Voraussetzungen der Industrialisierung in England
Die industrielle Revolution begann um 1780, obwohl erste Anzeichen bereits um 1750 sichtbar waren. Du erkennst sie am starken Wachstum bestimmter Wirtschaftszweige wie der Textilindustrie und dem Kohlebergbau sowie an einer Bevölkerungsexplosion.
England bot ideale politische Voraussetzungen: Die Entfeudalisierung der Gesellschaft lockerte Ständeschranken und schuf größere wirtschaftliche Freiheiten. Das Land war zudem die größte Handelsmacht Europas mit dominierender Flotte und musste keine Kriege auf eigenem Territorium führen.
Die Agrarrevolution spielte eine entscheidende Rolle: Die landwirtschaftliche Produktion verdreifachte sich zwischen 1700 und 1810. Die ineffektive mittelalterliche Dreifelderwirtschaft wich modernen Anbaumethoden, die Flurbereinigung übertrug Boden an Grundherren und wandelte die Eigenbedarfswirtschaft in eine Erwerbswirtschaft um.
💡 Wusstest du? England war bereits im 16. Jahrhundert ein einheitlicher Wirtschaftsraum ohne Binnenzölle – ein enormer Vorteil gegenüber anderen europäischen Ländern, die noch durch zahlreiche Zollgrenzen zersplittert waren.
Weitere wichtige wirtschaftliche Faktoren waren Englands Monopolstellung als Kolonialmacht mit Zugang zu Märkten in Asien und Lateinamerika, das hochentwickelte Bankwesen zur Finanzierung neuer Fabriken und die Wirtschaftsordnung, die auf Freiheit und Eigeninitiative der Unternehmer setzte.
Gesellschaftlich förderte der Puritanismus einen neuen Arbeitsethos mit Werten wie Genügsamkeit und Disziplin. Gewinnstreben galt als Beweis für Auserwähltheit, wobei Reichtum nicht für Konsum, sondern als Investitionsgrundlage diente – perfekte Voraussetzungen für die kapitalistische Industrialisierung.



