Charakterisierung der Hauptfiguren
Nathan verkörpert das Ideal eines aufgeklärten Menschen. Trotz seiner Tragödie – er verlor seine Familie durch christliche Kreuzfahrer – wählt er nicht den Hass, sondern überwindet ihn durch Vernunft. Als reicher jüdischer Kaufmann ist er geschäftstüchtig, aber auch großzügig und hilfsbereit.
Seine Weisheit zeigt sich besonders in seiner Erziehungsmethode: Er führt Recha, den Tempelherrn und sogar Saladin durch rationale Gespräche zu Erkenntnis und Toleranz. Die Charakterisierung Nathan der Weise mit Textstellen offenbart ihn als Menschen, der über religiöse Grenzen hinweg denkt und handelt.
Recha, Nathans Pflegetochter, ist von Natur aus schwärmerisch, lässt sich aber durch Nathans rationale Erklärungen überzeugen. Ihre Entwicklung von der Schwärmerei (sie hält den Tempelherrn für einen Engel) zur Vernunft symbolisiert den Weg zur Aufklärung.
Der Tempelherr durchläuft die größte Entwicklung: Vom vorurteilsbeladenen Christen, der Juden verachtet, zum toleranten Menschen, der in Nathan einen Freund sieht. Seine Liebe zu Recha treibt die Handlung voran, und die Entdeckung, dass sie seine Schwester ist, unterstreicht die Botschaft der menschlichen Verbundenheit jenseits religiöser Unterschiede.
Saladin repräsentiert den aufgeklärten Herrscher, der trotz seiner Machtposition lernfähig bleibt. Seine Freigebigkeit steht im Widerspruch zu seiner Rolle als Unterdrücker, doch durch Nathans Einfluss entwickelt er sich zu einem toleranteren Menschen.
Besonders wichtig: Der Klosterbruder steht im Kontrast zum dogmatischen Patriarchen. Obwohl er dem Patriarchen untersteht, folgt er seinem eigenen moralischen Kompass und trägt entscheidend zur Aufklärung der Verwandtschaftsverhältnisse bei.