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Bedeutungsverengung: Der Bedeutungsumfang ist kleiner Mittelhochdeutsch hoch (ge) zit war ein hohes kirchliches
geworden, dad
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TSprachwandel Bedeutungsverengung: Der Bedeutungsumfang ist kleiner Mittelhochdeutsch hoch (ge) zit war ein hohes kirchliches geworden, dadurch dass noch weitere, spezialisierende oder weltliches Fest oder einfach, Freude". Neuhochdeutsch Merkmale zu dem ursprünglichen Inhalt gekommen sind. Hochzeit bedeutet, Eheschließung". So geht Sprachwandel Bedeutungserweiterung: Der Umfang hat sich vergrößert, Sache hatte früher die Bedeutung, Streit, Rechtssache (,, in da inhaltlich spezifizierende Merkmale weggefallen sind. sache x gegeny"). Bedeutungsverschiebung: Wenn ein sprachliches Bild ganz verblasst ist, so dass die ursprüngliche konkrete Bedeutung nur noch abstrakt ist, kann man von Bedeutungsverschiebung sprechen. Bedeutungsverschlechterung: Die Bedeutung eines Wortes ist vom moralischen, sozialen oder auch Stilistischen Gesichtspunkt aus schlechter" geworden und enthält oft eine negative Wertung. Bedeutungsverbesserung: Die Bedeutung eines Wortes ist vom moralischen, sozialen oder auch Stilistischen Gesichtspunkt aus „besser" geworden. Warum eigentlich Sprachwandel? gesellschaftliche Ursachen kulturelle Entwicklung ● . . Sozialprestige Neue Ideen und Dinge kulturkontakt . . . Beispiele . albern hatte im Althochdeutsch die Bedeutung, ganz wahr, freundlich. Heute bedeutet es töricht, einfältig, übertrieben lustig". Dirne bedeutete ursprünglich „junges Mädchen", dann ‚dienendes junges Mädchen", schließlich „Hure". Minister bedeutet wörtlich „der geringere (lat. minus) Diener heute „Diener des Staates, oberster Verwaltungsbeamter Sprachliche Ursachen Ausspracheerleichterung Zufälligkeiten Analogie Lexikalisierung bildhafter Ausdrücke Tendenz zur beschönigenden Umschreibung Bedarf an stärkeren Ausdrucken TSprachwandel Voll psycho- Martensteins These zum Sprachwandel 1. gesellschaftlich Verpont wird positiv besetzt und umgekehrt 2. Tabuworter der Jugendsprache werden aus dem Bereich des sexuellen entlehnt 3. es gibt dieser Entlehnung nicht um Diskriminierung von 2.B. Homosexuellen, sondern um Provokation liken & dissen Kann nicht kommen, weil ich bin krank: ( LOL Alter, geht...

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der steil Zeichensturm verloren Babo Chill ma. Die Enttabuisierung von Tabuwörter verwendet SO EIN ALLROUND-LAIE Ey, Digger Komm, lass uns cornern Achtung, es gibt Beef 1. Durch häufige verwendung geht der Tabugehalt 2. Durch die sexuelle Revolution wurde das Wort Mein Sohn ist 14 Jahre alt. Wenn er etwas großartig fand, sagte er bis vor kurzem: "Das ist geil." Das Wort geil bedeutete im Mittelalter gut. Später bedeutete es lustern Jetzt heißt geil wieder gut. Ich habe meinen Sohn gefragt "Was ist das Gegenteil von geil? Wie nennt ihr, in eurer jungen, taubedeckten Welt, in welcher gerade die Morgensonne der Selbstfindung aufgeht, eine Person, ein Tier oder eine Sache, die nicht großartig ist? Mein Sohn sagte: "Das Gegenteil von geil heißt schwul. Ein schwuler Film ist ein Film, der nicht geil war. Schwule Schulsportschuhe. Eine schwule Mathearbeit. Der Pitbull - ein schwuler Hund. Die Klassenfahrt nach Bad Orb war schwul. Die Klassenfahrt nach Beverly Hills war geil. Oder es heißt, dieses Mädchen finde ich schwul, jenes Mädchen finde ich geil or get In meiner Jugend ist schwul ein Schimpfwort gewesen. In meinen Mannesjahren wechselte schwul die Bedeutung. Schwule Regierungschefs priesen auf schwulen Stadtfesten in schwulstmöglicher Weise das Schwulsein. In der neuerlichen Umprägung Umprägung des Wortes kommt meiner Ansicht nach nicht ein Wiederaufleben des Ressentiments gegen Homosexuelle zum Ausdruck, sondern die ewige Lust der Jugend an der Provokation. Hatten geile Regierungschefs auf dem gell-lüsteren Stadtfest in geilen Worten das Geilsein gepriesen, dann wäre in der Jugendsprache manches anders gekommen. An dem Tag aber, an dem der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz dem Parteitagspodium mit schwerem Atem und ungeordnetem Haar ins Mikrofon stohnt: "Genossinnen und Genossen, ich bin geil, und das ist gut so, werden in der Jugendsprache die Karten neu gemischt Kürzlich kehrte mein Sohn aus der Schule zurück und teilte mir mit, weitere Umwertungen hätten stattgefunden. "Man Läuft. Heidis Stangenwald enttabuisiert und als öffentliches kampfwort NO CRE Rudi Keller, Ilja Kirschbaum: [Tabugehalt von Wörtern] STW Tabuwörter sind Wörter, die man zwar kennen sollte, aber nicht ohne Weiteres verwenden darf. Diese Ei- genschaft war es schließlich, die das Wort geil sodann dazu prädestinierte, Jugendlichen als ein besonders s expressiver Ausdruck der Begeisterung und Wert- schätzung zu dienen. Denn besondere Expressivität lässt sich hervorragend durch Tabubruch zum Aus- druck bringen. Man erinnere sich beispielsweise da- ran, dass die meisten Wörter, die wir zum Fluchen die wir zum fuchien 10 verwenden, aus Bereichen stammen, die mit Tabus belegt sind oder zumindest waren: aus dem religi- ösen, sexuellen oder fäkalen Bereich. Wenn ein Tabu- wort häufig verwendet wird, verliert es jedoch not- Es könnte so weit wendigerweise seinen Tabugehalt. Es kön is kommen, dass wir beim Verwenden des Wortes geil so wenig an seinen ehemals sexuellen Sinn denken, wie wir beispielsweise bei dem Adjektiv toll daran denken, dass man damit früher den Zustand der Gei- steskrankheit meinte. Wenn geil seinen Tabuwert ver- 2 loren hat, so ist zu vermuten, dass früher oder später wieder ein neues Tabuwort mit der ehemaligen sexu- ellen Bedeutung von geil entstehen wird. sagt nicht mehr geil. Nur Dreißigjährige sagen geil." Jetzt sagt man, zu etwas Gutem, meistens porno. Das Schulfest war voll porno. Der Pfarrer im Jugendgottesdienst hat porno gepredigt. Mein Sohn sagte, das Gegenteil von porno bezeichne die Jugend neuerdings als psycho. Ein Mädchen, das gestern noch schwul war, ist heute schon psycho. In der Kombination dieser beiden Begriffe ergeben sich reizende sprachliche Effekte, zum Beispiel: Psycho von Hitchcock ist ein porno Film. N. ist ein porno Typ, aber er muss jede Woche zu einem psycho Therapeuten. In: Dies: Bedeutungswandel. Eine Einführung Berlin/New York de Gruyter 2003, 5.2 Nach einigem Nachdenken wurde mir klar, dass die Gutwörter und die Schlechtwörter der Jugend meist dem Bereich des Sexuellen entnommen werden. Dabei wird stets das gesellschaftlich Goutierte negativ besetzt, das gesellschaftlich Verponte aber ins Positive gewendet. Dies ist die Entdeckung eines sozial-psychologischen Gesetzes, dies ist das Holz, aus dem Promotionen geschnitzt werden. In zehn Jahren werden die 14-Jährigen sagen: Die Klassenfahrt nach Bad Orb war sensibel und nachhaltig. Die Klassenfahrt nach Beverly Hills aber war pädophil. Dann aber dachte ich an das große Wort des großen Sigmund Freud: "Derjenige, der zum erstenmal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation. Zur Geschichte des Wortes „schwul" Die neuere Wortgeschichte von schwul im Deutschen ist eng mit einem tief greifenden Wandel in der Ein- stellung zur Homosexualität verbunden. Da die Na- tionalsozialisten Homosexualität als Bedrohung für s das Volkswachstum" betrachteten, verschärften sie 1935 den geltenden § 175 StGB, der Homosexualität als widernatürliche Unzucht bezeichnete und unter Strafe stellte [...] Nach Kriegsende galt der § 175 als einziges von den Nazis verschärftes Gesetz weiter, eine Verfassungsbeschwerde dagegen wurde 1957 zu- 16 rückgewiesen. Zwischen 1950 und 1965 kam es zu fünfundvierzigtausend Verurteilungen nach § 175 in der BRD. [...] Ein Bewusstseinswandel zeichnete sich erst als Resultat der sogenannten Sexuellen Revolution ab und führte dazu, dass der § 175 1969 und 1973 s reformiert wurde. In der Folge der Liberalisierung des Sexualstrafrechts bildete sich in den siebziger Jahren eine homosexuelle Emanzipationsbewegung, die den Spieß der Spießer einfach umdrehte, indem sie das Schimpfwort ,schwul' mit erhobenem Kopf zum » öffentlichen Kampfwort machte und dadurch zu einem guten Teil seines pejorativen Charakters be- raubte" (Sigusch). Aus: Zeitgeschichtliches Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, hrsg. von Georg Stötzel und Thorsten Eitz, Georg Olms Verlag, Hildesheim u.a. 2002 • Pejorativ: bedeutungsverschlechternd, abwertend

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Oder es heißt, dieses Mädchen finde ich schwul, jenes Mädchen finde ich geil or get In meiner Jugend ist schwul ein Schimpfwort gewesen. In meinen Mannesjahren wechselte schwul die Bedeutung. Schwule Regierungschefs priesen auf schwulen Stadtfesten in schwulstmöglicher Weise das Schwulsein. In der neuerlichen Umprägung Umprägung des Wortes kommt meiner Ansicht nach nicht ein Wiederaufleben des Ressentiments gegen Homosexuelle zum Ausdruck, sondern die ewige Lust der Jugend an der Provokation. Hatten geile Regierungschefs auf dem gell-lüsteren Stadtfest in geilen Worten das Geilsein gepriesen, dann wäre in der Jugendsprache manches anders gekommen. An dem Tag aber, an dem der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz dem Parteitagspodium mit schwerem Atem und ungeordnetem Haar ins Mikrofon stohnt: "Genossinnen und Genossen, ich bin geil, und das ist gut so, werden in der Jugendsprache die Karten neu gemischt Kürzlich kehrte mein Sohn aus der Schule zurück und teilte mir mit, weitere Umwertungen hätten stattgefunden. "Man Läuft. Heidis Stangenwald enttabuisiert und als öffentliches kampfwort NO CRE Rudi Keller, Ilja Kirschbaum: [Tabugehalt von Wörtern] STW Tabuwörter sind Wörter, die man zwar kennen sollte, aber nicht ohne Weiteres verwenden darf. Diese Ei- genschaft war es schließlich, die das Wort geil sodann dazu prädestinierte, Jugendlichen als ein besonders s expressiver Ausdruck der Begeisterung und Wert- schätzung zu dienen. Denn besondere Expressivität lässt sich hervorragend durch Tabubruch zum Aus- druck bringen. Man erinnere sich beispielsweise da- ran, dass die meisten Wörter, die wir zum Fluchen die wir zum fuchien 10 verwenden, aus Bereichen stammen, die mit Tabus belegt sind oder zumindest waren: aus dem religi- ösen, sexuellen oder fäkalen Bereich. Wenn ein Tabu- wort häufig verwendet wird, verliert es jedoch not- Es könnte so weit wendigerweise seinen Tabugehalt. Es kön is kommen, dass wir beim Verwenden des Wortes geil so wenig an seinen ehemals sexuellen Sinn denken, wie wir beispielsweise bei dem Adjektiv toll daran denken, dass man damit früher den Zustand der Gei- steskrankheit meinte. Wenn geil seinen Tabuwert ver- 2 loren hat, so ist zu vermuten, dass früher oder später wieder ein neues Tabuwort mit der ehemaligen sexu- ellen Bedeutung von geil entstehen wird. sagt nicht mehr geil. Nur Dreißigjährige sagen geil." Jetzt sagt man, zu etwas Gutem, meistens porno. Das Schulfest war voll porno. Der Pfarrer im Jugendgottesdienst hat porno gepredigt. Mein Sohn sagte, das Gegenteil von porno bezeichne die Jugend neuerdings als psycho. Ein Mädchen, das gestern noch schwul war, ist heute schon psycho. In der Kombination dieser beiden Begriffe ergeben sich reizende sprachliche Effekte, zum Beispiel: Psycho von Hitchcock ist ein porno Film. N. ist ein porno Typ, aber er muss jede Woche zu einem psycho Therapeuten. In: Dies: Bedeutungswandel. Eine Einführung Berlin/New York de Gruyter 2003, 5.2 Nach einigem Nachdenken wurde mir klar, dass die Gutwörter und die Schlechtwörter der Jugend meist dem Bereich des Sexuellen entnommen werden. Dabei wird stets das gesellschaftlich Goutierte negativ besetzt, das gesellschaftlich Verponte aber ins Positive gewendet. Dies ist die Entdeckung eines sozial-psychologischen Gesetzes, dies ist das Holz, aus dem Promotionen geschnitzt werden. In zehn Jahren werden die 14-Jährigen sagen: Die Klassenfahrt nach Bad Orb war sensibel und nachhaltig. Die Klassenfahrt nach Beverly Hills aber war pädophil. Dann aber dachte ich an das große Wort des großen Sigmund Freud: "Derjenige, der zum erstenmal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation. Zur Geschichte des Wortes „schwul" Die neuere Wortgeschichte von schwul im Deutschen ist eng mit einem tief greifenden Wandel in der Ein- stellung zur Homosexualität verbunden. Da die Na- tionalsozialisten Homosexualität als Bedrohung für s das Volkswachstum" betrachteten, verschärften sie 1935 den geltenden § 175 StGB, der Homosexualität als widernatürliche Unzucht bezeichnete und unter Strafe stellte [...] Nach Kriegsende galt der § 175 als einziges von den Nazis verschärftes Gesetz weiter, eine Verfassungsbeschwerde dagegen wurde 1957 zu- 16 rückgewiesen. Zwischen 1950 und 1965 kam es zu fünfundvierzigtausend Verurteilungen nach § 175 in der BRD. [...] Ein Bewusstseinswandel zeichnete sich erst als Resultat der sogenannten Sexuellen Revolution ab und führte dazu, dass der § 175 1969 und 1973 s reformiert wurde. In der Folge der Liberalisierung des Sexualstrafrechts bildete sich in den siebziger Jahren eine homosexuelle Emanzipationsbewegung, die den Spieß der Spießer einfach umdrehte, indem sie das Schimpfwort ,schwul' mit erhobenem Kopf zum » öffentlichen Kampfwort machte und dadurch zu einem guten Teil seines pejorativen Charakters be- raubte" (Sigusch). Aus: Zeitgeschichtliches Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, hrsg. von Georg Stötzel und Thorsten Eitz, Georg Olms Verlag, Hildesheim u.a. 2002 • Pejorativ: bedeutungsverschlechternd, abwertend