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"Gesang der Geister über dem Wasser" - Gedichtinterpretation

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"Gesang der Geister über dem Wasser" - Gedichtinterpretation

 Gesang der Geister über dem Wasser - Johann
Wolfgang von Goethe
Über die Unberechenbarkeit des eigenen Schicksals hat wohl jeder schon einm

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Gesang der Geister über dem Wasser - Johann Wolfgang von Goethe Über die Unberechenbarkeit des eigenen Schicksals hat wohl jeder schon einmal nachgedacht. Auch Johann Wolfgang von Goethe beschäftigte sich 1789 mit dieser Ungewissheit. Aus seinen Überlegungen und Gedanken entstand das Gedicht „Gesang der Geister über dem Wasser". In diesem nutzt er den Vergleich der menschlichen Seele mit dem Kreislauf des Wassers und das Schicksal mit dem Wind. Diese Thematik wird bereits nach dem ersten Lesen deutlich, auch viele sprachlichen Auffälligkeiten stechen dem Leser sofort in Auge. So sollte man zunächst die verschieden langen Verse erwähnen. Das Gedicht, welches über sechs Strophen verfügt, zeichnet sich durch seine scheinbare Formlosigkeit aus. Die ersten beiden Strophen des Gedichtes verfügen über jeweils zehn Verse, und sind somit vergleichsweise viel Länger als die restlichen vier Strophen, die jeweils aus zweimal fünf und zweimal vier Versen bestehen. So ist es auch nicht verwunderlich, das sich weder ein einheitliches Reimschema, noch ein einheitliches Metrum bestimmen lässt. Dieses wechselt zwischen den Versen, so lässt sich zum Beispiel im ersten Vers ein zweihebiger Jambus feststellen. Im darauffolgenden Vers ein zweihebiger Trochäus. Dieser schon fast sprunghafte Wechsel der Metren lässt sich auf den Inhalt des Gedichtes zurückführen und verdeutlicht so den Bruch mit dem Wasser und weist auf seine starke Unregelmäßigkeit hin. Doch nicht nur das...

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Wasser beeinflusst hier die Unregelmäßigkeit. So lässt sich auch daraus schließen, dass unser Schicksal unberechenbar ist und so kein fester Ablauf bestimmt werden kann. Im Gegensatz zu den formalen Aspekten wirken die vorhandenen Stilmittel, die den Klang des Gedichtes beeinflussen, jedoch sehr strukturiert. Ihr besonders häufiges Vorkommen in diesem Gedicht, lässt sich auf die Epoche der Klassik, welches es zugeordnet werden kann, zurückführen. Zeilensprünge und zahlreiche Verben der Bewegung, sowie eine gehäufte Verwendung des „sch“- Lautes wie „strömt“ (V. 8), „sträubt“ (V. 11), „schäumt“ (V. 20) und „schleicht“ (V. 24) verbildlichen die Darstellung des fließenden Wassers. Da das Gedicht traditionell ungereimt ist, feierliches repräsentiert, sich die Themen mit der Natur, Lebensweisheiten und Gott befassen und es schwungvoll gesprochen werden kann, lässt sich nicht ausschließen, dass es sich bei dieser Gedichtsform um eine Ode handelt. Bevor nun genauer auf die Bedeutung der Handlung und der Stilmittel eingegangen wird, gilt es noch zu erwähnen, dass sich das Gedicht nach genauerem Lesen in drei Teile gliedern. Der erste stellt hierbei der Sinnspruch da, welcher in der ersten und in der letzten Strophe zu finden ist. Sie bilden den Rahmen um die Naturbeschreibung, welche in den Strophen zwei bis fünf zu finden ist. Der Sinnspruch lässt sich hier besonders gut durch den Chiasmus ,des Menschen Seele - Seele des Menschen" (V.1 & V.32) erkennen. Auf diese wird eine Steigerung von einer sachlichen Feststellung hin zu einer bewundernden Bekräftigung verdeutlicht. Die zu vermutende Handlung kann schon mit dem Beginn der ersten Strophe bestätigt werden. Hier stellt Goethe eine Parallele zwischen dem Wasser und der menschlichen Seele her (vgl. V. 1) Dabei wird der Weg des Wassers vom Himmel zur Erde beschrieben und kann so als Kreislauf gesehen werden. Diese Erkenntnis lässt sich auf das menschliche Leben übertragen und es kann so gedeutet werden, dass Dinge wie die Geburt und der Tod unumgänglich sind. Bereits in Vers 1 lässt sich so ein Enjambement zwischen den Versen feststellen. Dieser bricht die Strukturen des Gedichtes noch ein wenig weiter auf und sorgt so auch für eine gängigeren Lesefluss. Der Parallelismus, welcher in nächsten Vers „Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es“ (V. 3) zu finden ist, hilft dem Dichter dabei, auf die eben schon einmal angesprochene Reinkarnation der menschlichen Seele aufmerksam zu machen, die vom Himmel kommt und nach dem Tod auch wieder zum Himmel steigt. Ein unvermeidbarer Kreislauf den er mit dem Kreislauf des Wassers vergleicht. Dieser Vergleich wird auch mit der Verwendung eines Klimax „vom Himmel kommt es, steigt es, muss es“ in den Versen 3 bis 6 bekräftigt. Auch Vers 7 ,,Ewig wechselnd" kann mit der vorausgegangenen Deutung in Verbindung gebracht werden. Die zweite Strophe ist geprägt von der Beschreibung des Wassers, dass in einem leisen und verschleierten Zustand die Felswände herunterströmt (vgl. V.8 - V. 17). Auch die Komplexität der menschlichen Seele und ihre Formbarkeit wird hier von Goethe noch einmal angemerkt. Zu Beginn dieser Strophe lässt sich eine Antithese in Vers 8 und Vers 17 feststellen. Der Weg des Wassers von einer hohen zu einer tieferen Stelle, hier vermutlich der Wasserfall, wird hier in einem großen Gegensatz dargestellt. Zum einen trägt er so dazu bei, dem Wasser mehr Lebendigkeit zu schenken, es fällt aber auch auf, dass sich dieser auf den Weg des Wassers, und so auf den Weg des Menschen beziehen kann. Ähnlich wie bei uns Menschen, symbolisiert der ,,reine Strahl“ (V. 10) ein neues Lebewesen mit all seiner Unschuldigkeit, die er zum Anfang seines Lebens noch besitzt. Erst mit dem Fortlaufen der Jahre kann diese Abnehmen. Auch kann man diese Strophe als Ablauf eines Lebens sehen, da wie bei den Menschen, dass Wasser immer mehr an Kraft verliert. Der Pleonasmus „steile Felswand" (V. 11) verdeutlichen dies und macht noch einmal auf die noch vorhandene Stärke des Wassers aufmerksam. Die Verse 8 und 9 („Strömt von der hohen, steilen Felswand") fallen hier noch einmal besonders durch die Dopplung der Adjektive auf. So lässt sich auch erkennen, dass vor jedem Adjektiv ein Verb folgt und das Adjektiv so dazu dient, dass Verb zu bekräftigten. Beispiele hierfür sind die Stellen ,,stäubt er lieblich“ (V. 11), „wollt er verschleiernd““ (V. 15) oder „schäumt er unmutig" (V. 20). Eine weitere Auffälligkeit in dieser Strophe stellen die Verben der Bewegung (bsp. „stäubt“ (V. 11) oder „wallt“ (V. 15)) da, die in Kombination mit den freien Rhythmen und Enjambements als Darstellung des fließenden Wassers dienen. Auch der Neologismus ,,Leisrauschend", der auch als Onomatopoetik gesehen werden kann, verdeutlicht das Klang und Sinnbild, welches das Wasser mit seinen Bewegungen erzeugt. Die dritte Strophe des Gedichtes befasst sich nun mit schicksalhaften Ereignissen, die das Leben ereilen können. Dargestellt werden diese Ereignisse durch das Aufschäumen des Wassers an Klippen. Bereits zu Beginn der Strophe bemerkt man einen Widerspruch mit Vers 14 (,,zum glatten Fels"). Dieser verdeutlicht den plötzlichen Umschwung der Stimmung. Während die zweite Strophe noch von überwiegend „freundlichen“ Verben dominiert wird, bekommt der Leser in der dritten Strophe die volle Härte der Klippen zu spüren, die so auch eine Gewisse Achtung der Leser bekommen. Eine weitere Auffälligkeit ist die Länge der Strophe. Im Vergleich zu den ersten beiden hat diese nur fünf Verse und gehört somit zu der zweitkürzesten Strophe dieses Gedichtes. Sie beginnt mit einem Enjambement, der genau wie der letzte für einen besseren Lesefluss sorgt. Die Personifikation im nächsten Vers (V. 20) verleiht dem Wasser eine Eigenschaft und trägt so auch dazu bei, es lebendiger werden zu lassen. Auch die unterschiedlichen Formen des Wassers, die hier dargestellt werden, verleihen dem Gedicht zunehmende Abwechslung. Im fortlaufen der Strophe lässt sich ein weiteres Enjambement feststellen. Der Autor konkretisiert weiter den Weg des Wassers welches die Klippen herunterstürzt. Dabei verwendet er die Bezeichnung „stufenweise“ (vgl. V. 21) im Zusammenhang mit der Ortsbeschreibung „zum Abgrund“ (vgl. V. 22). Diese Wortwahl kann man mit dem Vergehen der Jahre und dem warten auf den Tod in Verbindung bringen. Zudem zeigt diese Strophe, wie unterschiedlich die Menschen durch das Leben gehen. Es verläuft also nicht planbar und kann für jeden anders ablaufen. Während manche in ihrem Leben kaum Schwierigkeiten haben, ecken andere öfters an und tun sich schwerer. Strophe vier thematisiert nun wie das Wasser nach seiner Reise anschließend zur Ruhe kommt, und die Sterne ihr Antlitz im See weiden. Diese Metaphorik kann auch als Idee der Ganzheit verstanden werden. Diese spielt unter anderem mit dem Gedanken, dass das Leben vor dem Tod noch einmal an einem Vorbeizieht und man seine Taten betrachten kann. Zu dieser Idee passt auch die Harmonie die die Seele nun Ausstrahlt, da sie sich langsam von ihrer Reise erholt und zur Ruhe kommt. Auch die Verunreinigungen des vergangenen Lebens scheinen in diesen letzten Stunden des lyrischen Ichs zu verschwinden. Die Ebenen bereit schon erwähnte Harmonie der Seele wird auch durch das Adjektiv schleicht" (V. 24) bekräftigt, dass an dieser Stelle besonders beruhigen wirkt. Auch die folgende Strophe verfügt über diese Harmonie. Bei ist hier allerdings, dass zum ersten Mal im Laufe des Gedichtes der Wind mit integriert wird. Er taucht hier sehr plötzlich auf, und kann so auf die unerwarteten Erlebnisse im Leben eines Menschen anspielen, auf die man selber keinen Einfluss hat. Der Wind kann so auch das Schicksal der Menschen verkörpern. Dieses steht in Beziehung zur Seele, da sie sich auf dessen Gemütszustand auswirkt und die Seele in gewisser Weise auch lenken kann. Unterstützt wird diese Deutung durch eine Epipher, die Goethe hier in den Versen 28 und 30 verwendet. Die letzte Strophe des Gedichtes wird vom nun gezogenen Fazit des Dichters dominiert. Die in Strophe eins eigen gestellte Frage ob die Seele des Menschen dem Wassers gleicht, antwortet er nun mit dem Ausruf, Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!" (V. 32-33) Dies wiederholt er auch mit dem Vergleich des Schicksals mit dem Wind. Die Eingebundenheit er erschlichen Existenz in unabänderlichen Abläufen wird im Gedicht bildhaft zum Ausdruck gebracht. Symbolhaft beschreibend stehen naturverbundener für die verschiedenen Phasen des Lebens. Beispielsweise könnte das Bild des Kreislaufs zwischen Himmel und Erde den Stand des Menschen zwischen Naturwesen und göttlichen Wesen darstellen, das Bild des Wasserfalls die Jugend und somit auch die hohe Leistungsfähigkeit des Menschen, das Bild verlangsamten Bewegung des Älter werden und das Bild des Windes und das Wassers Höhen und tiefen im menschlichen Leben, da der Wind Wogen erzeugt, die genau das darstellen können. Ebenfalls zeigt es, dass die Veränderung des menschlichen Daseins durch äußere Einflüsse geprägt ist, worauf sich wieder eine Verbindung zur eingangs formulierten Deutungshypothese herstellen lässt.

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 Gesang der Geister über dem Wasser - Johann
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Über die Unberechenbarkeit des eigenen Schicksals hat wohl jeder schon einm

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So ein schöner Lernzettel 😍😍 super nützlich und hilfreich!

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Gesang der Geister über dem Wasser - Johann Wolfgang von Goethe Über die Unberechenbarkeit des eigenen Schicksals hat wohl jeder schon einmal nachgedacht. Auch Johann Wolfgang von Goethe beschäftigte sich 1789 mit dieser Ungewissheit. Aus seinen Überlegungen und Gedanken entstand das Gedicht „Gesang der Geister über dem Wasser". In diesem nutzt er den Vergleich der menschlichen Seele mit dem Kreislauf des Wassers und das Schicksal mit dem Wind. Diese Thematik wird bereits nach dem ersten Lesen deutlich, auch viele sprachlichen Auffälligkeiten stechen dem Leser sofort in Auge. So sollte man zunächst die verschieden langen Verse erwähnen. Das Gedicht, welches über sechs Strophen verfügt, zeichnet sich durch seine scheinbare Formlosigkeit aus. Die ersten beiden Strophen des Gedichtes verfügen über jeweils zehn Verse, und sind somit vergleichsweise viel Länger als die restlichen vier Strophen, die jeweils aus zweimal fünf und zweimal vier Versen bestehen. So ist es auch nicht verwunderlich, das sich weder ein einheitliches Reimschema, noch ein einheitliches Metrum bestimmen lässt. Dieses wechselt zwischen den Versen, so lässt sich zum Beispiel im ersten Vers ein zweihebiger Jambus feststellen. Im darauffolgenden Vers ein zweihebiger Trochäus. Dieser schon fast sprunghafte Wechsel der Metren lässt sich auf den Inhalt des Gedichtes zurückführen und verdeutlicht so den Bruch mit dem Wasser und weist auf seine starke Unregelmäßigkeit hin. Doch nicht nur das...

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Wasser beeinflusst hier die Unregelmäßigkeit. So lässt sich auch daraus schließen, dass unser Schicksal unberechenbar ist und so kein fester Ablauf bestimmt werden kann. Im Gegensatz zu den formalen Aspekten wirken die vorhandenen Stilmittel, die den Klang des Gedichtes beeinflussen, jedoch sehr strukturiert. Ihr besonders häufiges Vorkommen in diesem Gedicht, lässt sich auf die Epoche der Klassik, welches es zugeordnet werden kann, zurückführen. Zeilensprünge und zahlreiche Verben der Bewegung, sowie eine gehäufte Verwendung des „sch“- Lautes wie „strömt“ (V. 8), „sträubt“ (V. 11), „schäumt“ (V. 20) und „schleicht“ (V. 24) verbildlichen die Darstellung des fließenden Wassers. Da das Gedicht traditionell ungereimt ist, feierliches repräsentiert, sich die Themen mit der Natur, Lebensweisheiten und Gott befassen und es schwungvoll gesprochen werden kann, lässt sich nicht ausschließen, dass es sich bei dieser Gedichtsform um eine Ode handelt. Bevor nun genauer auf die Bedeutung der Handlung und der Stilmittel eingegangen wird, gilt es noch zu erwähnen, dass sich das Gedicht nach genauerem Lesen in drei Teile gliedern. Der erste stellt hierbei der Sinnspruch da, welcher in der ersten und in der letzten Strophe zu finden ist. Sie bilden den Rahmen um die Naturbeschreibung, welche in den Strophen zwei bis fünf zu finden ist. Der Sinnspruch lässt sich hier besonders gut durch den Chiasmus ,des Menschen Seele - Seele des Menschen" (V.1 & V.32) erkennen. Auf diese wird eine Steigerung von einer sachlichen Feststellung hin zu einer bewundernden Bekräftigung verdeutlicht. Die zu vermutende Handlung kann schon mit dem Beginn der ersten Strophe bestätigt werden. Hier stellt Goethe eine Parallele zwischen dem Wasser und der menschlichen Seele her (vgl. V. 1) Dabei wird der Weg des Wassers vom Himmel zur Erde beschrieben und kann so als Kreislauf gesehen werden. Diese Erkenntnis lässt sich auf das menschliche Leben übertragen und es kann so gedeutet werden, dass Dinge wie die Geburt und der Tod unumgänglich sind. Bereits in Vers 1 lässt sich so ein Enjambement zwischen den Versen feststellen. Dieser bricht die Strukturen des Gedichtes noch ein wenig weiter auf und sorgt so auch für eine gängigeren Lesefluss. Der Parallelismus, welcher in nächsten Vers „Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es“ (V. 3) zu finden ist, hilft dem Dichter dabei, auf die eben schon einmal angesprochene Reinkarnation der menschlichen Seele aufmerksam zu machen, die vom Himmel kommt und nach dem Tod auch wieder zum Himmel steigt. Ein unvermeidbarer Kreislauf den er mit dem Kreislauf des Wassers vergleicht. Dieser Vergleich wird auch mit der Verwendung eines Klimax „vom Himmel kommt es, steigt es, muss es“ in den Versen 3 bis 6 bekräftigt. Auch Vers 7 ,,Ewig wechselnd" kann mit der vorausgegangenen Deutung in Verbindung gebracht werden. Die zweite Strophe ist geprägt von der Beschreibung des Wassers, dass in einem leisen und verschleierten Zustand die Felswände herunterströmt (vgl. V.8 - V. 17). Auch die Komplexität der menschlichen Seele und ihre Formbarkeit wird hier von Goethe noch einmal angemerkt. Zu Beginn dieser Strophe lässt sich eine Antithese in Vers 8 und Vers 17 feststellen. Der Weg des Wassers von einer hohen zu einer tieferen Stelle, hier vermutlich der Wasserfall, wird hier in einem großen Gegensatz dargestellt. Zum einen trägt er so dazu bei, dem Wasser mehr Lebendigkeit zu schenken, es fällt aber auch auf, dass sich dieser auf den Weg des Wassers, und so auf den Weg des Menschen beziehen kann. Ähnlich wie bei uns Menschen, symbolisiert der ,,reine Strahl“ (V. 10) ein neues Lebewesen mit all seiner Unschuldigkeit, die er zum Anfang seines Lebens noch besitzt. Erst mit dem Fortlaufen der Jahre kann diese Abnehmen. Auch kann man diese Strophe als Ablauf eines Lebens sehen, da wie bei den Menschen, dass Wasser immer mehr an Kraft verliert. Der Pleonasmus „steile Felswand" (V. 11) verdeutlichen dies und macht noch einmal auf die noch vorhandene Stärke des Wassers aufmerksam. Die Verse 8 und 9 („Strömt von der hohen, steilen Felswand") fallen hier noch einmal besonders durch die Dopplung der Adjektive auf. So lässt sich auch erkennen, dass vor jedem Adjektiv ein Verb folgt und das Adjektiv so dazu dient, dass Verb zu bekräftigten. Beispiele hierfür sind die Stellen ,,stäubt er lieblich“ (V. 11), „wollt er verschleiernd““ (V. 15) oder „schäumt er unmutig" (V. 20). Eine weitere Auffälligkeit in dieser Strophe stellen die Verben der Bewegung (bsp. „stäubt“ (V. 11) oder „wallt“ (V. 15)) da, die in Kombination mit den freien Rhythmen und Enjambements als Darstellung des fließenden Wassers dienen. Auch der Neologismus ,,Leisrauschend", der auch als Onomatopoetik gesehen werden kann, verdeutlicht das Klang und Sinnbild, welches das Wasser mit seinen Bewegungen erzeugt. Die dritte Strophe des Gedichtes befasst sich nun mit schicksalhaften Ereignissen, die das Leben ereilen können. Dargestellt werden diese Ereignisse durch das Aufschäumen des Wassers an Klippen. Bereits zu Beginn der Strophe bemerkt man einen Widerspruch mit Vers 14 (,,zum glatten Fels"). Dieser verdeutlicht den plötzlichen Umschwung der Stimmung. Während die zweite Strophe noch von überwiegend „freundlichen“ Verben dominiert wird, bekommt der Leser in der dritten Strophe die volle Härte der Klippen zu spüren, die so auch eine Gewisse Achtung der Leser bekommen. Eine weitere Auffälligkeit ist die Länge der Strophe. Im Vergleich zu den ersten beiden hat diese nur fünf Verse und gehört somit zu der zweitkürzesten Strophe dieses Gedichtes. Sie beginnt mit einem Enjambement, der genau wie der letzte für einen besseren Lesefluss sorgt. Die Personifikation im nächsten Vers (V. 20) verleiht dem Wasser eine Eigenschaft und trägt so auch dazu bei, es lebendiger werden zu lassen. Auch die unterschiedlichen Formen des Wassers, die hier dargestellt werden, verleihen dem Gedicht zunehmende Abwechslung. Im fortlaufen der Strophe lässt sich ein weiteres Enjambement feststellen. Der Autor konkretisiert weiter den Weg des Wassers welches die Klippen herunterstürzt. Dabei verwendet er die Bezeichnung „stufenweise“ (vgl. V. 21) im Zusammenhang mit der Ortsbeschreibung „zum Abgrund“ (vgl. V. 22). Diese Wortwahl kann man mit dem Vergehen der Jahre und dem warten auf den Tod in Verbindung bringen. Zudem zeigt diese Strophe, wie unterschiedlich die Menschen durch das Leben gehen. Es verläuft also nicht planbar und kann für jeden anders ablaufen. Während manche in ihrem Leben kaum Schwierigkeiten haben, ecken andere öfters an und tun sich schwerer. Strophe vier thematisiert nun wie das Wasser nach seiner Reise anschließend zur Ruhe kommt, und die Sterne ihr Antlitz im See weiden. Diese Metaphorik kann auch als Idee der Ganzheit verstanden werden. Diese spielt unter anderem mit dem Gedanken, dass das Leben vor dem Tod noch einmal an einem Vorbeizieht und man seine Taten betrachten kann. Zu dieser Idee passt auch die Harmonie die die Seele nun Ausstrahlt, da sie sich langsam von ihrer Reise erholt und zur Ruhe kommt. Auch die Verunreinigungen des vergangenen Lebens scheinen in diesen letzten Stunden des lyrischen Ichs zu verschwinden. Die Ebenen bereit schon erwähnte Harmonie der Seele wird auch durch das Adjektiv schleicht" (V. 24) bekräftigt, dass an dieser Stelle besonders beruhigen wirkt. Auch die folgende Strophe verfügt über diese Harmonie. Bei ist hier allerdings, dass zum ersten Mal im Laufe des Gedichtes der Wind mit integriert wird. Er taucht hier sehr plötzlich auf, und kann so auf die unerwarteten Erlebnisse im Leben eines Menschen anspielen, auf die man selber keinen Einfluss hat. Der Wind kann so auch das Schicksal der Menschen verkörpern. Dieses steht in Beziehung zur Seele, da sie sich auf dessen Gemütszustand auswirkt und die Seele in gewisser Weise auch lenken kann. Unterstützt wird diese Deutung durch eine Epipher, die Goethe hier in den Versen 28 und 30 verwendet. Die letzte Strophe des Gedichtes wird vom nun gezogenen Fazit des Dichters dominiert. Die in Strophe eins eigen gestellte Frage ob die Seele des Menschen dem Wassers gleicht, antwortet er nun mit dem Ausruf, Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!" (V. 32-33) Dies wiederholt er auch mit dem Vergleich des Schicksals mit dem Wind. Die Eingebundenheit er erschlichen Existenz in unabänderlichen Abläufen wird im Gedicht bildhaft zum Ausdruck gebracht. Symbolhaft beschreibend stehen naturverbundener für die verschiedenen Phasen des Lebens. Beispielsweise könnte das Bild des Kreislaufs zwischen Himmel und Erde den Stand des Menschen zwischen Naturwesen und göttlichen Wesen darstellen, das Bild des Wasserfalls die Jugend und somit auch die hohe Leistungsfähigkeit des Menschen, das Bild verlangsamten Bewegung des Älter werden und das Bild des Windes und das Wassers Höhen und tiefen im menschlichen Leben, da der Wind Wogen erzeugt, die genau das darstellen können. Ebenfalls zeigt es, dass die Veränderung des menschlichen Daseins durch äußere Einflüsse geprägt ist, worauf sich wieder eine Verbindung zur eingangs formulierten Deutungshypothese herstellen lässt.