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"Dantons Tod" / Büchner: 2. Akt, 3. Szene mit Werkvergleich zu "Homo faber"/Frisch und "Agnes"/Stamm

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 www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ /
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Klaus Schenck

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www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 1 von 8 Klassenarbeit: 330 Minuten (entspricht Abiturzeit!) Aufgabenstellung: Text / Reclam (2. Akt, 3. Szene): S. 38 / Z. 26 - Ende der Szene ,,CAMILLE. Was sagst du Lucile? ..." 1. Interpretieren Sie den Textauszug im Kontext der vorangegange- nen Handlung, benutzen Sie die Zeilenzählung des KA-Textes. 2. Büchners „Dantons Tod", Frischs ,,Homo faber" und Stamms „Agnes": Untersuchen Sie in einer vergleichenden Betrachtung die Bedeutung, die Lucile für Camille, Sabeth für Faber und Agnes für den Ich-Erzähler hat. H = ,,Homo faber" 1 A = „Agnes" / D = „Dantons Tod" „Der Mensch kann nur das sein, als was er sich selbst sieht, und nur erlangen, was er sich selbst erlangen sieht“. Dieses Zitat von Florence Scovel Shinn spiegelt Per- sönlichkeit und Scheitern Dantons im von Georg Büchner verfassten Drama ,,Dantons Tod" wider. Aufgrund seines Glaubens an höhere Mächte, die alles Geschehen der Welt leiten, ihn zum Scheitern verdammen und Robespierre zum Sieger über ihn erheben, zieht sich der Protagonist Danton aus dem politischen Agieren zurück und spricht so sein eigenes Todesurteil. Dantons Leben ist durchgezogen von Schuldgefühlen, Langeweile und Lebensüber- druss. Um die Qual des Lebens zu mildern, wechselt er zwischen verschiedenen Lebensphilosophien, von denen er allerdings keine einzige...

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durchgehend aufrecht- erhalten kann Im Zentrum des Dramas steht der lebens- und politiküberdrüssige Georg Danton. Zurückgezogen von der Politik und von Schuldgefühlen durch die Septembermorde geplagt, geht der ehemalige Erfolgspolitiker seinen Sehnsüchten nach und lebt ledig- lich noch für den Genuss, während er das verarmte Volk in seinem Leiden allein lässt. Dies und seine Forderung nach Liberalismus rechnet ihm die gegnerische Seite, geführt von Robespierre, als untragbares Laster an und will ihn zum Tode ver- urteilen. Trotz Warnungen seiner Freunde gibt Danton sich keine Mühe, um sein Le- Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 2 von 8 ben zu kämpfen und redet sich selbst ein, dass man es nicht wagen wird ihn anzu- greifen. An anderer Stelle kokettiert er mit dem Tod als Retter aus seinen Schuldge- fühlen und hat eine regelrechte Todessehnsucht. Als es nun zur Verhaftung kommt, erkennt Danton, dass der Tod ihm keine Erlösung bringt. Doch auch sein wiederer- weckter Kampfgeist vor dem Tribunal kann ihn nicht mehr retten. In plötzlicher To- desangst bleibt ihm nur noch die Liebe zu seiner Partnerin Julie, die ihn durch die Mitteilung, mit ihm in den Tod zu gehen, beruhigt. Letztendlich wird er gemeinsam mit seinen Freunden guillotiniert. Die Textstelle von Seite 38 bis 40 thematisiert Dantons Trägheit als Ursache für seine Hinrichtung, aber auch die seiner Freunde, - intensiviert in dieser Szene durch Luciles starke Liebe und Sorge um ihren Partner Camille. Die Ideale der Dantonisten stehen im Kontrast zu denen der Jakobiner, speziell Robespierres. Während Robespierre das Volk gegen Danton aufhetzt, hält sich die- ser in Spielkasinos und bei Grisetten auf und kümmert sich nicht um die drohende Gefahr. Warnungen von Außenstehenden nimmt er nicht ernst und sieht nicht ein zu fliehen. Camille verbringt, als einer von Dantons engsten Freunden, viel Zeit mit ihm und drängte ihn bereits selbst mehrmals zum Handeln. Camille und Lucile halten sich in einem Zimmer auf, aus dem Danton gerade hinaus- gerufen wurde. Dem geht eine Diskussion über den Realitätsverlust des Volkes vo- raus, wobei Lucile nur als Beobachter anwesend ist. Als Danton den Raum verlässt, wendet sich Camille seiner Partnerin zu und fragt diese, was sie zur Thematik „[sage]“ (Z. 1). Obwohl die Frau zur damaligen Zeit einen geringeren Stellenwert hat als der Mann, scheint Camille Wert auf ihre Meinung zu legen. „Nichts“ (Z. 2) habe sie dazu zu sagen, jedoch „[sehe]“ (Z. 2) sie ihn „so gern sprechen" (Z. 2). Es kommt Lucile, welche wenig Ahnung von Politik hat, nicht auf den Inhalt an. Es reicht ihr vollkommen, wenn sie ihrem Geliebten beim Sprechen zuhören, seine Stimme vernehmen und ihn bewundern kann. Zu Recht fragt Camille also exakter nach, ob sie ihn denn auch „[höre]“ (Z.3), was sie mit einem selbstver- ständlich klingenden „Ei freilich“ (Z. 4) beantwortet. Allerdings bedeutet „[sehen]" (Z.2) und „[hören]“ (Z. 3) keineswegs verstehen, wissen, wovon die Rede ist. An ih- rem Ignorieren der Frage, ob er „Recht“ (Z.5) habe und ihrer betonten Verneinung der Frage, ob sie wisse, „was [er] gesagt habe“ (Z. 5), sieht man deutlich ihr Desinte- resse am eigentlichen Inhalt der Diskussion. Dass sie trotzdem anwesend ist, zeugt von ihrem Interesse an Camille. Das Gespräch des Paares wird von der Rückkehr Dantons unterbrochen. Dieser teilt mit, dass man seine „ Verhaftung beschlossen“ (Z. 10f) habe. Gleichgültig und von dem Vorfall unbeeindruckt erklärt er, „[s]ie wollen [seinen] Kopf" (Z. 13) und drückt durch den Zusatz „meinetwegen“ (Z. 13) aus, dass er nichts dagegen habe. Hierauf ist es auch zurückzuführen, dass er trotz einem angebotenen „Zufluchtsort“ (Z. 11f) nicht geflohen ist. Begründet ist Dantons Gleichgültigkeit im Lebensüberdruss, so Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 3 von 8 sagt er selbst, er sei „der Hudeleien überdrüssig“ (Z. 13f). „Was liegt daran" (Z. 14f), wenn man ihm seinen Kopf nehme, ihn guillotiniere, lautet seine Frage in die Runde. Danton ist gelangweilt vom Leben und den ständigen Wiederholungen. Danton hat Geld, eine Frau und lebt im Luxus, es fehlt ihm an nichts (vgl. S. 70), nur an der Le- benslust, da der Überdruss sein Leben eintönig macht. Hinzu kommt seine fehlende Motivation zum Kampf und zur Politik. Bei den Septembermorden hat er genug Leid hervorgerufen. Um dies nicht zu wiederholen, verhält er sich träge. Einerseits gibt er als Gründe für seine Passivität, welche auch in der Aussage, Ich werde mit Mut zu sterben wissen, das ist leichter, als zu leben“ (Z. 15f) zu sehen ist, die Langeweile und andererseits die Schuldgefühle durch die Septembermorde. Beides belastet ihn so, dass er den Tod als „leichter[e]“ (Z. 16) Variante vorzieht. Letztendlich macht er sich aber etwas vor, denn im Angesicht des Todes ändert er seine Meinung, kämpft ein letztes Mal um sein Leben. Während Danton sich über sein Scheitern bewusst ist, keinen Ausweg sieht, geschweige denn sehen will, drängt Camille weiter zum Han- deln, schließlich sei noch „Zeit“ (Z.17), was Danton durch sein „Unmöglich“(Z. 18) zerstört. Camille wirft ihm „Trägheit“ (Z. 19) vor, doch Danton widerspricht, schließ- lich sei er nicht „träg, aber müde“ (Z. 20) durch das anstrengende und leidvolle Le- ben. Seine „ Sohlen brennen [ihn]“ (Z. 20). Mit dieser Metapher macht er deutlich, dass seine Füße vom sinnlosen Kämpfen schmerzen, er sich zur Ruhe legen und sterben will. Danton geht weg und lässt Camille und Lucile allein. Diese scheint genau zugehört zu haben und drückt durch die Emphase „Ach Camille" (Z. 26) ihre Sorge um ihn aus. Mehrmals fordert Camille Lucile auf ruhig zu sein („Sei ruhig“ [Z. 27 und 30]). Zum einen will er damit sich selbst, zum anderen sie beruhigen. Er scheint ihre Sorge um ihn nicht zu ertragen, was von einer tiefen Verbundenheit zeugt. Luciles Feingefühl verrät ihr, dass auch Camille verurteilt werden wird. Sie kann nicht begreifen, dass „dies Haupt" (Z. 28), ihr geliebter Camille, verletzt werden könnte. Daher fordert sie nahezu, dass er sie beruhigt. Feststellend, dass es „Unsinn“ (Z. 29) sei, fragt sie, ob sie denn nun „wahnsinnig“ (Z. 29) sei. Beruhigen kann er Lucile allerdings nicht. Stattdessen redet er sich nur selbst ein, dass ihm nichts passieren werde, schließlich seien „Danton und [er]“ (Z. 30) zwei verschiedene Personen, eben „nicht Eins" (Z. 30). Diese billige Selbstberuhigung erinnert stark an Dantons „sie werden´s nicht wa- gen" (S. 23 / Z. 3). Letztendlich beschwert er sich über Dantons Trägheit, handelt aber selbst nicht. Lucile ist nervlich am Ende. Die Vorstellung, man könne ihr ihren Camille nehmen, zerreißt sie. Plötzlich scheint sie wirklich wahnsinnig geworden, wenn sie die Weite der „Erde“ (Z. 31) mit den „viel[en] Dinge[n] drauf“ (Z. 31) an- spricht. Dabei will sie nur zum Ausdruck bringen, dass man ihr nicht „grade das eine" (Z. 32), Camille, als das Einzige, was sie hat, nehmen könne. Es „wäre arg“ (Z. 33) für sie. Man merkt also aus ihrer starken Sorge heraus, dass sie nicht ohne Camille leben will, er ihr viel bedeutet. Hierbei ist zu bedenken, dass sie sich nach seiner Hin- richtung vermutlich absichtlich gefangen nehmen lässt und hingerichtet wird. Camille startet einen neuen Versuch sie zu beruhigen. Er habe schließlich gestern noch mit Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 4 von 8 Robespierre gesprochen. Dabei ist das temporale Adverb „Gestern“ (Z. 34) als Inver- sion an den Satzanfang vorgezogen. Hiermit will er betonen, dass es nur wenige Stunden her sei, das Robespierre „freundlich“ (Z. 35) war. Nun haben sich die Rollen getauscht. Nicht mehr Camille erfasst die Gefahr und warnt den blinden Danton, sondern Lucile sieht die Gefahr, drängt Camille Robespierre erneut aufzusuchen. „Such ihn auf“ (Z. 39), lautet ihre bestimmte Forderung. Dies scheint für sie die ein- zige Rettung zu sein. Camille bleibt jedoch uneinsichtig. Er scheint mit Robespierre befreundet gewesen zu sein, er saß mit ihm „ auf einer Schulbank“ (Z. 39), habe ihn aufgesucht und ihn „lachen“ (Z. 41) gemacht, wenn dieser - wie so oft - „einsam“ (Z. 40) war. Hierbei vergisst Camille allerdings, dass Robespierre keinen Halt vor Freun- den machen wird, um sein Ziel zu erreichen. Zum anderen müsste Camille sich dar- über bewusst sein, dass Robespierre gerade von einem alten Freund enttäuscht sein wird, wenn sich dieser, wie Camille, gegen ihn stellt. Lucile drängt weiter mit der Em- phase „Geh!“ (Z. 43). Nur zum Abschluss will sieh ihn erneut küssen, als habe sie Angst, es sei das letzte Mal. Allein verfällt Lucile völlig dem Wahnsinn. „Ach Schei- den, ach Scheiden, ach Scheiden. Wer hat sich das Scheiden erdacht?“ (Z. 48f). Dieses Lied, welches ihr soeben in den Kopf gekommen ist, singt sie vor sich hin. Dabei ist ihr selbst unklar, wie sie nun auf dieses Lied kommt. Auch wenn sie sich wohl selbst nicht darüber bewusst ist, scheint ihr unterbewusst klar zu sein, dass sie Camille verlieren wird. Das aus dem Unterbewusstsein kommende Lied erschreckt sie, schließlich müsse sie „ sich fassen“ (Z. 47) und optimistisch bleiben. Die These des letzten Kusses wird bestätigt durch die Beschreibung ihres Gefühls, als er „hin- aus ist" (Z. 52). Es sei ihr vorgekommen, als werde er „nicht mehr umkehren“ (Z. 53), als „müsse er immer weiter weg“ (Z, 53). Gleichzeitig empfindet sie es jetzt, wo das „Zimmer so leer ist“ (Z. 55), als sei „ein Toter drin gelegen" (Z. 56). Diese Antizipa- tion, sei sie nun zurückzuführen auf weibliche Intuition oder das Unterbewusstsein, zeigt deutlich, dass Lucile eine enge Beziehung, vielleicht sogar Seelenverwandt- schaft, zu Camille pflegt. Nur so ist ihr Feingefühl zu erklären. Dass sie es nach sei- nem Verlassen des Raumes vor Sorge „nicht aus[hält]“ (Z. 56f) und „geht“ (Z. 57), ist eine weitere Antizipation auf ihren vermutlichen Tod als Reaktion auf den seinigen, da sie ohne ihn nicht leben will. In den drei Werken „Agnes“ (A) von Peter Stamm, „Dantons Tod“ (D) von Georg Büchner und „Homo Faber“ (H) von Max Frisch spielen die Frauenfiguren Rollen un- terschiedlicher Bedeutung für ihre jeweiligen Partner. Während Lucile und Camille in „Dantons Tod" eine sehr innige, glückliche Beziehung führen, sind die, wenn auch unbewussten, Absichten von Faber (H) und dem Ich-Er- zähler (A) nicht auf wahre Liebe zurückzuführen. Faber begegnet Sabeth auf einer Reise und zeigt sich sofort fasziniert. Von Anfang an erwähnt er ständig ihre „Ähn- lichkeit" (S. 80/H) zu seiner Jugendliebe Hanna und auch, wenn er diese verneint, ist es doch ein Zeichen dafür, dass er Sabeth mit Hanna in Verbindung bringt, dies aber nicht wahrhaben will. Auch im Zusammenhang mit seinem völlig überstürzten Hei- Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 5 von 8 ratsantrag an das Mädchen, das er kaum kennt, erwähnt er ihr „Hanna-Mädchen- Gesicht" (S. 94/H). Aufgrund dieser Brücke zu Hanna und der Sinnlosigkeit des An- trags an eine Fremde ist zu vermuten, dass der Antrag eigentlich Hanna galt, dass er den Kontakt zu Sabeth nur aufnimmt, um die ihn belastende Vergangenheit aufzuar- beiten, er sich nicht direkt in sie verliebt, sondern von seiner Liebe zu Hanna gesteu- ert wird. Sabeth wird so nicht wie Lucile zur Geliebten, sondern lediglich zu einem Mittel zum Zweck. Ähnlich ist es bei Agnes. Der Ich-Erzähler schreibt selbst, dass er sich nicht sofort „in sie verliebt" (S. 14/A) habe. Dennoch wirken seine Gedanken schon zu Beginn des Romans, als seien sie bereits ein Paar. Obwohl er sie kaum kennt, malt er sich die gemeinsame Zukunft aus, hat sogar schon „Zweifel" (S. 17/A). Wenn er sich bereits ohne Liebesgefühle so hingibt, ist es in Frage zu stellen, ob er je wirklich Gefühle hatte. Hinzu kommt, dass er den Verlauf der Beziehung sehr lieb- los darstellt. Er beschreibt Agnes als ein „Kleidungsstück“ (S. 22/A), an das man sich „gewöhnt" (S. 22/A). Sie „gewöhnten sich aneinander“ (S. 22/A). Von Liebe, Gefühlen ist gar keine Rede. Agnes wird nicht zur Geliebten, sondern zu einer Sache, die dem Ich-Erzähler gerade recht kommt, da er am Abend des Kennenlernens sowieso schon ,die Leere des Abends" (S. 14/A) spürte. An anderer Stelle beschreibt er eine „körperliche Abhängigkeit“ (S. 61/A). Es sei, als „dringe" (S. 61/A) etwas in ihn ein. Dieses negativ konnotierte Eindringen scheint gegen seine Bereitschaft dazu zu geschehen. Die Beziehung zu Agnes stört ihn scheinbar sogar, da sie ihn in seinem Freiheitsdrang eingeschränkt. Faber ist ebenso wie der Ich-Erzähler ein Mann mit einem gestörten Verhältnis zu Beziehungen. Beide verbringen ihre Zeit lieber allein. Dies trifft bei Faber nur gegenüber Hanna und Sabeth nicht zu. Da Sabeth ihn an Hanna erinnert und es „[nur] mit Hanna" (S.100/H) ,,nie absurd gewesen" (S.100/H) ist, kommt er mit ihr zurecht. Hanna gegenüber hatte Faber weniger Probleme mit Nähe und Bindung, da seine aufrichtige Liebe zu ihr stärker war. Diese Gefühle zu Hanna projektiert Faber unbewusst auf Sabeth. Während Fabers falsche Gefühle für Sabeth sich also seinem Bewusstsein entzie- hen, scheint der Ich-Erzähler zu wissen, was er macht. Durch die Geschichte wird Agnes zu „[seinem] Geschöpf" (S. 62/A). Die Beziehung hält nur, solange Agnes ihn nicht in seiner Freiheit einschränkt. Mit dem Vorstoßen der Geschichte in die Zukunft kann der Ich-Erzähler Agnes nach seinen Wünschen manipulieren und dies nutzt er schamlos aus, obwohl er diesbezüglich schon in früheren Beziehungen schlechte Erfahrungen gemacht hat und weiß, dass er beim Schreiben über andere die Kon- trolle verliert. Letztendlich liebt der Ich-Erzähler Agnes nicht und auch die Abhängig- keit gilt nicht direkt ihr. Der Ich-Erzähler hat sich vielmehr in sein Bild von ihr verliebt. Der realen Agnes gegenüber fühlt er sich nur nahe, wenn ihre Persönlichkeit seinem Bild nicht widersprechen kann, zum Beispiel, wenn sie, wie beim Ausflug in den Nati- onalpark, schläft. Hier fühlt er sich ihr ganz nahe, als sie jedoch aufwacht, ignoriert er die Frage, ob er sich ihr immer noch nahe fühle (vgl. S. 70/A), was das Gegenteil vermuten lässt. Im Kontrast dazu kommt Camilles Liebe zu Lucile gerade dadurch zum Ausdruck, dass er ihr, wie in der zu behandelnden Textstelle, zuhört, sich für sie Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€

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An anderer Stelle kokettiert er mit dem Tod als Retter aus seinen Schuldge- fühlen und hat eine regelrechte Todessehnsucht. Als es nun zur Verhaftung kommt, erkennt Danton, dass der Tod ihm keine Erlösung bringt. Doch auch sein wiederer- weckter Kampfgeist vor dem Tribunal kann ihn nicht mehr retten. In plötzlicher To- desangst bleibt ihm nur noch die Liebe zu seiner Partnerin Julie, die ihn durch die Mitteilung, mit ihm in den Tod zu gehen, beruhigt. Letztendlich wird er gemeinsam mit seinen Freunden guillotiniert. Die Textstelle von Seite 38 bis 40 thematisiert Dantons Trägheit als Ursache für seine Hinrichtung, aber auch die seiner Freunde, - intensiviert in dieser Szene durch Luciles starke Liebe und Sorge um ihren Partner Camille. Die Ideale der Dantonisten stehen im Kontrast zu denen der Jakobiner, speziell Robespierres. Während Robespierre das Volk gegen Danton aufhetzt, hält sich die- ser in Spielkasinos und bei Grisetten auf und kümmert sich nicht um die drohende Gefahr. Warnungen von Außenstehenden nimmt er nicht ernst und sieht nicht ein zu fliehen. Camille verbringt, als einer von Dantons engsten Freunden, viel Zeit mit ihm und drängte ihn bereits selbst mehrmals zum Handeln. Camille und Lucile halten sich in einem Zimmer auf, aus dem Danton gerade hinaus- gerufen wurde. Dem geht eine Diskussion über den Realitätsverlust des Volkes vo- raus, wobei Lucile nur als Beobachter anwesend ist. Als Danton den Raum verlässt, wendet sich Camille seiner Partnerin zu und fragt diese, was sie zur Thematik „[sage]“ (Z. 1). Obwohl die Frau zur damaligen Zeit einen geringeren Stellenwert hat als der Mann, scheint Camille Wert auf ihre Meinung zu legen. „Nichts“ (Z. 2) habe sie dazu zu sagen, jedoch „[sehe]“ (Z. 2) sie ihn „so gern sprechen" (Z. 2). Es kommt Lucile, welche wenig Ahnung von Politik hat, nicht auf den Inhalt an. Es reicht ihr vollkommen, wenn sie ihrem Geliebten beim Sprechen zuhören, seine Stimme vernehmen und ihn bewundern kann. Zu Recht fragt Camille also exakter nach, ob sie ihn denn auch „[höre]“ (Z.3), was sie mit einem selbstver- ständlich klingenden „Ei freilich“ (Z. 4) beantwortet. Allerdings bedeutet „[sehen]" (Z.2) und „[hören]“ (Z. 3) keineswegs verstehen, wissen, wovon die Rede ist. An ih- rem Ignorieren der Frage, ob er „Recht“ (Z.5) habe und ihrer betonten Verneinung der Frage, ob sie wisse, „was [er] gesagt habe“ (Z. 5), sieht man deutlich ihr Desinte- resse am eigentlichen Inhalt der Diskussion. Dass sie trotzdem anwesend ist, zeugt von ihrem Interesse an Camille. Das Gespräch des Paares wird von der Rückkehr Dantons unterbrochen. Dieser teilt mit, dass man seine „ Verhaftung beschlossen“ (Z. 10f) habe. Gleichgültig und von dem Vorfall unbeeindruckt erklärt er, „[s]ie wollen [seinen] Kopf" (Z. 13) und drückt durch den Zusatz „meinetwegen“ (Z. 13) aus, dass er nichts dagegen habe. Hierauf ist es auch zurückzuführen, dass er trotz einem angebotenen „Zufluchtsort“ (Z. 11f) nicht geflohen ist. Begründet ist Dantons Gleichgültigkeit im Lebensüberdruss, so Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 3 von 8 sagt er selbst, er sei „der Hudeleien überdrüssig“ (Z. 13f). „Was liegt daran" (Z. 14f), wenn man ihm seinen Kopf nehme, ihn guillotiniere, lautet seine Frage in die Runde. Danton ist gelangweilt vom Leben und den ständigen Wiederholungen. Danton hat Geld, eine Frau und lebt im Luxus, es fehlt ihm an nichts (vgl. S. 70), nur an der Le- benslust, da der Überdruss sein Leben eintönig macht. Hinzu kommt seine fehlende Motivation zum Kampf und zur Politik. Bei den Septembermorden hat er genug Leid hervorgerufen. Um dies nicht zu wiederholen, verhält er sich träge. Einerseits gibt er als Gründe für seine Passivität, welche auch in der Aussage, Ich werde mit Mut zu sterben wissen, das ist leichter, als zu leben“ (Z. 15f) zu sehen ist, die Langeweile und andererseits die Schuldgefühle durch die Septembermorde. Beides belastet ihn so, dass er den Tod als „leichter[e]“ (Z. 16) Variante vorzieht. Letztendlich macht er sich aber etwas vor, denn im Angesicht des Todes ändert er seine Meinung, kämpft ein letztes Mal um sein Leben. Während Danton sich über sein Scheitern bewusst ist, keinen Ausweg sieht, geschweige denn sehen will, drängt Camille weiter zum Han- deln, schließlich sei noch „Zeit“ (Z.17), was Danton durch sein „Unmöglich“(Z. 18) zerstört. Camille wirft ihm „Trägheit“ (Z. 19) vor, doch Danton widerspricht, schließ- lich sei er nicht „träg, aber müde“ (Z. 20) durch das anstrengende und leidvolle Le- ben. Seine „ Sohlen brennen [ihn]“ (Z. 20). Mit dieser Metapher macht er deutlich, dass seine Füße vom sinnlosen Kämpfen schmerzen, er sich zur Ruhe legen und sterben will. Danton geht weg und lässt Camille und Lucile allein. Diese scheint genau zugehört zu haben und drückt durch die Emphase „Ach Camille" (Z. 26) ihre Sorge um ihn aus. Mehrmals fordert Camille Lucile auf ruhig zu sein („Sei ruhig“ [Z. 27 und 30]). Zum einen will er damit sich selbst, zum anderen sie beruhigen. Er scheint ihre Sorge um ihn nicht zu ertragen, was von einer tiefen Verbundenheit zeugt. Luciles Feingefühl verrät ihr, dass auch Camille verurteilt werden wird. Sie kann nicht begreifen, dass „dies Haupt" (Z. 28), ihr geliebter Camille, verletzt werden könnte. Daher fordert sie nahezu, dass er sie beruhigt. Feststellend, dass es „Unsinn“ (Z. 29) sei, fragt sie, ob sie denn nun „wahnsinnig“ (Z. 29) sei. Beruhigen kann er Lucile allerdings nicht. Stattdessen redet er sich nur selbst ein, dass ihm nichts passieren werde, schließlich seien „Danton und [er]“ (Z. 30) zwei verschiedene Personen, eben „nicht Eins" (Z. 30). Diese billige Selbstberuhigung erinnert stark an Dantons „sie werden´s nicht wa- gen" (S. 23 / Z. 3). Letztendlich beschwert er sich über Dantons Trägheit, handelt aber selbst nicht. Lucile ist nervlich am Ende. Die Vorstellung, man könne ihr ihren Camille nehmen, zerreißt sie. Plötzlich scheint sie wirklich wahnsinnig geworden, wenn sie die Weite der „Erde“ (Z. 31) mit den „viel[en] Dinge[n] drauf“ (Z. 31) an- spricht. Dabei will sie nur zum Ausdruck bringen, dass man ihr nicht „grade das eine" (Z. 32), Camille, als das Einzige, was sie hat, nehmen könne. Es „wäre arg“ (Z. 33) für sie. Man merkt also aus ihrer starken Sorge heraus, dass sie nicht ohne Camille leben will, er ihr viel bedeutet. Hierbei ist zu bedenken, dass sie sich nach seiner Hin- richtung vermutlich absichtlich gefangen nehmen lässt und hingerichtet wird. Camille startet einen neuen Versuch sie zu beruhigen. Er habe schließlich gestern noch mit Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 4 von 8 Robespierre gesprochen. Dabei ist das temporale Adverb „Gestern“ (Z. 34) als Inver- sion an den Satzanfang vorgezogen. Hiermit will er betonen, dass es nur wenige Stunden her sei, das Robespierre „freundlich“ (Z. 35) war. Nun haben sich die Rollen getauscht. Nicht mehr Camille erfasst die Gefahr und warnt den blinden Danton, sondern Lucile sieht die Gefahr, drängt Camille Robespierre erneut aufzusuchen. „Such ihn auf“ (Z. 39), lautet ihre bestimmte Forderung. Dies scheint für sie die ein- zige Rettung zu sein. Camille bleibt jedoch uneinsichtig. Er scheint mit Robespierre befreundet gewesen zu sein, er saß mit ihm „ auf einer Schulbank“ (Z. 39), habe ihn aufgesucht und ihn „lachen“ (Z. 41) gemacht, wenn dieser - wie so oft - „einsam“ (Z. 40) war. Hierbei vergisst Camille allerdings, dass Robespierre keinen Halt vor Freun- den machen wird, um sein Ziel zu erreichen. Zum anderen müsste Camille sich dar- über bewusst sein, dass Robespierre gerade von einem alten Freund enttäuscht sein wird, wenn sich dieser, wie Camille, gegen ihn stellt. Lucile drängt weiter mit der Em- phase „Geh!“ (Z. 43). Nur zum Abschluss will sieh ihn erneut küssen, als habe sie Angst, es sei das letzte Mal. Allein verfällt Lucile völlig dem Wahnsinn. „Ach Schei- den, ach Scheiden, ach Scheiden. Wer hat sich das Scheiden erdacht?“ (Z. 48f). Dieses Lied, welches ihr soeben in den Kopf gekommen ist, singt sie vor sich hin. Dabei ist ihr selbst unklar, wie sie nun auf dieses Lied kommt. Auch wenn sie sich wohl selbst nicht darüber bewusst ist, scheint ihr unterbewusst klar zu sein, dass sie Camille verlieren wird. Das aus dem Unterbewusstsein kommende Lied erschreckt sie, schließlich müsse sie „ sich fassen“ (Z. 47) und optimistisch bleiben. Die These des letzten Kusses wird bestätigt durch die Beschreibung ihres Gefühls, als er „hin- aus ist" (Z. 52). Es sei ihr vorgekommen, als werde er „nicht mehr umkehren“ (Z. 53), als „müsse er immer weiter weg“ (Z, 53). Gleichzeitig empfindet sie es jetzt, wo das „Zimmer so leer ist“ (Z. 55), als sei „ein Toter drin gelegen" (Z. 56). Diese Antizipa- tion, sei sie nun zurückzuführen auf weibliche Intuition oder das Unterbewusstsein, zeigt deutlich, dass Lucile eine enge Beziehung, vielleicht sogar Seelenverwandt- schaft, zu Camille pflegt. Nur so ist ihr Feingefühl zu erklären. Dass sie es nach sei- nem Verlassen des Raumes vor Sorge „nicht aus[hält]“ (Z. 56f) und „geht“ (Z. 57), ist eine weitere Antizipation auf ihren vermutlichen Tod als Reaktion auf den seinigen, da sie ohne ihn nicht leben will. In den drei Werken „Agnes“ (A) von Peter Stamm, „Dantons Tod“ (D) von Georg Büchner und „Homo Faber“ (H) von Max Frisch spielen die Frauenfiguren Rollen un- terschiedlicher Bedeutung für ihre jeweiligen Partner. Während Lucile und Camille in „Dantons Tod" eine sehr innige, glückliche Beziehung führen, sind die, wenn auch unbewussten, Absichten von Faber (H) und dem Ich-Er- zähler (A) nicht auf wahre Liebe zurückzuführen. Faber begegnet Sabeth auf einer Reise und zeigt sich sofort fasziniert. Von Anfang an erwähnt er ständig ihre „Ähn- lichkeit" (S. 80/H) zu seiner Jugendliebe Hanna und auch, wenn er diese verneint, ist es doch ein Zeichen dafür, dass er Sabeth mit Hanna in Verbindung bringt, dies aber nicht wahrhaben will. Auch im Zusammenhang mit seinem völlig überstürzten Hei- Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€ www.KlausSchenck.de / Deutsch / 6-stündige KA / Büchner: „Dantons Tod“ / Werkvergleich mit Frisch „Homo faber“ + Stamm „Agnes“ / Seite 5 von 8 ratsantrag an das Mädchen, das er kaum kennt, erwähnt er ihr „Hanna-Mädchen- Gesicht" (S. 94/H). Aufgrund dieser Brücke zu Hanna und der Sinnlosigkeit des An- trags an eine Fremde ist zu vermuten, dass der Antrag eigentlich Hanna galt, dass er den Kontakt zu Sabeth nur aufnimmt, um die ihn belastende Vergangenheit aufzuar- beiten, er sich nicht direkt in sie verliebt, sondern von seiner Liebe zu Hanna gesteu- ert wird. Sabeth wird so nicht wie Lucile zur Geliebten, sondern lediglich zu einem Mittel zum Zweck. Ähnlich ist es bei Agnes. Der Ich-Erzähler schreibt selbst, dass er sich nicht sofort „in sie verliebt" (S. 14/A) habe. Dennoch wirken seine Gedanken schon zu Beginn des Romans, als seien sie bereits ein Paar. Obwohl er sie kaum kennt, malt er sich die gemeinsame Zukunft aus, hat sogar schon „Zweifel" (S. 17/A). Wenn er sich bereits ohne Liebesgefühle so hingibt, ist es in Frage zu stellen, ob er je wirklich Gefühle hatte. Hinzu kommt, dass er den Verlauf der Beziehung sehr lieb- los darstellt. Er beschreibt Agnes als ein „Kleidungsstück“ (S. 22/A), an das man sich „gewöhnt" (S. 22/A). Sie „gewöhnten sich aneinander“ (S. 22/A). Von Liebe, Gefühlen ist gar keine Rede. Agnes wird nicht zur Geliebten, sondern zu einer Sache, die dem Ich-Erzähler gerade recht kommt, da er am Abend des Kennenlernens sowieso schon ,die Leere des Abends" (S. 14/A) spürte. An anderer Stelle beschreibt er eine „körperliche Abhängigkeit“ (S. 61/A). Es sei, als „dringe" (S. 61/A) etwas in ihn ein. Dieses negativ konnotierte Eindringen scheint gegen seine Bereitschaft dazu zu geschehen. Die Beziehung zu Agnes stört ihn scheinbar sogar, da sie ihn in seinem Freiheitsdrang eingeschränkt. Faber ist ebenso wie der Ich-Erzähler ein Mann mit einem gestörten Verhältnis zu Beziehungen. Beide verbringen ihre Zeit lieber allein. Dies trifft bei Faber nur gegenüber Hanna und Sabeth nicht zu. Da Sabeth ihn an Hanna erinnert und es „[nur] mit Hanna" (S.100/H) ,,nie absurd gewesen" (S.100/H) ist, kommt er mit ihr zurecht. Hanna gegenüber hatte Faber weniger Probleme mit Nähe und Bindung, da seine aufrichtige Liebe zu ihr stärker war. Diese Gefühle zu Hanna projektiert Faber unbewusst auf Sabeth. Während Fabers falsche Gefühle für Sabeth sich also seinem Bewusstsein entzie- hen, scheint der Ich-Erzähler zu wissen, was er macht. Durch die Geschichte wird Agnes zu „[seinem] Geschöpf" (S. 62/A). Die Beziehung hält nur, solange Agnes ihn nicht in seiner Freiheit einschränkt. Mit dem Vorstoßen der Geschichte in die Zukunft kann der Ich-Erzähler Agnes nach seinen Wünschen manipulieren und dies nutzt er schamlos aus, obwohl er diesbezüglich schon in früheren Beziehungen schlechte Erfahrungen gemacht hat und weiß, dass er beim Schreiben über andere die Kon- trolle verliert. Letztendlich liebt der Ich-Erzähler Agnes nicht und auch die Abhängig- keit gilt nicht direkt ihr. Der Ich-Erzähler hat sich vielmehr in sein Bild von ihr verliebt. Der realen Agnes gegenüber fühlt er sich nur nahe, wenn ihre Persönlichkeit seinem Bild nicht widersprechen kann, zum Beispiel, wenn sie, wie beim Ausflug in den Nati- onalpark, schläft. Hier fühlt er sich ihr ganz nahe, als sie jedoch aufwacht, ignoriert er die Frage, ob er sich ihr immer noch nahe fühle (vgl. S. 70/A), was das Gegenteil vermuten lässt. Im Kontrast dazu kommt Camilles Liebe zu Lucile gerade dadurch zum Ausdruck, dass er ihr, wie in der zu behandelnden Textstelle, zuhört, sich für sie Visualisiert, verkürzt und mit Lösungsstrategien zur Pflichtlektüre findet sich diese Klassenarbeit in: Abitur 2018 Baden-Württemberg Deutsch / Bange-Verlag / 12,99€