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Goebbels Rede + Analyse

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 Joseph Goebbels, Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943
Historischer Kontext
Die vorliegende Rede hielt Reichspropagandaminister

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Teilauszug aus der Sportpalastrede von Goebbels und die Analyse dazu

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Joseph Goebbels, Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 Historischer Kontext Die vorliegende Rede hielt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast. Gut zwei Wochen zuvor war die deutsche Wehrmacht in Stalingrad völlig aufgerieben worden. Allein im ,,Kessel" starben 150.000 Solda- ten* an den Kampfhandlungen, verhungerten oder erfroren. Zwischen 25.000 und 40.000 Verletzte konnten noch ausgeflogen werden. Von den etwa 108.000 Mann, die in Gefangenschaft gerieten, kehrten bis 1955 nur 5000 bis 6000 zurück. Diese Nieder- lage war von weitreichender Wirkung, sie markierte die nun offensichtliche Wende des Zweiten Weltkrieges. Zudem stand die Front in Afrika vor dem Zusammenbruch und die Alliierten beherrschten den Atlantik. Militärisch war die Situation aussichtslos. Hitler scheute nach der Niederlage von Stalingrad die Öffentlichkeit und trat als Redner nicht mehr in Erscheinung. Bereits um die Jahreswende drängte Goebbels den zögernden Hit- ler zu einer verstärkten Mobilisierung: ,,Je radikaler und totaler wir den Krieg führen", schrieb er in einem Zeitungsartikel am 17. Januar 1943, ,,umso schneller kommen wir zu seinem siegreichen Ende." Das Alltagsleben sollte von allseitigen Kriegsanstrengungen geprägt sein, die Bevölkerung sollte eine gefestigte Haltung zeigen, in der für Zweifel oder gar Widerspruch kein Raum blieb. ,,Es müsse", so notierte Goebbels in seinem Tagebuch, ,,im Hinblick auf die Totali- sierungsmaßnahmen [...] weiter gehetzt und angetrieben werden". Die Rede...

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war als Massenkundgebung genau kalkuliert und insze- niert: Im mit Hakenkreuzfahnen, Spruchbändern und Girlanden ge- schmückten Saal saßen etwa 14.000 ausgewählte treue Parteianhä- nger. Goebbels redete 108 Minuten, wobei der Schlussteil den „ge- heimen Zweck der Rede" (Iring Fetscher) bildete. Die Reichspropa- gandaleitung veröffentlichte die Rede in einer bearbeiteten Fas- sung** im Druck. ob FOHRER BEFIEHL WIR FOLGEN! TO THE ✪ Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen! Es ist jetzt knapp drei Wochen her, dass ich das letzte Mal bei Gelegenheit der Verlesung der Proklamation des Führers zum Zehnjahrestag der Machtergrei- fung von dieser Stelle aus zu Ihnen und zum deutschen Volke gesprochen 5 habe. Die Krise, in der sich unsere Ostfront augenblicklich befindet, stand da- mals auf dem Höhepunkt. Wir hatten uns im Zeichen des harten Unglücks- schlages, von dem die Nation im Kampf um die Wolga betroffen wurde, am 30. Januar dieses Jahres zusammengefunden zu einer Kundgebung der Ein- heit, der Geschlossenheit, aber auch der festen Willenskraft, mit den Schwie- 10 rigkeiten, die dieser Krieg in seinem vierten Jahre vor uns auftürmt, fertig zu werden. Es war für mich und wohl auch für Sie alle erschütternd, einige Tage später zu vernehmen, dass die letzten heldenhaften Kämpfer von Stalingrad, in dieser Stunde durch die Ätherwellen [Radio] mit uns verbunden, an unserer erheben- 15 den Sportpalastkundgebung teilgenommen haben. Sie funkten in ihrem Schlussbericht, dass sie die Proklamation [Kundgebung] des Führers vernommen und vielleicht zum letzten Male in ihrem Leben mit uns zusammen mit erho- benen Händen die Nationalhymnen gesungen hätten. Welch eine Haltung deutschen Soldatentums in dieser großen Zeit! Welche Verpflichtung aber 20 schließt diese Haltung auch für uns alle, insbesondere für die ganze deutsche Heimat in sich ein! Stalingrad war und ist der große Alarmruf des Schicksals an die deutsche Nation. Ein Volk, das die Stärke besitzt, ein solches Unglück zu ertragen und auch zu überwinden, ja, daraus noch zusätzliche Kraft zu schöpfen, ist unbesiegbar. Das Gedächtnis an die Helden von Stalingrad soll 25 also auch heute bei meiner Rede vor Ihnen und vor dem deutschen Volke eine nicht deren Schuld kein Zweifel an der eigenen Regierung Gedenkt den gefallenden Soldaten in Stalingrad Valo tiefe Verpflichtung für mich und für uns alle sein. [...] [Goebbels beschwört die ,,bolschewistische Gefahr", die ganz Europa bedrohe. Allein das Deutsche Reich sei im Stande, dieser Bedrohung entgegenzutreten. Dazu müsse schnell gehandelt werden: Der totale Krieg sei das Gebot der Stunde.] 1 ,,Ich habe nun heute zu dieser Versammlung einen Aus- schnitt des ganzen deutschen Volkes im besten Sinne des Wortes eingeladen. Vor mir sitzen reihenweise deutsche 30 Verwundete von der Ostfront, Bein- und Armamputierte - (starker Beifall), Bein- und Armamputierte mit zerschos- senen Gliedern, Kriegsblinde, die mit ihren Rote-Kreuz- Schwestern gekommen sind, Männer in der Blüte ihrer Jah- re, die vor sich ihre Krücken stehen haben. Dazwischen 35 zähle ich an die fünfzig Träger des Eichenlaubes und des Ritterkreuzes (stürmische Heilrufe und Beifall): eine glän- zende Abordnung unserer kämpfenden Front! (Heilrufe, Beifall). Hinter ihnen erhebt sich ein Block von Rüs- tungsarbeitern und -arbeiterinnen, aus den Berliner Pan- 40 zerwerken (Heilrufe, starker Beifall). Wieder hinter ihnen sitzen Männer aus der Parteiorganisation, Soldaten aus der kämpfenden Wehrmacht, Ärzte, Wissenschaftler, Künstler, Ingenieure und Architekten, Lehrer, Beamte und Ange- stellte aus den Ämtern und Büros: eine stolze Vertreter- 45 schaft unseres geistigen Lebens in all seinen Schichtungen, dem das Reich gerade jetzt im Kriege Wunder der Erfin- dung und des menschlichen Genies verdankt. Über das ganze Rund (Beifall) des Sportpalastes verteilt sehe ich Tausende von deutschen Frauen (Bravo-Rufe, Beifall). Die 50 Jugend ist hier vertreten und das Greisenalter. Kein Stand, kein Beruf und kein Lebensjahr blieb bei der Einladung un- berücksichtigt. Ich kann also mit Fug und Recht sagen: Was hier vor mir sitzt, ist ein Ausschnitt aus dem ganzen deut- schen Volke an der Front und in der Heimat, - stimmt das? 55 (Stürmische Rufe: ,Ja!', anhaltender Beifall). Allerdings - Juden sind hier nicht vertreten! (Starker Beifall, Zurufe: ,Juden raus!'). Ihr also, meine Zuhörer, repräsentiert in diesem Augenblick für das Ausland die Nation! Und an Euch möchte ich zehn 60 Fragen richten, die Ihr mit dem deutschen Volke vor der ganzen Welt, insbesondere aber vor unseren Feinden, die uns auch in dieser Stunde an ihrem Rundfunk zuhören, be- antworten müßt! Wollt ihr das? (Stürmische Rufe,Ja!'). Die Engländer behaupten, das deutsche Volk habe den 65 Glauben an den Sieg verloren (wiederholte stürmische Rufe: ,Nein!', ,Nie!', ‚Nie- mals!). Ich frage Euch: 70 Glaubt Ihr mit dem Führer und mit uns an den endgültigen, totalen Sieg der deutschen Waffen? (Stürmische 75 Rufe: ,Ja!', starker Bei- fall, Sprechchöre: fünf Mal Sieg Heil! Sieg Heil!'). Ich frage Euch: Seid Ihr entschlossen, 80 dem Führer in der Er- kämpfung des Sieges durch dick und dünn und unter Aufnahme auch der schwersten 85 persönlichen Belastun- gen zu folgen? (Stürmi- sche Rufe: ,Ja!', starker militärische Aus- zeichnungen nennt die anwesenden, verschiedenen Gruppierungen ↳die er selbst ausgesucht hat Repräsentanten der deutschen Nation Beginn der zehn Fragen (Haupteil seiner Rede) 2 Beifall, mehrfach wiederholte Sprechchöre: ,Sieg Heil!', ,Wir grüßen unsern Führer!'). 90 Zweitens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk sei des Kampfes müde (Rufe: ,Nein!', ,Pfui!'). Ich frage Euch: Seid Ihr bereit, mit dem Führer, als Phalanx der Heimat hin- geschlossene ter der kämpfenden Wehrmacht stehend, diesen Kampf mit wilder Entschlossenheit und unbeirrt durch alle Schick- 95 salsfügungen fortzusetzen, bis der Sieg in unsern Händen ist? (Stürmische Rufe: ,Ja!', Starker Beifall). Frontlinie. Drittens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk hat keine Lust mehr, sich der überhandnehmenden Kriegsarbeit, die die Regierung von ihm fordert, zu unterziehen (Pfui- 100 Rufe). Ich frage Euch: Soldaten, Arbeiter und Arbeiterin- nen, seid Ihr und ist das deutsche Volk entschlossen, wenn der Führer es einmal in der Notzeit befehlen sollte, zehn, zwölf, wenn nötig vierzehn und sechzehn Stunden täglich zu arbeiten und das Letzte für den Sieg herzugeben? (Stür- 105 mische Rufe: ,Ja!, starker Beifall). Viertens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regie- rung (Rufe: ,Nein!'). Es will nicht den totalen Krieg, sa- gen die Engländer, sondern die Kapitulation! (Stürmische 110 Rufe, u. a.: ,Nein!', ,Pfui!'). Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Krieg? (Stürmische Rufe: ,Ja'!, starker Beifall, Trampeln und Klatschen). Wollt Ihr ihn (Rufe: ,Wir wollen ihn!"), wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heu- te überhaupt erst vorstellen können? (Stürmische Rufe: ,Ja!' 115 Beifall). Fünftens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk hat sein Vertrauen zum Führer verloren! (Stürmische Empörung und Pfui-Rufe, lang anhaltender Lärm). Ich frage Euch (Sprechchöre, drei Mal: ,Führer befiehl, wir folgen!', Heil- 120 rufe), ich frage Euch: Vertraut Ihr dem Führer? (Rufe, u. a.: ,Ja!'). Ist Eure Bereitschaft, ihm auf allen seinen We- gen zu folgen und alles zu tun, was nötig ist, um den Krieg zum siegreichen Ende zu führen, eine absolute und unein- geschränkte? (Lebhafte Rufe: ,Ja!'). 5 Ich frage Euch als Sechstes: Seid Ihr von nun ab bereit. Eu- 1 * Je nach Quelle gehen die Opferzahlen weit auseinander: Statista nennt sogar 226.000 Tote. Insgesamt starben auf Seiten der deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten mehr als eine Millionen Soldaten. Die Rote Armee verzeichnete ca. 1,13 Millionen Tote zuzüglich zahlreicher Verluste in der Zivilbevölkerung. ** Die Rede wurde live im Radio übertragen und am Abend noch einmal wiederholt. Seinen Auftritt hatte Goebbels sehr genau geplant und geübt: In der riesigen Halle konnte das Publikum Gestik und Mimik des Redners nur erahnen. Deshalb kam der Stimme als eigentliches Suggestionsmittel höchste Bedeutung zu. Die sprecherische Realisierung des Redetextes war so beeindruckend, dass selbst Personen, die dem NS-Regime distanziert gegenüberstanden, mitgerissen wurden. Am 24. Februar 1943 zeigte die Wochenschau Ausschnitte der Rede und die Reaktionen des Publikums. Alle Druckfassungen versuchen, die besonders bedeut- samen und entsprechend betonten Passagen der Rede hervorzuheben. Zuschauerreaktionen wurden verstärkt, wo sie zu schwach ausfielen, oder auch getilgt. wenn sie im Nachhinein unpassend erschienen. Quelle: Geschichte lernen. Historische Reden. 85/2002. S. 54/55. Die Rede wird zitiert nach: Iring Fetscher, Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast 1943: ,,Wollt ihr den totalen Krieg?" Hamburg 1998. S. 94 ff. 3 re ganze Kraft einzusetzen und der Ostfront, unsern kämp- fenden Vätern und Brüdern, die Menschen und Waffen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um den Bolsche- wismus zu besiegen? Seid Ihr dazu bereit? (Rufe: Ja!, star- 130 ker Beifall, Zurufe). Ich frage Euch als Siebentes: Gelobt Ihr mit heiligem Eid der Front, daß die Heimat mit starker, unerschütterlicher Moral hinter der Front steht und ihr alles geben wird, was sie zum Siege nötig hat? (Rufe: Ja'!, starker Beifall). 135 Ich frage Euch achtens: Wollt Ihr, insbesondere Ihr Frau- en selbst, daß die Regierung dafür sorgt, daß auch die letz- te Arbeitskraft auch der Frau der Kriegführung zur Verfü- gung gestellt wird (Rufe weiblicher Stimmen: ,Ja!') und daß die Frau überall da, wo es nur möglich ist, einspringt, um 140 Männer für die Front freizumachen? Wollt Ihr das? (Stür- mische Rufe, insbesondere weiblicher Stimmen: ,Ja!', star- ker Beifall). Ich frage Euch neuntens: Billigt Ihr, wenn nötig, die radi- kalsten Maßnahmen gegen einen kleinen Kreis von Drücke- 145 bergern und Schiebern (stürmische Rufe: Ja!. Starker Bei- fall, Zurufe), die mitten im Kriege Frieden spielen wollen und die Not des Volkes zu eigensüchtigen Zwecken aus- nutzen? (Rufe: ,Aufhängen!. Geschrei). Seid Ihr damit ein- verstanden (Rufe:,Jawohl!'). daß, wer sich am Kriege ver- 150 geht, den Kopf verliert? (Stürmische Rufe: ,Ja!". Starker Beifall). Und nun frage ich Euch zehntens und zuletzt: Wollt Ihr. daß, wie das nationalsozialistische Parteiprogramm das vor- schreibt, gerade im Kriege gleiche Rechte und gleiche 155 Pflichten vorherrschen (Rufe: Ja!), daß die Heimat die schwersten Belastungen des Krieges solidarisch auf ihre Schultern nimmt und daß sie für hoch und niedrig und arm und reich in gleicher Weise verteilt werden? Wollt Ihr das? (Stürmische Rufe: ,Ja!. Stürmischer Beifall). 160 Ich habe Euch gefragt, und Ihr habt mir Eure Antwort nicht vorenthalten. Ihr seid ein Stück Volk. Durch Eure -, Eu- ren Mund hat sich die Stellungnahme des Volkes vor der Welt manifestiert (Zwischenruf: .Wir haben nichts ge- gen...!). Ihr habt unsern Feinden das zugerufen, was sie 5 wissen müssen, damit sie sich keinen Illusionen und falschen Vorstellungen hingeben (Zwischenruf). Somit sind wir, wie von der ersten Stunde unserer Macht an durch all die zehn Jahre hindurch, fest und brüderlich mit dem deut- schen Volke vereint! Der mächtigste Bundesgenosse, den 170 es auf dieser Welt gibt, das Volk selbst, steht hinter uns und ist entschlossen, mit dem Führer - koste es, was es wolle, und unter Aufnahme auch der schwersten Opfer - den Sieg kämpfend zu erstreiten (Bravo-Rufe, starker Beifall). Wenn wir je treu und unverbrüchlich an den Sieg geglaubt 175 haben, dann in dieser Stunde der nationalen Besinnung und der inneren Aufrichtung. Wir sehen ihn greifbar nahe vor uns liegen, - wir müssen nur zufassen! Wir müssen nur die falsche Tatsachen Entschlußkraft aufbringen, alles seinem Dienste unterzu- ordnen; das ist das Gebot der Stunde! Und darum lautet von 180 jetzt ab die Parole: Nun, Volk, steh' auf- und Sturm, brich los! (Stürmische Heilrufe und Beifall, Rufe: Unser Gau- leiter Sieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil! Heilrufe. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied werden into- niert. Beifall, Rufe: ‚Der große deutsche Führer Adolf Hit- 185 ler. Sieg Heil, Sieg Heil!")." Schlussteil: Fasst alle Antworten zusammen und bekräftigt diese 4 Sportpalastrede - Goebbels Redender: Dr. Joseph Goebbels (Minister für Propaganda und Volksaufklärung) & Gauleiter für Berlin Redetypus (Art der Rede): politische Rede Datum & Ort: 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast Adressaten: eigenes ausgewähltes Publikum & zeitgleich alle Hörer des deutschen Rundfunksenders Anlass: der Anschein, dass der Krieg verloren ist; aussichtslose Lage in und um Stalingrad (Soldaten sind eingekesselt und werden zurückgedrückt) (Manipulation) Funktion: manipulierend und appellierend Ziel/ Absicht: möchte die Stimmung in der Gesellschaft wieder positiv stimmen, da es scheint, als wäre der Krieg verloren; möchte zu einen „Totalen Krieg“ aufrufen; Gesellschaft soll wieder Vertrauen in Hitlers Regierung haben noch Redekonstellation / situation Intention: Aufruf zum „Totalen Krieg" -> alles soll sich auf den Krieg fokussieren (Bevölkerung, Politik, Wirtschaft); möchte die uneingeschränkte Zustimmung des Volkes zum Krieg & seine Opfer haben; will seine Feinde (Engländer) einschüchtern und zeigen, dass das deutsche Volk nicht zu unterschätzen ist Aufbau der Rede: Einleitung: - spricht über die Krise an der Ostfront & und lobt die Tapferkeit und die (Z.1-57) Entschlossenheit nicht auf zugeben (Z. 5-11) - Gedenkt den gefallenen Soldaten in Stalingrad (Z.12- 26), verhamlost die Situation - nennt alle Gruppierungen, die er eingeladen hat; alle bis auf die Juden (Z.27-56) ↳ Gemeinschaftgefühl soll geschaffen werden → Wertschätzung ↳breites Spektrum des Volkes (versch. Schichten) Hauptteil: - nennt die Anwesenden als Repräsentanten der deutschen Nation (Z.57f.) (Z.58-159) ↳ Druck » Bollen seine Meinung vertretten - stellte 10 rhetorische Fragen an die Zuhörer: ↳vereinnahmung vom Publikum überleitung: Hiederspruch: „müßt">Hollt ihr das?" ↳> vergleichbar mit den 10. Geboten stellt sich als Heiliger" dar - Beschuldigungen der Engländer (1-5): I. Glaube an den Sieg und den Führer II. Die absolute Entschlossenheit bis zum Sieg durchzusetzen (Versprechen) III. Bis zu 16 Stunden täglich zu arbeiten IV. Den „Totalen Krieg" wollen und nicht die Kapitulation V. Vertrauen in den Führer und ihm bedingungslos zu folgen - Fragen zur Zustimmung (6-10): VI. Kampf gegen den Bolschewismus VII. Sich hinter die kämpfenden Soldaten zu stellen VIII. Den Arbeitseinsatz von Frauen, um die Männer in den Kampf zu entlassen IX. Billigung der „radikalen“ Maßnahmen X. Forderung von Solidarität Schluss: - fasst alle Antworten zusammen un bekräftigt diese (Z.160-185) - es sei die Meinung des Volkes -> „Wenn wir je treu und unverbrüchlich an den Sieg geglaubt haben, dann in dieser Stunde der nationalen Besinnung und der inneren Aufrichtung“ (Z.174-176) Argumentation: - Stellt die Aussagen der Engländer mit den der Deutschen immer wieder gegenüber · -> Abwertung des Gegners oder anderen die nicht die gleiche Meinung haben - Hauptteil: „die Engländer behaupten...“ (Z.90), um die Gegenüberstellung zu verdeutlichen (Publikum wird befragt) - will eine Gemeinschaft unter den Zuhörern schaffen & Hass gegen den Feind schnüren Strategien der Beeinflussung: - Nutz Auf- und Abwertung: lobt die Soldaten in Stalingrad und wertet die Engländer ab (Pausalisierung: Die Engländer" (z. 106) - auf die rhetorischen Fragen gibt es nur positive Antworten - Meinung/Aussagen der Engländer werden durch das Frage-Antwort-Spiel herunter gespielt und abgewertet

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 Joseph Goebbels, Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943
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Joseph Goebbels, Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 Historischer Kontext Die vorliegende Rede hielt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast. Gut zwei Wochen zuvor war die deutsche Wehrmacht in Stalingrad völlig aufgerieben worden. Allein im ,,Kessel" starben 150.000 Solda- ten* an den Kampfhandlungen, verhungerten oder erfroren. Zwischen 25.000 und 40.000 Verletzte konnten noch ausgeflogen werden. Von den etwa 108.000 Mann, die in Gefangenschaft gerieten, kehrten bis 1955 nur 5000 bis 6000 zurück. Diese Nieder- lage war von weitreichender Wirkung, sie markierte die nun offensichtliche Wende des Zweiten Weltkrieges. Zudem stand die Front in Afrika vor dem Zusammenbruch und die Alliierten beherrschten den Atlantik. Militärisch war die Situation aussichtslos. Hitler scheute nach der Niederlage von Stalingrad die Öffentlichkeit und trat als Redner nicht mehr in Erscheinung. Bereits um die Jahreswende drängte Goebbels den zögernden Hit- ler zu einer verstärkten Mobilisierung: ,,Je radikaler und totaler wir den Krieg führen", schrieb er in einem Zeitungsartikel am 17. Januar 1943, ,,umso schneller kommen wir zu seinem siegreichen Ende." Das Alltagsleben sollte von allseitigen Kriegsanstrengungen geprägt sein, die Bevölkerung sollte eine gefestigte Haltung zeigen, in der für Zweifel oder gar Widerspruch kein Raum blieb. ,,Es müsse", so notierte Goebbels in seinem Tagebuch, ,,im Hinblick auf die Totali- sierungsmaßnahmen [...] weiter gehetzt und angetrieben werden". Die Rede...

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Januar dieses Jahres zusammengefunden zu einer Kundgebung der Ein- heit, der Geschlossenheit, aber auch der festen Willenskraft, mit den Schwie- 10 rigkeiten, die dieser Krieg in seinem vierten Jahre vor uns auftürmt, fertig zu werden. Es war für mich und wohl auch für Sie alle erschütternd, einige Tage später zu vernehmen, dass die letzten heldenhaften Kämpfer von Stalingrad, in dieser Stunde durch die Ätherwellen [Radio] mit uns verbunden, an unserer erheben- 15 den Sportpalastkundgebung teilgenommen haben. Sie funkten in ihrem Schlussbericht, dass sie die Proklamation [Kundgebung] des Führers vernommen und vielleicht zum letzten Male in ihrem Leben mit uns zusammen mit erho- benen Händen die Nationalhymnen gesungen hätten. Welch eine Haltung deutschen Soldatentums in dieser großen Zeit! Welche Verpflichtung aber 20 schließt diese Haltung auch für uns alle, insbesondere für die ganze deutsche Heimat in sich ein! Stalingrad war und ist der große Alarmruf des Schicksals an die deutsche Nation. Ein Volk, das die Stärke besitzt, ein solches Unglück zu ertragen und auch zu überwinden, ja, daraus noch zusätzliche Kraft zu schöpfen, ist unbesiegbar. Das Gedächtnis an die Helden von Stalingrad soll 25 also auch heute bei meiner Rede vor Ihnen und vor dem deutschen Volke eine nicht deren Schuld kein Zweifel an der eigenen Regierung Gedenkt den gefallenden Soldaten in Stalingrad Valo tiefe Verpflichtung für mich und für uns alle sein. [...] [Goebbels beschwört die ,,bolschewistische Gefahr", die ganz Europa bedrohe. Allein das Deutsche Reich sei im Stande, dieser Bedrohung entgegenzutreten. Dazu müsse schnell gehandelt werden: Der totale Krieg sei das Gebot der Stunde.] 1 ,,Ich habe nun heute zu dieser Versammlung einen Aus- schnitt des ganzen deutschen Volkes im besten Sinne des Wortes eingeladen. Vor mir sitzen reihenweise deutsche 30 Verwundete von der Ostfront, Bein- und Armamputierte - (starker Beifall), Bein- und Armamputierte mit zerschos- senen Gliedern, Kriegsblinde, die mit ihren Rote-Kreuz- Schwestern gekommen sind, Männer in der Blüte ihrer Jah- re, die vor sich ihre Krücken stehen haben. Dazwischen 35 zähle ich an die fünfzig Träger des Eichenlaubes und des Ritterkreuzes (stürmische Heilrufe und Beifall): eine glän- zende Abordnung unserer kämpfenden Front! (Heilrufe, Beifall). Hinter ihnen erhebt sich ein Block von Rüs- tungsarbeitern und -arbeiterinnen, aus den Berliner Pan- 40 zerwerken (Heilrufe, starker Beifall). Wieder hinter ihnen sitzen Männer aus der Parteiorganisation, Soldaten aus der kämpfenden Wehrmacht, Ärzte, Wissenschaftler, Künstler, Ingenieure und Architekten, Lehrer, Beamte und Ange- stellte aus den Ämtern und Büros: eine stolze Vertreter- 45 schaft unseres geistigen Lebens in all seinen Schichtungen, dem das Reich gerade jetzt im Kriege Wunder der Erfin- dung und des menschlichen Genies verdankt. Über das ganze Rund (Beifall) des Sportpalastes verteilt sehe ich Tausende von deutschen Frauen (Bravo-Rufe, Beifall). Die 50 Jugend ist hier vertreten und das Greisenalter. Kein Stand, kein Beruf und kein Lebensjahr blieb bei der Einladung un- berücksichtigt. Ich kann also mit Fug und Recht sagen: Was hier vor mir sitzt, ist ein Ausschnitt aus dem ganzen deut- schen Volke an der Front und in der Heimat, - stimmt das? 55 (Stürmische Rufe: ,Ja!', anhaltender Beifall). Allerdings - Juden sind hier nicht vertreten! (Starker Beifall, Zurufe: ,Juden raus!'). Ihr also, meine Zuhörer, repräsentiert in diesem Augenblick für das Ausland die Nation! Und an Euch möchte ich zehn 60 Fragen richten, die Ihr mit dem deutschen Volke vor der ganzen Welt, insbesondere aber vor unseren Feinden, die uns auch in dieser Stunde an ihrem Rundfunk zuhören, be- antworten müßt! Wollt ihr das? (Stürmische Rufe,Ja!'). Die Engländer behaupten, das deutsche Volk habe den 65 Glauben an den Sieg verloren (wiederholte stürmische Rufe: ,Nein!', ,Nie!', ‚Nie- mals!). Ich frage Euch: 70 Glaubt Ihr mit dem Führer und mit uns an den endgültigen, totalen Sieg der deutschen Waffen? (Stürmische 75 Rufe: ,Ja!', starker Bei- fall, Sprechchöre: fünf Mal Sieg Heil! Sieg Heil!'). Ich frage Euch: Seid Ihr entschlossen, 80 dem Führer in der Er- kämpfung des Sieges durch dick und dünn und unter Aufnahme auch der schwersten 85 persönlichen Belastun- gen zu folgen? (Stürmi- sche Rufe: ,Ja!', starker militärische Aus- zeichnungen nennt die anwesenden, verschiedenen Gruppierungen ↳die er selbst ausgesucht hat Repräsentanten der deutschen Nation Beginn der zehn Fragen (Haupteil seiner Rede) 2 Beifall, mehrfach wiederholte Sprechchöre: ,Sieg Heil!', ,Wir grüßen unsern Führer!'). 90 Zweitens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk sei des Kampfes müde (Rufe: ,Nein!', ,Pfui!'). Ich frage Euch: Seid Ihr bereit, mit dem Führer, als Phalanx der Heimat hin- geschlossene ter der kämpfenden Wehrmacht stehend, diesen Kampf mit wilder Entschlossenheit und unbeirrt durch alle Schick- 95 salsfügungen fortzusetzen, bis der Sieg in unsern Händen ist? (Stürmische Rufe: ,Ja!', Starker Beifall). Frontlinie. Drittens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk hat keine Lust mehr, sich der überhandnehmenden Kriegsarbeit, die die Regierung von ihm fordert, zu unterziehen (Pfui- 100 Rufe). Ich frage Euch: Soldaten, Arbeiter und Arbeiterin- nen, seid Ihr und ist das deutsche Volk entschlossen, wenn der Führer es einmal in der Notzeit befehlen sollte, zehn, zwölf, wenn nötig vierzehn und sechzehn Stunden täglich zu arbeiten und das Letzte für den Sieg herzugeben? (Stür- 105 mische Rufe: ,Ja!, starker Beifall). Viertens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regie- rung (Rufe: ,Nein!'). Es will nicht den totalen Krieg, sa- gen die Engländer, sondern die Kapitulation! (Stürmische 110 Rufe, u. a.: ,Nein!', ,Pfui!'). Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Krieg? (Stürmische Rufe: ,Ja'!, starker Beifall, Trampeln und Klatschen). Wollt Ihr ihn (Rufe: ,Wir wollen ihn!"), wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heu- te überhaupt erst vorstellen können? (Stürmische Rufe: ,Ja!' 115 Beifall). Fünftens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk hat sein Vertrauen zum Führer verloren! (Stürmische Empörung und Pfui-Rufe, lang anhaltender Lärm). Ich frage Euch (Sprechchöre, drei Mal: ,Führer befiehl, wir folgen!', Heil- 120 rufe), ich frage Euch: Vertraut Ihr dem Führer? (Rufe, u. a.: ,Ja!'). Ist Eure Bereitschaft, ihm auf allen seinen We- gen zu folgen und alles zu tun, was nötig ist, um den Krieg zum siegreichen Ende zu führen, eine absolute und unein- geschränkte? (Lebhafte Rufe: ,Ja!'). 5 Ich frage Euch als Sechstes: Seid Ihr von nun ab bereit. Eu- 1 * Je nach Quelle gehen die Opferzahlen weit auseinander: Statista nennt sogar 226.000 Tote. Insgesamt starben auf Seiten der deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten mehr als eine Millionen Soldaten. Die Rote Armee verzeichnete ca. 1,13 Millionen Tote zuzüglich zahlreicher Verluste in der Zivilbevölkerung. ** Die Rede wurde live im Radio übertragen und am Abend noch einmal wiederholt. Seinen Auftritt hatte Goebbels sehr genau geplant und geübt: In der riesigen Halle konnte das Publikum Gestik und Mimik des Redners nur erahnen. Deshalb kam der Stimme als eigentliches Suggestionsmittel höchste Bedeutung zu. Die sprecherische Realisierung des Redetextes war so beeindruckend, dass selbst Personen, die dem NS-Regime distanziert gegenüberstanden, mitgerissen wurden. Am 24. Februar 1943 zeigte die Wochenschau Ausschnitte der Rede und die Reaktionen des Publikums. Alle Druckfassungen versuchen, die besonders bedeut- samen und entsprechend betonten Passagen der Rede hervorzuheben. Zuschauerreaktionen wurden verstärkt, wo sie zu schwach ausfielen, oder auch getilgt. wenn sie im Nachhinein unpassend erschienen. Quelle: Geschichte lernen. Historische Reden. 85/2002. S. 54/55. Die Rede wird zitiert nach: Iring Fetscher, Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast 1943: ,,Wollt ihr den totalen Krieg?" Hamburg 1998. S. 94 ff. 3 re ganze Kraft einzusetzen und der Ostfront, unsern kämp- fenden Vätern und Brüdern, die Menschen und Waffen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um den Bolsche- wismus zu besiegen? Seid Ihr dazu bereit? (Rufe: Ja!, star- 130 ker Beifall, Zurufe). Ich frage Euch als Siebentes: Gelobt Ihr mit heiligem Eid der Front, daß die Heimat mit starker, unerschütterlicher Moral hinter der Front steht und ihr alles geben wird, was sie zum Siege nötig hat? (Rufe: Ja'!, starker Beifall). 135 Ich frage Euch achtens: Wollt Ihr, insbesondere Ihr Frau- en selbst, daß die Regierung dafür sorgt, daß auch die letz- te Arbeitskraft auch der Frau der Kriegführung zur Verfü- gung gestellt wird (Rufe weiblicher Stimmen: ,Ja!') und daß die Frau überall da, wo es nur möglich ist, einspringt, um 140 Männer für die Front freizumachen? Wollt Ihr das? (Stür- mische Rufe, insbesondere weiblicher Stimmen: ,Ja!', star- ker Beifall). Ich frage Euch neuntens: Billigt Ihr, wenn nötig, die radi- kalsten Maßnahmen gegen einen kleinen Kreis von Drücke- 145 bergern und Schiebern (stürmische Rufe: Ja!. Starker Bei- fall, Zurufe), die mitten im Kriege Frieden spielen wollen und die Not des Volkes zu eigensüchtigen Zwecken aus- nutzen? (Rufe: ,Aufhängen!. Geschrei). Seid Ihr damit ein- verstanden (Rufe:,Jawohl!'). daß, wer sich am Kriege ver- 150 geht, den Kopf verliert? (Stürmische Rufe: ,Ja!". Starker Beifall). Und nun frage ich Euch zehntens und zuletzt: Wollt Ihr. daß, wie das nationalsozialistische Parteiprogramm das vor- schreibt, gerade im Kriege gleiche Rechte und gleiche 155 Pflichten vorherrschen (Rufe: Ja!), daß die Heimat die schwersten Belastungen des Krieges solidarisch auf ihre Schultern nimmt und daß sie für hoch und niedrig und arm und reich in gleicher Weise verteilt werden? Wollt Ihr das? (Stürmische Rufe: ,Ja!. Stürmischer Beifall). 160 Ich habe Euch gefragt, und Ihr habt mir Eure Antwort nicht vorenthalten. Ihr seid ein Stück Volk. Durch Eure -, Eu- ren Mund hat sich die Stellungnahme des Volkes vor der Welt manifestiert (Zwischenruf: .Wir haben nichts ge- gen...!). Ihr habt unsern Feinden das zugerufen, was sie 5 wissen müssen, damit sie sich keinen Illusionen und falschen Vorstellungen hingeben (Zwischenruf). Somit sind wir, wie von der ersten Stunde unserer Macht an durch all die zehn Jahre hindurch, fest und brüderlich mit dem deut- schen Volke vereint! Der mächtigste Bundesgenosse, den 170 es auf dieser Welt gibt, das Volk selbst, steht hinter uns und ist entschlossen, mit dem Führer - koste es, was es wolle, und unter Aufnahme auch der schwersten Opfer - den Sieg kämpfend zu erstreiten (Bravo-Rufe, starker Beifall). Wenn wir je treu und unverbrüchlich an den Sieg geglaubt 175 haben, dann in dieser Stunde der nationalen Besinnung und der inneren Aufrichtung. Wir sehen ihn greifbar nahe vor uns liegen, - wir müssen nur zufassen! Wir müssen nur die falsche Tatsachen Entschlußkraft aufbringen, alles seinem Dienste unterzu- ordnen; das ist das Gebot der Stunde! Und darum lautet von 180 jetzt ab die Parole: Nun, Volk, steh' auf- und Sturm, brich los! (Stürmische Heilrufe und Beifall, Rufe: Unser Gau- leiter Sieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil! Heilrufe. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied werden into- niert. Beifall, Rufe: ‚Der große deutsche Führer Adolf Hit- 185 ler. Sieg Heil, Sieg Heil!")." Schlussteil: Fasst alle Antworten zusammen und bekräftigt diese 4 Sportpalastrede - Goebbels Redender: Dr. Joseph Goebbels (Minister für Propaganda und Volksaufklärung) & Gauleiter für Berlin Redetypus (Art der Rede): politische Rede Datum & Ort: 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast Adressaten: eigenes ausgewähltes Publikum & zeitgleich alle Hörer des deutschen Rundfunksenders Anlass: der Anschein, dass der Krieg verloren ist; aussichtslose Lage in und um Stalingrad (Soldaten sind eingekesselt und werden zurückgedrückt) (Manipulation) Funktion: manipulierend und appellierend Ziel/ Absicht: möchte die Stimmung in der Gesellschaft wieder positiv stimmen, da es scheint, als wäre der Krieg verloren; möchte zu einen „Totalen Krieg“ aufrufen; Gesellschaft soll wieder Vertrauen in Hitlers Regierung haben noch Redekonstellation / situation Intention: Aufruf zum „Totalen Krieg" -> alles soll sich auf den Krieg fokussieren (Bevölkerung, Politik, Wirtschaft); möchte die uneingeschränkte Zustimmung des Volkes zum Krieg & seine Opfer haben; will seine Feinde (Engländer) einschüchtern und zeigen, dass das deutsche Volk nicht zu unterschätzen ist Aufbau der Rede: Einleitung: - spricht über die Krise an der Ostfront & und lobt die Tapferkeit und die (Z.1-57) Entschlossenheit nicht auf zugeben (Z. 5-11) - Gedenkt den gefallenen Soldaten in Stalingrad (Z.12- 26), verhamlost die Situation - nennt alle Gruppierungen, die er eingeladen hat; alle bis auf die Juden (Z.27-56) ↳ Gemeinschaftgefühl soll geschaffen werden → Wertschätzung ↳breites Spektrum des Volkes (versch. Schichten) Hauptteil: - nennt die Anwesenden als Repräsentanten der deutschen Nation (Z.57f.) (Z.58-159) ↳ Druck » Bollen seine Meinung vertretten - stellte 10 rhetorische Fragen an die Zuhörer: ↳vereinnahmung vom Publikum überleitung: Hiederspruch: „müßt">Hollt ihr das?" ↳> vergleichbar mit den 10. Geboten stellt sich als Heiliger" dar - Beschuldigungen der Engländer (1-5): I. Glaube an den Sieg und den Führer II. Die absolute Entschlossenheit bis zum Sieg durchzusetzen (Versprechen) III. Bis zu 16 Stunden täglich zu arbeiten IV. Den „Totalen Krieg" wollen und nicht die Kapitulation V. Vertrauen in den Führer und ihm bedingungslos zu folgen - Fragen zur Zustimmung (6-10): VI. Kampf gegen den Bolschewismus VII. Sich hinter die kämpfenden Soldaten zu stellen VIII. Den Arbeitseinsatz von Frauen, um die Männer in den Kampf zu entlassen IX. Billigung der „radikalen“ Maßnahmen X. Forderung von Solidarität Schluss: - fasst alle Antworten zusammen un bekräftigt diese (Z.160-185) - es sei die Meinung des Volkes -> „Wenn wir je treu und unverbrüchlich an den Sieg geglaubt haben, dann in dieser Stunde der nationalen Besinnung und der inneren Aufrichtung“ (Z.174-176) Argumentation: - Stellt die Aussagen der Engländer mit den der Deutschen immer wieder gegenüber · -> Abwertung des Gegners oder anderen die nicht die gleiche Meinung haben - Hauptteil: „die Engländer behaupten...“ (Z.90), um die Gegenüberstellung zu verdeutlichen (Publikum wird befragt) - will eine Gemeinschaft unter den Zuhörern schaffen & Hass gegen den Feind schnüren Strategien der Beeinflussung: - Nutz Auf- und Abwertung: lobt die Soldaten in Stalingrad und wertet die Engländer ab (Pausalisierung: Die Engländer" (z. 106) - auf die rhetorischen Fragen gibt es nur positive Antworten - Meinung/Aussagen der Engländer werden durch das Frage-Antwort-Spiel herunter gespielt und abgewertet