Deutsch /

Analyse der Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" nach den 5 Axiomen von Watzlawick

Analyse der Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" nach den 5 Axiomen von Watzlawick

 DEUTSCH LK - INTERPRETATION NACH PAUL WATZLAWICKS AXIOMEN
„Ein netter Kerl" - Gabriele Wohmann
In der 1987 veröffentlichten Kurzgeschichte

Analyse der Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" nach den 5 Axiomen von Watzlawick

user profile picture

Tara

66 Followers

Teilen

Speichern

278

 

11/12/13

Ausarbeitung

Umfassende und sehr ausführliche Analyse der Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" von Gabriele Wohmann nach den Kommunikationsmitteln-Axiomen Paul Watzlawicks

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

DEUTSCH LK - INTERPRETATION NACH PAUL WATZLAWICKS AXIOMEN „Ein netter Kerl" - Gabriele Wohmann In der 1987 veröffentlichten Kurzgeschichte „Ein netter Kerl" von Gabriele Wohmann wird eine aus Beziehungsstörungen resultierende Kommunikationssituation in Form eines Familiengesprächs dargestellt. Die Familie, bestehend aus Vater, Mutter und den Töchtern Rita, Nanni und Milene, sitzt an einem Tisch und redet abfällig über einen bereits abgereisten Gast, den Rita mitgebracht hat, ohne zu wissen, dass es sich um ihren Verlobten handelt. Nach einiger Zeit bricht Rita ihr Schweigen und teilt ihrer Familie mit, dass der Gast ihr Verlobter ist. Daraufhin ist die Familie peinlich berührt und spricht kein Wort mehr. Die Kurzgeschichte setzt unmittelbar im Gespräch der Mutter und Nanni ein, welche abfällig über den soeben gegangen Gast spotten. Nanni bezeichnet den Mann als „entsetzlich“ (Z. 2) und vergleicht ihn daraufhin mit einem „Molch“ (Z.6) und „Schlamm“ (Z.7). Sie erwähnt zudem, dass ihre Schwester Rita nicht zu viel versprochen habe, als sie sagte, er sei „weich“ (Z.7). Die anderen Familienmitglieder halten sich zu diesem Zeitpunkt noch weitestgehend zurück. Die Mutter spricht zwar die Fettleibigkeit an, aber erkundigt sich zeitgleich bei Rita über die Gesundheit des Mannes. Lediglich Milene erwähnt, dass der Mann etwas Liebes habe. Sie beendet ihre vermeintlich positive Aussage über den gerade erst gegangenen Gast mit dem Wort ,wirklich"...

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Alternativer Bildtext:

(Z. 9), woraufhin die Mutter zu lachen beginnt. Zunächst lacht sie noch „beschämt“ (Z. 10), lacht aber im Folgenden „laut heraus" (Z. 13). Nanni macht sich daraufhin weiter über das Äußere des Mannes lustig. Rita fühlt sich offensichtlich durch die negativ konnotierten Kommentare ihrer Familie verletzt, nimmt sie aber vorerst hin, was daran erkennbar ist, dass sie sich am Sitz festhält und ihre Fingerkuppen fest ans Holz drückt (vgl. Z. 15). Ausgenommen von Milene, welche betont, dass sie Rita's Gast „ganz nett" (Z. 16) findet, schenken die anderen Familienmitglieder Ritas Verhalten keine Aufmerksamkeit. Als der Vater, der den Gast zum Bahnhof gebracht hat, wiederkommt und erzählt er habe Angst gehabt, seinen Zug nicht mehr zu erwischen, scheint dieses zunächst normal. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass auch das zur Belustigung dienen soll, denn er bringt seinen Spott mit der Aussage „So was von ängstlich" (Z. 24f.) zum Ausdruck. Rita antwortet daraufhin, dass er mit seiner Mutter zusammenlebe. Daraufhin bricht die gesamte Familie vollends in Gelächter aus und spottet, er sein ein Muttersöhnchen, was ihren ersten Eindruck nur noch mehr verstärkt. Als Rita erneut von ihrer Schwester Nanni provoziert wird, folgt der Wendepunkt der Kurzgeschichte. Rita gibt auf Nachfrage der Schwester, wann der Gast denn wiederkomme, die Verlobung bekannt. Die gesamte Familie reagiert mit schockiertem Schweigen und bewegt sich nicht einmal mehr. Nun beginnt Rita, die sich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten hat, ihre Familie anzugreifen. Obwohl sie sich zum Lachen überwinden muss, gelingt es ihr dennoch das Verhalten ihrer Familie zu imitieren und sie so bloßzustellen. Der Vater und die Mutter versuchen im Folgenden Rita zu beschwichtigen, indem sie versuchen positive Eigenschaften des Verlobten zu benennen, beginnen jedoch nur kurze Zeit später wieder zu schweigen. Sie sind sichtlich peinlich berührt, was man an ihren roten Gesichtern (Z. 49f) erkennen kann. Außerdem vermeiden sie Blickkontakt und schweigen. Was darauf folgt, ist unklar, da die Kurzgeschichte ein offenes Ende hat. Somit verdeutlicht die Kurzgeschichte „Ein netter Kerl“ wie eine Kommunikationsstörung innerhalb einer Familie entstehen kann, welche sich mithilfe der Kommunikationstheorie nach Watzlawick analysieren lässt, welche aus fünf Axiomen, das bedeutet Grundsätzen, die keines Beweises bedürfen, basiert. Die erste dieser Grundregeln besagt, dass man nicht nicht kommunizieren kann, da auch pures Schweigen oder einfaches Nichthandeln einen Mitteilungscharakter besitzen. Auch in der Kurzgeschichte lässt sich das erste Axiom wiederfinden. Bspw. geht aus der Handlung hervor, dass Rita sich mit den Händen am Tisch festhält“ (Z. 5) und „ihre Fingerkuppen fest ans Holz drückt“ (Z. 15). Mit diesem non-verbalen Verhalten wird für den Leser deutlich, dass Rita sich sichtlich unwohl fühlt, aber dennoch versucht, Haltung gegenüber ihrer Familie zu bewahren. Auch wenn Rita ihrer Familie nicht sagt, dass sie durch deren Bemerkungen verletzt ist, teilt Rita ihr non-verbal mit, dass sie sich unwohl fühlt und angespannt ist. Ein weiterer Beleg für das erste Axiom ist das Ende der Kurzgeschichte. An dem Satz „Am Tisch bewegte sich keiner" (Z.39) wird deutlich, dass die Familie geschockt darüber ist, dass Rita sich mit dem „Kerl" verlobt hat. Somit bringen die Familienmitglieder non-verbal zum Ausdruck, dass sie peinlich berührt sind, sich für ihr Gesagtes schämen und eventuell nicht wissen, wie sie mit der Situation umzugehen haben. Das zweite Axiom beinhaltet, dass jede Kommunikation einen Inhaltsaspekt (Informationen, Daten, Fakten) und einen Beziehungsaspekt (die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Sender und Empfänger) besitzt. Auf der sachlichen Ebene werden also die Inhalte mitgeteilt, auf der Beziehungsebene wird kommuniziert, wie diese Inhalte aufzufassen sind. Ein Beispiel hierfür ist das Missverständnis zwischen Rita und ihrer Familie. Rita liebt ihren Verlobten und beschreibt ihn somit bspw. als „weich“, weil sie mit diesem Begriff positive Eigenschaften assoziiert und ihre Familie somit eventuell auf die Verlobung vorbereiten will. Ihre Familie hingegen interpretiert ihre Aussagen falsch, weshalb sie nicht bemerkt, dass sie Rita mit ihren Bemerkungen verletzt. Diese konkrete Kommunikationssituation in der Kurzgeschichte verdeutlicht, dass Inhalts- und Beziehungsaspekt innerhalb der Familie nicht übereinstimmen. Darüber hinaus hatte Rita zu einem früheren Zeitpunkt anscheinend noch nicht den Mut ihrer Familie von der Verlobung zu erzählen, weshalb sie ihre Familie wohl schon vorher durch kritische Aussagen auf das Erscheinungsbild ihres Verlobten vorbereiten wollte. Dies ist erkennbar an Aussagen der Familie wie „Genau wie du ihn beschrieben hast" oder „Du hast nicht zu viel versprochen". Auch wenn Rita somit zeigt, dass die zu ihrem Verlobten steht, wirft die Situation die Frage auf, ob die Familie sich untereinander überhaupt gut kennt. Das dritte Axiom sagt aus, dass die Natur einer Beziehung durch ihre Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Kommunikationspartner bedingt ist, weshalb dies immer subjektiv ist. Dieser Grundsatz der Kommunikation findet sich in der Kurzgeschichte „Ein netter Kerl" in der Gruppendynamik der Familie im ersten Teil der Handlung wieder und zeigt zugleich, dass Kommunikation ein System ist. Folgend auf die Begegnung mit dem Mann und dessen Beschreibung durch Rita muss Nanni lachen. Daraufhin reagiert die Mutter auf das Gelächter ihrer Tochter mit Lachen. Das vierte Axiom beschreibt, dass es eine digitale und eine analoge Kommunikation gibt. Die digitale Kommunikation bezieht sich hierbei auf Worte und Sätze, die bestimmten Objekten zugeordnet sind. Diese Sprache ist daher logisch, abstrakt und repräsentiert den Inhaltsaspekt. Die digitale Sprache vermittelt in erster Linie Informationen und bietet daher keine Hinweise dafür, wie diese Information bewertet oder interpretiert werden soll. In der Kurzgeschichte sagt die Mutter, dass sie aufhören sollen, lacht dabei jedoch noch weiter. Sie sagt „Nun aber Schluß“ (Z.31), muss darauf aber lachen, was ihre Aussage entwertet. Erneut stimmen Inhalts- und Beziehungsebene nicht überein, da nun klar wird, dass sie das Gesagte nicht vollständig ernst meint. Auch das fünfte Axiom ist an der Kurzgeschichte nachweisbar. Dieser Grundsatz beinhaltet, dass zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe entweder symmetrisch oder komplementär sind, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht. In der Kurzgeschichte wird die komplementäre Interaktion dargestellt. Anfangs ist Nanni ihrer Schwester überlegen und Rita nimmt die sekundäre Position ein (Z. 1-36). Im zweiten Teil ist Rita primär und Nanni sekundär, da sie nun zum Ausdruck bringt, dass sie die Kommentare der Familie nicht toleriert und ihren Verlobten liebt. Nun beginnt Rita, die sich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten hat, ihre Familie anzugreifen, indem sie das Verhalten der Familie imitiert und sie so bloß stellt. Mit Sätzen wie „Ist das nicht zum Lachen!" (Z.41) oder Provokationen wie ,,He Nanni, bist du mir nicht dankbar, mit der Qualle hab ich mich verlobt, stell dir das doch mal vor!" (Z. 43f) benutzt sie sowohl den Stil als auch Worte ihrer Familie, um zu bezwecken, dass sie sich schämen. Somit wechselt die Kommunikation, verläuft aber dennoch komplementär. Die Kurzgeschichte „ein netter Kerl“ beginnt in medias res: Der Leser wird ohne eine Einleitung direkt mit einer Äußerung von Nanni konfrontiert, welche sagt „Ich habe ja so wahnsinnig gelacht, genau wie du ihn beschrieben hast." Außerdem hat die Geschichte ein offenes Ende, denn der Konflikt zwischen Rita und ihrer Familie wird nicht aufgelöst. Ein offener Anfang und ein offenes Ende charakterisieren eine Kurzgeschichte. Die Kurzgeschichte wird dabei aus einer neutralen Erzählerperspektive erzählt. Die Handlung, eine Familie am Tisch an einem beliebigen Ort, ermöglicht es dem Leser, sich schnell in die Alltagssituation hineinzuversetzen. Der Leser bekommt das Gefühl unmittelbar mit am Tisch zu sitzen. Die Kurzgeschichte will den Lesern dazu anregen, über vermeintlich harmlose Alltagskommunikation und Gruppendynamik nachzudenken. Ohne Einblicke in Ritas Innenwelt zu haben, wird deutlich, wie sehr sie ohne Wissen ihrer Familie, die ihr eigentlich positiv gegenübersteht, verletzt wird. Sie krallt sich immer fester in den Stuhl hinein. Die Familie schaukelt sich hingegen immer weiter in ihrer Lästerei auf und merkt nicht, dass Rita darunter leidet. Es kommt zu Missverständnissen. Dass sich die Familienmitglieder durch die Gruppendynamik gegenseitig immer weiter bestärken, wird metaphorisch durch „Das Lachen schwoll an, türmte sich vor ihr auf (...)" verdeutlicht (Z.28). Denn Wasser und Wellen können ebenso eine kraftvolle Dynamik erzeugen, wie die Lästereien innerhalb der Gruppe, die Rita nur „über sich hinwegspülen“ lassen kann. Zudem wird die wörtliche Rede zwar sehr häufig verwendet, jedoch nie in Anführungszeichen gesetzt. Dieses Stilmittel bewirkt, dass äußere und innere Handlung nahtlos ineinander übergehen. Der Text will Personen, die sich unüberlegt über andere sarkastisch oder beleidigend äußern, zum Nachdenken auffordern. Sie sollen vorher überlegen, in wessen Gegenwart sie ihre Kommentare aussprechen und auf die Reaktionen der Zuhörer achten. Somit appelliert die Kurzgeschichte an den Leser, dass Gruppendynamik sich schnell potenzieren und sehr verletzend sein kann. Des Weiteren verdeutlicht „Ein netter Kerl“, dass Sender und Empfänger in einer Kommunikationssituation das Gesagte unterschiedlich interpretieren können. Somit sollten alle Kommunikationspartner darüber nachdenken, in wessen Gegenwart sie Kommentare aussprechen und zudem stetig auf die Reaktion ihrer Zuhörer achten. Nach nun eingehender Interpretation komme ich zu dem Schluss, dass die Kurzgeschichte „Ein netter Kerl" eine Familienkrise darstellt, die durch Kommunikationsprobleme, Rücksichtslosigkeit und mangelndem Vertrauen zustande kommt.

Deutsch /

Analyse der Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" nach den 5 Axiomen von Watzlawick

user profile picture

Tara   

Follow

66 Followers

 DEUTSCH LK - INTERPRETATION NACH PAUL WATZLAWICKS AXIOMEN
„Ein netter Kerl" - Gabriele Wohmann
In der 1987 veröffentlichten Kurzgeschichte

App öffnen

Umfassende und sehr ausführliche Analyse der Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" von Gabriele Wohmann nach den Kommunikationsmitteln-Axiomen Paul Watzlawicks

DEUTSCH LK - INTERPRETATION NACH PAUL WATZLAWICKS AXIOMEN „Ein netter Kerl" - Gabriele Wohmann In der 1987 veröffentlichten Kurzgeschichte „Ein netter Kerl" von Gabriele Wohmann wird eine aus Beziehungsstörungen resultierende Kommunikationssituation in Form eines Familiengesprächs dargestellt. Die Familie, bestehend aus Vater, Mutter und den Töchtern Rita, Nanni und Milene, sitzt an einem Tisch und redet abfällig über einen bereits abgereisten Gast, den Rita mitgebracht hat, ohne zu wissen, dass es sich um ihren Verlobten handelt. Nach einiger Zeit bricht Rita ihr Schweigen und teilt ihrer Familie mit, dass der Gast ihr Verlobter ist. Daraufhin ist die Familie peinlich berührt und spricht kein Wort mehr. Die Kurzgeschichte setzt unmittelbar im Gespräch der Mutter und Nanni ein, welche abfällig über den soeben gegangen Gast spotten. Nanni bezeichnet den Mann als „entsetzlich“ (Z. 2) und vergleicht ihn daraufhin mit einem „Molch“ (Z.6) und „Schlamm“ (Z.7). Sie erwähnt zudem, dass ihre Schwester Rita nicht zu viel versprochen habe, als sie sagte, er sei „weich“ (Z.7). Die anderen Familienmitglieder halten sich zu diesem Zeitpunkt noch weitestgehend zurück. Die Mutter spricht zwar die Fettleibigkeit an, aber erkundigt sich zeitgleich bei Rita über die Gesundheit des Mannes. Lediglich Milene erwähnt, dass der Mann etwas Liebes habe. Sie beendet ihre vermeintlich positive Aussage über den gerade erst gegangenen Gast mit dem Wort ,wirklich"...

Nichts passendes dabei? Erkunde andere Fachbereiche.

Mit uns zu mehr Spaß am Lernen

Hilfe bei den Hausaufgaben

Mit dem Fragen-Feature hast du die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und Antworten von anderen Schüler:innen zu erhalten.

Gemeinsam lernen

Mit Knowunity erhältest du Lerninhalte von anderen Schüler:innen auf eine moderne und gewohnte Art und Weise, um bestmöglich zu lernen. Schüler:innen teilen ihr Wissen, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.

Sicher und geprüft

Ob Zusammenfassungen, Übungen oder Lernzettel - Knowunity kuratiert alle Inhalte und schafft eine sichere Lernumgebung zu der Ihr Kind jederzeit Zugang hat.

App herunterladen

Knowunity

Schule. Endlich einfach.

App öffnen

Alternativer Bildtext:

(Z. 9), woraufhin die Mutter zu lachen beginnt. Zunächst lacht sie noch „beschämt“ (Z. 10), lacht aber im Folgenden „laut heraus" (Z. 13). Nanni macht sich daraufhin weiter über das Äußere des Mannes lustig. Rita fühlt sich offensichtlich durch die negativ konnotierten Kommentare ihrer Familie verletzt, nimmt sie aber vorerst hin, was daran erkennbar ist, dass sie sich am Sitz festhält und ihre Fingerkuppen fest ans Holz drückt (vgl. Z. 15). Ausgenommen von Milene, welche betont, dass sie Rita's Gast „ganz nett" (Z. 16) findet, schenken die anderen Familienmitglieder Ritas Verhalten keine Aufmerksamkeit. Als der Vater, der den Gast zum Bahnhof gebracht hat, wiederkommt und erzählt er habe Angst gehabt, seinen Zug nicht mehr zu erwischen, scheint dieses zunächst normal. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass auch das zur Belustigung dienen soll, denn er bringt seinen Spott mit der Aussage „So was von ängstlich" (Z. 24f.) zum Ausdruck. Rita antwortet daraufhin, dass er mit seiner Mutter zusammenlebe. Daraufhin bricht die gesamte Familie vollends in Gelächter aus und spottet, er sein ein Muttersöhnchen, was ihren ersten Eindruck nur noch mehr verstärkt. Als Rita erneut von ihrer Schwester Nanni provoziert wird, folgt der Wendepunkt der Kurzgeschichte. Rita gibt auf Nachfrage der Schwester, wann der Gast denn wiederkomme, die Verlobung bekannt. Die gesamte Familie reagiert mit schockiertem Schweigen und bewegt sich nicht einmal mehr. Nun beginnt Rita, die sich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten hat, ihre Familie anzugreifen. Obwohl sie sich zum Lachen überwinden muss, gelingt es ihr dennoch das Verhalten ihrer Familie zu imitieren und sie so bloßzustellen. Der Vater und die Mutter versuchen im Folgenden Rita zu beschwichtigen, indem sie versuchen positive Eigenschaften des Verlobten zu benennen, beginnen jedoch nur kurze Zeit später wieder zu schweigen. Sie sind sichtlich peinlich berührt, was man an ihren roten Gesichtern (Z. 49f) erkennen kann. Außerdem vermeiden sie Blickkontakt und schweigen. Was darauf folgt, ist unklar, da die Kurzgeschichte ein offenes Ende hat. Somit verdeutlicht die Kurzgeschichte „Ein netter Kerl“ wie eine Kommunikationsstörung innerhalb einer Familie entstehen kann, welche sich mithilfe der Kommunikationstheorie nach Watzlawick analysieren lässt, welche aus fünf Axiomen, das bedeutet Grundsätzen, die keines Beweises bedürfen, basiert. Die erste dieser Grundregeln besagt, dass man nicht nicht kommunizieren kann, da auch pures Schweigen oder einfaches Nichthandeln einen Mitteilungscharakter besitzen. Auch in der Kurzgeschichte lässt sich das erste Axiom wiederfinden. Bspw. geht aus der Handlung hervor, dass Rita sich mit den Händen am Tisch festhält“ (Z. 5) und „ihre Fingerkuppen fest ans Holz drückt“ (Z. 15). Mit diesem non-verbalen Verhalten wird für den Leser deutlich, dass Rita sich sichtlich unwohl fühlt, aber dennoch versucht, Haltung gegenüber ihrer Familie zu bewahren. Auch wenn Rita ihrer Familie nicht sagt, dass sie durch deren Bemerkungen verletzt ist, teilt Rita ihr non-verbal mit, dass sie sich unwohl fühlt und angespannt ist. Ein weiterer Beleg für das erste Axiom ist das Ende der Kurzgeschichte. An dem Satz „Am Tisch bewegte sich keiner" (Z.39) wird deutlich, dass die Familie geschockt darüber ist, dass Rita sich mit dem „Kerl" verlobt hat. Somit bringen die Familienmitglieder non-verbal zum Ausdruck, dass sie peinlich berührt sind, sich für ihr Gesagtes schämen und eventuell nicht wissen, wie sie mit der Situation umzugehen haben. Das zweite Axiom beinhaltet, dass jede Kommunikation einen Inhaltsaspekt (Informationen, Daten, Fakten) und einen Beziehungsaspekt (die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Sender und Empfänger) besitzt. Auf der sachlichen Ebene werden also die Inhalte mitgeteilt, auf der Beziehungsebene wird kommuniziert, wie diese Inhalte aufzufassen sind. Ein Beispiel hierfür ist das Missverständnis zwischen Rita und ihrer Familie. Rita liebt ihren Verlobten und beschreibt ihn somit bspw. als „weich“, weil sie mit diesem Begriff positive Eigenschaften assoziiert und ihre Familie somit eventuell auf die Verlobung vorbereiten will. Ihre Familie hingegen interpretiert ihre Aussagen falsch, weshalb sie nicht bemerkt, dass sie Rita mit ihren Bemerkungen verletzt. Diese konkrete Kommunikationssituation in der Kurzgeschichte verdeutlicht, dass Inhalts- und Beziehungsaspekt innerhalb der Familie nicht übereinstimmen. Darüber hinaus hatte Rita zu einem früheren Zeitpunkt anscheinend noch nicht den Mut ihrer Familie von der Verlobung zu erzählen, weshalb sie ihre Familie wohl schon vorher durch kritische Aussagen auf das Erscheinungsbild ihres Verlobten vorbereiten wollte. Dies ist erkennbar an Aussagen der Familie wie „Genau wie du ihn beschrieben hast" oder „Du hast nicht zu viel versprochen". Auch wenn Rita somit zeigt, dass die zu ihrem Verlobten steht, wirft die Situation die Frage auf, ob die Familie sich untereinander überhaupt gut kennt. Das dritte Axiom sagt aus, dass die Natur einer Beziehung durch ihre Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Kommunikationspartner bedingt ist, weshalb dies immer subjektiv ist. Dieser Grundsatz der Kommunikation findet sich in der Kurzgeschichte „Ein netter Kerl" in der Gruppendynamik der Familie im ersten Teil der Handlung wieder und zeigt zugleich, dass Kommunikation ein System ist. Folgend auf die Begegnung mit dem Mann und dessen Beschreibung durch Rita muss Nanni lachen. Daraufhin reagiert die Mutter auf das Gelächter ihrer Tochter mit Lachen. Das vierte Axiom beschreibt, dass es eine digitale und eine analoge Kommunikation gibt. Die digitale Kommunikation bezieht sich hierbei auf Worte und Sätze, die bestimmten Objekten zugeordnet sind. Diese Sprache ist daher logisch, abstrakt und repräsentiert den Inhaltsaspekt. Die digitale Sprache vermittelt in erster Linie Informationen und bietet daher keine Hinweise dafür, wie diese Information bewertet oder interpretiert werden soll. In der Kurzgeschichte sagt die Mutter, dass sie aufhören sollen, lacht dabei jedoch noch weiter. Sie sagt „Nun aber Schluß“ (Z.31), muss darauf aber lachen, was ihre Aussage entwertet. Erneut stimmen Inhalts- und Beziehungsebene nicht überein, da nun klar wird, dass sie das Gesagte nicht vollständig ernst meint. Auch das fünfte Axiom ist an der Kurzgeschichte nachweisbar. Dieser Grundsatz beinhaltet, dass zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe entweder symmetrisch oder komplementär sind, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht. In der Kurzgeschichte wird die komplementäre Interaktion dargestellt. Anfangs ist Nanni ihrer Schwester überlegen und Rita nimmt die sekundäre Position ein (Z. 1-36). Im zweiten Teil ist Rita primär und Nanni sekundär, da sie nun zum Ausdruck bringt, dass sie die Kommentare der Familie nicht toleriert und ihren Verlobten liebt. Nun beginnt Rita, die sich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten hat, ihre Familie anzugreifen, indem sie das Verhalten der Familie imitiert und sie so bloß stellt. Mit Sätzen wie „Ist das nicht zum Lachen!" (Z.41) oder Provokationen wie ,,He Nanni, bist du mir nicht dankbar, mit der Qualle hab ich mich verlobt, stell dir das doch mal vor!" (Z. 43f) benutzt sie sowohl den Stil als auch Worte ihrer Familie, um zu bezwecken, dass sie sich schämen. Somit wechselt die Kommunikation, verläuft aber dennoch komplementär. Die Kurzgeschichte „ein netter Kerl“ beginnt in medias res: Der Leser wird ohne eine Einleitung direkt mit einer Äußerung von Nanni konfrontiert, welche sagt „Ich habe ja so wahnsinnig gelacht, genau wie du ihn beschrieben hast." Außerdem hat die Geschichte ein offenes Ende, denn der Konflikt zwischen Rita und ihrer Familie wird nicht aufgelöst. Ein offener Anfang und ein offenes Ende charakterisieren eine Kurzgeschichte. Die Kurzgeschichte wird dabei aus einer neutralen Erzählerperspektive erzählt. Die Handlung, eine Familie am Tisch an einem beliebigen Ort, ermöglicht es dem Leser, sich schnell in die Alltagssituation hineinzuversetzen. Der Leser bekommt das Gefühl unmittelbar mit am Tisch zu sitzen. Die Kurzgeschichte will den Lesern dazu anregen, über vermeintlich harmlose Alltagskommunikation und Gruppendynamik nachzudenken. Ohne Einblicke in Ritas Innenwelt zu haben, wird deutlich, wie sehr sie ohne Wissen ihrer Familie, die ihr eigentlich positiv gegenübersteht, verletzt wird. Sie krallt sich immer fester in den Stuhl hinein. Die Familie schaukelt sich hingegen immer weiter in ihrer Lästerei auf und merkt nicht, dass Rita darunter leidet. Es kommt zu Missverständnissen. Dass sich die Familienmitglieder durch die Gruppendynamik gegenseitig immer weiter bestärken, wird metaphorisch durch „Das Lachen schwoll an, türmte sich vor ihr auf (...)" verdeutlicht (Z.28). Denn Wasser und Wellen können ebenso eine kraftvolle Dynamik erzeugen, wie die Lästereien innerhalb der Gruppe, die Rita nur „über sich hinwegspülen“ lassen kann. Zudem wird die wörtliche Rede zwar sehr häufig verwendet, jedoch nie in Anführungszeichen gesetzt. Dieses Stilmittel bewirkt, dass äußere und innere Handlung nahtlos ineinander übergehen. Der Text will Personen, die sich unüberlegt über andere sarkastisch oder beleidigend äußern, zum Nachdenken auffordern. Sie sollen vorher überlegen, in wessen Gegenwart sie ihre Kommentare aussprechen und auf die Reaktionen der Zuhörer achten. Somit appelliert die Kurzgeschichte an den Leser, dass Gruppendynamik sich schnell potenzieren und sehr verletzend sein kann. Des Weiteren verdeutlicht „Ein netter Kerl“, dass Sender und Empfänger in einer Kommunikationssituation das Gesagte unterschiedlich interpretieren können. Somit sollten alle Kommunikationspartner darüber nachdenken, in wessen Gegenwart sie Kommentare aussprechen und zudem stetig auf die Reaktion ihrer Zuhörer achten. Nach nun eingehender Interpretation komme ich zu dem Schluss, dass die Kurzgeschichte „Ein netter Kerl" eine Familienkrise darstellt, die durch Kommunikationsprobleme, Rücksichtslosigkeit und mangelndem Vertrauen zustande kommt.