Nathan der Weise: Grunddaten und Handlung
Grunddaten
- Textgattung: Drama
- Autor: Gotthold Ephraim Lessing
- Veröffentlichung: 1779
- Uraufführung: 14.04.1783
- Epoche: Aufklärung
Thema
- Konflikte zwischen Vertretern der drei Weltreligionen zur Zeit der Kreuzzüge (1192 in Jerusalem)
- Appell für Toleranz, Offenheit und Vernunft
- Förderung von Nächstenliebe statt religiöser Abgrenzung
Wichtiger Begriff: Die Kernaussage von Nathan der Weise besteht darin, dass alle Religionen gleichwertig sind und dass wahre Religion sich durch tugendhaftes Handeln und nicht durch Dogmen auszeichnet.
Handlungsstränge
Im Drama lassen sich drei wesentliche Handlungsstränge erkennen:
- Haupthandlung: Liebesbeziehung zwischen dem Tempelherrn und Recha (geleitet von Nathan)
- Saladin-Handlung: Dreht sich um den Sultan und seine finanziellen Probleme
- Patriarchen-Handlung: Wird von der Rigorosität der katholischen Kirche bestimmt
Zusammenfassung der Aufzüge
1. Aufzug
- Nathan kehrt von einer Geschäftsreise aus Babylon zurück
- Er erfährt von seiner Haushälterin Daja, dass sein Haus gebrannt hat und seine Tochter Recha von einem Tempelherrn gerettet wurde
- Der Tempelherr verhält sich abweisend und will keinen Dank
- Recha glaubt, ihr Retter sei ein Engel gewesen
- Der Tempelherr wurde von Sultan Saladin verschont, weil er dessen totem Bruder ähnlich sieht
2. Aufzug
- Sultan Saladin hat Geldsorgen
- Sittah, Saladins Schwester, plant an Nathans Geld zu kommen
- Nathan trifft den Tempelherrn und sie schließen Freundschaft
- Der Name des Tempelherrn "Curd von Stauffen" kommt Nathan bekannt vor
- Nathan macht sich auf den Weg zum Sultan
3. Aufzug
- Der Tempelherr trifft Recha und verliebt sich in sie
- Nathan wird vom Sultan nach der wahren Religion gefragt und antwortet mit der Ringparabel:
- Ein Vater besitzt einen Ring, der seinen Träger "vor Gott und Menschen angenehm macht"
- Er lässt für seine drei Söhne zwei identische Ringe anfertigen
- Nach seinem Tod streiten die Söhne, wer den echten Ring besitzt
- Ein Richter vertagt die Entscheidung und fordert die Söhne auf, durch gute Taten die Kraft ihres Rings zu beweisen
- Der Tempelherr hält um Rechas Hand an, aber Nathan verweigert die Zustimmung
4. Aufzug
- Der Tempelherr sucht Rat beim Patriarchen und berichtet von einem Juden, der ein christliches Kind jüdisch erzogen hat
- Daja enthüllt dem Tempelherrn, dass Recha als Christin geboren wurde
- Nathan trifft den Klosterbruder, der ihm Recha als Baby übergeben hatte
- Nathan erfährt wichtige Informationen über Rechas Herkunft
5. Aufzug
- Nathan klärt auf: Der Tempelherr und Recha sind Geschwister
- Es stellt sich heraus, dass der Vater der beiden der vermeintlich verstorbene Bruder des Sultans ist
- Das Drama endet mit einer glücklichen Familienzusammenführung
Schlüsselbegriff: Die wahre Religion in Nathan der Weise wird nicht explizit benannt, sondern durch die Ringparabel als diejenige dargestellt, die sich durch menschliches, tugendhaftes Handeln auszeichnet.






