Industrialisierung

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Industrialisierung

 Historischer Kontext – Industrialisierung
Anfänge der Industrialisierung
O In England in der Mitte des 18. Jahrhunderts
O Baumwollverarbeit
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O In England in der Mitte des 18. Jahrhunderts
O Baumwollverarbeit
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- Historischer Kontext (Stichpunkte) - Historischer Kontext (Text) - Klausur (Geschichte; Quelleninterpretation) + Erwartungshorizont

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Historischer Kontext – Industrialisierung Anfänge der Industrialisierung O In England in der Mitte des 18. Jahrhunderts O Baumwollverarbeitende Textilindustrie dominiert Leicht-industrielle Phase (Ab 1800) ○ Begann in Deutschland später Aufgrund der Zollgrenzen Aufgrund der napoleonischen Ära, welche die ,deutsche Nation" weiter spaltete Schwerindustrielle Phase/Erste industrielle Revolution (Ab 1830/1840) O O O O O Erste Maschinen wurden in Betrieben eingesetzt (Förderte Massenproduktion) ■ Von Wasser- oder Dampfkraft angetrieben Zweite Industrielle Revolution (Ab 1870/1880) Chemie- und Elektroindustrie (gelten zu der Zeit als „neue Industrien") Neue Energiequellen (Öl/Elektrizität) O Bayer war der erste Konzern, welcher einen medizinischen Wirkstoff massenhaft produzierte Dritte industrielle Revolution (Ab 1970) O Fokussiert auf den Ausbau der Elektronik O O O ■ Technische Geräte wurden alltäglicher Vierte industrielle Revolution (Ab 2000) Ausbau der Kommunikationsmöglichkeiten O Gerechte Produktions- und Arbeitswelt Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft Merkmale der Industrialisierung (Ab 1850/1870) Zahlreiche technische Neuerungen; Einführung von Kraft- und Arbeitsmaschinen O Betrieb dieser Maschinen mit neuartigen Energiequellen O O ■ O Begann im Königreich Sachsen, den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen, sowie Teile Schlesiens O Aufgrund der Einführung des Zollvereins Bis ins Jahr 1850 nahm die Industrialisierung dann auch in anderen Regionen (Königreich Württemberg, Großherzogtümern Baden und Hessen) an Dynamik zu Auf Eisenbahn-, Maschinen- und Steinkohlebergbau und Eisen- und Stahlindustrie fokussiert O ■ Die Entfaltung des modernen kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems; Markt für Arbeitskräfte, Güter, Boden und Kapital entsteht O Allmählicher Strukturwandel: Sekundärer Wirtschaftssektor (Industrie) dominiert immer weiter über primären Wirtschaftssektor (Landwirtschaft) Gesellschaftssystem/Klassengesellschaften, während der Industrialisierung Fabriken als Massenproduktionsstätten; Güter wurden hier arbeitsteilig produziert Neue...

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Medien und Verkehrsmittel und -wege wurden geschaffen; Ermöglichen neue überregionale, nationale und internationale Verflechtungen Wirtschaftsbürgertum Industrielle, Bankiers und Kaufleute ▪ Gruppe, welche den größten Profit durch die industrielle Revolution erfahren hatte Bildungsbürgertum Personen mit akademischen Hintergrund ■ (Ärzte, Rechtsanwälte, Professoren, Naturwissenschaftler) Weitaus weniger bis gar keinen Gewinn bei der Revolution (im Vergleich zu dem Wirtschaftsbürgertum) Durch gesteigertes Abgrenzungsbedürfnis gegenüber der Arbeiterschaft und Kleinbürgertum führt zu übersteigertem Nationalismus und Militarismus O Kleinbürgertum O O Arbeiterschaft (Gesellschaftliche Unterschicht) Landarbeiter, Tagelöhner, Dienstboten, Heimarbeiter und Handwerksgesellen; Vor Allem Industrie- und Fabrikarbeiter (Anzahl der Beschäftigten stieg hier gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark an) Litten in Fabriken unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen ■ Große Mehrheit der Bevölkerung Lebensbedingungen der Arbeiterschaft O O O ■ O ■ O O ■ ■ o Wohnbedingungen O Mangelnder Raum ▪ Mangelhafte Hygiene Landflucht O Arbeitsbedingungen ■ ■ ■ Bauern zogen in die Städte, um an neue Jobs zu gelangen System des Kapitalismus Durch Konkurrenzkampf der Kapitalisten wird von Arbeiter immer mehr gefordert Gehalt verbessert sich nicht proportional ■ Selbstständige Handwerker und Händler und Angestellte Konnten durch Industrialisierung finanziellen Gewinn oder Verlust machen Hing von ihrer Berufsgruppe ab Arbeiter werden trotz ihrer geleisteten Arbeit nicht entsprechend entlohnt Durch Konkurrenzkampf der Arbeiter entsteht ein Überangebot an Arbeitskräften Soziale Frage Kreislauf der Arbeiter, welcher Selbigen keinen Ausweg aus dem finanziellen/ gesellschaftlichen Existenzminimum bietet Fehlende Schutzbekleidung Fehlender Kündigungsschutz (Konnten bei Klagen/Arbeitsausfällen gekündigt werden) Zu geringer Lohn (Steht nicht im Verhältnis zur geleisteten Arbeit) Zu lange Arbeitszeiten Hygienemangel Fehlende Privatsphäre Reform der Bauern zu der ihrer Befreiung von den Grundbesitzern ■ Bauern mussten Risiken wie Missernten nun selbst verantworten ■ Landflucht => Überangebot an Arbeitskräften (Konkurrenzkampf) => Niedrige Löhne => (Kinder- und Frauenarbeit zur Existenzsicherung/Mangelhafte Wohnverhältnisse => Psychische/Physische Belastungen) => Fehlende Bildungsmöglichkeiten => Massenverelendung => Überangebot von Arbeitskräften Lösungsansätze der Sozialen Frage O Werner Siemens (Unternehmer) ■ ▪ Einführung einer Pensionskasse (Wirtschaftliches Eigeninteresse) => Absicherung im Alter/Krankheitsfällen Kirche Der Arbeiterschaft ein Obdach bieten => Psychische Belastungen wird entgegengewirkt/Arbeiter werden zu tüchtigen Arbeitern => Weiterbildung wird ermöglicht O Sozialistische Arbeiterpartei Bessere Bezahlung der Arbeiter => Weiterbildung/Besserung der Wohnverhältnisse werden ermöglicht O Marx und Engels ▪ Abschaffung des kapitalistischen Systems durch revolutionären Aufstand der Arbeiter => Ausbeutung der Arbeiter findet ein Ende => Der Lohn steht im Verhältnis zu der geleisteten Arbeit Aufgabenstellung: 2. Klausur 2020/21 Geschichte, Grundkurs Interpretieren Sie die Quelle, indem Sie... 1. sie analysieren, (26 Punkte) 2. die Quelle in den historischen Zusammenhang einordnen und die Soziale Frage erläutern, (28 Punkte) 3. die Vorstellungen des Autors vor dem Hintergrund seiner Intention zur Sozialen Frage (26 Punkte) beurteilen. + 20 Punkte Darstellungsleistung. Materialgrundlage: Rede von Alfred Krupp an seine Angestellten, 11.02.1877 Aus: Wilhelm Berdow, Hg., Alfred Krupps Briefe 1826-887. Im Auftrage der Familie und der Firma Krupp, Berlin, 1928, S. 343-48. Abgedruckt in Ernst Schraepler, Hg., Quellen zur Geschichte der sozialen Frage in Deutschland. 1871 bis zur Gegenwart, Göttingen und Zürich, 1996, S. 99-103. Alfred Krupp (1812-1887) war ein führender Industrieller und Vorreiter des privaten Arbeiterwohnungsbaus im Kaiserreich. Zugelassene Hilfsmittel Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 10 15 20 25 30 35 Alfred Krupp in einer Rede an seine Angestellten Ich habe Kräfte gebraucht und solche engagiert, ich habe Ihnen den geforderten Lohn gezahlt, meistens ihre Stellung verbessert und, nach gesetzliche Bestimmungen, den Kontrakt¹ verlängert oder sie entlassen. Mancher hat die Fabrik verlassen, um anderswo sich zu verbessern, der eine ist gegangen und ein anderer hat die Stelle wieder besetzt, und wo ursprünglich drei Mann beschäftigt waren, standen später 15 000 [...]. Jeder hat nach seiner Kraft und nach seiner Fähigkeit seinen Lohn erhalten, und anstatt eines jeden konnte in den meisten Fällen auch ein anderer hingestellt werden, denn die Arbeiter haben nicht das Verdienst der Erfindungen und überall finden sich geschickte Arbeiter zum Ersatz. Es kann also keine Rede davon sein, dass irgend jemand einen besonderen Anspruch behalte außer solchem, (...) der in Steigerung des Lohnes und des Gehaltes besteht und immer Folge größerer Leistung ist. Die Apostel² der Sozialdemokraten suchen aber den bescheidensten Leuten durch ihre verführerischen Reden den Kopf zu verdrehen, und sie werden das Unglück von manchem Arbeiter verschulden, der ihnen Gehör schenkt und deshalb entlassen wird. [...] Ich habe den Mut gehabt, für die Verbesserung der Lage der Arbeiter Wohnungen zu bauen, worin bereits 20 000 Seelen untergebracht sind, ihnen Schulen zu gründen und Einrichtungen zu treffen zur billigen Beschaffung von allem Bedarf. Ich habe mich dadurch in eine Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden muss. Damit dies geschehen kann, muss jeder seine Schuldigkeit tun in Friede und Eintracht und in Übereinstimmung mit unsern Vorschriften. [...]Genießet, was Euch beschieden ist. Nach getaner Arbeit verbleibt im Kreise der Eurigen, bei den Eltern, bei der Frau und den Kindern und sinnt über Haushalt und Erziehung. Das sei Eure Politik, dabei werdet Ihr frohe Stunden erleben. Aber für die große Landespolitik erspart Euch die Aufregung. Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit und Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist. Ihr tut Eure Schuldigkeit, wenn Ihr durch Vertrauenspersonen empfohlene Leute erwählt. Ihr das Ruder der erreicht aber sicher nichts als Schaden, wenn Ihr eingreifen wollt gesetzlichen Ordnung. [...] Was ich nun hiermit ausgesprochen habe, möge jedem zur Aufklärung dienen über die Verhältnisse und deutlich machen, was er zu erwarten hat von Handlungen und Bestrebungen im Dienste des Sozialismus. Man erwärmt keine Schlange an seiner Brust und wer nicht von Herzen ergeben mit uns geht, wer unsern Ordnungen widerstrebt, der beeile sich auf anderen Boden zu kommen, denn seines Bleibens ist hier nicht. Es wird eine Bestimmung meines letzten Willens sein, dass stets mit Wohlwollen und Gerechtigkeit das Regiment geführt werden soll, aber äußerste Strenge soll gehandhabt werden gegen solche, die den Frieden stören wollen, und wenn bis jetzt mit großer Milde verfahren wurde, so möge das niemanden verleiten. 38 Ich schließe mit den besten Wünschen für alle. 1 Vertrag 2 Hier: diejenigen, die die Lehre des Sozialismus verbreiten Teilaufgabe 1 Teilaufgabe 2 1. Teilaufgabe: Anforderungen 6 Die Schülerin/ der Schüler 1 benennt in der Vorstellung der Quelle den Autor Alfred Krupp als 2 Industrieller und Vorreiter des privaten Arbeiterwohnungsbaus im Kaiserreich; und den Adressaten: Angestellte in seinen Unternehmen 2 bestimmt und charakterisiert sie als Quelle und die Quellengattung als 2 Rede (Primärquelle) 3 nennt als Zeitpunkt den 11.02.1877, die Hochphase der Industrialisierung (zweite Industrielle Revolution/zweite Phase der Industrialisierung; Aufstrebende Sozialdemokratie) 4 arbeitet das Thema der Quelle heraus: z.B. Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie, Darlegung der Rechte und Pflichten der Arbeiter 5 arbeitet die Absicht (Intention) heraus: Arbeiter von politischer Arbeit und Sozialismus abschrecken; Verdeutlichung seines patriarchalischen Anspruchs Gibt den Inhalt und Gedankengang des Textes wieder: ● 0 D maximal erreichbare Punktzahl Orientierung für eine 8 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Die Hauptaussagen des Textes werden, z. B. im textdurchschreitenden Verfahren, zutreffend zusammengefasst. Orientierung für eine 16 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Argumente und der Gedankengang der der Historikerin werden systematisch, detailliert und ohne sachliche Fehler beschrieben. Ggf.: erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium (2) erreichte Punktzahl: 2 2 Darlegung der guten Taten Krupps für seine Arbeiter, die dazu führen, dass das Unternehmen immer weiter wuchs (vgl. Z, 1-5) Jeder Arbeiter erhält seinen Leistungen entsprechenden Lohn, ist aber gleichzeitig jederzeit ersetzbar (vgl. Z. 6-11). Die Sozialdemokratie hat einen schädlichen Einfluss auf die Arbeiter, der unter Umständen zu Entlassungen führen kann (vgl. Z. 12-14). Dafür, dass Krupp den u.a. den sozialen Wohnungsbau vorangetrieben und ermöglicht hat, wird von den Arbeitern Gehorsam gefordert. Als Gegenleistung dafür, dass er sich- verschuldet habe, müssen sich die Arbeiter an seine Vorschriften halten (vgl. Z. 15-20). Krupp schreibt den Arbeitern vor, wie sie ihre Freizeit gestalten sollen, nämlich mit Frau, Kindern und anderen Arbeitern, die sich 16 über Haushalt und Erziehung austauschen. Das sei ihre Politik. Die Arbeiter sollen keine ,,Landespolitik" betreiben, sondern geeignete Leute wählen (vgl. Z. 21-28). Warnung vor dem Sozialismus: Die Arbeiter sollen sich an den Betrieb anpassen und Gehorsam leisten. Wer dem Sozialismus folgt, dem droht die sofortige Entlassung (vgl. Z. 29-37). Beendigung der Rede (vgl. Z. 38). 2 eher 4 26 1 2. Teilaufgabe: Erläuterung des historischen Kontextes Anforderungen Die Schülerin/ der Schüler ordnet die Quelle in den historischen Zusammenhang. Folgende Aspekte können z. B. angeführt werden: Anfänge der Industrialisierung: Die Industrialisierung Europas ging in der Mitte des 18. Jahrhunderts von Großbritannien aus. In der leichtindustriellen Phase dominierte die baumwollverarbeitende Textilindustrie. Im Zentrum der darauf folgenden schwerindustriellen Phase standen als Leitsektoren der Eisenbahnbau und die mit ihm verbundenen Industriezweige (der Steinkohlebergbau, der Maschinenbau, die Eisen- und Stahlindustrie). Merkmale der Industrialisierung in Deutschland Technische Neuerungen Fabriken mit Massenproduktion Entfaltung des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems Strukturwandel: Landwirtschaft verliert zugunsten der industriellen Produktion an Bedeutung Das gesellschaftliche System zur Zeit der Industrialisierung Klassengesellschaft Bürgertum setzt sich aus Wirtschaftsbürgern, Bildungsbürgern und Kleinbürgern zusammen Die Arbeiterschaft steht ganz unten in der Gesellschaftsordnung (Proletariat) Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter Unsichere Existenz der Arbeiter, ärmliche Wohnverhältnisse, Leben am Existenzminimum, niedrige Löhne Herausbildung der Sozialen Frage (Negative Begleiterscheinungen der Industrialisierung, vor allem Verelendung der Industriearbeiter) Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren schwierig Lärm, Schmutz, Licht- und Luftmangel, Hitze, Unfall- und Krankheitsrisiko Maschinen verlangten von Arbeitern einen exakt vorgeschriebenen Arbeitsrhythmus Anteil ungelernter Beschäftigter nahm zu (Landflucht); Überangebot an Arbeitskräften in den Industriezentren Enormer Produktionsdruck führte immer wieder zu Unfällen, v.a. im Bergbau; Arbeitszeiten um die 12-14 Stunden Reallöhne stiegen zwar an, aber langsamer als die Produktivität; Arbeiter bekamen mehr Freizeit, ihre Arbeit wurde aber verdichtet (mussten mehr in der Zeit schaffen); mehr Arbeitskontrollen Kinder- und Frauen mussten zusätzlich als billigere Arbeitskräfte arbeiten schnelle Kündigung in einer Fabrik möglich, keine Absicherung bei Krankheit und Arbeitsunfällen mangelhafte Wohnbedingungen (psychische und physische Belastung) fehlende Bildungsmöglichkeiten und Aufstiegsmöglichkeiten Folge: Verelendung von Massen (Arbeiterschicht) Vorschläge zur Lösung der Sozialen Frage Unternehmerlösungen/ betriebliche Sozialpolitik (Siemens): z. B. Pensions- und Krankenkassen, Wohnungen etc.; politische Lösungen (SPD/Marx und Engels, Lassalle), Kirche Orientierung für eine 8 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: drei Aspekte werden in Grundzügen erläutert und zur Quelle in Beziehung gesetzt. Die Darstellung enthält keine wesentlichen sachlichen Mängel und weist grundlegende historische Kenntnisse nach. Maximal erreichbare Punktzahl 16 2 3 1 Orientierung für eine 16 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: vier Aspekte werden auf der Grundlage breiter historischer Kenntnisse detailliert und zusammenhängend erläutert und sachgerecht auf die Quelle bezogen. Die Darstellung enthält keine sachlichen Fehler. Folgende Aspekte können z.B. aufgeführt werden: Definition der Sozialen Frage: Der Begriff Soziale Frage bezeichnet die sozialen Missstände, die mit der modernen europäischen Bevölkerungsexplosion und der Industriellen Revolution einhergingen, z.B. die Verelendung der Industriearbeiter (Z. 15 ,Verbesserung der Lage der Arbeiter") Untergeordnete Rolle der Arbeiter im gesellschaftlichen System: Arbeiter können ersetzt werden, denn sie sind nicht die Erfinder der Produktionen Aufgrund der Landflucht kam es dazu, dass es in den Städten ein großes Angebot an Arbeitskräften gab. Jeder Arbeiter ist deshalb gegen einen anderen ersetzbar, wenn er nicht die entsprechende Leistung erbringt (vgl. Z. 7-11). Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter: ärmliche Wohnsituation und geringe Löhne (Z. 10 ,,Steigerung des Lohnes und des Gehaltes"; Z. 15f: ... für die Verbesserung der Lage der Arbeiter Wohnungen (...) bauen". Pflicht der Arbeiter zum Gehorsam: Z. 18ff; Z. 32: ... wer nicht von Herzen ergeben mit uns geht, (...) der beeile sich auf anderen Boden zu kommen (...)" Schädlicher Einfluss der Sozialdemokratie: Soziale Aufruhr, Streiks und Sozialismus jeglicher Art stoßen auf klare Ablehnung und werden z.B. mit Entlassungen geahndet (Z. 12ff; Z. 30ff) Lösung der Sozialen Frage nach Engels/Marx: Z. 12f: ,,Die Apostel der Sozialdemokraten suchen aber den bescheidensten Leuten durch ihre verführerische Reden den Kopf zu verdrehen (...). verschiedene zeitgenössische Lösungsansätze von Seiten der Unternehmer, der Arbeiterschaft, der Kirche, des Staates Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Wesentliche Argumente werden in ihrer Bedeutung zutreffend erläutert und die These wird in ihrer Tendenz plausibel gedeutet. Die Darstellung enthält keine wesentlichen sachlichen Mängel. Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Zentrale Aspekte werden auf der Grundlage breiter historischer Kenntnisse detailliert und zusammenhängend erläutert und sachgerecht zum Text in Beziehung gesetzt. Die Darstellung enthält keine sachlichen Fehler. Erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium (4) Erreichte Punktzahl: 3. Teilaufgabe: Beurteilung der Quelle Anforderungen Der Prüfling beurteilt die Einschätzung des Autors. Denkbar sind z. B. Aussagen zu folgenden Aspekten: Zustimmung durch den Wohnungsbau etc. wird die Lage der Arbeiter augenscheinlich verbessert und das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbessert (Nutzen) Steigerung des Lohnes verbessert die finanzielle Lage der Arbeiter und bindet diese an das Unternehmen. So kann der Unternehmer sicher 12 28 Maximal erreichbare Punktzahl 26 3 sein, dass Unruhen und Streiks eher ausbleiben (Interesse seitens Unternehmers) Eine Steigerung des Gehaltes ist durch besonders gute Leistungen möglich. Relativierung Der Arbeiter darf sich nicht gegen den Betrieb auflehnen, da sonst die sofortige Kündigung droht. Bei zukünftigen misslichen Zuständen kann er also nicht einwirken. Dies ist eine radikale Einschränkung, die die Zukunft des Arbeiters evtl. auch verschlechtert (Nutzen) Der Arbeiter darf keine Politik betreiben und kann somit an seiner sozialen und gesellschaftlichen Stellung nichts ändern Der Arbeiter verpflichtet sich zu bedingungslosen Gehorsam und darf für seine eigenen Interessen nicht eintreten viele Probleme bleiben ungelöst: Arbeitsbedingungen, Kündigungsschutz, Rahmenbedingungen, wie Fünf-Tage Woche, 8 Stunden arbeiten am Tag usw. Fazit Der Prüfling gelangt zu einem eigenständigen Urteil. Orientierung für eine 13 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Der Prüfling gelangt zu einem eigenständigen Urteil, wobei zwei Teilaspekte berücksichtigt werden. Die Darstellung weist keine wesentlichen sachlichen Mängel auf und weist grundlegende historische Kenntnisse nach. Orientierung für eine 26 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Der Prüfling gelangt zu einem abwägenden Urteil, wobei drei Teilaspekte präzise, umfassend und differenziert berücksichtigt werden. Die Darstellung enthält keine sachlichen Fehler. Erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium (2) Erreichte Punktzahl: 26 b) Darstellungsleistung 1 2 3 4 5 sehr gut Anforderungen Der Prüfling strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u.a.) 3 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich 4 differenziert schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung sowie syntaktisch und stilistisch sicher. befriedigend + + 69-65 64-60 59-55 54-50 49-45 44-40 100-95 94-90 89-85 gut 84-80 79-75 74-70 Maxi errei Punl 5 ausreichend 4 4 39 Historischer Kontext - Industrialisierung (Text) Die vorliegende Quelle ist im Bezug auf die Industrialisierung zu sehen. Diese fand in England in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Ursprung. Hier dominierte die baumwollverarbeitende Textilindustrie. In den deutschen Fürstentürmern aber begann diese Revolution, aufgrund der bestehenden Zollgrenzen erst später. So begann sie hier ab etwa 1800. Ab 1830 begann, aufgrund der Gründung eines Zollvereins dann die erste industrielle Revolution. Aber auch diese lief nur begrenzt und schleichend ab. Bis 1850 nahm die Revolution dann auch in anderen Fürstentümern des heutigen Deutschlands an Fahrt auf. Diese Phase war besonders auf die Eisen- und Stahlindustrie und den Steinkohle- und Eisenbahnbau fokussiert. Hier wurden erstmals Maschinen in Betrieben eingesetzt. So wurde die Massenproduktion gefördert. Die zweite industrielle Revolution wurde besonders durch die Chemie- und Elektroindustrien geprägt und begann ab 1870. Hier wurden Öl und Elektrizität als neue Energiequellen genutzt. Im Jahr 1811 hatten die Bauern eine Reform gefordert, welche sie von ihren Grundbesitzern befreien sollte. Der Erfolg dieser Forderung hatte für sie aber auch zur Folge, dass sie Risiken wie Missernten nun selber verantworten mussten. Diese Gefahr veranlasste sie dazu in die Städte zu flüchten, wo sie ein großes Arbeitspotenzial erwartete. Dieser Prozess wird „Landflucht" genannt. Die Landflucht kann als Ursprung der schlechten Arbeitsbedingungen, und so auch der Sozialen Frage angesehen werden. Sie beschreibt den Kreislauf der Arbeiterschaft, welcher dieser keinen Ausweg aus dem finanziellen Existenzminimum bot. Denn durch die Landflucht, entstand ein Überangebot an Arbeitskräften in den Städten, welches wiederum zu niedrigen Löhnen führte. Da die Bildungsmöglichkeiten zu dieser Zeit meist kostenpflichtig waren, gab es keine Aufstiegschancen und die Armut der Arbeiterschaft blieb bestehen. Da sie den Großteil der Gesellschaft ausmachten kann man diesen Zustand als „Massenverelendung“ bezeichnen. So bleibt auch das Überangebot der Arbeitskräfte bestehen und der Kreislauf beginnt erneut.

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Anfänge der Industrialisierung
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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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Klausur 2020/21 Geschichte, Grundkurs Interpretieren Sie die Quelle, indem Sie... 1. sie analysieren, (26 Punkte) 2. die Quelle in den historischen Zusammenhang einordnen und die Soziale Frage erläutern, (28 Punkte) 3. die Vorstellungen des Autors vor dem Hintergrund seiner Intention zur Sozialen Frage (26 Punkte) beurteilen. + 20 Punkte Darstellungsleistung. Materialgrundlage: Rede von Alfred Krupp an seine Angestellten, 11.02.1877 Aus: Wilhelm Berdow, Hg., Alfred Krupps Briefe 1826-887. Im Auftrage der Familie und der Firma Krupp, Berlin, 1928, S. 343-48. Abgedruckt in Ernst Schraepler, Hg., Quellen zur Geschichte der sozialen Frage in Deutschland. 1871 bis zur Gegenwart, Göttingen und Zürich, 1996, S. 99-103. Alfred Krupp (1812-1887) war ein führender Industrieller und Vorreiter des privaten Arbeiterwohnungsbaus im Kaiserreich. 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Es kann also keine Rede davon sein, dass irgend jemand einen besonderen Anspruch behalte außer solchem, (...) der in Steigerung des Lohnes und des Gehaltes besteht und immer Folge größerer Leistung ist. Die Apostel² der Sozialdemokraten suchen aber den bescheidensten Leuten durch ihre verführerischen Reden den Kopf zu verdrehen, und sie werden das Unglück von manchem Arbeiter verschulden, der ihnen Gehör schenkt und deshalb entlassen wird. [...] Ich habe den Mut gehabt, für die Verbesserung der Lage der Arbeiter Wohnungen zu bauen, worin bereits 20 000 Seelen untergebracht sind, ihnen Schulen zu gründen und Einrichtungen zu treffen zur billigen Beschaffung von allem Bedarf. Ich habe mich dadurch in eine Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden muss. Damit dies geschehen kann, muss jeder seine Schuldigkeit tun in Friede und Eintracht und in Übereinstimmung mit unsern Vorschriften. [...]Genießet, was Euch beschieden ist. Nach getaner Arbeit verbleibt im Kreise der Eurigen, bei den Eltern, bei der Frau und den Kindern und sinnt über Haushalt und Erziehung. Das sei Eure Politik, dabei werdet Ihr frohe Stunden erleben. Aber für die große Landespolitik erspart Euch die Aufregung. Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit und Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist. Ihr tut Eure Schuldigkeit, wenn Ihr durch Vertrauenspersonen empfohlene Leute erwählt. Ihr das Ruder der erreicht aber sicher nichts als Schaden, wenn Ihr eingreifen wollt gesetzlichen Ordnung. [...] Was ich nun hiermit ausgesprochen habe, möge jedem zur Aufklärung dienen über die Verhältnisse und deutlich machen, was er zu erwarten hat von Handlungen und Bestrebungen im Dienste des Sozialismus. Man erwärmt keine Schlange an seiner Brust und wer nicht von Herzen ergeben mit uns geht, wer unsern Ordnungen widerstrebt, der beeile sich auf anderen Boden zu kommen, denn seines Bleibens ist hier nicht. Es wird eine Bestimmung meines letzten Willens sein, dass stets mit Wohlwollen und Gerechtigkeit das Regiment geführt werden soll, aber äußerste Strenge soll gehandhabt werden gegen solche, die den Frieden stören wollen, und wenn bis jetzt mit großer Milde verfahren wurde, so möge das niemanden verleiten. 38 Ich schließe mit den besten Wünschen für alle. 1 Vertrag 2 Hier: diejenigen, die die Lehre des Sozialismus verbreiten Teilaufgabe 1 Teilaufgabe 2 1. Teilaufgabe: Anforderungen 6 Die Schülerin/ der Schüler 1 benennt in der Vorstellung der Quelle den Autor Alfred Krupp als 2 Industrieller und Vorreiter des privaten Arbeiterwohnungsbaus im Kaiserreich; und den Adressaten: Angestellte in seinen Unternehmen 2 bestimmt und charakterisiert sie als Quelle und die Quellengattung als 2 Rede (Primärquelle) 3 nennt als Zeitpunkt den 11.02.1877, die Hochphase der Industrialisierung (zweite Industrielle Revolution/zweite Phase der Industrialisierung; Aufstrebende Sozialdemokratie) 4 arbeitet das Thema der Quelle heraus: z.B. Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie, Darlegung der Rechte und Pflichten der Arbeiter 5 arbeitet die Absicht (Intention) heraus: Arbeiter von politischer Arbeit und Sozialismus abschrecken; Verdeutlichung seines patriarchalischen Anspruchs Gibt den Inhalt und Gedankengang des Textes wieder: ● 0 D maximal erreichbare Punktzahl Orientierung für eine 8 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Die Hauptaussagen des Textes werden, z. B. im textdurchschreitenden Verfahren, zutreffend zusammengefasst. Orientierung für eine 16 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Argumente und der Gedankengang der der Historikerin werden systematisch, detailliert und ohne sachliche Fehler beschrieben. Ggf.: erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium (2) erreichte Punktzahl: 2 2 Darlegung der guten Taten Krupps für seine Arbeiter, die dazu führen, dass das Unternehmen immer weiter wuchs (vgl. Z, 1-5) Jeder Arbeiter erhält seinen Leistungen entsprechenden Lohn, ist aber gleichzeitig jederzeit ersetzbar (vgl. Z. 6-11). Die Sozialdemokratie hat einen schädlichen Einfluss auf die Arbeiter, der unter Umständen zu Entlassungen führen kann (vgl. Z. 12-14). Dafür, dass Krupp den u.a. den sozialen Wohnungsbau vorangetrieben und ermöglicht hat, wird von den Arbeitern Gehorsam gefordert. Als Gegenleistung dafür, dass er sich- verschuldet habe, müssen sich die Arbeiter an seine Vorschriften halten (vgl. Z. 15-20). Krupp schreibt den Arbeitern vor, wie sie ihre Freizeit gestalten sollen, nämlich mit Frau, Kindern und anderen Arbeitern, die sich 16 über Haushalt und Erziehung austauschen. Das sei ihre Politik. Die Arbeiter sollen keine ,,Landespolitik" betreiben, sondern geeignete Leute wählen (vgl. Z. 21-28). Warnung vor dem Sozialismus: Die Arbeiter sollen sich an den Betrieb anpassen und Gehorsam leisten. Wer dem Sozialismus folgt, dem droht die sofortige Entlassung (vgl. Z. 29-37). Beendigung der Rede (vgl. Z. 38). 2 eher 4 26 1 2. Teilaufgabe: Erläuterung des historischen Kontextes Anforderungen Die Schülerin/ der Schüler ordnet die Quelle in den historischen Zusammenhang. Folgende Aspekte können z. B. angeführt werden: Anfänge der Industrialisierung: Die Industrialisierung Europas ging in der Mitte des 18. Jahrhunderts von Großbritannien aus. In der leichtindustriellen Phase dominierte die baumwollverarbeitende Textilindustrie. Im Zentrum der darauf folgenden schwerindustriellen Phase standen als Leitsektoren der Eisenbahnbau und die mit ihm verbundenen Industriezweige (der Steinkohlebergbau, der Maschinenbau, die Eisen- und Stahlindustrie). Merkmale der Industrialisierung in Deutschland Technische Neuerungen Fabriken mit Massenproduktion Entfaltung des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems Strukturwandel: Landwirtschaft verliert zugunsten der industriellen Produktion an Bedeutung Das gesellschaftliche System zur Zeit der Industrialisierung Klassengesellschaft Bürgertum setzt sich aus Wirtschaftsbürgern, Bildungsbürgern und Kleinbürgern zusammen Die Arbeiterschaft steht ganz unten in der Gesellschaftsordnung (Proletariat) Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter Unsichere Existenz der Arbeiter, ärmliche Wohnverhältnisse, Leben am Existenzminimum, niedrige Löhne Herausbildung der Sozialen Frage (Negative Begleiterscheinungen der Industrialisierung, vor allem Verelendung der Industriearbeiter) Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren schwierig Lärm, Schmutz, Licht- und Luftmangel, Hitze, Unfall- und Krankheitsrisiko Maschinen verlangten von Arbeitern einen exakt vorgeschriebenen Arbeitsrhythmus Anteil ungelernter Beschäftigter nahm zu (Landflucht); Überangebot an Arbeitskräften in den Industriezentren Enormer Produktionsdruck führte immer wieder zu Unfällen, v.a. im Bergbau; Arbeitszeiten um die 12-14 Stunden Reallöhne stiegen zwar an, aber langsamer als die Produktivität; Arbeiter bekamen mehr Freizeit, ihre Arbeit wurde aber verdichtet (mussten mehr in der Zeit schaffen); mehr Arbeitskontrollen Kinder- und Frauen mussten zusätzlich als billigere Arbeitskräfte arbeiten schnelle Kündigung in einer Fabrik möglich, keine Absicherung bei Krankheit und Arbeitsunfällen mangelhafte Wohnbedingungen (psychische und physische Belastung) fehlende Bildungsmöglichkeiten und Aufstiegsmöglichkeiten Folge: Verelendung von Massen (Arbeiterschicht) Vorschläge zur Lösung der Sozialen Frage Unternehmerlösungen/ betriebliche Sozialpolitik (Siemens): z. B. Pensions- und Krankenkassen, Wohnungen etc.; politische Lösungen (SPD/Marx und Engels, Lassalle), Kirche Orientierung für eine 8 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: drei Aspekte werden in Grundzügen erläutert und zur Quelle in Beziehung gesetzt. Die Darstellung enthält keine wesentlichen sachlichen Mängel und weist grundlegende historische Kenntnisse nach. Maximal erreichbare Punktzahl 16 2 3 1 Orientierung für eine 16 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: vier Aspekte werden auf der Grundlage breiter historischer Kenntnisse detailliert und zusammenhängend erläutert und sachgerecht auf die Quelle bezogen. Die Darstellung enthält keine sachlichen Fehler. Folgende Aspekte können z.B. aufgeführt werden: Definition der Sozialen Frage: Der Begriff Soziale Frage bezeichnet die sozialen Missstände, die mit der modernen europäischen Bevölkerungsexplosion und der Industriellen Revolution einhergingen, z.B. die Verelendung der Industriearbeiter (Z. 15 ,Verbesserung der Lage der Arbeiter") Untergeordnete Rolle der Arbeiter im gesellschaftlichen System: Arbeiter können ersetzt werden, denn sie sind nicht die Erfinder der Produktionen Aufgrund der Landflucht kam es dazu, dass es in den Städten ein großes Angebot an Arbeitskräften gab. Jeder Arbeiter ist deshalb gegen einen anderen ersetzbar, wenn er nicht die entsprechende Leistung erbringt (vgl. Z. 7-11). Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter: ärmliche Wohnsituation und geringe Löhne (Z. 10 ,,Steigerung des Lohnes und des Gehaltes"; Z. 15f: ... für die Verbesserung der Lage der Arbeiter Wohnungen (...) bauen". Pflicht der Arbeiter zum Gehorsam: Z. 18ff; Z. 32: ... wer nicht von Herzen ergeben mit uns geht, (...) der beeile sich auf anderen Boden zu kommen (...)" Schädlicher Einfluss der Sozialdemokratie: Soziale Aufruhr, Streiks und Sozialismus jeglicher Art stoßen auf klare Ablehnung und werden z.B. mit Entlassungen geahndet (Z. 12ff; Z. 30ff) Lösung der Sozialen Frage nach Engels/Marx: Z. 12f: ,,Die Apostel der Sozialdemokraten suchen aber den bescheidensten Leuten durch ihre verführerische Reden den Kopf zu verdrehen (...). verschiedene zeitgenössische Lösungsansätze von Seiten der Unternehmer, der Arbeiterschaft, der Kirche, des Staates Orientierung für eine 6 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Wesentliche Argumente werden in ihrer Bedeutung zutreffend erläutert und die These wird in ihrer Tendenz plausibel gedeutet. Die Darstellung enthält keine wesentlichen sachlichen Mängel. Orientierung für eine 12 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Zentrale Aspekte werden auf der Grundlage breiter historischer Kenntnisse detailliert und zusammenhängend erläutert und sachgerecht zum Text in Beziehung gesetzt. Die Darstellung enthält keine sachlichen Fehler. Erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium (4) Erreichte Punktzahl: 3. Teilaufgabe: Beurteilung der Quelle Anforderungen Der Prüfling beurteilt die Einschätzung des Autors. Denkbar sind z. B. Aussagen zu folgenden Aspekten: Zustimmung durch den Wohnungsbau etc. wird die Lage der Arbeiter augenscheinlich verbessert und das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbessert (Nutzen) Steigerung des Lohnes verbessert die finanzielle Lage der Arbeiter und bindet diese an das Unternehmen. So kann der Unternehmer sicher 12 28 Maximal erreichbare Punktzahl 26 3 sein, dass Unruhen und Streiks eher ausbleiben (Interesse seitens Unternehmers) Eine Steigerung des Gehaltes ist durch besonders gute Leistungen möglich. Relativierung Der Arbeiter darf sich nicht gegen den Betrieb auflehnen, da sonst die sofortige Kündigung droht. Bei zukünftigen misslichen Zuständen kann er also nicht einwirken. Dies ist eine radikale Einschränkung, die die Zukunft des Arbeiters evtl. auch verschlechtert (Nutzen) Der Arbeiter darf keine Politik betreiben und kann somit an seiner sozialen und gesellschaftlichen Stellung nichts ändern Der Arbeiter verpflichtet sich zu bedingungslosen Gehorsam und darf für seine eigenen Interessen nicht eintreten viele Probleme bleiben ungelöst: Arbeitsbedingungen, Kündigungsschutz, Rahmenbedingungen, wie Fünf-Tage Woche, 8 Stunden arbeiten am Tag usw. Fazit Der Prüfling gelangt zu einem eigenständigen Urteil. Orientierung für eine 13 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Der Prüfling gelangt zu einem eigenständigen Urteil, wobei zwei Teilaspekte berücksichtigt werden. Die Darstellung weist keine wesentlichen sachlichen Mängel auf und weist grundlegende historische Kenntnisse nach. Orientierung für eine 26 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: Der Prüfling gelangt zu einem abwägenden Urteil, wobei drei Teilaspekte präzise, umfassend und differenziert berücksichtigt werden. Die Darstellung enthält keine sachlichen Fehler. Erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium (2) Erreichte Punktzahl: 26 b) Darstellungsleistung 1 2 3 4 5 sehr gut Anforderungen Der Prüfling strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u.a.) 3 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich 4 differenziert schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung sowie syntaktisch und stilistisch sicher. befriedigend + + 69-65 64-60 59-55 54-50 49-45 44-40 100-95 94-90 89-85 gut 84-80 79-75 74-70 Maxi errei Punl 5 ausreichend 4 4 39 Historischer Kontext - Industrialisierung (Text) Die vorliegende Quelle ist im Bezug auf die Industrialisierung zu sehen. Diese fand in England in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Ursprung. Hier dominierte die baumwollverarbeitende Textilindustrie. In den deutschen Fürstentürmern aber begann diese Revolution, aufgrund der bestehenden Zollgrenzen erst später. So begann sie hier ab etwa 1800. Ab 1830 begann, aufgrund der Gründung eines Zollvereins dann die erste industrielle Revolution. Aber auch diese lief nur begrenzt und schleichend ab. Bis 1850 nahm die Revolution dann auch in anderen Fürstentümern des heutigen Deutschlands an Fahrt auf. Diese Phase war besonders auf die Eisen- und Stahlindustrie und den Steinkohle- und Eisenbahnbau fokussiert. Hier wurden erstmals Maschinen in Betrieben eingesetzt. So wurde die Massenproduktion gefördert. Die zweite industrielle Revolution wurde besonders durch die Chemie- und Elektroindustrien geprägt und begann ab 1870. Hier wurden Öl und Elektrizität als neue Energiequellen genutzt. Im Jahr 1811 hatten die Bauern eine Reform gefordert, welche sie von ihren Grundbesitzern befreien sollte. Der Erfolg dieser Forderung hatte für sie aber auch zur Folge, dass sie Risiken wie Missernten nun selber verantworten mussten. Diese Gefahr veranlasste sie dazu in die Städte zu flüchten, wo sie ein großes Arbeitspotenzial erwartete. Dieser Prozess wird „Landflucht" genannt. Die Landflucht kann als Ursprung der schlechten Arbeitsbedingungen, und so auch der Sozialen Frage angesehen werden. Sie beschreibt den Kreislauf der Arbeiterschaft, welcher dieser keinen Ausweg aus dem finanziellen Existenzminimum bot. Denn durch die Landflucht, entstand ein Überangebot an Arbeitskräften in den Städten, welches wiederum zu niedrigen Löhnen führte. Da die Bildungsmöglichkeiten zu dieser Zeit meist kostenpflichtig waren, gab es keine Aufstiegschancen und die Armut der Arbeiterschaft blieb bestehen. Da sie den Großteil der Gesellschaft ausmachten kann man diesen Zustand als „Massenverelendung“ bezeichnen. So bleibt auch das Überangebot der Arbeitskräfte bestehen und der Kreislauf beginnt erneut.