Karl Barths Wirken gegen den Nationalsozialismus
Karl Barth erkannte früh die Gefahr des aufkommenden Nationalsozialismus und trat deshalb 1931 der SPD bei. Im Jahr 1932 begann er mit der Arbeit an seinem Hauptwerk, der "Kirchlichen Dogmatik". Damit wollte er die Entwicklung der christlichen Theologie, die seiner Meinung nach seit langem eine Fehlentwicklung durchmachte, korrigieren und verhindern, dass der Nationalsozialismus die Kirche vereinnahmt.
Highlight: Barths "Karl Barth Wort Gottes-Theologie" betonte die zentrale Bedeutung des Wortes Gottes gegenüber staatlichen Ideologien.
Am 1. Juli 1933 verfasste Barth die einflussreiche Schrift "Theologische Existenz Heute". Darin kritisierte er scharf die "Deutschen Christen", eine nationalsozialistische Strömung innerhalb der evangelischen Kirche. Diese Schrift markierte den Beginn der kirchlichen Oppositionsbewegung gegen den Nationalsozialismus und führte zu einer Rückbesinnung auf die Bibel unter vielen protestantischen Pfarrern.
Die Hauptaussagen von Barths Schrift waren:
- Jeder darf Teil der deutschen evangelischen Kirche sein, unabhängig von Rasse und Herkunft - eine klare Ablehnung des Arierparagraphen.
- Die Kirche dient dem Wort Gottes und nicht dem Staat.
- Die evangelische Kirche verkündet das Wort Gottes auf der ganzen Welt, die äußere Mission ist also ein wichtiger Bestandteil.
- Die Kirche hat die alleinige Aufgabe, das Wort Gottes ohne staatlichen Einfluss zu verkünden.
Example: Die weite Verbreitung von Barths Schrift - bis 1934 waren über 37.000 Exemplare im Umlauf - zeigt ihren großen Einfluss auf den kirchlichen Widerstand.
1934 wurde auf der ersten Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet, die weitgehend von Karl Barth verfasst wurde. Sie wurde zum Fundament der Bekennenden Kirche und verurteilte den Einfluss der Nazi-Ideologie auf den christlichen Glauben.
Vocabulary: Die Bekennende Kirche war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus.
Barths radikale Kritik an der nationalsozialistischen Kirchenpolitik und am deutschen Staat unter Hitler ging vielen in der Bekennenden Kirche bald zu weit. Er widersetzte sich mehrmals, seine Vorlesungen in Bonn mit dem Hitlergruß zu beginnen, und wollte den Beamteneid auf Hitler nur mit dem Zusatz "Soweit ich es als evangelischer Christ verantworten kann" schwören. Daraufhin wurde er suspendiert und als in Deutschland "unerwünschte Person" erklärt.
Quote: Barths Weigerung, den bedingungslosen Eid auf Hitler zu leisten, zeigt seine Überzeugung: "Karl Barth Jesus" und nicht Hitler sei die höchste Autorität für Christen.
1935 verließ Barth Deutschland und wurde Professor in Basel. In der Schweiz meldete er sich sogar für den bewaffneten Militärdienst im Falle einer deutschen Invasion an. 1938 wurde die weitere Veröffentlichung seiner Schriften im Deutschen Reich verboten. In den folgenden Jahren rief Barth christliche Kollegen in verschiedenen Ländern zum bewaffneten Widerstand gegen die NS-Aggression auf.




