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Chrysostomos und Salvian von Marseille

Chrysostomos und Salvian von Marseille

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Jacques

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Geschichte

 

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Chrysostomos und Salvian von Marseille

 LK Geschichte 12
Videokonferenz 05.03.21
Quellenarbeit
Johannes Chrysostomos (M13 S. 164)
Salvian von Marseille (M14 S. 165) 1. Analysiert

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LK Geschichte 12 Videokonferenz 05.03.21 Quellenarbeit Johannes Chrysostomos (M13 S. 164) Salvian von Marseille (M14 S. 165) 1. Analysiert die Quellen M13 und M14 auf S. 164 +165 jeweils formal und inhaltlich a. Füllt dazu jeweils die Schablone zur Quellenanalyse aus b. Informiert euch dazu auch über die Autoren und die Werke, aus denen die Quellen stammen. 2. Erörtern Sie die den Quellenwert von M13 und M14 im Bezug auf die geschilderten sozialen und politischen Verhältnisse im Römischen Reich und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Romanitas (vgl. S. 158) an sich. Formale Analyse Autor: Johannes Chrysostomos, bedeutender Kirchenlehrer und Prediger des späten 4. Jhd., lebte als Eremit, dann als zunehmend bekannter Prediger in Antiochia und wurde danach Bischof von Konstantinopel, wo er sich für die Benachteiligten einsetzte, das Ideal einer bescheidenen Lebensführung nach dem Vorbild Christi predigte und durch seine dementsprechend harsche Kritik am luxuriösen Leben der Oberschicht auffiel und sich die Kaiserin Eudoxia zum Feind machte, die ihn dann schließlich verbannte. Zeit+Ort: Antiochia zwischen 386 und 397 n. Chr. (Chrysostomos ist zu diesem Zeitpunkt Priester und Prediger) Textart: Predigt/Kommentar zum Matthäusevangelium Quellencharakter: primärer Überrest (er hielt diese Predigten öffentlich, sie wurden von Stenographen mitgeschrieben), dieser Abschnitt ist deskriptiv. Anlass: Predigt zur Darlegung einer Passage des Matthäusevangeliums Thema: Kommentiert wird ein Gleichnis Christi, in dem ein Herr seinem Diener eine große Schuld vergibt, der Diener erweist sich jedoch...

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daraufhin seinen eigenen Schuldnern als deutlich weniger gnädig und wird daraufhin von seinem Herren bestraft. Erläuterung des Gleichnisses anhand der zeitgenössischen Situation, indem er die Ungerechtigkeit der Grundbesitzer gegenüber ihren Pächtern (Kolonen) anprangert und sie mit dem ungerechten Diener aus dem Gleichnis vergleicht. Adressaten und Intention: der Predigt allgemein und direkt: Gemeinde von Antiochia, zu der er predigt und ihr das Evangelium erläutern und nahebringen will. der Stelle speziell und indirekt: Mitglieder der grundbesitzenden Oberschicht, die er öffentlich kritisieren will und zu einem bescheidenerem Lebensstil und einem gerechteren Umgang mit ihren Pächtern (und Mitchristen) auffordert. Inhaltliche Analyse Kernaussage: Der Umgang der Landbesitzer mit ihren Pächtern, denen sie Abgaben und Dienstleistungen abpressten und die sie von Verwaltern drangsalieren ließen und in Schulden trieben, sei als ungerecht und ganz und gar unchristlich zu verurteilen. Inhaltszusammenfassung/Sinnabschnitte: 1. Überleitung und These (Z. 1-9): Chrysostomos leitet vom letzten Beispiel zu den Landbesitzern über, die seiner Aussage zufolge ja vermeintlich gerechter sein müssten, dies aber in Wirklichkeit gerade nicht seien (Z. 2-6), vielmehr seien sie sogar ,,unmenschlicher [ ] als die Barbaren" (Z. 8f). 2. Begründung/Vorwürfe (Z. 10-34): a) Den Pächtern würden gnadenlos immer neue Abgaben auferlegt und viel zu viele Dienste abverlangt, ohne Rücksicht darauf, wie viel Ertrag der Boden überhaupt erbringt (Z. 9-17). b) Die Pächter gerieten daher trotz ihrer mühsamen Arbeit in Rückstand und müssten zusätzlich zu Wetter, Kälte und Hunger noch die Drangsalierung durch die Verwalter ertragen, die sie sogar einsperrten um die Schuld einzutreiben (Z. 17-26). c) Die Landbesitzer bereicherten sich auf Kosten der Pächter und zahlten diesen lächerlich geringen Lohn, den sie noch durch erdachte Zinsen schmälerten (Z. 26-34). Formale Analyse Autor: Salvian von Marseille, Kirchenvater, verließ seine Familie um Mönch Kernaussage: zu werden und wurde später Priester und Prediger von Marseille. War ein lautstarker Kritiker der sozialen Verhältnisse im späten Weströmischen Reich, richtete sich insbesondere gegen „Scheinchristen“ und moralische Ausschweifungen und rief stattdessen zur Umkehr und zum Leben nach urchristlichen Maßstäben auf. Zeit+Ort: Marseille um 450 n. Chr., zu dieser Zeit waren in Teilen Galliens und anderen Teilen des Weströmischen Reiches bereits mehrere germanische Reiche entstanden Textart: Buch, pastorale Streitschrift Quellencharakter: primäre Tradition, denn er schreibt hier ein Buch, in dem er seine Interpretation der Ereignisse für Gegenwart und Nachwelt festhält und sich damit gegen andere Interpretationen wendet. Dieser Abschnitt ist deskriptiv. Anlass/Thema: ● allgemein: Niedergang des Römischen Reiches im Westen und Erklärung desselben aus Sicht des Autoren speziell: Flucht vieler Römischer Bürger (insb. arme Kolonen) in die germanischen Reiche, die auf ehem. römischem Boden entstanden waren, als Krisensymptom Intention und Adressaten: allgemein: Salvian will gebildete Römer von seiner Interpretation des Niedergangs des Westreiches überzeugen und sich gleichzeitig gegen andere Thesen dazu wenden, die die Hinwendung Roms zum Christentum dafür verantwortlich machen. speziell: in diesem Abschnitt nutzt Salvian die vermeintlich unzivilisierten ,,Barbaren“ als Gegenbild zu den Römern, um somit seine Kritik am von ihm postulierten Sittenverfall der römischen Gesellschaft zu unterstreichen. Inhaltliche Analyse Die Römer seien verderbter als die angeblichen Barbaren und gingen an ihrer eigenen Ungerechtigkeit und Sittenlosigkeit zu Grunde. → (Z. 30-34) Inhaltszusammenfassung/Sinnabschnitte: 1. Einleitung/These (Z. 1-3): Während die Römer einander feindlich gesinnt seien, herrsche bei den „Barbaren“ Eintracht. 2. Argument 1 (Z. 10-19): Viele Römer, selbst gebildete und wohlhabende, flöhen in die Herrschaftsbereiche der ,,Barbaren“ (Z.3-6), trotz der dort fremden und sogar „abstoßenden“ Lebensumstände (Z. 10- 14), da die Ungerechtigkeit und Verfolgung im Römischen Reich noch viel schlimmer zu erdulden sei (Z. 14-19). 3. Zwischenfazit (Z. 19-24): Die Lage der unteren Schichten unter römischer Herrschaft sei so schlecht, wenn sie nicht das wenige was sie besäßen aufgeben müssten, um zu den „Barbaren“ zu fliehen, würden sie es alle tun. 4. Argument 2 (Z. 24-30): Die „barbarischen“ Völker hätten alle neben ihren Lastern auch positive Eigenschaften (Z. 29f), als Beleg zählt er einige Beispiele auf (Z. 24-28), so seien beispielsweise die Franken zwar Lügner, aber immerhin gastfreundlich (Z. 25f). 5. Schlussfolgerung (Z. 30-34): Die moralische Verderbtheit der Römer sei der Grund für den Niedergang des Römischen Staates. Quellenwert von Chrysostomos (M13 S. 164) + Salvian (M14 S. 165) Pro (für den Wert als Quelle) Zeitzeugen O beide waren bekannt für ihr aktives Eintreten für die Armen O Salvian lebte in Marseille in der unmittelbaren Nachbarschaft mehrerer ,,Barbarenreiche“ auf (ehemals) römischem Territorium o beide hatten als hohe Geistliche Kontakt zur landbesitzenden Oberschicht und zur politischen Führung beide nahmen ihre Rolle als Geistliche und ihren christlichen Auftrag sehr ernst und wurden dafür respektiert und insbesondere in Chrysostomos Fall vom Volk geliebt ● Contra (Einschränkung des Werts als Quelle) Sie waren aber selbst keine Kolonen oder sind zu den „Barbaren“ geflohen oder hätten unter diesen gelebt, können also insofern kein Selbstzeugnis über die individuellen Schicksale und Motive abgeben. beide haben einen monastischen Hintergrund und sind dementsprechend gegenüber der Oberschicht und ihres Lebensstils voreingenommen O beide hatten ein klares Motiv und verfolgten die Intention den Lebensstil der römischen Führungsschicht öffentlich zu kritisieren: o Chrysostomos Quelle ist eine öffentlich gehaltene Predigt, in der er seiner Gemeinde das Evangelium auslegt und davon überzeugen will, dass die Unbarmherzigkeit der Landbesitzer dem Willen Gottes widerspricht, womit er diese zur Umkehr auffordert und beim einfachen Volk aus der Gemeinde großen Anklang findet, O dementsprechend argumentiert er polemisch und verzichtet zu Gunsten einfacher Argumente auf jegliche Differenzierung. Salvian richtet sich ganz konkret gegen die immer populärer werdende Meinung, dass der konkret beobachtbare Niedergang des Römischen Reiches im Westen in der Abkehr von der alten römischen Religion begründet liege und beweise, dass der Christengott nicht auf Roms Seite stehe, ▪ dementsprechend argumentiert er, dass nicht die Hinwendung zum Christentum den Niedergang hervorrufe, sondern im Gegenteil die unzureichende tatsächliche Umsetzung der christlichen Religion in der Lebensführung der Römer und insbesondere der politischen und sozioökonomischen Führungsschicht der Grund dafür sei. Deshalb überhöht er die angeblichen Tugenden und Eintracht der Barbaren als Gegenbild zu den von ihm umso negativer charakterisierten Verhältnissen im Römischen Reich.

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

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Inhaltszusammenfassung/Sinnabschnitte: 1. Überleitung und These (Z. 1-9): Chrysostomos leitet vom letzten Beispiel zu den Landbesitzern über, die seiner Aussage zufolge ja vermeintlich gerechter sein müssten, dies aber in Wirklichkeit gerade nicht seien (Z. 2-6), vielmehr seien sie sogar ,,unmenschlicher [ ] als die Barbaren" (Z. 8f). 2. Begründung/Vorwürfe (Z. 10-34): a) Den Pächtern würden gnadenlos immer neue Abgaben auferlegt und viel zu viele Dienste abverlangt, ohne Rücksicht darauf, wie viel Ertrag der Boden überhaupt erbringt (Z. 9-17). b) Die Pächter gerieten daher trotz ihrer mühsamen Arbeit in Rückstand und müssten zusätzlich zu Wetter, Kälte und Hunger noch die Drangsalierung durch die Verwalter ertragen, die sie sogar einsperrten um die Schuld einzutreiben (Z. 17-26). c) Die Landbesitzer bereicherten sich auf Kosten der Pächter und zahlten diesen lächerlich geringen Lohn, den sie noch durch erdachte Zinsen schmälerten (Z. 26-34). Formale Analyse Autor: Salvian von Marseille, Kirchenvater, verließ seine Familie um Mönch Kernaussage: zu werden und wurde später Priester und Prediger von Marseille. War ein lautstarker Kritiker der sozialen Verhältnisse im späten Weströmischen Reich, richtete sich insbesondere gegen „Scheinchristen“ und moralische Ausschweifungen und rief stattdessen zur Umkehr und zum Leben nach urchristlichen Maßstäben auf. Zeit+Ort: Marseille um 450 n. Chr., zu dieser Zeit waren in Teilen Galliens und anderen Teilen des Weströmischen Reiches bereits mehrere germanische Reiche entstanden Textart: Buch, pastorale Streitschrift Quellencharakter: primäre Tradition, denn er schreibt hier ein Buch, in dem er seine Interpretation der Ereignisse für Gegenwart und Nachwelt festhält und sich damit gegen andere Interpretationen wendet. Dieser Abschnitt ist deskriptiv. 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Einleitung/These (Z. 1-3): Während die Römer einander feindlich gesinnt seien, herrsche bei den „Barbaren“ Eintracht. 2. Argument 1 (Z. 10-19): Viele Römer, selbst gebildete und wohlhabende, flöhen in die Herrschaftsbereiche der ,,Barbaren“ (Z.3-6), trotz der dort fremden und sogar „abstoßenden“ Lebensumstände (Z. 10- 14), da die Ungerechtigkeit und Verfolgung im Römischen Reich noch viel schlimmer zu erdulden sei (Z. 14-19). 3. Zwischenfazit (Z. 19-24): Die Lage der unteren Schichten unter römischer Herrschaft sei so schlecht, wenn sie nicht das wenige was sie besäßen aufgeben müssten, um zu den „Barbaren“ zu fliehen, würden sie es alle tun. 4. Argument 2 (Z. 24-30): Die „barbarischen“ Völker hätten alle neben ihren Lastern auch positive Eigenschaften (Z. 29f), als Beleg zählt er einige Beispiele auf (Z. 24-28), so seien beispielsweise die Franken zwar Lügner, aber immerhin gastfreundlich (Z. 25f). 5. Schlussfolgerung (Z. 30-34): Die moralische Verderbtheit der Römer sei der Grund für den Niedergang des Römischen Staates. Quellenwert von Chrysostomos (M13 S. 164) + Salvian (M14 S. 165) Pro (für den Wert als Quelle) Zeitzeugen O beide waren bekannt für ihr aktives Eintreten für die Armen O Salvian lebte in Marseille in der unmittelbaren Nachbarschaft mehrerer ,,Barbarenreiche“ auf (ehemals) römischem Territorium o beide hatten als hohe Geistliche Kontakt zur landbesitzenden Oberschicht und zur politischen Führung beide nahmen ihre Rolle als Geistliche und ihren christlichen Auftrag sehr ernst und wurden dafür respektiert und insbesondere in Chrysostomos Fall vom Volk geliebt ● Contra (Einschränkung des Werts als Quelle) Sie waren aber selbst keine Kolonen oder sind zu den „Barbaren“ geflohen oder hätten unter diesen gelebt, können also insofern kein Selbstzeugnis über die individuellen Schicksale und Motive abgeben. beide haben einen monastischen Hintergrund und sind dementsprechend gegenüber der Oberschicht und ihres Lebensstils voreingenommen O beide hatten ein klares Motiv und verfolgten die Intention den Lebensstil der römischen Führungsschicht öffentlich zu kritisieren: o Chrysostomos Quelle ist eine öffentlich gehaltene Predigt, in der er seiner Gemeinde das Evangelium auslegt und davon überzeugen will, dass die Unbarmherzigkeit der Landbesitzer dem Willen Gottes widerspricht, womit er diese zur Umkehr auffordert und beim einfachen Volk aus der Gemeinde großen Anklang findet, O dementsprechend argumentiert er polemisch und verzichtet zu Gunsten einfacher Argumente auf jegliche Differenzierung. Salvian richtet sich ganz konkret gegen die immer populärer werdende Meinung, dass der konkret beobachtbare Niedergang des Römischen Reiches im Westen in der Abkehr von der alten römischen Religion begründet liege und beweise, dass der Christengott nicht auf Roms Seite stehe, ▪ dementsprechend argumentiert er, dass nicht die Hinwendung zum Christentum den Niedergang hervorrufe, sondern im Gegenteil die unzureichende tatsächliche Umsetzung der christlichen Religion in der Lebensführung der Römer und insbesondere der politischen und sozioökonomischen Führungsschicht der Grund dafür sei. Deshalb überhöht er die angeblichen Tugenden und Eintracht der Barbaren als Gegenbild zu den von ihm umso negativer charakterisierten Verhältnissen im Römischen Reich.