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Gedichtinterpretation „Der Schatzgräber“ (Abiturklausur 2020)

Gedichtinterpretation „Der Schatzgräber“ (Abiturklausur 2020)

 Zentralabitur 2020
Aufgabe I
Deutsch
Aufgabenart
Textbezogenes Schreiben: Interpretation literarischer Texte
eA
Gewichtung der Aufgaben:
Au

Gedichtinterpretation „Der Schatzgräber“ (Abiturklausur 2020)

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Klausur

Eine Gedichtinterpretation zu „Der Schatzgräber“ von Goethe aus dem Abiturvorschlag 2020 Niedersachsen. Mit Kurzprosavergleich zusätzlich. Bewertung: 13-14 Punkte

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Zentralabitur 2020 Aufgabe I Deutsch Aufgabenart Textbezogenes Schreiben: Interpretation literarischer Texte eA Gewichtung der Aufgaben: Aufgabe 1: 70 % Aufgabe 2: 30 % Niedersächsisches Kultusministerium Material für Prüflinge Aufgabenstellung 1. Interpretieren Sie das Gedicht ,,Der Schatzgräber" von Johann Wolfgang von Goethe (Material 1). Bearbeitungszeit: 300 min 2. Vergleichen Sie Goethes Gedicht „Der Schatzgräber“ (Material 1) und Ror Wolfs Kurzprosatext (Material 2) hinsichtlich der Gestaltung der zentralen Motivik. Seite 1 von 4 Zentralabitur 2020 Aufgabe I Material 1 5 10 15 Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): Der Schatzgräber (1797) (abgedruckt in: Johann Wolfgang von Goethe: Goethes Werke. Ausgabe in 14 Bänden. Textkritisch durchgesehen und mit Anmerkungen versehen von Erich Trunz. Bd. 1: Gedichte und Epen I. 7. Aufl. Hamburg 1964, S. 265f.) 20 Deutsch Arm am Beutel, krank am Herzen, Schleppt' ich meine langen Tage. Armut ist die größte Plage, Reichtum ist das höchste Gut! Und zu enden meine Schmerzen, Ging ich, einen Schatz zu graben. ,,Meine Seele sollst du haben!" Schrieb ich hin mit eignem Blut. Und so zog ich Kreis' um Kreise, Stellte wunderbare Flammen, Kraut und Knochenwerk zusammen: Die Beschwörung war vollbracht. Und auf die gelernte Weise Grub ich nach dem alten Schatze Auf dem angezeigten Platze: Schwarz und stürmisch war die Nacht. Und ich sah ein Licht von weiten, Und es kam gleich einem Sterne Hinten aus der fernsten Ferne, Eben als es zwölfe schlug. Und da galt kein Vorbereiten. Heller ward's mit einem Male Von dem Glanz der vollen Schale, Die ein schöner Knabe trug. Niedersächsisches Kultusministerium eA Material für...

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Prüflinge Bearbeitungszeit: 300 min Seite 2 von 4 Zentralabitur 2020 Aufgabe I 25 30 35 40 Holde Augen sah ich blinken Unter dichtem Blumenkranze; In des Trankes Himmelsglanze Trat er in den Kreis herein. Und er hieß mich freundlich trinken; Und ich dacht': es kann der Knabe Mit der schönen lichten Gabe Wahrlich nicht der Böse sein. Deutsch ,,Trinke Mut des reinen Lebens! Dann verstehst du die Belehrung, Kommst mit ängstlicher Beschwörung Nicht zurück an diesen Ort. Grabe hier nicht mehr vergebens! Tages Arbeit, abends Gäste! Saure Wochen, frohe Feste! Sei dein künftig Zauberwort." Anmerkungen: (1) Beutel: hier: Geldbeutel (32) der Böse: gemeint ist der Teufel Niedersächsisches Kultusministerium eA Material für Prüflinge Bearbeitungszeit: 300 min Rechtschreibung und Zeichensetzung sowie der Einzug am Anfang der letzten Strophe entsprechen der Textquelle. Seite 3 von 4 Zentralabitur 2020 5 Aufgabe I Material 2 Deutsch eA Niedersächsisches Kultusministerium Material für Prüflinge Ror Wolf (1932-2020): [Ohne Titel] (1987) (abgedruckt in: Ror Wolf: Mehrere Männer. Zweiundachtzig ziemlich kurze Geschichten, zwölf Colla- gen und eine längere Reise. Darmstadt 1987, S. 99.) Ein Mann setzte sich eines Abends in die Eisenbahn, um in eine Gegend zu fahren, in der er sein Glück machen wollte. Er aß unterwegs nichts, rauchte aber sehr stark. Am Morgen bemerkte er plötzlich, daß ihn beim Anblick von Bergspitzen und leicht gebogenen Brücken ein Unbehagen beschlich. Er wurde von dem Gedanken ge- plagt, sich vorübergehend in Abgründe stürzen zu müssen; ein schwindelartiger Zu- stand überkam ihn. Er warf erst das Taschentuch und einen ihm anvertrauten Brief aus dem Fenster und später auch seine Gepäckstücke. Als er dann im Begriff war, sich selber hinauszuschwingen, wovon ihn die Mitreisenden allerdings abhalten konnten, gab er die Reise und das Glück und die Gegend auf, in der er es machen 10 wollte. Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle. Bearbeitungszeit: 300 min Seite 4 von 4 Abituraufgabe 2020 Aufgabe 1 Die Ballade ,,Der Schatzgräber", die von Johann Wolfgang von Goethe verfasst, im Jahr 1797 veröffentlicht wurde und der Epoche des Sturm und Drang und der Klassik zuzuordnen ist, thematisiert die Belehrung eines Schatzgräbers, der bei der Suche nach dem Reichtum von einer engelsgleichen Gestalt aufgesucht wird. Zu vermuten ist, dass das Gedicht epochentypisch auf die Wichtigkeit der Selbstverwirklichung durch Disziplin und Fleiß aufmerksam machen möchte. Dabei solle vermutlich herausgestellt werden, dass dieses Streben nach individueller Freiheit über den Materialismus gestellt werden sollte. Die erste der fünf Strophen handelt von dem lyrischen Ich, welches über Armut und Anstrengung klagt. Es hat die Vorstellung, dass der Reichtum der größte Gewinn sei, der die Erlösung all seiner Schmerzen und Krankheiten darstelle. Infolgedessen gräbt das lyrische Ich nach einem Schatz und schreibt seine Seele aus Verzweiflung dem Teufel zu. In den Versen der zweiten Strophe befindet sich das Lyrische Ich weiterhin auf der Suche nach diesem Schatz in einer stürmischen und dunklen Nacht, die jedoch in der dritten Strophe von einem Licht aus der Ferne erhellt wird. Um Mitternacht tritt aus dem Licht ein Knabe mit einer gefüllten Schale hervor, dessen Erscheinung immer heller zu werden scheint. In der folgenden Strophe tritt das Lyrische Ich in den erhellten Kreis ein und trinkt aus der zuvor ersichtlichen Schale des Knaben, der nun bei näherer Betrachtung einer Engelsfigur mit einem Kranz aus Blumen gleicht. Die letzten Verse des Gedichts thematisieren die Belehrung des lyrischen Ich, dessen moralische Forderung sich auf die Selbstverwirklichung durch Fleiß und Arbeit beziehen und in Form einer Belehrung ausgedrückt werden. Das Gedicht umfasst insgesamt 40 Verse, die mit jeweils acht Verse in fünf Strophen gegliedert sind. Das Reimschema besteht sowohl aus Paarreimen, als auch aus umarmenden Reimen. Dabei bilden die zweiten und dritten Verse, sowie die sechsten und siebten Verse jeder Strophe die Paarreime. Die übrigen Verse formen den umarmenden Reim, wobei sich jeweils der erste Vers mit dem fünften Vers und sich der vierte Vers mit dem achten Vers reimt. Dieses Reimschema ist zwar eher untypisch, zieht sich aber durch das gesamte Gedicht und hat daher einen gleichmäßigen, einheitlichen und rhythmischen

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