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Interpretation „Brief aus Amerika“

Interpretation „Brief aus Amerika“

 Brief aus Amerika
Die Kurzgeschichte ,,Brief aus Amerika“, die 1963 von
Johannes Bobrowski veröffentlicht wurde, behandelt das
Thema Einsam

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janine

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11/12/13

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Interpretation der Kurzgeschichte „Brief aus Amerika“ von Johannes Bobrowski

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Brief aus Amerika Die Kurzgeschichte ,,Brief aus Amerika“, die 1963 von Johannes Bobrowski veröffentlicht wurde, behandelt das Thema Einsamkeit im hohen Alter und das Zurücklassen von distanzierten Familienmitgliedern. Die Kurzgeschichte beginnt abrupt mit ihrer ersten Handlung, in der die Hauptperson, die alte Frau, singend und tanzend unter ihrem Äpfelbäumchen einen sonnigen Mittag verbringt. Als sie wieder zurück ins Haus geht, findet sie dort einen Brief aus Amerika, der von ihrem Sohn Jons verfasst wurde. Im Brief erklärt er seiner Mutter, aus welchen Gründen er seine Mutter nicht besuchen kommen würde. Er erwähnt in anderen Worten, dass die alten Zeiten des Besuchens nun vorbei seien und er mit seiner Frau ein Leben in Amerika führt. Nach dem Lesen des Briefes geht die alte Frau wieder nach draußen, um dort weiter zu tanzen und zu singen. Als sie wieder hineingeht, nimmt sie das Foto von ihrem Sohn aus Amerika und beschriftet es mit ihrem und dem Namen ihres Sohnes, errinnert sich dann an ihren verstorbenen Mann Annus und legt das Bild mit dem Brief auf den Herd, wo sie es darauf vorbereitet, verbrannt zu werden. Der Text beginnt sehr abrupt, der Leser steigt sofort in die Handlung ein, was sehr typisch für eine Kurzgeschichte ist. Außerdem kann man gleich zu Beginn eine Repetitio „Brenn mich, brenn mich, brenn mich“ (Z.1) feststellen, die auch im fortlaufenden Text...

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weiterhin vorkommt. Auch wird anfangs gleich die Hauptperson als ,,die alte Frau" (Z.1) erwähnt, und zusätzlich, dass diese singt und tanzt (Vgl. Z.1). Dies bewirkt anfangs beim Leser das Gefühl, eine lebensfrohe alte Frau wird in der folgenden Handlung dargestellt. Im ersten Abschnitt bleibt die Handlung positiv, die Atmosphäre der Szene wirkt sehr aufgeweckt und froh, denn gleichzeitig wirkt die lebensfrohe, alte Frau ein bisschen wie ein Kind. Außerdem wird von einem „helle[n] Mittag“ (Z.5f.) gesprochen, was den Eindruck vermittelt, es sei die Rede von einem schönen sonnigen Sommertag. Die Frau trägt eine Bluse, was ebenfalls den Aspekt des Sommers verstärkt (Vgl. Z. 4) Im zweiten Abschnitt der Kurzgeschichte wird vorerst beschrieben, wie die Frau im Haus den Brief findet, der aus Amerika war (Vgl. Z. 7). Diese Stelle erklärt auch den Titel und dem Leser wird klar, dass dieser Brief nun eine wesentliche Rolle in der Geschichte spielen könnte. Gleich im ersten Satz ,,Meine liebe Mutter" (Z.8) wird der Absender des Briefes bekannt, nämlich ein Kind der alten Frau, das ziemlich sicher in Amerika lebt. In diesem Brief kommt der Sohn direkt nach der Anrede zum Punkt: er kann seine Mutter nicht besuchen (Vgl. Z. 8). Im folgenden Brief werden von ihm die Gründe sehr ausführlich beschrieben. Der Sohn beschreibt im Brief eine Diskussion mit seiner Lebensgefährtin, zu der er scheinbar sagte „Es sind nur ein paar Tage (…..) dann sind wir dort" (Z.8f.). Der Sohn will seine Mutter besuchen, zumindest scheint es ihm wichtig zu sein, was man feststellt als er sagt „Und es heißt: ehre Vater und Mutter, und wenn der Vater auch gestorben ist, das Grab ist da, und die Mutter ist alt (...) und wenn wir jetzt nicht fahren, fahren wir niemals." (Z.10f.). Auf den Leser wirkt dies vorerst so, als wäre es dem Sohn wichtig seine Mutter zu besuchen, die niemanden hat, weil der Vater gestorben ist. Jedoch ändert sich diese Meinung des Lesers, als die entgegengesetzte Meinung der Ehefrau eintritt, der Sohn sei ,,hier etwas geworden und [er sei] nicht mehr dort" (Z.15), und der Sohn daraufhin schreibt ,,Sie hat recht." (Z.15). Auch die Aussage der Ehefrau ,,aber das war früher" (Z.13) führt auf die Vermutung, dass sich der Sohn sehr von der Meinung seiner Frau beeinflussen lässt. Denn tief in seinem Inneren ist es ihm wichtig, seiner einsamen, alten Mutter einen Besuch abzustatten, bevor diese aufgrund ihres hohen Alters, wie der Mann auch, verstirbt. Seine Ehefrau ist aber der Meinung, der Sohn müsse Vergangenes hinter sich lassen und sein neues Leben akzeptieren. Der Satz „Der Mensch ist jung oder alt und der junge Mensch weiß nicht, wie es sein wird, wenn er alt ist und der alte Mensch weiß nicht, wie es in der Jugend war" (Z.13f.) spiegelt auch gleichzeitig die ganze Aussage des Textes wider. Es besteht ein Interessensgegensatz zwischen der alten und der jungen Generation, die sich immer weiter voneinander distanzieren. Die alte Generation vereinsamt, weil die junge Generation den Wert der Familie durch anderes für sie Wichtige vergisst, was die alte Generation wiederum nicht verstehen kann, weil sie alt ist. Nach dem Lesen des Briefes geht der Text in den nächsten Abschnitt über, in dem man nun als Leser eine niedergeschlagene, wütende Reaktion der Mutter erwarten würde, aber stattdessen wiederholt sich die Handlung des Anfangs. Eine positive Atmosphäre wird nun genau beschrieben, die genaue Umgebung der alten Frau wird beschrieben, welche den Aspekt der Vereinsamung der Frau unterstreicht, denn ein Stadtleben führt diese nicht. Die detaillierte Beschreibung des Ortes geht vom Haus der au immer weiter in die Ferne. Zunächst wird das „,weiß[e]“ (Z.20) Haus beschrieben, dann ein zugehöriger Stall sowie ein Garten (Vgl. Z.20f). Weiter in der Ferne stellt man sich einen Bauernhof vor und dann erst ein Dorf mit einem Fluss und einem abgelegenen Wald (Vgl. Z.22ff.). Das Dorf liegt also abgelegen des Wohnorts der Mutter, welche stets allein neben einem Bauernhof wohnt und sich dort weiter ,,unter dem Apfelbäumchen dreht" (Z.24) und erneut beginnt, ihr Lied zu singen. Auffällig in diesem Abschnitt ist der parataktische Satzbau, der die Abgrenzung und Entfernung vom Haus unterstreicht. Im nächsten Abschnitt zeigt sich dann langsam eine Wendung in der Reaktion der Mutter auf den Brief des Sohnes, jedoch ist noch unklar, was genau ihre Absicht ist. Denn als die alte Frau wieder ins Haus geht, ,,nimmt [sie] den Brief vom Tisch, faltet ihn zusammen und trägt ihn in die Küche auf den Herd." (Z.27), was die erste Anspielung auf das Ende der Geschichte sein könnte. Zunächst aber findet sie ein Foto von ihrem Sohn zusammen mit dessen Ehefrau, in Amerika (Vgl. Z.30). Für Verwirrtheit beim Leser sorgt dann das Aufschreiben ihres eigenen Namens sowie dem des Sohnes auf der Rückseite des Fotos (Vgl. Z. 29ff). Im weiteren Verlauf des Abschnitts erinnert sich die Frau dann an ihren verstorbenen Mann Annus, der ,,hiergeblieben ist" (Z.36), weil er ihre hellen Arme so schön fand. Im vorletzten, kurzen Abschnitt stellt sich die alte Frau selbst die Frage ,,Was braucht der alte Mensch denn schon?" (Z.39) und beschreibt daraufhin alle negativen Veränderungen des Altwerdens: ,,das Tageslicht wird dunkler, die Schatten werden heller, die Nacht ist nicht mehr zum Schlafen, die Wege verkürzen sich." (Z.39ff). Auf den Leser wirkt es nun so, als wäre dieser Gedankenstrang der Frau die eigentliche Reaktion auf den Brief, denn nun scheint sie enttäuscht davon zu sein von ihrem Sohn, der einer anderen Generation angehört, ausgegrenzt und vernachlässigt zu werden. Daher erinnert sie sich daran, dass sie alt ist und akzeptiert die gewollte Distanz ihres Sohnes, der ja nun ein neues Leben in einem neuen Land hat und dieses auch weiter anstrebt. Die Frau verzweifelt fast an ihren zu diesem Zeitpunkt starken Einsamkeitsgefühlen und geht daraufhin im letzten Abschnitt den letzten möglicherweise für sie notwendigen Schritt. Im letzten, ebenfalls vergleichsweise kurzen Abschnitt, legt die Mutter das Foto ,,neben den zusammengefalteten Brief" (Z. 42) auf den Herd. Anschließend ,,holt sie die Streichhölzer aus dem Schaff und legt sie dazu" (Z.42f), was endgültig die Vermutung bestätigt, dass die alte Frau bereit ist, sämtliche Erinnerungen seines Sohnes, der sich nicht mehr für sie zu interessieren scheint, zu verbrennen. Letztendlich kann man sagen, dass die alte Frau sowohl durch ihren verstorbenen Mann, als auch durch das Desinteresse seines nach Amerika ausgewanderten Sohnes, der nun ein neues Leben führt, und ihren abgelegenen Wohnort und den somit fehlenden Kontakt zur Außenwelt, komplett vereinsamt. Der Autor spricht ein wichtiges Thema an, das auch in der heutigen Zeit noch relevant ist, denn man sollte es immer schätzen, die Möglichkeit zu haben, sowohl Familie, als auch Freunde zu besuchen. Tut man dies nicht und der oder diejenige verstirbt, bereut man es im Nachhinein sowieso, nicht noch einmal dagewesen zu sein. Es ist sehr wichtig alten Menschen, die alleine leben, auch zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

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Jedoch ändert sich diese Meinung des Lesers, als die entgegengesetzte Meinung der Ehefrau eintritt, der Sohn sei ,,hier etwas geworden und [er sei] nicht mehr dort" (Z.15), und der Sohn daraufhin schreibt ,,Sie hat recht." (Z.15). Auch die Aussage der Ehefrau ,,aber das war früher" (Z.13) führt auf die Vermutung, dass sich der Sohn sehr von der Meinung seiner Frau beeinflussen lässt. Denn tief in seinem Inneren ist es ihm wichtig, seiner einsamen, alten Mutter einen Besuch abzustatten, bevor diese aufgrund ihres hohen Alters, wie der Mann auch, verstirbt. Seine Ehefrau ist aber der Meinung, der Sohn müsse Vergangenes hinter sich lassen und sein neues Leben akzeptieren. Der Satz „Der Mensch ist jung oder alt und der junge Mensch weiß nicht, wie es sein wird, wenn er alt ist und der alte Mensch weiß nicht, wie es in der Jugend war" (Z.13f.) spiegelt auch gleichzeitig die ganze Aussage des Textes wider. 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Für Verwirrtheit beim Leser sorgt dann das Aufschreiben ihres eigenen Namens sowie dem des Sohnes auf der Rückseite des Fotos (Vgl. Z. 29ff). Im weiteren Verlauf des Abschnitts erinnert sich die Frau dann an ihren verstorbenen Mann Annus, der ,,hiergeblieben ist" (Z.36), weil er ihre hellen Arme so schön fand. Im vorletzten, kurzen Abschnitt stellt sich die alte Frau selbst die Frage ,,Was braucht der alte Mensch denn schon?" (Z.39) und beschreibt daraufhin alle negativen Veränderungen des Altwerdens: ,,das Tageslicht wird dunkler, die Schatten werden heller, die Nacht ist nicht mehr zum Schlafen, die Wege verkürzen sich." (Z.39ff). Auf den Leser wirkt es nun so, als wäre dieser Gedankenstrang der Frau die eigentliche Reaktion auf den Brief, denn nun scheint sie enttäuscht davon zu sein von ihrem Sohn, der einer anderen Generation angehört, ausgegrenzt und vernachlässigt zu werden. Daher erinnert sie sich daran, dass sie alt ist und akzeptiert die gewollte Distanz ihres Sohnes, der ja nun ein neues Leben in einem neuen Land hat und dieses auch weiter anstrebt. Die Frau verzweifelt fast an ihren zu diesem Zeitpunkt starken Einsamkeitsgefühlen und geht daraufhin im letzten Abschnitt den letzten möglicherweise für sie notwendigen Schritt. Im letzten, ebenfalls vergleichsweise kurzen Abschnitt, legt die Mutter das Foto ,,neben den zusammengefalteten Brief" (Z. 42) auf den Herd. Anschließend ,,holt sie die Streichhölzer aus dem Schaff und legt sie dazu" (Z.42f), was endgültig die Vermutung bestätigt, dass die alte Frau bereit ist, sämtliche Erinnerungen seines Sohnes, der sich nicht mehr für sie zu interessieren scheint, zu verbrennen. Letztendlich kann man sagen, dass die alte Frau sowohl durch ihren verstorbenen Mann, als auch durch das Desinteresse seines nach Amerika ausgewanderten Sohnes, der nun ein neues Leben führt, und ihren abgelegenen Wohnort und den somit fehlenden Kontakt zur Außenwelt, komplett vereinsamt. Der Autor spricht ein wichtiges Thema an, das auch in der heutigen Zeit noch relevant ist, denn man sollte es immer schätzen, die Möglichkeit zu haben, sowohl Familie, als auch Freunde zu besuchen. Tut man dies nicht und der oder diejenige verstirbt, bereut man es im Nachhinein sowieso, nicht noch einmal dagewesen zu sein. Es ist sehr wichtig alten Menschen, die alleine leben, auch zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.