Formen der Gerechtigkeit nach Aristoteles und Rawls
Aristoteles unterschied zwischen zwei Hauptformen der Gerechtigkeit. Die kommutative Gerechtigkeit zielt auf den Ausgleich rechtswidriger Vorteile und folgt dem Restitutionsprinzip. Sie strebt nach arithmetischer Proportionalität und ist vor allem im Zivil- und Strafrecht verankert.
Die distributive Gerechtigkeit hingegen beschäftigt sich mit der Frage, wie der Staat Rechte und Pflichten an seine Bürger verteilt. Sie folgt einer geometrischen Proportionalität und berücksichtigt Kriterien wie Leistung und Bedürftigkeit.
John Rawls entwickelte mit seiner Theorie "Gerechtigkeit als Fairness" einen modernen Ansatz. Er geht von einem Menschenbild freier, gleichberechtigter und rational handelnder Bürger aus. Die Grundstruktur einer gerechten Gesellschaft basiert nach Rawls auf fairen Vereinbarungen zwischen gleichberechtigten Personen.
💡 Der Urzustand und der Schleier des Nichtwissens sind zentrale Konzepte bei Rawls. Im imaginären Urzustand treffen Menschen Entscheidungen über Gerechtigkeit, ohne ihre eigene Position in der Gesellschaft zu kennen – sie befinden sich hinter einem "Schleier des Nichtwissens".
Rawls' Theorie berücksichtigt den vernünftigen Pluralismus – die Tatsache, dass Bürger verschiedene moralische und religiöse Überzeugungen haben, aber trotzdem einen übergreifenden Konsens für die gesellschaftliche Zusammenarbeit finden können.


































