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Der Trafikant: Otto Trsnjek

Der Trafikant: Otto Trsnjek

 Der Trafikant - Figuren
Charakterisierung von Otto Trsnjek
Im Folgenden werde ich mich der Figur des Otto Trsnjek aus dem Roman ,,Der Trafi

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Charakterisierung des Otto Trsnjek aus dem Roman der Trafikant von Robert Seethaler

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Der Trafikant - Figuren Charakterisierung von Otto Trsnjek Im Folgenden werde ich mich der Figur des Otto Trsnjek aus dem Roman ,,Der Trafikant" von Robert Seethaler widmen. Der Roman stammt aus dem Jahre 2012 bzw. 2013 und erschien im Kein & Aber Pocket Verlag. Es geht um den 17-jährigen Franz Huchel aus dem Salzkammergut, der zum Arbeiten von seiner Mutter nach Wien geschickt wird. Dort arbeitet er bei den Trafikanten Otto Trsnjek als Lehrling und entwickelt sich zu einem erwachsenen Mann. Demnach dient der Trafikant als eine Vaterfigur für Franz. Otto Trsnjek ist eine der fünf Hauptfiguren des Romans ,,Der Trafikant" von Robert Seethaler. Sein Nachname ist tschechischen Ursprungs, jedoch werden zu seiner Herkunft keine Informationen mitgeteilt. Otto wird als ein „älterer Mann" beschrieben (S. 23), der 1917 als junger Soldat im Ersten Weltkrieg gedient hat (vgl. S. 69). Der Roman spielt 20 Jahre später im Jahre 1937, was darauf schließen lässt, dass Otto Mitte vierzig sein müsste. Er lebt vermutlich im neunten Wiener Gemeindebezirk an der Währingerstraße und betreibt dort seit 1919 als Trafikant eine Tabaktrafik. Seine Trafik ist eingezwängt zwischen dem Installationsbüro Veithammer und der Fleischerei Roßhuber (vgl. S. 22). Otto ist ein Kriegsinvalide und hat im Ersten Weltkrieg sein linkes Bein verloren, weshalb er auch auf zwei Achselkrücken gehen muss. Er hat seine Trafik...

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als Entschädigung für seinen Kriegsverletzungen vom Staat erhalten (vgl. S. 30). Äußerlich wird er als kleiner Mann mit einer Brille beschrieben. Sein Markenzeichen sind die am linken Beinstumpf zu einem Zipfel zusammengenähte Hose und seine Weste sowie auch die zwischen die Schneidezähne geklemmte Zunge, wenn er sich konzentriert. Ebenso spricht er in einem derben und selbstironischen Ton mit einem Dialekt (vgl. S. 63f.). Der Trafikant lebt allein und war vermutlich auch nie verheiratet. Folglich ist er ein mittelständiger und kinderloser Bürger mit einer Großcousine, welche in Potzneusiedl im Burgenland wohnt. Diese besucht er zu Weihnachten, „um der Seele und [seinem] Bein in der burgenländischen Fadesse ein bisserl Ruhe zu gönnen” (S. 80). Seine einzige, dem Leser bekannte Liebesbeziehung hatte er lange vor Franz' Geburt mit dessen Mutter, Frau Huchel (vgl. S. 15f.). Als Franz Otto von seiner Verliebtheit in Anezka erzählen will (vgl. S. 68), gewährt der desillusionierte Otto dem Jugendlichen einen kurzen Einblick in sein eigenes, einsames Leben. Früher war noch was mit ihm los im Thema Liebe, jedoch ist auch mit dem Bein seine Jugend im Schützengraben liegen geblieben. Dieses nimmt Otto als bitter wahr, er sieht aber auch die angenehme Seite darin, dass ihm die Liebe nichts mehr anhaben kann und auch, dass er in Beziehungen seine Ruhe hat (vgl. S. 68). Sein Lebensinhalt besteht aus der Arbeit in der Trafik. Dort behandelt er das Sortiment, welches er anbietet als seine Familie, Bekannte und Freunde. ,,Und das hier sind meine Bekannten. Meine Freunde. Meine Familie. Am liebsten möchte ich sie alle Behalten" (S. 24). Er kennt sich in seinem Geschäftszweig sehr gut aus, obwohl er ein Nichtraucher ist, aber alles über den Anbau, die Produktion bis zum Geschmack einer guten Zigarre weiß. ,,Eine schlechte Zigarre schmeckt nach Pferdemist [...] eine gute nach Tabak [und] eine sehr gute Zigarre jedoch schmeckt nach der Welt!" (S. 29). Durch das tägliche Zeitungslesen von verschieden Zeitungen besitzt Otto eine gute Allgemeinbildung und ist immer auf dem neusten Stand. Demnach ist er ein kritischer Zeitungsleser, der politisch gebildet ist und eine eigene Meinung besitzt, die er auch vertritt. Ferner legt er großen Wert auf Bildung und Allgemeinwissen. Daraus erkennt man, dass Otto seinen Beruf liebt und aus ihm sein Leben gemacht hat. Er agiert so vorkommend und freundlich mit seinen Kund*innen. Dieses Verhalten lehrt er ebenso Franz. Die Kund*innen sind wie eine Familie für ihn, da sie immer kommen. Er kennt ihre Gewohnheiten und ist zuvorkommend, damit sie sich wohlfühlen und wiederkommen. Des Weiteren besitzt Otto ein gutes Menschenverständnis und spricht sehr direkt, was auch auffällt, als er mit dem Fleischer Roßhuber streitet. Durch die sich entwickelnde Situation in Wien und der Welt wird ebenfalls seine politische Haltung erkennbar. Politisch steht Otto weit links. Ob er Kommunist ist, bleibt jedoch offen. An der gegenwärtigen Politik Österreichs lässt er kein gutes Wort und warnt Franz vor den Nationalsozialisten. So vertritt er die Meinung, dass die Politik alles verhunze und er nicht verstehen kann, warum alle narrisch nach Hitler und schlechten Nachrichten sind, was seiner Meinung nach das Gleiche ist. Ebenso zeigt die Empathie mit dem roten Egon, auch bekannt als der Bolschewist und Arbeitslose Hubert Panstingl, dass er gegen den Nationalsozialismus ist. Er stimmt nämlich eher dem Transparent vom roten Egon, wo darauf steht, dass „die Freiheit eines Volkes braucht die Freiheit seiner Herzen. Es lebe die Freiheit! Es lebe unser Volk! Was lebe Österreich!" zu (S. 146ff.). Beim Thema Juden, welches aufkommt als seine Trafik beschmiert wird, ist er etwas zurückhalten, da er die Juden, wie Sigmund Freud, zwar bedient und in seiner Trafik duldet, aber nicht genauer mit Franz darüber sprechen will (S. 39f.) . So kann man ihn in der gesellschaftlichen Situation als Judenfreund deklarieren (S. 155f.). Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wird Otto Trsnjek von der Gestapo verhaftet. Als Vorwand nehmen sie die erotischen Magazine, die Otto unter der Ladentheke verkauft hat (vgl. S. 155). Letztlich wird er von der Gestapo abgeholt und landet im Hotel Metropol, dem Hauptsitz der Gestapo, wo vergangene und systemkritische Personen verhört, gefoltert und - wie im Falle von Otto - auch getötet werden. Wenn man nun zurück auf die Ausgangsfrage schaut, welche Funktion Otto Trsnjek in Seethalers Roman hat, kommt man zu dem Entschluss, dass dieser die Vaterrolle übernimmt, für einen Vater, den Franz nie hatte. Beide pflegen eine gewisse Distanz zueinander, sind aber über die Beziehung zur Mutter irgendwie doch miteinander verbunden. Franz erfährt zum einen durch Otto die politische Bildung" und zum anderen einen Einstieg in das Berufsleben eines Trafikanten. Jedoch erklärt Otto auch Franz zusammenhänge, wie den Vorfall mit dem roten Egon um ihn aufzuklären. Der Tod Ottos ist wesentlich für die weitere Entwicklung von Franz und maßgeblich für seine „Krise" verantwortlich, die er im Prozess des Erwachsen-Werdens durchlebt. Ohne den Tod Ottos würde Franz auf seinem Weg zum Erwachsen-Werden nicht den Fleischer Roßhuber mit seinem Anschlag auf die Trafik und dessen Verrat Ottos an die Gestapo konfrontieren. Ferner verleitet der Tod Ottos Franz dazu, die einbeinige Hose des ehemaligen Trafikanten an der Fahnenstange vor dem Hotel Metropol zu hissen. Durch diese Aktionen und dem Tod wird Franz selbstständiger, verantwortungsbewusster und vertritt seine eigene Meinung in der Welt der Erwachsenen. Vergleichsweise lehrt er Franz Vernunft und Selbstvertrauen und übermittelt ihm Werte sowie wie er sich im Leben zurechtfinden kann. Folglich kann man Otto als seinen Mentor in gesellschaftspolitischen Fragen sehen (S. 25). Auch verändert sich die Beziehung zwischen Franz und Otto. Anfangs war Otto verärgert über seinen verkaterten Lehrling, dass dieser nicht wahrnimmt, was passiert ist, als in der Nacht die Trafik verschmutzt wurde. ,,Ach, bist du auch schon aufgekrochen?, schrie ichm dee Trafikant entgegen. [...] Mach halt die Augen auf" (S. 60). Doch im weiteren Verlauf, als der rote Egon in der Zeitung auftaucht, versucht er Franz alles zu erklären, damit dieser es nachvollziehen kann (S. 148). Darauf folgt nach der erneuten Zerstörung der Trafik, die Besinnung, dass sich das Aufregen und Beschweren keinen Sinn mehr macht und lieber mit Franz harmonisch Hand in Hand die Trafik wieder auf Vordermann bringt. So besiegelte das gemeinsame Feierabendbier, welches sie aus der Flasche, schweigend, langsam und mit kleinen Schlucken" (S. 153) tranken, die neue Vertrautheit und steht für mehr Ebenbürtigkeit zwischen beiden als zuvor. Nachdem die Gestapo Otto mit dem Vorwand des Verkaufs von „zärtlichen Magazine" verhaftet hat, erkennt er den Ernst der Lage und ist verzweifelt sowie von Angst getrieben. Dadurch zeigt er keinerlei Widerstand und mobilisiert seine letzten Kräfte, um Franzs Versuche, ihm zu helfen, abzuwehren. Dadurch versucht Otto Franz die ganze Tragweite des Geschehens begreiflich zu machen. Schlussendlich braucht er alle seine Kräfte, um die Situation und die Schmerzen auszuhalten - da er Franz' liebevolle Geste nicht annehmen kann, weil er ihn schützen will (S. 158). Zusammenfassend kann man sagen, dass Otto Trsnjek eine Figur ist, die viel Temperament besitzt und sich am Anfang des Romans kämpferisch zeigt, aber dann resigniert. So lassen sich Eigenschaften wie gute Menschenkenntnisse, eine gute Allgemeinbildung und das kritische Zeitungslesen ausmachen. Folglich zeigt er Zivilcourage und schütz Menschen, die er gerne hat. Ebenfalls lässt sich wiederholen, dass Otto die Vaterrolle in dem Roman für Franz übernimmt.

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S. 68), gewährt der desillusionierte Otto dem Jugendlichen einen kurzen Einblick in sein eigenes, einsames Leben. Früher war noch was mit ihm los im Thema Liebe, jedoch ist auch mit dem Bein seine Jugend im Schützengraben liegen geblieben. Dieses nimmt Otto als bitter wahr, er sieht aber auch die angenehme Seite darin, dass ihm die Liebe nichts mehr anhaben kann und auch, dass er in Beziehungen seine Ruhe hat (vgl. S. 68). Sein Lebensinhalt besteht aus der Arbeit in der Trafik. Dort behandelt er das Sortiment, welches er anbietet als seine Familie, Bekannte und Freunde. ,,Und das hier sind meine Bekannten. Meine Freunde. Meine Familie. Am liebsten möchte ich sie alle Behalten" (S. 24). Er kennt sich in seinem Geschäftszweig sehr gut aus, obwohl er ein Nichtraucher ist, aber alles über den Anbau, die Produktion bis zum Geschmack einer guten Zigarre weiß. ,,Eine schlechte Zigarre schmeckt nach Pferdemist [...] eine gute nach Tabak [und] eine sehr gute Zigarre jedoch schmeckt nach der Welt!" (S. 29). Durch das tägliche Zeitungslesen von verschieden Zeitungen besitzt Otto eine gute Allgemeinbildung und ist immer auf dem neusten Stand. Demnach ist er ein kritischer Zeitungsleser, der politisch gebildet ist und eine eigene Meinung besitzt, die er auch vertritt. Ferner legt er großen Wert auf Bildung und Allgemeinwissen. Daraus erkennt man, dass Otto seinen Beruf liebt und aus ihm sein Leben gemacht hat. Er agiert so vorkommend und freundlich mit seinen Kund*innen. Dieses Verhalten lehrt er ebenso Franz. Die Kund*innen sind wie eine Familie für ihn, da sie immer kommen. Er kennt ihre Gewohnheiten und ist zuvorkommend, damit sie sich wohlfühlen und wiederkommen. Des Weiteren besitzt Otto ein gutes Menschenverständnis und spricht sehr direkt, was auch auffällt, als er mit dem Fleischer Roßhuber streitet. Durch die sich entwickelnde Situation in Wien und der Welt wird ebenfalls seine politische Haltung erkennbar. Politisch steht Otto weit links. Ob er Kommunist ist, bleibt jedoch offen. An der gegenwärtigen Politik Österreichs lässt er kein gutes Wort und warnt Franz vor den Nationalsozialisten. So vertritt er die Meinung, dass die Politik alles verhunze und er nicht verstehen kann, warum alle narrisch nach Hitler und schlechten Nachrichten sind, was seiner Meinung nach das Gleiche ist. Ebenso zeigt die Empathie mit dem roten Egon, auch bekannt als der Bolschewist und Arbeitslose Hubert Panstingl, dass er gegen den Nationalsozialismus ist. Er stimmt nämlich eher dem Transparent vom roten Egon, wo darauf steht, dass „die Freiheit eines Volkes braucht die Freiheit seiner Herzen. Es lebe die Freiheit! Es lebe unser Volk! Was lebe Österreich!" zu (S. 146ff.). Beim Thema Juden, welches aufkommt als seine Trafik beschmiert wird, ist er etwas zurückhalten, da er die Juden, wie Sigmund Freud, zwar bedient und in seiner Trafik duldet, aber nicht genauer mit Franz darüber sprechen will (S. 39f.) . So kann man ihn in der gesellschaftlichen Situation als Judenfreund deklarieren (S. 155f.). Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wird Otto Trsnjek von der Gestapo verhaftet. Als Vorwand nehmen sie die erotischen Magazine, die Otto unter der Ladentheke verkauft hat (vgl. S. 155). Letztlich wird er von der Gestapo abgeholt und landet im Hotel Metropol, dem Hauptsitz der Gestapo, wo vergangene und systemkritische Personen verhört, gefoltert und - wie im Falle von Otto - auch getötet werden. Wenn man nun zurück auf die Ausgangsfrage schaut, welche Funktion Otto Trsnjek in Seethalers Roman hat, kommt man zu dem Entschluss, dass dieser die Vaterrolle übernimmt, für einen Vater, den Franz nie hatte. Beide pflegen eine gewisse Distanz zueinander, sind aber über die Beziehung zur Mutter irgendwie doch miteinander verbunden. Franz erfährt zum einen durch Otto die politische Bildung" und zum anderen einen Einstieg in das Berufsleben eines Trafikanten. Jedoch erklärt Otto auch Franz zusammenhänge, wie den Vorfall mit dem roten Egon um ihn aufzuklären. Der Tod Ottos ist wesentlich für die weitere Entwicklung von Franz und maßgeblich für seine „Krise" verantwortlich, die er im Prozess des Erwachsen-Werdens durchlebt. Ohne den Tod Ottos würde Franz auf seinem Weg zum Erwachsen-Werden nicht den Fleischer Roßhuber mit seinem Anschlag auf die Trafik und dessen Verrat Ottos an die Gestapo konfrontieren. Ferner verleitet der Tod Ottos Franz dazu, die einbeinige Hose des ehemaligen Trafikanten an der Fahnenstange vor dem Hotel Metropol zu hissen. Durch diese Aktionen und dem Tod wird Franz selbstständiger, verantwortungsbewusster und vertritt seine eigene Meinung in der Welt der Erwachsenen. Vergleichsweise lehrt er Franz Vernunft und Selbstvertrauen und übermittelt ihm Werte sowie wie er sich im Leben zurechtfinden kann. Folglich kann man Otto als seinen Mentor in gesellschaftspolitischen Fragen sehen (S. 25). Auch verändert sich die Beziehung zwischen Franz und Otto. Anfangs war Otto verärgert über seinen verkaterten Lehrling, dass dieser nicht wahrnimmt, was passiert ist, als in der Nacht die Trafik verschmutzt wurde. ,,Ach, bist du auch schon aufgekrochen?, schrie ichm dee Trafikant entgegen. [...] Mach halt die Augen auf" (S. 60). Doch im weiteren Verlauf, als der rote Egon in der Zeitung auftaucht, versucht er Franz alles zu erklären, damit dieser es nachvollziehen kann (S. 148). Darauf folgt nach der erneuten Zerstörung der Trafik, die Besinnung, dass sich das Aufregen und Beschweren keinen Sinn mehr macht und lieber mit Franz harmonisch Hand in Hand die Trafik wieder auf Vordermann bringt. So besiegelte das gemeinsame Feierabendbier, welches sie aus der Flasche, schweigend, langsam und mit kleinen Schlucken" (S. 153) tranken, die neue Vertrautheit und steht für mehr Ebenbürtigkeit zwischen beiden als zuvor. Nachdem die Gestapo Otto mit dem Vorwand des Verkaufs von „zärtlichen Magazine" verhaftet hat, erkennt er den Ernst der Lage und ist verzweifelt sowie von Angst getrieben. Dadurch zeigt er keinerlei Widerstand und mobilisiert seine letzten Kräfte, um Franzs Versuche, ihm zu helfen, abzuwehren. Dadurch versucht Otto Franz die ganze Tragweite des Geschehens begreiflich zu machen. Schlussendlich braucht er alle seine Kräfte, um die Situation und die Schmerzen auszuhalten - da er Franz' liebevolle Geste nicht annehmen kann, weil er ihn schützen will (S. 158). Zusammenfassend kann man sagen, dass Otto Trsnjek eine Figur ist, die viel Temperament besitzt und sich am Anfang des Romans kämpferisch zeigt, aber dann resigniert. So lassen sich Eigenschaften wie gute Menschenkenntnisse, eine gute Allgemeinbildung und das kritische Zeitungslesen ausmachen. Folglich zeigt er Zivilcourage und schütz Menschen, die er gerne hat. Ebenfalls lässt sich wiederholen, dass Otto die Vaterrolle in dem Roman für Franz übernimmt.