Die Lösung der "Deutschen Frage" unter preußischer Führung
Nach dem Scheitern der Revolution von 1848 verstummte der Wunsch nach nationaler Einheit Deutschlands keineswegs. Wilhelm IV. hatte 1849 zwar die Kaiserkrone abgelehnt, doch die wirtschaftliche Annäherung der deutschen Staaten schritt weiter voran. Der Deutsche Zollverein spielte dabei eine entscheidende Rolle, da er die Vorteile eines zusammenwachsenden Marktes demonstrierte.
In den 1850er-Jahren etablierte sich Preußen als Hoffnungsträger des deutschen Bürgertums für die nationale Einigung. Im Gegensatz zu Österreich, das zum Absolutismus zurückkehrte, blieb Preußen ein konstitutioneller Staat - allerdings mit starker monarchischer Kontrolle. Die Preußische Verfassung von 1850 sicherte dem König erheblichen Einfluss, indem sie ihm gemeinsam mit den zwei Kammern die gesetzgebende Gewalt übertrug.
Das berüchtigte Dreiklassenwahlrecht in Preußen teilte Wähler nach ihrem Steueraufkommen in drei Klassen ein. Dabei konnte in der ersten Klasse manchmal ein einziger Urwähler die Wahlmänner bestimmen. Dieses ungleiche System, bei dem die Stimmen öffentlich abgegeben wurden, blieb bis 1918 in Kraft und sicherte den Konservativen die Macht.
Gut zu wissen: Der 1862 zum Ministerpräsidenten ernannte Otto von Bismarck spielte eine Schlüsselrolle bei der Lösung der Deutschen Frage. Der aus einer märkischen Adelsfamilie stammende Politiker nutzte seine Macht geschickt, um die preußischen Interessen voranzutreiben und schließlich die deutsche Einigung unter preußischer Führung zu erreichen.

































