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Quellenanalyse Predigt von Galens (03.08.1941)

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 II. WK
15
führt Grün-¹5
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Hier ist meine Quellenanalyse der Predigt von Galens (3. August 1941) :)

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II. WK 15 führt Grün-¹5 de auf, die Ich hatte bereits am 26. Juli bei der Provinzi- alverwaltung der Provinz Westfalen, der die Anstalten unterstehen, der die Kranken zur Pflege und Heilung anvertraut sind, schrift- 5 lich ernstesten Einspruch erhoben. Es hat nichts genützt. Der erste Transport der schuldlos zum Tode Verurteilten ist von Mariental abgegangen. Und aus der Heil- und Pflegeanstalt Warstein sind, wie ich 10 höre, bereits 800 (achthundert) Kranke abtransportiert. Zur Tötung führen dürften So müssen wir damit rechnen, dass die armen, wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden. Warum? Nicht weil sie ein todeswürdiges Verbrechen begangen haben, nicht etwa, weil sie ihren Wärter oder Pfleger angegriffen haben, so dass diesem nichts anderes übrig blieb, als dass er zur Erhaltung des eigenen Lebens in 20 gerechter Notwehr dem Angreifer entgegen- trat. Das sind Fälle, in denen neben der Tötung des bewaffneten Landesfeindes im gerechten Krieg Gewaltanwendung bis zur Tötung erlaubt und nicht selten geboten ist. Nein, hier handelt es sich um Menschen, unsere Mitmenschen, unsere Brüder und Schwestern-arme Menschen, kranke Men- schen - ,,unproduktive Menschen" meinet- wegen. Aber haben sie damit das Recht auf 30 das Leben verwirkt? Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, als wir produktiv sind, so lange wir als produktiv von andern anerkannt werden? Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den ,,unproduktiven Menschen" töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden! Wenn man...

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die ,,unproduktiven Menschen" gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unse- 40 ren braven Soldaten, die als Schwerkriegs- verletzte, als Krüppel, als Invaliden in die Heimat zurückkehren! kein Verbrechen, begangen, nur "unproduktiv" (krank) Jeder wird frü- her oder später "unproduletiva Sein Kirchlicher Widerstand 25 nur lechtrи leben wenn pro- auktiv? 35 M 10 Aus einer Predigt des katholischen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, vom 3. August 1941 zunächst auch nur arme, wehrlose Geistes- kranke betrifft, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den arbeits- unfähigen Krüpppeln, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigege- ben. Herbert Michaelis/Ernst Schraepler, Ursachen und Folgen, Bd. 19, Berlin (Wendler) 1975, S. 518 f. Wer kann noch Vertrauen haben zu einem Arzt? Vielleicht meldet er den Kran- ken als ,,unproduktiv" an und erhält die Anweisung, ihn zu töten. Es ist nicht auszu- denken, welche Verwilderung der Sitten, welch allgemein gegenseitiges Misstrauen 60 bis in die Familien getragen wird, wenn die- se furchtbare Lehre geduldet, angenommen und befolgt wird! Wehe den Menschen, wehe unserm deutschen Volke, wenn das heilige Gebot Gottes „Du sollst nicht töten", 65 das der Herr unter Donner und Blitz verkün- det hat, das Gott der Schöpfer von Anfang an in das Gewissen der Menschen getrieben hat, nicht nur übertreten, sondern wenn diese Übertretung sogar geduldet und unge- 70 straft ausgeübt wird! 50 Mord an allen wäre freigegeben Wenn einmal zugegeben wird, dass Men- schen das Recht haben, ,,unproduktive 45 Menschen" zu töten, und wenn es jetzt ↓ Folgen aufgeführt: Gesellschaftlicher context alte Menschen 55 1. Gib die formalen Aspekte wieder (Verfasser, Adressat, Zeitpunkt, Datum, Textart). →Kriegsverletzte zerstörtes Vertrauen, 2.B. Arzt + Familie → verwilderung / verrohung der Sitten nicht nur töten L> morden 2. Ordne die Quelle in den historischen Kontext ein und gib die Hauptabsichten des Bischofs in eigenen Worten wieder. 3. Bewerte das Verhalten und die Argumente von Galens (berücksichtige dabei dein Wissen zum Widerstand gegen das NS-Regime). Quellenanalyse Im nachfolgenden Text erstelle ich eine Quellenanalyse zum Themenbereich, Kirchlicher Widerstand. Meine Quelle heißt, MIO Aus einer Predigt des katholischen Bischhofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, vom 3. August 1941". Diese Quelle ist entnommen aus Herbert Michaelis / Ernst Schraebler, Ursachen und Folgen, Bd. 19, Berlin (Wenaller) 1975, S. 518 f. und wurde mir von meiner Geschichtslehrerin, zur Verfügung gestellt. Meine Quellenanalyse wird sich in folgende Sinnabschnitte gliedern: Zunächst werde ich die formalen Aspekte der Textquelle wiedergeben. Dann ordne ich die Quelle in den historischen Kontext ein und arbeite die Absichten des Bischofs von Galen heraus. Im Folgenden zeige ich auf, inwieweit der totalitäre politische und geistig-ideologische Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten für von Galen zur Herausforderung wurde. Dazu werde ich Argumente, die dem Text entnommen werden, erläuternd heranziehen. Schließlich füge ich der Quellenanalyse eine persönliche Bewertung bezogen auf das Verhalten und die Argumente von Galens an und schließe meine Analyse mit meiner Stellungnahme. 1) Formale Aspekte der Textquelle Bei der vorliegenden Text quelle handelt es sich um eine Predigt des katholischen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen. Diese ist mit dem Datum vom 3. August 1941 datiert. Anhand seines Sprachgebrauchs (rich", wir", „Gott der Schöpfer", das heilige Gebot Gottes) liegt es nahe, dass er sich im Rahmen eines Gottesdienstes an die versammelte Gemeinde, als deren Mitglied er sich auch selbst einschließt, wendet. " 2.1) Einordnung in den historischen Kontext Anhand der Datumsangabe wird ersichtlich, dass die Predigt während des zweiten Weltkriegs gehalten wurde. Die Zeit der Blitzkriege war bereits vorüber und der Vernichtungskrieg, wie er sich seit dem Angriff der deutschen Truppen auf die Sowjetunion abzeichnete, hatte bereits begonnen. Ebenso prägten bereits die Folgen der menschenverachtenden Rassen politik der Nationalsozialisten das gesellschaftliche Leben. Gleichschaltung auf der einen Seite und Selektion und Deportation auf der anderen Seite spiegelten das nationalsozialistische Menschenbild wieder. Aber es gab auch Widerstand gegen die Nationalsozialisten, der politisch, religiös oder ethisch motiviert war. Dieser Widerstand regte sich nicht nur in militärischen Kreisen (Kreis um Oberst Graf Schenk von Stauffenberg) und im studentischen Milieu (Weiße Rose), sondern auch auf kirchlicher Seite (z. B. Dietrich Bonhoeffer). 2.2) Aussageabsichten von Galens Mitten im Krieg, in dem die Bevölkerung täglich mit Todesnachrichten konfrontiert wird und der Ausschluss von Mitgliedern der Gesellschaft (2.B. Nürnberger Gesetze) zur Tages. ordnung gehört, erhebt Bischof von Galen vehement Einspruch gegen den Abtransport von wehrlosen Geisteskranken aus Heil- und Pflegeanstalten, um sie mutmaßlich in Vernich- tungslagern umzubringen. Er führt an, dass es sich bei diesen Kranken nicht um todeswürdige Verbrecher, sondern lediglich um Menschen handelt, die im national- Sozialistischen Sprachgebrauch als unproduktiv bezeichnet werden. Obwohl er den Begriff, unproduktiv aufgreift, spricht er doch deutlich aus, mit welchen Augen er die Kranken betrachtet. Er spricht davon, dass sie den Anstalten zur Pflege und Heilung anvertraut worden sind (2.4), an anderer Stelle sprichter von den Kranken als Mitmenschen, als Brüder und Schwestem (Z. 26 f.). " 3) Herausforderung für von Galen durch den totalitären politischen und geistig-ideologischen Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten Nach der Machtübemahme im Jahr 1933 bauten die Nationalsozialisten den Staat 4 nach ihren Vorstellungen um. Die Idee der Volksgemeinschaft" leitete dabei das Vorgehen. Ausgeschlossen von der Volksgemeinschaft waren neben Juden, Sinti und Roma auch körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen. Diese Gruppen wurden systematisch diskriminiert, entrechtet und auch ermordet. Die nationalsozialistische Vererbungs- und Rassenlehre war menschenverachtend: Das Ehegesundheitsgesetz" legalisierte " Zwangssterilisationen, um zu verhindern, dass erbkranke Kinder" zur Welt kommen. "( " "( 11 Unwertes Leben wurde auf Anordnung der Nationalsozialisten gefötet. Dies begann ab 1939 und ist unter dem Begriff, Euthanasie" bekannt. Dieser angeordneten Ermordung fielen ca. 200000 Menschen zum Opfer. Jedoch sind auch Proteste aus Kirchenkreisen gegen das Euthanasieprogramm bekannt. Eine dieser Stimmen war die des Bischofs von Galen. Ausgehend von seiner Überzeugung, dass , Gott der Schöpfer" dem Menschen das Gebot Du sollst nicht töten" gegeben hat, protestierte er lautstark von der Kanzel gegen den Transport der schuldlos zum Tode Verurteilten (2. 6. f.). Relevant erscheint in diesem Zusammenhang das Wort, schuldlos". Hier zeigt er, dass er der willkürlichen Sekung der Nationalsozialisten, was lebenswertes und lebensun- wertes Leben ist, widerspricht. Daraufhin führt er diesen Gedankengang weiter aus, indem er anführt, dass damit zu rechnen ist, dass die armen, wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden (z. 12 ff). Er bleibt jedoch nicht bei dieser Aussage alleine stehen, sondern zeigt auf, inwieweit der Begriff unproduktive Menschen" - als welche die Kranken von den Nationalsozialisten tituliert werden - einen gesellschaftlichen Sprengstoff in sich birgt. In der Gefahr, unproduktiveu werden, stehen alle. Da jeder altert, steht jeder " unweigerlich vor der Tatsache einmal alt und altersschwach und damit unproduktiv zu sein. Ebenso unproduktiv wären demnach auch die n • Soldaten, die als Schwerkriegsverletzte, als Krüppel, als Invaliden in die Heimat zurückkehren" (Z. 40 ff). Auch gegen die selektion, die der Euthanasie vorausgeht, findet er treffende Worte: Er spricht offen an, dass Vertrauen zer- stört wird, wenn man nicht sicher sein kann, ob ein Arzt, der sich eigentlich der Lebenserhaltung widmen soll, einen vielleicht als unproduktiv meldet und sogar die Anweisung zur Tötung erhält (vgl. 55 ff). Noch schärfer werden von Galens Worte, wenn er die Folgen der nationalsozialistischen Ideologie für das Rechts- bzw. Unrechtsempfinden der Menschen formuliert: Es ist nicht auszudenken, welche verwilderung der Sitten, welch allgemein gegenseitiges Misstrauen bis in die Familien getragen wird, wenn diese furchbare Lehre geduldet, ange- nommen und befolgt wird!" (Z. 58 ff.). "1 4) Persönliche Bewertung und abschließende Stellungnahme Mich überzeugen von Galens Argumente. Ich teile die Meinung, dass das Wort unproduktiv" früher oder später auf jeden einzelnen zutreffen wird, ob aufgrund einer Verletzung, einem Unfall oder auch einfach durch das Altern. Setzt man unproduktiv sein nun auch noch in Verbindung mit Tötung, spricht man das Todesurteil für die gesamte Bevölkerung aus, einschließlich sich selbst. Sicherlich sind diese Aussagen aus unserer heutigen Sicht leicht zu tätigen, damals jedoch stand von Galen in der akuten Gefahr für seine unver- schleierten Worte drastische Konsequenzen befürchten zu müssen. Dass dies и nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Vorgehen der Nationalsozialisten gegen andere Personen, die öffentlich widerstand geleistet haben. Als prominente Vertreter des kirchlischen Widerstandes sind u.a. Dietrich

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Vielleicht meldet er den Kran- ken als ,,unproduktiv" an und erhält die Anweisung, ihn zu töten. Es ist nicht auszu- denken, welche Verwilderung der Sitten, welch allgemein gegenseitiges Misstrauen 60 bis in die Familien getragen wird, wenn die- se furchtbare Lehre geduldet, angenommen und befolgt wird! Wehe den Menschen, wehe unserm deutschen Volke, wenn das heilige Gebot Gottes „Du sollst nicht töten", 65 das der Herr unter Donner und Blitz verkün- det hat, das Gott der Schöpfer von Anfang an in das Gewissen der Menschen getrieben hat, nicht nur übertreten, sondern wenn diese Übertretung sogar geduldet und unge- 70 straft ausgeübt wird! 50 Mord an allen wäre freigegeben Wenn einmal zugegeben wird, dass Men- schen das Recht haben, ,,unproduktive 45 Menschen" zu töten, und wenn es jetzt ↓ Folgen aufgeführt: Gesellschaftlicher context alte Menschen 55 1. Gib die formalen Aspekte wieder (Verfasser, Adressat, Zeitpunkt, Datum, Textart). →Kriegsverletzte zerstörtes Vertrauen, 2.B. Arzt + Familie → verwilderung / verrohung der Sitten nicht nur töten L> morden 2. Ordne die Quelle in den historischen Kontext ein und gib die Hauptabsichten des Bischofs in eigenen Worten wieder. 3. Bewerte das Verhalten und die Argumente von Galens (berücksichtige dabei dein Wissen zum Widerstand gegen das NS-Regime). Quellenanalyse Im nachfolgenden Text erstelle ich eine Quellenanalyse zum Themenbereich, Kirchlicher Widerstand. Meine Quelle heißt, MIO Aus einer Predigt des katholischen Bischhofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, vom 3. August 1941". Diese Quelle ist entnommen aus Herbert Michaelis / Ernst Schraebler, Ursachen und Folgen, Bd. 19, Berlin (Wenaller) 1975, S. 518 f. und wurde mir von meiner Geschichtslehrerin, zur Verfügung gestellt. Meine Quellenanalyse wird sich in folgende Sinnabschnitte gliedern: Zunächst werde ich die formalen Aspekte der Textquelle wiedergeben. Dann ordne ich die Quelle in den historischen Kontext ein und arbeite die Absichten des Bischofs von Galen heraus. Im Folgenden zeige ich auf, inwieweit der totalitäre politische und geistig-ideologische Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten für von Galen zur Herausforderung wurde. Dazu werde ich Argumente, die dem Text entnommen werden, erläuternd heranziehen. Schließlich füge ich der Quellenanalyse eine persönliche Bewertung bezogen auf das Verhalten und die Argumente von Galens an und schließe meine Analyse mit meiner Stellungnahme. 1) Formale Aspekte der Textquelle Bei der vorliegenden Text quelle handelt es sich um eine Predigt des katholischen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen. Diese ist mit dem Datum vom 3. August 1941 datiert. Anhand seines Sprachgebrauchs (rich", wir", „Gott der Schöpfer", das heilige Gebot Gottes) liegt es nahe, dass er sich im Rahmen eines Gottesdienstes an die versammelte Gemeinde, als deren Mitglied er sich auch selbst einschließt, wendet. " 2.1) Einordnung in den historischen Kontext Anhand der Datumsangabe wird ersichtlich, dass die Predigt während des zweiten Weltkriegs gehalten wurde. Die Zeit der Blitzkriege war bereits vorüber und der Vernichtungskrieg, wie er sich seit dem Angriff der deutschen Truppen auf die Sowjetunion abzeichnete, hatte bereits begonnen. Ebenso prägten bereits die Folgen der menschenverachtenden Rassen politik der Nationalsozialisten das gesellschaftliche Leben. Gleichschaltung auf der einen Seite und Selektion und Deportation auf der anderen Seite spiegelten das nationalsozialistische Menschenbild wieder. Aber es gab auch Widerstand gegen die Nationalsozialisten, der politisch, religiös oder ethisch motiviert war. Dieser Widerstand regte sich nicht nur in militärischen Kreisen (Kreis um Oberst Graf Schenk von Stauffenberg) und im studentischen Milieu (Weiße Rose), sondern auch auf kirchlicher Seite (z. B. Dietrich Bonhoeffer). 2.2) Aussageabsichten von Galens Mitten im Krieg, in dem die Bevölkerung täglich mit Todesnachrichten konfrontiert wird und der Ausschluss von Mitgliedern der Gesellschaft (2.B. Nürnberger Gesetze) zur Tages. ordnung gehört, erhebt Bischof von Galen vehement Einspruch gegen den Abtransport von wehrlosen Geisteskranken aus Heil- und Pflegeanstalten, um sie mutmaßlich in Vernich- tungslagern umzubringen. Er führt an, dass es sich bei diesen Kranken nicht um todeswürdige Verbrecher, sondern lediglich um Menschen handelt, die im national- Sozialistischen Sprachgebrauch als unproduktiv bezeichnet werden. Obwohl er den Begriff, unproduktiv aufgreift, spricht er doch deutlich aus, mit welchen Augen er die Kranken betrachtet. Er spricht davon, dass sie den Anstalten zur Pflege und Heilung anvertraut worden sind (2.4), an anderer Stelle sprichter von den Kranken als Mitmenschen, als Brüder und Schwestem (Z. 26 f.). " 3) Herausforderung für von Galen durch den totalitären politischen und geistig-ideologischen Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten Nach der Machtübemahme im Jahr 1933 bauten die Nationalsozialisten den Staat 4 nach ihren Vorstellungen um. Die Idee der Volksgemeinschaft" leitete dabei das Vorgehen. Ausgeschlossen von der Volksgemeinschaft waren neben Juden, Sinti und Roma auch körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen. Diese Gruppen wurden systematisch diskriminiert, entrechtet und auch ermordet. Die nationalsozialistische Vererbungs- und Rassenlehre war menschenverachtend: Das Ehegesundheitsgesetz" legalisierte " Zwangssterilisationen, um zu verhindern, dass erbkranke Kinder" zur Welt kommen. "( " "( 11 Unwertes Leben wurde auf Anordnung der Nationalsozialisten gefötet. Dies begann ab 1939 und ist unter dem Begriff, Euthanasie" bekannt. Dieser angeordneten Ermordung fielen ca. 200000 Menschen zum Opfer. Jedoch sind auch Proteste aus Kirchenkreisen gegen das Euthanasieprogramm bekannt. Eine dieser Stimmen war die des Bischofs von Galen. Ausgehend von seiner Überzeugung, dass , Gott der Schöpfer" dem Menschen das Gebot Du sollst nicht töten" gegeben hat, protestierte er lautstark von der Kanzel gegen den Transport der schuldlos zum Tode Verurteilten (2. 6. f.). Relevant erscheint in diesem Zusammenhang das Wort, schuldlos". Hier zeigt er, dass er der willkürlichen Sekung der Nationalsozialisten, was lebenswertes und lebensun- wertes Leben ist, widerspricht. Daraufhin führt er diesen Gedankengang weiter aus, indem er anführt, dass damit zu rechnen ist, dass die armen, wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden (z. 12 ff). Er bleibt jedoch nicht bei dieser Aussage alleine stehen, sondern zeigt auf, inwieweit der Begriff unproduktive Menschen" - als welche die Kranken von den Nationalsozialisten tituliert werden - einen gesellschaftlichen Sprengstoff in sich birgt. In der Gefahr, unproduktiveu werden, stehen alle. Da jeder altert, steht jeder " unweigerlich vor der Tatsache einmal alt und altersschwach und damit unproduktiv zu sein. Ebenso unproduktiv wären demnach auch die n • Soldaten, die als Schwerkriegsverletzte, als Krüppel, als Invaliden in die Heimat zurückkehren" (Z. 40 ff). Auch gegen die selektion, die der Euthanasie vorausgeht, findet er treffende Worte: Er spricht offen an, dass Vertrauen zer- stört wird, wenn man nicht sicher sein kann, ob ein Arzt, der sich eigentlich der Lebenserhaltung widmen soll, einen vielleicht als unproduktiv meldet und sogar die Anweisung zur Tötung erhält (vgl. 55 ff). Noch schärfer werden von Galens Worte, wenn er die Folgen der nationalsozialistischen Ideologie für das Rechts- bzw. Unrechtsempfinden der Menschen formuliert: Es ist nicht auszudenken, welche verwilderung der Sitten, welch allgemein gegenseitiges Misstrauen bis in die Familien getragen wird, wenn diese furchbare Lehre geduldet, ange- nommen und befolgt wird!" (Z. 58 ff.). "1 4) Persönliche Bewertung und abschließende Stellungnahme Mich überzeugen von Galens Argumente. Ich teile die Meinung, dass das Wort unproduktiv" früher oder später auf jeden einzelnen zutreffen wird, ob aufgrund einer Verletzung, einem Unfall oder auch einfach durch das Altern. Setzt man unproduktiv sein nun auch noch in Verbindung mit Tötung, spricht man das Todesurteil für die gesamte Bevölkerung aus, einschließlich sich selbst. Sicherlich sind diese Aussagen aus unserer heutigen Sicht leicht zu tätigen, damals jedoch stand von Galen in der akuten Gefahr für seine unver- schleierten Worte drastische Konsequenzen befürchten zu müssen. Dass dies и nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Vorgehen der Nationalsozialisten gegen andere Personen, die öffentlich widerstand geleistet haben. Als prominente Vertreter des kirchlischen Widerstandes sind u.a. Dietrich