Geschichtskultur und Erinnerungskultur sind zentrale Konzepte, die beschreiben, wie Gesellschaften... Mehr anzeigen
Geschichte und Erinnerungskultur: Dimensionen und Ereignisse











Grundlagen der Geschichts- und Erinnerungskultur
Geschichte existiert nicht objektiv, sondern wird durch bewusste Akte der Historiker konstruiert. Nach Jeismann ist Geschichte immer ein Bewusstseinskonstrukt, das durch Quellen gestützt, aber auch durch gegenwärtiges Selbstverständnis strukturiert wird.
Jörn Rüsen definiert Geschichtskultur als Gesamtbereich der Aktivitäten des Geschichtsbewusstseins. Dazu gehören Museen, Fachwissenschaft, Universitäten, Schulen, Denkmäler sowie moderne Medien. Diese Institutionen erfüllen unterschiedliche Funktionen wie Konservierung, Bildung, Forschung, Unterhaltung und Erinnerung.
Erinnerungskultur ist nach Cornelißen der Oberbegriff für alle bewussten Formen der Erinnerung an historische Ereignisse, Persönlichkeiten und Prozesse. Träger können Individuen, Gruppen oder Staaten sein, wobei das Ziel die Stärkung der Gruppenidentität ist.
💡 Die Geschichte, wie wir sie kennen, ist keine objektive Wahrheit, sondern immer eine Interpretation, die durch gegenwärtige Interessen und Bedürfnisse geprägt wird.
Im Geschichtsunterricht lernen wir zudem zwischen verschiedenen Quellentypen zu unterscheiden: Überreste (unbeabsichtigte Hinterlassenschaften wie Flugblätter oder Tagebücher) und Traditionsquellen (bewusst für die Geschichtsübermittlung geschaffene Quellen wie Denkmäler oder Straßennamen).

Formen historischer Sinnbildung nach Rüsen
Jörn Rüsen unterscheidet vier Formen historischer Sinnbildung, die in der Geschichtskultur erkennbar sind:
-
Traditionale historische Sinnbildung: Sie legitimiert heutiges Leben durch Bezug auf Ursprünge der Gesellschaftsformen. Beispiele sind der 3. Oktober als deutscher Nationalfeiertag oder der 4. Juli als amerikanischer Unabhängigkeitstag.
-
Exemplarische historische Sinnbildung: Aus der Vergangenheit werden Lehren gezogen. Dies zeigt sich in Verfassungen wie dem Grundgesetz oder dem Versailler Vertrag.
-
Kritische historische Sinnbildung: Sie grenzt sich bewusst von der Vergangenheit ab und setzt herrschende Deutungsmuster außer Kraft, wie bei der feministischen Geschichtsschreibung.
-
Genetische historische Sinnbildung: Geschichte wird als zielgerichteter Prozess verstanden, beispielhaft in der Barbarossa-Sage (Reichsmythos).
Die Geschichtskultur umfasst außerdem drei Dimensionen, die sich ständig überlappen:
-
Die ästhetische Dimension betrifft die künstlerische Gestaltung historischer Ereignisse, etwa in Filmen oder Denkmälern.
-
Die politische Dimension nutzt historische Erinnerung zur Legitimierung von Herrschaft, wie bei nationalen Feiertagen oder Siegesparaden.
-
Die kognitive Dimension entwickelt Standards, nach denen historisches Wissen gewonnen und auf Wahrheit überprüft werden kann.
💡 Alle drei Dimensionen bieten Orientierung und Sinnbildung in der Gesellschaft und prägen, wie wir kollektiv mit Geschichte umgehen.

Kollektives Gedächtnis und Formen der Erinnerung
Das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft lässt sich nach Assmann/Assmann in zwei Hauptformen unterteilen:
Das kommunikative Gedächtnis umfasst die jüngste Vergangenheit und reicht etwa 80 Jahre zurück. Es besteht oft aus Bruchstücken und kann mit der Zeit verblassen. Im Gegensatz dazu steht das kulturelle Gedächtnis, das systematisch sortiert und durch verschiedene Medien konserviert wird: Feste, Denkmäler, Gemälde, Bücher und Museen.
Die Geschichtskultur manifestiert sich in verschiedenen Erscheinungsformen mit unterschiedlicher Reichweite:
- Große Reichweite: Gedenktage
- Mittlere Reichweite: Museen, Filme, Paraden
- Geringe Reichweite: Denkmäler, lokale Museen
Die Intensität der Erinnerung variiert je nach Intentionalität:
- Bewusst gestaltet: Denkmäler, Gedenkstätten, nationale Feiertage
- Offen: Straßennamen, Filme
- Nicht-intentional: Computerspiele
💡 Erinnerungskultur ist nicht nur in offiziellen Gedenkstätten präsent, sondern durchdringt unseren Alltag in vielfältigen Formen – von Straßennamen bis zu Filmen und Büchern.
Je nach Ort der Nutzung können Geschichtskulturelle Phänomene im öffentlichen Raum (Museen, Denkmäler), an speziellen Orten ("Living History", Gedenkstätten) oder zu Hause (historische Romane, Filme) erlebt werden. Die Motivation kann dabei von außen vorgegeben (Gedenktage, Feiertage), punktuell (Jubiläen, Ausstellungen) oder dauerhaft (Straßennamen, Denkmäler) sein.

Funktionen historischer Erinnerung und Geschichtsunterricht
Historische Erinnerung erfüllt verschiedene Funktionen in der Gesellschaft:
Legitimatorische Erinnerung dient der Rechtfertigung von Herrschaft und heutigen Lebensformen sowie der Identitätsstiftung. Die kritische Erinnerung hingegen gedenkt eigener Schuld, hinterfragt Geschichte und schafft eine reflektierte Identität – eine neue Form der Erinnerung in der deutschen Geschichtskultur.
Daneben gibt es negative Erinnerung, die mit Emotionen wie Angst oder Trauer verknüpft ist, sowie spezielle Erinnerungen bestimmter Gruppen, etwa innerhalb von Dörfern oder Familien.
Der Geschichtsunterricht wurde historisch stark für ideologische Zwecke instrumentalisiert:
- 1938 : Stärkung der nationalen Identität und Festigung der NS-Ideologie
- 1968 (DDR): Stärkung der gesellschaftlichen Identität und Festigung der sozialistischen Ideologie
- Niedersachsen (moderne Demokratie): Stärkung der individuellen Identität und Erhaltung der Demokratie
💡 Totalitäre Staaten betonen das Aufgehen des Individuums in der Gemeinschaft, während demokratische Staaten die persönliche Entwicklung des Einzelnen in den Mittelpunkt stellen.
Nach Hans Jürgen Pandel gibt es verschiedene Formen der "Wahrheit" in historischen Darstellungen:
- Faktenauthentizität: Personen und Ereignisse gab es wirklich
- Typenauthentizität: Personen und Ereignisse sind typisch für die Zeit
- Quellenauthentizität: Darstellung basiert direkt auf einer Quelle
- Repräsentationsauthentizität: Dargestelltes ist exemplarisch und allgemeingültig

Gedenktage und ihre Dekonstruktion
Warum werden Denkmäler errichtet und wie wird ein Ereignis "gedenktagswürdig"? Nach Aleida Assmann müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
- Die Identität einer Gruppe muss untrennbar mit der Erinnerung an das Ereignis verbunden sein.
- Das Ereignis muss durch eine "Erinnerungsgemeinschaft" institutionell verankert sein.
- Das Ereignis braucht eine intensive mediale Aufbereitung sowie einen konkreten Ort.
Um einen Gedenktag zu dekonstruieren, sollten wir folgende Aspekte analysieren:
- Ursprung und historischer Kontext des Tages
- Art der Feier oder des Gedenkens
- Verbundene Gruppenidentität
- Vermittelte Botschaft
- Ort der Feier
- Institutionelle Verankerung
- Effektivität der Gestaltung
💡 Bei der Analyse von Gedenktagen ist es wichtig, zwischen dem historischen Ereignis selbst und seiner späteren Instrumentalisierung zu unterscheiden.
Die Dimensionen eines Feiertags umfassen außerdem die historische Richtigkeit – also die Frage, inwieweit die öffentliche Erinnerung mit den tatsächlichen historischen Fakten übereinstimmt. Wie bei anderen geschichtskulturellen Phänomenen spielt auch hier die politische Dimension eine wichtige Rolle.

Deutschlands historischer Sonderweg
Karl Dietrich Bracher beschreibt einen deutschen "Sonderweg" in sechs historischen Phasen:
-
Frühe Neuzeit: Deutschland scheitert an der Bildung einer Zentralregierung aufgrund zersplitterter Einzelstaaten – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern.
-
Französische Revolution: Nach anfänglicher Begeisterung entwickelt sich eine Ablehnung gegen Napoleon. Nach den Befreiungskriegen werden Fürstentümer wieder gestärkt (1815).
-
Revolution von 1848/49: Eine aufkünstliche Haltung entwickelt sich; der "Sonderweg" beginnt. Die Revolution erfolgt "von oben" durch die Bürokratie. Strukturelle Probleme zeigen sich bereits.
-
Imperialismus/1. Weltkrieg: Deutschland erfährt eine späte Entwicklung (Kolonien, Demokratie) und leidet unter Demokratiedefizit.
-
Weimarer Republik: Der Versailler Vertrag führt zu Misstrauen gegenüber dem Westen und zur Isolierung Deutschlands.
-
Nationalsozialismus: Biologisch-rassistische Begründung von Macht.
Heinrich August Winkler sieht das Ende des deutschen Sonderwegs nach 1945. Positiv bewertet er die zunehmende Integration Deutschlands ins Weltgeschehen und die wachsende internationale Verantwortung.
💡 Während der deutsche "Sonderweg" vor 1945 oft mit nationalem Stolz verbunden war, wird er heute kritisch reflektiert – ein Beispiel für den Wandel im deutschen Geschichtsbewusstsein.
Allerdings gibt es auch neue Herausforderungen: Deutschland kann sich nicht aus Konflikten heraushalten und muss die Integration von Ausländern bewältigen.

Das deutsche Selbstverständnis im historischen Wandel
Die deutsche Geschichtskultur wurde stark von der Reichsgründung 1871 geprägt. Preußisch-deutsche Historiker entwarfen eine nationale Erzählung, die die Vereinigung der zuvor zersplitterten Fürstentümer als Verwirklichung der "Freiheitshoffnungen" darstellte.
Diese nationale Erzählung sollte den Blick der Deutschen von lokalen Gegebenheiten auf die größere nationale Gemeinschaft lenken. Die Konstruktion dieser Erzählung ist ein klassisches Beispiel dafür, wie Denkmäler und Geschichtsbilder entstehen – sie werden bewusst geschaffen, um ein bestimmtes Selbstverständnis zu fördern.
Die nationale Erzählung wurde zum Fundament des deutschen Selbstverständnisses im Kaiserreich und wirkte weit ins 20. Jahrhundert hinein. Sie zeigt exemplarisch, wie Geschichtsbewusstsein gezielt geformt werden kann und wie eng Geschichtskultur und Erinnerungskultur mit politischen Interessen verknüpft sind.
💡 Historische Narrative werden nicht einfach gefunden, sondern aktiv konstruiert, um bestimmte Identitäten zu stärken und politische Ziele zu unterstützen.
Diese Beispiele verdeutlichen, wie stark unser Bild von der Vergangenheit durch gegenwärtige Bedürfnisse geprägt wird – ein Kerngedanke moderner Geschichtswissenschaft.

Der 9. November 1848: Die Märzrevolution
Der 9. November 1848 ist Teil der geschichtlichen Ereignisse der Märzrevolution, die zu den bedeutendsten geschichtskulturellen Phänomenen in Deutschland gehört. Die Revolution hatte drei Hauptziele: nationale Einheit, politische Verfassung sowie Freiheit und Gleichheit.
Die Ursachen waren vielfältig: hohe Arbeitslosigkeit, Missernten, Pressezensur nach dem Wiener Kongress, Karlsbader Beschlüsse und ein wachsendes deutsches Nationalbewusstsein. Ausgelöst wurde die Revolution durch die erfolgreiche Februarrevolution 1848 in Frankreich.
Der Verlauf begann in Süddeutschland mit den Märzforderungen . Am 18. März kam es in Berlin zu blutigen Barrikadenkämpfen. König Wilhelm IV. gab nach und bekannte sich zur Einheit der deutschen Nation.
Am 18. Mai trat die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen – ein "Juristen- und Beamtenparlament" mit kaum Handwerkern und ohne Arbeiter. Es bildeten sich drei politische Lager, die über die Staatsform (Monarchie oder Republik) und die territoriale Ausdehnung (kleindeutsch oder großdeutsch) uneinig waren.
💡 Die Revolution scheiterte letztlich an der Uneinigkeit der Revolutionäre, der Ablehnung der Kaiserkrone durch Wilhelm IV. und der erfolgreichen Konterrevolution durch Preußen und Österreich.
Trotz des offiziellen Scheiterns hatte die Revolution wichtige Folgen: Die feudale Ordnung wurde aufgelöst, die Pressezensur gelockert, die Rechtssicherheit verbessert und die Gewerbefreiheit eingeführt. Außerdem gilt sie als Geburtsstunde der heutigen politischen Parteien.

Der 9. November 1918: Die Novemberrevolution
Der 9. November 1918 gehört zu den bedeutendsten Daten der deutschen Geschichte und ist ein wichtiges Element der deutschen Erinnerungskultur. An diesem Tag überschlugen sich die Ereignisse der Novemberrevolution.
Die Vorgeschichte: Die Oberste Heeresleitung empfahl Kaiser Wilhelm II. einen schnellen Waffenstillstand und übergab die Regierungsgewalt an demokratische Parteien, um die Verantwortung für die Kriegsniederlage abzugeben. Die deutsche Bevölkerung war kriegsmüde und litt unter Versorgungsengpässen.
Trotz aussichtsloser Lage rief die deutsche Marineleitung am 24. Oktober 1918 zu einem Flottenbefehl gegen England auf. Kieler Matrosen widersetzten sich diesem Befehl und lösten damit den Kieler Matrosenaufstand aus. Dieser Protest entwickelte sich zu einer landesweiten Revolution mit Arbeiter- und Soldatenräten in vielen Städten.
Am 9. November 1918 verkündete Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und übergab die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert (MSPD). An diesem Tag kam es zur doppelten Ausrufung der Republik:
- Um 14 Uhr verkündete Philipp Scheidemann vom Fenster des Reichstags die parlamentarische Republik
- Um 16 Uhr rief Karl Liebknecht vor dem Berliner Stadtschloss die sozialistische Räterepublik aus
💡 Der 9. November 1918 markiert das Ende der Monarchie in Deutschland und den Beginn der ersten deutschen Demokratie – ein entscheidender Wendepunkt im deutschen Geschichtsbewusstsein.
Die Hauptursachen der Revolution waren die Kriegsmüdigkeit der Gesellschaft, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges (Mangelernährung) und das verlorene Vertrauen in die Regierung, die trotz Siegesversprechen den Krieg verloren hatte.

Der 9. November 1923: Der Hitler-Ludendorff-Putsch
Am 9. November 1923 fand ein weiteres bedeutsames Ereignis statt, das zur Vielschichtigkeit des 9. November als Schicksalstag der deutschen Geschichte beiträgt: der Hitler-Ludendorff-Putsch. An diesem Tag wurde die "nationale Revolution" von Adolf Hitler ausgerufen.
Dieser Putschversuch der Nationalsozialisten scheiterte zwar, wurde aber später zu einem wichtigen Element der NS-Geschichtskultur und -Propaganda. Der 9. November 1923 zeigt, wie historische Ereignisse politisch instrumentalisiert werden können.
💡 Der gescheiterte Hitler-Putsch von 1923 illustriert, wie historische Ereignisse später umgedeutet werden können – was im NS-Regime durch die Verherrlichung der "Blutzeugen der Bewegung" geschah.
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Geschichte und Erinnerungskultur: Dimensionen und Ereignisse
Geschichtskultur und Erinnerungskultur sind zentrale Konzepte, die beschreiben, wie Gesellschaften mit ihrer Vergangenheit umgehen und diese für die Gegenwart nutzbar machen. Sie umfassen vielfältige Phänomene vom Denkmalsbau bis zur politischen Instrumentalisierung historischer Ereignisse und prägen maßgeblich unser kollektives Geschichtsbewusstsein.

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Grundlagen der Geschichts- und Erinnerungskultur
Geschichte existiert nicht objektiv, sondern wird durch bewusste Akte der Historiker konstruiert. Nach Jeismann ist Geschichte immer ein Bewusstseinskonstrukt, das durch Quellen gestützt, aber auch durch gegenwärtiges Selbstverständnis strukturiert wird.
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Kritische historische Sinnbildung: Sie grenzt sich bewusst von der Vergangenheit ab und setzt herrschende Deutungsmuster außer Kraft, wie bei der feministischen Geschichtsschreibung.
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Genetische historische Sinnbildung: Geschichte wird als zielgerichteter Prozess verstanden, beispielhaft in der Barbarossa-Sage (Reichsmythos).
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Heinrich August Winkler sieht das Ende des deutschen Sonderwegs nach 1945. Positiv bewertet er die zunehmende Integration Deutschlands ins Weltgeschehen und die wachsende internationale Verantwortung.
💡 Während der deutsche "Sonderweg" vor 1945 oft mit nationalem Stolz verbunden war, wird er heute kritisch reflektiert – ein Beispiel für den Wandel im deutschen Geschichtsbewusstsein.
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Der 9. November 1848 ist Teil der geschichtlichen Ereignisse der Märzrevolution, die zu den bedeutendsten geschichtskulturellen Phänomenen in Deutschland gehört. Die Revolution hatte drei Hauptziele: nationale Einheit, politische Verfassung sowie Freiheit und Gleichheit.
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Der Verlauf begann in Süddeutschland mit den Märzforderungen . Am 18. März kam es in Berlin zu blutigen Barrikadenkämpfen. König Wilhelm IV. gab nach und bekannte sich zur Einheit der deutschen Nation.
Am 18. Mai trat die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen – ein "Juristen- und Beamtenparlament" mit kaum Handwerkern und ohne Arbeiter. Es bildeten sich drei politische Lager, die über die Staatsform (Monarchie oder Republik) und die territoriale Ausdehnung (kleindeutsch oder großdeutsch) uneinig waren.
💡 Die Revolution scheiterte letztlich an der Uneinigkeit der Revolutionäre, der Ablehnung der Kaiserkrone durch Wilhelm IV. und der erfolgreichen Konterrevolution durch Preußen und Österreich.
Trotz des offiziellen Scheiterns hatte die Revolution wichtige Folgen: Die feudale Ordnung wurde aufgelöst, die Pressezensur gelockert, die Rechtssicherheit verbessert und die Gewerbefreiheit eingeführt. Außerdem gilt sie als Geburtsstunde der heutigen politischen Parteien.

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Der 9. November 1918: Die Novemberrevolution
Der 9. November 1918 gehört zu den bedeutendsten Daten der deutschen Geschichte und ist ein wichtiges Element der deutschen Erinnerungskultur. An diesem Tag überschlugen sich die Ereignisse der Novemberrevolution.
Die Vorgeschichte: Die Oberste Heeresleitung empfahl Kaiser Wilhelm II. einen schnellen Waffenstillstand und übergab die Regierungsgewalt an demokratische Parteien, um die Verantwortung für die Kriegsniederlage abzugeben. Die deutsche Bevölkerung war kriegsmüde und litt unter Versorgungsengpässen.
Trotz aussichtsloser Lage rief die deutsche Marineleitung am 24. Oktober 1918 zu einem Flottenbefehl gegen England auf. Kieler Matrosen widersetzten sich diesem Befehl und lösten damit den Kieler Matrosenaufstand aus. Dieser Protest entwickelte sich zu einer landesweiten Revolution mit Arbeiter- und Soldatenräten in vielen Städten.
Am 9. November 1918 verkündete Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und übergab die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert (MSPD). An diesem Tag kam es zur doppelten Ausrufung der Republik:
- Um 14 Uhr verkündete Philipp Scheidemann vom Fenster des Reichstags die parlamentarische Republik
- Um 16 Uhr rief Karl Liebknecht vor dem Berliner Stadtschloss die sozialistische Räterepublik aus
💡 Der 9. November 1918 markiert das Ende der Monarchie in Deutschland und den Beginn der ersten deutschen Demokratie – ein entscheidender Wendepunkt im deutschen Geschichtsbewusstsein.
Die Hauptursachen der Revolution waren die Kriegsmüdigkeit der Gesellschaft, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges (Mangelernährung) und das verlorene Vertrauen in die Regierung, die trotz Siegesversprechen den Krieg verloren hatte.

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Der 9. November 1923: Der Hitler-Ludendorff-Putsch
Am 9. November 1923 fand ein weiteres bedeutsames Ereignis statt, das zur Vielschichtigkeit des 9. November als Schicksalstag der deutschen Geschichte beiträgt: der Hitler-Ludendorff-Putsch. An diesem Tag wurde die "nationale Revolution" von Adolf Hitler ausgerufen.
Dieser Putschversuch der Nationalsozialisten scheiterte zwar, wurde aber später zu einem wichtigen Element der NS-Geschichtskultur und -Propaganda. Der 9. November 1923 zeigt, wie historische Ereignisse politisch instrumentalisiert werden können.
💡 Der gescheiterte Hitler-Putsch von 1923 illustriert, wie historische Ereignisse später umgedeutet werden können – was im NS-Regime durch die Verherrlichung der "Blutzeugen der Bewegung" geschah.
Wir dachten schon, du fragst nie...
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