Löwiths Theorie und Vergleich mit Gehlen
Löwiths Theorie bietet eine alternative Perspektive zur Entstehung der menschlichen Kultur und steht teilweise im Kontrast zu Gehlens Konzept des "Mensch als Mängelwesen". Diese Gegenüberstellung ist besonders interessant für die Kritik an Gehlens Theorie.
Löwith argumentiert, dass die Kultur nicht aus den Mängeln des Menschen entstand, sondern aus seiner einzigartigen Fähigkeit, sich von der Natur und sich selbst zu distanzieren. Diese geistige Fähigkeit ermöglicht es dem Menschen, im Gegensatz zu Tieren, seine Umwelt und Existenz zu hinterfragen.
Highlight: Laut Löwith ist die Fähigkeit zur Distanzierung der Schlüssel zur Kulturentstehung, nicht die biologischen Mängel.
Es gibt sowohl Übereinstimmungen als auch Differenzen zwischen Menschen und Tieren:
Übereinstimmungen:
- Beide müssen sich täglich ernähren, um zu überleben.
- Beide werden natürlich gezeugt, geboren und sterben.
- Beide werden von Natur aus zum anderen Geschlecht hingezogen.
Differenzen:
- Menschen essen verarbeitete Nahrung, oft zeremoniell, während Tiere ihre Nahrung kunstlos verschlingen.
- Menschen können ihre Begierde kontrollieren, bis zum Hungertod oder Überessen.
- Nur Menschen arbeiten, fliegen künstlich, hinterfragen ihre Existenz und betrachten sich im Spiegel.
Example: Ein Mensch kann sich scheinbar Vertrautes wieder abgewöhnen und sich von allen Naturgegebenheiten entfernen, was als "Abstand nehmen" bezeichnet wird.
Löwith betont, dass Tiere ihre Umwelt zwar besser kennen, sie aber nicht erkennen, da sie sie nicht in Frage stellen können. Der Mensch hingegen kann durch seinen Abstand allem, was ist, näher kommen.
Quote: "Verhält sich ein Mensch nicht 'kultisch', ist er kein gewöhnlicher Mensch mehr - er verhält sich tierisch."
Zusammenfassend sieht Löwith die Entstehung der Kultur in der Fähigkeit des Menschen, sich von seiner Umwelt und seiner Natur zu distanzieren und diese kritisch zu hinterfragen. Dies steht im Gegensatz zu Gehlens Theorie, die die biologischen Mängel des Menschen als Ausgangspunkt für die Kulturentwicklung sieht.
Diese Gegenüberstellung von Gehlens und Löwiths Theorien bietet eine umfassende Perspektive auf die Frage "Was versteht Gehlen unter Kultur?" und erweitert das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge zwischen menschlicher Natur und Kulturentwicklung.
































