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Soll und Haben Romananfang-Analyse und Interpretation

Soll und Haben Romananfang-Analyse und Interpretation

 Klausur Nr.2
Rahmenthema: Literatur und Sprache um 1900 - neue Ausdrucksformen der
Epik
Analyse und Interpretation literarischer Texte
Aufg
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Klausur + Erwartungshorizont über die Analyse und Interpretation des Romananfangs mit Berücksichtigung der Erzählform (traditionell/modern)

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Klausur Nr.2 Rahmenthema: Literatur und Sprache um 1900 - neue Ausdrucksformen der Epik Analyse und Interpretation literarischer Texte Aufgabe Analysieren und interpretieren Sie den Anfang des Romans ,,Soll und Haben" von G. Freytag. Berücksichtigen Sie dabei, ob es sich um traditionelles oder modernes Erzählen handelt. Kurze Zusammenfassung des Romans ,,Soll und Haben" Der Roman schildert die Laufbahn des Beamtensohnes Anton Wohlfahrt vom Lehrling zum erfahrenen Kaufmann. Dabei wird Antons Leben häufig dem Leben seines Freundes Veitel Itzig kontrastiv gegenübergestellt. Der begabte und fleißige Anton erlebt jedoch eine Phase des Misserfolgs, als er versucht, den adligen Freiherrn von Rothensattel bei seinen Geschäften zu unterstützen. Doch durch das Unvermögen des Freiherrn scheitern Antons Versuche. Er kann sich aber aus dieser Krise eigenständig befreien und steigt als Teilhaber in die Firma seines einstigen Lehrmeisters ein. Dabei eröffnet er ein neues ,,Soll und Haben"-Konto. Das Geschäft wird erfolgreich von Anton weiter geführt. Bearbeitungszeit: 90 Minuten erlaubte Hilfsmittel: elektronisches Wörterbuch Formales: Bitte beschriften Sie Ihre Arbeitsblätter nur einseitig und lassen Sie auf der rechten Seite einen Korrekturrand von 7 cm. Viel Erfolg! Gustav Freytag Soll und Haben Ostrau ist eine kleine Kreisstadt unweit der Oder, bis nach Polen hinein Schauplatz berühmt durch ihr Gymnasium und süße Pfefferkuchen, welche dort noch mit einer Fülle von unverfälschtem Honig gebacken werden. In Goode Orte vor einer Reihe von Jahren der kö. Valer - nigliche Kalkulator¹ Wohlfart,...

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der für seinen König schwärmte, seine Mitmenschen- mit Ausnahme von zwei Ostrauer Spitzbuben und einem groben Strumpfwirker-herzlich liebte und in seiner sauren Amtstätig- keit viele Veranlassung zu heimlicher Freude und zu demütigem Stolze fand. Er hatte spät geheiratet, bewohnte mit seiner Frau ein kleines Haus und hielt den kleinen Garten eigenhändig in Ordnung. Leider blieb diese glückliche Ehe durch mehrere Jahre kinderlos. Endlich begab es sich, dass die Frau Kalkulatorin ihre weißbaumwollene Bettgardine Mutter mit einer breiten Krause und zwei großen Quasten verzierte und unter der höchsten Billigung aller Freundinnen auf einige Wochen dahinter verschwand, gerade nachdem sie die letzte Falte zurechtgestrichen und sich überzeugt hatte, dass die Gardine von untadelhafter Wäsche war. Hinter der weißen Gardine wurde der Held dieser Erzählung geboren. Vorausclating Anton war ein gutes Kind, das nach der Ansicht seiner Mutter vom Fecharakterisierens ersten Tage seines Lebens die staunenswertesten Eigenschaften zeigte. Abgesehen davon, dass er sich lange Zeit nicht entschließen konnte, die Speisen mit der Höhlung des Löffels zu fassen, sondern hartnäckig die Ansicht festhielt, dass der Griff dazu geeigneter sei, und abgesehen Humor davon, dass er eine unerklärliche Vorliebe für die Troddel auf dem schwarzen Käppchen seines Vaters zeigte und das Käppchen mit Hilfe 1 Buchhalter 25 des Kindermädchens alle Tage heimlich vom Kopf des Vaters abhob und ihm lachend wieder aufsetzte, erwies er sich auch bei wichtigerer Gelegenheit als ein einziges Kind, das noch nie dagewesen. Er war am Abend sehr schwierig ins Bett zu bringen und bat, wenn die Abendglo- cke läutete, manchmal mit gefalteten Händen, ihn noch herumlaufen zu 30 lassen; er konnte stundenlang vor seinem Bilderbuch kauern und mit dem roten Gockelhahn auf der letzten Seite eine Unterhaltung führen, worin er diesen wiederholt seiner Liebe versicherte und dringend auf- forderte, sich nicht dadurch seiner kleinen Familie zu entziehen, dass er sich vom Dienstmädchen braten ließe. Er lief zuweilen mitten im 35 Kinderspiel aus dem Kreise und setzte sich ernsthaft in eine Stubenecke, um nachzudenken. In der Regel war das Resultat seines Denkens, dass er für Eltern oder Gespielen etwas hervorsuchte, wovon er annahm, dass es ihnen lieb sein würde. Seine größte Freude aber war, dem Vater gegenüberzusitzen, die Beinchen übereinanderzulegen, wie der Vater 40 tat, und aus einem Holunderrohr zu rauchen, wie sein Herr Vater aus einer wirklichen Pfeife zu tun pflegte. Dann ließ er sich allerlei vom Vater erzählen, oder er selbst erzählte seine Geschichten. Und das tat er, wie die Frauenwelt von Ostrau einstimmig versicherte, mit so viel Gravität und Anstand, dass er bis auf die blauen Augen und sein An 45 blühendes Kindergesicht vollkommen aussah wie ein kleiner Herr im Staatsdienst. Unartig war er so selten, dass der Teil des weiblichen Ost- rau, welcher einer düsteren Auffassung des Erdenlebens geneigt war, lange zweifelte, ob ein solches Kind heranwachsen könne; bis Anton endlich Deinmal den Sohn des Landrats auf offener Straße durchprügelte unterschwellig 50 und durch diese Untat seine Aussichten auf das Himmelreich in eine behagliche Ferne zurückhämmerte. Kurz, er war ein so ungewöhnlicher Knabe, wie nur je das einzige Kind warmherziger Eltern gewesen ist. Auch in der Bürgerschule und später im Gymnasium wurde er ein Mus- ter für andere und ein Stolz seiner Familie. Und da der Zeichenlehrer 55 behauptete, Anton müsse Maler werden, und der Ordinarius¹ von Tertia dem Vater riet, ihn Philologie studieren zu lassen, so wäre der Knabe seiner zahlreichen Anlagen wegen wahrscheinlich in die gewöhnliche Gefahr ausgezeichneter Kinder gekommen, für keine einzige Tätigkeit Eden rechten Ernst zu finden, wenn nicht ein Zufall seinen Beruf be-Vas 60 stimmt hätte. detery 1 Klassenlehrer an einer höheren Schule Klausur Nr. 2 Analyse und Interpretation literarischer Texte Inhaltlicher Erwartungshorizont Einleitung Autor: G. Freytag Textsorte / Titel: Romananfang ,,Soll und Haben" Thema: Leser wird in die literarische Welt eingeführt und erhält eine Vorstellung des Protagonisten Anton Wohlfart als Kind. Interpretationshypothese (auch andere plausible möglich): Romananfang ist ein typisches Beispiel für traditionelles Erzählen im 19. Jahrhundert/ ... für die Epoche des Poetischen Realismus Hauptteil Entwurf der literarischen Welt Ort / Schauplatz: kleine, heimelige Stadt Ostrau, unweit der polnischen Grenze Zeit: unbestimmte Angaben (,,lebte vor einer Reihe von Jahren der königliche Kalkulator Wohlfart", Z. 4f), vor dem Deutschen Kaiserreich (1871) Atmosphäre: im Ort sowie in Familie Wohlfart herrscht eine angenehme, gemütliche, positive Atmosphäre vor (,,In diesem altväterischen Orte lebte...", Z. 4; ,,das einzige Kind warmherziger Eltern", Z. 52) Milieu: bürgerliches Milieu, das durch Antons Begabungen Chancen zum Aufstieg erhält (Vater Wohlfart als Kalkulator, der in seiner sauren Amtstätigkeit viel Veranlassung zu heimlicher Freude und demütigem Stolze fand.", Z. 7ff) Figuren: ,,warmherzige[]" Eltern Wohlfart, die lange auf ihren Sohn warten mussten und ihn daher sehr lieben; gutes Verhältnis zum Vater (Z. 38-42); Bewohner des Ortes, mit denen Familie Wohlfart Kontakte pflegt; Anton (Protagonist), der seinen Eltern durch vorbildliches Verhalten Grund zur Freude bereitet und der anderen Bewohnern von Ostrau als Musterknabe gilt; Figurenkonstellation: Anton als Mittelpunkt, über den alle Handlungselemente erfolgen Erzähltechnik I Handlung/Handlungsaufbau: langsame Einführung in Ort / Figuren mit Spannungsaufbau, was aus dem Musterknaben Anton wird => Deutung: Leser fühlt sich am Ort des Geschehens wohl, empfindet Sympathien mit den Figuren und möchte erfahren, wie sich die Geschichte um den Musterknaben Anton weiterentwickelt Gestaltung Handlung: ➤ überwiegend chronologischer Aufbau der Handlung (von Geburt bis zum Ende der Schulzeit des Protagonisten), in kleinen Teilsätzen Vorausdeutungen ([...] wurde der Held dieser Erzählung geboren.", Z. 17;, [...] erwies er sich auch bei wichtigerer Gelegenheit als ein einziges Kind, das noch nie dagewesen.", Z. 26f; [...] wenn nicht ein Zufall seinen Beruf bestimmt hätte.", Z. 59f) ➤ äußere Handlung überwiegt, aber auch Passagen mit innerer Handlung (z.B. Antons Gedankenwelt,,[...] wovon er annahm, dass es ihnen lieb sein würde.", Z. 37f) Zeitgestaltung: starke Zeitraffung, da Erzählzeit bedeutend kürzer als erzählte Zeit ist (vor Antons Geburt bis zum Ende seiner Schulzeit) => Leser erhält klare Orientierung mit Aufbau eines Spannungsbogens Erzähltechnik II ● auktoriales Erzählen zeigt sich an Erzählstandort: Erzähler befindet sich allwissend über dem Geschehen und besitzt so z. B. umfassende Kenntnisse über den Ort und seine Bewohner; gleichzeitig nutzt er seine Allwissenheit nicht aus, sondern baut Spannung auf (,[...] wurde der Held dieser Erzählung geboren, Z. 17;[...]wenn nicht ein Zufall seinen Beruf bestimmt hätte.", Z. 59f) . Sichtweise: Außensicht, an manchen Stellen Innensicht (Z.B. Antons Gedanken, Z. 37f, Innenwelt Vater Wohlfart, Z. 5-9, Innenwelt Mutter Wohlfart, Z. 18f) Erzählhaltung: wohlwollend (schildert Ostrau als ein sympathisches Plätzchen, ohne lange auf eine provinzielle Lage einzugehen); humorvoll in der Beschreibung von Antons Gewohnheiten / Besonderheiten in seiner Kindheit (vgl. Z. 20-27), humorvoll auch in dem Stolz, den seine Eltern ihrem einzigen Kind gegenüber verspüren (,,Anton war ein gutes Kind, das nach der Ansicht seiner Mutter vom ersten Tage seines Lebens die staunenswertesten Eigenschaften zeigte.", Z. 18f) Erzählform: Er/Sie-Form Erzählweise: hier keine Figurenrede, sondern durchgehend Erzählbericht mit detaillierten Beschreibungen und manchen Kommentaren (Ostrau,,altväterische[r] Ort";,,so wäre der Knabe seiner zahlreichen Anlagen wegen wahrscheinlich in die gewöhnliche Gefahr ausgezeichneter Kinder gekommen, für keine einzige Tätigkeit den rechten Ernst zu finden, wenn nicht...", Z. 56ff) => Leser wird von dem Erzähler,,an die Hand genommen", muss durch humorvolle Haltung teilweise schmunzeln bzw. überdenkt manchen Gedanken des Erzählerkommentars noch einmal (beispielsweise Gefahr für begabte Kinder) Erzähltechnik III (Sprache) fakultativ Romananfang zeichnet sich sprachlich durch viele detaillierte Beschreibungen aus: Beschreibungen erfolgen häufig in Relativsätzen (z. B. Z. 3-4; 5-9, 18f) > > Beschreibungen häufig in parallel angeordnetem Satzbau (z. B. Z. 20-27 ,,Abgesehen davon, dass [...] und abgesehen davon, dass [...].") Beschreibungen enthalten häufig viele Attribute (z.B. ,,weißbaumwollene Bettgardine", ,,breiten Krause", ,,zwei großen Quasten") in ersten Zeilen deutet Wortlaut auf Märchenanfang hin (In diesem altväterischen Orte lebte vor einer Reihe von Jahren der königliche Kalkulator Wohlfart, der...", Z. 4f) > => sprachliche Gestaltung sorgt dafür, dass sich der Leser die literarische Welt gut vorstellen kann, sich in dieser behaglich fühlt Schluss Fazit: Ergebnisse der Analyse /Interpretation: Leser des Romananfangs erhält durch die Erzähltechnik viel Unterstützung, gleichzeitig fühlt er sich in der entworfenen literarischen Welt wohl, all dies sind Kennzeichen des traditionellen Erzählens im 19. Jahrhundert, abgrenzend vom modernen Erzählen, bei welchem der Leser sich häufig zunächst orientierungslos fühlt und viel mehr ,,Eigenleistung" erbringen muss Romananfang zeigt zudem Merkmale des Poetischen Realismus: Ausgestaltung eines Lebenslaufs, der sich im 19. Jahrhundert so ereignet haben könnte; gleichzeitig künstlerische Ausgestaltung (z. B. in humorvoller Darstellung von Antons Eigenheiten); leise Andeutung von Kritik (auf den gesamten Roman bezogen): Kritik an dekadentem Verhalten des Adels

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Vorausclating Anton war ein gutes Kind, das nach der Ansicht seiner Mutter vom Fecharakterisierens ersten Tage seines Lebens die staunenswertesten Eigenschaften zeigte. Abgesehen davon, dass er sich lange Zeit nicht entschließen konnte, die Speisen mit der Höhlung des Löffels zu fassen, sondern hartnäckig die Ansicht festhielt, dass der Griff dazu geeigneter sei, und abgesehen Humor davon, dass er eine unerklärliche Vorliebe für die Troddel auf dem schwarzen Käppchen seines Vaters zeigte und das Käppchen mit Hilfe 1 Buchhalter 25 des Kindermädchens alle Tage heimlich vom Kopf des Vaters abhob und ihm lachend wieder aufsetzte, erwies er sich auch bei wichtigerer Gelegenheit als ein einziges Kind, das noch nie dagewesen. Er war am Abend sehr schwierig ins Bett zu bringen und bat, wenn die Abendglo- cke läutete, manchmal mit gefalteten Händen, ihn noch herumlaufen zu 30 lassen; er konnte stundenlang vor seinem Bilderbuch kauern und mit dem roten Gockelhahn auf der letzten Seite eine Unterhaltung führen, worin er diesen wiederholt seiner Liebe versicherte und dringend auf- forderte, sich nicht dadurch seiner kleinen Familie zu entziehen, dass er sich vom Dienstmädchen braten ließe. Er lief zuweilen mitten im 35 Kinderspiel aus dem Kreise und setzte sich ernsthaft in eine Stubenecke, um nachzudenken. In der Regel war das Resultat seines Denkens, dass er für Eltern oder Gespielen etwas hervorsuchte, wovon er annahm, dass es ihnen lieb sein würde. Seine größte Freude aber war, dem Vater gegenüberzusitzen, die Beinchen übereinanderzulegen, wie der Vater 40 tat, und aus einem Holunderrohr zu rauchen, wie sein Herr Vater aus einer wirklichen Pfeife zu tun pflegte. Dann ließ er sich allerlei vom Vater erzählen, oder er selbst erzählte seine Geschichten. Und das tat er, wie die Frauenwelt von Ostrau einstimmig versicherte, mit so viel Gravität und Anstand, dass er bis auf die blauen Augen und sein An 45 blühendes Kindergesicht vollkommen aussah wie ein kleiner Herr im Staatsdienst. Unartig war er so selten, dass der Teil des weiblichen Ost- rau, welcher einer düsteren Auffassung des Erdenlebens geneigt war, lange zweifelte, ob ein solches Kind heranwachsen könne; bis Anton endlich Deinmal den Sohn des Landrats auf offener Straße durchprügelte unterschwellig 50 und durch diese Untat seine Aussichten auf das Himmelreich in eine behagliche Ferne zurückhämmerte. Kurz, er war ein so ungewöhnlicher Knabe, wie nur je das einzige Kind warmherziger Eltern gewesen ist. Auch in der Bürgerschule und später im Gymnasium wurde er ein Mus- ter für andere und ein Stolz seiner Familie. Und da der Zeichenlehrer 55 behauptete, Anton müsse Maler werden, und der Ordinarius¹ von Tertia dem Vater riet, ihn Philologie studieren zu lassen, so wäre der Knabe seiner zahlreichen Anlagen wegen wahrscheinlich in die gewöhnliche Gefahr ausgezeichneter Kinder gekommen, für keine einzige Tätigkeit Eden rechten Ernst zu finden, wenn nicht ein Zufall seinen Beruf be-Vas 60 stimmt hätte. detery 1 Klassenlehrer an einer höheren Schule Klausur Nr. 2 Analyse und Interpretation literarischer Texte Inhaltlicher Erwartungshorizont Einleitung Autor: G. Freytag Textsorte / Titel: Romananfang ,,Soll und Haben" Thema: Leser wird in die literarische Welt eingeführt und erhält eine Vorstellung des Protagonisten Anton Wohlfart als Kind. Interpretationshypothese (auch andere plausible möglich): Romananfang ist ein typisches Beispiel für traditionelles Erzählen im 19. Jahrhundert/ ... für die Epoche des Poetischen Realismus Hauptteil Entwurf der literarischen Welt Ort / Schauplatz: kleine, heimelige Stadt Ostrau, unweit der polnischen Grenze Zeit: unbestimmte Angaben (,,lebte vor einer Reihe von Jahren der königliche Kalkulator Wohlfart", Z. 4f), vor dem Deutschen Kaiserreich (1871) Atmosphäre: im Ort sowie in Familie Wohlfart herrscht eine angenehme, gemütliche, positive Atmosphäre vor (,,In diesem altväterischen Orte lebte...", Z. 4; ,,das einzige Kind warmherziger Eltern", Z. 52) Milieu: bürgerliches Milieu, das durch Antons Begabungen Chancen zum Aufstieg erhält (Vater Wohlfart als Kalkulator, der in seiner sauren Amtstätigkeit viel Veranlassung zu heimlicher Freude und demütigem Stolze fand.", Z. 7ff) Figuren: ,,warmherzige[]" Eltern Wohlfart, die lange auf ihren Sohn warten mussten und ihn daher sehr lieben; gutes Verhältnis zum Vater (Z. 38-42); Bewohner des Ortes, mit denen Familie Wohlfart Kontakte pflegt; Anton (Protagonist), der seinen Eltern durch vorbildliches Verhalten Grund zur Freude bereitet und der anderen Bewohnern von Ostrau als Musterknabe gilt; Figurenkonstellation: Anton als Mittelpunkt, über den alle Handlungselemente erfolgen Erzähltechnik I Handlung/Handlungsaufbau: langsame Einführung in Ort / Figuren mit Spannungsaufbau, was aus dem Musterknaben Anton wird => Deutung: Leser fühlt sich am Ort des Geschehens wohl, empfindet Sympathien mit den Figuren und möchte erfahren, wie sich die Geschichte um den Musterknaben Anton weiterentwickelt Gestaltung Handlung: ➤ überwiegend chronologischer Aufbau der Handlung (von Geburt bis zum Ende der Schulzeit des Protagonisten), in kleinen Teilsätzen Vorausdeutungen ([...] wurde der Held dieser Erzählung geboren.", Z. 17;, [...] erwies er sich auch bei wichtigerer Gelegenheit als ein einziges Kind, das noch nie dagewesen.", Z. 26f; [...] wenn nicht ein Zufall seinen Beruf bestimmt hätte.", Z. 59f) ➤ äußere Handlung überwiegt, aber auch Passagen mit innerer Handlung (z.B. Antons Gedankenwelt,,[...] wovon er annahm, dass es ihnen lieb sein würde.", Z. 37f) Zeitgestaltung: starke Zeitraffung, da Erzählzeit bedeutend kürzer als erzählte Zeit ist (vor Antons Geburt bis zum Ende seiner Schulzeit) => Leser erhält klare Orientierung mit Aufbau eines Spannungsbogens Erzähltechnik II ● auktoriales Erzählen zeigt sich an Erzählstandort: Erzähler befindet sich allwissend über dem Geschehen und besitzt so z. B. umfassende Kenntnisse über den Ort und seine Bewohner; gleichzeitig nutzt er seine Allwissenheit nicht aus, sondern baut Spannung auf (,[...] wurde der Held dieser Erzählung geboren, Z. 17;[...]wenn nicht ein Zufall seinen Beruf bestimmt hätte.", Z. 59f) . Sichtweise: Außensicht, an manchen Stellen Innensicht (Z.B. Antons Gedanken, Z. 37f, Innenwelt Vater Wohlfart, Z. 5-9, Innenwelt Mutter Wohlfart, Z. 18f) Erzählhaltung: wohlwollend (schildert Ostrau als ein sympathisches Plätzchen, ohne lange auf eine provinzielle Lage einzugehen); humorvoll in der Beschreibung von Antons Gewohnheiten / Besonderheiten in seiner Kindheit (vgl. Z. 20-27), humorvoll auch in dem Stolz, den seine Eltern ihrem einzigen Kind gegenüber verspüren (,,Anton war ein gutes Kind, das nach der Ansicht seiner Mutter vom ersten Tage seines Lebens die staunenswertesten Eigenschaften zeigte.", Z. 18f) Erzählform: Er/Sie-Form Erzählweise: hier keine Figurenrede, sondern durchgehend Erzählbericht mit detaillierten Beschreibungen und manchen Kommentaren (Ostrau,,altväterische[r] Ort";,,so wäre der Knabe seiner zahlreichen Anlagen wegen wahrscheinlich in die gewöhnliche Gefahr ausgezeichneter Kinder gekommen, für keine einzige Tätigkeit den rechten Ernst zu finden, wenn nicht...", Z. 56ff) => Leser wird von dem Erzähler,,an die Hand genommen", muss durch humorvolle Haltung teilweise schmunzeln bzw. überdenkt manchen Gedanken des Erzählerkommentars noch einmal (beispielsweise Gefahr für begabte Kinder) Erzähltechnik III (Sprache) fakultativ Romananfang zeichnet sich sprachlich durch viele detaillierte Beschreibungen aus: Beschreibungen erfolgen häufig in Relativsätzen (z. B. Z. 3-4; 5-9, 18f) > > Beschreibungen häufig in parallel angeordnetem Satzbau (z. B. Z. 20-27 ,,Abgesehen davon, dass [...] und abgesehen davon, dass [...].") Beschreibungen enthalten häufig viele Attribute (z.B. ,,weißbaumwollene Bettgardine", ,,breiten Krause", ,,zwei großen Quasten") in ersten Zeilen deutet Wortlaut auf Märchenanfang hin (In diesem altväterischen Orte lebte vor einer Reihe von Jahren der königliche Kalkulator Wohlfart, der...", Z. 4f) > => sprachliche Gestaltung sorgt dafür, dass sich der Leser die literarische Welt gut vorstellen kann, sich in dieser behaglich fühlt Schluss Fazit: Ergebnisse der Analyse /Interpretation: Leser des Romananfangs erhält durch die Erzähltechnik viel Unterstützung, gleichzeitig fühlt er sich in der entworfenen literarischen Welt wohl, all dies sind Kennzeichen des traditionellen Erzählens im 19. Jahrhundert, abgrenzend vom modernen Erzählen, bei welchem der Leser sich häufig zunächst orientierungslos fühlt und viel mehr ,,Eigenleistung" erbringen muss Romananfang zeigt zudem Merkmale des Poetischen Realismus: Ausgestaltung eines Lebenslaufs, der sich im 19. Jahrhundert so ereignet haben könnte; gleichzeitig künstlerische Ausgestaltung (z. B. in humorvoller Darstellung von Antons Eigenheiten); leise Andeutung von Kritik (auf den gesamten Roman bezogen): Kritik an dekadentem Verhalten des Adels