerksamkeit sorgen und sich gleichzeitig indirekt an ihren Mann wenden kann und gleichzeitig einen möglichen Konflikt vermeiden. Hierbei wurde der Fernseher als Kommunikationsmittel verwendet, etwas, was als Trennwand und zugleich als Vermittler zwischen Mann und Frau fungiert. Somit kann ganz klar nicht von einer offenen Kommunikation gesprochen werden. Es wird die Bedeutung der Wohnzimmerrealität verdeutlicht, dass es keine Kommunikation gibt, sondern nur Distanz, Routine, und Alltag. Zudem ist der Mann, wegen seines Berufes als Supermarktleiter darauf angewiesen, ein Fußbad zu nehmen (vgl. Z.10-12). Da er dieses Ritual tagtäglich vollzieht (vgl. Z.10), kann man auch davon ausgehen, dass er nicht die Absicht hat dieses Ritual aufzugeben. Daraus lässt sich ableiten, dass er sich die Show ansehen muss, da er sonst seine Gewohnheit ablegen müsste. Man kann sagen, dass er in leeren Ritualen erstarrt. Zusätzlich sind nicht nur die Beziehung zwischen dem Ehepaar emotionslos, sondern auch die einzelnen Persönlichkeiten der Figuren. Somit scheinen sie leere Hüllen zu sein, welche kaum Gefühle zulassen und in ihrer Alltäglichkeit versinken, ohne jegliche Änderungen zuzulassen, weder in ihren Ritualen noch in ihrer Beziehung. Willys Meinung nach ist die Aussicht auf ein erfolgreiches Supermarktunternehmen aufgrund der Erniedrigung nicht mehr gegeben. Di bezeugt, dass der Filialleiter sich alleinig für sein Business interessiert, nicht aber um die scheinbar zerstörte und gestörte Beziehung der beiden. Denn die Aussage der Frau, dass sie ihn nicht wirklich liebe, würde zunächst zum Erstaunen und Hinterfragen der Beziehung des Mannes und dann zu einer Auseinandersetzung mit der Problematik führen. Beides kommt aber so nicht zustande. Die Bloßstellung wird folglich nicht ausdiskutiert, was erneut darauf hindeutet, dass eine Kommunikationsstörung vorliegt. Ebenso lässt sich die Symmetrie der Beziehung aus verschiedenen Perspektiven betrachten. 1. Aus der Sicht der sozialen Schicht ist er Filialleiter und sie wahrscheinlich nur Angestellte (vgl. Z.17). Denn er wird als Filialeiter benannt und sie die gesamte Kurzgeschichte nur als seine Ehefrau oder als Maria-Lisa (Z.5-6). Also wären die beiden asymmetrisch zueinander gestellt. 2. Aus der Sicht des Privatlebens und des Haushaltes, gibt sie ihm die Anweisungen (vgl. Z.37) und auch hier würde eine asymmetrische Beziehung in Frage kommen, jedoch umgekehrt. Doch alles in einem betrachtet und ausschlaggebend ist, dass sie beide unfähig sind miteinander zu kommunizieren, was bedeutet, dass es auf eine komplementäre Beziehung hinausläuft und damit eindeutig gestört ist. Thomas Hürlimann ist ein Schweizer Schriftsteller und wurde am 21.12.1950 in Zug geboren. In Zürich studiert er an der Universität und wechselte im Jahr 1974 an die FU Berlin. Er ist Autor zahlreicher Texte, Theaterstück und Komödien. Für seine Leistungen im Bereich der Literatur erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. "Der Filialleiter" aus dem Jahr 1994 zählt zur Epoche der Gegenwartsliteratur. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich die Kurzgeschichte „Der Filialleiter“ von Thomas Hürlimann die Kommunikationsprobleme und -störung eines Ehepaares verdeutlicht, was sich daran äußert, dass es nicht zu einer Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau kommt, obwohl diese ihn öffentlich bloßgestellt hat. Hierbei verwendet der Autor Hürlimann Ellipsen und parataktische Sätze, um die Fassungslosigkeit des Mannes zu betonen und zwei Metaphern, um die tote Ehe akzentuiert zu illustrieren. Die Kurzgeschichte stellt somit eine gestörte zwischenmenschliche Beziehung nahestehender Menschen dar, wobei die vermeintlich problematische Lage durch bloßes offenes kommunizieren gelöst werden könnte. Dies entspricht ebenfalls der Kritik sowie Hauptaussage und Message der Kurzgeschichte ,,Der Filialleiter", womit sich meine Deutungshypothse bestätigt. Ich finde diese Kurzgeschichte sehr interessant und den Kontrast der zwei Ebenen sowie die Distanzierung des Ehepaars gut dargestellt. Allgemein denke ich, dass dieses Thema noch sehr aktuell und relevant ist, da es heute auch heute noch Eheprobleme gibt, die durch gestörte Kommunikation hervorgerufen werden.

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Die Kurzgeschichte ,,Der Filialleiter" wurde von Thomas Hürlimann
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Die Kurzgeschichte besteht überwiegend aus dem Erzählbericht, beinhaltet jedoch auch die direkte- und indirekte Rede, wie ,,Das Wasser wird kalt” (Z.37), oder „Mein Willy ekelt mich an." (Z.18) und,, (...) über den Hass, ehrlich gesagt, sei sie schon hinaus.” (Z.13). Dieser mangelnde, verbale, direkte Austausch deutet auf eine gestörte Kommunikation hin. „Der Filialleiter" ist größtenteils zeitdeckend geschrieben, was es für den Leser einfacher macht dem Text zu folgen, da sich Erzählzeit und erzählte Zeit decken. Zeitdehnung tritt vereinzelt auf, wenn Gedanken von Figuren durch den Erzähler näher beschrieben werden (vgl. Z. 28-32). Die ganze Geschichte spielt sich abends auf der Couch vor dem Fernseher im Wohnzimmer ab, was eine gewisse Vertrautheit mit der Situation beim Leser erschafft. Zusätzlich erzeugen die „rote(n) Plastikeimerchen" (Z.11) mit dem ,,lauwarme(n) Kamillenbad" (Z.11-12) eine gelassene und entspannte Atmosphäre. - Der Titel der Kurzgeschichte bezieht sich einerseits auf den Ehemann, der von Beruf Filialleiter ist (vgl. Z.1) und somit den Mittelpunkt der gesamten Kurzgeschichte darstellt. Damit zeigt der Erzähler, dass es ausschließlich um ihn und seine Auffassung der Situation geht. Andererseits greift der Titel die Sachlichkeit des Textes auf. Der Ehemann durchlebt seinen Alltag, wie in einer Blase, und hat auch nicht vor, dies zu ändern. Außerdem erlebt er einen Augenblick der Ahnungslosigkeit (vgl. Z. 31). Darüber hinaus ist er sich zuerst nicht im Klaren, dass das Dilemma wirklich passiert ist (vgl. Z.21-22). Es scheint ihm surreal, weil er vermutlich ein solches – ehrliches und gleichzeitig angreifendes, negatives - Verhalten von seiner Frau noch nie erlebt hat und nie glaubte, dass dies wirklich ihre Meinung sei. Da die Frau ihre Kritik nicht persönlich übermittelt und die beiden den Vorfall auch nicht thematisieren, ist dies ein weiteres Indiz für eine Kommunikationsstörung. Somit ist das ein allgemeines Anzeichen für eine zwiespältige zwischenmenschliche Beziehung, die vermeintlich durch offene Kommunikation gelöst werden könnte. Die Ehe wirkt somit sehr oberflächlich und nicht aufrichtig. Der Filialleiter verwendet im Text Ellipsen (vgl. Z. 19, 24), diese sollen noch einmal betonen, dass er kaum einen Satz zu Ende bringen kann, da er wegen seiner Fassungslosigkeit kaum Worte fassen kann. Darüber hinaus wird die wörtliche Rede verwendet (vgl. Z. 7), um die Aussagen der Figuren besonders zu unterstreichen und ihnen eine gewisse Persönlichkeit zu geben, was im Kontrast zu der unpersönlichen Beziehung steht. 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In diesem Zusammenhang bilden die Metaphern die Beziehung der Ehepartner ab und geben Spielraum zur Deutung. Somit ist ein ,,lauwarmes Kamillenbad“ (Z. 11) eine Metapher für die Beziehung der beiden. Hierbei wird diese nicht als „heiß“ beschrieben, was viel emotionaler und aufgebrachter wäre, sondern als „lauwarm(…)“ (Z. 11). Mit dieser eher milden und unpersönlichen Beschreibung wirkt ebenfalls die Zweisamkeit der beiden distanziert und trocken. Jene Metapher ist somit Beleg für die leidenschaftslose Ehe. Darüber hinaus ist die Metapher „ein totes Paar Füße“ (Z. 35) als eine „tote“ Ehe zu verstehen. Die Füße stellen hierbei eine Beziehung zum Beruf her und dieser wiederrum zu den Ehepartnern. Infolgedessen sind die „toten Paar Füße“ (Z. 35) als tote, gestörte Ehe definierbar bzw. können sie auch für die Gefühle der Eheleute stehen. Demnach sind diese aufgrund des Berufs der Ehepartner ebenfalls tot. Mit diesem Hintergrund kann man von einer entfremdeten, zerstörten, nicht mehr auf persönlichem Kontakt beruhenden Beziehung sprechen. Mit ,,In der Ecke stand der Gummibaum, an der Wand tickte die Kuckucksuhr."(Z.22-23) wird der Raum beschrieben und hinterlässt so einen eher kleinbürgerlichen, spießigen Eindruck dieser Ebene. Was jedoch auffällt ist, dass in der Beschreibung Maria- Lisa von Willy nur als „die Frau, mit der er verheiratet war” (Z.24) gesehen wird. Dazu kommt noch, dass sie in der Aufzählung der Dinge, die an ihrem Platz waren, mit aufgezählt wird (vgl. Z.22-24). Das lässt darauf schließen, dass Willy seine Frau nicht einmal mehr als seine Partnerin sieht, für welche er Gefühle in irgendeiner Form hegt, sondern nur noch als Einrichtungsgegenstand, der eben einfach da ist und zu dem er gar keine Gefühle mehr hat. Hierbei wird auch die Selbstverständlichkeit, mit der er seine Frau betrachtet klar. 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Trotzdem dominiert die Wohnzimmerrealität mit ihrer Routine und ihrem Alltag, in Form von ihrem täglichen Kamillenbad (vgl. Z. 23) und dem Fernsehen, und steht im Vordergrund. Ebenfalls wird dadurch, dass das Paar nicht kommuniziert, der Kontrast der zwei Wirklichkeiten verstärkt. Durch Maria-Lisas Offenbarung des Hasses auf Willy (vgl. Z. 17-18), wird die Distanz zwischen den zwei Eheleuten und das emotionale Defizit von Willy verdeutlicht. Willy erlebt hingegen ein persönliches Gespräch zwischen ihm und seiner Partnerin mit Hilfe von einem seiner gewöhnlichen Unterhaltungsmedien. Dies betont den Kontrast, dass ein so emotionales und persönliches Gespräch eher beiläufig, unangekündigt und kühl abgetan wird. Da seine Frau sich im Klaren darüber ist, dass ihr Mann sein tagtägliches Ritual vollzieht, offenbart sie ihm ihre Meinung zu ihrer problematischen Beziehung. Dafür benutzt sie ein öffentliches Medium, die Talkshow, weil sie so für mehr Aufmerksamkeit sorgen und sich gleichzeitig indirekt an ihren Mann wenden kann und gleichzeitig einen möglichen Konflikt vermeiden. Hierbei wurde der Fernseher als Kommunikationsmittel verwendet, etwas, was als Trennwand und zugleich als Vermittler zwischen Mann und Frau fungiert. Somit kann ganz klar nicht von einer offenen Kommunikation gesprochen werden. Es wird die Bedeutung der Wohnzimmerrealität verdeutlicht, dass es keine Kommunikation gibt, sondern nur Distanz, Routine, und Alltag. Zudem ist der Mann, wegen seines Berufes als Supermarktleiter darauf angewiesen, ein Fußbad zu nehmen (vgl. Z.10-12). Da er dieses Ritual tagtäglich vollzieht (vgl. Z.10), kann man auch davon ausgehen, dass er nicht die Absicht hat dieses Ritual aufzugeben. Daraus lässt sich ableiten, dass er sich die Show ansehen muss, da er sonst seine Gewohnheit ablegen müsste. Man kann sagen, dass er in leeren Ritualen erstarrt. Zusätzlich sind nicht nur die Beziehung zwischen dem Ehepaar emotionslos, sondern auch die einzelnen Persönlichkeiten der Figuren. Somit scheinen sie leere Hüllen zu sein, welche kaum Gefühle zulassen und in ihrer Alltäglichkeit versinken, ohne jegliche Änderungen zuzulassen, weder in ihren Ritualen noch in ihrer Beziehung. Willys Meinung nach ist die Aussicht auf ein erfolgreiches Supermarktunternehmen aufgrund der Erniedrigung nicht mehr gegeben. Di bezeugt, dass der Filialleiter sich alleinig für sein Business interessiert, nicht aber um die scheinbar zerstörte und gestörte Beziehung der beiden. Denn die Aussage der Frau, dass sie ihn nicht wirklich liebe, würde zunächst zum Erstaunen und Hinterfragen der Beziehung des Mannes und dann zu einer Auseinandersetzung mit der Problematik führen. Beides kommt aber so nicht zustande. Die Bloßstellung wird folglich nicht ausdiskutiert, was erneut darauf hindeutet, dass eine Kommunikationsstörung vorliegt. Ebenso lässt sich die Symmetrie der Beziehung aus verschiedenen Perspektiven betrachten. 1. Aus der Sicht der sozialen Schicht ist er Filialleiter und sie wahrscheinlich nur Angestellte (vgl. Z.17). Denn er wird als Filialeiter benannt und sie die gesamte Kurzgeschichte nur als seine Ehefrau oder als Maria-Lisa (Z.5-6). Also wären die beiden asymmetrisch zueinander gestellt. 2. Aus der Sicht des Privatlebens und des Haushaltes, gibt sie ihm die Anweisungen (vgl. Z.37) und auch hier würde eine asymmetrische Beziehung in Frage kommen, jedoch umgekehrt. Doch alles in einem betrachtet und ausschlaggebend ist, dass sie beide unfähig sind miteinander zu kommunizieren, was bedeutet, dass es auf eine komplementäre Beziehung hinausläuft und damit eindeutig gestört ist. Thomas Hürlimann ist ein Schweizer Schriftsteller und wurde am 21.12.1950 in Zug geboren. In Zürich studiert er an der Universität und wechselte im Jahr 1974 an die FU Berlin. Er ist Autor zahlreicher Texte, Theaterstück und Komödien. Für seine Leistungen im Bereich der Literatur erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. "Der Filialleiter" aus dem Jahr 1994 zählt zur Epoche der Gegenwartsliteratur. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich die Kurzgeschichte „Der Filialleiter“ von Thomas Hürlimann die Kommunikationsprobleme und -störung eines Ehepaares verdeutlicht, was sich daran äußert, dass es nicht zu einer Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau kommt, obwohl diese ihn öffentlich bloßgestellt hat. Hierbei verwendet der Autor Hürlimann Ellipsen und parataktische Sätze, um die Fassungslosigkeit des Mannes zu betonen und zwei Metaphern, um die tote Ehe akzentuiert zu illustrieren. Die Kurzgeschichte stellt somit eine gestörte zwischenmenschliche Beziehung nahestehender Menschen dar, wobei die vermeintlich problematische Lage durch bloßes offenes kommunizieren gelöst werden könnte. Dies entspricht ebenfalls der Kritik sowie Hauptaussage und Message der Kurzgeschichte ,,Der Filialleiter", womit sich meine Deutungshypothse bestätigt. Ich finde diese Kurzgeschichte sehr interessant und den Kontrast der zwei Ebenen sowie die Distanzierung des Ehepaars gut dargestellt. Allgemein denke ich, dass dieses Thema noch sehr aktuell und relevant ist, da es heute auch heute noch Eheprobleme gibt, die durch gestörte Kommunikation hervorgerufen werden.