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Gedichtsanalyse "Auf dem See" (Goethe)

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Jolina

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11/12/13

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Gedichtsanalyse "Auf dem See" (Goethe)

 Das Gedicht ,,Auf dem See", welches 1775 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst wurde,
ist ein Werk aus der Epoche des Sturm und Drangs un

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Meine Gedichtsanalyse zu "Auf dem See" von Goethe

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Das Gedicht ,,Auf dem See", welches 1775 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst wurde, ist ein Werk aus der Epoche des Sturm und Drangs und thematisiert die Kraftschöpfung des lyrischen Ichs aus der Natur. Das Gedicht ist in drei Strophen mit jeweils acht und vier Versen gegliedert und weist in Strophe eins und drei einen Kreuzreim sowie in Strophe zwei einen Paarreim auf. In der ersten Strophe erzählt das lyrische Ich von einer Bootsfahrt und beschreibt die Natur, wie die Berge, welche an ihm währenddessen vorbeizieht. Dabei betont das lyrische Ich die kontinuierlichen Wellenbewegungen des Bootes durch das Wasser sowie die Schönheit und positive Wirkung der Natur. In der zweiten Strophe fällt die Stimmung deutlich herab, wobei das lyrische Ich von Träumen erzählt welchen er entfliehen möchte. Die dritte Strophe thematisiert erneut die Umwelt, welcher das lyrische Ich ausgesetzt ist. Hier beschreibt es eine neblige Landschaft auf dem Wasser bei Nacht und eine reife Frucht, welche sich im Wasser reflektiert. Der Inhalt sowie die sprachliche und formliche Gestaltung des Textes lässt darauf hinweisen, dass die Kernaussage des Gedichtes die Wiedergeburt und Kraftschöpfung sowie die seelische Entwicklung des lyrischen Ichs durch die Natur darstellt. Zudem spielt die Beziehung zwischen lyrischen Ich und der Natur eine wichtige Rolle. Im folgendem wird das Gedicht bezüglich der Beziehung zwischen lyrischen Ich...

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und der Natur sowie dessen Zusammenhang mit dem Motiv ,,unterwegs sein" untersucht. Das Gedicht lässt sich in die Epoche des Sturm und Drangs einordnen. Der Zeitraum dieser Epoche war etwa zwischen 1765 und 1785. Das Volk litt in der Zeit unter der absolutistischen Herrschaft der Fürstentümer, woraufhin sich die Bevölkerung gegen die starken Privilegien des Adels wendete und sich von ihnen abhob. Diesen Zeitraum nennt man auch die Zeit der Aufklärung. Vor allem Freiheit, Individualität, Spontanität und Leidenschaft waren leitende Motive der Literatur des Sturm und Drangs. Einige Merkmale lassen sich in Goethes Gedicht wiederfinden. Zum einem fällt die Emotionalität und Offenheit auf, die man deutlich an der emotionalen und gefühlsbetonten Thematik des Gedichtes erkennen kann. Zudem ist ein weiteres Indiz für den Sturm und Drang, dass das lyrische Ich nur von eigenen, subjektiven Erfahrungen und Gefühlen erzählt. Die Individualität stellt eine große Wichtigkeit dar. Der Aspekt des „unterwegs sein“ findet sich folglich in der Reise des lyrischen Ichs wieder und stellt im Bezug auf die Reise in die Natur auch eine Verbindung zur Entwicklung des lyrischen Ichs her. Neben spontanen Stimmungswechseln im Laufe des Gedichts spielt auch die mentale Freiheit bezüglich der Natur eine wichtige Rolle. Zu Anfang der ersten Strophe erzählt das lyrische Ich von „frische[r] Nahrung und neue[m] Blut" (V.1) welches er aus der freien Welt ,,saugt" (V.2). Weiterhin erzählt das lyrische Ich von der Natur, welche ihn ,,am Busen hält“ (V.4). Diese Verwendung von Metaphern stellt das lyrische Ich als ein Kind da, welches von der Mutter, in diesem Fall von Mutter Natur gestillt bzw. genährt wird. Hier lässt sich ein mütterlicher Bezug der Natur zum lyrischen Ich feststellen. Außerdem wird klar, dass das lyrische Ich neue Lebensenergie und Kraft durch die Natur erlangt. Das lyrische Ich verwendet zudem die Adjektive „hold“ und „gut“ (V. 3) um die Natur zu beschreiben. Damit wird die positive Wirkung der Natur deutlich. In der Personifikation in V. 5 (,,Die Welle wieget unsern Kahn“) lassen sich weitere Merkmale einer Mutter-Kind-Beziehung zwischen Natur und dem lyrischen Ich feststellen. Das Boot stellt hier die Wiege dar, welche von den Wellen, welche als Natur demnach der Mutter entsprechen, gewiegt wird. Darin befindet sich das lyrische Ich, welches das Kind darstellt. Durch diese mütterliche Fürsorge der Natur fühlt sich das lyrische Ich sicher und geborgen. Es ist mit der Natur verbunden. Auch das Metrum stellt eine Verbindung zu dieser Deutung dar. Der durchgehende Jambus der Strophe wirkt hier sehr rhythmisch während die abwechselnd weiblichen und männlichen Kadenzen eine Wellenbewegung darstellen. Diese somit rhythmische Wellenbewegung stellt hier ebenfalls die Bootsfahrt auf den Wellen und somit die wiegenden Bewegungen der Mutter dar. Der rhythmische Klang des Gedichtes wirkt zudem harmonisch und beruhigend. In der zweiten Strophe wendet sich die Stimmung. Die Personifikation in V.9 („Aug, mein Aug, was sinkst du nieder?") leitet hier den Prozess des Träumens ein. Das lyrische Ich wird in eine Traumwelt gezogen, welcher er entfliehen will (vgl. V.11). Das lyrische Ich beschreibt die Träume mit dem Attribut „gold“ (V.10) Dies kann auf melancholische Erinnerungen zurückzuführen sein, welche negative Emotionen im lyrischen Ich erzeugen. Mit der rhetorischen Frage (V.10: ,,(...) kommt ihr wieder?") scheint das lyrische Ich die unerwartet, androhende Traumwelt zu bemerken und fürchtet sich davor. Die elliptische Interjektion in V.11 (,,Weg, du Traum!“) wirkt sehr hektisch und panisch. Das lyrische Ich möchte seiner Traumwelt entfliehen, da es lieber in der Gegenwart anwesend sein möchte, wo es neue Hoffnung aus der Natur schöpft (V.12: „Hier auch Lieb und Leben ist“). Es entsteht ein Eskapismus des lyrischen Ichs welcher einen Kontrast zwischen Realität und Traumwelt deutlich macht. Es fällt außerdem auf, dass die zweite Strophe in nur vier Verse gegliedert ist. Somit wirkt die Strophe im Vergleich zu den anderen zwei Strophen, mit jeweils 8 Versen, hektischer sowie gedrungener. Zudem verändert sich das Metrum zu einem 4-hebigen Trochäus. Dieser Wechsel lässt sich mit dem inhaltlichen Stimmungswechsel der Strophe in Verbindung bringen. Zu Beginn der letzten Strophe beschreibt das lyrische Ich seine Umgebung. Es scheint der Morgen angebrochen zu sein (V. 17: „Morgenwind umflügelt“). Den Tagesanbruch kann man hier mit der Entwicklung des lyrischen Ichs in Verbindung setzen und lässt sich mit einem Neuanfang vergleichen. Das lyrische Ich hat es geschafft, aus seiner Traumwelt auszubrechen und schöpft nun neue Hoffnung in der Natur um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Der Nebel (V.15) welche die „türmende Ferne [trinkt]“ (V. 16) könnte hier die neue Sorgenfreiheit des lyrischen Ichs bezüglich der Vergangenheit darstellen, welche es durch die Natur erlangt. Der Nebel verdeckt die Ferne und hüllt das lyrische Ich ein, sodass es sich entsprechend sicher fühlt. Zudem erwähnt das lyrische Ich eine ,,beschattete Bucht" (V.18). Diese könnte seine persönliche Krise darstellen, welche nun von neuer Hoffnung besiegt worden ist. Zuletzt erzählt das lyrische Ich von einer reifenden Frucht, welche sich auf der Wasseroberfläche spiegelt (vgl. V. 20). Das lyrische Ich findet sich hier selbst in der Frucht wieder. Es durchlebt eine Entwicklung und reift, wie eine Frucht, durch die Natur heran. Das Wasser spiegelt hier die Quelle des Lebens wieder. Durch diese Metapher wird die Verschmelzung des lyrischen Ichs mit der Natur deutlich. Es befindet sich nun in einem Stadium des Unbeschwerten und Ausgeglichenen, wirkt angekommen und fühlt sich in der Isolation der Natur wohl. Das Metrum ist auffällig unregelmäßig bzw. wechselhaft und weist überwiegend weibliche Kadenzen auf. Die Strophe wirkt allgemein etwas unruhiger, dies kann inhaltlich auf einen wechselnden Wellengang, sowie auf den angehenden Tagesanbruch zurückzuführen sein. Zudem kann diese Unregelmäßigkeit des Metrums auch auf die mentale Neuordnung des lyrischen Ichs deuten. Dieses hat nun mit der Vergangenheit abgeschlossen und ist offen für die kommende Zukunft. Zusammenfassend durchlebt das lyrische Ich durch diese Reise eine Entwicklung, in welcher er durch die Verbundenheit mit der Natur zu neuer Kraftschöpfung und Lebensenergie gelangt. Die unbeschwerte Atmosphäre auf dem See hilft dem lyrischen Ich, über seine Melancholie hinwegzukommen und einen Neuanfang zu wagen. Das Motiv des „unterwegs sein" ist hier ein wichtiger Aspekt. Durch seine Reise gelangt das lyrische Ich in ein Stadium, in dem es fähig ist, seine Probleme und Rückschläge im alltäglichen Leben zu verarbeiten. Das lyrische Ich kann somit Abstand vor dem gesellschaftlichen Idealismus nehmen, welcher dazu leitet, seine Emotionen und Gefühle zu unterdrücken. Die Flucht zum Ursprung, der Natur, fern von den gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Problemen spielt eine wichtige Rolle, vor allem in der Literatur des Sturm und Drangs. Im Allgemeinen wird die zuvor aufgestellte These bestätigt. Inhaltlich, sprachlich sowie formlich thematisiert das Gedicht die seelische Entwicklung des lyrischen Ichs, welche es durch die Kraftschöpfung in der Natur durchlebt. Auch die Verbundenheit zwischen lyrischem Ich und der Natur ist ein wichtiger Aspekt des Gedichts.

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Cool, mit dem Lernzettel konnte ich mich richtig gut auf meine Klassenarbeit vorbereiten. Danke 👍👍

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Das Gedicht ,,Auf dem See", welches 1775 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst wurde, ist ein Werk aus der Epoche des Sturm und Drangs und thematisiert die Kraftschöpfung des lyrischen Ichs aus der Natur. Das Gedicht ist in drei Strophen mit jeweils acht und vier Versen gegliedert und weist in Strophe eins und drei einen Kreuzreim sowie in Strophe zwei einen Paarreim auf. In der ersten Strophe erzählt das lyrische Ich von einer Bootsfahrt und beschreibt die Natur, wie die Berge, welche an ihm währenddessen vorbeizieht. Dabei betont das lyrische Ich die kontinuierlichen Wellenbewegungen des Bootes durch das Wasser sowie die Schönheit und positive Wirkung der Natur. In der zweiten Strophe fällt die Stimmung deutlich herab, wobei das lyrische Ich von Träumen erzählt welchen er entfliehen möchte. Die dritte Strophe thematisiert erneut die Umwelt, welcher das lyrische Ich ausgesetzt ist. Hier beschreibt es eine neblige Landschaft auf dem Wasser bei Nacht und eine reife Frucht, welche sich im Wasser reflektiert. Der Inhalt sowie die sprachliche und formliche Gestaltung des Textes lässt darauf hinweisen, dass die Kernaussage des Gedichtes die Wiedergeburt und Kraftschöpfung sowie die seelische Entwicklung des lyrischen Ichs durch die Natur darstellt. Zudem spielt die Beziehung zwischen lyrischen Ich und der Natur eine wichtige Rolle. Im folgendem wird das Gedicht bezüglich der Beziehung zwischen lyrischen Ich...

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Der Aspekt des „unterwegs sein“ findet sich folglich in der Reise des lyrischen Ichs wieder und stellt im Bezug auf die Reise in die Natur auch eine Verbindung zur Entwicklung des lyrischen Ichs her. Neben spontanen Stimmungswechseln im Laufe des Gedichts spielt auch die mentale Freiheit bezüglich der Natur eine wichtige Rolle. Zu Anfang der ersten Strophe erzählt das lyrische Ich von „frische[r] Nahrung und neue[m] Blut" (V.1) welches er aus der freien Welt ,,saugt" (V.2). Weiterhin erzählt das lyrische Ich von der Natur, welche ihn ,,am Busen hält“ (V.4). Diese Verwendung von Metaphern stellt das lyrische Ich als ein Kind da, welches von der Mutter, in diesem Fall von Mutter Natur gestillt bzw. genährt wird. Hier lässt sich ein mütterlicher Bezug der Natur zum lyrischen Ich feststellen. Außerdem wird klar, dass das lyrische Ich neue Lebensenergie und Kraft durch die Natur erlangt. Das lyrische Ich verwendet zudem die Adjektive „hold“ und „gut“ (V. 3) um die Natur zu beschreiben. Damit wird die positive Wirkung der Natur deutlich. In der Personifikation in V. 5 (,,Die Welle wieget unsern Kahn“) lassen sich weitere Merkmale einer Mutter-Kind-Beziehung zwischen Natur und dem lyrischen Ich feststellen. Das Boot stellt hier die Wiege dar, welche von den Wellen, welche als Natur demnach der Mutter entsprechen, gewiegt wird. Darin befindet sich das lyrische Ich, welches das Kind darstellt. Durch diese mütterliche Fürsorge der Natur fühlt sich das lyrische Ich sicher und geborgen. Es ist mit der Natur verbunden. Auch das Metrum stellt eine Verbindung zu dieser Deutung dar. Der durchgehende Jambus der Strophe wirkt hier sehr rhythmisch während die abwechselnd weiblichen und männlichen Kadenzen eine Wellenbewegung darstellen. Diese somit rhythmische Wellenbewegung stellt hier ebenfalls die Bootsfahrt auf den Wellen und somit die wiegenden Bewegungen der Mutter dar. Der rhythmische Klang des Gedichtes wirkt zudem harmonisch und beruhigend. In der zweiten Strophe wendet sich die Stimmung. Die Personifikation in V.9 („Aug, mein Aug, was sinkst du nieder?") leitet hier den Prozess des Träumens ein. Das lyrische Ich wird in eine Traumwelt gezogen, welcher er entfliehen will (vgl. V.11). Das lyrische Ich beschreibt die Träume mit dem Attribut „gold“ (V.10) Dies kann auf melancholische Erinnerungen zurückzuführen sein, welche negative Emotionen im lyrischen Ich erzeugen. Mit der rhetorischen Frage (V.10: ,,(...) kommt ihr wieder?") scheint das lyrische Ich die unerwartet, androhende Traumwelt zu bemerken und fürchtet sich davor. Die elliptische Interjektion in V.11 (,,Weg, du Traum!“) wirkt sehr hektisch und panisch. Das lyrische Ich möchte seiner Traumwelt entfliehen, da es lieber in der Gegenwart anwesend sein möchte, wo es neue Hoffnung aus der Natur schöpft (V.12: „Hier auch Lieb und Leben ist“). Es entsteht ein Eskapismus des lyrischen Ichs welcher einen Kontrast zwischen Realität und Traumwelt deutlich macht. Es fällt außerdem auf, dass die zweite Strophe in nur vier Verse gegliedert ist. Somit wirkt die Strophe im Vergleich zu den anderen zwei Strophen, mit jeweils 8 Versen, hektischer sowie gedrungener. Zudem verändert sich das Metrum zu einem 4-hebigen Trochäus. Dieser Wechsel lässt sich mit dem inhaltlichen Stimmungswechsel der Strophe in Verbindung bringen. Zu Beginn der letzten Strophe beschreibt das lyrische Ich seine Umgebung. Es scheint der Morgen angebrochen zu sein (V. 17: „Morgenwind umflügelt“). Den Tagesanbruch kann man hier mit der Entwicklung des lyrischen Ichs in Verbindung setzen und lässt sich mit einem Neuanfang vergleichen. Das lyrische Ich hat es geschafft, aus seiner Traumwelt auszubrechen und schöpft nun neue Hoffnung in der Natur um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Der Nebel (V.15) welche die „türmende Ferne [trinkt]“ (V. 16) könnte hier die neue Sorgenfreiheit des lyrischen Ichs bezüglich der Vergangenheit darstellen, welche es durch die Natur erlangt. Der Nebel verdeckt die Ferne und hüllt das lyrische Ich ein, sodass es sich entsprechend sicher fühlt. Zudem erwähnt das lyrische Ich eine ,,beschattete Bucht" (V.18). Diese könnte seine persönliche Krise darstellen, welche nun von neuer Hoffnung besiegt worden ist. Zuletzt erzählt das lyrische Ich von einer reifenden Frucht, welche sich auf der Wasseroberfläche spiegelt (vgl. V. 20). Das lyrische Ich findet sich hier selbst in der Frucht wieder. Es durchlebt eine Entwicklung und reift, wie eine Frucht, durch die Natur heran. Das Wasser spiegelt hier die Quelle des Lebens wieder. Durch diese Metapher wird die Verschmelzung des lyrischen Ichs mit der Natur deutlich. Es befindet sich nun in einem Stadium des Unbeschwerten und Ausgeglichenen, wirkt angekommen und fühlt sich in der Isolation der Natur wohl. Das Metrum ist auffällig unregelmäßig bzw. wechselhaft und weist überwiegend weibliche Kadenzen auf. Die Strophe wirkt allgemein etwas unruhiger, dies kann inhaltlich auf einen wechselnden Wellengang, sowie auf den angehenden Tagesanbruch zurückzuführen sein. Zudem kann diese Unregelmäßigkeit des Metrums auch auf die mentale Neuordnung des lyrischen Ichs deuten. Dieses hat nun mit der Vergangenheit abgeschlossen und ist offen für die kommende Zukunft. Zusammenfassend durchlebt das lyrische Ich durch diese Reise eine Entwicklung, in welcher er durch die Verbundenheit mit der Natur zu neuer Kraftschöpfung und Lebensenergie gelangt. Die unbeschwerte Atmosphäre auf dem See hilft dem lyrischen Ich, über seine Melancholie hinwegzukommen und einen Neuanfang zu wagen. Das Motiv des „unterwegs sein" ist hier ein wichtiger Aspekt. Durch seine Reise gelangt das lyrische Ich in ein Stadium, in dem es fähig ist, seine Probleme und Rückschläge im alltäglichen Leben zu verarbeiten. Das lyrische Ich kann somit Abstand vor dem gesellschaftlichen Idealismus nehmen, welcher dazu leitet, seine Emotionen und Gefühle zu unterdrücken. Die Flucht zum Ursprung, der Natur, fern von den gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Problemen spielt eine wichtige Rolle, vor allem in der Literatur des Sturm und Drangs. Im Allgemeinen wird die zuvor aufgestellte These bestätigt. Inhaltlich, sprachlich sowie formlich thematisiert das Gedicht die seelische Entwicklung des lyrischen Ichs, welche es durch die Kraftschöpfung in der Natur durchlebt. Auch die Verbundenheit zwischen lyrischem Ich und der Natur ist ein wichtiger Aspekt des Gedichts.