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Klausur Psychosexuelle Entwicklungstheorie Freud

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Der Fall Jürgen Bartsch
"Bestie von Langenberg", „Teufel in Menschengestalt" - so titelt die Presse am Morgen des 22.
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Pädagogik Klausur über die Psychosexuellen Theorien nach Sigmund Freud

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5 10 15 20 25 30 Der Fall Jürgen Bartsch "Bestie von Langenberg", „Teufel in Menschengestalt" - so titelt die Presse am Morgen des 22. Juni 1966, nachdem die Polizei tags zuvor den 19-jährigen Metzgergesellen Jürgen Bartsch in der Wohnung seiner Adoptiveltern festgenommen hat. Am 8. Mai 1966 ging Bartsch auf eine Kirmes nach Essen-Schonnebeck. Dort sprach er den 11-jährigen Manfred Grassmann an. Unter dem Vorwand einen Schatz zu suchen, lockte er ihn in einen alten Luftschutzbunker. Dort angekommen, zwang er ihn sich auszuziehen. Bartsch nahm sexuelle Handlungen an seinem Opfer vor und erschlug es danach. Später nahm er ein Schlachtermesser und zerstückelte die Leiche. Am Sonnabend, dem 18. Juni 1966, streifte Bartsch auf der Suche nach einem neuen Opfer durch Wuppertal-Elbersfeld. Er fand es in Peter Freese. Bartsch brachte ihn in den Luftschutzbunker, wo er ihn mit Schlägen und Fußtritten dazu zwang, sich zu entkleiden. Er fesselte Freese und kündigte ihm an, er werde ihn töten. Danach verließ er den Bunker. Freese konnte sich von den Fesseln befreien und entkam. Eine Sonderkommission der Mordkommission Essen untersuchte daraufhin den Bunker. Man fand die Überreste von vier Kinderleichen. Die Suche nach dem Mörder begann. Bartsch konnte durch Hinweise aus der Bevölkerung verhaftet werden. Kein Serienmörder hat sich so offen zu seinen Taten geäußert, kein Sexualstraftäter wurde von so vielen Gutachtern untersucht wie Jürgen...

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Bartsch. Jürgen Bartsch wurde 1946 unehelich in Essen geboren. Kurz nach seiner Geburt starb seine Mutter an Tuberkulose. Die Fleischerfrau Bartsch hatte das Kind in der Klinik gesehen und sich in den Jungen verliebt. Ihre Ehe war kinderlos geblieben. Allerdings musste das Baby noch lange Zeit im Krankenhaus verbleiben. Die Krankenschwester Anni berichtet dazu folgendes: ,,Frau Bartsch hat extra bezahlt, damit das Baby hier bei uns bleiben konnte. Sie und ihr Mann wollten ihn adoptieren, aber die Behörden zögerten, weil sie Bedenken über die Herkunft des Kindes hatten. Die Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben, wer der Vater war, war unbekannt. Normalerweise schickten wir elternlose Kinder nach einer gewissen Zeit auf eine andere Station, aber Frau Bartsch wollte das nicht zulassen. Auf der anderen Station gab es ja alle möglichen Kinder, auch von asozialen Eltern. Ich erinnere mich noch heute, was das Kind für strahlende Augen hatte. Es lächelte früh, verfolgte, hob das Köpfchen, alles sehr früh. Einmal entdeckte er, dass eine Schwester kommen würde, wenn er auf einen Kopf drückte, und das machte ihm großen Spaß. Er hatte damals keine Essschwierigkeiten. Er war ein völlig normales, gediehenes, ansprechbares Kind." 35 40 45 50 55 60 Andererseits aber kamen früh pathogene¹ Entwicklungen. Die Schwestern auf der Station mussten Ausnahmemethoden erfinden, da ein so großes Kind selbst eine Ausnahme bildete. Die Schwestern haben das Baby schon mit weniger als elf Monaten ,sauber' bekommen. Schwester Anni: „Vergessen Sie bitte nicht, wie das damals war, nur ein Jahr nach einem verlorenen Krieg. Es gab überhaupt keinen Schichtwechsel für uns." Die Fragen, wie sie und ihre Kolleginnen das geschafft hätten, beantwortete Schwester Anni ein bisschen ungeduldig. ,,Wir haben ihn einfach auf das Töpfchen gesetzt. Das fing mit sechs oder sieben Monaten an. Wir hatten Kinder hier im Krankenhaus, die schon mit elf Monaten laufen konnten, und auch sie waren schon fast,sauber'." Nach elf langen Monaten dieser pathogenen Existenz kam das Kind zu den Adoptiveltern Bartsch. Jedem, der Frau Bartsch näher kennt, fällt auf, dass sie ein ,Putzteufel' ist. Kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde das Baby aus seiner anomal frühen ,Sauberkeit' rückfällig. Das ekelte Frau Bartsch an. Bekannte der Familie Bartsch sahen damals, dass das Baby immer wieder Blutergüsse hatte. Frau Bartsch brachte jedes Mal eine neue Erklärung für die Flecken, aber sie wirkten wenig überzeugend. Mindestens einmal während jener Zeit hat der bedrückte Vater Gerhard Bartsch einem Freund anvertraut, dass er eine Scheidung erwäge: „Sie schlägt das Kind so, ich vertrage es einfach nicht mehr." Auch als Kind durfte Jürgen Bartsch sich nicht dreckig machen und nicht mit anderen Kindern spielen. Noch als 19-Jähriger wurde er von seiner Adoptivmutter in der Badewanne gewaschen. ,,Das mit dem Baden hat sich so eingebürgert. Meine Mutter hatte mich immer gebadet. Sie hat nie damit aufgehört, und ich habe nie gemerkt, obwohl ich gerne mal gesagt hätte: ,Nun, Gott...'. Aber ich weiß es nicht, es ist genau so gut möglich, dass ich das bis zum Schluss als selbstverständlich ansah. Ob ich das Ganze absonderlich fand? Das ist ein Gefühl, das periodisch für Sekunden oder Minuten aufkommt und vielleicht nahe dran ist, durchzubrechen, aber es kommt nicht ganz bis zur Oberfläche. Ich habe das empfunden, aber nicht direkt. Ich habe das nur indirekt empfunden, wenn man etwas überhaupt indirekt empfinden kann." Mit zehn Jahren kam er in ein Heim. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wohl, doch seine Eltern waren der Ansicht, dort ginge es zu leger zu. Sie steckten ihn daraufhin in ein katholisches Internat. Hier herrschten Zucht und Ordnung. Besonders streng ahndete man homosexuelle Kontakte unter den Zöglingen. Bartsch, der mit 13 Jahren sein erstes homosexuelles Erlebnis hatte, musste nun mit der von ihm selbst als abartig empfundenen Sexualität fertigwerden, was ihm nie gelang. Krankheiten verursachend Aufgaben: 1. Fassen Sie den Inhalt des Falls Jürgen Bartsch strukturiert zusammen. (20 Punkte) 2. Analysieren Sie die möglichen Ursachen für die Entwicklung von Jürgen Bartsch mithilfe der psychoanalytischen Theorie von Sigmund Freud. (36 Punkte) 3. Entwickeln Sie mögliche alternative Handlungsoptionen, mit denen die Adoptiveltern die Entwicklung von Jürgen Bartsch besser gefördert hätten. (24 Punkte) Operator zusammenfassen die Kernaussagen eines Textes oder anderen Materials strukturiert und komprimiert darlegen (AFB I) Sachverhalte und Zusammenhänge in ihren Einzelaspekten nach vorgegebenen oder selbst gewählten Kriterien darstellen Handlungsoptionen begründete Handlungskonsequenzen zu einer Fallstudie entwerfen analysieren Definition entwickeln Quelle: Dorlöchter, Heinz & Stiller, Edwin (2017): Phoenix. Der etwas andere Weg zur Pädagogik. Band 2. Braunschweig: Westermann, S. 98-99 (verändert). Viel Glück und Erfolg! Klausurthema: Entwicklung. Sozialisation und Erziehung: Freud Q1.1 PA 1. Klausur (2021/2022) Name: A) Inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen Der Prüfling... formuliert einen Einleitungssatz mit Autor, Titel und Erscheinungsjahr fasst den Inhalt des Textes strukturiert zusammen, z.B.: ● ● ● 1. Abschnitt (Z. 1-15) o Jürgen Bartsch ist ein Serienmörder aus den 60er Jahren J.B. hat mehrere Kinder sexuell missbraucht und ermordet O 2. Abschnitt (Z. 16-31) O O im Folgenden: Beleuchtung der Entwicklung von J.B. 1946 unehelich geboren, Mutter stirbt bei Geburt, Vater unbekannt J.B. wird von dem Ehepaar Bartsch adoptiert (muss allerdings zunächst noch längere Zeit im Krankenhaus verbringen Frau Bartsch wollte nicht, dass J.B. auf eine andere Station verlegt wurde, sodass er auf der Neugeborenen-Station gelebt hat, bis er 11 Monate alt war nach der Geburt war J.B. ein normal entwickeltes Baby 3. Abschnitt (Z. 32-39) O mit 6 oder 7 Monaten haben die Krankenschwestern J.B. auf das Töpfchen gesetzt, mit 11 Monaten war er sauber 4. Abschnitt (Z. 40-47) O O Frau Bartsch ist sehr auf Sauberkeit bedacht J.B. macht sich wieder in die Hose für Frau Bartsch problematisch Frau Bartsch schlägt J.B. 5. Abschnitt (Z. 48-56) O O O J.B. durfte sich nicht dreckig machen Frau Bartsch wäscht J.B. noch als 19-jährigen Jungen J.B. weiß selbst nicht genau, wie das Waschen in hohem Alter einzuschätzen ist: er hat es auf der einen Seite als selbstverständlich angesehen und auf der anderen Seite fand er es merkwürdig, dieses Gefühl hat sich aber nie wirklich bis zu seinem expliziten Empfinden durchgesetzt 6. Abschnitt (Z. 57-62) mit 10 Jahren lebt J.B. in einem sehr strengen katholischen Internat, in dem seine homosexuelle Neigung stark sanktioniert wurde o J.B. empfindet seine Homosexualität selbst als abartig und entwickelt nie ein Verhältnis zu seiner sexuellen Orientierung erfüllt ein weiteres, aufgabenbezogenes Kriterium Summe Teilaufgabe 1 29.09.2021 Err. Maximal erreichb. Punkte Punkte (AFB) 4 (1) 16 (1) 20 2 16 18 Teilaufgabe 2 Anforderungen Der Prüfling... leitet der Aufgabenstellung entsprechend ein erläutert grundlegende Aspekte des Instanzenmodells von Freud, z. B.: Einteilung in die 3 Instanzen: Über-Ich: Normen, Werte erläutert die für die Analyse des Fallbeispiels wichtigen Aspekte des psychosexuellen Entwicklungsmodells von Freud, z.B.: orale Phase (0-1 J.) O Mund, Lippen, Zunge O Entwöhnung anale Phase (2-3 J.) Anus Es: Bedürfnisse, Triebe Ich: Vermittler zwischen Es und Über-Ich O O Sauberkeitserziehung genitale Phase (13-18 J.) Genitalien O Reife sexuelle Intimität erläutert die für die Analyse des Fallbeispiels wichtigen Aspekte der Abwehrmechanismen, z. B.: meist unbewusste Schutzmaßnahme zur Abwehr von Konflikten O verschiedene Abwehrmechanismen: Fixierung, Regression, Reaktionsbildung, Verdrängung, etc. analysiert J.B.s Verhalten mithilfe des Instanzenmodells von Freud, z.B.: Bedürfnisse des Es werden zurückgedrängt Homosexualität kann nicht befriedigt werden →vgl. Z. 59ff. sehr starkes Über-Ich durch Ge- und Verbote O J.B. darf sich nicht dreckig machen → vgl. Z. 48 Instanzen stehen nicht in einem ausbalancierten Gleichgewicht zueinander analysiert J.B.s Verhalten mithilfe psychosexuellen Entwicklungsmodells von Freud, Z.B.: O O O Sauberkeitserziehung beginnt verfrüht noch mitten in der oralen Phase anale Phase: die Krankenschwestern stehen unter enormen Druck und beginnen bereits mit 6/7 Monaten mit der Sauberkeitserziehung → vgl. Z. 36f. rabiate Methoden: Krankenschwestern haben J.B. aufs Töpfchen gesetzt und so lange gewartet, bis er etwas ausgeschieden hat → vgl. Z. 38 J.B. ist bereits mit weniger als 11 Monaten sauber (vgl. 34) → deutlich verfrüht orale Phase: J.B. hat keine ,,Essschwierigkeiten“ (Z. 31) allerdings berichtet Schwester Anni von einem sehr stressigen Alltag (vgl. 35f.) → es ist also davon auszugehen, dass auch die Entwöhnung mit ähnlich rabiaten Mitteln vonstattenging wie die Sauberkeitserziehung (vgl. Z. 37f.) O genitale Phase: J.B. kann keine reife sexuelle Intimität ausbilden die Adoptivmutter wäscht J.B. noch bis ins hohe Alter → vgl. Z. 49 seine sexuelle Orientierung wird streng unterdrückt und er kann seine sexuellen Treibe nicht ausleben →vgl. Z. 60ff. Err. Maximal erreichb. Punkte Punkte (AFB) 2 (11) 3 (11) 9 (11) 2 (11) 4 (11) 12 (11) 2 o col 2 8

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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

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Bartsch. Jürgen Bartsch wurde 1946 unehelich in Essen geboren. Kurz nach seiner Geburt starb seine Mutter an Tuberkulose. Die Fleischerfrau Bartsch hatte das Kind in der Klinik gesehen und sich in den Jungen verliebt. Ihre Ehe war kinderlos geblieben. Allerdings musste das Baby noch lange Zeit im Krankenhaus verbleiben. Die Krankenschwester Anni berichtet dazu folgendes: ,,Frau Bartsch hat extra bezahlt, damit das Baby hier bei uns bleiben konnte. Sie und ihr Mann wollten ihn adoptieren, aber die Behörden zögerten, weil sie Bedenken über die Herkunft des Kindes hatten. Die Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben, wer der Vater war, war unbekannt. Normalerweise schickten wir elternlose Kinder nach einer gewissen Zeit auf eine andere Station, aber Frau Bartsch wollte das nicht zulassen. Auf der anderen Station gab es ja alle möglichen Kinder, auch von asozialen Eltern. Ich erinnere mich noch heute, was das Kind für strahlende Augen hatte. Es lächelte früh, verfolgte, hob das Köpfchen, alles sehr früh. Einmal entdeckte er, dass eine Schwester kommen würde, wenn er auf einen Kopf drückte, und das machte ihm großen Spaß. Er hatte damals keine Essschwierigkeiten. Er war ein völlig normales, gediehenes, ansprechbares Kind." 35 40 45 50 55 60 Andererseits aber kamen früh pathogene¹ Entwicklungen. Die Schwestern auf der Station mussten Ausnahmemethoden erfinden, da ein so großes Kind selbst eine Ausnahme bildete. Die Schwestern haben das Baby schon mit weniger als elf Monaten ,sauber' bekommen. Schwester Anni: „Vergessen Sie bitte nicht, wie das damals war, nur ein Jahr nach einem verlorenen Krieg. Es gab überhaupt keinen Schichtwechsel für uns." Die Fragen, wie sie und ihre Kolleginnen das geschafft hätten, beantwortete Schwester Anni ein bisschen ungeduldig. ,,Wir haben ihn einfach auf das Töpfchen gesetzt. Das fing mit sechs oder sieben Monaten an. Wir hatten Kinder hier im Krankenhaus, die schon mit elf Monaten laufen konnten, und auch sie waren schon fast,sauber'." Nach elf langen Monaten dieser pathogenen Existenz kam das Kind zu den Adoptiveltern Bartsch. Jedem, der Frau Bartsch näher kennt, fällt auf, dass sie ein ,Putzteufel' ist. Kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde das Baby aus seiner anomal frühen ,Sauberkeit' rückfällig. Das ekelte Frau Bartsch an. Bekannte der Familie Bartsch sahen damals, dass das Baby immer wieder Blutergüsse hatte. Frau Bartsch brachte jedes Mal eine neue Erklärung für die Flecken, aber sie wirkten wenig überzeugend. Mindestens einmal während jener Zeit hat der bedrückte Vater Gerhard Bartsch einem Freund anvertraut, dass er eine Scheidung erwäge: „Sie schlägt das Kind so, ich vertrage es einfach nicht mehr." Auch als Kind durfte Jürgen Bartsch sich nicht dreckig machen und nicht mit anderen Kindern spielen. Noch als 19-Jähriger wurde er von seiner Adoptivmutter in der Badewanne gewaschen. ,,Das mit dem Baden hat sich so eingebürgert. Meine Mutter hatte mich immer gebadet. Sie hat nie damit aufgehört, und ich habe nie gemerkt, obwohl ich gerne mal gesagt hätte: ,Nun, Gott...'. Aber ich weiß es nicht, es ist genau so gut möglich, dass ich das bis zum Schluss als selbstverständlich ansah. Ob ich das Ganze absonderlich fand? Das ist ein Gefühl, das periodisch für Sekunden oder Minuten aufkommt und vielleicht nahe dran ist, durchzubrechen, aber es kommt nicht ganz bis zur Oberfläche. Ich habe das empfunden, aber nicht direkt. Ich habe das nur indirekt empfunden, wenn man etwas überhaupt indirekt empfinden kann." Mit zehn Jahren kam er in ein Heim. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wohl, doch seine Eltern waren der Ansicht, dort ginge es zu leger zu. Sie steckten ihn daraufhin in ein katholisches Internat. Hier herrschten Zucht und Ordnung. Besonders streng ahndete man homosexuelle Kontakte unter den Zöglingen. Bartsch, der mit 13 Jahren sein erstes homosexuelles Erlebnis hatte, musste nun mit der von ihm selbst als abartig empfundenen Sexualität fertigwerden, was ihm nie gelang. Krankheiten verursachend Aufgaben: 1. Fassen Sie den Inhalt des Falls Jürgen Bartsch strukturiert zusammen. (20 Punkte) 2. Analysieren Sie die möglichen Ursachen für die Entwicklung von Jürgen Bartsch mithilfe der psychoanalytischen Theorie von Sigmund Freud. (36 Punkte) 3. Entwickeln Sie mögliche alternative Handlungsoptionen, mit denen die Adoptiveltern die Entwicklung von Jürgen Bartsch besser gefördert hätten. (24 Punkte) Operator zusammenfassen die Kernaussagen eines Textes oder anderen Materials strukturiert und komprimiert darlegen (AFB I) Sachverhalte und Zusammenhänge in ihren Einzelaspekten nach vorgegebenen oder selbst gewählten Kriterien darstellen Handlungsoptionen begründete Handlungskonsequenzen zu einer Fallstudie entwerfen analysieren Definition entwickeln Quelle: Dorlöchter, Heinz & Stiller, Edwin (2017): Phoenix. Der etwas andere Weg zur Pädagogik. Band 2. Braunschweig: Westermann, S. 98-99 (verändert). Viel Glück und Erfolg! Klausurthema: Entwicklung. Sozialisation und Erziehung: Freud Q1.1 PA 1. Klausur (2021/2022) Name: A) Inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen Der Prüfling... formuliert einen Einleitungssatz mit Autor, Titel und Erscheinungsjahr fasst den Inhalt des Textes strukturiert zusammen, z.B.: ● ● ● 1. Abschnitt (Z. 1-15) o Jürgen Bartsch ist ein Serienmörder aus den 60er Jahren J.B. hat mehrere Kinder sexuell missbraucht und ermordet O 2. Abschnitt (Z. 16-31) O O im Folgenden: Beleuchtung der Entwicklung von J.B. 1946 unehelich geboren, Mutter stirbt bei Geburt, Vater unbekannt J.B. wird von dem Ehepaar Bartsch adoptiert (muss allerdings zunächst noch längere Zeit im Krankenhaus verbringen Frau Bartsch wollte nicht, dass J.B. auf eine andere Station verlegt wurde, sodass er auf der Neugeborenen-Station gelebt hat, bis er 11 Monate alt war nach der Geburt war J.B. ein normal entwickeltes Baby 3. Abschnitt (Z. 32-39) O mit 6 oder 7 Monaten haben die Krankenschwestern J.B. auf das Töpfchen gesetzt, mit 11 Monaten war er sauber 4. Abschnitt (Z. 40-47) O O Frau Bartsch ist sehr auf Sauberkeit bedacht J.B. macht sich wieder in die Hose für Frau Bartsch problematisch Frau Bartsch schlägt J.B. 5. Abschnitt (Z. 48-56) O O O J.B. durfte sich nicht dreckig machen Frau Bartsch wäscht J.B. noch als 19-jährigen Jungen J.B. weiß selbst nicht genau, wie das Waschen in hohem Alter einzuschätzen ist: er hat es auf der einen Seite als selbstverständlich angesehen und auf der anderen Seite fand er es merkwürdig, dieses Gefühl hat sich aber nie wirklich bis zu seinem expliziten Empfinden durchgesetzt 6. Abschnitt (Z. 57-62) mit 10 Jahren lebt J.B. in einem sehr strengen katholischen Internat, in dem seine homosexuelle Neigung stark sanktioniert wurde o J.B. empfindet seine Homosexualität selbst als abartig und entwickelt nie ein Verhältnis zu seiner sexuellen Orientierung erfüllt ein weiteres, aufgabenbezogenes Kriterium Summe Teilaufgabe 1 29.09.2021 Err. Maximal erreichb. Punkte Punkte (AFB) 4 (1) 16 (1) 20 2 16 18 Teilaufgabe 2 Anforderungen Der Prüfling... leitet der Aufgabenstellung entsprechend ein erläutert grundlegende Aspekte des Instanzenmodells von Freud, z. B.: Einteilung in die 3 Instanzen: Über-Ich: Normen, Werte erläutert die für die Analyse des Fallbeispiels wichtigen Aspekte des psychosexuellen Entwicklungsmodells von Freud, z.B.: orale Phase (0-1 J.) O Mund, Lippen, Zunge O Entwöhnung anale Phase (2-3 J.) Anus Es: Bedürfnisse, Triebe Ich: Vermittler zwischen Es und Über-Ich O O Sauberkeitserziehung genitale Phase (13-18 J.) Genitalien O Reife sexuelle Intimität erläutert die für die Analyse des Fallbeispiels wichtigen Aspekte der Abwehrmechanismen, z. B.: meist unbewusste Schutzmaßnahme zur Abwehr von Konflikten O verschiedene Abwehrmechanismen: Fixierung, Regression, Reaktionsbildung, Verdrängung, etc. analysiert J.B.s Verhalten mithilfe des Instanzenmodells von Freud, z.B.: Bedürfnisse des Es werden zurückgedrängt Homosexualität kann nicht befriedigt werden →vgl. Z. 59ff. sehr starkes Über-Ich durch Ge- und Verbote O J.B. darf sich nicht dreckig machen → vgl. Z. 48 Instanzen stehen nicht in einem ausbalancierten Gleichgewicht zueinander analysiert J.B.s Verhalten mithilfe psychosexuellen Entwicklungsmodells von Freud, Z.B.: O O O Sauberkeitserziehung beginnt verfrüht noch mitten in der oralen Phase anale Phase: die Krankenschwestern stehen unter enormen Druck und beginnen bereits mit 6/7 Monaten mit der Sauberkeitserziehung → vgl. Z. 36f. rabiate Methoden: Krankenschwestern haben J.B. aufs Töpfchen gesetzt und so lange gewartet, bis er etwas ausgeschieden hat → vgl. Z. 38 J.B. ist bereits mit weniger als 11 Monaten sauber (vgl. 34) → deutlich verfrüht orale Phase: J.B. hat keine ,,Essschwierigkeiten“ (Z. 31) allerdings berichtet Schwester Anni von einem sehr stressigen Alltag (vgl. 35f.) → es ist also davon auszugehen, dass auch die Entwöhnung mit ähnlich rabiaten Mitteln vonstattenging wie die Sauberkeitserziehung (vgl. Z. 37f.) O genitale Phase: J.B. kann keine reife sexuelle Intimität ausbilden die Adoptivmutter wäscht J.B. noch bis ins hohe Alter → vgl. Z. 49 seine sexuelle Orientierung wird streng unterdrückt und er kann seine sexuellen Treibe nicht ausleben →vgl. Z. 60ff. Err. Maximal erreichb. Punkte Punkte (AFB) 2 (11) 3 (11) 9 (11) 2 (11) 4 (11) 12 (11) 2 o col 2 8