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Deutsch Abitur alle Themen

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 1.1 Grenzerfahrungen und Grenzüberschreitungen in lyrischen Texten zum Thema
,,unterwegs sein" aus unterschiedlichen historischen Kontexten

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1.1 Grenzerfahrungen und Grenzüberschreitungen in lyrischen Texten zum Thema ,,unterwegs sein" aus unterschiedlichen historischen Kontexten (vom Barock bis zur Gegenwart) MOTIVE BAROCK (ca. 1600-1720) Reales Unterwegssein Sehnsucht, Fernweh, Heimweh Auswanderung, Flucht und Exil Zug- und Autofahrten Unterwegssein als Entwick- lungsprozess Unterwegs sein - Themen und Motive in der Lyrik Wanderschaft, Spaziergänge • Bildungsreisen, Kriegszüge,,„,Berufsreisen", Pilgerfahrten, Handelsreisen eher begrenzt auf kleine Schicht, aber vermehrt auch weniger Wohlhabende als Reisebegleiter • Selbstreflexion als Folge der Reise • satirische Reisedichtung, z. B. Verspottung von an Bildung uninteressierten Reisenden häufige Motive: ,,Sehnsuchts- land" Italien Aufbruch, Ankunft, Heimkehr Literarische Verarbeitung • Gedichte über das Reisen an sich, aber auch über bereiste Orte, Landschaften, Städte und Sehenswürdigkeiten meist bewundernde Darstellung des Fremden, nur teilweise Kritik und Vorurteile • oft wenig konkrete Schilderungen von Reiseeindrücken oder Landschaften, sondern Verwendung poetischer und rhetorischer Muster O exotische Landschaften oder Orte als Vergleichsmaterial, z. B. mit der Geliebten BEISPIELGEDICHT: Paul Fleming, Er redet die Stadt Moskau an / als er ihre vergüldeten Türme von Fernen sahe. (1636) -› Erinnerung an die Geliebte durch die Schönheit der Stadt Moskau Unterwegssein als Lebensreise • Suche nach Abstand und Einsamkeit, um fernab der Zivilisation zu Gott zu finden BEISPIELGEDICHT: Andreas Gryphius, Einsamkeit (1650) -> Erkenntnis, dass ohne Gott nichts Bestand hat • Reise als Gefahr: Thematisierung der Begleitumstände des Reisens -› Beschwörung von Gottvertrauen -> Gott als Retter BEISPIELGEDICHT: Paul Fleming, Als einer von seiner Liebsten verreisete (1636) -> Annahme des auferlegten Schicksals im Vertrauen auf den Schutz...

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Gottes daheim und in der Fremde bevorzugte Gattungen: Lehrgedicht, Satire ○ Unterwegssein als Metapher für das Leben -> Ankunft = Tod und Einkehr ins Paradies BEISPIELGEDICHT: Andreas Gryphius, An die Welt (1658) -> Ende der Reise als Ankunft bei Gott O Reise als Suche nach Heimat, Liebe, Gott Literarische Verarbeitung • Wandern mit dem Ziel, der Natur und dem Menschen näherzukommen Hinwendung zum Diesseits Gegensatz des Lebens in der Stadt (Kultur) und Unterwegssein auf dem Land (Natur) Langsamkeit, um die Welt genau und intensiv wahrzunehmen Pilgerreise als Entsprechung zum Lebensweg Alpen als natürlicher Gegensatz zu Dekadenz der Zivilisation AUFKLÄRUNG (ca. 1720-1800) Reales Unterwegssein • Reisen zum Zweck der Bildung zum Erwerb von Welt- und Menschenkenntnis, zur Horizonterweiterung für das gehobene Bürgertum sowie zur Entdeckung von Handelsmärkten BEISPIELGEDICHT: Albrecht von Haller, Die Alpen (1729) -> sehr detaillierte Naturbeschreibungen und genauer, intensiver Blick auf die Welt BEISPIELGEDICHT: Albrecht von Haller, Die Alpen (1729) -> in der Natur Herrschaft der Vernunft und Verzicht auf alle überflüssigen Zerstreuungen der Zivilisation STURM UND DRANG / EMPFINDSAMKEIT (ca. 1765-1785) Reales Unterwegssein • nun auch zweckfreies Reisen (,,Geniereise"), das v. a. privilegierten Männern vorbehalten ist Literarische Verarbeitung • Suche nach Zuflucht in der Natur • dynamisches Unterwegssein (z. B. schnelles Reiten) als Ausdruck des ,drängerischen" Ichs ● Verbindung von Empfindung und Bewegung: Lob des Reisens zu Fuß größere Nähe zur Natur BEISPIELGEDICHT: Leopold Friedrich Günther von Goeckingk, Erkannte Wohltat (1780) -> nur Fußgänger kann über Wunder der Welt staunen • Symbolcharakter des Reisens: Reise als Reflexions- und Reifeprozess ● Ziel: Finden von Bildern, um eigene Seelenlage auszudrücken BEISPIELGEDICHT: Friedrich Gottlieb Klopstock, Der Zürchersee (1750) -> Lob der Natur, die Stimmung widerspiegelt BEISPIELGEDICHT: Johann Wolfgang Goethe, Seefahrt (1777) -> Gefahren auf See, die durch Zurückbleiben hätten vermieden werden können, die im Vertrauen auf die eigene Kraft aber gemeistert werden Entwicklung von Italien zum „Sehnsuchtsland" • Wandern als Getriebensein (Thema: Heimatlosigkeit) • Konflikt zwischen ungebundenem, mühevollem Leben und angenehmer, domestizierter Existenz Gegenüberstellung der,rauen" Schweiz mit dem ,lieblichen" Italien (in Goethes Reiseberichten und -skizzen seiner Schweizreisen) KLASSIK (ca.1786-1805) Reales Unterwegssein • Fortbewegungsmittel: zu Fuß, Postkutsche Wahrnehmung der Landschaft in Einzelbildern aufgrund langsamer Reisegeschwindigkeit • Italienreisen (z.B. von Goethe 1786-1788) zur Begegnung mit der antiken Kultur und zur Erlangung neuer Erkenntnisse ➤ ● Literarische Verarbeitung. • Reisen mit dem Ziel der Erkenntnis bzw. Veränderung: Wandel der Persönlichkeit bis zur Vollendung Unterwegsein als Symbol für Reifung (insgesamt Symbol und Gleichnishaftigkett der Lyrik) o Unterwegssein als Sinnbild einzelmenschlicher oder menschheitsgeschichtlicher Entwickung o Fortbewegung und Innehalten als zwei Bestandteile des Reifeprozesses BEISPIELGEDICHT1:Johann Wolfgang von Goethe, Auf dem See (1789) -> Reifung eines lyrischen Ich in Auseinandersetzung mit der Natur BEISPIELGEDICHT2: Friedrich Schiller, Der Spaziergang (1795/1800) -> Spaziergang als Veranschaulichung der Kulturgeschichte • Sehnsucht nach Ankommen, Frieden und Ruhe Wandern, um Teil der Natur zu werden BEISPIELGEDICHT: Friedrich Schiller, Sehnsucht (1801) -> Wunsch nach Harmonie und Einklang mit der Natur überwiegend diesseitsbezogen ROMANTIK (ca. 1795-1830) Reales Unterwegssein • zu Fuß; Postkutsche; ab ca. 1820: Eilwagen Erhöhung der Reisegeschwindigkeit Literarische Verarbeitung Entdeckung der Vorteile der Langsamkeit und Kritik an Beschleunigung und Eile Kontrast zur Dynamik der immer rascheren gesellschaftlichen und technischen Entwicklung • Wanderschaft als Hauptmotiv: Suche nach dem Inneren und Unendlichen (Symbol der Blauen Blume), aber auch Wunsch nach Welterkundung (z. B. durch Gipfelbesteigung) oder Flucht • Neuentdeckung des ziel- und planlosen Wanderns Ab- und Umwege, Verweilen nach Lust und Laune, unregelmäßiger Reiserhythmus, Vergessen der Zeit rein subjektbezogenes Reisen • wundersame, bewegte Natur, die zum Wandern und Singen animiert und zum Aufbruch in die Ferne lockt überwiegend positiver Blick auf das Unterwegssein als Gegensatz zu philisterhaftem, bürgerlichem Leben BEISPIELGEDICHT: Joseph von Eichendorff, Der frohe Wandersmann (1817) -> Reisen im Vertrauen auf Gott: Kennenlernen der Wunder der Welt • Unterwegssein als Lebensreise und ewige Wanderschaft lyrisches Ich als rastlos Suchender, dessen Wanderschaft erst im Tod ein Ende finden kann • weitere wichtige Themen: Sehnsucht, Fernweh (oft ohne Erfüllung) • Reisen als Bedürfnis des Menschen, um begrenztes Dasein mit Offenheit des Unterwegsseins zu vertauschen = Überwindung der Endlichkeit des menschlichen Lebens • Gefühl des Eingeschlossenseins und Sehnsucht nach Aufbruch: Haustüre und Fenster als Symbole für Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen BEISPIELGEDICHT: Joseph von Eichendorff, Sehnsucht (1830/31) -> Sehnsucht, die Heimat zu verlassen und in die Ferne zu beschriebene Landschaften oft kein reales Abbild der Natur, sondern Ausdruck einer Sehnsucht nach einem Ideal reisen • Kreislauf aus Aufbruch, Heimweh und Rückkehr Aufbruch: verbunden mit Enthusiasmus, lugendlichem Aufbegehren, Abenteuer, Schönheit der Welt und Gefahr des Scheiterns • Heimweh: verbunden mit Ziellosigkeit, Einsamkeit und Wehmut • Rückkehr: verbunden mit Entfrerndung. Ausgeschlossensein und erneuter Sehnsucht VORMÄRZ UND BIEDERMEIER (ca. 1815-1848) Reales Unterwegssein • ab 1835 beginnendes Eisenbahnzeitalter Literarische Verarbeitung Begeisterung, aber auch Ängste und Ablehnung: Kritik an einer nur noch oberflächlichen Wahrnehmung und Warnung vor Hybris des Menschen • Wandel des Landschaftsraums: nicht mehr ,,,der Weg ist das Ziel", sondern Erreichen eines bestimmten Ortes im Vordergrund Veränderung der Proportionen und Bedeutungsverlust der Überwindung kürzerer Strecken BEISPIELGEDICHT: Friedrich Rückert, Eilfahrt (1833) -› Kritik am Höherstreben der Menschen ▶ Zunahme der Reisegeschwindigkeit und andere sinnliche Eindrücke: vorbeieilende Landschaft, Maschinenlärm, Dampf • Eisenbahn als Ausdruck des Fortschritts und einer neuen, schnelllebigen Zeit o oft auch Dämonisierung der als bedrohlich empfundenen rasanten technischen Entwicklung: Eisenbahn als Schreckenssymbol einer apokalyptischen Endzeit -> Verlust der Poesie des Reisens BEISPIELGEDICHT: Justinus Kerner, Im Eisenbahnhofe (1845) -> Faszination und Schrecken des Eisenbahnzeitalters ▶ • teilweise begeisterte Technikbejahung: Feier der Dampfmaschine als Genius der neuen Zeit • Thema Exil bei Heinrich Heine ● REALISTISCHE STRÖMUNGEN (ca. 1848-1900) Reales Unterwegssein • zunehmend Vergnügungs- und Luxusreisen mit Dampfschiff oder Eisenbahn • Reisen ans Meer und in die Berge besonders beliebt Literarische Verarbeitung • Wandern weiterhin Thema, allerdings vor allem als Wanderung in die eigene Vergangenheit, vornehmlich in Briefen, Erzählungen und anderen epischen Texten Unterwegssein/Wandern in der Natur oft mit Sehnsucht nach Geliebter verknüpft Thematisierung von technischen Fortbewegungsmitteln: Kutsche, Schiff, Eisenbahn • ambivalenter Blick auf Reisen in der Lyrik: Drang nach Entdeckungen vs. Anstrengung des Reisens oft ironische Darstellung des Reisens teilweise Absage ans Reisen überhaupt BEISPIELGEDICHT: Theodor Fontane, Unterwegs und wieder daheim (1895) -> Rückbesinnung auf die Vorteile der Heimat ▶ • Bahnfahrt als Lebensreise (Mischung aus Bewegung und Unbeweglichkeit) verzerrte Wahrnehmung wegen hoher Geschwindigkeit ▸ BEISPIELGEDICHT: Ferdinand von Saar, Eisenbahnfahrt (1855) -> Erkenntnis des lyrischen Ich, dass das Leben flüchtig ist • Thema Auswanderung • Verzicht auf Sehnsucht des romantischen lyrischen Ich, stattdessen passive und reflexive Lebensschau Resignation, Melancholie und Einsamkeit statt Aufbegehren BEISPIELGEDICHT: Theodor Storm, Über die Heide (1875) -> Bewusstwerden der Vergänglichkeit des Lebens auf Herbstwanderung Beschreibung von Zugunglücken als Symbol für Weltgeschichte, die auf Untergang zusteuert BEISPIELGEDICHT: Karl Bleibtreu, Schnellzua (1886) -> Gleichsetzung der raschen Eisenbahnfahr mit Fortschreiten der Zeit, die nur durch Unglück gebremst werden kann STRÖMUNGEN DER JAHRHUNDERTWENDE (ca. 1890-1910) Reales Unterwegssein • Auto als neue, autonome Form des Unterwegsseins -> Verkehrsmittel nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern Autofahren als Selbstzweck Literarische Verarbeitung Begeisterung für das Autofahren, das als Ausdruck von Freiheit gedeutet wird ● • verstärkte Thematisierung der neuen Fortbewegungsmittel und ihres Einflusses auf das Leben der Menschen Darstellung von Befürchtungen und Hoffnungen • Reisen als Rückzug (zum Teil auch Flucht) aus der gegenständlichen Welt und aus der Gesellschaft in ein Reich der Kunst und Schönheit BEISPIELGEDICHT: Stefan George, Wir jagen über weisse steppen (1891) -> rasche Fahrt in wundersame Pflanzenwelt Unterwegssein auch als Ausdruck von Heimatlosigkeit und fehlender Geborgenheit BEISPIELGEDICHT: Hermann Hesse, Im Nebel (1905) -> Einsamkeit und Entfremdung von der Menschheit Sinnbildlichkeit des Unterwegsseins: Vergänglichkeit EXPRESSIONISMUS (ca. 1910-1925) Reales Unterwegssein • zunehmende Präsenz der neuen Fortbewegungsmittel (Zug, Straßenbahn, Auto, Flugzeug) • Verlassen der vertrauten Heimat, um im Ersten Weltkrieg (1914-1918) zu kämpfen Literarische Verarbeitung positive, aber auch negative Erfahrungen mit technischen Errungenschaften Unterwegssein als Abenteuer und ekstatisches Daseinserlebnis • Motiv des Aufbruchs (teilweise enthusiastischer Aufbruch in den Krieg) ● BEISPIELGEDICHT: Rainer Maria Rilke, Der Reisende (1923) -> Reflexion auf das Vergehen (u. a. der Liebe) anlässlich einer Zugfahrt ▸ ● seelische Entgrenzungserfahrung und kosmische Erhöhung BEISPIELGEDICHT: Ernst Stadler, Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht (1913) -> nächtliche Eisenbahnfahrt über hell erleuchtete Rheinbrücke als geradezu ekstatisches Erlebnis aber auch Heimat als wahrer Sehnsuchtsort Großstadterleben: Überforderung des Ichs durch Reize beim Gang durch die Stadt Beschleunigung der Fortbewegung als Symbol für Schnelllebigkeit, Oberflächlichkeit und Identitätsverlust - gelegentlich aber auch Faszination für Beschleunigung Flug als Symbol für Streben der Menschheit, die eigenen Grenzen zu überwinden • neben neuen Themen und Inhalten auch neue Formensprache BEISPIELGEDICHT: Ernst Stadler, Der Aufbruch (1914) -> Aufbruch als Belebung des Ichs NEUE SACHLICHKEIT UND EXILLYRIK (ca. 1920-1945) Reales Unterwegssein ● Unterwegssein als Ich-Suche BEISPIELGEDICHT: Gustav Falke, Wieder daheim (1916) -> nur in der Heimat Berührung des Herzens und Möglichkeit, Gefühlen Ausdruck zu verleihen unfreiwillige Zuflucht in der Fremde aufgrund von politischer oder religiöser Verfolgung • Wechsel des Wohnortes, z. T. auch innere Emigration ▶ Literarische Verarbeitung • enge Verknüpfung von Reisen und Lebensreise BEISPIELGEDICHT: Erich Kästner, Das Eisenbahngleichnis (1932) -> Eisenbahnfahrt als Metapher für das Leben • Unterwegssein im Lebensraum Großstadt BEISPIELGEDICHT: Kurt Tucholsky, Augen in der Großstadt (1932) -> Schnelllebigkeit in der Stadt • Reisen ins Exil und Rückkehr in fremd gewordene Heimat BEISPIELGEDICHT: Bertolt Brecht, Rückkehr (1943) -> Befürchtungen vor Rückkehr in die Heimat Bedingungen der Flucht, des Ankommens in der Fremde und der Sehnsucht nach der Heimat BEISPIELGEDICHT: Mascha Kaléko, Sozusagen ein Mailied (1938) -> Vermissen der Heimat im Exil LYRIK DER ZWEITEN HÄLFTE DES 20. JAHRHUNDERTS UND GEGENWARTSLYRIK Reales Unterwegssein • 1950er-/1960er-Jahre: Aufkommen von ersten Urlaubsreisen, v. a. nach Italien • 1970er-Jahre: zunehmende Entfernung der Reiseziele • ab Mitte der 1970er-Jahre: Entstehung des modernen Massentourismus durch Pauschalreisen • ab 1990: verstärkte Migration nach Deutschland ▶ ab 2015: starker Anstieg der Einreise von Flüchtlingen und Migranten in Europa (,,Flüchtlingskrise") Literarische Verarbeitung • bewegter Mensch, statische Landschaft ● BEISPIELGEDICHT: W. G. Sebald, Schwer zu verstehen (1964) -> kein Verständnis für die Landschaft, wenn man nur schnell an ihr vorbeifährt Vergeblichkeit des Reisens als Flucht vor sich selbst oder vor existenziellem Scheitern Hinwendung zum eigenen Inneren statt Suche nach Zerstreuung und Abenteuer in der Ferne BEISPIELGEDICHT: Gottfried Benn, Reisen (1950) -> Aufruf zum Bleiben, statt vor eigenem Ich davonlaufen zu wollen • zunehmendes Verschwinden des lyrischen Ich zeigt Vergänglichkeit des Menschen, aber oft weiterhin Verknüpfung der Reiseerlebnisse mit Innenwelt des lyrischen Sprechers beschleunigte und nur noch bruchstückhafte Wahrnehmung Verlust von Raum- und Zeitgefühl; Passivität des Reisenden und Monotonie der Reise BEISPIELGEDICHT: Wulf Kirsten, vorübergefahren (2001) -> schnelle Fahrt verhindert tiefere Auseinandersetzung mit der Welt • Unterschied zwischen modernen Massenreisen der Gegenwart und intensiver Naturbetrachtung der Vergangenheit Entpoetisierung des Reisens kaum Gedichte über Massentourismus BEISPIELGEDICHT: Hans Magnus Enzensberger, Terminal B, Abflughalle (1999) -> Gegenüberstellung der kalten, anonymen Flughafenatmosphäre mit Wundern der Natur • Kritik an mobiler Massengesellschaft mit Entfremdung, Anonymität und Hektik, aber auch Feier des Aufbruchs sowie der Bewegung ohne Ziel • künstliche Isolation in Verkehrsmitteln Frage nach Menschsein und Menschlichkeit BEISPIELGEDICHT: Jan Wagner, Unterwegs im Nebel (2001) -> Unwirklichkeit des Autofahrens bei Nebel, das die Reisenden von der Welt entfremdet Veränderungen des Reisens durch moderne Entwicklungen wie z. B. den Klimawandel • gegenwärtige Migrationsbewegungen: Flucht und Integration in der Fremde BEISPIELGEDICHT: Manfred Peter Hein, Winterquartier (2017) -> Schwierigkeit der Integration von Flüchtlingen in ihrer neuen Heimat

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Gottes daheim und in der Fremde bevorzugte Gattungen: Lehrgedicht, Satire ○ Unterwegssein als Metapher für das Leben -> Ankunft = Tod und Einkehr ins Paradies BEISPIELGEDICHT: Andreas Gryphius, An die Welt (1658) -> Ende der Reise als Ankunft bei Gott O Reise als Suche nach Heimat, Liebe, Gott Literarische Verarbeitung • Wandern mit dem Ziel, der Natur und dem Menschen näherzukommen Hinwendung zum Diesseits Gegensatz des Lebens in der Stadt (Kultur) und Unterwegssein auf dem Land (Natur) Langsamkeit, um die Welt genau und intensiv wahrzunehmen Pilgerreise als Entsprechung zum Lebensweg Alpen als natürlicher Gegensatz zu Dekadenz der Zivilisation AUFKLÄRUNG (ca. 1720-1800) Reales Unterwegssein • Reisen zum Zweck der Bildung zum Erwerb von Welt- und Menschenkenntnis, zur Horizonterweiterung für das gehobene Bürgertum sowie zur Entdeckung von Handelsmärkten BEISPIELGEDICHT: Albrecht von Haller, Die Alpen (1729) -> sehr detaillierte Naturbeschreibungen und genauer, intensiver Blick auf die Welt BEISPIELGEDICHT: Albrecht von Haller, Die Alpen (1729) -> in der Natur Herrschaft der Vernunft und Verzicht auf alle überflüssigen Zerstreuungen der Zivilisation STURM UND DRANG / EMPFINDSAMKEIT (ca. 1765-1785) Reales Unterwegssein • nun auch zweckfreies Reisen (,,Geniereise"), das v. a. privilegierten Männern vorbehalten ist Literarische Verarbeitung • Suche nach Zuflucht in der Natur • dynamisches Unterwegssein (z. B. schnelles Reiten) als Ausdruck des ,drängerischen" Ichs ● Verbindung von Empfindung und Bewegung: Lob des Reisens zu Fuß größere Nähe zur Natur BEISPIELGEDICHT: Leopold Friedrich Günther von Goeckingk, Erkannte Wohltat (1780) -> nur Fußgänger kann über Wunder der Welt staunen • Symbolcharakter des Reisens: Reise als Reflexions- und Reifeprozess ● Ziel: Finden von Bildern, um eigene Seelenlage auszudrücken BEISPIELGEDICHT: Friedrich Gottlieb Klopstock, Der Zürchersee (1750) -> Lob der Natur, die Stimmung widerspiegelt BEISPIELGEDICHT: Johann Wolfgang Goethe, Seefahrt (1777) -> Gefahren auf See, die durch Zurückbleiben hätten vermieden werden können, die im Vertrauen auf die eigene Kraft aber gemeistert werden Entwicklung von Italien zum „Sehnsuchtsland" • Wandern als Getriebensein (Thema: Heimatlosigkeit) • Konflikt zwischen ungebundenem, mühevollem Leben und angenehmer, domestizierter Existenz Gegenüberstellung der,rauen" Schweiz mit dem ,lieblichen" Italien (in Goethes Reiseberichten und -skizzen seiner Schweizreisen) KLASSIK (ca.1786-1805) Reales Unterwegssein • Fortbewegungsmittel: zu Fuß, Postkutsche Wahrnehmung der Landschaft in Einzelbildern aufgrund langsamer Reisegeschwindigkeit • Italienreisen (z.B. von Goethe 1786-1788) zur Begegnung mit der antiken Kultur und zur Erlangung neuer Erkenntnisse ➤ ● Literarische Verarbeitung. • Reisen mit dem Ziel der Erkenntnis bzw. Veränderung: Wandel der Persönlichkeit bis zur Vollendung Unterwegsein als Symbol für Reifung (insgesamt Symbol und Gleichnishaftigkett der Lyrik) o Unterwegssein als Sinnbild einzelmenschlicher oder menschheitsgeschichtlicher Entwickung o Fortbewegung und Innehalten als zwei Bestandteile des Reifeprozesses BEISPIELGEDICHT1:Johann Wolfgang von Goethe, Auf dem See (1789) -> Reifung eines lyrischen Ich in Auseinandersetzung mit der Natur BEISPIELGEDICHT2: Friedrich Schiller, Der Spaziergang (1795/1800) -> Spaziergang als Veranschaulichung der Kulturgeschichte • Sehnsucht nach Ankommen, Frieden und Ruhe Wandern, um Teil der Natur zu werden BEISPIELGEDICHT: Friedrich Schiller, Sehnsucht (1801) -> Wunsch nach Harmonie und Einklang mit der Natur überwiegend diesseitsbezogen ROMANTIK (ca. 1795-1830) Reales Unterwegssein • zu Fuß; Postkutsche; ab ca. 1820: Eilwagen Erhöhung der Reisegeschwindigkeit Literarische Verarbeitung Entdeckung der Vorteile der Langsamkeit und Kritik an Beschleunigung und Eile Kontrast zur Dynamik der immer rascheren gesellschaftlichen und technischen Entwicklung • Wanderschaft als Hauptmotiv: Suche nach dem Inneren und Unendlichen (Symbol der Blauen Blume), aber auch Wunsch nach Welterkundung (z. B. durch Gipfelbesteigung) oder Flucht • Neuentdeckung des ziel- und planlosen Wanderns Ab- und Umwege, Verweilen nach Lust und Laune, unregelmäßiger Reiserhythmus, Vergessen der Zeit rein subjektbezogenes Reisen • wundersame, bewegte Natur, die zum Wandern und Singen animiert und zum Aufbruch in die Ferne lockt überwiegend positiver Blick auf das Unterwegssein als Gegensatz zu philisterhaftem, bürgerlichem Leben BEISPIELGEDICHT: Joseph von Eichendorff, Der frohe Wandersmann (1817) -> Reisen im Vertrauen auf Gott: Kennenlernen der Wunder der Welt • Unterwegssein als Lebensreise und ewige Wanderschaft lyrisches Ich als rastlos Suchender, dessen Wanderschaft erst im Tod ein Ende finden kann • weitere wichtige Themen: Sehnsucht, Fernweh (oft ohne Erfüllung) • Reisen als Bedürfnis des Menschen, um begrenztes Dasein mit Offenheit des Unterwegsseins zu vertauschen = Überwindung der Endlichkeit des menschlichen Lebens • Gefühl des Eingeschlossenseins und Sehnsucht nach Aufbruch: Haustüre und Fenster als Symbole für Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen BEISPIELGEDICHT: Joseph von Eichendorff, Sehnsucht (1830/31) -> Sehnsucht, die Heimat zu verlassen und in die Ferne zu beschriebene Landschaften oft kein reales Abbild der Natur, sondern Ausdruck einer Sehnsucht nach einem Ideal reisen • Kreislauf aus Aufbruch, Heimweh und Rückkehr Aufbruch: verbunden mit Enthusiasmus, lugendlichem Aufbegehren, Abenteuer, Schönheit der Welt und Gefahr des Scheiterns • Heimweh: verbunden mit Ziellosigkeit, Einsamkeit und Wehmut • Rückkehr: verbunden mit Entfrerndung. Ausgeschlossensein und erneuter Sehnsucht VORMÄRZ UND BIEDERMEIER (ca. 1815-1848) Reales Unterwegssein • ab 1835 beginnendes Eisenbahnzeitalter Literarische Verarbeitung Begeisterung, aber auch Ängste und Ablehnung: Kritik an einer nur noch oberflächlichen Wahrnehmung und Warnung vor Hybris des Menschen • Wandel des Landschaftsraums: nicht mehr ,,,der Weg ist das Ziel", sondern Erreichen eines bestimmten Ortes im Vordergrund Veränderung der Proportionen und Bedeutungsverlust der Überwindung kürzerer Strecken BEISPIELGEDICHT: Friedrich Rückert, Eilfahrt (1833) -› Kritik am Höherstreben der Menschen ▶ Zunahme der Reisegeschwindigkeit und andere sinnliche Eindrücke: vorbeieilende Landschaft, Maschinenlärm, Dampf • Eisenbahn als Ausdruck des Fortschritts und einer neuen, schnelllebigen Zeit o oft auch Dämonisierung der als bedrohlich empfundenen rasanten technischen Entwicklung: Eisenbahn als Schreckenssymbol einer apokalyptischen Endzeit -> Verlust der Poesie des Reisens BEISPIELGEDICHT: Justinus Kerner, Im Eisenbahnhofe (1845) -> Faszination und Schrecken des Eisenbahnzeitalters ▶ • teilweise begeisterte Technikbejahung: Feier der Dampfmaschine als Genius der neuen Zeit • Thema Exil bei Heinrich Heine ● REALISTISCHE STRÖMUNGEN (ca. 1848-1900) Reales Unterwegssein • zunehmend Vergnügungs- und Luxusreisen mit Dampfschiff oder Eisenbahn • Reisen ans Meer und in die Berge besonders beliebt Literarische Verarbeitung • Wandern weiterhin Thema, allerdings vor allem als Wanderung in die eigene Vergangenheit, vornehmlich in Briefen, Erzählungen und anderen epischen Texten Unterwegssein/Wandern in der Natur oft mit Sehnsucht nach Geliebter verknüpft Thematisierung von technischen Fortbewegungsmitteln: Kutsche, Schiff, Eisenbahn • ambivalenter Blick auf Reisen in der Lyrik: Drang nach Entdeckungen vs. Anstrengung des Reisens oft ironische Darstellung des Reisens teilweise Absage ans Reisen überhaupt BEISPIELGEDICHT: Theodor Fontane, Unterwegs und wieder daheim (1895) -> Rückbesinnung auf die Vorteile der Heimat ▶ • Bahnfahrt als Lebensreise (Mischung aus Bewegung und Unbeweglichkeit) verzerrte Wahrnehmung wegen hoher Geschwindigkeit ▸ BEISPIELGEDICHT: Ferdinand von Saar, Eisenbahnfahrt (1855) -> Erkenntnis des lyrischen Ich, dass das Leben flüchtig ist • Thema Auswanderung • Verzicht auf Sehnsucht des romantischen lyrischen Ich, stattdessen passive und reflexive Lebensschau Resignation, Melancholie und Einsamkeit statt Aufbegehren BEISPIELGEDICHT: Theodor Storm, Über die Heide (1875) -> Bewusstwerden der Vergänglichkeit des Lebens auf Herbstwanderung Beschreibung von Zugunglücken als Symbol für Weltgeschichte, die auf Untergang zusteuert BEISPIELGEDICHT: Karl Bleibtreu, Schnellzua (1886) -> Gleichsetzung der raschen Eisenbahnfahr mit Fortschreiten der Zeit, die nur durch Unglück gebremst werden kann STRÖMUNGEN DER JAHRHUNDERTWENDE (ca. 1890-1910) Reales Unterwegssein • Auto als neue, autonome Form des Unterwegsseins -> Verkehrsmittel nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern Autofahren als Selbstzweck Literarische Verarbeitung Begeisterung für das Autofahren, das als Ausdruck von Freiheit gedeutet wird ● • verstärkte Thematisierung der neuen Fortbewegungsmittel und ihres Einflusses auf das Leben der Menschen Darstellung von Befürchtungen und Hoffnungen • Reisen als Rückzug (zum Teil auch Flucht) aus der gegenständlichen Welt und aus der Gesellschaft in ein Reich der Kunst und Schönheit BEISPIELGEDICHT: Stefan George, Wir jagen über weisse steppen (1891) -> rasche Fahrt in wundersame Pflanzenwelt Unterwegssein auch als Ausdruck von Heimatlosigkeit und fehlender Geborgenheit BEISPIELGEDICHT: Hermann Hesse, Im Nebel (1905) -> Einsamkeit und Entfremdung von der Menschheit Sinnbildlichkeit des Unterwegsseins: Vergänglichkeit EXPRESSIONISMUS (ca. 1910-1925) Reales Unterwegssein • zunehmende Präsenz der neuen Fortbewegungsmittel (Zug, Straßenbahn, Auto, Flugzeug) • Verlassen der vertrauten Heimat, um im Ersten Weltkrieg (1914-1918) zu kämpfen Literarische Verarbeitung positive, aber auch negative Erfahrungen mit technischen Errungenschaften Unterwegssein als Abenteuer und ekstatisches Daseinserlebnis • Motiv des Aufbruchs (teilweise enthusiastischer Aufbruch in den Krieg) ● BEISPIELGEDICHT: Rainer Maria Rilke, Der Reisende (1923) -> Reflexion auf das Vergehen (u. a. der Liebe) anlässlich einer Zugfahrt ▸ ● seelische Entgrenzungserfahrung und kosmische Erhöhung BEISPIELGEDICHT: Ernst Stadler, Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht (1913) -> nächtliche Eisenbahnfahrt über hell erleuchtete Rheinbrücke als geradezu ekstatisches Erlebnis aber auch Heimat als wahrer Sehnsuchtsort Großstadterleben: Überforderung des Ichs durch Reize beim Gang durch die Stadt Beschleunigung der Fortbewegung als Symbol für Schnelllebigkeit, Oberflächlichkeit und Identitätsverlust - gelegentlich aber auch Faszination für Beschleunigung Flug als Symbol für Streben der Menschheit, die eigenen Grenzen zu überwinden • neben neuen Themen und Inhalten auch neue Formensprache BEISPIELGEDICHT: Ernst Stadler, Der Aufbruch (1914) -> Aufbruch als Belebung des Ichs NEUE SACHLICHKEIT UND EXILLYRIK (ca. 1920-1945) Reales Unterwegssein ● Unterwegssein als Ich-Suche BEISPIELGEDICHT: Gustav Falke, Wieder daheim (1916) -> nur in der Heimat Berührung des Herzens und Möglichkeit, Gefühlen Ausdruck zu verleihen unfreiwillige Zuflucht in der Fremde aufgrund von politischer oder religiöser Verfolgung • Wechsel des Wohnortes, z. T. auch innere Emigration ▶ Literarische Verarbeitung • enge Verknüpfung von Reisen und Lebensreise BEISPIELGEDICHT: Erich Kästner, Das Eisenbahngleichnis (1932) -> Eisenbahnfahrt als Metapher für das Leben • Unterwegssein im Lebensraum Großstadt BEISPIELGEDICHT: Kurt Tucholsky, Augen in der Großstadt (1932) -> Schnelllebigkeit in der Stadt • Reisen ins Exil und Rückkehr in fremd gewordene Heimat BEISPIELGEDICHT: Bertolt Brecht, Rückkehr (1943) -> Befürchtungen vor Rückkehr in die Heimat Bedingungen der Flucht, des Ankommens in der Fremde und der Sehnsucht nach der Heimat BEISPIELGEDICHT: Mascha Kaléko, Sozusagen ein Mailied (1938) -> Vermissen der Heimat im Exil LYRIK DER ZWEITEN HÄLFTE DES 20. JAHRHUNDERTS UND GEGENWARTSLYRIK Reales Unterwegssein • 1950er-/1960er-Jahre: Aufkommen von ersten Urlaubsreisen, v. a. nach Italien • 1970er-Jahre: zunehmende Entfernung der Reiseziele • ab Mitte der 1970er-Jahre: Entstehung des modernen Massentourismus durch Pauschalreisen • ab 1990: verstärkte Migration nach Deutschland ▶ ab 2015: starker Anstieg der Einreise von Flüchtlingen und Migranten in Europa (,,Flüchtlingskrise") Literarische Verarbeitung • bewegter Mensch, statische Landschaft ● BEISPIELGEDICHT: W. G. Sebald, Schwer zu verstehen (1964) -> kein Verständnis für die Landschaft, wenn man nur schnell an ihr vorbeifährt Vergeblichkeit des Reisens als Flucht vor sich selbst oder vor existenziellem Scheitern Hinwendung zum eigenen Inneren statt Suche nach Zerstreuung und Abenteuer in der Ferne BEISPIELGEDICHT: Gottfried Benn, Reisen (1950) -> Aufruf zum Bleiben, statt vor eigenem Ich davonlaufen zu wollen • zunehmendes Verschwinden des lyrischen Ich zeigt Vergänglichkeit des Menschen, aber oft weiterhin Verknüpfung der Reiseerlebnisse mit Innenwelt des lyrischen Sprechers beschleunigte und nur noch bruchstückhafte Wahrnehmung Verlust von Raum- und Zeitgefühl; Passivität des Reisenden und Monotonie der Reise BEISPIELGEDICHT: Wulf Kirsten, vorübergefahren (2001) -> schnelle Fahrt verhindert tiefere Auseinandersetzung mit der Welt • Unterschied zwischen modernen Massenreisen der Gegenwart und intensiver Naturbetrachtung der Vergangenheit Entpoetisierung des Reisens kaum Gedichte über Massentourismus BEISPIELGEDICHT: Hans Magnus Enzensberger, Terminal B, Abflughalle (1999) -> Gegenüberstellung der kalten, anonymen Flughafenatmosphäre mit Wundern der Natur • Kritik an mobiler Massengesellschaft mit Entfremdung, Anonymität und Hektik, aber auch Feier des Aufbruchs sowie der Bewegung ohne Ziel • künstliche Isolation in Verkehrsmitteln Frage nach Menschsein und Menschlichkeit BEISPIELGEDICHT: Jan Wagner, Unterwegs im Nebel (2001) -> Unwirklichkeit des Autofahrens bei Nebel, das die Reisenden von der Welt entfremdet Veränderungen des Reisens durch moderne Entwicklungen wie z. B. den Klimawandel • gegenwärtige Migrationsbewegungen: Flucht und Integration in der Fremde BEISPIELGEDICHT: Manfred Peter Hein, Winterquartier (2017) -> Schwierigkeit der Integration von Flüchtlingen in ihrer neuen Heimat