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Außenpolitik von Bismarck zu Wilhelm II.

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 Europäisches Mächtesystem
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg war DE ab 1871
statt einem politisch schwachen Bund jetzt ein
mächtiges Kais

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Deutsches Reich im 19. Jahrhundert, Bismarcks Bündnissysteme (Zweibund, Dreikaiserabkommen, Rückversicherungsvertrag), Berliner Kongress 1878, Imperialismus, Wilhelm II., Entente cordiale, Marokko-Krisen

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Europäisches Mächtesystem Nach dem Deutsch-Französischen Krieg war DE ab 1871 statt einem politisch schwachen Bund jetzt ein mächtiges Kaiserreich. Mitten in Europa entstand also eine neue Großmacht, die Österreich-Ungarn und Frankreich nach Bevölkerungszahl, Wirtschaftskraft und militärischer Stärke überlegen war. Andere Großmächte befürchteten deshalb eine weitere Expansions- und Hegemonialpolitik des Deutschen Reiches, die das Gleichgewicht in Europa erschüttern würde. Bismarck überzeugte die anderen Nationen, dass Deutschland keine Vormachtstellung in Europa anstrebte, indem er wechselnde Bündnisse mit verschiedenen Nationen einging Außenpolitik von Bismarck zu Wilhelm N. Russland blieb eine gefürchtete Landmacht, auch wenn Absichten, von der Schwäche des Osmanischen Reiches zu profitieren und seinen Machtbereich auszudehnen im Krim-Krieg einen Rückschlag erhalten hatten. Krim Krieg 1853-1856 Russland griff 1854 das Osmanische Reich an. Ziel war, den Zugang zum Schwarzen Meer durch die Meerengen Bosporus und Dardanellen zu kontrollieren. Großbritannien, Frankreich und Italien griffen auf der Seite der Türkei ein. Der Druck Österreich-Ungarns auf Russland führte zu einer Entfremdung der beiden Kaisermächte. Ausgangslage Russland konkurrierte mit Österreich-Ungarn um wachsenden Einfluss aufm Balkan - Großbritannien war wegen seiner Flottenhegemonie unabhängig von Veränderungen auf dem Kontinent weiterhin führende Weltmacht, genoss überall in der Welt volle Handlungsfreiheit und wollte diesen Zustand der "splendid isolation" nicht durch eine vertragliche Bindung aufgeben Das Gleichgewicht der Mächte auf dem Kontinent sowie die Durchsetzung des Freihandels waren Leitlinien britischer Außenpolitik - - Mit Russland bestanden vor allem 2 Konfliktpunkte: 1. GB beharrte darauf, dass die Meerengen zum Schwarzen Meer für Kriegsschiffe...

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gesperrt blieben. 2. GB sah seine Kronkolonie Indien durch russische Expansion in Asien gefährdet Frankreich fühlte sich durch die Annexion Elsass- Lothringens gedemütigt. Nach der Niederlage gegen die deutschen Staaten und der Zahlung der Reparationen in Höhe von 5 Milliarden Goldfrancs erholte sich Frankreich rasch und blieb ein starker Gegner, der auch Revanche aus war. Der Wettlauf zwischen Frankreich und Großbritannien um den Erwerb von Kolonien in Afrika führte beinahe zum Krieg - Die außenpolitische Konzeption Bismarcks Krieg-in-Sicht-Krise 1875: Eine diplomatische Krise im Anschluss an den Deutsch-Französischen Krieg 1871. Frankreich erstarkte militärisch wieder und Bismarck befürchtete einen Revanchekrieg. In einem Artikel unter dem Titel "Ist Krieg in Sicht?" wurde Frankreich für den Fall der weiteren Aufrüstung mit Krieg gedroht. Nach der Krieg-in-Sicht-Krise 1875 war Bismarck bewusst, dass eine Kriegsdrohung gegen Frankreich andere Großmächte auf den Plan rufen würde und er erkannte, wie er politisch vorgehen musste: Deutschland als saturiert darstellen und Frankreich mit allen Mitteln der Diplomatie isoliert halten. Bismarcks Politik 1. Er verzichtete auf alle Expansionsbestrebungen, durch die sich andere Großmächte gefährdet fühlen könnten. 2. Er erklärte das Reich für "saturiert", d.h. das Deutsche Reich stellt nach 1871 keine weiteren. Gebietsansprüche mehr und wies nationalistische Forderungen nach Gebietsgewinnen stets entschieden zurück. 3. In der Bewahrung des Status quo und der Erhaltung des Friedens in Mitteleuropa sah er die deutschen Interessen am besten gesichert. 4. Aus Gegensätzen zwischen anderen Großmächten versuchte Bismarck stets Nutzen zu ziehen, indem er diese Staaten für gute Beziehungen zu DE gewinnen wollte Bündnissysteme Um das Deutsche Reich abzusichern, schloss Bismarck Bündnisse mit Russland, Österreich-Ungarn und Italien. Ziel Frankreich isolieren und angesichts der europäischen Mittellage des Deutschen Reiches vor allem eine Koalition Frankreichs mit anderen Mächten (v. a. Russland) zu verhindern, sowie allgemein Kriegsvermeidung. Dreikaiserabkommen Das erste Bündnis des Systems war das 1873 geschlossene Dreikaiserabkommen zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland, um die Beziehungen zu den beiden Ländern zu festigen. Außerdem erreichte Bismarck eine Annäherung zwischen Österreich und Russland, die in Streit über die Vorherrschaft auf dem Balkan standen. Dabei wurden die gemeinsamen Interessen der 3 konservativen Monarchien gegenüber republikanischen und sozialistisch- revolutionären Kräften betont. Balkankrise Ursache Berliner Kongress; Die Balkankrise (Streitigkeiten zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf dem Balkan). Auf dem Balkan gab es zu dieser Zeit Unabhängigkeitsbestrebungen von mehreren Völkern gegen die Vorherrschaft des Osmanischen Reiches. Russland unterstützte die Freiheitsbewegung und zielte außenpolitisch darauf, freien Zugang zum Mittelmeer über den Bosporus zu erlangen. Nachdem der bulgarische Aprilaufstand 1876 vom osmanischen Militär blutig niedergeschlagen wurde, schaltete sich Russland als Schutzmacht der orthodoxen Christen ein. In einem Krieg gegen das Osmanische Reich siegte Russland und der Frieden von San Stefano 1878 wurde geschlossen. Russland dehnte seine Herrschaft auf der Balkanhalbinsel aus und verschaffte sich Zugang zum strategisch wichtigen Mittelmeer. Die Völker Serbien, Montenegro, Rumänien und Großbulgarien erhielten ihre Unabhängigkeit. Dadurch entstand ein Konflikt zwischen Russland, Großbritannien und Österreich-Ungarn. Um einen drohenden Krieg zu verhindern, sollte auf dem Berliner Kongress 1878 ein Interessensausgleich stattfinden. Berliner Kongress 1878 Eine europäische Versammlung, die die Streitigkeiten der Balkankrise beilegen sollte. Vertreter des Deutschen Reiches, Österreichs, Russlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Osmanischen Reiches kamen in Berlin zusammen. Auf ihm wurde eine neue Ordnung in Südosteuropa festgelegt. Dadurch wurde ein Friedensvertrag zwischen Russland und dem Osmanischen Reich außer Kraft gesetzt, der einen größeren Einfluss des Zarenreiches bedeutet hätte. Da die russischen Interessen im Vergleich zu Österreich weniger berücksichtigt wurden, empfand Russland den Kongress als diplomatische Niederlage. Bismarck konnte hier als "ehrlicher Makler" also diplomatischer Vermittler auftreten, da das Deutsche Reich kein direktes Interesse am Balkan hatte. Beschluss Bismarck gelang es den Konflikt zwischen GB und Österreich auf der einen und Russland auf der anderen Seite beilegen und einen europäischen Krieg zu verhindern. Probleme Russland hatte sich wegen seiner neutralen Haltung in den Kriegen von 1866 und 1870 eine deutliche Unterstützung von deutscher Seite erhofft. Nachdem der Frieden von San Stefano fast vollständig rückgängig gemacht wurde, fühlte sich Russland verraten 1. Bulgarien, von Russland geschaffen als unabhängiger Staat, verlor 3 5 des vorgesehenen Gebietes, den Zugang zum Mittelmeer und sollte unter osmanischer Kontrolle stehen. 2. Russland musste einige bereits eroberte Gebiete abtreten, während Österreich-Ungarn seine Position auf Kosten des Osmanischen Reiches stärken konnte und das Recht auf Besetzung Bosnien- Herzegowinas erhielt. Zusätzlich belasteten innenpolitische Entscheidungen des Deutschen Reiches das Verhältnis zu Russland. Die neue Schutzzollpolitik durch die konservative Wende 1879 führte zu einer Absatzkrise der exportorientierten russischen Landwirtschaft. Weitreichende folgen Die deutsch-russischen Beziehungen verschlechterten sich immer weiter. Das Dreikaiserabkommen wurde aufgekündigt. Der Rückversicherungsvertrag wurde geschlossen. Aber später wurde Russland Mitglied des Tripleentente, der im Ersten Weltkrieg gegen das Deutsche Reich kämpfte. Zweibund Die Stimmung zwischen Russland und dem Deutschen Reich war nach dem Berliner Vertrag schlecht. Aus Angst vor einer russisch-französischen Annäherung veranlasste Bismarck 1879 den Abschluss eines Zweibundes zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich. Eine Entscheidung zugunsten einer Seite, die er bisher bewusst vermieden hatte. Die beiden Länder verpflichtete sich zu gegenseitiger Hilfe bei einem russischen Angriff. Beim Angriff einer anderen Macht - etwa Frankreichs auf Deutschland sollte wohlwollende Neutralität gewahrt werden. Der Zweibund mit Österreich-Ungarn wurde 1882/83 durch den Dreibundvertrag mit Italien sowie einen Defensivvertrag mit Rumänien ergänzt. Bismarck betrachtete das Bündnis mit Osterreich-Ungarn nur als äußerste Rückzugslinie. Das Gegenüberstehen eines deutsch- österreichischen und eines russisch-französischen Blocks auf dem Kontinent konnte nicht Ziel seiner Außenpolitik sein. Mittelmeerenteente Das Dreikaiserabkommen konnte aufgrund der Gegensätze zwischen Österreich-Ungarn und Russland nicht mehr aufrechterhalten werden. Hauptsächliches Ziel Bismarcks war es nun, eine Annäherung zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland durch ein Bündnissystem zu verhindern. Die Beziehungen zu Großbritannien konnte er durch den Abschluss der sogenannten Mittelmeerentente 1887 intensivieren. Das Deutsche Reich unterstützte diesen Geheimvertrag, durch den sich Großbritannien, Österreich-Ungarn und Italien verpflichteten, den Status quo im Mittelmeerraum aufrechtzuerhalten und ein unabhängigen Osmanischen Reiches zu erhalten und sich gegen die russische Expansion auf dem Balkan und an den Meerengen zu verbünden. Ein Bündnis mit Großbritannien scheiterte unter anderem am Protektionismus des Deutschen Reiches und an der deutschen Kolonialpolitik Rückversicherungsvertrag Russland war somit von den anderen Großmächten isoliert und 1887 gelang Bismarck der Abschluss eines geheimen Neutralitätsabkommens (Rückversicherungsvertrag mit Russland), trotz des angespannten Verhältnisses. Nach neuerlichen Spannungen auf dem Balkan wollte Bismarck, Russland die Angst vor einem deutsch-österreichischen Angriff nehmen und gleichzeitig, die von der russischen Presse geforderte Annäherung Russlands an Frankreich verhindern, und damit einen Zweifrontenkrieg. Rückversicherungsvertrag: Das Deutsche Reich und Russland verpflichteten sich 1887 zu Neutralität. Diese sollte bei einem russischen Angriff auf Österreich-Ungarn oder einem deutschen auf Frankreich nicht gelten. Es gab außerdem ein geheimes Zusatzabkommen, welches die Interessen Russlands auf dem Balkan und der Meerenge der Dardanellen berücksichtigt Ihrem Geist nach standen Zweibund und Rückversicherungsvertrag in einem gewissen Spannungsverhältnis. Bismarck ermutigte Russland zu einer Politik, den Status quo im Südosten Europas zu verändern. Österreich-Ungarn dagegen wollte keine Veränderung, um die slawischen Völker in seinem Staatsverband zu halten. Doch die im November 1887 getroffene Entscheidung, Russland nicht mehr dringend benötigte Kredite von deutschen Banken gewähren zu lassen "Lombardverbot", bereitete die spätere Annäherung zwischen Russland und Frankreich mit vor, da Frankreich die benötigten Anleihen anbot. Imperialismus - 1880 bis 1914 "klassisches Zeitalter des Imperialismus" - Rivalitäten zwischen den Ländern trugen zu Spannungen und zum Rüstungswettlauf bei. Nicht nur Kaufleute, Forscher, Politiker und Militärs traten für die Expansionspolitik ihrer Länder und den Erwerb von Kolonien, Stützpunkten und Einflusssphären ein. Kennzeichnend war auch die Zustimmung breiter Bevölkerungsschichten. Die Motive dafür waren vielfältig ökonomische Argumente ● Die imperialistischen Staaten nutzten ihre wirtschaftlich- technologischen Möglichkeiten, um ihren Herrschaftsbereich auszudehnen. Die Kolonien sollten nicht industrialisiert werden, sondern nur als Absatzmärkte, Rohstoffquellen und als Siedlungsraum für die rasch wachsende Bevölkerung Europas dienen. ● In einigen Staaten konnte die Aussicht auf stetiges Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Krisenzeiten die unzufriedenen Massen der Arbeiterschaft beruhigen Sozialimperialismus. ● Sozialdarwinismus Sozialdarwinismus übertrug die Evolutionstheorie über die "Entstehung der Arten" des englischen Naturforschers Charles Darwin in stark vereinfachter und damit verfälschter Weise auf Imenschliche Gesellschaften. Im "Kampf ums Dasein" könnten sich demnach nur die weiterentwickelten und daher überlegenen Völker und Staaten durchsetzen Die ideologischen Motive wie Sozialdarwinismus, rassistische Überlegenheitsgefühle der Weißen und kultur missionarischer Eifer ließen für die Achtung und Wahrung der einheimischen Kulturen wenig Raum. Diese sollten die christliche Religion und die angeblich überlegene Zivilisation annehmen. In den Kolonien wurde die einheimische Bevölkerung mehr oder weniger rücksichtslos den Interessen der Kolonialherren unterworfen. Sie musste meist gegen sehr geringen Lohn auf Plantagen oder in Bergwerken arbeiten, wurde enteignet oder zur Zwangsarbeit herangezogen. Die Zusammenarbeit mit einheimischen Völkern und Herrschern wurde vor allem dann gesucht, wenn sie für die Nutzung des Landes gebraucht wurden. Deutschlands Einstieg in die Wellpolitik Im Deutschen Reich bekam man Angst bei der Aufteilung der Erde leer auszugehen. Seit den 1870er-Jahren gab es auch im Deutschen Reich eine verstärkte Diskussion um die Notwendigkeit einer Kolonialpolitik. Viele kleinerer und größerer Kolonialvereine sowie mächtige Interessenverbände propagierten den kolonialen Gedanken im ganzen Land und übten so Druck auf die Regierung aus, um die territoriale Expansion voranzutreiben. Gegner der Kolonialpolitik Gegner der Kolonialpolitik waren vor allem die Sozialdemokraten, die mit staatlichen Geldern geförderte Unternehmungen ablehnten, die das System des "ausbeuterischen Kapitalismus" in wirtschaftlich unterlegene Länder exportierten und die Kolonialvölker unterdrückten. Außerdem erkannten sie, dass eine offensive Außenpolitik zum Krieg führen könnte. Auch Reichskanzler Otto von Bismarck hatte es lange abgelehnt, Kolonien zu erwerben. Gründe waren, dass die Verwaltung von Kolonien hohe Kosten verursachte und er mögliche Konflikte mit den anderen Mächten vermeiden wollte. Erste deutsche Kolonien Aufgrund von innenpolitischem Druck und einer günstigen außenpolitischen Lage musste Bismarck schließlich seine Haltung ändern und das Deutsche Reich erwarb unter ihm in den Jahren 1884/85 seine ersten Kolonien. Einflussreiche Großindustrielle und Großgrundbesitzer forderten den Erwerb von Kolonien und der junge Kaiser Wilhelm II. war begeistert, dass das Deutsche Reich in den Kreis der Kolonial und Weltmächte einzuweihen. 1884 gab er den Forderungen hanseatischer Kaufleute nach der Sicherung ihrer Erwerbungen und Handelsinteressen nach. Sogenannte "Schutzgebiete" wurden erworben. Dazu zählten u.a. das heutige Namibia, Togo, Kamerun, Tansania, Burundi, Ruanda und einige Südseeinseln wie "Deutsch-Samoa". Wilhelm U. Wilhelm II. (1859-1941):1888-1918 König von Preußen und Deutscher Kaiser. Er setzte den Rücktritt Bismarcks durch. Seine Vorstellungen von Gottesgnadentum und Weltmacht sowie seine Einstellung zum Militär (Militarismus) prägten die "Wilhelminische Gesellschaft". 1888 bestieg Kaiser Wilhelm II. den Thron. Es kam bald zu Streitigkeiten zwischen ihm und Bismarck, da der junge Kaiser eine grundsätzliche Umorientierung der deutschen Außenpolitik wollte. Das Deutsche Reich sollte so viele Kolonien wie möglich erwerben und zu einer Weltmacht werden. Bismarcks Kolonialpolitik war eher zurückhaltend, deswegen forderte Wilhelm ihn 1890 auf, zurückzutreten, was dieser verbittert tat. Im gleichen Jahr wurde der Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht mehr erneuert, woraufhin sich Frankreich und Russland auf ein Bündnis verständigten, sodass DE sich nun von 2 Seiten bedroht sah. Mit dem beeindruckenden Aufstieg des jungen Staates war auch das nationale Selbstbewusstsein gewachsen. Vielen Zeitgenossen genügte die von Bismarck geprägte defensive und hauptsächlich auf europäischen Ausgleich bedachte Kontinentalpolitik nicht mehr. Deutschland müsse seinen Anspruch als Weltmacht durchsetzen, der dem deutschen Großmachtstatus angemessen sei. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Bernhard von Bülow brachte die von vagen Stimmungen und Interessen geprägte neue Weltpolitik in einer Reichstagsrede auf den Punkt: "Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen einen Platz an der Sonne." Neue Politik Das Resultat war eine sprunghafte und aggressive deutsche Politik, die im Ausland als unberechenbar empfunden wurde. Nachdrücklicher im Sinne der über Europa hinausgreifenden Weltpolitik wirkte das wirtschaftliche und politische Engagement Deutschlands im Vorderen Orient. Das Osmanische Reich galt seit Ende des 19. Jahrhunderts als bedeutendstes außereuropäisches Einflussgebiet. Beim Bau einer Eisenbahn von Konstantinopel zum Persischen Golf (Bagdad-Bahn, 1899-1903) entstanden der deutschen Wirtschaft willkommene Expansionsfelder. Damit wuchs auch das Interesse Deutschlands an dem für die Verbindung zur Türkei wichtigen Balkan. Achtlos setzte sich die kaiserliche Außenpolitik aber lange darüber hinweg, dass Russland und England den wachsenden deutschen Einfluss im Vorderen Orient als störend empfanden. Wilhelm nahm in Kauf, dass er durch seine Weltmachtpolitik mit anderen Mächten in Streit geriet. Doch während sich die Beziehungen des Deutschen Reiches zu seinen Nachbarn verschlechterten, änderte sich das Verhältnis der anderen europäischen Mächte untereinander. Internationale Spannungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Im Ausland wurde die deutsche Politik misstrauisch beobachtet. Da die deutsche Regierung beschlossen hatte, ihre Flotte auszubauen, sah sich vor allem England in seiner Vormachtstellung auf See gefährdet und bemühte sich, an anderer Stelle Konflikte zu entschärfen, um sich ganz auf den neuen Konkurrenten zu konzentrieren. Entente cordiale franz. "herzliches Einvernehmen" 1904 wurden die kolonialen Auseinandersetzungen zwischen Großbritannien und Frankreich durch die Entente cordiale beendet. Zuvor hatte der "Scramble for Africa" beinahe zum Krieg geführt. Scramble for Africa (Wettlauf nach Afrika): So wurde die Aufteilung der noch "freien" Gebiete (nicht in Kolonialbesitz) in Afrika, vorwiegend zwischen Frankreich und Großbritannien, ab den 1880er-Jahren bezeichnet. Folgen - Paris erkannte Ägypten als rein britisches Interessengebiet an - London war bereit, den von Frankreich angestrebten. verstärkten Einfluss in Marokko zu billigen Die Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den Westmächten Frankreich und England jedoch spitzten sich in den beiden Marokko- Krisen von 1905 und 1911 weiter zu. 1. Marokko Krise 1905/6 Frankreich versuchte das formal unabhängige Marokko ohne Rücksicht auf deutsche Ansprüche und Handelsinteressen zum französischen Protektorat zu machen ganz nach der getroffenen Vereinbarung mit Großbritannien. Das Deutsche Reich sah sich zu einer Gegenoffensive veranlasst. - März 1905: Kaiser Wilhelm II. gab in der marokkanischen Hafenstadt Tanger eine Erklärung über die Souveränität Marokkos ab, um das deutsche Mitspracherecht zu demonstrieren. Internationale Konferenz im spanischen Algeciras: Zur Entschärfung der Krise 1906 einberufen. Deutschland versprach sich eine diplomatische Niederlage Frankreichs. Entgegen seiner Erwartungen fand sich das Deutsche Reich jedoch isoliert, nur Zweibundpartner Österreich-Ungarn unterstützte die deutsche Position. Ergebnis: Die "Algeciras-Akte" garantierte die formelle Unabhängigkeit Marokkos. 1909 legte jedoch eine weitere Konferenz die politische Vorrangstellung Frankreichs fest, während alle anderen Mächte gleichzeitig freien wirtschaftlichen Zugang hatten. Tripleentente 1907 verständigten sich Großbritannien und Russland über offene Fragen in Asien - ein Umsturz der bisherigen außenpolitischen Konstellationen, den die deutsche Seite für unmöglich gehalten hatte. Die Entente cordiale wurde zur Tripelentente erweitert. Das Deutsche Reich zunehmend ,,eingekreist" und isoliert. Die Sorge der anderen Mächte vor einer deutschen Vormachtstellung in Europa führte zu immer stärkeren Rüstungsanstrengungen. 2. Marokko Krise 1. Frankreich besetzte militärisch die Hauptstadt Fes aufgrund ausländerfeindlicher Unruhen. 2. Deutschland sah darin einen Verstoß gegen den Vertrag von Algeciras. 3. Durch lautstarke Pressekampagnen und durch den Alldeutschen Verband vertretene Annexionsansprüche sah sich die deutsche Regierung zum Handeln. gezwungen. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Alfred von Kiderlen-Waechter, verlangte von Frankreich für seinen "Verstoß" als Entschädigung das französische Kongogebiet. 4. Panthersprung nach Agadir: Das deutsche Kanonenboot "Panther" wurde in das westmarokkanische Agadir entsandt, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die in der deutschen Öffentlichkeit bejubelte Drohgeste hatte schwerwiegende internationale Folgen: Das diplomatisch übergangene England wies die deutsche Politik der Einschüchterung scharf zurück, stellte sich an die Seite Frankreichs und versetzte zeitweilig sogar seine Marine in Alarmzustand. - Gleichzeitig mehrten sich die englandfeindlichen Stimmen im Deutschen Reich, die von immer größerer Kriegsbereitschaft zeugten. Auf beiden Seiten wurden Vorbereitungen für einen Präventivschlag getroffen. Europa stand im September 1911 für einige Tage an der Schwelle eines Krieges. Nach schwieriger Kompromissfindung: Frankreich erhielt endgültig Marokko, trat als Gegenleistung aber einige unbedeutende Gebiete in Zentralafrika an das Deutsche Reich ab. Quelle: Buchners Kolleg Geschichte RLP S.262-266

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

Deutsches Reich im 19. Jahrhundert, Bismarcks Bündnissysteme (Zweibund, Dreikaiserabkommen, Rückversicherungsvertrag), Berliner Kongress 1878, Imperialismus, Wilhelm II., Entente cordiale, Marokko-Krisen

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Nach der Krieg-in-Sicht-Krise 1875 war Bismarck bewusst, dass eine Kriegsdrohung gegen Frankreich andere Großmächte auf den Plan rufen würde und er erkannte, wie er politisch vorgehen musste: Deutschland als saturiert darstellen und Frankreich mit allen Mitteln der Diplomatie isoliert halten. Bismarcks Politik 1. Er verzichtete auf alle Expansionsbestrebungen, durch die sich andere Großmächte gefährdet fühlen könnten. 2. Er erklärte das Reich für "saturiert", d.h. das Deutsche Reich stellt nach 1871 keine weiteren. Gebietsansprüche mehr und wies nationalistische Forderungen nach Gebietsgewinnen stets entschieden zurück. 3. In der Bewahrung des Status quo und der Erhaltung des Friedens in Mitteleuropa sah er die deutschen Interessen am besten gesichert. 4. Aus Gegensätzen zwischen anderen Großmächten versuchte Bismarck stets Nutzen zu ziehen, indem er diese Staaten für gute Beziehungen zu DE gewinnen wollte Bündnissysteme Um das Deutsche Reich abzusichern, schloss Bismarck Bündnisse mit Russland, Österreich-Ungarn und Italien. Ziel Frankreich isolieren und angesichts der europäischen Mittellage des Deutschen Reiches vor allem eine Koalition Frankreichs mit anderen Mächten (v. a. Russland) zu verhindern, sowie allgemein Kriegsvermeidung. Dreikaiserabkommen Das erste Bündnis des Systems war das 1873 geschlossene Dreikaiserabkommen zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland, um die Beziehungen zu den beiden Ländern zu festigen. Außerdem erreichte Bismarck eine Annäherung zwischen Österreich und Russland, die in Streit über die Vorherrschaft auf dem Balkan standen. Dabei wurden die gemeinsamen Interessen der 3 konservativen Monarchien gegenüber republikanischen und sozialistisch- revolutionären Kräften betont. Balkankrise Ursache Berliner Kongress; Die Balkankrise (Streitigkeiten zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf dem Balkan). Auf dem Balkan gab es zu dieser Zeit Unabhängigkeitsbestrebungen von mehreren Völkern gegen die Vorherrschaft des Osmanischen Reiches. Russland unterstützte die Freiheitsbewegung und zielte außenpolitisch darauf, freien Zugang zum Mittelmeer über den Bosporus zu erlangen. Nachdem der bulgarische Aprilaufstand 1876 vom osmanischen Militär blutig niedergeschlagen wurde, schaltete sich Russland als Schutzmacht der orthodoxen Christen ein. In einem Krieg gegen das Osmanische Reich siegte Russland und der Frieden von San Stefano 1878 wurde geschlossen. Russland dehnte seine Herrschaft auf der Balkanhalbinsel aus und verschaffte sich Zugang zum strategisch wichtigen Mittelmeer. Die Völker Serbien, Montenegro, Rumänien und Großbulgarien erhielten ihre Unabhängigkeit. Dadurch entstand ein Konflikt zwischen Russland, Großbritannien und Österreich-Ungarn. Um einen drohenden Krieg zu verhindern, sollte auf dem Berliner Kongress 1878 ein Interessensausgleich stattfinden. Berliner Kongress 1878 Eine europäische Versammlung, die die Streitigkeiten der Balkankrise beilegen sollte. Vertreter des Deutschen Reiches, Österreichs, Russlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Osmanischen Reiches kamen in Berlin zusammen. Auf ihm wurde eine neue Ordnung in Südosteuropa festgelegt. Dadurch wurde ein Friedensvertrag zwischen Russland und dem Osmanischen Reich außer Kraft gesetzt, der einen größeren Einfluss des Zarenreiches bedeutet hätte. Da die russischen Interessen im Vergleich zu Österreich weniger berücksichtigt wurden, empfand Russland den Kongress als diplomatische Niederlage. Bismarck konnte hier als "ehrlicher Makler" also diplomatischer Vermittler auftreten, da das Deutsche Reich kein direktes Interesse am Balkan hatte. Beschluss Bismarck gelang es den Konflikt zwischen GB und Österreich auf der einen und Russland auf der anderen Seite beilegen und einen europäischen Krieg zu verhindern. Probleme Russland hatte sich wegen seiner neutralen Haltung in den Kriegen von 1866 und 1870 eine deutliche Unterstützung von deutscher Seite erhofft. Nachdem der Frieden von San Stefano fast vollständig rückgängig gemacht wurde, fühlte sich Russland verraten 1. Bulgarien, von Russland geschaffen als unabhängiger Staat, verlor 3 5 des vorgesehenen Gebietes, den Zugang zum Mittelmeer und sollte unter osmanischer Kontrolle stehen. 2. Russland musste einige bereits eroberte Gebiete abtreten, während Österreich-Ungarn seine Position auf Kosten des Osmanischen Reiches stärken konnte und das Recht auf Besetzung Bosnien- Herzegowinas erhielt. Zusätzlich belasteten innenpolitische Entscheidungen des Deutschen Reiches das Verhältnis zu Russland. Die neue Schutzzollpolitik durch die konservative Wende 1879 führte zu einer Absatzkrise der exportorientierten russischen Landwirtschaft. Weitreichende folgen Die deutsch-russischen Beziehungen verschlechterten sich immer weiter. Das Dreikaiserabkommen wurde aufgekündigt. Der Rückversicherungsvertrag wurde geschlossen. Aber später wurde Russland Mitglied des Tripleentente, der im Ersten Weltkrieg gegen das Deutsche Reich kämpfte. Zweibund Die Stimmung zwischen Russland und dem Deutschen Reich war nach dem Berliner Vertrag schlecht. Aus Angst vor einer russisch-französischen Annäherung veranlasste Bismarck 1879 den Abschluss eines Zweibundes zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich. Eine Entscheidung zugunsten einer Seite, die er bisher bewusst vermieden hatte. Die beiden Länder verpflichtete sich zu gegenseitiger Hilfe bei einem russischen Angriff. Beim Angriff einer anderen Macht - etwa Frankreichs auf Deutschland sollte wohlwollende Neutralität gewahrt werden. Der Zweibund mit Österreich-Ungarn wurde 1882/83 durch den Dreibundvertrag mit Italien sowie einen Defensivvertrag mit Rumänien ergänzt. Bismarck betrachtete das Bündnis mit Osterreich-Ungarn nur als äußerste Rückzugslinie. Das Gegenüberstehen eines deutsch- österreichischen und eines russisch-französischen Blocks auf dem Kontinent konnte nicht Ziel seiner Außenpolitik sein. Mittelmeerenteente Das Dreikaiserabkommen konnte aufgrund der Gegensätze zwischen Österreich-Ungarn und Russland nicht mehr aufrechterhalten werden. Hauptsächliches Ziel Bismarcks war es nun, eine Annäherung zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland durch ein Bündnissystem zu verhindern. Die Beziehungen zu Großbritannien konnte er durch den Abschluss der sogenannten Mittelmeerentente 1887 intensivieren. Das Deutsche Reich unterstützte diesen Geheimvertrag, durch den sich Großbritannien, Österreich-Ungarn und Italien verpflichteten, den Status quo im Mittelmeerraum aufrechtzuerhalten und ein unabhängigen Osmanischen Reiches zu erhalten und sich gegen die russische Expansion auf dem Balkan und an den Meerengen zu verbünden. Ein Bündnis mit Großbritannien scheiterte unter anderem am Protektionismus des Deutschen Reiches und an der deutschen Kolonialpolitik Rückversicherungsvertrag Russland war somit von den anderen Großmächten isoliert und 1887 gelang Bismarck der Abschluss eines geheimen Neutralitätsabkommens (Rückversicherungsvertrag mit Russland), trotz des angespannten Verhältnisses. Nach neuerlichen Spannungen auf dem Balkan wollte Bismarck, Russland die Angst vor einem deutsch-österreichischen Angriff nehmen und gleichzeitig, die von der russischen Presse geforderte Annäherung Russlands an Frankreich verhindern, und damit einen Zweifrontenkrieg. Rückversicherungsvertrag: Das Deutsche Reich und Russland verpflichteten sich 1887 zu Neutralität. Diese sollte bei einem russischen Angriff auf Österreich-Ungarn oder einem deutschen auf Frankreich nicht gelten. Es gab außerdem ein geheimes Zusatzabkommen, welches die Interessen Russlands auf dem Balkan und der Meerenge der Dardanellen berücksichtigt Ihrem Geist nach standen Zweibund und Rückversicherungsvertrag in einem gewissen Spannungsverhältnis. Bismarck ermutigte Russland zu einer Politik, den Status quo im Südosten Europas zu verändern. Österreich-Ungarn dagegen wollte keine Veränderung, um die slawischen Völker in seinem Staatsverband zu halten. Doch die im November 1887 getroffene Entscheidung, Russland nicht mehr dringend benötigte Kredite von deutschen Banken gewähren zu lassen "Lombardverbot", bereitete die spätere Annäherung zwischen Russland und Frankreich mit vor, da Frankreich die benötigten Anleihen anbot. Imperialismus - 1880 bis 1914 "klassisches Zeitalter des Imperialismus" - Rivalitäten zwischen den Ländern trugen zu Spannungen und zum Rüstungswettlauf bei. Nicht nur Kaufleute, Forscher, Politiker und Militärs traten für die Expansionspolitik ihrer Länder und den Erwerb von Kolonien, Stützpunkten und Einflusssphären ein. Kennzeichnend war auch die Zustimmung breiter Bevölkerungsschichten. Die Motive dafür waren vielfältig ökonomische Argumente ● Die imperialistischen Staaten nutzten ihre wirtschaftlich- technologischen Möglichkeiten, um ihren Herrschaftsbereich auszudehnen. Die Kolonien sollten nicht industrialisiert werden, sondern nur als Absatzmärkte, Rohstoffquellen und als Siedlungsraum für die rasch wachsende Bevölkerung Europas dienen. ● In einigen Staaten konnte die Aussicht auf stetiges Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Krisenzeiten die unzufriedenen Massen der Arbeiterschaft beruhigen Sozialimperialismus. ● Sozialdarwinismus Sozialdarwinismus übertrug die Evolutionstheorie über die "Entstehung der Arten" des englischen Naturforschers Charles Darwin in stark vereinfachter und damit verfälschter Weise auf Imenschliche Gesellschaften. Im "Kampf ums Dasein" könnten sich demnach nur die weiterentwickelten und daher überlegenen Völker und Staaten durchsetzen Die ideologischen Motive wie Sozialdarwinismus, rassistische Überlegenheitsgefühle der Weißen und kultur missionarischer Eifer ließen für die Achtung und Wahrung der einheimischen Kulturen wenig Raum. Diese sollten die christliche Religion und die angeblich überlegene Zivilisation annehmen. In den Kolonien wurde die einheimische Bevölkerung mehr oder weniger rücksichtslos den Interessen der Kolonialherren unterworfen. Sie musste meist gegen sehr geringen Lohn auf Plantagen oder in Bergwerken arbeiten, wurde enteignet oder zur Zwangsarbeit herangezogen. Die Zusammenarbeit mit einheimischen Völkern und Herrschern wurde vor allem dann gesucht, wenn sie für die Nutzung des Landes gebraucht wurden. Deutschlands Einstieg in die Wellpolitik Im Deutschen Reich bekam man Angst bei der Aufteilung der Erde leer auszugehen. Seit den 1870er-Jahren gab es auch im Deutschen Reich eine verstärkte Diskussion um die Notwendigkeit einer Kolonialpolitik. Viele kleinerer und größerer Kolonialvereine sowie mächtige Interessenverbände propagierten den kolonialen Gedanken im ganzen Land und übten so Druck auf die Regierung aus, um die territoriale Expansion voranzutreiben. Gegner der Kolonialpolitik Gegner der Kolonialpolitik waren vor allem die Sozialdemokraten, die mit staatlichen Geldern geförderte Unternehmungen ablehnten, die das System des "ausbeuterischen Kapitalismus" in wirtschaftlich unterlegene Länder exportierten und die Kolonialvölker unterdrückten. Außerdem erkannten sie, dass eine offensive Außenpolitik zum Krieg führen könnte. Auch Reichskanzler Otto von Bismarck hatte es lange abgelehnt, Kolonien zu erwerben. Gründe waren, dass die Verwaltung von Kolonien hohe Kosten verursachte und er mögliche Konflikte mit den anderen Mächten vermeiden wollte. Erste deutsche Kolonien Aufgrund von innenpolitischem Druck und einer günstigen außenpolitischen Lage musste Bismarck schließlich seine Haltung ändern und das Deutsche Reich erwarb unter ihm in den Jahren 1884/85 seine ersten Kolonien. Einflussreiche Großindustrielle und Großgrundbesitzer forderten den Erwerb von Kolonien und der junge Kaiser Wilhelm II. war begeistert, dass das Deutsche Reich in den Kreis der Kolonial und Weltmächte einzuweihen. 1884 gab er den Forderungen hanseatischer Kaufleute nach der Sicherung ihrer Erwerbungen und Handelsinteressen nach. Sogenannte "Schutzgebiete" wurden erworben. Dazu zählten u.a. das heutige Namibia, Togo, Kamerun, Tansania, Burundi, Ruanda und einige Südseeinseln wie "Deutsch-Samoa". Wilhelm U. Wilhelm II. (1859-1941):1888-1918 König von Preußen und Deutscher Kaiser. Er setzte den Rücktritt Bismarcks durch. Seine Vorstellungen von Gottesgnadentum und Weltmacht sowie seine Einstellung zum Militär (Militarismus) prägten die "Wilhelminische Gesellschaft". 1888 bestieg Kaiser Wilhelm II. den Thron. Es kam bald zu Streitigkeiten zwischen ihm und Bismarck, da der junge Kaiser eine grundsätzliche Umorientierung der deutschen Außenpolitik wollte. Das Deutsche Reich sollte so viele Kolonien wie möglich erwerben und zu einer Weltmacht werden. Bismarcks Kolonialpolitik war eher zurückhaltend, deswegen forderte Wilhelm ihn 1890 auf, zurückzutreten, was dieser verbittert tat. Im gleichen Jahr wurde der Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht mehr erneuert, woraufhin sich Frankreich und Russland auf ein Bündnis verständigten, sodass DE sich nun von 2 Seiten bedroht sah. Mit dem beeindruckenden Aufstieg des jungen Staates war auch das nationale Selbstbewusstsein gewachsen. Vielen Zeitgenossen genügte die von Bismarck geprägte defensive und hauptsächlich auf europäischen Ausgleich bedachte Kontinentalpolitik nicht mehr. Deutschland müsse seinen Anspruch als Weltmacht durchsetzen, der dem deutschen Großmachtstatus angemessen sei. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Bernhard von Bülow brachte die von vagen Stimmungen und Interessen geprägte neue Weltpolitik in einer Reichstagsrede auf den Punkt: "Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen einen Platz an der Sonne." Neue Politik Das Resultat war eine sprunghafte und aggressive deutsche Politik, die im Ausland als unberechenbar empfunden wurde. Nachdrücklicher im Sinne der über Europa hinausgreifenden Weltpolitik wirkte das wirtschaftliche und politische Engagement Deutschlands im Vorderen Orient. Das Osmanische Reich galt seit Ende des 19. Jahrhunderts als bedeutendstes außereuropäisches Einflussgebiet. Beim Bau einer Eisenbahn von Konstantinopel zum Persischen Golf (Bagdad-Bahn, 1899-1903) entstanden der deutschen Wirtschaft willkommene Expansionsfelder. Damit wuchs auch das Interesse Deutschlands an dem für die Verbindung zur Türkei wichtigen Balkan. Achtlos setzte sich die kaiserliche Außenpolitik aber lange darüber hinweg, dass Russland und England den wachsenden deutschen Einfluss im Vorderen Orient als störend empfanden. Wilhelm nahm in Kauf, dass er durch seine Weltmachtpolitik mit anderen Mächten in Streit geriet. Doch während sich die Beziehungen des Deutschen Reiches zu seinen Nachbarn verschlechterten, änderte sich das Verhältnis der anderen europäischen Mächte untereinander. Internationale Spannungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Im Ausland wurde die deutsche Politik misstrauisch beobachtet. Da die deutsche Regierung beschlossen hatte, ihre Flotte auszubauen, sah sich vor allem England in seiner Vormachtstellung auf See gefährdet und bemühte sich, an anderer Stelle Konflikte zu entschärfen, um sich ganz auf den neuen Konkurrenten zu konzentrieren. Entente cordiale franz. "herzliches Einvernehmen" 1904 wurden die kolonialen Auseinandersetzungen zwischen Großbritannien und Frankreich durch die Entente cordiale beendet. Zuvor hatte der "Scramble for Africa" beinahe zum Krieg geführt. Scramble for Africa (Wettlauf nach Afrika): So wurde die Aufteilung der noch "freien" Gebiete (nicht in Kolonialbesitz) in Afrika, vorwiegend zwischen Frankreich und Großbritannien, ab den 1880er-Jahren bezeichnet. Folgen - Paris erkannte Ägypten als rein britisches Interessengebiet an - London war bereit, den von Frankreich angestrebten. verstärkten Einfluss in Marokko zu billigen Die Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den Westmächten Frankreich und England jedoch spitzten sich in den beiden Marokko- Krisen von 1905 und 1911 weiter zu. 1. Marokko Krise 1905/6 Frankreich versuchte das formal unabhängige Marokko ohne Rücksicht auf deutsche Ansprüche und Handelsinteressen zum französischen Protektorat zu machen ganz nach der getroffenen Vereinbarung mit Großbritannien. Das Deutsche Reich sah sich zu einer Gegenoffensive veranlasst. - März 1905: Kaiser Wilhelm II. gab in der marokkanischen Hafenstadt Tanger eine Erklärung über die Souveränität Marokkos ab, um das deutsche Mitspracherecht zu demonstrieren. Internationale Konferenz im spanischen Algeciras: Zur Entschärfung der Krise 1906 einberufen. Deutschland versprach sich eine diplomatische Niederlage Frankreichs. Entgegen seiner Erwartungen fand sich das Deutsche Reich jedoch isoliert, nur Zweibundpartner Österreich-Ungarn unterstützte die deutsche Position. Ergebnis: Die "Algeciras-Akte" garantierte die formelle Unabhängigkeit Marokkos. 1909 legte jedoch eine weitere Konferenz die politische Vorrangstellung Frankreichs fest, während alle anderen Mächte gleichzeitig freien wirtschaftlichen Zugang hatten. Tripleentente 1907 verständigten sich Großbritannien und Russland über offene Fragen in Asien - ein Umsturz der bisherigen außenpolitischen Konstellationen, den die deutsche Seite für unmöglich gehalten hatte. Die Entente cordiale wurde zur Tripelentente erweitert. Das Deutsche Reich zunehmend ,,eingekreist" und isoliert. Die Sorge der anderen Mächte vor einer deutschen Vormachtstellung in Europa führte zu immer stärkeren Rüstungsanstrengungen. 2. Marokko Krise 1. Frankreich besetzte militärisch die Hauptstadt Fes aufgrund ausländerfeindlicher Unruhen. 2. Deutschland sah darin einen Verstoß gegen den Vertrag von Algeciras. 3. Durch lautstarke Pressekampagnen und durch den Alldeutschen Verband vertretene Annexionsansprüche sah sich die deutsche Regierung zum Handeln. gezwungen. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Alfred von Kiderlen-Waechter, verlangte von Frankreich für seinen "Verstoß" als Entschädigung das französische Kongogebiet. 4. Panthersprung nach Agadir: Das deutsche Kanonenboot "Panther" wurde in das westmarokkanische Agadir entsandt, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die in der deutschen Öffentlichkeit bejubelte Drohgeste hatte schwerwiegende internationale Folgen: Das diplomatisch übergangene England wies die deutsche Politik der Einschüchterung scharf zurück, stellte sich an die Seite Frankreichs und versetzte zeitweilig sogar seine Marine in Alarmzustand. - Gleichzeitig mehrten sich die englandfeindlichen Stimmen im Deutschen Reich, die von immer größerer Kriegsbereitschaft zeugten. Auf beiden Seiten wurden Vorbereitungen für einen Präventivschlag getroffen. Europa stand im September 1911 für einige Tage an der Schwelle eines Krieges. Nach schwieriger Kompromissfindung: Frankreich erhielt endgültig Marokko, trat als Gegenleistung aber einige unbedeutende Gebiete in Zentralafrika an das Deutsche Reich ab. Quelle: Buchners Kolleg Geschichte RLP S.262-266