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Medea Christa Wolf

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 Die fünfte Stimme: Akamas
Zitat von Cato; Thema: Unterschiede zwischen den Geschlechtern
weibliches Geschlecht wird aus der männlichen Sich

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Die fünfte Stimme: Akamas Zitat von Cato; Thema: Unterschiede zwischen den Geschlechtern weibliches Geschlecht wird aus der männlichen Sicht als das Überlegende dargestellt Bezug zum machtpolitischen Handeln Akamas'; unterstützt König Kreon um jeden Preis bei der Festigung patriarchaler Strukturen Akamas lehnt Frauen ab ( politisch unmündig; lehnt ihre Denkweise ab) bewundert aber insgeheim Medeas Klugheit Ablehnung/Anerkennung Themenschwerpunkte: Beziehungen zu Medea / Amtsverständnis als oberster Astronom des Königs / seine Sichtweise auf politisch motivierte Opferung der erstgeborenen Königstochter Iphinoe abgekartetes Spiel: Jason als Kreons Nachfolger Akamas' Strategie der Verleugnung von Schuld kolchische Heilkunst als Beispiel matriarchal. Wissens Unterbindung der Frauenmacht zugunsten des Patriarchats Akamas Vertrauensverhältnis zu Medea .... und die Unterschiede ihres Weltbildes Akamas' Sichtweise auf die Tötung iphinoes gegensätzliche Politik Meropes und Kreons- Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat Tötung der Königstochter: ,,Opfer" oder ,,Mord"? Mechanismen der Verkennung, Verleugnung und Verdrängung Menschenbild des Akamas: Gefangensein in Lüge /Selbsttäuschung erneute Krisensituation in Korinth und Suche nach dem Sündenbock Akamas als Initiator der ,,Gerölllawine", die Medea erfasst Leukons moralische Überlegenheit und die Existenz einer Parallelwelt Kontrastfunktion der Figuren Turon und Leukon Akamas kommt in seinem Monolog im Wesentlichen auf seine Beziehung zu Medea, sein Amtsverständnis als obers- ter Astronom des Königs und seine Sichtweise auf die poli- tisch motivierte Opferung der erstgeborenen Königstoch- ter Iphinoe zu sprechen. Er beginnt mit einem Rückblick auf seine erste Begegnung mit Medea, über deren Ahnungslosigkeit er sich...

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wundert. Sie und ihr Mann Jason sind von den führenden Männern Korinths bereits erwartet worden, denn Kreon will den ihm noch unbekannten Neffen später als seinen Nachfolger einsetzen. Dass er dazu erst noch im Sinne der machtpoli- tischen Logik des Palastes erzogen werden muss, ist ihnen ebenso klar wie die Tatsache, dass seine Frau ein möglicher Störfaktor für diese Pläne werden könnte. Als Medea damals hochschwanger von der Argo herunter- gestiegen ist, konnte sie mithilfe ihres medizinischen Wis- sens den Beginn der Geburt verzögern (,,Solange eine Frau kalte Füße hat, geht die Geburt nicht los", S. 111). Ihre lebhaften und hellwachen Augen bestätigen den Eindruck einer interessierten und gebildeten Person. Ihr charakteris- tisches Lachen hat sie allerdings im Laufe der Zeit verloren. Akamas weiß, dass die Korinther, allen voran er selbst, dar- an schuld sind. Die Verwendung der für ihn typischen Schlüsselbegriffe ,,man" und ,,müssen" (vgl. S. 111, 118) zeigt jedoch seine Strategie auf, seinen ganz persönlichen Anteil am Geschehen zu leugnen und sich dabei auf äußere Zwänge zu berufen. Unmittelbar nach ihrer Ankunft sind Medea und die kolchi- schen Frauen mit ihrer Heilkunst aufgefallen, die sich sehr von der in Korinth üblichen Praxis unterscheidet. Unter- schiede bestehen in Bezug auf den weiblichen Körper und dessen Vorgänge wie die Geburt und den Umgang mit dem Nachwuchs. Die Kolcherinnen zeigen sich damit als Erbin- nen matriarchalen Wissens. Während sie voller Freude eine Geburt begleiten und dem Neugeborenen selbstverständ- lich alle Liebe und Zuwendung entgegenbringen, entwertet Akamas ihr Verhalten als ,,primitiv" (S. 112). Nichtsdesto- trotz profitieren die Frauen Korinths von der Begegnung mit den Kolcherinnen, weil diese sie befreit und ihnen die Augen über die Dominanz der Männer öffnet. Akamas will hinge- gen solche Einflüsse auf die Vorgänge im Palast unterbin- den. Er glaubt, dass eine Stärkung der Frauen seinem politi- schen Handeln zuwiderlaufen könnte, das er ganz nach den Wünschen Kreons richtet. Beide arbeiten für die Festveran- kerung des Patriarchats und versuchen deshalb heimlich, die Macht der Frauen am Hof nach und nach zu schwächen. Deshalb will Akamas auch den therapeutischen, heilsamen Einfluss, den Medea im Laufe der Zeit auf die zweitgeborene Königstochter Glauke ausübt, unterbinden. Dass er ausgerechnet zu Medea ein Vertrauensverhältnis aufbaut, liegt einerseits an der ,,Einsamkeit und Verschwie- genheit" (S. 113) seines Amtes, andererseits daran, dass er in dieser machtlosen Fremden zunächst keine Gefahr gese- hen hat. Und so erklärt er Medea, die sich intellektuell mit ihm messen kann und die ihn darum fasziniert, nach und nach die Politik und Denkweise der Korinther. Dabei wird deutlich, dass diese Medeas Vorstellungen von einer menschlichen Gemeinschaft widersprechen. Während sie ihr Handeln nach der ethischen Frage ausrichtet, was als "gut" (S. 114) gilt, und darum alles befürwortet, was dem Leben dient, denkt er vornehmlich in der Kategorie der Nützlichkeit. Es geht ihm um die Durchsetzung von Inter- essen, für die er sein Gefühl für Moral zu unterdrücken be- reit ist (Nicht immer gefällt einem, was notwendig ist, aber daß ich in der Pflicht meines Amtes nicht nach per- sönlichem Gefallen, sondern nach höheren Gesichtspunk- ten zu entscheiden habe, das hat sich mir unauslöschlich eingeprägt.", S. 124). Vor dem Hintergrund dieses Weltbildes wird seine Sicht- weise auf die Opferung der erstgeborenen Königstochter Iphinoe verstehbar, die er Medea darlegt, nachdem sie hin- ter dieses Geheimnis gekommen ist. Die Lage Korinths sei sowohl innen- (durch die Spaltung zwischen den Anhän- gern Kreons und denen Meropes) als auch außenpolitisch (durch die Bedrohung seitens der Nachbarstaaten) ge- spannt gewesen. Meropes großer Einfluss habe auf der Er- innerung an die alte Kultur mit ihrer Matrilinearität¹ be- ruht. Ihr Plan sei es gewesen, durch friedliche Bündnispoli- tik Korinths Macht zu stärken und dabei ihre Tochter Iphinoe mit einem jungen König, der Kreons Nachfolger werden sollte, zu verheiraten. Kreon dagegen habe die überall gerade aufkommenden patriarchalen Strukturen auch für Korinth festigen wollen und sei dafür bereit gewe- sen, seine Tochter töten zu lassen und damit die Hoffnung auf ,,eine neue Weiberherrschaft" (S. 118) zu unterbinden. Dass seine Vorstellung von Politik eng mit Gewaltbereit- schaft zusammenhängt und damit einen Gegensatz zu der Position Meropes bildet, zeigt sich auch an seinem unter- drückerischen Umgang mit den Nachbarvölkern (vgl. S. 121). Statt auf Bündnisse setzt Kreon gemäß patriarcha- ler Logik auf Unterwerfung. Iphinoes Tötung wird von Akamas als ,,Opfer" (S. 120) be- zeichnet und damit religiös überhöht. Es soll der Eindruck entstehen, dass ihr Tod der einzige Ausweg aus der Krise gewesen sei und somit die Weiterexistenz Korinths gesichert habe (vgl. S. 118). Die geschilderten Einzelheiten entspre- chen der Vorgehensweise bei einem Tier-Schlachtopfer. An- gesichts des eigens dafür errichteten Altars empfindet Aka- mas Medeas Sichtweise auf den Vorgang (sie spricht von ,,Mord" (S. 121)) als ,,ungeheuerlich" (S. 121). Weiterhin fällt auf, dass die Verantwortlichen (Kreon und Akamas) selbst nicht anwesend gewesen sind, sondern Priester und königliche Beamte sowie weitere vier Männer, die Merope festhalten mussten, dafür ausgewählt haben. Hieran zeigt sich bereits der Prozess einer Entfremdung zwischen Täter und Tat. Indem jeder seine Handlungsweise durch eine hö- here Instanz legitimiert sieht, hält er die Verantwortung da- für von sich selbst fern. Ein Schuldbewusstsein soll unbe- dingt auch beim Volk von Korinth, zu dessen Rettung die Tat ja vorgeblich geschah, unterbunden werden. Damit sich die Korinther für die unschuldigsten Menschen unter der Son- ne halten können" (S. 120), lässt der Palast verkünden, Iphi- noe sei entführt worden und werde bald die Braut eines jungen Königs. Die von Akamas zunächst befürchteten Un- ruhen im Volk sind ausgeblieben und haben ihn in seinem Menschenbild bestätigt, wonach der Mensch die Wahrheit über sich selbst nicht ertragen kann und sich deshalb selbst belügen und täuschen lassen muss. Medea indes hinterfragt all diese Vorstellungen, denn sie glaubt nicht, dass Korinth ohne die Tat untergegangen wäre. Außerdem entlarvt sie die bewusste Täuschung des Volkes als eigennützig und wirft den Korinthern ihre ,,maßlose Angst vor Enthüllungen" (S. 120) sowie ihr zwanghaftes statt lustvolles Handeln vor Akamas kommt weiter auf die aktuelle politische Situation zu sprechen, deren Krisenhaftigkeit beweist, dass Kreon da- mals bei seinem Versuch, Nachbarvölker zu unterwerfen, taktische Fehler begangen hat (vgl. S. 121) und somit mit seiner Position unrecht hatte. Dem Leser wird deutlich, dass die Tötung Iphinoes unnötig war, während jedoch der Palast und das Volk nach demselben Schema handeln: Sie suchen einen Sündenbock. Akamas ist klar, dass es dieses Mal Me- dea sein wird, und doch macht es ihm keinen Spaß mehr, ,,die einzelnen Stufen ihres unaufhaltsamen Niedergangs vorauszusehen" (S. 124). Gleichzeitig weiß er, dass er selbst diesen Prozess, dessen Wucht er metaphorisch mit ,,Geröll- lawine" (S. 124) beschreibt, ausgelöst hat. Er argumentiert jedoch erneut mit der Berufung auf Zwänge, die ihm sein Amt auferlegen, sowie auf höher[e] Gesichtspunkte" (S. 124) als einen persönlichen Willen. Hieran wird deutlich, dass er ein pseudoreligiöses Amtsverständnis vorgibt, um seine eigentliche, egoistische Motivation, die Sehnsucht nach Nachruhm (vgl. S. 116), nicht zugeben zu müssen. Durch die Berufung auf höhere Ziele will er sich von der Skrupellosigkeit seines jungen Amtskollegen Turon abhe- ben. Da dieser unbekümmert seine Amoralität zugibt, wi- dert er Akamas an. Andererseits weiß er auch genau, dass er sich aufgrund seines Machtstrebens in moralischer Hinsicht nicht mit einem anderen Amtskollegen namens Leukon messen kann. Dieser ist aufgrund seiner kritischen Nachfra- ge nach dem Verbleib Iphinoes aus dem politischen Gesche- hen verbannt worden und führt nun verwaltende Tätigkei- ten im Bereich der Astronomie aus (zweiter Astronom des Königs). Die Beobachtung, dass es neben dem Machtappa- rat des Palastes in Korinth auch eine Parallelwelt gibt, in wel- cher Leukon gemeinsam mit anderen kritischen Geistern lebt, löst in Akamas einen ,,Anflug von Neid" (S. 126) aus. Die Figuren Turon und Leukon haben eine kontrastierende Funktion und dienen somit der Konkretisierung des Selbst- HI und Amtsverständnisses des Sprechers. Akamas schließt sei- nen Monolog mit der Aussage, dass er Medea aus dem Turm Leukons hat kommen sehen und nun befürchtet, er werde auch ihn deshalb vielleicht ausschalten müssen. Akarnas' Monolog gibt dem Leser einen direkten Einblick in das politische Geschehen Korinths aus der Sicht eines Ver- antwortlichen. Dabei kann er das zynische und menschen- verachtende Welt- und Menschenbild, das sich hinter dem Machtapparat in Korinth verbirgt, erkennen. Während Akarnas' Position die Mechanismen der Verkennung, Ver- drängung und der Lüge, die zur Tötung Iphinoes geführt haben, verstehbar macht, dienen die in dem Bericht einge- flochtenen Kommentare Medeas der Kritik daran. Die an- geblichen politischen Zwänge entlarvt sie als Vorwand zur Durchsetzung egoistischer Interessen und setzt dieser zer- störerischen Logik eine lebensbejahende Ethik entgegen. Akamas Ethische Vorstellungen im Vergleich Medea Gut ist, was nützlich ist. Taten zum eigenen Machterhalt Beispiele: .: Nähe zum König * Befürwortung der Tötung Iphinoes Verbreitung gefälschter und beschönigender Zukunftsvoraussagen für Korinth Verleumdung und Verfolgung Medeas Spinnen eines Intrigen. netzes mithilfe von Agameda und Presbon Verantwortlichkeit für das Urteil über Medea Anstiftung zum Mord an Medeas Kindern Verrat an Agameda -> Zweckrationalismus Härte/Kälte → Selbstentfremdung → patriarchale Werte Postulat Hand- lungen Gut ist, was dem Leben und seiner Erhaltung dient. Taten zur Befreiung und Genesung anderer und aus Liebe zum Leben, zu den Menschen und zu sich selbst Beispiele: authentischer Gefühls- ausdruck ✰ Beherrschen der Zauber- und Heilkunst * praktische Hilfe für die Korinther bei Hungers- not und Pestausbruch Therapie für die traumatisierte Glauke Gemeinschaft mit Lyssa als Bild für bedingungs- lose Solidarität unter Frauen Bejahung der Liebe und der Lust Leben in einer herrschaftsfreien Beziehung mit dem Bildhauer Oistros → Annahme ihres eigenen Körpers →→→Humanitätsideal ganzheitliches Men- schenbild ->Selbstreflexion/ Selbsterkenntnis -> matriarchale Werte

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S. 111, 118) zeigt jedoch seine Strategie auf, seinen ganz persönlichen Anteil am Geschehen zu leugnen und sich dabei auf äußere Zwänge zu berufen. Unmittelbar nach ihrer Ankunft sind Medea und die kolchi- schen Frauen mit ihrer Heilkunst aufgefallen, die sich sehr von der in Korinth üblichen Praxis unterscheidet. Unter- schiede bestehen in Bezug auf den weiblichen Körper und dessen Vorgänge wie die Geburt und den Umgang mit dem Nachwuchs. Die Kolcherinnen zeigen sich damit als Erbin- nen matriarchalen Wissens. Während sie voller Freude eine Geburt begleiten und dem Neugeborenen selbstverständ- lich alle Liebe und Zuwendung entgegenbringen, entwertet Akamas ihr Verhalten als ,,primitiv" (S. 112). Nichtsdesto- trotz profitieren die Frauen Korinths von der Begegnung mit den Kolcherinnen, weil diese sie befreit und ihnen die Augen über die Dominanz der Männer öffnet. Akamas will hinge- gen solche Einflüsse auf die Vorgänge im Palast unterbin- den. Er glaubt, dass eine Stärkung der Frauen seinem politi- schen Handeln zuwiderlaufen könnte, das er ganz nach den Wünschen Kreons richtet. Beide arbeiten für die Festveran- kerung des Patriarchats und versuchen deshalb heimlich, die Macht der Frauen am Hof nach und nach zu schwächen. Deshalb will Akamas auch den therapeutischen, heilsamen Einfluss, den Medea im Laufe der Zeit auf die zweitgeborene Königstochter Glauke ausübt, unterbinden. Dass er ausgerechnet zu Medea ein Vertrauensverhältnis aufbaut, liegt einerseits an der ,,Einsamkeit und Verschwie- genheit" (S. 113) seines Amtes, andererseits daran, dass er in dieser machtlosen Fremden zunächst keine Gefahr gese- hen hat. Und so erklärt er Medea, die sich intellektuell mit ihm messen kann und die ihn darum fasziniert, nach und nach die Politik und Denkweise der Korinther. Dabei wird deutlich, dass diese Medeas Vorstellungen von einer menschlichen Gemeinschaft widersprechen. 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Meropes großer Einfluss habe auf der Er- innerung an die alte Kultur mit ihrer Matrilinearität¹ be- ruht. Ihr Plan sei es gewesen, durch friedliche Bündnispoli- tik Korinths Macht zu stärken und dabei ihre Tochter Iphinoe mit einem jungen König, der Kreons Nachfolger werden sollte, zu verheiraten. Kreon dagegen habe die überall gerade aufkommenden patriarchalen Strukturen auch für Korinth festigen wollen und sei dafür bereit gewe- sen, seine Tochter töten zu lassen und damit die Hoffnung auf ,,eine neue Weiberherrschaft" (S. 118) zu unterbinden. Dass seine Vorstellung von Politik eng mit Gewaltbereit- schaft zusammenhängt und damit einen Gegensatz zu der Position Meropes bildet, zeigt sich auch an seinem unter- drückerischen Umgang mit den Nachbarvölkern (vgl. S. 121). Statt auf Bündnisse setzt Kreon gemäß patriarcha- ler Logik auf Unterwerfung. Iphinoes Tötung wird von Akamas als ,,Opfer" (S. 120) be- zeichnet und damit religiös überhöht. Es soll der Eindruck entstehen, dass ihr Tod der einzige Ausweg aus der Krise gewesen sei und somit die Weiterexistenz Korinths gesichert habe (vgl. S. 118). Die geschilderten Einzelheiten entspre- chen der Vorgehensweise bei einem Tier-Schlachtopfer. An- gesichts des eigens dafür errichteten Altars empfindet Aka- mas Medeas Sichtweise auf den Vorgang (sie spricht von ,,Mord" (S. 121)) als ,,ungeheuerlich" (S. 121). Weiterhin fällt auf, dass die Verantwortlichen (Kreon und Akamas) selbst nicht anwesend gewesen sind, sondern Priester und königliche Beamte sowie weitere vier Männer, die Merope festhalten mussten, dafür ausgewählt haben. Hieran zeigt sich bereits der Prozess einer Entfremdung zwischen Täter und Tat. Indem jeder seine Handlungsweise durch eine hö- here Instanz legitimiert sieht, hält er die Verantwortung da- für von sich selbst fern. Ein Schuldbewusstsein soll unbe- dingt auch beim Volk von Korinth, zu dessen Rettung die Tat ja vorgeblich geschah, unterbunden werden. Damit sich die Korinther für die unschuldigsten Menschen unter der Son- ne halten können" (S. 120), lässt der Palast verkünden, Iphi- noe sei entführt worden und werde bald die Braut eines jungen Königs. Die von Akamas zunächst befürchteten Un- ruhen im Volk sind ausgeblieben und haben ihn in seinem Menschenbild bestätigt, wonach der Mensch die Wahrheit über sich selbst nicht ertragen kann und sich deshalb selbst belügen und täuschen lassen muss. Medea indes hinterfragt all diese Vorstellungen, denn sie glaubt nicht, dass Korinth ohne die Tat untergegangen wäre. Außerdem entlarvt sie die bewusste Täuschung des Volkes als eigennützig und wirft den Korinthern ihre ,,maßlose Angst vor Enthüllungen" (S. 120) sowie ihr zwanghaftes statt lustvolles Handeln vor Akamas kommt weiter auf die aktuelle politische Situation zu sprechen, deren Krisenhaftigkeit beweist, dass Kreon da- mals bei seinem Versuch, Nachbarvölker zu unterwerfen, taktische Fehler begangen hat (vgl. S. 121) und somit mit seiner Position unrecht hatte. Dem Leser wird deutlich, dass die Tötung Iphinoes unnötig war, während jedoch der Palast und das Volk nach demselben Schema handeln: Sie suchen einen Sündenbock. Akamas ist klar, dass es dieses Mal Me- dea sein wird, und doch macht es ihm keinen Spaß mehr, ,,die einzelnen Stufen ihres unaufhaltsamen Niedergangs vorauszusehen" (S. 124). Gleichzeitig weiß er, dass er selbst diesen Prozess, dessen Wucht er metaphorisch mit ,,Geröll- lawine" (S. 124) beschreibt, ausgelöst hat. Er argumentiert jedoch erneut mit der Berufung auf Zwänge, die ihm sein Amt auferlegen, sowie auf höher[e] Gesichtspunkte" (S. 124) als einen persönlichen Willen. Hieran wird deutlich, dass er ein pseudoreligiöses Amtsverständnis vorgibt, um seine eigentliche, egoistische Motivation, die Sehnsucht nach Nachruhm (vgl. S. 116), nicht zugeben zu müssen. Durch die Berufung auf höhere Ziele will er sich von der Skrupellosigkeit seines jungen Amtskollegen Turon abhe- ben. Da dieser unbekümmert seine Amoralität zugibt, wi- dert er Akamas an. Andererseits weiß er auch genau, dass er sich aufgrund seines Machtstrebens in moralischer Hinsicht nicht mit einem anderen Amtskollegen namens Leukon messen kann. Dieser ist aufgrund seiner kritischen Nachfra- ge nach dem Verbleib Iphinoes aus dem politischen Gesche- hen verbannt worden und führt nun verwaltende Tätigkei- ten im Bereich der Astronomie aus (zweiter Astronom des Königs). Die Beobachtung, dass es neben dem Machtappa- rat des Palastes in Korinth auch eine Parallelwelt gibt, in wel- cher Leukon gemeinsam mit anderen kritischen Geistern lebt, löst in Akamas einen ,,Anflug von Neid" (S. 126) aus. Die Figuren Turon und Leukon haben eine kontrastierende Funktion und dienen somit der Konkretisierung des Selbst- HI und Amtsverständnisses des Sprechers. Akamas schließt sei- nen Monolog mit der Aussage, dass er Medea aus dem Turm Leukons hat kommen sehen und nun befürchtet, er werde auch ihn deshalb vielleicht ausschalten müssen. Akarnas' Monolog gibt dem Leser einen direkten Einblick in das politische Geschehen Korinths aus der Sicht eines Ver- antwortlichen. Dabei kann er das zynische und menschen- verachtende Welt- und Menschenbild, das sich hinter dem Machtapparat in Korinth verbirgt, erkennen. Während Akarnas' Position die Mechanismen der Verkennung, Ver- drängung und der Lüge, die zur Tötung Iphinoes geführt haben, verstehbar macht, dienen die in dem Bericht einge- flochtenen Kommentare Medeas der Kritik daran. Die an- geblichen politischen Zwänge entlarvt sie als Vorwand zur Durchsetzung egoistischer Interessen und setzt dieser zer- störerischen Logik eine lebensbejahende Ethik entgegen. Akamas Ethische Vorstellungen im Vergleich Medea Gut ist, was nützlich ist. 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