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Max Frisch - Szene in Berlin, Sommer 1945

Max Frisch - Szene in Berlin, Sommer 1945

 Kursstufe 2 / Abi 2021
Kurzgeschichten Interpretation
Max Frisch - Szene in Berlin, Sommer 1945
Die Kurzgeschichte „Szene in Berlin, 1945“
 Kursstufe 2 / Abi 2021
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Max Frisch - Szene in Berlin, Sommer 1945
Die Kurzgeschichte „Szene in Berlin, 1945“

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Kurzgeschichten Interpretation von Max Frisch's Text 1.700 Wörter, Abi Niveau, In der 12.Klasse bekam ich dafür 13 Punkte

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Kursstufe 2 / Abi 2021 Kurzgeschichten Interpretation Max Frisch - Szene in Berlin, Sommer 1945 Die Kurzgeschichte „Szene in Berlin, 1945“ wurde von Max Frisch geschrieben und be- schreibt, wie ein russischer Soldat 12 Gefangene durch die Stadt führt, als eine Frau hervortritt und einen der Gefangene umarmt. Als sich herausstellt, dass sie die Frau des Gefangenen ist, lässt der Soldat sie gehen, zwingt jedoch später einen Passanten zu der Truppe Gefangener dazu zutreten, sodass er wieder 12 Gefangene hat. Max Frisch zeigt an dieser Geschichte die Willkür des sowjetischen Systems und die geän- derten Moralvorstellungen des Soldaten durch den Krieg. Beim vorliegenden Text handelt es sich um eine Kurzgeschichte, da der Einstieg ohne Einleitung geschieht, sondern der Leser sofort in die beschriebene Situation versetzt wird. Zudem werden die wenigen, handelnden Figuren weder benannt, noch charak- terisiert. Der Ort bleibt der gleiche während der Handlung und auch die erzählte Zeit beläuft sich nur auf ein paar Minuten. Das geschilderte Thema behandelt eine Alltags- situation, in der es dann zu einer (bzw. zwei) Wendungen kommt. Auch der Schluss bleibt weitestgehend offen. Die Geschichte fängt mit dem Halbsatz „Jemand berichtet aus Berlin:“ (Z.1) an. Somit ist die folgende Erzählung nicht durch einen Erzähler geschildert, der das Geschehen betrachtet hat, sondern es ist eine Nacherzählung, von dem, was jemand beobachtet hat. Der...

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Erzähler schildet die Außensicht in der 3.Person und bleibt dabei neutral und gibt keinerlei Wertung des Geschehens ab. Die Kurzgeschichte ist im Präsens geschrie- ben und beinhaltet nur sechs Sätze, die hypotaktisch aufgebaut sind und mit vielen Kommas und Semikolons verbunden wurden. Dadurch ist die Erzählzeit mit der erzähl- ten Zeit zeitdeckend geschrieben. Es wird eine kurze Zeitsequenz geschildert, in der die Truppe, angeführt mit dem Soldaten, vorbeimarschiert, kurz stehen bleibt, doch dann wieder weiter geht. Diese kurze Zeit wird durch die Kürze der Geschichte wiedergege- ben. Die Kurzgeschichte lässt sich gedanklich in drei Teile teilen: Der erste beschreibt die vorherrschende Situation, im zweiten Teil kommt die Wendung und die Frau tritt auf und im dritten Teil oder dem Ende geht der Soldat mit der Truppe vorüber und zwingt einen Passanten einzutreten, dies ist die zweite Wendung der Geschichte. Die vorkommenden Figuren sind der russische Soldat, die Frau und ihr Ehemann, die an- deren elf Gefangenen und ein Passant. Vom Titel werden der Ort und die Zeit, in der das Geschehene spielt, offensichtlich: Es handelt sich um Berlin im Sommer 1945. Aus dieser Information lässt sich viel Histori- sches zu ableiten. Im Mai 1945 war die Schlacht um Berlin, kurz drauf dann die bedin- gungslose Kapitulation von Deutschland. Durch diese Schlacht wurden viele Häuser, Straßen oder andere Gebäude zerstört. Diese Zerstörung findet man im Text in Zeile 8, Kursstufe 2 / Abi 2021 denn die Frau des Mannes tritt hier aus einer Ruine hervor. Des Weiteren folgt der Kapitulation Deutschland die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und auch Berlin wurde in vier geteilt. Durch den Zusatz des „russischen Soldaten“ (Z.2) wird klar, dass es sich bei der erzählten Szene um einen Teil Berlins handeln muss, der von der Sowjetunion besetzt war. Die Sowjetunion errichtete in ihrer Besatzungszone im Osten Deutschland zudem sogenannte Speziallager. In diesen sollten eigentlich als ge- fährlich eingestufte Personengruppen festgehaltenwerden oder ehemalige NSDAP Mitglieder, doch die Sowjetische Besatzungsmacht nutzte diese Lager für weitaus mehr Personengruppen, darunter auch Mitläufer, Unschuldige oder politische Gegner des Kommunismus. Sobald man sich gegen bestimmte Dinge öffentlich aussprach, wie zum Beispiel der Bodenreform und der Enteignung, wurde man als Gegner des Systems ver- standen und in solch ein Lager gebracht. In der Kurzgeschichte werden diese Lager am Anfang kurz erwähnt, als gesagt wird, dass die Gefangenen aus einem fernen Lager gekommen seien (vgl. Z.3f.). Die Sprache der Geschichte ist vom Stil her neutral und sachlich formuliert, wie vorhin schon erwähnt, gibt weder der Erzähler, noch der Autor in irgendeiner Weise eine Wer- tung zum Geschehenen ab. In der Wortwahl des Autors finden sich viele beschreibende Adjektive, jedoch auch viele Wörter, die Ungewissheit beschreiben. Zum Beispiel wis- sen die Gefangenen nicht, wohin sie gehen („irgendwohin“ (Z.4 und 5) kommt zwei Mal kurz nacheinander vor und verstärkt so die Ungewissheit). Auch als die Frau hervortritt, steht im eingeschobenen Nebensatz: ,,die zufällig aus einer Ruine kommt" (Z.8), auch dieser Satz war für die Handlung nicht essenziel, doch der Autor wollte damit die Un- gewissheit und den Zufall verstärkt darstellen, denn in der Wirklichkeit ist es wohl doch sehr unwahrscheinlich, dass die Frau ihren Mann unter dieser kleinen Truppe von 12 Gefangenen getroffen hätte. Genau das zeigt auch nochmal der Diminutiv ,,Trüpplein" in Zeile 10. Der Satzbau ist hypotaktisch, wodurch der Leser viele Details erfährt in einer begrenz- ten Zeit. Für das Geschehene sind nicht alle diese Nebensätze wirklich wichtig, sondern sie sind ein Zusatz und bringen zum Beispiel die historischen Ereignisse mit hinein. Zum Beispiel wird im ersten Satz (Z.1-5) nochmals der Ort, die Anzahl der Gefangenen, der russische Soldat, das Lager und das Ziel der Truppe genannt. Somit wird gleich im ers- ten Satz das wichtigste beschrieben und zudem noch weitere Adjektive wie ,,verwahr- loste Gefangene“ (Z.1f.) hinzugefügt. Dadurch kann man sich die Szene besser vorstel- len, so als würde man selbst als Leser am Rande dieser Straße stehen. Der eingescho- bene Nebensatz „oder, wie man sagt“ (Z.5) zeigt hier, wie schon die Jahre davor in Deutschland unter nationalsozialistischer Führung, dass im Alltag der Menschen an- dere, positivere Wörter benutzt wurden, als die Wörter, die die eigentliche Situation richtig beschreiben würden. Die Gesellschaft weiß, dass die Personen nicht zum Einsatz Kursstufe 2 / Abi 2021 geführt werden, sondern eben zur Arbeit, doch diese Information bleibt weitestgehend in der Luft hängen, jeder kennt sie, doch niemand stellt sie wirklich richtig, vielleicht aus Angst, man könnte der nächste sein, der als politischer Gegner in diesen Lagern landet. Im nächsten Teil der Kurzgeschichte wird nochmals das „verwahrlost(e)“ (Z.1) durch den Satz „es sind Gespenster“ (Z.6) verdeutlicht und sogar noch gesteigert. Ein Mensch, der wie ein Gespenst wirkt, ist nicht nur verwahrlost und dünn, sondern hat auch keine Kraft mehr zum Widerstand und wirkt für den Betrachter von außen wie leer. Hier lassen sich Parallelen zu den Gefangenen in den Konzentrationslagern ziehen, zwar nicht von der Intention des Staates her, doch beide Lager ließen ihre Gefangenen arbeiten und beide unterdrückten auch politisch andersdenkende in diesen. Ob Max Frisch diese Parallele ziehen wollte, bleibt jedoch offen, denn einen präzisen Beleg gibt es in der Kurzgeschichte hierzu nicht zu finden. Im nächsten Halbsatz: „wie man sie allenthalben sehen kann“ (Z.6f.) wird klar, dass diese Szene in Berlin, wohl kein Einzelfall zu dieser Zeit war, sondern eher eine Art von Alltag. Man könnte diesen Satz auch als Verharmlosung sehen. Nun folgt die erste Wendung, denn auf einmal kommt eine Frau aus einer Ruine, schreibt auf und läuft auf einen der Gefangenen zu. Der Soldat tritt auf die beiden zu und fragt ihn, ob es seine Frau ist und sie, ob er ihr Mann ist. Als sie beide bejahen, sagt er zu ihnen in einem gebrochenen Deutsch ,,Weg - laufen, laufen - Weg!" (Z.20). In dieser Situation über- kommt den Soldaten das Mitgefühl, denn nun kennt er einen der Gefangenen besser, weiß dass dieser eine Frau und eventuell auch Kinder hat und möchte ihn somit nicht mehr mitführen, sondern lässt ihn gehen. Da er nur ein Teil des Systems ist und keiner der oberen Entscheidungsträger, hat er nur eine begrenzte oder auch gar keine eigene Macht. Nichtsdestotrotz entscheidet er sich dafür, das Ehepaar gehen zu lassen und zieht mit den anderen elf verbleibenden Gefangenen weiter. ,,Einige hundert Meter später“ (Z.22f.) fällt ihm jedoch wieder sein Auftrag ein und dass er Ärger bekommen könnte, wenn er nur noch mit elf statt zwölf Gefangenen ankommt, somit entscheidet er sich einen Passanten heranzuwinken und zu zwingen einzutreten. Hier kann man nun wieder den Bogen zu oben schließen, denn die Sowjetunion steckte auch viele Un- schuldige in die Lager und genau das tut der Soldat hier nun auch. Eventuell war der Ehemann schuldig, vielleicht war er es auch nicht, doch der Passant war es auf alle Fälle. Der einzige Vorteil ist, dass der Soldat nun kein schlechtes Gewissen hat, denn über den Passanten kennt er keine Informationen, weiß nicht ob er eine Frau oder Kin- der hat; für ihn ist es so also einfacher etwas grausames zu tun, wenn er zu den Perso- nen nichts kennt. Trotzdem ist es von außen gesehen gleich grausam, denn ob er den eigentlichen Gefangenen mitnimmt oder jemand anders, spielt in dem Sinne keine Rolle, denn beides sind Menschen. Und doch verwandelt sich die Gnade, die der Soldat dem Mann gegenüber zeigte, ein paar Meter weiter in Ungerechtigkeit, denn der Kursstufe 2 / Abi 2021 Passant kann nichts dafür und wird unschuldig mitgenommen, nur weil der Soldat mit dem Mann und seiner Frau Mitleid hatte. Mit dem Staat, der in der letzten Zeile er- wähnt wird, ist hierbei natürlich nicht Deutschland gemeint, sondern die Sowjetische Besatzungszone und somit die Sowjetunion. Zusammengefasst erzählt die Kurzgeschichte in sechs Sätzen die Geschichte von zwölf Gefangenen, wobei einer davon schließlich weglaufen darf, als seine Frau zu ihm tritt und auch die Geschichte des Passanten, der kurz drauf vom russischen Soldaten ge- zwungen wird, in die Truppe einzutreten, damit der Soldat seinen Auftrag erfüllen kann und zwölf Gefangene mitbringt und eben nicht nur elf. Der Text von Max Frisch ist wertfrei und neutral geschrieben, dadurch bleibt dem Leser die Deutung offen und wird nicht in eine bestimmte Richtung gelenkt. Er möchte die Willkür des sowjetischen Systems aufzeigen und, wie sich die Moralvorstellungen des Soldaten geändert haben. Erst empfindet er Mitglied und ist gnädig mit dem Paar, doch dann nimmt er einen unschuldigen Menschen mit in seine Truppe auf, ist hier ungerecht, nur damit er keine Probleme mit dem Staat' bekommt, weil er seinen Auftrag nicht erfüllen konnte. Max Frisch macht zudem auf die historischen Ereignisse aufmerksam, wie zum Beispiel die Lager, obwohl er sie nur einem Halbsatz erwähnt. Das Ende der Geschichte bleibt of- fen, denn die Truppe ist nun aus dem Sichtfeld des Erzählers verschwunden. Zudem könnte man den Text weitergehend deuten, dass das politische System im Osten sich durch die Kapitulation eben nicht geändert hat, es gibt viele Parallelen zu Hitlers Politik und im Endeffekt ging die Gesellschaft nur von einer Diktatur in die nächste über, wo- bei die zweite dann fast 40 Jahre lang anhielt. Auch heutzutage gibt es ähnliche Staatsformen noch, in denen es ähnlich zugeht wie damals in der sowjetischen Besatzungszone bzw. später DDR. Daher gesehen möchte Frisch darauf aufmerksam machen, mit welcher Willkür manche politischen Systeme herrschen und die Menschen unterdrücken. Max Frisch - Eine Szene in Berlin, Sommer 1945 1 Jemand berichtet aus Berlin: Ein Dutzend verwahrloste 2 Gefangene, geführt von einem russischen Soldaten, gehen 3 durch eine Straße; vermutlich kommen sie aus einem fernen 4 Lager, und der junge Russe muss sie irgendwohin zur Arbeit 5 führen oder, wie man sagt, zum Einsatz. Irgendwohin; sie 6 wissen nichts über ihre Zukunft; es sind Gespenster, wie 7 man sie allenthalben sehen kann. Plötzlich geschieht es, dass 8 eine Frau, die zufällig aus einer Ruine kommt, aufschreit 9 und über die Straße heranläuft, einen der Gefangenen 10 umarmt - das Trüpplein muss stehen bleiben, und auch der 11 Soldat begreift natürlich, was sich ereignet hat; er tritt zu 12 dem Gefangenen, der die Schluchzende im Arm hält, und 13 fragt: 14 ,,Deine Frau?" 15 ,,Ja-." 16 Dann fragt er die Frau: 17,,Dein Mann?" 18 ,,Ja-." 19 Dann deutet er ihnen mit der Hand: 20 ,,Weg - laufen, laufen - weg!" 21 Sie können es nicht glauben, bleiben stehen; der Russe 22 marschiert weiter mit den elf anderen, bis er, einige hundert 23 Meter später, einem Passanten winkt und mit der 24 Maschinenpistole zwingt, einzutreten; damit das Dutzend, 25 das der Staat von ihm verlangt, wieder voll ist. Quelle: https://werkstattschreiber.wordpress.com/tag/kurzestgeschichten/

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Erzähler schildet die Außensicht in der 3.Person und bleibt dabei neutral und gibt keinerlei Wertung des Geschehens ab. Die Kurzgeschichte ist im Präsens geschrie- ben und beinhaltet nur sechs Sätze, die hypotaktisch aufgebaut sind und mit vielen Kommas und Semikolons verbunden wurden. Dadurch ist die Erzählzeit mit der erzähl- ten Zeit zeitdeckend geschrieben. Es wird eine kurze Zeitsequenz geschildert, in der die Truppe, angeführt mit dem Soldaten, vorbeimarschiert, kurz stehen bleibt, doch dann wieder weiter geht. Diese kurze Zeit wird durch die Kürze der Geschichte wiedergege- ben. Die Kurzgeschichte lässt sich gedanklich in drei Teile teilen: Der erste beschreibt die vorherrschende Situation, im zweiten Teil kommt die Wendung und die Frau tritt auf und im dritten Teil oder dem Ende geht der Soldat mit der Truppe vorüber und zwingt einen Passanten einzutreten, dies ist die zweite Wendung der Geschichte. Die vorkommenden Figuren sind der russische Soldat, die Frau und ihr Ehemann, die an- deren elf Gefangenen und ein Passant. Vom Titel werden der Ort und die Zeit, in der das Geschehene spielt, offensichtlich: Es handelt sich um Berlin im Sommer 1945. Aus dieser Information lässt sich viel Histori- sches zu ableiten. Im Mai 1945 war die Schlacht um Berlin, kurz drauf dann die bedin- gungslose Kapitulation von Deutschland. Durch diese Schlacht wurden viele Häuser, Straßen oder andere Gebäude zerstört. Diese Zerstörung findet man im Text in Zeile 8, Kursstufe 2 / Abi 2021 denn die Frau des Mannes tritt hier aus einer Ruine hervor. Des Weiteren folgt der Kapitulation Deutschland die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und auch Berlin wurde in vier geteilt. Durch den Zusatz des „russischen Soldaten“ (Z.2) wird klar, dass es sich bei der erzählten Szene um einen Teil Berlins handeln muss, der von der Sowjetunion besetzt war. Die Sowjetunion errichtete in ihrer Besatzungszone im Osten Deutschland zudem sogenannte Speziallager. In diesen sollten eigentlich als ge- fährlich eingestufte Personengruppen festgehaltenwerden oder ehemalige NSDAP Mitglieder, doch die Sowjetische Besatzungsmacht nutzte diese Lager für weitaus mehr Personengruppen, darunter auch Mitläufer, Unschuldige oder politische Gegner des Kommunismus. Sobald man sich gegen bestimmte Dinge öffentlich aussprach, wie zum Beispiel der Bodenreform und der Enteignung, wurde man als Gegner des Systems ver- standen und in solch ein Lager gebracht. In der Kurzgeschichte werden diese Lager am Anfang kurz erwähnt, als gesagt wird, dass die Gefangenen aus einem fernen Lager gekommen seien (vgl. Z.3f.). Die Sprache der Geschichte ist vom Stil her neutral und sachlich formuliert, wie vorhin schon erwähnt, gibt weder der Erzähler, noch der Autor in irgendeiner Weise eine Wer- tung zum Geschehenen ab. In der Wortwahl des Autors finden sich viele beschreibende Adjektive, jedoch auch viele Wörter, die Ungewissheit beschreiben. Zum Beispiel wis- sen die Gefangenen nicht, wohin sie gehen („irgendwohin“ (Z.4 und 5) kommt zwei Mal kurz nacheinander vor und verstärkt so die Ungewissheit). Auch als die Frau hervortritt, steht im eingeschobenen Nebensatz: ,,die zufällig aus einer Ruine kommt" (Z.8), auch dieser Satz war für die Handlung nicht essenziel, doch der Autor wollte damit die Un- gewissheit und den Zufall verstärkt darstellen, denn in der Wirklichkeit ist es wohl doch sehr unwahrscheinlich, dass die Frau ihren Mann unter dieser kleinen Truppe von 12 Gefangenen getroffen hätte. Genau das zeigt auch nochmal der Diminutiv ,,Trüpplein" in Zeile 10. Der Satzbau ist hypotaktisch, wodurch der Leser viele Details erfährt in einer begrenz- ten Zeit. Für das Geschehene sind nicht alle diese Nebensätze wirklich wichtig, sondern sie sind ein Zusatz und bringen zum Beispiel die historischen Ereignisse mit hinein. Zum Beispiel wird im ersten Satz (Z.1-5) nochmals der Ort, die Anzahl der Gefangenen, der russische Soldat, das Lager und das Ziel der Truppe genannt. Somit wird gleich im ers- ten Satz das wichtigste beschrieben und zudem noch weitere Adjektive wie ,,verwahr- loste Gefangene“ (Z.1f.) hinzugefügt. Dadurch kann man sich die Szene besser vorstel- len, so als würde man selbst als Leser am Rande dieser Straße stehen. Der eingescho- bene Nebensatz „oder, wie man sagt“ (Z.5) zeigt hier, wie schon die Jahre davor in Deutschland unter nationalsozialistischer Führung, dass im Alltag der Menschen an- dere, positivere Wörter benutzt wurden, als die Wörter, die die eigentliche Situation richtig beschreiben würden. Die Gesellschaft weiß, dass die Personen nicht zum Einsatz Kursstufe 2 / Abi 2021 geführt werden, sondern eben zur Arbeit, doch diese Information bleibt weitestgehend in der Luft hängen, jeder kennt sie, doch niemand stellt sie wirklich richtig, vielleicht aus Angst, man könnte der nächste sein, der als politischer Gegner in diesen Lagern landet. Im nächsten Teil der Kurzgeschichte wird nochmals das „verwahrlost(e)“ (Z.1) durch den Satz „es sind Gespenster“ (Z.6) verdeutlicht und sogar noch gesteigert. Ein Mensch, der wie ein Gespenst wirkt, ist nicht nur verwahrlost und dünn, sondern hat auch keine Kraft mehr zum Widerstand und wirkt für den Betrachter von außen wie leer. Hier lassen sich Parallelen zu den Gefangenen in den Konzentrationslagern ziehen, zwar nicht von der Intention des Staates her, doch beide Lager ließen ihre Gefangenen arbeiten und beide unterdrückten auch politisch andersdenkende in diesen. Ob Max Frisch diese Parallele ziehen wollte, bleibt jedoch offen, denn einen präzisen Beleg gibt es in der Kurzgeschichte hierzu nicht zu finden. Im nächsten Halbsatz: „wie man sie allenthalben sehen kann“ (Z.6f.) wird klar, dass diese Szene in Berlin, wohl kein Einzelfall zu dieser Zeit war, sondern eher eine Art von Alltag. Man könnte diesen Satz auch als Verharmlosung sehen. Nun folgt die erste Wendung, denn auf einmal kommt eine Frau aus einer Ruine, schreibt auf und läuft auf einen der Gefangenen zu. Der Soldat tritt auf die beiden zu und fragt ihn, ob es seine Frau ist und sie, ob er ihr Mann ist. Als sie beide bejahen, sagt er zu ihnen in einem gebrochenen Deutsch ,,Weg - laufen, laufen - Weg!" (Z.20). In dieser Situation über- kommt den Soldaten das Mitgefühl, denn nun kennt er einen der Gefangenen besser, weiß dass dieser eine Frau und eventuell auch Kinder hat und möchte ihn somit nicht mehr mitführen, sondern lässt ihn gehen. Da er nur ein Teil des Systems ist und keiner der oberen Entscheidungsträger, hat er nur eine begrenzte oder auch gar keine eigene Macht. Nichtsdestotrotz entscheidet er sich dafür, das Ehepaar gehen zu lassen und zieht mit den anderen elf verbleibenden Gefangenen weiter. ,,Einige hundert Meter später“ (Z.22f.) fällt ihm jedoch wieder sein Auftrag ein und dass er Ärger bekommen könnte, wenn er nur noch mit elf statt zwölf Gefangenen ankommt, somit entscheidet er sich einen Passanten heranzuwinken und zu zwingen einzutreten. Hier kann man nun wieder den Bogen zu oben schließen, denn die Sowjetunion steckte auch viele Un- schuldige in die Lager und genau das tut der Soldat hier nun auch. Eventuell war der Ehemann schuldig, vielleicht war er es auch nicht, doch der Passant war es auf alle Fälle. Der einzige Vorteil ist, dass der Soldat nun kein schlechtes Gewissen hat, denn über den Passanten kennt er keine Informationen, weiß nicht ob er eine Frau oder Kin- der hat; für ihn ist es so also einfacher etwas grausames zu tun, wenn er zu den Perso- nen nichts kennt. Trotzdem ist es von außen gesehen gleich grausam, denn ob er den eigentlichen Gefangenen mitnimmt oder jemand anders, spielt in dem Sinne keine Rolle, denn beides sind Menschen. Und doch verwandelt sich die Gnade, die der Soldat dem Mann gegenüber zeigte, ein paar Meter weiter in Ungerechtigkeit, denn der Kursstufe 2 / Abi 2021 Passant kann nichts dafür und wird unschuldig mitgenommen, nur weil der Soldat mit dem Mann und seiner Frau Mitleid hatte. Mit dem Staat, der in der letzten Zeile er- wähnt wird, ist hierbei natürlich nicht Deutschland gemeint, sondern die Sowjetische Besatzungszone und somit die Sowjetunion. 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Max Frisch - Eine Szene in Berlin, Sommer 1945 1 Jemand berichtet aus Berlin: Ein Dutzend verwahrloste 2 Gefangene, geführt von einem russischen Soldaten, gehen 3 durch eine Straße; vermutlich kommen sie aus einem fernen 4 Lager, und der junge Russe muss sie irgendwohin zur Arbeit 5 führen oder, wie man sagt, zum Einsatz. Irgendwohin; sie 6 wissen nichts über ihre Zukunft; es sind Gespenster, wie 7 man sie allenthalben sehen kann. Plötzlich geschieht es, dass 8 eine Frau, die zufällig aus einer Ruine kommt, aufschreit 9 und über die Straße heranläuft, einen der Gefangenen 10 umarmt - das Trüpplein muss stehen bleiben, und auch der 11 Soldat begreift natürlich, was sich ereignet hat; er tritt zu 12 dem Gefangenen, der die Schluchzende im Arm hält, und 13 fragt: 14 ,,Deine Frau?" 15 ,,Ja-." 16 Dann fragt er die Frau: 17,,Dein Mann?" 18 ,,Ja-." 19 Dann deutet er ihnen mit der Hand: 20 ,,Weg - laufen, laufen - weg!" 21 Sie können es nicht glauben, bleiben stehen; der Russe 22 marschiert weiter mit den elf anderen, bis er, einige hundert 23 Meter später, einem Passanten winkt und mit der 24 Maschinenpistole zwingt, einzutreten; damit das Dutzend, 25 das der Staat von ihm verlangt, wieder voll ist. Quelle: https://werkstattschreiber.wordpress.com/tag/kurzestgeschichten/