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Textinterpretation: Horváth: "Das Märchen in unserer Zeit"

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„Das Märchen in unserer Zeit“

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Klaus Schenck

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Pferd sehr bewegt. Das Pferd wird vom Metzger geschlachtet, weshalb das Mädchen beim Abendessen Pferdefleisch verweigert. Betrachtet man den vorliegenden Text, kann man an den darin vorkommenden Fabelwesen wie Elfen, Zwergen und sprechenden Tieren sofort erkennen, dass es sich um ein Märchen handeln muss. Es ist in zwei unterteilt, dem ersten, in dem das Mädchen von allen gesagt bekommt, das Märchen gebe es nicht mehr, es sei „schon längst tot." (Z.4). Als es die Hoffnung beinahe aufgibt, sieht es ein altes Pferd und denkt sich, „es wird's auch nicht wissen“ (Z.29), fragt es aber trotzdem. Durch die Befragung des Pferdes wird ein Wendepunkt herbeigeführt, denn das alte Pferd ist die erste Figur, die die Existens des Märchens bejaht. Am Anfang des Textes begibt sich das Mädchen auf die Suche nach dem Märchen und am Schluss, im letzten Satz, findet es das Märchen, die Suche ist somit abgeschlossen und der Text ergibt eine runde Geschichte, wie es bei Märchen meistens der Fall ist. Es ist in einer zeitraffenden Erzählform geschrieben, da das Mädchen viele Tiere befragt und es unklar ist, wie lange es gebraucht hat, um schließlich eine helfende Antwort zu finden, über welchen Zeitraum sich das Geschehen also erstreckt. Geschrieben ist es in einer Mischung aus direkter und indirekter Rede, in der dritten Person, die von der Handlung berichtet. Als Erzählzeit ist die Vergangenheit gewählt, wobei in der direkten Rede hingegen die Gegenwart benutzt wird. All das ist üblich für ein Märchen und lässt auf die Form der erlebten Rede schließen. Auch der Sprachgebrauch ist typisch für ein Märchen, er ist einfach, eher umgangssprachlich als hochsprachlich, was dazu dient, dass jeder Mensch, auch die einfachen Leute. es verstehen, da Märchen ja in allen Gesellschaftsschichten verwendet werden. Dies weist auf einen eher parataktischen Satzsbau hin. 45 50 55 60 65 70 75 80 85 www.KlausSchenck.de/ Deutsch / 4-stündige KA: Textinterpretation / Kl. 12 / S. 2 von 3 Das Märchen in unserer Zeit“ (Ö. v. Horváth) "" „In unserer Zeit“ (Z.1) der Aufgeklärtheit, des Wissens, der Technik lebt ein Mädchen, das sich auf die Suche nach dem Märchen macht, da es gehört hat, es sei verschwunden oder gar tot. Das Märchen ist eine sehr alte Erzählform, die sich vorallem früher großer Popularität erfreute. Eltern und Großeltern erzählten ihren Kindern und Enkelkindern früher sehr viele Märchen. Das Märchen machte Kinder glücklich, diente zur Unterhaltung der Kinder, zur Erteilung von Lektionen, zur Vermittlung von Moral, allgemein zur Erziehung. In vielen Märchen kommen Fabelwesen wie Elfen, Zwerge, Hexen und sprechende Tiere vor. Jedoch „in unserer Zeit“ (Z.1) sind die „Elfen der Wiesen [...] längst fortgezogen, die Zwerge aus den Höhlen, die Hexe aus der Schlucht" (Z.10 ff.) verschwunden. Dies bedeutet, dass heutzutage kein Märchen mehr existiert, da die Eltern ihren Kindern keine Märchen mehr erzählen. Der Glaube der Kinder an Fabelwesen und sprechende Tiere ist verlorengegangen, der Mensch hat seinen Sinn für Märchen verloren. Es ist genauso verschwunden wie auch viele andere alte Werte. Das Märchen liegt tot neben all den anderen verlorenen Werten „in irgendeinem Massengrab“ (Z.6) All jene haben keine Bedeutung mehr für den Menschen, ohne Wertschätzung wurden sie einfach „irgendwo verscharrt" (Z.5) und kein Mensch gedenkt ihnen mehr. Trotzdem gibt das Mädchen ihre Suche nicht auf und fragt die Vögel nach dem Verbleib des Märchens, doch diese antworten ihm, „die Menschen fliegen schneller [und] höher" (Z.13 f.) als sie. Das lässt darauf schließen, dass, wie bereits im Titel erwähnt, die Handlung in der Moderne spielt, denn die Menschen besitzen bereits Flugzeuge, mit denen sie ihre natürlichen Grenzen überwunden haben. Des Weiteren deutet die Antwort der Vögel darauf hin, dass der technische Fortschritt, das Wissen und rationales Denken das Märchen und andere, an die Gefühle appellierende Werte, verdrängt haben. Dem Anschein nach hat sich dieses Verhalten und Denken, ausgehend von Forschern und Wissenschaftlern, auch auf die Tiere übertragen, welche sinnbildlich für die normalen Bürger und Bauern stehen könnten. Beispielsweise sehen die Kühe die Frage des Mädchens nach dem Märchen als dumm und sinnlos, „man dürfe sowas vor den Kälbern gar nicht sagen“ (Z. 20), da sie „darauf vorbereitet werden, [...] geschlachtet [...], kastriert oder [als] Milchspender“ (Z.21 ff.) gebraucht zu werden. „Man müsse die Kälber aufklären“ (Z.25). Bei der Erziehung der Kinder wird nicht mehr auf die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten gesetzt, sie werden nur noch erzogen, um zur `Zweckerfüllung´ zu dienen. Ausgelöst wird dieser Wertewandel, und somit auch die Zerstörung des Märchens, durch die Aufklärung, welche rationales Denken durch den Gebrauch der Vernunft zum Inhalt hat. Gefühlsmäßige Handlungen, wie sie in vorangegangener Zeit üblich waren, gelten als überholt. Nun ist ein Einschnitt zu bemerken, das Mädchen hat die Hoffnung, das Märchen doch noch zu finden, schon beinahe aufgegeben, da alle die Existenz des Märchens verneinen. Doch dann trifft es auf der Straße ein Pferd, und da das Pferd sehr alt ist, denkt sich das Mädchen, es „weiß sicher viel“ (Z.30 f.) Das Pferd steht mit seinem hohen Alter für die älteren Menschen an ihrem Lebensabend. Sie haben in ihrer Kindheit noch eine Erziehung mit alten Werten, unter Zuhilfenahme von Märchen, erfahren. Doch auch diese alte Generation bleibt nicht mehr lange bestehen, wie auch das Pferd, das aufgrund seines Alters und Leistungsunfähigkeit geschlachtet wird. Es wird nicht auf die Erfahrung und das Wissen der alten Menschen gehört, sie werden einfach abgeschoben. Das Pferd erkennt sofort in der Suche nach dem Märchen und in der Suchenden selbst 90 95 100 105 110 115 120 www.KlausSchenck.de / Deutsch / 4-stündige KA: Textinterpretation / Kl. 12 / S. 3 von 3 Das Märchen in unserer Zeit“ (Ö. v. Horváth) "" das wahre „Märchen in unserer Zeit“ (Z.1) „Jaja, je näher ich dich betrachte, desto mehr merke ich es: du bist das Märchen“ (Z.41 f.) Daraufhin fordert das alte Pferd das kleine Mädchen auf, ihm etwas zu erzählen. Das Mädchen erzählt ihm Geschichten von glücklichen Pferden. Durch die Geschichten, die das Mädchen dem Pferd erzählt, wird das Pferd glücklich, innerlich sehr stark bewegt, weint und bedankt sich bei dem Mädchen. Das alte Pferd wurde durch die erzählten Geschichten fröhlich, genauso wie die Kinder durch Märchen glücklich wurden. Beim Abendessen mit den Eltern bekommt das Mädchen Pferdefleisch vorgesetzt, welches es aber verweigert aufgrund des bewegenden Erlebnisses mit dem alten Pferd und dessen Schlachtung. Die Eltern und Geschwister des Mädchens gehen nicht auf es ein und missdeuten das Verweigern des Pferdefleichsches. In ihren Augen ist es ihr schlichtweg nicht gut genug, „sie ist eine Prinzessin“ (Z.58) Das Mädchen, welches vom Pferd als Märchen `entdeckt wurde, „aß gar nichts [, a]ber es blieb nicht hungrig. Es dachte an das alte Pferd und wie es weinte, und wurde satt.“ (Z.89 ff.) Das Mädchen, welches das Märchen personifiziert, wird durch das Erzählen von Märchen und das Glück, die Emotionen, die es bei anderen auslöst, satt. Werden die Märchen nicht weiter erzählt, kennt sie niemand mehr, wird niemand durch sie glücklich, verhungert das Märchen, es stirbt. Hier ist eine Parallele zum Anfang des Textes zu sehen. Am Anfang wird berichtet, das Märchen sei gestorben. Durch den Werteverlust, und weil das Märchen nicht mehr erzählt wird, ist es verhungert und schließlich gestorben. Am Ende des Textes wird das Mädchen, welches die Personifikation des Märchens ist, satt durch das Erzählen der Märchen. Das Mädchen ist, genauso wie jeder andere Mensch das Märchen selbst. Der Mensch hat die Macht, das Märchen am Leben zu halten oder es sterben zu lassen. Es lebt solange in den Menschen weiter, wie es noch von dem Menschen weitererzählt wird. Nun, da die Suche des Mädchens nach dem Märchen, letzten Endes nach sich selbst, des Menschen, erfolgreich war, wird deutlich, wie das Märchen und damit auch alle anderen Werte am Leben erhalten werden können. Der Mensch ist der Schlüssel. In ihm können alle Werte weiterleben. Der Autor will wahrscheinlich mit seinem Märchen auf den Wertewandel und demzufolge auch auf den Werteverlust anspielen. Er fordert dazu auf, nicht alle alten Werte durch rationales Denken und Technik zu ersetzen, aussterben zu lassen, sondern in uns zu wahren. Somit kann man das Werk als durchaus topaktuell einstufen, da heutzutage ein deutlicher Werte- und Glaubensverlust den Zeitgeist charakterisiert.

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Pferd sehr bewegt. Das Pferd wird vom Metzger geschlachtet, weshalb das Mädchen beim Abendessen Pferdefleisch verweigert. Betrachtet man den vorliegenden Text, kann man an den darin vorkommenden Fabelwesen wie Elfen, Zwergen und sprechenden Tieren sofort erkennen, dass es sich um ein Märchen handeln muss. Es ist in zwei unterteilt, dem ersten, in dem das Mädchen von allen gesagt bekommt, das Märchen gebe es nicht mehr, es sei „schon längst tot." (Z.4). Als es die Hoffnung beinahe aufgibt, sieht es ein altes Pferd und denkt sich, „es wird's auch nicht wissen“ (Z.29), fragt es aber trotzdem. Durch die Befragung des Pferdes wird ein Wendepunkt herbeigeführt, denn das alte Pferd ist die erste Figur, die die Existens des Märchens bejaht. Am Anfang des Textes begibt sich das Mädchen auf die Suche nach dem Märchen und am Schluss, im letzten Satz, findet es das Märchen, die Suche ist somit abgeschlossen und der Text ergibt eine runde Geschichte, wie es bei Märchen meistens der Fall ist. Es ist in einer zeitraffenden Erzählform geschrieben, da das Mädchen viele Tiere befragt und es unklar ist, wie lange es gebraucht hat, um schließlich eine helfende Antwort zu finden, über welchen Zeitraum sich das Geschehen also erstreckt. Geschrieben ist es in einer Mischung aus direkter und indirekter Rede, in der dritten Person, die von der Handlung berichtet. Als Erzählzeit ist die Vergangenheit gewählt, wobei in der direkten Rede hingegen die Gegenwart benutzt wird. All das ist üblich für ein Märchen und lässt auf die Form der erlebten Rede schließen. Auch der Sprachgebrauch ist typisch für ein Märchen, er ist einfach, eher umgangssprachlich als hochsprachlich, was dazu dient, dass jeder Mensch, auch die einfachen Leute. es verstehen, da Märchen ja in allen Gesellschaftsschichten verwendet werden. 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Des Weiteren deutet die Antwort der Vögel darauf hin, dass der technische Fortschritt, das Wissen und rationales Denken das Märchen und andere, an die Gefühle appellierende Werte, verdrängt haben. Dem Anschein nach hat sich dieses Verhalten und Denken, ausgehend von Forschern und Wissenschaftlern, auch auf die Tiere übertragen, welche sinnbildlich für die normalen Bürger und Bauern stehen könnten. Beispielsweise sehen die Kühe die Frage des Mädchens nach dem Märchen als dumm und sinnlos, „man dürfe sowas vor den Kälbern gar nicht sagen“ (Z. 20), da sie „darauf vorbereitet werden, [...] geschlachtet [...], kastriert oder [als] Milchspender“ (Z.21 ff.) gebraucht zu werden. „Man müsse die Kälber aufklären“ (Z.25). Bei der Erziehung der Kinder wird nicht mehr auf die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten gesetzt, sie werden nur noch erzogen, um zur `Zweckerfüllung´ zu dienen. Ausgelöst wird dieser Wertewandel, und somit auch die Zerstörung des Märchens, durch die Aufklärung, welche rationales Denken durch den Gebrauch der Vernunft zum Inhalt hat. Gefühlsmäßige Handlungen, wie sie in vorangegangener Zeit üblich waren, gelten als überholt. Nun ist ein Einschnitt zu bemerken, das Mädchen hat die Hoffnung, das Märchen doch noch zu finden, schon beinahe aufgegeben, da alle die Existenz des Märchens verneinen. Doch dann trifft es auf der Straße ein Pferd, und da das Pferd sehr alt ist, denkt sich das Mädchen, es „weiß sicher viel“ (Z.30 f.) Das Pferd steht mit seinem hohen Alter für die älteren Menschen an ihrem Lebensabend. Sie haben in ihrer Kindheit noch eine Erziehung mit alten Werten, unter Zuhilfenahme von Märchen, erfahren. Doch auch diese alte Generation bleibt nicht mehr lange bestehen, wie auch das Pferd, das aufgrund seines Alters und Leistungsunfähigkeit geschlachtet wird. Es wird nicht auf die Erfahrung und das Wissen der alten Menschen gehört, sie werden einfach abgeschoben. Das Pferd erkennt sofort in der Suche nach dem Märchen und in der Suchenden selbst 90 95 100 105 110 115 120 www.KlausSchenck.de / Deutsch / 4-stündige KA: Textinterpretation / Kl. 12 / S. 3 von 3 Das Märchen in unserer Zeit“ (Ö. v. Horváth) "" das wahre „Märchen in unserer Zeit“ (Z.1) „Jaja, je näher ich dich betrachte, desto mehr merke ich es: du bist das Märchen“ (Z.41 f.) Daraufhin fordert das alte Pferd das kleine Mädchen auf, ihm etwas zu erzählen. Das Mädchen erzählt ihm Geschichten von glücklichen Pferden. Durch die Geschichten, die das Mädchen dem Pferd erzählt, wird das Pferd glücklich, innerlich sehr stark bewegt, weint und bedankt sich bei dem Mädchen. Das alte Pferd wurde durch die erzählten Geschichten fröhlich, genauso wie die Kinder durch Märchen glücklich wurden. Beim Abendessen mit den Eltern bekommt das Mädchen Pferdefleisch vorgesetzt, welches es aber verweigert aufgrund des bewegenden Erlebnisses mit dem alten Pferd und dessen Schlachtung. Die Eltern und Geschwister des Mädchens gehen nicht auf es ein und missdeuten das Verweigern des Pferdefleichsches. In ihren Augen ist es ihr schlichtweg nicht gut genug, „sie ist eine Prinzessin“ (Z.58) Das Mädchen, welches vom Pferd als Märchen `entdeckt wurde, „aß gar nichts [, a]ber es blieb nicht hungrig. Es dachte an das alte Pferd und wie es weinte, und wurde satt.“ (Z.89 ff.) Das Mädchen, welches das Märchen personifiziert, wird durch das Erzählen von Märchen und das Glück, die Emotionen, die es bei anderen auslöst, satt. Werden die Märchen nicht weiter erzählt, kennt sie niemand mehr, wird niemand durch sie glücklich, verhungert das Märchen, es stirbt. Hier ist eine Parallele zum Anfang des Textes zu sehen. Am Anfang wird berichtet, das Märchen sei gestorben. Durch den Werteverlust, und weil das Märchen nicht mehr erzählt wird, ist es verhungert und schließlich gestorben. Am Ende des Textes wird das Mädchen, welches die Personifikation des Märchens ist, satt durch das Erzählen der Märchen. Das Mädchen ist, genauso wie jeder andere Mensch das Märchen selbst. Der Mensch hat die Macht, das Märchen am Leben zu halten oder es sterben zu lassen. Es lebt solange in den Menschen weiter, wie es noch von dem Menschen weitererzählt wird. Nun, da die Suche des Mädchens nach dem Märchen, letzten Endes nach sich selbst, des Menschen, erfolgreich war, wird deutlich, wie das Märchen und damit auch alle anderen Werte am Leben erhalten werden können. Der Mensch ist der Schlüssel. In ihm können alle Werte weiterleben. Der Autor will wahrscheinlich mit seinem Märchen auf den Wertewandel und demzufolge auch auf den Werteverlust anspielen. 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