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Das Treibhaus - Wolfgang Koeppen

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11/12/13

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Das Treibhaus - Wolfgang Koeppen

 Das Treibhaus - Wolfgang Koeppen (Kapitel 1, Ausschnitt aus Seiten 31 - 38)
1 Manche in der Hauptstadt erhoben sich früh. Es war fünf Uhr d
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1 Manche in der Hauptstadt erhoben sich früh. Es war fünf Uhr d
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Ein Referat zum Roman "Das Treibhaus" von Wolfgang Koeppen Mit Textstelle und Erwartungshorizont (Lösung für die Bearbeitung der Textstelle)

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Das Treibhaus - Wolfgang Koeppen (Kapitel 1, Ausschnitt aus Seiten 31 - 38) 1 Manche in der Hauptstadt erhoben sich früh. Es war fünf Uhr dreißig. Der Wecker schellte. Frost-Forestier war mit dem Läuten wach. Aus keinem Traum, aus keiner Umarmung hatte er sich zu lösen, kein Alp* hatte ihn gequält, keine Messe rief ihn, er war nicht in Furcht verstrickt. Frost-Forestier schaltete das Licht ein, und es wurde hell in einem enormen Raum, einem prächtigen Festsaal des neunzehnten Jahrhunderts mit Stuckplafond* und gedrechselten Säulen, dies war Frost-Forestiers Schlafkammer, Eßraum, Arbeitszimmer, Salon, Küche, Laboratorium, Bad. Keetenheuve erinnerte sich an die schweren Vorhänge vor den hohen Fenstern, sie waren generalsrot und standen, ständig geschlossen, wie ein Feuerwall gegen die Natur. Leise nur war das Zwitschern zu hören, das Jubelsingen, das Erwachen der Vögel draußen im Park, und was sich im Saal ereignete, war der Arbeitsbeginn in einer Fabrik, die Ankurbelung eines Fließbandes, ein Ablauf ausgeklügelter wohlberechneter Bewegungen, rationell und präzise, und Frost-Forestier war das Werk, das in Gang gesetzt wurde. Er eiferte den elektrischen Gehirnen nach. 10 5 1 Das war ein Knipsen und Schalten! Ein großer Funkkasten sprach Nachrichten aus Moskau. Ein kleiner Bruder des großen glühte und wartete auf seine Zeit. ` Eine Kaffeemaschine erhitzte sich. Aus dem Boiler* stürzte das Wasser in die Brause. Frost-Forestier stellte sich unter...

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den Strahl. Der Plastilinvorhang der Duschecke blieb beiseite geschoben. Frost- Forestier übersah, während er duschte, sein strategisches Feld. Es berieselte ihn heiß und kalt. Er war ein trainierter, ein proportionierter Mann. Er frottierte sich mit einem rauhen olivgrünen Handtuch amerikanischer Herkunft, ein nackter Mann auf einem Leeren Kasernenhof. Seine Haut rötete sich. In Moskau nichts Neues. Aufrufe an das Sowjetvolk. Frost-Forestier setzte die Musen ein, schaltete Musik herbei. Neben der Duschkammer war ein Reck. Frost-Forestier ging in Grundstellung; saubere Hände auf sauberen Schenkeln. Er sprang an das Reck, Aufschwung und Abschwung. Er stand wieder in Grundstellung. Sein Gesicht war ernst. Sein Geschlecht hing ruhig, wohlproportioniert zwischen den trainierten Beinen. Der Kontakt des elektrischen Rasierapparates wurde in die Dose gesteckt. Frost- Forestier rasierte sich bei leisem Schnurren. Im großen Radio gab es Störungen. Frost- Forestier stellte das große Radio ab. Der Einsatz der Musen war vorbei. Er nahm einen 30 Wattebausch und tupfte mit einem scharfen brennenden Rasierwasser sein Gesicht ab. Der Wattebausch verschwand unter der Patentklappe eines hygienischen Eimers. Im Gesicht traten ein paar Bläschen hervor. Er zog einen Hausmantel über den Leib, ein härenes Gewand*; er knüpfte es mit einem roten Schlips zu. Die Stunde des kleinen Radios war 35 gekommen. Es knisterte und sagte: >>Dora braucht Windeln.<<* Frost-Forestier lauschte. Das kleine Radio wiederholte: >>Dora braucht Windeln.<< mehr hatte das kleine Radio nicht zu sagen. [...] 15 20 25 [...] Der Morgen drängte sich durch das Rouleau*. Keetenheuve lüpfte die Decke. Zugwind traf 50 ihn [...]. Hier: Alptraum; Angsttraum Es war Erich, der Keetenheuve in ein Gewerkschaftshaus geführt hatte. Erich wollte ihn zu etwas einladen, und Keetenheuve mußte die Einladung annehmen, obwohl er nicht hungrig war. Ein kleiner verhärmter Mann mit einem großen Schnauzbart, der für sein eingefallenes Gesicht zu gewaltig war, um Respekt einzuflößen, brachte ihnen schwarzverbrannte 55 Kartoffelpuffer und eine Brauselimonade, die nach künstlichem Pudding schmeckte. [...] Raumdecke mit Verzierungen Wasserspeicher bzw. -erhitzer Gewand aus Ziegenhaar bzw. Ziegenfell Parodie auf die Code-Sprache der Keetenheuve ließ immer so viel herumliegen. Er war unordentlich. Frost-Forestier, ein Mann 40 in einer politischen Stellung, setzte sich an den Schreibtisch. Er begann zu denken, er begann zu arbeiten. Drei Stunden lagen vor ihm, drei ungestörte Stunden, die wichtigsten des Tages, er konzentrierte sich, er bewältigte viel. Er legte ein Band in das Magnetophon* und schaltete auf Wiedergabe. Er hörte seine eigene Stimme und eine andere Stimme aus dem Tonbandgerät, Magnetophon sprechen. Hingegeben, versunken hörte Frost-Forestier den Stimmen zu. Diktiergerät 45 Zuweilen regte sie ihn zu einer Notiz an. Frost-Forestier hatte rot, grüne und blaue Schreibhefte. Er schrieb einen Namen auf ein Blatt. War es Keetenheuves Name? Frost- Forestier unterstrich den Namen. Er unterstrich ihn mit dem roten Stift. Geheimdienste Aufrollbarer Fenstervorhang Keetenheuve klappte den Deckel der Waschgelegentheit hoch, Wasser floß in das Becken, er konnte sich waschen, konnte die "Reinigung des Pontius Pilatus vornehmen, wieder einmal, wieder einmal aufs neue, gewiß, er war unschuldig, ganz unschuldig am Lauf der 60 Welt, aber gerade weil er unschuldig war, stand vor ihm die uralte Frage, was ist Unschuld, was Wahrheit, o alter Statthalter des Augustus. Er sah sich im Spiegel. [...] Halbakt* eines Managers - so stellte ihn der Spiegel dar. 'Spieglein, Spieglein an der Wand, fleischig war er nun, die Muskeln ungeübt, die Haut schimmerte weiß mit einem blauen Unterton wie Magermilch in den Kriegen, entrahmte Frischmilch hieß es, o schönes Wort des staatlichen Euphemismus*, man zählte zu den Gemäßigten, man fand sich ab, man richtete sich ein, man vertrat behutsame Reformen im Rahmen der Tradition, man hatte Kreislaufstörungen und war lüstern '(kiss me) you will go.' Er war ein stattlicher Mann. Er verdrängte mehr Luft, als er je erwartet hatte, Luft zu verdrängen. Wie war der Geruch um 70 ihn? Lavendelwasser, eine Erinnerung an das Empire*, die langen Gänge des "Hier-ist- England (kiss me) you will go. Keetenheuve war keine durchschnittliche Erscheinung der parlamentarischen Elite. Das konnte er mit diesen Augen schon nicht sein; sie waren eben zu gutmütig. Wer wollte gutmütig geschimpft werden und in den Ruf des Trottels kommen? Und dann der Mund er war zu schmal, zu verschlossen Schulmeister Schulmeister er war 75 nicht gesprächig, er beunruhigte, und so war Keetenheuve nie ganz enträtselt; "he was a handsome man and what I want to know is how do you like your blueeyed boy Mr. Death.¹ Keetenheuve war ein Kenner und Liebhaber der zeitgenössischen Lyrik, und manchmal belustigte es ihn, während er im Plenum einem Redner zuhörte, daran zu denken, wer im Saal außer ihm wohl 'Cummings` gelesen habe. Das unterschied Keetenheuve von der 80 Fraktion, bewahrte ihm Jugend und machte ihn unterlegen, wenn es hieß, rücksichtslos zu sein. Die schmalen Zeitschriften, gegründet gestorben, die Blätter, der Dichtkunst geweiht, rieben sich an den Akten in Keetenheuves Handtasche, seltsamerweise, ja seltsam für wahr, die Gedichte des experimentierenden Dichters E. E. Cummings scheuerten in der Aktenmappe eines deutschen Bundestagsabgeordneten die gefärbten Pappen der 85 Schnellhefter VERTRAULICH, DRINGEND, GEHEIM (kiss me) you will go 65 1 - (Teil- Darstellung des nackten menschl. Körpers Beschönigende Umschreibung eines unangenehmen Wortes Brit. Weltreich einschließlich Kronkolonien der Erwartungshorizont Thomas Buck, Larissa Wiegel Q12 Inhaltlich: Frost-Forestier ● Wecker klingelt Vögel zwitschern ● Er steht auf → Vergleich der Abläufe mit einer Fabrikmaschine Akustische Beschreibung der Umgebung → Kaffeemaschine, Radionachrichten aus Moskau Geht duschen Macht Musik an und betätigt sich sportlich am Reck Rasiert sich Trinkt Kaffee Setzt sich an den Tisch ● - Das Treibhaus Sprache und Stil: Parataxen (1.; 2.; 4. Absatz) Hypotaxen (3.; 5.; 6. Absatz) Felix Keetenheuve Wird von Erich geweckt/gestört ● Frühstückt schwarzverbrannte Kartoffelpuffer mit Brauselimonade ● Wäscht sich Betrachtet und kritisiert sich selbst im Spiegel Macht sich Gedanken zu Politik und Literatur → Verdeutlichung seines literarischen Interesses v.a. an E. E. Cummings Werken Asyndeton (Z. 2-4) → Betonung des friedlichen Aufwachens ohne Stress Enumeration (Z. 7 f) ➜ detailreiche Beschreibung der Räumlichkeiten Vergleich (Z. 9) → Verweis auf Keetenheuves persönliche Abschottung von seinem Umfeld Personifikation (Z. 9) → Veranschaulichung des vorherigen Vergleichs Akkumulation (Z. 10) → Darbietung des akustischen Umfelds Verdinglichung (Z. 13f) → Routinierter/automatische Ablauf des morgendlichen Prozesses Synästhesie (Absatz 2 und 3) → Darstellung der Gefühle und Sinneseindrücke Anapher (Z. 15 f) → Aufzählung mehrerer nebeneinander ablaufenden Geschehnisse Anspielung auf den historischen Hintergrund (Z. 16) Parallelismus, Anapher (Z. 39) → Beginn des eigentlichen Tages Rhetorische Frage (Z. 45) → Regt den Leser zum Nachdenken an Epiphrase (Z.40; 46) → Betonung der Handlung Antithese (Z. 52) ➜ Unproportionierte Beschreibung Erichs wirkt lächerlich Repetitio (Z. 57; 58) → Möchte sich von seinen bedrückenden Gedanken rein waschen Asyndeton (Z. 56 – 60) → Aufzählung der Handlungen und Gedanken Zitat aus dem Märchen „Schneewittchen“ (Z.62) ➜ Rhetorische Frage an ihn selbst Euphemismus (Z. 63 – 65) → Versucht sich seinen hässlichen Körper schön zu reden (Antwort auf die rhetorische Frage) Zitat aus Gedichten von E. E. Cummings (Z. 67; 70; 84 und Z. 74f) → Verdeutlichung Koeppens Interesse an Cummings Werken Zitat aus der Radiosendung des BBC (Z. 69f) → Erinnerung an das Empire und den zweiten Weltkrieg Rhetorische Frage (Z. 68f; 72) ➜ Frage an Keetenheuve selbst, möchte nicht noch mehr zum Außenseiter/Trottel werden und hält sich deshalb zurück Antithese (Z.80) → Anspielung auf Zensuren der damaligen Zeitschriften Wolfgang Koeppen Das Tr Das Treibhaus Text und Kommentar Suhrkamp BasisBibliothek DAS TREIBHAUS 11/1953 Wolfgang Koeppen GLIEDERUNG ● ● ● ● ● ● Autor Historische Einordnung Trilogie des Scheiterns Erklärung des Titels ,,Das Treibhaus" Personenkonstellation Inhalt und Struktur Textstellenanalyse WOLFGANG KOEPPEN 23.06.1906: geboren in Greifswald Hatte mehr als 15 Beschäftigungen Verfasste mehr als 15 literarische Werke Zog mehr als 10 mal um Bekam 12 Auszeichnungen 15.03.1996: gestorben in München HISTORISCHE EINORDNUNG 1945 Ende des Zweiten Weltkriegs • 1949 Gründung der BRD und DDR (Bonn wird zum Regierungssitz der BRD gewählt) ● ● ● 1953 ,,Das Treibhaus“ entsteht im Bunkerhotel unter dem Marktplatz in Stuttgart Sept. 1953 Bundestagswahl; es werden Korrekturen im Roman ,,Das Treibhaus" vorgenommen Der Roman erscheint im Nov. (also nach der Bundestagswahl), da der Verlag den Verlust der Lizenz befürchtet 1987 ,,Das Treibhaus. Eine filmische Lektüre" TRILOGIE DES SCHEITERNS ● Romantrilogie aus 3 Hauptwerken Koeppens ● • Tauben im Gras (1951) Das Treibhaus (1953) Der Tod in Rom (1954) Ursprünglich unabhängig von einander erschienen ,,Scheitern" bezieht sich auf die gescheiterten Hoffnungen, dass nach 1945 ein Neuanfang möglich gewesen wäre ● ●

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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Der Einsatz der Musen war vorbei. Er nahm einen 30 Wattebausch und tupfte mit einem scharfen brennenden Rasierwasser sein Gesicht ab. Der Wattebausch verschwand unter der Patentklappe eines hygienischen Eimers. Im Gesicht traten ein paar Bläschen hervor. Er zog einen Hausmantel über den Leib, ein härenes Gewand*; er knüpfte es mit einem roten Schlips zu. Die Stunde des kleinen Radios war 35 gekommen. Es knisterte und sagte: >>Dora braucht Windeln.<<* Frost-Forestier lauschte. Das kleine Radio wiederholte: >>Dora braucht Windeln.<< mehr hatte das kleine Radio nicht zu sagen. [...] 15 20 25 [...] Der Morgen drängte sich durch das Rouleau*. Keetenheuve lüpfte die Decke. Zugwind traf 50 ihn [...]. Hier: Alptraum; Angsttraum Es war Erich, der Keetenheuve in ein Gewerkschaftshaus geführt hatte. Erich wollte ihn zu etwas einladen, und Keetenheuve mußte die Einladung annehmen, obwohl er nicht hungrig war. Ein kleiner verhärmter Mann mit einem großen Schnauzbart, der für sein eingefallenes Gesicht zu gewaltig war, um Respekt einzuflößen, brachte ihnen schwarzverbrannte 55 Kartoffelpuffer und eine Brauselimonade, die nach künstlichem Pudding schmeckte. [...] Raumdecke mit Verzierungen Wasserspeicher bzw. -erhitzer Gewand aus Ziegenhaar bzw. Ziegenfell Parodie auf die Code-Sprache der Keetenheuve ließ immer so viel herumliegen. Er war unordentlich. Frost-Forestier, ein Mann 40 in einer politischen Stellung, setzte sich an den Schreibtisch. Er begann zu denken, er begann zu arbeiten. Drei Stunden lagen vor ihm, drei ungestörte Stunden, die wichtigsten des Tages, er konzentrierte sich, er bewältigte viel. Er legte ein Band in das Magnetophon* und schaltete auf Wiedergabe. Er hörte seine eigene Stimme und eine andere Stimme aus dem Tonbandgerät, Magnetophon sprechen. Hingegeben, versunken hörte Frost-Forestier den Stimmen zu. Diktiergerät 45 Zuweilen regte sie ihn zu einer Notiz an. Frost-Forestier hatte rot, grüne und blaue Schreibhefte. Er schrieb einen Namen auf ein Blatt. War es Keetenheuves Name? Frost- Forestier unterstrich den Namen. Er unterstrich ihn mit dem roten Stift. Geheimdienste Aufrollbarer Fenstervorhang Keetenheuve klappte den Deckel der Waschgelegentheit hoch, Wasser floß in das Becken, er konnte sich waschen, konnte die "Reinigung des Pontius Pilatus vornehmen, wieder einmal, wieder einmal aufs neue, gewiß, er war unschuldig, ganz unschuldig am Lauf der 60 Welt, aber gerade weil er unschuldig war, stand vor ihm die uralte Frage, was ist Unschuld, was Wahrheit, o alter Statthalter des Augustus. Er sah sich im Spiegel. [...] Halbakt* eines Managers - so stellte ihn der Spiegel dar. 'Spieglein, Spieglein an der Wand, fleischig war er nun, die Muskeln ungeübt, die Haut schimmerte weiß mit einem blauen Unterton wie Magermilch in den Kriegen, entrahmte Frischmilch hieß es, o schönes Wort des staatlichen Euphemismus*, man zählte zu den Gemäßigten, man fand sich ab, man richtete sich ein, man vertrat behutsame Reformen im Rahmen der Tradition, man hatte Kreislaufstörungen und war lüstern '(kiss me) you will go.' Er war ein stattlicher Mann. Er verdrängte mehr Luft, als er je erwartet hatte, Luft zu verdrängen. Wie war der Geruch um 70 ihn? Lavendelwasser, eine Erinnerung an das Empire*, die langen Gänge des "Hier-ist- England (kiss me) you will go. Keetenheuve war keine durchschnittliche Erscheinung der parlamentarischen Elite. Das konnte er mit diesen Augen schon nicht sein; sie waren eben zu gutmütig. Wer wollte gutmütig geschimpft werden und in den Ruf des Trottels kommen? Und dann der Mund er war zu schmal, zu verschlossen Schulmeister Schulmeister er war 75 nicht gesprächig, er beunruhigte, und so war Keetenheuve nie ganz enträtselt; "he was a handsome man and what I want to know is how do you like your blueeyed boy Mr. Death.¹ Keetenheuve war ein Kenner und Liebhaber der zeitgenössischen Lyrik, und manchmal belustigte es ihn, während er im Plenum einem Redner zuhörte, daran zu denken, wer im Saal außer ihm wohl 'Cummings` gelesen habe. Das unterschied Keetenheuve von der 80 Fraktion, bewahrte ihm Jugend und machte ihn unterlegen, wenn es hieß, rücksichtslos zu sein. Die schmalen Zeitschriften, gegründet gestorben, die Blätter, der Dichtkunst geweiht, rieben sich an den Akten in Keetenheuves Handtasche, seltsamerweise, ja seltsam für wahr, die Gedichte des experimentierenden Dichters E. E. Cummings scheuerten in der Aktenmappe eines deutschen Bundestagsabgeordneten die gefärbten Pappen der 85 Schnellhefter VERTRAULICH, DRINGEND, GEHEIM (kiss me) you will go 65 1 - (Teil- Darstellung des nackten menschl. Körpers Beschönigende Umschreibung eines unangenehmen Wortes Brit. Weltreich einschließlich Kronkolonien der Erwartungshorizont Thomas Buck, Larissa Wiegel Q12 Inhaltlich: Frost-Forestier ● Wecker klingelt Vögel zwitschern ● Er steht auf → Vergleich der Abläufe mit einer Fabrikmaschine Akustische Beschreibung der Umgebung → Kaffeemaschine, Radionachrichten aus Moskau Geht duschen Macht Musik an und betätigt sich sportlich am Reck Rasiert sich Trinkt Kaffee Setzt sich an den Tisch ● - Das Treibhaus Sprache und Stil: Parataxen (1.; 2.; 4. Absatz) Hypotaxen (3.; 5.; 6. Absatz) Felix Keetenheuve Wird von Erich geweckt/gestört ● Frühstückt schwarzverbrannte Kartoffelpuffer mit Brauselimonade ● Wäscht sich Betrachtet und kritisiert sich selbst im Spiegel Macht sich Gedanken zu Politik und Literatur → Verdeutlichung seines literarischen Interesses v.a. an E. E. Cummings Werken Asyndeton (Z. 2-4) → Betonung des friedlichen Aufwachens ohne Stress Enumeration (Z. 7 f) ➜ detailreiche Beschreibung der Räumlichkeiten Vergleich (Z. 9) → Verweis auf Keetenheuves persönliche Abschottung von seinem Umfeld Personifikation (Z. 9) → Veranschaulichung des vorherigen Vergleichs Akkumulation (Z. 10) → Darbietung des akustischen Umfelds Verdinglichung (Z. 13f) → Routinierter/automatische Ablauf des morgendlichen Prozesses Synästhesie (Absatz 2 und 3) → Darstellung der Gefühle und Sinneseindrücke Anapher (Z. 15 f) → Aufzählung mehrerer nebeneinander ablaufenden Geschehnisse Anspielung auf den historischen Hintergrund (Z. 16) Parallelismus, Anapher (Z. 39) → Beginn des eigentlichen Tages Rhetorische Frage (Z. 45) → Regt den Leser zum Nachdenken an Epiphrase (Z.40; 46) → Betonung der Handlung Antithese (Z. 52) ➜ Unproportionierte Beschreibung Erichs wirkt lächerlich Repetitio (Z. 57; 58) → Möchte sich von seinen bedrückenden Gedanken rein waschen Asyndeton (Z. 56 – 60) → Aufzählung der Handlungen und Gedanken Zitat aus dem Märchen „Schneewittchen“ (Z.62) ➜ Rhetorische Frage an ihn selbst Euphemismus (Z. 63 – 65) → Versucht sich seinen hässlichen Körper schön zu reden (Antwort auf die rhetorische Frage) Zitat aus Gedichten von E. E. Cummings (Z. 67; 70; 84 und Z. 74f) → Verdeutlichung Koeppens Interesse an Cummings Werken Zitat aus der Radiosendung des BBC (Z. 69f) → Erinnerung an das Empire und den zweiten Weltkrieg Rhetorische Frage (Z. 68f; 72) ➜ Frage an Keetenheuve selbst, möchte nicht noch mehr zum Außenseiter/Trottel werden und hält sich deshalb zurück Antithese (Z.80) → Anspielung auf Zensuren der damaligen Zeitschriften Wolfgang Koeppen Das Tr Das Treibhaus Text und Kommentar Suhrkamp BasisBibliothek DAS TREIBHAUS 11/1953 Wolfgang Koeppen GLIEDERUNG ● ● ● ● ● ● Autor Historische Einordnung Trilogie des Scheiterns Erklärung des Titels ,,Das Treibhaus" Personenkonstellation Inhalt und Struktur Textstellenanalyse WOLFGANG KOEPPEN 23.06.1906: geboren in Greifswald Hatte mehr als 15 Beschäftigungen Verfasste mehr als 15 literarische Werke Zog mehr als 10 mal um Bekam 12 Auszeichnungen 15.03.1996: gestorben in München HISTORISCHE EINORDNUNG 1945 Ende des Zweiten Weltkriegs • 1949 Gründung der BRD und DDR (Bonn wird zum Regierungssitz der BRD gewählt) ● ● ● 1953 ,,Das Treibhaus“ entsteht im Bunkerhotel unter dem Marktplatz in Stuttgart Sept. 1953 Bundestagswahl; es werden Korrekturen im Roman ,,Das Treibhaus" vorgenommen Der Roman erscheint im Nov. (also nach der Bundestagswahl), da der Verlag den Verlust der Lizenz befürchtet 1987 ,,Das Treibhaus. Eine filmische Lektüre" TRILOGIE DES SCHEITERNS ● Romantrilogie aus 3 Hauptwerken Koeppens ● • Tauben im Gras (1951) Das Treibhaus (1953) Der Tod in Rom (1954) Ursprünglich unabhängig von einander erschienen ,,Scheitern" bezieht sich auf die gescheiterten Hoffnungen, dass nach 1945 ein Neuanfang möglich gewesen wäre ● ●