Anwendung und Kritik von Rawls' Theorie der Gerechtigkeit
Rawls' Theorie basiert auf einem bestimmten Menschenbild und einer spezifischen Vorstellung von Gerechtigkeit. Er geht vom vernunftbegabten Menschen aus, der seine Interessen verfolgt, aber unter dem Schleier des Nichtwissens faire Entscheidungen trifft.
Quote: "Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind so zu regeln, dass sie den am wenigsten Begünstigten die bestmöglichen Aussichten bringen."
Diese Aussage verdeutlicht Rawls' Differenzprinzip. Er argumentiert, dass gewisse Ungleichheiten gerechtfertigt sein können, wenn sie der gesamten Gesellschaft und insbesondere den am wenigsten Begünstigten zugutekommen.
Example: Eine Einkommensungleichheit zwischen einem Unternehmer und einem ungelernten Arbeiter kann als Anreiz für Aufstieg und Weiterentwicklung dienen.
Rawls lehnt die Idee einer vollständigen Gleichheit der Einkommen ab. Er argumentiert, dass dies zu einem Niveauverfall führen würde:
- Anstrengung und Eigeninitiative würden sich nicht mehr lohnen.
- Das Gesamtniveau der Gesellschaft und die Förderung der ungelernten Arbeiter würden sinken.
- Das Lebensniveau aller Menschen würde unter dem Niveau des ungelernten Arbeiters in der ungleichen Situation liegen.
Trotz ihrer Einflussreichkeit ist Rawls' Theorie der Gerechtigkeit nicht ohne Kritik geblieben:
Highlight: Kritiker wie Michael Sandel halten die Neutralität durch den Schleier des Nichtwissens für eine Illusion und einen Irrtum.
Weitere Kritikpunkte umfassen:
- Rawls unterschätzt möglicherweise das Konfliktpotenzial in realen Gesellschaften.
- Das Menschenbild wird durch den Schleier des Unwissens idealisiert, wobei wichtige Aspekte wie Diskriminierung aufgrund von Rasse, Behinderung, Geschlecht oder Sexualität vernachlässigt werden.
Diese Kritikpunkte zeigen die Herausforderungen bei der praktischen Anwendung von Rawls' Theorie auf reale gesellschaftliche Probleme.



