Deutsch /

„Nein !“ Peter Härtling - Redenanalyse

„Nein !“ Peter Härtling - Redenanalyse

 Peter Härtling: „Mein" (1992) - Redenanalyse
Die Rede mit dem Titel ,,Nein !" wurde von Peter Härtling im Jahre 1992 auf der Frankfurter Bu

„Nein !“ Peter Härtling - Redenanalyse

user profile picture

f l o r i n e

441 Followers

Teilen

Speichern

48

 

11/12/10

Ausarbeitung

hallo :) hier seht ihr eine Analyse der Rede „Nein !“ von Peter Härtling aus dem Jahr 1992

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Peter Härtling: „Mein" (1992) - Redenanalyse Die Rede mit dem Titel ,,Nein !" wurde von Peter Härtling im Jahre 1992 auf der Frankfurter Buchmesse gehalten, sein Publikum waren daher die Besucher dieser Messe aber auch zahlreiche anwesende Journalisten. Dieser Ort, die Stadt Frankfurt, wurde nicht willkürlich gewählt sondern ist gezielt mit seiner Rede verknüpft. In dieser äußert er sich zu den ethnischen Säuberungen", die im gleichen Jahr im multiethnischen Staat Jugoslawien erfolgten und somit auch eine Debatte, über die deutschen Asylparagraphen des Grundgesetztes und deren Änderung anstießen. Die Geschichte des Asylrecht, die Härtling in seiner Rede thematisiert wurde eben genau in der Stadt Frankfurt, im Paulskirchen Parlament 1849, angestoßen und sorgt noch immer für eine große Diskussion. Peter Härtling möchte in seiner Rede also gezielt auf diese Thematik aufmerksam machen, er vertritt aber auch die Meinung, dass besonders ein Land wie Deutschland die Verpflichtung hat, Fremden Asyl zu gewähren, weil das eine unmittelbare Lehre aus den Verbrechen des Nationalsozialismus ist. Der Text lässt sich sprachlich in drei Teile teilen, die Einleitung (bis Zeile 7), den Hauptteil (Zeile 8 bis 116) und den Schluss, der sich über die Zeilen 117 bis 121 erstreckt. Hierbei fällt schon besonders in der Einleitung die Verwendung von langen und präzisen Sätzen auf. In diesen spricht der Redner auch...

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Alternativer Bildtext:

gleich die emotionale Ader der Zuhörer an, was man an den Worten „das Elend" (Zeile 1) und „beklagen" (Zeile 3) merkt. Schon gleich zu beginn des Rede (Zeile 1) wird Härtlings Ausgangsthese deutlich. In dieser stellt er die Behauptung auf, dass die Deutschen nichts aus ihrer problematischen Geschichte gelernt haben und verwendet hier mit der Aufzählung „ein Bündel von Verdrängungen, Feigheiten, Aggressionen, Fresssüchten, Anmaßungen und Egoismen“ (Zeile 5 ff.) Metaphern für die Ausmaße dieser Grausamkeit des Vergessens. Im Zuge der Thematik des Vergessens der eigenen Geschichte erwähnt er nun Bücher, die im Vergleich zum Menschen weniger vergesslich sind als wir" (Zeile 9), was auch eine Verbindung zum Vortragungsort der Rede, die Frankfurter Buchmesse, zieht. Härtling sagt hier also aus, dass er, ebenfalls Schriftsteller, sich auf die demokratische Tradition stützen kann, die in diesen Büchern dokumentiert ist. Im nächsten Abschnitt seiner Rede zieht Härtling nun wieder bewusst eine Verbindung zu der Stadt Frankfurt, in der, bereits eingangs erwähnt, vor fast 150 Jahren das Paulskirchenparlament zusammengekommen ist, um die erste Verfassung für das deutsche Reich zu beschließen und somit auch eine Demokratie auszurufen. Auf eben dieses Parlament beruft sich Härtling nun mit dem Gebrauch eines analogisierenden Argumentes. Nun beginnt er auch die Geschichte des Paragraphen des Asylrechts zu erläutern und gibt somit die Anfänge dieses wieder, die sich eben genau in dieser Paulskirchenversammlung finden lassen. Mit der Berufung auf den damaligen Abgeordneten Jacob Grimm benutzt er nun ein Autoritätsargument und bezeichnet ihn als „frei" (Zeile 33), was man in diesem Zusammenhang als ein Fahnenwort verstehen kann. Die Berufung Härtlings auf Jacob Grimm geschieht allerdings nicht willkürlich, den Grimm kann hier fast schon als „Vater” des Asylparagraphen gennant werden, denn er machte den Vorschlag, eben diesen (,,Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde, Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei" Zeile 21 ff.). Eben diese fortschrittliche Haltung der Deutschen beim Formulieren der Paulskirchenverfassung greift Härtling auch als ein Argument auf, das die Beibehaltung des Asylrechtsparagraphen wichtig ist. Im Zuge dessen verwendet er auch die Metapher des „leuchtenden Rahmens" (Zeile 26) der Menschenwürde um damit eben diese Fortschrittlichkeit noch einmal zu betonen. Auch drückt die Verwendung der Floskel „der deutsche Boden ist nicht biedere, ideologisch verengt Heimat, sondern Zufluchtsort für jene, die frei sein wollen" (Zeile 27 ff.) aus, dass Deutschland, neben allen ideologischen Verirrungen, auch eine freiheitlich-demokratische Geschichtstradition habe. Im nächsten Abschnitt geht der Redner aber noch einmal auf diese ideologischen Verirrungen ein, in dem er auch den zweiten Weltkrieg anspricht und seine eigene Geschichte erwähnt. Er nutzt also seine eigene Geschichte, in der er sich selbst als Anhänger der Hitlerjugend identifiziert hat, um gegen das Vergessen der Vergangenheit zu argumentieren und drückt mit den Worten ,,wie rasch und wie folgenlos das Vergessen sein kann" (Zeile 48 f.) das Versagen nach der NS-Zeit und dem zweiten Weltkrieg aus, in dem man diese undemokratisch- totalitäre Phase des nationalsozialismus schnell vergessen wollte. Dieses Versagen und Härtlings Kritik an der Vergesslichkeit der Menschen äußert sich auch in seinem Satz „aus meinen nazistischen Vorrednern wurden Patentdemokraten” (Zeile 49 f.), der sowohl eine Antithese als auch eine Metapher darstellt. Die Erwähnung des 16. Artikels des deutschen Grundgesetzes ,,Politisch verfolgt genießen Asylrecht" (Zeile 63) geht auf die Erinnerung an die Ermordung jüdischer Mitbürger während der Nazizeit zurück und wird von Härtling deshlab bewusst als Argument verwendet, eben diesen Asylrechtsparagraphen beizubehalten. Mit dem Satz „da nimmt eine Geschichte aus Geissen ihr Recht wahr. Dieser Artikel wurde nicht abgelehnt" (Zeile 64 ff.) drückt er die Lehre aus, die damals von den Vätern des Grundgesetzes gezogen wurde und zu Verankerung des Asylrechts im Grundgesetz führte und beklagt sich nun, dass dieses Recht auf Asyl mehr als vierzig Jahre später faktisch außer Kraft gesetzt werden soll. Und beruft sich, um diesen Vorgang aufzuhalten, mit einem Argumentum ad populum direkt an die Bevölkerung. Er wendet sich auch im nächsten Absatz erneut mit den Worten alle hier, die Geschichte denken und Geschichten erzählen, diesem ungeschichlichen, uns demütigenden und tief beschämenden Vorsatz zu widersprechen" (Zeile 72 ff.) an die breite Masse, verwendet also ein argumentum ad populum, in dem er auch seine persönliche Meinung, die Beschämung für Deutschland, die von dieser Forderung ausgeht, äußert. Diese persönliche Abneigung zieht sich auch durch die nächsten Zeilen seiner Rede, in denen er sich mit den Worten „Nein, Ihr Verdränger, Ihr Vergesslichen!" (Zeile 76 f.) ganz entscheiden gegen genau diese Menschen, die eine Abschaffung des Asylrechtsparagraphen fordern und kritisiert auch die asylfeindliche Haltung der älteren Bevölkerung im Land. So wird im Laufe seiner Rede aber auch klar, dass sich diese Asylfeindliche Haltung in Deutschland nicht nur gegen die Alten richtet, sondern durchaus auch in der jungen Bevölkerung wurzeln schlägt, was durch die jüngsten Anschläge in „Wismar und Rostock" (Zeile 89) Deutlichkeit wird. Eben diese Anschläge benutzt Härtling aber auch, für die Beibehaltung des Asylrechtsparagraphen im Grundgesetz zu argumentieren, da die Geschichtsvergessenheit zu neun Unrecht führen kann. Auch den Wohlstand unseres Landes nutzt Härtling um gegen die Abschaffung des Paragraphen zu argumentieren. Zum Ende seiner Rede in Zeile 110 lässt sich noch einmal ein indirektes Argument finden, in dem er die Folgen einer Streichung des Asylrechtsparagraphen aus dem Grundgesetz für Deutschland aufzeigt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass Peter Härtling seinen eigenen Standpunkt in seiner Rede ganz deutlich macht und so auch auf die Argumente ad populum verzichtet, und die geschichtsvergessene Menge lieber direkt angreift und direkt an jene appelliert, die die geschichtlichen Lektionen gelernt haben. Es zeichnet sich so auch eine Aufwertung der Wir-Gruppe ab, der er Werte wie Würde, Freiheit und Gewissen zuordnet. So unterstützt er durch das Personalpronomen wie auch das Gemeinschaftsgefühl. Er wertet die Gegnerische Gruppe als geschichtsvergessen, feige und aggressiv ab und unterstützt somit auch seine eigene Argumentation, die sich gegen die Streichung des Asylrechts aus dem Grundgesetz vorsieht.

Deutsch /

„Nein !“ Peter Härtling - Redenanalyse

user profile picture

f l o r i n e   

Follow

441 Followers

 Peter Härtling: „Mein" (1992) - Redenanalyse
Die Rede mit dem Titel ,,Nein !" wurde von Peter Härtling im Jahre 1992 auf der Frankfurter Bu

App öffnen

hallo :) hier seht ihr eine Analyse der Rede „Nein !“ von Peter Härtling aus dem Jahr 1992

Ähnliche Knows

user profile picture

1

Textbeschreibung 🤍

Know Textbeschreibung 🤍 thumbnail

4

 

8/9/10

L

2

Redeanalyse: „Wir müssen Geschichte schreiben“ von Barack Obama

Know Redeanalyse: „Wir müssen Geschichte schreiben“ von Barack Obama thumbnail

9

 

11

user profile picture

1

Begegnung mit dem Kaiser - der Untertan

Know Begegnung mit dem Kaiser - der Untertan thumbnail

45

 

12/13

user profile picture

5

Dietmar Dath: Rede Dystopie und Utopie

Know Dietmar Dath: Rede Dystopie und Utopie thumbnail

77

 

11/12/13

Peter Härtling: „Mein" (1992) - Redenanalyse Die Rede mit dem Titel ,,Nein !" wurde von Peter Härtling im Jahre 1992 auf der Frankfurter Buchmesse gehalten, sein Publikum waren daher die Besucher dieser Messe aber auch zahlreiche anwesende Journalisten. Dieser Ort, die Stadt Frankfurt, wurde nicht willkürlich gewählt sondern ist gezielt mit seiner Rede verknüpft. In dieser äußert er sich zu den ethnischen Säuberungen", die im gleichen Jahr im multiethnischen Staat Jugoslawien erfolgten und somit auch eine Debatte, über die deutschen Asylparagraphen des Grundgesetztes und deren Änderung anstießen. Die Geschichte des Asylrecht, die Härtling in seiner Rede thematisiert wurde eben genau in der Stadt Frankfurt, im Paulskirchen Parlament 1849, angestoßen und sorgt noch immer für eine große Diskussion. Peter Härtling möchte in seiner Rede also gezielt auf diese Thematik aufmerksam machen, er vertritt aber auch die Meinung, dass besonders ein Land wie Deutschland die Verpflichtung hat, Fremden Asyl zu gewähren, weil das eine unmittelbare Lehre aus den Verbrechen des Nationalsozialismus ist. Der Text lässt sich sprachlich in drei Teile teilen, die Einleitung (bis Zeile 7), den Hauptteil (Zeile 8 bis 116) und den Schluss, der sich über die Zeilen 117 bis 121 erstreckt. Hierbei fällt schon besonders in der Einleitung die Verwendung von langen und präzisen Sätzen auf. In diesen spricht der Redner auch...

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Knowunity

Schule. Endlich einfach.

App öffnen

Alternativer Bildtext:

gleich die emotionale Ader der Zuhörer an, was man an den Worten „das Elend" (Zeile 1) und „beklagen" (Zeile 3) merkt. Schon gleich zu beginn des Rede (Zeile 1) wird Härtlings Ausgangsthese deutlich. In dieser stellt er die Behauptung auf, dass die Deutschen nichts aus ihrer problematischen Geschichte gelernt haben und verwendet hier mit der Aufzählung „ein Bündel von Verdrängungen, Feigheiten, Aggressionen, Fresssüchten, Anmaßungen und Egoismen“ (Zeile 5 ff.) Metaphern für die Ausmaße dieser Grausamkeit des Vergessens. Im Zuge der Thematik des Vergessens der eigenen Geschichte erwähnt er nun Bücher, die im Vergleich zum Menschen weniger vergesslich sind als wir" (Zeile 9), was auch eine Verbindung zum Vortragungsort der Rede, die Frankfurter Buchmesse, zieht. Härtling sagt hier also aus, dass er, ebenfalls Schriftsteller, sich auf die demokratische Tradition stützen kann, die in diesen Büchern dokumentiert ist. Im nächsten Abschnitt seiner Rede zieht Härtling nun wieder bewusst eine Verbindung zu der Stadt Frankfurt, in der, bereits eingangs erwähnt, vor fast 150 Jahren das Paulskirchenparlament zusammengekommen ist, um die erste Verfassung für das deutsche Reich zu beschließen und somit auch eine Demokratie auszurufen. Auf eben dieses Parlament beruft sich Härtling nun mit dem Gebrauch eines analogisierenden Argumentes. Nun beginnt er auch die Geschichte des Paragraphen des Asylrechts zu erläutern und gibt somit die Anfänge dieses wieder, die sich eben genau in dieser Paulskirchenversammlung finden lassen. Mit der Berufung auf den damaligen Abgeordneten Jacob Grimm benutzt er nun ein Autoritätsargument und bezeichnet ihn als „frei" (Zeile 33), was man in diesem Zusammenhang als ein Fahnenwort verstehen kann. Die Berufung Härtlings auf Jacob Grimm geschieht allerdings nicht willkürlich, den Grimm kann hier fast schon als „Vater” des Asylparagraphen gennant werden, denn er machte den Vorschlag, eben diesen (,,Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde, Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei" Zeile 21 ff.). Eben diese fortschrittliche Haltung der Deutschen beim Formulieren der Paulskirchenverfassung greift Härtling auch als ein Argument auf, das die Beibehaltung des Asylrechtsparagraphen wichtig ist. Im Zuge dessen verwendet er auch die Metapher des „leuchtenden Rahmens" (Zeile 26) der Menschenwürde um damit eben diese Fortschrittlichkeit noch einmal zu betonen. Auch drückt die Verwendung der Floskel „der deutsche Boden ist nicht biedere, ideologisch verengt Heimat, sondern Zufluchtsort für jene, die frei sein wollen" (Zeile 27 ff.) aus, dass Deutschland, neben allen ideologischen Verirrungen, auch eine freiheitlich-demokratische Geschichtstradition habe. Im nächsten Abschnitt geht der Redner aber noch einmal auf diese ideologischen Verirrungen ein, in dem er auch den zweiten Weltkrieg anspricht und seine eigene Geschichte erwähnt. Er nutzt also seine eigene Geschichte, in der er sich selbst als Anhänger der Hitlerjugend identifiziert hat, um gegen das Vergessen der Vergangenheit zu argumentieren und drückt mit den Worten ,,wie rasch und wie folgenlos das Vergessen sein kann" (Zeile 48 f.) das Versagen nach der NS-Zeit und dem zweiten Weltkrieg aus, in dem man diese undemokratisch- totalitäre Phase des nationalsozialismus schnell vergessen wollte. Dieses Versagen und Härtlings Kritik an der Vergesslichkeit der Menschen äußert sich auch in seinem Satz „aus meinen nazistischen Vorrednern wurden Patentdemokraten” (Zeile 49 f.), der sowohl eine Antithese als auch eine Metapher darstellt. Die Erwähnung des 16. Artikels des deutschen Grundgesetzes ,,Politisch verfolgt genießen Asylrecht" (Zeile 63) geht auf die Erinnerung an die Ermordung jüdischer Mitbürger während der Nazizeit zurück und wird von Härtling deshlab bewusst als Argument verwendet, eben diesen Asylrechtsparagraphen beizubehalten. Mit dem Satz „da nimmt eine Geschichte aus Geissen ihr Recht wahr. Dieser Artikel wurde nicht abgelehnt" (Zeile 64 ff.) drückt er die Lehre aus, die damals von den Vätern des Grundgesetzes gezogen wurde und zu Verankerung des Asylrechts im Grundgesetz führte und beklagt sich nun, dass dieses Recht auf Asyl mehr als vierzig Jahre später faktisch außer Kraft gesetzt werden soll. Und beruft sich, um diesen Vorgang aufzuhalten, mit einem Argumentum ad populum direkt an die Bevölkerung. Er wendet sich auch im nächsten Absatz erneut mit den Worten alle hier, die Geschichte denken und Geschichten erzählen, diesem ungeschichlichen, uns demütigenden und tief beschämenden Vorsatz zu widersprechen" (Zeile 72 ff.) an die breite Masse, verwendet also ein argumentum ad populum, in dem er auch seine persönliche Meinung, die Beschämung für Deutschland, die von dieser Forderung ausgeht, äußert. Diese persönliche Abneigung zieht sich auch durch die nächsten Zeilen seiner Rede, in denen er sich mit den Worten „Nein, Ihr Verdränger, Ihr Vergesslichen!" (Zeile 76 f.) ganz entscheiden gegen genau diese Menschen, die eine Abschaffung des Asylrechtsparagraphen fordern und kritisiert auch die asylfeindliche Haltung der älteren Bevölkerung im Land. So wird im Laufe seiner Rede aber auch klar, dass sich diese Asylfeindliche Haltung in Deutschland nicht nur gegen die Alten richtet, sondern durchaus auch in der jungen Bevölkerung wurzeln schlägt, was durch die jüngsten Anschläge in „Wismar und Rostock" (Zeile 89) Deutlichkeit wird. Eben diese Anschläge benutzt Härtling aber auch, für die Beibehaltung des Asylrechtsparagraphen im Grundgesetz zu argumentieren, da die Geschichtsvergessenheit zu neun Unrecht führen kann. Auch den Wohlstand unseres Landes nutzt Härtling um gegen die Abschaffung des Paragraphen zu argumentieren. Zum Ende seiner Rede in Zeile 110 lässt sich noch einmal ein indirektes Argument finden, in dem er die Folgen einer Streichung des Asylrechtsparagraphen aus dem Grundgesetz für Deutschland aufzeigt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass Peter Härtling seinen eigenen Standpunkt in seiner Rede ganz deutlich macht und so auch auf die Argumente ad populum verzichtet, und die geschichtsvergessene Menge lieber direkt angreift und direkt an jene appelliert, die die geschichtlichen Lektionen gelernt haben. Es zeichnet sich so auch eine Aufwertung der Wir-Gruppe ab, der er Werte wie Würde, Freiheit und Gewissen zuordnet. So unterstützt er durch das Personalpronomen wie auch das Gemeinschaftsgefühl. Er wertet die Gegnerische Gruppe als geschichtsvergessen, feige und aggressiv ab und unterstützt somit auch seine eigene Argumentation, die sich gegen die Streichung des Asylrechts aus dem Grundgesetz vorsieht.