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Gedichtsanalyse zu Die Stadt von Georg Heym

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Gedichtsanalyse zu Die Stadt von Georg Heym

 Gedichtanalyse zu „Die Stadt“ von Georg Heym
Das expressionistische Sonett „Die Stadt“ von Georg Heym, welches im Jahr 1911 publiziert
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Gedichtanalyse zu „Die Stadt“ von Georg Heym Das expressionistische Sonett „Die Stadt“ von Georg Heym, welches im Jahr 1911 publiziert wurde, beschreibt die Monotonie eines Lebens in der Großstadt, welche im zweiten Teil durch ein Feuer zerstört wird und dabei dir Bewohner der Stadt in einen qualvollen Tod reißt. Georg Heym veranshautlicht im vorliegenden Gedicht die zunehmende Anonymisierung und Entindividualisierung, die im Zuge der Urbanisierung und Industrialisierung entsteht. In diesem Text mündet die Eintönigkeit des Alltags in einer Art Apokalypse, welche das Ziel hat die immer weiter schreitende Verstädterung zu Durchbrechen und die Einwohner aus ihrer Blasiertheit herauszureißen. Das Gedicht ist in der klassischen Form eines Sonetts verfasst. Das bedeutet, dass es aus vier Strophen besteht von denen die ersten beiden vier Verse und die zweiten beiden nur drei Verse haben. Die Besonderheit bei diesem Text ist der starke Kontrast zwischen den beiden Gedichtshälften, welcher sowohl inhaltlich als auch formal einfach zu erkennen ist. Die ersten beiden Strophen sind in einem fünfhebigen Jambus mit ausschließlich männlichen Kadenzen geschrieben. Es werden außerdem ausschließlich einsilbige umarmende Ausgangsreime verwendet. Diese strenge Formeinhaltung ist verantwortlich für die monotone, stark rhythmische Betonung und passt so perfekt zum Inhalt der ersten beiden Strophen. Im kompletten Gegensatz dazu ist die zweite Hälfte komplett formsprengend. Es werden zwar Haufenreime verwendet, jedoch sind kein Metrum und...

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deshalb auch keine Kadenzen erkennbar. Der Sprechrhythmus ist anders als am Anfang des Gedichtes ungleichmäßig und bildet deshalb schon beim Lesen einen starken Kontrast zur ersten und zweiten Strophe. Wie bereits erwähnt lässt sich die Form, also der monotone Rhythmus der Vierzeiler und die zugunsten der Bildhaftigkeit komplett formbrechend gestalteten Dreizeiler, direkt auf den Inhalt übertragen. In den ersten beiden Strophen wird die Monotonie des Großstadtalltags fast schon dystopisch und definitiv pessimistisch beschrieben. Es wird offensichtlich, dass der Autor diese Art zu Leben als repititiv, langweilig und man könnte sagen sinnlos ansieht. Im inhaltlichen Kontrast dazu stehen die letzen sechs Verse, in denen im Reihungsstil Bilder gezeichnet werden, welche vor allem die Bedrohung und das Leiden der Stadtbewohner durch das Feuer, das für apokalypstische Zustände in der Großstadt verantwortlich ist, verbildlichen. Die bedrohende Stimmung, welche in den Vierzeilern aufgebaut wird, soll Spannung aufbauen für das Finale beziehungsweise das düstere Ende der Monotonie. Dies wird in erster Linie durch klassische expressionistische Symbole und Stilmittel geschafft. Bereits in den ersten beiden Versen wird deutlich gemacht, dass die Situation in der Nacht oder präziser in der Dämmerung stattfindet (vgl. S1; V1,2). Georg Heym beschreibt hierbei das nahende Ende der Dunkelheit als „des Mondes Untergang“ (S1; V2) und gibt damit schon einen ersten Hinweis auf die Apokalypse, also das Ende des eintönigen Lebens, welcher im zweiten Teil des Gedichts zum Thema wird. Der Erwähnung der Farbe rot in der ersten Strophe (vgl. S1; V4) gibt außerdem einen weiteren Hinweis auf den folgenden Untergang, da diese Farbe im Expressionismus als Symbol für eine Katastrophe dient. Interessant ist hierbei, dass die Farbei rot ein weiteres Mal verwendet wird (vgl. S4; V1) und zwar wenn die Apokalypse bereits in vollem Gange ist. Die unheimliche Stimmung welche also durch die klassisch expressionistische Verwendung der Dunkelheit und durch die Andeutungen auf eine Katastrophe entsteht wird von weiteren Stilmitteln sogar noch verstärkt. Zum einen durch den Neologismus „Wolkenschein“ (S1; V1), welcher an ein bleiches, gespenstisches Licht erinnern lässt und zum Anderen durch die Personifikation der in einer Reihe stehenden, blinzelnden und somit beobachtenden Fenster (vgl. S1; V3,4). Die Personifikation wird sogar durch die Hyperbel „tausend Fenster“ (S1; V3) noch ein weiteres Mal verstärkt. Durch all diese Stilmittel soll ein klassisch expressionistischer Eindruck einer alles vereinnahmenden nahezu dämonischen Stadt entstehen, welcher auch in der folgenden Strophe weitergeführt wird. Zudem sei noch die Anapher des Wortes „Und“ (S1; V3,4) erwähnt, welche mit dem strengen Metrum und den sprachlichen Bildern der zweiten Strophe des Gedichts den Eindruck der Eintönigkeit verstärkt. In der zweiten Strophe wird die Stadt erneut personifiziert, indem ihre Straßen mit einem ,,Aderwerk" (S2; V5) verglichen werden. Außerdem auffällig ist hierbei der Ausdruck „unzählig Menschen schwemmen aus und ein" (S2; V6). In diesem Vers steckt nämlich sowohl eine weitere Hyperbel, welche die Unüberschaubarkeit, der sich wie eine Krankheit immer weiter ausbreitenden Stadt ausdrücken soll, als auch die ungewöhnliche Wortkombinatorik ,,Menschen schwemmen" (S2; V6), welche hier eine doppeldeutige Wirkung hat. Einerseits greift sie den Vergleich aus dem ersten Vers der Strophe wieder auf, da ja auch Blut durch das Aderwerkt eines Menschen fließt und zum anderen entsteht der Eindruck, dass die Menschen ohne großen eigenen Einfluss einfach mitgeschwemmt werden. Heym lässt hier also seinen eigenen Eindruck über die in der Großstadt lebenden Menschen miteinfließen, welche seiner Meinung nach einfach nur versuchen im Strom des eintönigen und öden Alltags der Großstadt mitzuschwimmen. Dieser Eindruck der Monotonie wird im zweiten Teil dieser Strophe durch erneut aufgegriffen zum Beispiel durch die Wiederholung des Wortes „stumpf" (S2; V7). Wenn man sich außerdem die Wortfelder in diesen beiden Versen anschaut fallen einem außerdem die Adjektive „eintönig“ (S2; V7), „matt“ (S2; V8) und „stumpf“ (S2; V7) auf. Auch in diesem Fall der Strophe lässt sich die Meinung des Autors über diese Eintönigkeit erkennen, da er dem „stumpfen Ton“ (S2; V7) des großstädtischen Daseins keinerlei Wirkung oder Bedeutung zuschreibt, wie an dem Ausdruck ,,kommt heraus in Stille“ (S2; V8) deutlich erkennbar ist. Die zweiten beiden Strophen sorgen, wie bereits angedeutet, sowohl formal als auch inhaltlich für einen klaren Bruch. Die Beschreibung der Umstände in den ersten beiden Strophen ist hier beendet und stattdessen wird empathisch von einem apokalyptischen Zustand, einer Art Weltuntergang durch ein Feuer in der Stadt berichtet. Die durch den monotonen Rhythmus und die detaillierte Beschreibung entstandene Spannung findet hier ihren Höhepunkt. Die dritte Strophe ist ein absolutes Musterbeispiel expressionistischer Lyrik. Das hervorstehende Merkmal ist hier der Reihungsstil. Das bedeutet, dass hier hintereinander verschiedene Bilder geschaffen werden, welche dem Leser einen genauen Eindruck des hektisch und chaotisch Wirkendem, apokalyptischem Geschehen vermitteln sollen. Statt ganzen Sätzen werden im neunten und zehnten Vers des Textes zahlreiche Ellipsen und Satzfragmente verwendet. Die vorherrschende hektische und chaotische Stimmung wird außerdem durch die Nebeneinanderstellung der Antithesen „Gebären und Tod“ (vgl. S3; V9) und ,,Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei“ (S3; V10) verstärkt. Interessant ist hierbei auch der Neologismus „gewirktes Einerlei“ (S3; V9), welcher zwischen den beiden Antithesen steht und erneut als negative Sichtweise Heym's auf das menschliche Leben, welches im Normalfall zeitlich, aber in diesem Fall wahrscheinlich auch räumlich zwischen Geburt und Tod liegt. Dieser Eindruck verfestigt sich auch im letzten Vers der dritten Strophe, wo zum einen der „blinde Wechsel“ (vgl. S3; V11) wörtlich Erwähnung findet, aber den verschiedenen Bildern abermals keine allzugroße Wirkung zugemessen wird, wie durch den Ausdruck ,,dumpf vorbei“ (S3; V11) verdeutlicht wird. Das lässt darauf schließen, dass die hier berichteten fast schon traumatischen Momente eindrucklsos am Autor vorbeiziehen. Diese Unfähigkeit mit angemessener Energie auf solche Ereignisse zu reagieren wird als Blasiertheit bezeichnet und wird häufig als negative Folge der Urbanisierung und der damit einhergehenden großen Anzahl an Impressionen gesehen. Man könnte also interpretieren, dass Georg Heym die Monotonie der Großstadt und damit die negativen Folgen der Urbanisierung verurteilt, aber gleichzeitig selber nicht immun gegen diese Folgen und die Eintönigkeit der städtischen Lebensweise ist. Im ersten Vers der letzten Strophe wird dann weiterhin hektisch von den vorherrschenden Umständen berichtet. Die Akkumulation von Wörtern aus dem Wortfeld Feuer (vgl. S4; V12) und deren repetitive Aneinanderreihung durch ein „und" oder ein Komma verstärken das Bild einer hektischen Berichterstattung vor Ort. Auch hier wird die Form zugunsten des Inhalts und der Vergrößerung des Interpretationsspielraums verbessert. Anschließend wird das Feuer personifiziert und als „mit gezückter Hand drohend" (vgl. S4; V13) beschrieben, was in erster Linie dazu dient die unmittlebare Bedrohung greifbarer für den Leser zu machen. Der Text findet dann ein relativ apruptes, aber im Vergleich mit den vorangegangenen Versen ruhiges Ende. Die Personifizierung aus dem vorherigen Vers wird hier weitergeführt und die hoch scheinenden, von einer dunklen Wolkenwand verdeckten Flammen (vgl. S4; V14) schaffen das düstere, dystopische Bild dunkler und unüberwindbarer Aschewolken, welche während und nach einer Apokalypse in der Luft hängen und die Sicht der noch Lebenden trüben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Sonett von Georg Heym in jeder Hinsicht klassisch expressionistisch ist. Die Verwendung von klassischer Form im Kontrast zum Inhalt und der anschließenden kompletten Formsprengung, beispielsweise durch die Verwendung von Ellipsen und Satzfragmenten, lässt sich hierbei ebenso anführen wie die andauernde düstere, bedrohliche Stimmung und die Motive Großstadt und Weltuntergang. Meiner Meinung nach wird hier die Entwurzelung des Menschen, durch die raschen gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit sehr deutlich. Auch der nihilistische Grundgedanke und das Misstrauen am Sinn des menschlichen Daseins sind bereits beim ersten Lesen erkennbar. Georg Heym kritisiert hier eine neue Gesellschaft, von der er selber ein Teil ist. Er verarbeitet seine Gedanken und Erkenntnisse in einem dystopischen Gedicht, welches eine Apokalypse, wie sie drei Jahre später eintrifft, bereits vorherzusehen scheint.

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Das expressionistische Sonett „Die Stadt“ von Georg Heym, welches im Jahr 1911 publiziert
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Vielen Dank, wirklich hilfreich für mich, da wir gerade genau das Thema in der Schule haben 😁

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deshalb auch keine Kadenzen erkennbar. Der Sprechrhythmus ist anders als am Anfang des Gedichtes ungleichmäßig und bildet deshalb schon beim Lesen einen starken Kontrast zur ersten und zweiten Strophe. Wie bereits erwähnt lässt sich die Form, also der monotone Rhythmus der Vierzeiler und die zugunsten der Bildhaftigkeit komplett formbrechend gestalteten Dreizeiler, direkt auf den Inhalt übertragen. In den ersten beiden Strophen wird die Monotonie des Großstadtalltags fast schon dystopisch und definitiv pessimistisch beschrieben. Es wird offensichtlich, dass der Autor diese Art zu Leben als repititiv, langweilig und man könnte sagen sinnlos ansieht. Im inhaltlichen Kontrast dazu stehen die letzen sechs Verse, in denen im Reihungsstil Bilder gezeichnet werden, welche vor allem die Bedrohung und das Leiden der Stadtbewohner durch das Feuer, das für apokalypstische Zustände in der Großstadt verantwortlich ist, verbildlichen. Die bedrohende Stimmung, welche in den Vierzeilern aufgebaut wird, soll Spannung aufbauen für das Finale beziehungsweise das düstere Ende der Monotonie. Dies wird in erster Linie durch klassische expressionistische Symbole und Stilmittel geschafft. Bereits in den ersten beiden Versen wird deutlich gemacht, dass die Situation in der Nacht oder präziser in der Dämmerung stattfindet (vgl. S1; V1,2). Georg Heym beschreibt hierbei das nahende Ende der Dunkelheit als „des Mondes Untergang“ (S1; V2) und gibt damit schon einen ersten Hinweis auf die Apokalypse, also das Ende des eintönigen Lebens, welcher im zweiten Teil des Gedichts zum Thema wird. Der Erwähnung der Farbe rot in der ersten Strophe (vgl. S1; V4) gibt außerdem einen weiteren Hinweis auf den folgenden Untergang, da diese Farbe im Expressionismus als Symbol für eine Katastrophe dient. Interessant ist hierbei, dass die Farbei rot ein weiteres Mal verwendet wird (vgl. S4; V1) und zwar wenn die Apokalypse bereits in vollem Gange ist. Die unheimliche Stimmung welche also durch die klassisch expressionistische Verwendung der Dunkelheit und durch die Andeutungen auf eine Katastrophe entsteht wird von weiteren Stilmitteln sogar noch verstärkt. Zum einen durch den Neologismus „Wolkenschein“ (S1; V1), welcher an ein bleiches, gespenstisches Licht erinnern lässt und zum Anderen durch die Personifikation der in einer Reihe stehenden, blinzelnden und somit beobachtenden Fenster (vgl. S1; V3,4). Die Personifikation wird sogar durch die Hyperbel „tausend Fenster“ (S1; V3) noch ein weiteres Mal verstärkt. Durch all diese Stilmittel soll ein klassisch expressionistischer Eindruck einer alles vereinnahmenden nahezu dämonischen Stadt entstehen, welcher auch in der folgenden Strophe weitergeführt wird. Zudem sei noch die Anapher des Wortes „Und“ (S1; V3,4) erwähnt, welche mit dem strengen Metrum und den sprachlichen Bildern der zweiten Strophe des Gedichts den Eindruck der Eintönigkeit verstärkt. In der zweiten Strophe wird die Stadt erneut personifiziert, indem ihre Straßen mit einem ,,Aderwerk" (S2; V5) verglichen werden. Außerdem auffällig ist hierbei der Ausdruck „unzählig Menschen schwemmen aus und ein" (S2; V6). In diesem Vers steckt nämlich sowohl eine weitere Hyperbel, welche die Unüberschaubarkeit, der sich wie eine Krankheit immer weiter ausbreitenden Stadt ausdrücken soll, als auch die ungewöhnliche Wortkombinatorik ,,Menschen schwemmen" (S2; V6), welche hier eine doppeldeutige Wirkung hat. Einerseits greift sie den Vergleich aus dem ersten Vers der Strophe wieder auf, da ja auch Blut durch das Aderwerkt eines Menschen fließt und zum anderen entsteht der Eindruck, dass die Menschen ohne großen eigenen Einfluss einfach mitgeschwemmt werden. Heym lässt hier also seinen eigenen Eindruck über die in der Großstadt lebenden Menschen miteinfließen, welche seiner Meinung nach einfach nur versuchen im Strom des eintönigen und öden Alltags der Großstadt mitzuschwimmen. Dieser Eindruck der Monotonie wird im zweiten Teil dieser Strophe durch erneut aufgegriffen zum Beispiel durch die Wiederholung des Wortes „stumpf" (S2; V7). Wenn man sich außerdem die Wortfelder in diesen beiden Versen anschaut fallen einem außerdem die Adjektive „eintönig“ (S2; V7), „matt“ (S2; V8) und „stumpf“ (S2; V7) auf. Auch in diesem Fall der Strophe lässt sich die Meinung des Autors über diese Eintönigkeit erkennen, da er dem „stumpfen Ton“ (S2; V7) des großstädtischen Daseins keinerlei Wirkung oder Bedeutung zuschreibt, wie an dem Ausdruck ,,kommt heraus in Stille“ (S2; V8) deutlich erkennbar ist. Die zweiten beiden Strophen sorgen, wie bereits angedeutet, sowohl formal als auch inhaltlich für einen klaren Bruch. Die Beschreibung der Umstände in den ersten beiden Strophen ist hier beendet und stattdessen wird empathisch von einem apokalyptischen Zustand, einer Art Weltuntergang durch ein Feuer in der Stadt berichtet. Die durch den monotonen Rhythmus und die detaillierte Beschreibung entstandene Spannung findet hier ihren Höhepunkt. Die dritte Strophe ist ein absolutes Musterbeispiel expressionistischer Lyrik. Das hervorstehende Merkmal ist hier der Reihungsstil. Das bedeutet, dass hier hintereinander verschiedene Bilder geschaffen werden, welche dem Leser einen genauen Eindruck des hektisch und chaotisch Wirkendem, apokalyptischem Geschehen vermitteln sollen. Statt ganzen Sätzen werden im neunten und zehnten Vers des Textes zahlreiche Ellipsen und Satzfragmente verwendet. Die vorherrschende hektische und chaotische Stimmung wird außerdem durch die Nebeneinanderstellung der Antithesen „Gebären und Tod“ (vgl. S3; V9) und ,,Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei“ (S3; V10) verstärkt. Interessant ist hierbei auch der Neologismus „gewirktes Einerlei“ (S3; V9), welcher zwischen den beiden Antithesen steht und erneut als negative Sichtweise Heym's auf das menschliche Leben, welches im Normalfall zeitlich, aber in diesem Fall wahrscheinlich auch räumlich zwischen Geburt und Tod liegt. Dieser Eindruck verfestigt sich auch im letzten Vers der dritten Strophe, wo zum einen der „blinde Wechsel“ (vgl. S3; V11) wörtlich Erwähnung findet, aber den verschiedenen Bildern abermals keine allzugroße Wirkung zugemessen wird, wie durch den Ausdruck ,,dumpf vorbei“ (S3; V11) verdeutlicht wird. Das lässt darauf schließen, dass die hier berichteten fast schon traumatischen Momente eindrucklsos am Autor vorbeiziehen. Diese Unfähigkeit mit angemessener Energie auf solche Ereignisse zu reagieren wird als Blasiertheit bezeichnet und wird häufig als negative Folge der Urbanisierung und der damit einhergehenden großen Anzahl an Impressionen gesehen. Man könnte also interpretieren, dass Georg Heym die Monotonie der Großstadt und damit die negativen Folgen der Urbanisierung verurteilt, aber gleichzeitig selber nicht immun gegen diese Folgen und die Eintönigkeit der städtischen Lebensweise ist. Im ersten Vers der letzten Strophe wird dann weiterhin hektisch von den vorherrschenden Umständen berichtet. Die Akkumulation von Wörtern aus dem Wortfeld Feuer (vgl. S4; V12) und deren repetitive Aneinanderreihung durch ein „und" oder ein Komma verstärken das Bild einer hektischen Berichterstattung vor Ort. Auch hier wird die Form zugunsten des Inhalts und der Vergrößerung des Interpretationsspielraums verbessert. Anschließend wird das Feuer personifiziert und als „mit gezückter Hand drohend" (vgl. S4; V13) beschrieben, was in erster Linie dazu dient die unmittlebare Bedrohung greifbarer für den Leser zu machen. Der Text findet dann ein relativ apruptes, aber im Vergleich mit den vorangegangenen Versen ruhiges Ende. Die Personifizierung aus dem vorherigen Vers wird hier weitergeführt und die hoch scheinenden, von einer dunklen Wolkenwand verdeckten Flammen (vgl. S4; V14) schaffen das düstere, dystopische Bild dunkler und unüberwindbarer Aschewolken, welche während und nach einer Apokalypse in der Luft hängen und die Sicht der noch Lebenden trüben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Sonett von Georg Heym in jeder Hinsicht klassisch expressionistisch ist. Die Verwendung von klassischer Form im Kontrast zum Inhalt und der anschließenden kompletten Formsprengung, beispielsweise durch die Verwendung von Ellipsen und Satzfragmenten, lässt sich hierbei ebenso anführen wie die andauernde düstere, bedrohliche Stimmung und die Motive Großstadt und Weltuntergang. Meiner Meinung nach wird hier die Entwurzelung des Menschen, durch die raschen gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit sehr deutlich. Auch der nihilistische Grundgedanke und das Misstrauen am Sinn des menschlichen Daseins sind bereits beim ersten Lesen erkennbar. Georg Heym kritisiert hier eine neue Gesellschaft, von der er selber ein Teil ist. Er verarbeitet seine Gedanken und Erkenntnisse in einem dystopischen Gedicht, welches eine Apokalypse, wie sie drei Jahre später eintrifft, bereits vorherzusehen scheint.