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Probeklausur Deutsch Sapir-Whorf-Hypothese und "Macht. Sprache. Denken."

Probeklausur Deutsch Sapir-Whorf-Hypothese und "Macht. Sprache. Denken."

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Der Auszug stammt aus dem Aufsatz „Sprache. Macht. Denken", welcher von Benjamin Mikfeld und
Jan Turowski 2014 geschrieben wur
 Probeklausur
Der Auszug stammt aus dem Aufsatz „Sprache. Macht. Denken", welcher von Benjamin Mikfeld und
Jan Turowski 2014 geschrieben wur

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Max Schiffer

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Probeklausur aus dem Deutsch-LK über das Thema Kommunikation. Vergleich zwischen der Sapir-Whorf-Hypothese und den Gedanken des Aufsatzes "Macht. Sprache. Denken." von Benjamin Mikfeld und Jan Turowski.

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Probeklausur Der Auszug stammt aus dem Aufsatz „Sprache. Macht. Denken", welcher von Benjamin Mikfeld und Jan Turowski 2014 geschrieben wurde und von der Beschreibung der Bedeutung der Sprache als zentrales Element des politischen Diskurses, welcher durch sichtbare und unsichtbare Akteure gezielt verändert wird, handelt. Die Autoren beginnen damit die politische Macht in zwei Bereiche zu unterteilen. Sie zählen hier die sichtbaren und unsichtbaren Machtakteure auf. Zu den sichtbaren Akteuren zählen politische Mandatsträger in der Exekutive und Legislative. Als unsichtbaren Akteuren werden hier Großkonzerne, Lobbyorganisationen und Medien aufgezählt. Daraufhin stellen sie die These auf, dass der politische Diskurs veränderbar ist. Demnach wird innerhalb des Diskurses festlegt, was öffentlich sagbar ist und was nicht. Danach geben sie ein Beispiel als Beleg für ihre These an, indem sie mittels des Reaktorunfalls in Fukushima die Veränderung der öffentlichen Stimmung gegenüber der Atomkraft in Deutschland belegen. Auch wird die Finanzkrise 2007/2008 als Beispiel herangezogen, um die aufgestellte These zu belegen, da sich die öffentliche Meinung gegenüber einer stärkeren Kontrolle der Finanzmärkte nach der Krise gewandelt hat. Daraufhin stellen die Autoren eine weitere These auf, die besagt, dass der Diskurs sich ständig wandelt und nicht nur in Krisenzeiten von Veränderungen betroffen ist. Er verändert sich durch den permanenten Kampf um die politische Meinungsführerschaft. Deswegen müssen sich Politiker nicht nur um sichtbare Macht...

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(parlamentarische Mehrheiten) kümmern, sondern auch die Ebene der Sprache und der Deutung beherrschen. Nun wird die Bedeutung der Sprache hervorgehoben und durch Beispiele verdeutlicht. So soll die Sprache der politischen Agitation, Argumentation, Manipulation, Konsensfindung und Verhandlung dienen und gleichzeitig auch die Zugehörigkeit zu etwas und die Abgrenzung gegen etwas ausdrücken. Auch die politische Mehrheitsfindung findet durch Sprache statt und unterstreicht somit ihre Bedeutung. Dann zählen die Autoren drei Beispiele für Machtmissbrauch von politischer Sprache auf. Zuerst den Machtmissbrauch durch die Nationalsozialisten, was auch durch zwei Beispiele (Roman „1984" von George Orwell und ,,Wörterbuch des Unmenschen" von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und W. E. Süskind) belegt wird. Dann die Debatte um eine Asylrechtsverschärfung in Deutschland in den 1990er Jahren. Und schließlich die Diskussion um die ,,Agenda 2010“ und die mit ihr eingeführten neuen Worten. Damit wird deutlich, dass politisch genutzte Sprache immer beobachtet und analysiert wird, was in einer Kritik gegenüber der Sprache münden kann. Im letzten Abschnitt gehen die Autoren auf die Kraft der politischen Sprache als Soft Power ein, indem sie aufzeigen, dass bestimmte Begriffe nicht neutral sind, sondern durch gezielte Veränderung mit spezifischen politischen Inhalten gefüllt werden. Danach gehen sie darauf ein, dass die politische Sprache nicht nur argumentativ, sondern auch emotional ist. So beschreiben sie, dass politische Gruppen ein spezifisches Repertoire an Begriffen, Metaphern und Narrativen besitzen, die für den Kampf um die Meinungsführerschaft zum Einsatz kommen. Die Sachlichkeit und Objektivität rückt mit der Verwendung dieser Begriffe in den Hintergrund, da man hier mit Emotionen arbeitet und versucht eine Übereinstimmung mit dem Zuschauer herzustellen. Im Textverlauf werden mehrere Thesen, Definitionen und Belege bzw. Beispiele aufgeführt, womit der Leser bewusst geleitet werden soll. Die politische Macht wird durch die Autoren als sichtbar“ (Z.1) und ,,verschwommen“ (Z.5) beschrieben. Die sichtbare Macht wird als Teilbereich der politischen Macht mit den gewählten machtpolitischen Akteuren definiert. Die ,,sichtbare" Macht ist Teil der Legislative und auch der Exekutive und damit für den Bürger direkt bestimm- und sichtbar. Es besteht eine demokratische Legitimation, durch den Wahlakt der Vertreter. Die ,,verschwommene" Macht wird hier thesenhaft mit ,,Großkonzerne, wichtige Verbände und die Medien" (Z.4) beschrieben, da hier die Beschreibung ,,würden viele wohl zu Recht [...] zählen“ (Z.3-4) benutzt wurde, ist es nicht als Definition, sondern als These zu werten, da es zu vage ist und keine Belege für die Aussage vorgebracht werden. Es wird unterschieden zwischen ,,sichtbarer" als solche legitime Macht und verschwommener" und als solche illegitime Macht. Dadurch wird eine Wertung der spezifischen Machtakteure geschaffen, die der Leser übernehmen soll. Im weiteren Textverlauf wird auch die These aufgestellt, dass Diskurse als „Regelsystem" (Z.7) entsprechende Richtlinien aufstellen, an denen sich die öffentliche Debatte nicht nur orientieren, sondern vor allem halten soll. Diese These wird mit mehreren Beispielen belegt. Diese Diskurse sind variabel und stehen in ständiger Veränderung, die nicht nur durch den eigentlichen Diskurs, sondern insbesondere auch durch bestimmte katastrophale Ereignisse ausgelöst werden. Solche Ereignisse werden nun genannt, damit der Leser der These glaubt und diese als begründet ansieht. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima und die Finanzkrise 2007/2008 haben die entsprechenden Diskurse deutlich verändert. Der damalige Status Quo wurde durch ein katastrophales Ereignis verändert und damit auch der Diskurs, da der Diskurs mit den entsprechenden Sachthemen und ihren Ereignissen verbunden ist. Es wird eine Abgrenzung zu anderen Definitionen des Diskurses betrieben, um die Definition der Autoren von anderen abzuheben und dementsprechend zu konkretisieren. Nun klären die Autoren den Leser darüber auf, dass der Diskurs auch dem „ständigen politischen Ringens um „Meinungsführerschaft““ (Z.19-20) unterliegt. Damit konkretisieren sie ihre Definition und erreichen damit eine genauere Ausarbeitung ihrer Definition. Die Autoren nutzen zur Verdeutlichung ihrer Definition nicht nur Beispiele, sondern auch Zitate von ausgewiesenen Experten. Beginnend mit einem Zitat von Benjamin Barber, mit dem die vorher beschriebene Ebene der Sprache demonstriert wird. Die Sprache ist auch dafür verantwortlich, dass die Menschen ein Gefühl von Wahrheiten haben. Es gibt entsprechende Erhebungen, dass Menschen besonders dazu geneigt sind sich in spezifischen Nachrichtenquellen zu informieren, die vor allem ihren eigenen Wertevorstellungen und Präferenzen entsprechen. Dadurch entsteht eine „Blase" um die Person herum, die sie von anderen Medien und Quellen, die nicht in ihre Wertevorstellung passen, abschirmen. Es wird durch das Internet eine Gemeinschaft zwischen den einzelnen Menschen mit ihren bestimmten Präferenzen geschaffen, die das Gefühl der Gemeinschaft nochmals erhöht. Dies wird durch das Zitat von Benjamin Barber bestätigt (vgl. Z.27). Des Weiteren werden auch Beispiele zur Bestätigung ihrer Definition genutzt. Als Beispiele für die Bedeutung der Sprache und ihre Macht wird z. B. der Nationalsozialismus und seine Sprache herangezogen. Es wird dadurch die Macht der Sprache deutlich gemacht, da der Nationalsozialismus sehr negativ konnotiert ist und damit dem Leser die Macht der Sprache verdeutlicht wird. Neben Beispielen und Zitaten werden auch sprachliche Mittel genutzt, um den wissenschaftlichen Charakter des Textes zu verstärken. Es werden gleichzeitig Stilmittel genutzt, die den wissenschaftlichen Charakter hervorheben, und Stilmittel genutzt, die die Anschaulichkeit für den Leser möglichst gut erhalten sollen. Damit wird erreicht, dass der Leser den Text nicht nur versteht, sondern auch das Gefühl der Sicherheit im Bezug auf den wissenschaftlichen Charakter hat. Die Autoren nutzen wenige Adjektive, was die wissenschaftlichen Ansprüche an den Text verdeutlicht. Um den Text weiterhin möglichst sachlich zu halten werden unpersönliche Wendungen, wie es“ oder „man“ genutzt. Damit wird der Text von den Autoren und vom Leser distanziert, was den Text sachlicher und wissenschaftlicher erscheinen lässt. Darüber hinaus wird mit dem Einsatz des Passivs eine Versachlichung der Sprache erzielt, die den wissenschaftlichen Aspekt des Textes deutlich macht. Im ersten Teil des Textes wird oftmals das Passiv gebraucht, z.B. „[...] die [...] auf Zeit vergeben werden." (Z.2) oder ,,Zu den Machtakteuren würden viele wohl zu Recht ebenso Großkonzerne, wichtige Verbände oder die Medien zählen [...].“ (Z.3-4). Damit wird der Text versachlicht und distanziert. Die Abstraktheit der Ideen im ersten Textabschnitt wird dadurch befördert, da die Seriosität des Textes verstärkt werden soll. Jedoch wird im weiteren Textverlauf der wissenschaftliche und objektive Charakter gegen einen deutlich persönlicheren Aufbau getauscht, um den Leser weiterhin an den Text zu binden. Der Leser wird nun direkt angesprochen, nachdem die Autoren im ersten Textabschnitt vor allem ,,es“ und „man“ für ihre Beschreibungen genutzt haben. Diese direkte Anrede des Lesers zeigt sich durch die Verwendung von „unser“ (Z.17) oder „wir“ (Z.24). Das bringt den Leser näher an den Text und vermittelt ihm eine Involviertheit. Des Weiteren wird in diesem Abschnitt auch die Metapher des Ringens um die Meinungsführerschaft (vgl. Z.19) genutzt. Mit dieser Metapher wird dem Leser metaphorisch erklärt, wie er sich die Prozesse innerhalb des Diskurses vorzustellen hat. Die Sapir Whorf Theorie stellt die Hypothese auf, dass unsere Sprache nicht nur Gedanken reproduziert, sondern auch unsere Denkweise und Wahrnehmung beeinflusst. Durch das linguistische System der Sprache wird unsere Denkweise begrenzt und dadurch auch beeinflusst. Unterschiedliche Sprachen beeinflussen unsere Wahrnehmung in unterschiedlicher Weise. Dadurch ist eine objektive Wahrnehmung nicht möglich. Dadurch wird dieselbe Sache von zwei Menschen unterschiedlich wahrgenommen, wenn sie nicht den gleichen linguistischen Hintergrund haben. Dadurch dass manche Sprachen nicht die gleichen Begrifflichkeiten haben wie die unsere, ist die Konsequenz eine unterschiedliche Wahrnehmung des gleichen Sachverhaltes. Beispiel für eine solche unterschiedliche Wahrnehmung durch andere Semantik ist die Sprache der Hopi-Indianer. Es gibt in ihrer Sprache keine deutungsgleichen Begriffe für Zeitgeschehen. Das bedeutet, dass die Hopi-Indianer eine Vorstellung von Zeit haben, jedoch unterscheidet sich diese von der unseren. Dadurch ergibt sich eine unterschiedliche Wahrnehmung von Zeit, die die Denkweise der Sprachsprecher beeinflusst und auch teilweise begrenzt. Außerdem kann man dieses Schema auch auf die Grammatik einer Sprache übertragen. In manchen Sprachen ist das Geschlecht eines Nomens anders als im Deutschen, wodurch manches Nomen in anderen Sprachen anders konnotiert ist als im Deutschen. Dadurch entstehen andere Assoziationen mit z.B. einem bestimmten Gegenstand als im Deutschen, was zu unterschiedlichen Wahrnehmungen des gleichen Sachverhaltes führt. Die Beeinflussung der Denkweise durch Sprache ist nicht nur innerhalb der Sapir-Whorf Theorie ein zentrales Thema, sondern auch bei den Annahmen von Mikfeld und Turowski. Die beiden Theorien lassen sich miteinander vergleichen, wobei man mehrere Gemeinsamkeiten und gleichzeitig auch Unterschiede feststellt. Beginnend mit den Gemeinsamkeiten lässt sich festhalten, dass es eine gemeinsame Grundannahme gibt, die besagt, dass die Sprache nicht nur neutral und objektiv zum Reproduzieren von Gedanken geeignet ist, sondern auch die Form und das Denken selbst beeinflusst. Außerdem wird nicht nur das Denken, sondern auch die Wahrnehmung durch Sprache beeinflusst und begrenzt. Dazu stellen beide Theorien dementsprechende Gedanken auf, die auf gemein haben, dass Sprache die Form unserer Wahrnehmung beeinflusst und somit auch unsere Wirklichkeit formt. Bei der Sapir-Whorf Theorie wird diese Annahme direkt formuliert, jedoch wird sie von Mikfeld und Turowski nicht direkt formuliert, sondern durch Umwege angegeben. Die Autoren nehmen an, dass Sprache auch manipulativ ist und übertragen das auf den ,,realitätskonstituierenden Charakter“ (Z.48) der Sprache. Damit wird die Grundlage für die Annahme geschaffen, dass der Sprachgebrauch auch unsere Wahrnehmung beeinflusst. Die beiden Theorien richten nach den Grundannahmen ihren Fokus auf unterschiedliche Bereiche und Konzepte. Im Bereich Bedeutung der Sprache beschränkt sich die Sapir-Whorf Theorie auf deren Bedeutung beim Erfassen bzw. Wahrnehmen von Sachzusammenhängen. Wohingegen Mikfeld und Turowski auf die Bedeutung während des Sprachgebrauchs im Bereich von Politik und der daraus resultierenden Macht. Ein entscheidender Unterschied besteht hier zwischen den Tragweiten der unterschiedlichen Bedeutungshorizonte der Sprache. Es entsteht ein Kontrast zwischen der alltäglichen und jeden betreffenden Wahrnehmung und den Einfluss der Sprache auf diese, was die Sapir-Whorf Theorie fokussiert. Und der Bedeutung der Sprache innerhalb der Politik und wie sie durch die Machtakteure eingesetzt wird, um die Menschen auf verschiedenen Ebenen zu beeinflussen. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Theorien ist die Rolle der Wirklichkeitserfassung und - beeinflussung. In der Sapir-Whorf Theorie wird diese durch einen passiven Charakter verdeutlicht, da die Autoren u.a. davon ausgehen, dass mehrere Personen einen gleichen Sachverhalt beobachten und dabei zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Die Sprache beeinflusst hier durch ihre Semantik und Grammatik die Wahrnehmung und die daraus resultierende Bewertung eines Sachverhaltes. Bei Mikfeld und Turowski wird der Sprache und ihrer Wirklichkeitserfassung einen aktiven Charakter zugeschrieben, da die Autoren davon ausgehen, dass die Sprache gezielt u.a. zur Manipulation eingesetzt wird. Dadurch wird der aktive Charakter der Wirklichkeitserfassung und -beeinflussung deutlich. Dementsprechend fokussieren sich Mikfeld und Turowski auf den tatsächlichen und praktischen Charakter der Sprache, da sie die Bedeutung für die Politik und die Beeinflussung der Menschen durch den Einsatz der Sprache durch Politik beschreiben. Die Sapir-Whorf Theorie bleibt hierbei nur im theoretischen Bereich der Sprache und stützt sich vor allem auf Grammatik und Semantik, um die Theorie zu beschreiben. Beide Theorien stellen überzeugende Ansätze dar. Mikfeld und Turowski gehen in ihrer Theorie davon aus, dass die Sprache wesentlich für die Politik ist, da diese die Sprache u.a. zur Manipulation nutzt. Die These dass zu den politischen Machtakteuren auch Medien, Großkonzerne und auch Verbände zählen lässt sich durch den sichtbaren Einfluss von Konzernen wie VW auf Gesetze deutlich belegen. So wurden bspw. deutsche Gesetze zur Abgasprüfung von VW für das Bundesverkehrsministerium vorgefertigt und in ihrer damaligen Fassung auch zum endgültigen Gesetz. Dadurch wurden gezielt Lücken zur Manipulation von Fahrzeugen durch die Hersteller geschaffen, die auch durch den VW-Abgasskandal aufgedeckt wurden. Der Einfluss von Verbänden wird auch in der EU sichtbar, da dort in einem allgemeinen Lobbyregister alle Gespräche zwischen Lobbyisten und Abgeordneten vermerkt. Dieses Register ist gefüllt mit Gesprächen, die maßgeblich darauf hinweisen, dass Lobbyorganisationen deutlichen Einfluss auf die Gesetzgebung und damit auch auf die Politik haben. Eine deutliche Sichtbarkeit ist nicht merkbar, da es oftmals nicht öffentlich thematisiert wird und sich auch wenig Menschen mit solchen Registern beschäftigen. Des Weiteren ist die Beschreibung des Diskurses und die Sagbarkeit von bestimmten Dingen belegt, da die Autoren direkt mehrere Beispiele zur Begründung ihrer These vorbringen. Diese These lässt sich auch an der Krimkrise ablesen, da sich die öffentliche Debatte inzwischen sichtbar für Auslandseinsätze und teilweise auch für Interventionen der Bundeswehr ausgesprochen hat. Damit wird deutlich, dass sich in Krisensituationen (Annexion der Krim durch Russland) der politische Diskurs verändert. Vor der Krimkrise war es schwierig eine Mehrheit in Deutschland und auch in Europa zu finden, die sich für mehr Auslandseinsätze und Interventionen einsetzte. Nun hat sich diese Haltung verändert, da man inzwischen auch innerhalb der EU- Kommission davon redet, dass Europa die Sprache der Macht sprechen solle. Auch werden immer öfter Initiativen von Politikern öffentlich, in denen man mehr Einsätze der Bundeswehr fordert. Die Verwirklichung einer gesamteuropäischen Armee wird immer deutlicher, da immer mehr Politiker in unterschiedlichen Gremien, Ebenen und Ländern dies fordern. Die These, dass bestimmte Begriffe Gegenstand von semantischen Kämpfen sind und somit versucht wird diese mit spezifischen Inhalten zu füllen, lässt sich ebenfalls an mehreren Beispielen belegen. Da wäre z.B. das Wort „Flüchtlingswelle“ zu nennen, was vor allem durch konservative und rechte Kreise genutzt wurde, um gezielt eine Angst gegenüber den ankommenden Flüchtlingen zu schüren. Das Wort „Flüchtling" in Kombination mit ,,Welle" soll anschaulich zeigen, dass sehr viele Flüchtlinge nach Europa kommen und diese praktisch unaufhaltsam sind. Es bedarf aus Sicht der konservativen und rechten Kreise eine deutliche und vor allem abschreckende Lösung des Problems. Dies wird deutlich, wenn man die aktuelle Lage im Flüchtlingslager Moria betrachtet. Nachdem bereits deutlich mehr Flüchtlinge dort gelebt haben, als die Kapazitäten es eigentlich erlaubt hätten, brannte das Lager ab. Dies zeigt deutlich, dass die Flüchtlingspolitik der EU vor allem auf Abschreckung basiert, um mögliche Flüchtlinge bereits vor ihrer Reise dazu zu bewegen nicht zu flüchten. Die öffentliche Meinung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. 2015 gab es noch größere Mehrheiten für eine Aufnahme von Flüchtlingen. Neuste Umfragen zeigen, dass der größte Teil der Befragten gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen ist. Selbst die Bilder aus dem brennenden Flüchtlingslager Moria ändern an dieser Haltung wenig. Es zeigt sich auch hier, dass durch Krisensituationen sich der Diskurs verändert. Somit zeigt sich, dass sich der politische Diskurs wie von Mikfeld und Turowski beschrieben durch Krisensituationen ändern kann und dies auch tut. Die Tatsache, dass die Sprache den Menschen beeinflusst führt zur eigentlichen Bedeutung für den politischen Einsatz der Sprache. Sie wird gezielt zur Manipulation und Beeinflussung eingesetzt und die meisten Menschen merken es nicht, da sie die entsprechenden Begriffe nicht hinterfragen und somit ihre eigene Wahrnehmung nicht verändern wollen. Dadurch wird die These der Sprachbedeutung zielgerichtet durch die Autoren begründet. Es entsteht eine Beschreibung des derzeitigen Einsatzes von Sprache im Hinblick auf den politischen Einsatz. Außerdem werfen die Autoren die Frage auf, ob eine Hinterfragung dieser Praxis nicht deutlich sichtbarer in der Öffentlichkeit stattfinden sollte. Die Aktualität der Thesen nimmt nicht ab, da sich das Konzept auf universell übertragen lässt und somit eine Kontinuität des Musters festzustellen ist. Des Weiteren zeigt sich, dass die Autoren mit ihrem Text die Sprache als ein zentrales und vor allem als ein wenig beachtetes Mittel der Politik darstellen. Solch eine Zuordnung sollte durch die Gesellschaft aufgenommen und diskutiert werden, um möglichen Machtmissbrauch vorzubeugen. Die Verschiebung des Diskurses in vielen Bereichen zeigt, dass man die Sprache missbrauchen kann, um seine eigene politische Agenda voranzubringen. Dadurch entsteht ein Machtmonopol, welches sich nicht beseitigen lässt sobald es sich gefestigt hat. Aufgabe 1 Einleitung, die zentrale Angaben aufnimmt: Autoren, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr. Thema des Textes, etwa: Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Sprache, Macht und Denken im Feld der Politik, Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Diskurses und der Sprache im Feld der Politik. ● Inhalt Position der Autoren wird dargestellt: Sprache als zentrales Instrument des politischen Diskurses, in dem Akteure der Macht (z. B. politische Parteien) um ,,Meinungsführerschaft" kämpfen. gedanklicher (Inhalt und z. T. Argumentation) Aufbau des Textes: einführende Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Macht im Feld des Politischen: Unterscheidung zwischen den ,,sichtbaren“ Kräften der Macht (z. B. Regierungschefs, Minister, Parteien oder auch Medien) und den Diskursen als ,,unsichtbare" Regelsysteme, (Interessenverbände, Unternehmen oder auch die Medi- en) die über die Legitimation von politischen Ideen und Forderungen entscheiden - also welche „Ideen werden als ,,richtig" eingestuft" ● Mikfeld/ Turowski: Sprache. Macht. Denken Lösungen Ergänzungen ● • Auflistung von Beispielen des Machtgebrauchs und Missbrauchs von Sprache und darauf reagierender Formen politischer Sprachkritik (z. B. Viktor Klemperers Untersuchung der manipulativen Sprache im ,,Dritten Reich“ oder die Wahl der ,,Unwörter des Jahres“ durch eine Jury), ● Darstellung der Kernthese: Hervorhebung der zentralen Bedeutung der Sprache im politischen Diskurs, in dem die Akteure der Macht um ,,Meinungsführerschaft" kämpfen, ● genauere Darstellung der Wirkmächtigkeit und der Funktionsweise der Sprache im politischen Diskurs (z. B. „Über Sprache entwickeln wir eine Vorstellung davon, was für uns,wahr' ist", Z. 29 f.), untersucht die Leserlenkung (Argumentation) des Textes in ihrer Funktion, etwa: Nennung des Themas bereits mit dem Titel ,,Sprache. Macht. Denken", insofern es in dem Text um das Ver- hältnis von Sprache, Macht und Denken im Feld der Politik geht, abschließende Bestimmung der Sprache als ,,Soft Power", die unsere Vorstellungen von Wirklichkeit bestimmt und daher einen ,,realitätskonstituierenden Charakter" hat; Darstellung der Verwendung von Begriffen, Topoi, Metaphern und Narrativen durch politische Gruppen im Kampf um politische Meinungshoheit. Definition der sichtbaren Macht (Schulwissen) und Thesen zur „unsichtbaren Macht" (Erweiterung des Schulwissens eigene Definition des Begriffs ,,Diskurs“ und damit Abgrenzung gegenüber anderen Verwendungsweisen, um die eigene Theorie zu konturieren und Missverständnissen vorzubeugen, Anführen (=Beispiele) von jüngeren Ereignissen von weltgeschichtlicher Bedeutung (Reaktorunglück in Fukushima, Finanzkrise 2007, Agenda 2010) zur Illustration und Stützung der These, dass insbesondere in Krisenzeiten Diskurse in Bewegung geraten können, Nutzung von Zitaten einzelner Wörter wie „sagbar“, „richtig“ oder „angemessen“, um Grundstrukturen des politischen Diskurses für den Leser sichtbar zu machen, ironische Darstellung von Verschiebungen innerhalb des politischen Diskurses in Krisenzeiten, sodass nach dem Reaktorunglück in Fukushima auch in konservativen Kreisen ein ,,strammes Bekenntnis" zur Atomkraft nicht mehr ,,sagbar" gewesen sei, • Verwendung von Zitaten des Politikwissenschaftlers Benjamin Barber, des Sozialphilosophen Oskar Negt und verschiedener Sprachwissenschaftler, um die eigene Argumentation durch die Einschätzungen von Autoritä- ten abzustützen, • Auflistung von historischen Beispielen des Machtge- und -missbrauch um die eigene Position zu illustrie- ren und zu stützen. Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 1 von 5 sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes im Hinblick auf ihre Funktion: sachliche Sprache: Nominalstil, sachliche Wendungen durch unpersönliche Wendungen von ,,es“ oder ,,man" Konstruktionen all das ist typisch für wissenschaftliche Texte ● ● ● ● in Verbindung mit der Nutzung rhetorischer Mittel (insbesondere sprachlicher Bilder/ Metaphern), sodass die vornehmlich theoretischen Ausführungen gleichzeitig einen gewissen Anschaulichkeitsgrad erhalten, antithetische Gegenüberstellung von ,,sichtbaren“ und „unsichtbaren" Kräften der Macht, von ,,sagbaren" und nicht (mehr),,sagbaren“ Ideen und Forderungen im Feld der Politik, Beschreibung des Diskurses mithilfe von Fluss- und Bewegungsmetaphern (,,Gerade in Krisensituationen können diese vormals starren Diskurse in Bewegung geraten und sich verschieben“, Z. 10 f.), Verwendung z. T. Parallelismen, um in Form einer Auflistung die Funktionen der Sprache innerhalb des poli- tischen Diskurses zu verdeutlichen, Sprache ist... Sprache ist... • Verwendung der Metapher des Kampfes, um das Ringen politischer Akteure um die Bedeutung von Begriffen innerhalb des politischen Diskurses sinnfällig ins Bild zu setzen, • Einbezug des Lesers durch die Verwendung der Pronomen ,,wir“, „uns“ und „unser“. Textbeispiele hierfür (Montag, 07.09. Ergänzung) Nominalisierung Nominalisierung 5 10 55 15 abstrakte Begriffe 25 Wiederholung/Aufzählung/ Parallelismus "wir" der Leser wird einbezogen verschwommen sind. All diese Akteure der Macht agieren jedoch nicht im politischen Vakuum. Es gibt zu jeder Zeit politische Forderungen und Ideen, die mehrheitlich als ,,richtig“ und „,angemessen beur- teilt werden, und andere, für die dies nicht gilt. Solche Regelsysteme, die hinter den sichtbaren Macht- strukturen und -mechanismen liegen, bezeichnen wir als Diskurse. Sie regeln, was in bestimmten Gruppen oder der breiten Öffentlichkeit als ,,sagbar" gilt und was nicht. Gerade in Krisensituationen können diese vormals starren Diskurse in Bewegung geraten und sich verschieben. So war nach der Reaktor- katastrophe in Fukushima auch in konservativen Kreisen ein strammes Bekenntnis zur Atomenergie kaum noch ,,sagbar. Vor der globalen Finanzkrise 2007 wiederum waren bestimmte Forderungen zur Begrenzung der Macht der Finanzmärkte nur in bestimmten politischen Kreisen ,sagbar" Doch "es" war kaum sagbar" es dauerte nach Ausbruch der Krise nur wenige Monate, bis der bürgerliche Mainstream diese Forde- rungen (wenn auch nur halbherzig) übernahm. "es" unpersönlich Ironie und persönliche Wertung des Autors Wiederholung/Aufzählung/ Parallelismen Leser wird angesprochen Leser soll die Meinung der Autoren teilen ↓ Die Sprache ist ein wichtiges Instrument der Politik. Sprache dient der Argumentation, der Verhandlung, der Konsensfindung, aber auch der Agitation und Manipulation. Über Sprache stellen wir politische Zu- stimmung und Zugehörigkeit ebenso wie Abgrenzung her. (Auch) über Sprache werden politische Alli- anzen geknüpft und Mehrheiten gebildet. Über Sprache entwickeln wir eine Vorstellung davon, was für uns ,,wahr" ist. ,,Wer die Sprache kontrolliert, hat somit Kontrolle über das gemeinschaftliche Wir", schrieb Benjamin Barber.¹ Von anderen Denkern der politischen Theorie kann man ähnliche Sätze finden. unpersönliche Wendung Metapher: Kampf um Deutung/ Semantik Passiv indirekt "es" war... Passiv [...] Politische Sprache ist als Soft Power zu verstehen. Sie prägt unsere Vorstellung von Wirklich- keit und hat daher ,,realitätskonstituierenden Charakter". Begriffe sind nicht ,,neutral", sondern viel- Versachlichung fach Gegenstand so genannter semantischer Kämpfe, in denen es darum geht, diese mit einem be- Nomen 50 stimmten Inhalt zu füllen oder Sachverhalte mit bestimmten Begriffen zu bezeichnen. Politische Sprache ist zudem nicht nur argumentativ, sondern sie beinhaltet immer auch normative und emotionale Elemen- te. Jede politische Denkrichtung oder Gruppe verfügt über ein spezifisches Arsenal an Begriffen, Topoi, Metaphern und Narrativen, die im Bemühen um Meinungsführerschaft und Deutungsmacht zum Einsatz kommen. Dabei geht es nicht immer um eine sachliche Beweisführung, sondern darum, Übereinstim- mung zwischen Redner/in und Publikum herzustellen. Sprache ist somit Gegenstand sowohl politi- scher Deutungskämpfe wie auch politischer Taktik und Strategie: ,,Es geht um Deutungshoheit und Ver- wendungshoheit von Sprache. Denn Sprache ist ein Instrument zur Erlangung, Sicherung, Aus- übung und Kontrolle von Macht". [...] Fazit/ Schlussfolgerung Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 2 von 5 Aufgabe 2 Teil 1 Stellen Sie die Grundannahmen der Theorie von Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf zum Ver- hältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit dar. [...] Grundannahmen der Theorie von Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf zum Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit werden zunächst dargestellt: (vergleiche Lernblatt!!!) Linguistisches/sprachliches Relativitätsprinzip: Grundannahme: Sprecher verschiedener Sprachen (Muttersprache, Sprachcodes), nehmen die Wirklichkeit auf verschiedene Art und Weise wahr (abhängig von Lexik/Wortschatz, Grammatik) → sprachenabhängi- ges Bild von der Welt → Sprache ist also nicht - nur - ein reproduktives Instrument zum Ausdruck von Gedanken, sondern das lin- guistische System der Sprache (die Grammatik und die Semantik) formt unsere Gedanken zu allererst, unter- schiedliche Sprachen können zu unterschiedlichem Denken oder unterschiedlichen Weltanschauungen füh- ren, gleiche/ähnliche Wahrnehmung gäbe es dann nur bei gleichen/ähnlichen linguistischen Hintergründen (es gibt auch Widersprüche innerhalb einer Sprache, weil Menschen bei Worten, Sätzen und Bedeutungen augrund unterschiedlicher Erfahrungen unterschiedliche Assoziationen haben; aber das ist zunächst im Kern der Sapir Whorf Hypothese nicht gemeint weitere Grundannahme: das linguistische System der Sprache bestimmt unsere Art der Analyse und der Syn- these von Eindrücken der „Welt“ oder „Wirklichkeit“ und die jeweilige Muttersprache gibt uns die Katego- rien vor, nach denen wie wir die Erscheinungen der Natur ordnen, • jede Einzelsprache eröffnet somit eine eigentümliche Weltsicht, insofern sich die linguistischen Systeme der einzelnen Sprachen mehr oder weniger stark unterscheiden und so jeweils eigene, allerdings nur relative Perspektiven auf die Wirklichkeit bieten, das linguistische Relativitätsprinzip anhand von Beispielen ● Grammatik: unterschiedliche grammatische „Geschlechter" erzeugen unterschiedliche Assoziationen zu den ,,gleichen" Gegenständen - Kulturen, in denen „Schlüssel“ männlich kodiert ist (,,der Schlüssel“) erzeugen „männliche“ Eigenschaften zu dem Gegenstand „Schlüssel“, Kulturen, in denen „Schlüssel“ weiblich ko- diert ist („la clé, la llave, la chiave“) erzeugen „weibliche“ Eigenschaften zu dem Gegenstand „Schlüssel“ ● Semantik (z. B. Farbwörter) – in einige Kulturen werden Farben differenziert („Schnee“ bei den „Eskimos“) andere Vorstellungen von Raum und Zeit (Kulturen, die keine Uhr haben, ,,recht und links" oder absolute Orientierungen wie Himmelsrichtungen – einige Wörter gibt es z. B. nur im Deutschen" Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 3 von 5 Aufgabe 2 - Teil 2 [...] Setzen Sie den Ansatz von Sapir und Whorf in Beziehung zu Mikfelds und Turowskis Ausführun- gen zum Bereich der Politik. [...] „...in Beziehung setzen..." meint Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten... Parallelen/ Gemeinsamkeiten der Ausführungen Mikfeld/ Turowskis zum Bereich der Politik zu Sapirs und Whorfs Theorieansatz zum Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit aufweisen, etwa: • geteilte Grandannahme, dass Sprache die Art und Weise formt, in der wir die Wirklichkeit erfassen bzw. die Realität konstituieren. gemeinsame Grundannahme, dass Sprache nicht nur Ausdruck des Gedankens ist, sondern das Denken selbst formt und prägt, Unterschiede zwischen Mikfelds und Turowskis Ausführungen zum Bereich der Politik und Sapir/ Whorfs Theo- rieansatz zum Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit aufweisen, etwa: ● ● eher erkenntnistheoretische Ausrichtung bei Sapir/ Whorf, aber im Schwerpunkt kritisch-strategische Ana- lyse des politischen Sprachgebrauchs bei Mikfeld/Turowski, Fokussierung auf das linguistische System (Grammatik und Semantik) der Sprache bei Sapir/Whorf, Erweite- rung der Betrachtung und Einbezug auch der pragmatischen Dimension der Sprache bei Mikfeld/ Turowski, Sprache eher als statisches Kategorien- und Bedeutungssystem bei Sapir/ Whorf, hingegen eine dynami- sche Vorstellung des Ringens um die Bedeutung von Begriffen bei Mikfeld/Turowski, Betrachtung des Einflusses der Sprache auf die Wirklichkeitserfassung (statisch passiv)bei Sapir/ Whorf, dar- über hinaus die Betrachtung der Beeinflussung und Konstituierung (=aktives Herstellen der gesellschaftlichen Wirklichkeit durch Sprache bei Mikfeld/Turowski, • Fokussierung der Bedeutung der Sprache beim Erfassen und Ordnen der Erscheinungen der Natur bei Sapir/Whorf, Betrachtung der Rolle der Sprache und des Sprachgebrauchs im Kontext von Macht bei Mik- feld/Turowski. Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 4 von 5 Aufgabe 2 - Teil 3 [...] Beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Überzeugungskraft des Ansatzes von Mikfeld und Turowski zum politischen Sprachgebrauch ...das macht man am besten auch wieder abwägend - inwieweit kannst du die Ausführungen nachvollziehen und inwieweit wäre Kritik möglich – alles bitte immer begründen!!! eher bestätigende Ausführungen die Überzeugungskraft des Ansatzes zum politischen Sprachgebrauch von Mikfeld und Turowski betreffend, etwa: ● ● Anführen von eigenen oder im Unterricht besprochenen Argumenten, Beispielen und Belegen, die für den Einfluss der Sprache auf das Denken sprechen (z. B. grammatisches Geschlecht, Framing, „Neusprech“ oder NS- Sprache...) oder sprachlich bedingte Unterschiede bei der Zeit- und Raumwahrnehmung), Illustration der als gelungen eingeschätzten Anwendung von eigentlich erkenntnistheoretischen Annahmen auf das Feld der Politik anhand von selbst gewählten oder im Unterricht etwa im Zusammenhang mit poli- tischer Rhetorik behandelten Beispielen für politischen Sprachgebrauch mit „realitätskonstituierende(n) Charak- ter" (z. B. der Einfluss gekürter „Unwörter des Jahres" wie etwa „Anti-Abschiebe-Industrie“ oder „Gut- mensch" oder ,,alternativlos" auf das Denken), eher relativierende Ausführungen die Überzeugungskraft des Ansatzes zum politischen Sprachgebrauch von Mikfeld und Turowski betreffend, etwa: ten. Anführen von medial geführten Debatten, in denen mit Begriffen, Topoi, Metaphern und Narrativen um Meinungs- und Deutungshoheit gekämpft wurde und wird (z. B. die Flüchtlingsdebatte und die Verwendung von Metaphern wie „Flüchtlingswelle“ und „Flüchtlingsschwemme“ oder „Narrative“/ Framing im Bezug auf die Berliner ,,Querdenk – Demo" gegen Maskenpflicht und „Besetzung" des Reichstages), ● Kritik an dem dargestellten Verständnis eines politischen Diskurses, der nicht als Form lösungs- und verstän- digungsorientierter Kommunikation begriffen wird, sondern als ein Kampfplatz, auf dem Begriffe, Topoi, Metaphern und Narrative im Ringen um Deutungshoheit eher instrumentell genutzt werden, (diese Sicht ist aber gegenwärtig offen - denn es bleibt die Frage, ob demokratische Verfahren genau über diese Mechanismen relativiert werden und inwieweit Kritik an gezielter Manipulation des Denkens durch Sprache selbst wieder „angegriffen wird – vgl. aktuelle Berichte über „Verschwörungstheorien“) Angestrebt ist hier kein vollständiges Anführen der beispielhaft genannten Aspekte, sondern eine differenzierte Schwerpunktsetzung. Dabei kann sich das argumentative Vorgehen auch vornehmlich an einer Position ausrich- ● Schluss/ Fazit abwägende, reflektierte Schlussfolgerungen, etwa hinsichtlich einer Gewichtung der zuvor angeführten Argumente, Beispiele und Belege in Verbindung mit einer differen- zierten Abschlussbeurteilung, der Frage nach der Notwendigkeit der Sprachkritik und des Entlarvens strategisch- manipulativen Sprachge- brauchs im politischen Diskurs, der Frage nach der eigenen Verführ- und Manipulierbarkeit durch Sprache, etwa in unbewusster Form durch inzwischen fast schon abgeblasste Metaphern wie. „Flüchtlingswelle“ oder „Flüchdingsschwemme“, der Frage nach Möglichkeiten eigener Einflussnahme im politischen Bereich durch gezielte Nutzung von Be- griffen, Metaphern und Narrativen. Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 5 von 5

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Probeklausur aus dem Deutsch-LK über das Thema Kommunikation. Vergleich zwischen der Sapir-Whorf-Hypothese und den Gedanken des Aufsatzes "Macht. Sprache. Denken." von Benjamin Mikfeld und Jan Turowski.

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Probeklausur Der Auszug stammt aus dem Aufsatz „Sprache. Macht. Denken", welcher von Benjamin Mikfeld und Jan Turowski 2014 geschrieben wurde und von der Beschreibung der Bedeutung der Sprache als zentrales Element des politischen Diskurses, welcher durch sichtbare und unsichtbare Akteure gezielt verändert wird, handelt. Die Autoren beginnen damit die politische Macht in zwei Bereiche zu unterteilen. Sie zählen hier die sichtbaren und unsichtbaren Machtakteure auf. Zu den sichtbaren Akteuren zählen politische Mandatsträger in der Exekutive und Legislative. Als unsichtbaren Akteuren werden hier Großkonzerne, Lobbyorganisationen und Medien aufgezählt. Daraufhin stellen sie die These auf, dass der politische Diskurs veränderbar ist. Demnach wird innerhalb des Diskurses festlegt, was öffentlich sagbar ist und was nicht. Danach geben sie ein Beispiel als Beleg für ihre These an, indem sie mittels des Reaktorunfalls in Fukushima die Veränderung der öffentlichen Stimmung gegenüber der Atomkraft in Deutschland belegen. Auch wird die Finanzkrise 2007/2008 als Beispiel herangezogen, um die aufgestellte These zu belegen, da sich die öffentliche Meinung gegenüber einer stärkeren Kontrolle der Finanzmärkte nach der Krise gewandelt hat. Daraufhin stellen die Autoren eine weitere These auf, die besagt, dass der Diskurs sich ständig wandelt und nicht nur in Krisenzeiten von Veränderungen betroffen ist. Er verändert sich durch den permanenten Kampf um die politische Meinungsführerschaft. Deswegen müssen sich Politiker nicht nur um sichtbare Macht...

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(parlamentarische Mehrheiten) kümmern, sondern auch die Ebene der Sprache und der Deutung beherrschen. Nun wird die Bedeutung der Sprache hervorgehoben und durch Beispiele verdeutlicht. So soll die Sprache der politischen Agitation, Argumentation, Manipulation, Konsensfindung und Verhandlung dienen und gleichzeitig auch die Zugehörigkeit zu etwas und die Abgrenzung gegen etwas ausdrücken. Auch die politische Mehrheitsfindung findet durch Sprache statt und unterstreicht somit ihre Bedeutung. Dann zählen die Autoren drei Beispiele für Machtmissbrauch von politischer Sprache auf. Zuerst den Machtmissbrauch durch die Nationalsozialisten, was auch durch zwei Beispiele (Roman „1984" von George Orwell und ,,Wörterbuch des Unmenschen" von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und W. E. Süskind) belegt wird. Dann die Debatte um eine Asylrechtsverschärfung in Deutschland in den 1990er Jahren. Und schließlich die Diskussion um die ,,Agenda 2010“ und die mit ihr eingeführten neuen Worten. Damit wird deutlich, dass politisch genutzte Sprache immer beobachtet und analysiert wird, was in einer Kritik gegenüber der Sprache münden kann. Im letzten Abschnitt gehen die Autoren auf die Kraft der politischen Sprache als Soft Power ein, indem sie aufzeigen, dass bestimmte Begriffe nicht neutral sind, sondern durch gezielte Veränderung mit spezifischen politischen Inhalten gefüllt werden. Danach gehen sie darauf ein, dass die politische Sprache nicht nur argumentativ, sondern auch emotional ist. So beschreiben sie, dass politische Gruppen ein spezifisches Repertoire an Begriffen, Metaphern und Narrativen besitzen, die für den Kampf um die Meinungsführerschaft zum Einsatz kommen. Die Sachlichkeit und Objektivität rückt mit der Verwendung dieser Begriffe in den Hintergrund, da man hier mit Emotionen arbeitet und versucht eine Übereinstimmung mit dem Zuschauer herzustellen. Im Textverlauf werden mehrere Thesen, Definitionen und Belege bzw. Beispiele aufgeführt, womit der Leser bewusst geleitet werden soll. Die politische Macht wird durch die Autoren als sichtbar“ (Z.1) und ,,verschwommen“ (Z.5) beschrieben. Die sichtbare Macht wird als Teilbereich der politischen Macht mit den gewählten machtpolitischen Akteuren definiert. Die ,,sichtbare" Macht ist Teil der Legislative und auch der Exekutive und damit für den Bürger direkt bestimm- und sichtbar. Es besteht eine demokratische Legitimation, durch den Wahlakt der Vertreter. Die ,,verschwommene" Macht wird hier thesenhaft mit ,,Großkonzerne, wichtige Verbände und die Medien" (Z.4) beschrieben, da hier die Beschreibung ,,würden viele wohl zu Recht [...] zählen“ (Z.3-4) benutzt wurde, ist es nicht als Definition, sondern als These zu werten, da es zu vage ist und keine Belege für die Aussage vorgebracht werden. Es wird unterschieden zwischen ,,sichtbarer" als solche legitime Macht und verschwommener" und als solche illegitime Macht. Dadurch wird eine Wertung der spezifischen Machtakteure geschaffen, die der Leser übernehmen soll. Im weiteren Textverlauf wird auch die These aufgestellt, dass Diskurse als „Regelsystem" (Z.7) entsprechende Richtlinien aufstellen, an denen sich die öffentliche Debatte nicht nur orientieren, sondern vor allem halten soll. Diese These wird mit mehreren Beispielen belegt. Diese Diskurse sind variabel und stehen in ständiger Veränderung, die nicht nur durch den eigentlichen Diskurs, sondern insbesondere auch durch bestimmte katastrophale Ereignisse ausgelöst werden. Solche Ereignisse werden nun genannt, damit der Leser der These glaubt und diese als begründet ansieht. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima und die Finanzkrise 2007/2008 haben die entsprechenden Diskurse deutlich verändert. Der damalige Status Quo wurde durch ein katastrophales Ereignis verändert und damit auch der Diskurs, da der Diskurs mit den entsprechenden Sachthemen und ihren Ereignissen verbunden ist. Es wird eine Abgrenzung zu anderen Definitionen des Diskurses betrieben, um die Definition der Autoren von anderen abzuheben und dementsprechend zu konkretisieren. Nun klären die Autoren den Leser darüber auf, dass der Diskurs auch dem „ständigen politischen Ringens um „Meinungsführerschaft““ (Z.19-20) unterliegt. Damit konkretisieren sie ihre Definition und erreichen damit eine genauere Ausarbeitung ihrer Definition. Die Autoren nutzen zur Verdeutlichung ihrer Definition nicht nur Beispiele, sondern auch Zitate von ausgewiesenen Experten. Beginnend mit einem Zitat von Benjamin Barber, mit dem die vorher beschriebene Ebene der Sprache demonstriert wird. Die Sprache ist auch dafür verantwortlich, dass die Menschen ein Gefühl von Wahrheiten haben. Es gibt entsprechende Erhebungen, dass Menschen besonders dazu geneigt sind sich in spezifischen Nachrichtenquellen zu informieren, die vor allem ihren eigenen Wertevorstellungen und Präferenzen entsprechen. Dadurch entsteht eine „Blase" um die Person herum, die sie von anderen Medien und Quellen, die nicht in ihre Wertevorstellung passen, abschirmen. Es wird durch das Internet eine Gemeinschaft zwischen den einzelnen Menschen mit ihren bestimmten Präferenzen geschaffen, die das Gefühl der Gemeinschaft nochmals erhöht. Dies wird durch das Zitat von Benjamin Barber bestätigt (vgl. Z.27). Des Weiteren werden auch Beispiele zur Bestätigung ihrer Definition genutzt. Als Beispiele für die Bedeutung der Sprache und ihre Macht wird z. B. der Nationalsozialismus und seine Sprache herangezogen. Es wird dadurch die Macht der Sprache deutlich gemacht, da der Nationalsozialismus sehr negativ konnotiert ist und damit dem Leser die Macht der Sprache verdeutlicht wird. Neben Beispielen und Zitaten werden auch sprachliche Mittel genutzt, um den wissenschaftlichen Charakter des Textes zu verstärken. Es werden gleichzeitig Stilmittel genutzt, die den wissenschaftlichen Charakter hervorheben, und Stilmittel genutzt, die die Anschaulichkeit für den Leser möglichst gut erhalten sollen. Damit wird erreicht, dass der Leser den Text nicht nur versteht, sondern auch das Gefühl der Sicherheit im Bezug auf den wissenschaftlichen Charakter hat. Die Autoren nutzen wenige Adjektive, was die wissenschaftlichen Ansprüche an den Text verdeutlicht. Um den Text weiterhin möglichst sachlich zu halten werden unpersönliche Wendungen, wie es“ oder „man“ genutzt. Damit wird der Text von den Autoren und vom Leser distanziert, was den Text sachlicher und wissenschaftlicher erscheinen lässt. Darüber hinaus wird mit dem Einsatz des Passivs eine Versachlichung der Sprache erzielt, die den wissenschaftlichen Aspekt des Textes deutlich macht. Im ersten Teil des Textes wird oftmals das Passiv gebraucht, z.B. „[...] die [...] auf Zeit vergeben werden." (Z.2) oder ,,Zu den Machtakteuren würden viele wohl zu Recht ebenso Großkonzerne, wichtige Verbände oder die Medien zählen [...].“ (Z.3-4). Damit wird der Text versachlicht und distanziert. Die Abstraktheit der Ideen im ersten Textabschnitt wird dadurch befördert, da die Seriosität des Textes verstärkt werden soll. Jedoch wird im weiteren Textverlauf der wissenschaftliche und objektive Charakter gegen einen deutlich persönlicheren Aufbau getauscht, um den Leser weiterhin an den Text zu binden. Der Leser wird nun direkt angesprochen, nachdem die Autoren im ersten Textabschnitt vor allem ,,es“ und „man“ für ihre Beschreibungen genutzt haben. Diese direkte Anrede des Lesers zeigt sich durch die Verwendung von „unser“ (Z.17) oder „wir“ (Z.24). Das bringt den Leser näher an den Text und vermittelt ihm eine Involviertheit. Des Weiteren wird in diesem Abschnitt auch die Metapher des Ringens um die Meinungsführerschaft (vgl. Z.19) genutzt. Mit dieser Metapher wird dem Leser metaphorisch erklärt, wie er sich die Prozesse innerhalb des Diskurses vorzustellen hat. Die Sapir Whorf Theorie stellt die Hypothese auf, dass unsere Sprache nicht nur Gedanken reproduziert, sondern auch unsere Denkweise und Wahrnehmung beeinflusst. Durch das linguistische System der Sprache wird unsere Denkweise begrenzt und dadurch auch beeinflusst. Unterschiedliche Sprachen beeinflussen unsere Wahrnehmung in unterschiedlicher Weise. Dadurch ist eine objektive Wahrnehmung nicht möglich. Dadurch wird dieselbe Sache von zwei Menschen unterschiedlich wahrgenommen, wenn sie nicht den gleichen linguistischen Hintergrund haben. Dadurch dass manche Sprachen nicht die gleichen Begrifflichkeiten haben wie die unsere, ist die Konsequenz eine unterschiedliche Wahrnehmung des gleichen Sachverhaltes. Beispiel für eine solche unterschiedliche Wahrnehmung durch andere Semantik ist die Sprache der Hopi-Indianer. Es gibt in ihrer Sprache keine deutungsgleichen Begriffe für Zeitgeschehen. Das bedeutet, dass die Hopi-Indianer eine Vorstellung von Zeit haben, jedoch unterscheidet sich diese von der unseren. Dadurch ergibt sich eine unterschiedliche Wahrnehmung von Zeit, die die Denkweise der Sprachsprecher beeinflusst und auch teilweise begrenzt. Außerdem kann man dieses Schema auch auf die Grammatik einer Sprache übertragen. In manchen Sprachen ist das Geschlecht eines Nomens anders als im Deutschen, wodurch manches Nomen in anderen Sprachen anders konnotiert ist als im Deutschen. Dadurch entstehen andere Assoziationen mit z.B. einem bestimmten Gegenstand als im Deutschen, was zu unterschiedlichen Wahrnehmungen des gleichen Sachverhaltes führt. Die Beeinflussung der Denkweise durch Sprache ist nicht nur innerhalb der Sapir-Whorf Theorie ein zentrales Thema, sondern auch bei den Annahmen von Mikfeld und Turowski. Die beiden Theorien lassen sich miteinander vergleichen, wobei man mehrere Gemeinsamkeiten und gleichzeitig auch Unterschiede feststellt. Beginnend mit den Gemeinsamkeiten lässt sich festhalten, dass es eine gemeinsame Grundannahme gibt, die besagt, dass die Sprache nicht nur neutral und objektiv zum Reproduzieren von Gedanken geeignet ist, sondern auch die Form und das Denken selbst beeinflusst. Außerdem wird nicht nur das Denken, sondern auch die Wahrnehmung durch Sprache beeinflusst und begrenzt. Dazu stellen beide Theorien dementsprechende Gedanken auf, die auf gemein haben, dass Sprache die Form unserer Wahrnehmung beeinflusst und somit auch unsere Wirklichkeit formt. Bei der Sapir-Whorf Theorie wird diese Annahme direkt formuliert, jedoch wird sie von Mikfeld und Turowski nicht direkt formuliert, sondern durch Umwege angegeben. Die Autoren nehmen an, dass Sprache auch manipulativ ist und übertragen das auf den ,,realitätskonstituierenden Charakter“ (Z.48) der Sprache. Damit wird die Grundlage für die Annahme geschaffen, dass der Sprachgebrauch auch unsere Wahrnehmung beeinflusst. Die beiden Theorien richten nach den Grundannahmen ihren Fokus auf unterschiedliche Bereiche und Konzepte. Im Bereich Bedeutung der Sprache beschränkt sich die Sapir-Whorf Theorie auf deren Bedeutung beim Erfassen bzw. Wahrnehmen von Sachzusammenhängen. Wohingegen Mikfeld und Turowski auf die Bedeutung während des Sprachgebrauchs im Bereich von Politik und der daraus resultierenden Macht. Ein entscheidender Unterschied besteht hier zwischen den Tragweiten der unterschiedlichen Bedeutungshorizonte der Sprache. Es entsteht ein Kontrast zwischen der alltäglichen und jeden betreffenden Wahrnehmung und den Einfluss der Sprache auf diese, was die Sapir-Whorf Theorie fokussiert. Und der Bedeutung der Sprache innerhalb der Politik und wie sie durch die Machtakteure eingesetzt wird, um die Menschen auf verschiedenen Ebenen zu beeinflussen. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Theorien ist die Rolle der Wirklichkeitserfassung und - beeinflussung. In der Sapir-Whorf Theorie wird diese durch einen passiven Charakter verdeutlicht, da die Autoren u.a. davon ausgehen, dass mehrere Personen einen gleichen Sachverhalt beobachten und dabei zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Die Sprache beeinflusst hier durch ihre Semantik und Grammatik die Wahrnehmung und die daraus resultierende Bewertung eines Sachverhaltes. Bei Mikfeld und Turowski wird der Sprache und ihrer Wirklichkeitserfassung einen aktiven Charakter zugeschrieben, da die Autoren davon ausgehen, dass die Sprache gezielt u.a. zur Manipulation eingesetzt wird. Dadurch wird der aktive Charakter der Wirklichkeitserfassung und -beeinflussung deutlich. Dementsprechend fokussieren sich Mikfeld und Turowski auf den tatsächlichen und praktischen Charakter der Sprache, da sie die Bedeutung für die Politik und die Beeinflussung der Menschen durch den Einsatz der Sprache durch Politik beschreiben. Die Sapir-Whorf Theorie bleibt hierbei nur im theoretischen Bereich der Sprache und stützt sich vor allem auf Grammatik und Semantik, um die Theorie zu beschreiben. Beide Theorien stellen überzeugende Ansätze dar. Mikfeld und Turowski gehen in ihrer Theorie davon aus, dass die Sprache wesentlich für die Politik ist, da diese die Sprache u.a. zur Manipulation nutzt. Die These dass zu den politischen Machtakteuren auch Medien, Großkonzerne und auch Verbände zählen lässt sich durch den sichtbaren Einfluss von Konzernen wie VW auf Gesetze deutlich belegen. So wurden bspw. deutsche Gesetze zur Abgasprüfung von VW für das Bundesverkehrsministerium vorgefertigt und in ihrer damaligen Fassung auch zum endgültigen Gesetz. Dadurch wurden gezielt Lücken zur Manipulation von Fahrzeugen durch die Hersteller geschaffen, die auch durch den VW-Abgasskandal aufgedeckt wurden. Der Einfluss von Verbänden wird auch in der EU sichtbar, da dort in einem allgemeinen Lobbyregister alle Gespräche zwischen Lobbyisten und Abgeordneten vermerkt. Dieses Register ist gefüllt mit Gesprächen, die maßgeblich darauf hinweisen, dass Lobbyorganisationen deutlichen Einfluss auf die Gesetzgebung und damit auch auf die Politik haben. Eine deutliche Sichtbarkeit ist nicht merkbar, da es oftmals nicht öffentlich thematisiert wird und sich auch wenig Menschen mit solchen Registern beschäftigen. Des Weiteren ist die Beschreibung des Diskurses und die Sagbarkeit von bestimmten Dingen belegt, da die Autoren direkt mehrere Beispiele zur Begründung ihrer These vorbringen. Diese These lässt sich auch an der Krimkrise ablesen, da sich die öffentliche Debatte inzwischen sichtbar für Auslandseinsätze und teilweise auch für Interventionen der Bundeswehr ausgesprochen hat. Damit wird deutlich, dass sich in Krisensituationen (Annexion der Krim durch Russland) der politische Diskurs verändert. Vor der Krimkrise war es schwierig eine Mehrheit in Deutschland und auch in Europa zu finden, die sich für mehr Auslandseinsätze und Interventionen einsetzte. Nun hat sich diese Haltung verändert, da man inzwischen auch innerhalb der EU- Kommission davon redet, dass Europa die Sprache der Macht sprechen solle. Auch werden immer öfter Initiativen von Politikern öffentlich, in denen man mehr Einsätze der Bundeswehr fordert. Die Verwirklichung einer gesamteuropäischen Armee wird immer deutlicher, da immer mehr Politiker in unterschiedlichen Gremien, Ebenen und Ländern dies fordern. Die These, dass bestimmte Begriffe Gegenstand von semantischen Kämpfen sind und somit versucht wird diese mit spezifischen Inhalten zu füllen, lässt sich ebenfalls an mehreren Beispielen belegen. Da wäre z.B. das Wort „Flüchtlingswelle“ zu nennen, was vor allem durch konservative und rechte Kreise genutzt wurde, um gezielt eine Angst gegenüber den ankommenden Flüchtlingen zu schüren. Das Wort „Flüchtling" in Kombination mit ,,Welle" soll anschaulich zeigen, dass sehr viele Flüchtlinge nach Europa kommen und diese praktisch unaufhaltsam sind. Es bedarf aus Sicht der konservativen und rechten Kreise eine deutliche und vor allem abschreckende Lösung des Problems. Dies wird deutlich, wenn man die aktuelle Lage im Flüchtlingslager Moria betrachtet. Nachdem bereits deutlich mehr Flüchtlinge dort gelebt haben, als die Kapazitäten es eigentlich erlaubt hätten, brannte das Lager ab. Dies zeigt deutlich, dass die Flüchtlingspolitik der EU vor allem auf Abschreckung basiert, um mögliche Flüchtlinge bereits vor ihrer Reise dazu zu bewegen nicht zu flüchten. Die öffentliche Meinung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. 2015 gab es noch größere Mehrheiten für eine Aufnahme von Flüchtlingen. Neuste Umfragen zeigen, dass der größte Teil der Befragten gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen ist. Selbst die Bilder aus dem brennenden Flüchtlingslager Moria ändern an dieser Haltung wenig. Es zeigt sich auch hier, dass durch Krisensituationen sich der Diskurs verändert. Somit zeigt sich, dass sich der politische Diskurs wie von Mikfeld und Turowski beschrieben durch Krisensituationen ändern kann und dies auch tut. Die Tatsache, dass die Sprache den Menschen beeinflusst führt zur eigentlichen Bedeutung für den politischen Einsatz der Sprache. Sie wird gezielt zur Manipulation und Beeinflussung eingesetzt und die meisten Menschen merken es nicht, da sie die entsprechenden Begriffe nicht hinterfragen und somit ihre eigene Wahrnehmung nicht verändern wollen. Dadurch wird die These der Sprachbedeutung zielgerichtet durch die Autoren begründet. Es entsteht eine Beschreibung des derzeitigen Einsatzes von Sprache im Hinblick auf den politischen Einsatz. Außerdem werfen die Autoren die Frage auf, ob eine Hinterfragung dieser Praxis nicht deutlich sichtbarer in der Öffentlichkeit stattfinden sollte. Die Aktualität der Thesen nimmt nicht ab, da sich das Konzept auf universell übertragen lässt und somit eine Kontinuität des Musters festzustellen ist. Des Weiteren zeigt sich, dass die Autoren mit ihrem Text die Sprache als ein zentrales und vor allem als ein wenig beachtetes Mittel der Politik darstellen. Solch eine Zuordnung sollte durch die Gesellschaft aufgenommen und diskutiert werden, um möglichen Machtmissbrauch vorzubeugen. Die Verschiebung des Diskurses in vielen Bereichen zeigt, dass man die Sprache missbrauchen kann, um seine eigene politische Agenda voranzubringen. Dadurch entsteht ein Machtmonopol, welches sich nicht beseitigen lässt sobald es sich gefestigt hat. Aufgabe 1 Einleitung, die zentrale Angaben aufnimmt: Autoren, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr. Thema des Textes, etwa: Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Sprache, Macht und Denken im Feld der Politik, Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Diskurses und der Sprache im Feld der Politik. ● Inhalt Position der Autoren wird dargestellt: Sprache als zentrales Instrument des politischen Diskurses, in dem Akteure der Macht (z. B. politische Parteien) um ,,Meinungsführerschaft" kämpfen. gedanklicher (Inhalt und z. T. Argumentation) Aufbau des Textes: einführende Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Macht im Feld des Politischen: Unterscheidung zwischen den ,,sichtbaren“ Kräften der Macht (z. B. Regierungschefs, Minister, Parteien oder auch Medien) und den Diskursen als ,,unsichtbare" Regelsysteme, (Interessenverbände, Unternehmen oder auch die Medi- en) die über die Legitimation von politischen Ideen und Forderungen entscheiden - also welche „Ideen werden als ,,richtig" eingestuft" ● Mikfeld/ Turowski: Sprache. Macht. Denken Lösungen Ergänzungen ● • Auflistung von Beispielen des Machtgebrauchs und Missbrauchs von Sprache und darauf reagierender Formen politischer Sprachkritik (z. B. Viktor Klemperers Untersuchung der manipulativen Sprache im ,,Dritten Reich“ oder die Wahl der ,,Unwörter des Jahres“ durch eine Jury), ● Darstellung der Kernthese: Hervorhebung der zentralen Bedeutung der Sprache im politischen Diskurs, in dem die Akteure der Macht um ,,Meinungsführerschaft" kämpfen, ● genauere Darstellung der Wirkmächtigkeit und der Funktionsweise der Sprache im politischen Diskurs (z. B. „Über Sprache entwickeln wir eine Vorstellung davon, was für uns,wahr' ist", Z. 29 f.), untersucht die Leserlenkung (Argumentation) des Textes in ihrer Funktion, etwa: Nennung des Themas bereits mit dem Titel ,,Sprache. Macht. Denken", insofern es in dem Text um das Ver- hältnis von Sprache, Macht und Denken im Feld der Politik geht, abschließende Bestimmung der Sprache als ,,Soft Power", die unsere Vorstellungen von Wirklichkeit bestimmt und daher einen ,,realitätskonstituierenden Charakter" hat; Darstellung der Verwendung von Begriffen, Topoi, Metaphern und Narrativen durch politische Gruppen im Kampf um politische Meinungshoheit. Definition der sichtbaren Macht (Schulwissen) und Thesen zur „unsichtbaren Macht" (Erweiterung des Schulwissens eigene Definition des Begriffs ,,Diskurs“ und damit Abgrenzung gegenüber anderen Verwendungsweisen, um die eigene Theorie zu konturieren und Missverständnissen vorzubeugen, Anführen (=Beispiele) von jüngeren Ereignissen von weltgeschichtlicher Bedeutung (Reaktorunglück in Fukushima, Finanzkrise 2007, Agenda 2010) zur Illustration und Stützung der These, dass insbesondere in Krisenzeiten Diskurse in Bewegung geraten können, Nutzung von Zitaten einzelner Wörter wie „sagbar“, „richtig“ oder „angemessen“, um Grundstrukturen des politischen Diskurses für den Leser sichtbar zu machen, ironische Darstellung von Verschiebungen innerhalb des politischen Diskurses in Krisenzeiten, sodass nach dem Reaktorunglück in Fukushima auch in konservativen Kreisen ein ,,strammes Bekenntnis" zur Atomkraft nicht mehr ,,sagbar" gewesen sei, • Verwendung von Zitaten des Politikwissenschaftlers Benjamin Barber, des Sozialphilosophen Oskar Negt und verschiedener Sprachwissenschaftler, um die eigene Argumentation durch die Einschätzungen von Autoritä- ten abzustützen, • Auflistung von historischen Beispielen des Machtge- und -missbrauch um die eigene Position zu illustrie- ren und zu stützen. Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 1 von 5 sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes im Hinblick auf ihre Funktion: sachliche Sprache: Nominalstil, sachliche Wendungen durch unpersönliche Wendungen von ,,es“ oder ,,man" Konstruktionen all das ist typisch für wissenschaftliche Texte ● ● ● ● in Verbindung mit der Nutzung rhetorischer Mittel (insbesondere sprachlicher Bilder/ Metaphern), sodass die vornehmlich theoretischen Ausführungen gleichzeitig einen gewissen Anschaulichkeitsgrad erhalten, antithetische Gegenüberstellung von ,,sichtbaren“ und „unsichtbaren" Kräften der Macht, von ,,sagbaren" und nicht (mehr),,sagbaren“ Ideen und Forderungen im Feld der Politik, Beschreibung des Diskurses mithilfe von Fluss- und Bewegungsmetaphern (,,Gerade in Krisensituationen können diese vormals starren Diskurse in Bewegung geraten und sich verschieben“, Z. 10 f.), Verwendung z. T. Parallelismen, um in Form einer Auflistung die Funktionen der Sprache innerhalb des poli- tischen Diskurses zu verdeutlichen, Sprache ist... Sprache ist... • Verwendung der Metapher des Kampfes, um das Ringen politischer Akteure um die Bedeutung von Begriffen innerhalb des politischen Diskurses sinnfällig ins Bild zu setzen, • Einbezug des Lesers durch die Verwendung der Pronomen ,,wir“, „uns“ und „unser“. Textbeispiele hierfür (Montag, 07.09. Ergänzung) Nominalisierung Nominalisierung 5 10 55 15 abstrakte Begriffe 25 Wiederholung/Aufzählung/ Parallelismus "wir" der Leser wird einbezogen verschwommen sind. All diese Akteure der Macht agieren jedoch nicht im politischen Vakuum. Es gibt zu jeder Zeit politische Forderungen und Ideen, die mehrheitlich als ,,richtig“ und „,angemessen beur- teilt werden, und andere, für die dies nicht gilt. Solche Regelsysteme, die hinter den sichtbaren Macht- strukturen und -mechanismen liegen, bezeichnen wir als Diskurse. Sie regeln, was in bestimmten Gruppen oder der breiten Öffentlichkeit als ,,sagbar" gilt und was nicht. Gerade in Krisensituationen können diese vormals starren Diskurse in Bewegung geraten und sich verschieben. So war nach der Reaktor- katastrophe in Fukushima auch in konservativen Kreisen ein strammes Bekenntnis zur Atomenergie kaum noch ,,sagbar. Vor der globalen Finanzkrise 2007 wiederum waren bestimmte Forderungen zur Begrenzung der Macht der Finanzmärkte nur in bestimmten politischen Kreisen ,sagbar" Doch "es" war kaum sagbar" es dauerte nach Ausbruch der Krise nur wenige Monate, bis der bürgerliche Mainstream diese Forde- rungen (wenn auch nur halbherzig) übernahm. "es" unpersönlich Ironie und persönliche Wertung des Autors Wiederholung/Aufzählung/ Parallelismen Leser wird angesprochen Leser soll die Meinung der Autoren teilen ↓ Die Sprache ist ein wichtiges Instrument der Politik. Sprache dient der Argumentation, der Verhandlung, der Konsensfindung, aber auch der Agitation und Manipulation. Über Sprache stellen wir politische Zu- stimmung und Zugehörigkeit ebenso wie Abgrenzung her. (Auch) über Sprache werden politische Alli- anzen geknüpft und Mehrheiten gebildet. Über Sprache entwickeln wir eine Vorstellung davon, was für uns ,,wahr" ist. ,,Wer die Sprache kontrolliert, hat somit Kontrolle über das gemeinschaftliche Wir", schrieb Benjamin Barber.¹ Von anderen Denkern der politischen Theorie kann man ähnliche Sätze finden. unpersönliche Wendung Metapher: Kampf um Deutung/ Semantik Passiv indirekt "es" war... Passiv [...] Politische Sprache ist als Soft Power zu verstehen. Sie prägt unsere Vorstellung von Wirklich- keit und hat daher ,,realitätskonstituierenden Charakter". Begriffe sind nicht ,,neutral", sondern viel- Versachlichung fach Gegenstand so genannter semantischer Kämpfe, in denen es darum geht, diese mit einem be- Nomen 50 stimmten Inhalt zu füllen oder Sachverhalte mit bestimmten Begriffen zu bezeichnen. Politische Sprache ist zudem nicht nur argumentativ, sondern sie beinhaltet immer auch normative und emotionale Elemen- te. Jede politische Denkrichtung oder Gruppe verfügt über ein spezifisches Arsenal an Begriffen, Topoi, Metaphern und Narrativen, die im Bemühen um Meinungsführerschaft und Deutungsmacht zum Einsatz kommen. Dabei geht es nicht immer um eine sachliche Beweisführung, sondern darum, Übereinstim- mung zwischen Redner/in und Publikum herzustellen. Sprache ist somit Gegenstand sowohl politi- scher Deutungskämpfe wie auch politischer Taktik und Strategie: ,,Es geht um Deutungshoheit und Ver- wendungshoheit von Sprache. Denn Sprache ist ein Instrument zur Erlangung, Sicherung, Aus- übung und Kontrolle von Macht". [...] Fazit/ Schlussfolgerung Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 2 von 5 Aufgabe 2 Teil 1 Stellen Sie die Grundannahmen der Theorie von Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf zum Ver- hältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit dar. [...] Grundannahmen der Theorie von Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf zum Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit werden zunächst dargestellt: (vergleiche Lernblatt!!!) Linguistisches/sprachliches Relativitätsprinzip: Grundannahme: Sprecher verschiedener Sprachen (Muttersprache, Sprachcodes), nehmen die Wirklichkeit auf verschiedene Art und Weise wahr (abhängig von Lexik/Wortschatz, Grammatik) → sprachenabhängi- ges Bild von der Welt → Sprache ist also nicht - nur - ein reproduktives Instrument zum Ausdruck von Gedanken, sondern das lin- guistische System der Sprache (die Grammatik und die Semantik) formt unsere Gedanken zu allererst, unter- schiedliche Sprachen können zu unterschiedlichem Denken oder unterschiedlichen Weltanschauungen füh- ren, gleiche/ähnliche Wahrnehmung gäbe es dann nur bei gleichen/ähnlichen linguistischen Hintergründen (es gibt auch Widersprüche innerhalb einer Sprache, weil Menschen bei Worten, Sätzen und Bedeutungen augrund unterschiedlicher Erfahrungen unterschiedliche Assoziationen haben; aber das ist zunächst im Kern der Sapir Whorf Hypothese nicht gemeint weitere Grundannahme: das linguistische System der Sprache bestimmt unsere Art der Analyse und der Syn- these von Eindrücken der „Welt“ oder „Wirklichkeit“ und die jeweilige Muttersprache gibt uns die Katego- rien vor, nach denen wie wir die Erscheinungen der Natur ordnen, • jede Einzelsprache eröffnet somit eine eigentümliche Weltsicht, insofern sich die linguistischen Systeme der einzelnen Sprachen mehr oder weniger stark unterscheiden und so jeweils eigene, allerdings nur relative Perspektiven auf die Wirklichkeit bieten, das linguistische Relativitätsprinzip anhand von Beispielen ● Grammatik: unterschiedliche grammatische „Geschlechter" erzeugen unterschiedliche Assoziationen zu den ,,gleichen" Gegenständen - Kulturen, in denen „Schlüssel“ männlich kodiert ist (,,der Schlüssel“) erzeugen „männliche“ Eigenschaften zu dem Gegenstand „Schlüssel“, Kulturen, in denen „Schlüssel“ weiblich ko- diert ist („la clé, la llave, la chiave“) erzeugen „weibliche“ Eigenschaften zu dem Gegenstand „Schlüssel“ ● Semantik (z. B. Farbwörter) – in einige Kulturen werden Farben differenziert („Schnee“ bei den „Eskimos“) andere Vorstellungen von Raum und Zeit (Kulturen, die keine Uhr haben, ,,recht und links" oder absolute Orientierungen wie Himmelsrichtungen – einige Wörter gibt es z. B. nur im Deutschen" Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 3 von 5 Aufgabe 2 - Teil 2 [...] Setzen Sie den Ansatz von Sapir und Whorf in Beziehung zu Mikfelds und Turowskis Ausführun- gen zum Bereich der Politik. [...] „...in Beziehung setzen..." meint Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten... Parallelen/ Gemeinsamkeiten der Ausführungen Mikfeld/ Turowskis zum Bereich der Politik zu Sapirs und Whorfs Theorieansatz zum Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit aufweisen, etwa: • geteilte Grandannahme, dass Sprache die Art und Weise formt, in der wir die Wirklichkeit erfassen bzw. die Realität konstituieren. gemeinsame Grundannahme, dass Sprache nicht nur Ausdruck des Gedankens ist, sondern das Denken selbst formt und prägt, Unterschiede zwischen Mikfelds und Turowskis Ausführungen zum Bereich der Politik und Sapir/ Whorfs Theo- rieansatz zum Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit aufweisen, etwa: ● ● eher erkenntnistheoretische Ausrichtung bei Sapir/ Whorf, aber im Schwerpunkt kritisch-strategische Ana- lyse des politischen Sprachgebrauchs bei Mikfeld/Turowski, Fokussierung auf das linguistische System (Grammatik und Semantik) der Sprache bei Sapir/Whorf, Erweite- rung der Betrachtung und Einbezug auch der pragmatischen Dimension der Sprache bei Mikfeld/ Turowski, Sprache eher als statisches Kategorien- und Bedeutungssystem bei Sapir/ Whorf, hingegen eine dynami- sche Vorstellung des Ringens um die Bedeutung von Begriffen bei Mikfeld/Turowski, Betrachtung des Einflusses der Sprache auf die Wirklichkeitserfassung (statisch passiv)bei Sapir/ Whorf, dar- über hinaus die Betrachtung der Beeinflussung und Konstituierung (=aktives Herstellen der gesellschaftlichen Wirklichkeit durch Sprache bei Mikfeld/Turowski, • Fokussierung der Bedeutung der Sprache beim Erfassen und Ordnen der Erscheinungen der Natur bei Sapir/Whorf, Betrachtung der Rolle der Sprache und des Sprachgebrauchs im Kontext von Macht bei Mik- feld/Turowski. Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 4 von 5 Aufgabe 2 - Teil 3 [...] Beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Überzeugungskraft des Ansatzes von Mikfeld und Turowski zum politischen Sprachgebrauch ...das macht man am besten auch wieder abwägend - inwieweit kannst du die Ausführungen nachvollziehen und inwieweit wäre Kritik möglich – alles bitte immer begründen!!! eher bestätigende Ausführungen die Überzeugungskraft des Ansatzes zum politischen Sprachgebrauch von Mikfeld und Turowski betreffend, etwa: ● ● Anführen von eigenen oder im Unterricht besprochenen Argumenten, Beispielen und Belegen, die für den Einfluss der Sprache auf das Denken sprechen (z. B. grammatisches Geschlecht, Framing, „Neusprech“ oder NS- Sprache...) oder sprachlich bedingte Unterschiede bei der Zeit- und Raumwahrnehmung), Illustration der als gelungen eingeschätzten Anwendung von eigentlich erkenntnistheoretischen Annahmen auf das Feld der Politik anhand von selbst gewählten oder im Unterricht etwa im Zusammenhang mit poli- tischer Rhetorik behandelten Beispielen für politischen Sprachgebrauch mit „realitätskonstituierende(n) Charak- ter" (z. B. der Einfluss gekürter „Unwörter des Jahres" wie etwa „Anti-Abschiebe-Industrie“ oder „Gut- mensch" oder ,,alternativlos" auf das Denken), eher relativierende Ausführungen die Überzeugungskraft des Ansatzes zum politischen Sprachgebrauch von Mikfeld und Turowski betreffend, etwa: ten. Anführen von medial geführten Debatten, in denen mit Begriffen, Topoi, Metaphern und Narrativen um Meinungs- und Deutungshoheit gekämpft wurde und wird (z. B. die Flüchtlingsdebatte und die Verwendung von Metaphern wie „Flüchtlingswelle“ und „Flüchtlingsschwemme“ oder „Narrative“/ Framing im Bezug auf die Berliner ,,Querdenk – Demo" gegen Maskenpflicht und „Besetzung" des Reichstages), ● Kritik an dem dargestellten Verständnis eines politischen Diskurses, der nicht als Form lösungs- und verstän- digungsorientierter Kommunikation begriffen wird, sondern als ein Kampfplatz, auf dem Begriffe, Topoi, Metaphern und Narrative im Ringen um Deutungshoheit eher instrumentell genutzt werden, (diese Sicht ist aber gegenwärtig offen - denn es bleibt die Frage, ob demokratische Verfahren genau über diese Mechanismen relativiert werden und inwieweit Kritik an gezielter Manipulation des Denkens durch Sprache selbst wieder „angegriffen wird – vgl. aktuelle Berichte über „Verschwörungstheorien“) Angestrebt ist hier kein vollständiges Anführen der beispielhaft genannten Aspekte, sondern eine differenzierte Schwerpunktsetzung. Dabei kann sich das argumentative Vorgehen auch vornehmlich an einer Position ausrich- ● Schluss/ Fazit abwägende, reflektierte Schlussfolgerungen, etwa hinsichtlich einer Gewichtung der zuvor angeführten Argumente, Beispiele und Belege in Verbindung mit einer differen- zierten Abschlussbeurteilung, der Frage nach der Notwendigkeit der Sprachkritik und des Entlarvens strategisch- manipulativen Sprachge- brauchs im politischen Diskurs, der Frage nach der eigenen Verführ- und Manipulierbarkeit durch Sprache, etwa in unbewusster Form durch inzwischen fast schon abgeblasste Metaphern wie. „Flüchtlingswelle“ oder „Flüchdingsschwemme“, der Frage nach Möglichkeiten eigener Einflussnahme im politischen Bereich durch gezielte Nutzung von Be- griffen, Metaphern und Narrativen. Lösungen ,,Sprache. Macht. Denken" von Mikfeld Turowski Seite 5 von 5