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Heitmeyer und Rauchfleisch

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 Wilhelm Heitmeyer und Udo Rauchfleisch
Wilhelm Heitmeyer: Unzureichende Identitätsentwicklung am Beispiel von aggressivem Verhalten
Udo Rau

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- Allgemeines - Desintegrationsansätze - Individualisierungsprozesse - Motive gewalttätigen Verhaltens - päd. Perspektive & kritische Würdigung - Erklärungsansatz Rauchfleisch

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Wilhelm Heitmeyer und Udo Rauchfleisch Wilhelm Heitmeyer: Unzureichende Identitätsentwicklung am Beispiel von aggressivem Verhalten Udo Rauchfleisch: Psychoanalytischer Erklärungsansatz von Gewalt ● ● ● Allgemein Gewalt ist eine Form devianten, d.h. abweichenden Verhaltens Aggression und Gewalt haben nicht dieselbe Bedeutung Aggression: (lat. aggredi: herangehen, angreifen) ist eine innere Kraft, die zum Handeln drängt Die Verarbeitung aggressiver Impulse ist sehr unterschiedlich ● ● ● ● ● ● ● ● Wilhelm Heitmeyer * 28. Juni 1945 Deutscher Soziologe, Erziehungswissenschaftler und Professor für Sozialisation am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Udo Rauchfleisch * 25. September 1942 Schweizer Klinischer Psychologe und Psychotherapeut der Fachrichtung Psychoanalyse O Sie können unterdrückt werden → Umwandlung in konstruktive Energie (z.B. Sport) Oder in destruktiver Weise ausagiert werden → bei beiden Gewaltenformen handelt es sich um destruktive Umsetzung von Aggressionen Aggressive Impulse gehören zur natürlichen, da überlebensnotwendigen Grundausstattung eines Menschen ¹ Zur Gewalt neigend; Gewalt bereit Aggressionen und ein gewalttätiges Handeln lassen sich unter bestimmten Umständen leicht aktivieren Gewalttätiges Handeln, welches auf aggressiven Impulsen beruht, ist an körperliche Reaktionen gekoppelt, die sich auch bis zu rauschhaften Zuständen steigern können Das Auftreten von Aggressionen und Gewalt und der Umgang damit hängen in menschlichen Gesellschaften eng mit sozialen und kulturellen Faktoren zusammen Die Begrenzung von Gewalt durch juristische Normen und soziale Werte stellt eine Kulturleistung dar, die stets gefährdet ist Geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf körperliche Gewalt Es gibt selbstverständlich auch gewalttätige Frauen, jedoch handelt es sich empirisch gesehen bei physischer Gewalt vor allem um...

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Männer Wichtig: die Meh heit aller Männer ist NICHT gewaltaffin¹ Gewalt multifaktoriell bedingt → viele Unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung von Gewalt Sozialpsychologischer Desintegrationsansatz von Heitmeyer Kerngedanken Beleuchtet in seinem Erklärungsansatz die gesellschaftlichen und sozialen Faktoren, die zur Entstehung von Jugendgewalt beitragen ● O Menschen verfügen über mehr Optionen und Entscheidungsfreiheiten O Menschen stehen vor vielfältigen Entscheidungszwängen Bewältigung komplexerer Lebensaufgaben und gleichzeitig auch Verringerung des Rückhalts den Menschen durch stabile Vergemeinschaftungsformen haben Individualisierungsprozesse sind mit Gefährdung und Risiken verbunden ● Individualisierungsprozesse enthalten Desintegrationspotenziale ● Aggressives, gewalttätiges Verhalten als Folge von Desintegrationserfahrungen und Perspektivlosigkeit Gewalt als Kompensationsmittel Moderne Industriegesellschaften durch Pluralisierungs- und Individualisierungsprozesse gekennzeichnet → ambivalent ● Verschiedene Ebenen von Desintegrationspotenzialen: O Familie: Mit dem Wandeln von Ehe und Familie sind die Zahlen der Scheidungen, Patchworkfamilien und Alleinerziehenden gestiegen → fragilere Familienbeziehungen und familiäre Bindungen Desintegrationsprozesse nicht nur in auseinandergebrochenen Familien, sondern auch in äußerlich intakten Familien → können emotionale Desintegrationspotenziale aufweisen O Familie ein zentraler Einflussfaktor für die Verunsicherung der Familien O O Unzureichende Aufmerksamkeit, Anerkennung und Unterstützung können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und sie verunsichern O Institutionen und soziale Gemeinschaften: Mitgliedschaften in Kirchen, Vereinen und Parteien hat stark abgenommen → Verlust der Bindekraft von traditionellen sozialen Gemeinschaften (z. B. Kirchengemeinden) O Gesellschaftliche Werte: Wertepluralismus → es existieren kaum noch allgemein verbindliche Werte und Normen und Verhaltensstandards Sozialstruktur / soziale Ungleichheit: geringe Möglichkeiten zur ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Teilhabe an unserer Gesellschaft für Menschen, die schlechte Bildungsqualifikationen aufweisen, arm oder arbeitslos sind oder einer sozialen Randgruppe angehören Die Risiken die mit dem Individualisierungsprozess verbunden sind führen bei vielen Jugendlichen zu Verunsicherung → in emotionaler Form (Zukunftsängste, niedriges Selbstwertgefühl) oder in Form von Handlungsunsicherheiten gilt insbesondere für Jugendliche mit Desintegrationserfahrung Mögliche Form der Verarbeitung ist gewalttätiges Verhalten Bei Menschen mit Familie Scheidung Gewalt Zeitmangel Desintegration Werte & Normen Kirche Ehe & Familie Gemeinschaft gesellsch. Teilnahme Sprachbarrieren Arbeitslosigkeit Perspektivlosigkeit Desintegrationserfahrungen ist das Risiko größer, dass ihre Hemmschwelle gegenüber Gewalt sinkt, als bei Menschen die gesellschaftlich und familiär gut integriert sind Individualisierungsprozess: ● ● ● ● ● Ziele: Platzierung & Präsentation zwecks Aufstieges, Sicherung & Erwerb von Statuspositionen = Kampf um Anerkennung & Akzeptanz kapitalistische Marktgesellschaft - Individualisierungsprozess als Konkurrenzkampf → erfordert = eigenständige Lebensplanungskonzepte (aus biografischen, aktuellen, zukünftigen Erfahrungen, Entstehung& Chancen ihrer Realisierung stark an die jeweiligen Milieus gebunden) Vorgehensweisen bei der Realisierung: aktive Problemlösungsversuche, apathisches/ fatalistisches Geschehen lassen, gewaltförmige Handlungsweisen (Durchsetzung, aber Schädigungen) Entstehung von Gewaltpotenzialen durch Ambivalenz Erfahrungen, asynchroner Kultur-/ Strukturwandel = - Desintegrations- & Verunsicherungspotenziale Wachsen von sozialen Ungleichheitsstrukturen wird als Auflösung des Sozialen erfahren (Gleichgültigkeit & Rücksichtslosigkeit als gesellschaftliche Realität fördert Gewalt-Optionen) Gewalt als Ausdruck sozialer Prozesse, in denen strukturelle Bedingungen& individuelles Handeln zusammenwirken Gewalt kann nicht als Eigenschaft von Personen verstanden werden Aggression ist ein Versuch der Kompensation sozialer Desintegration & persönlicher Perspektivlosigkeit in einer ,,Marktgesellschaft", in dem Menschen sich nicht nur als ungleich, sondern auch als ungleichwertig ansehen müssen wichtige Aspekte: O Gewaltbilligung & Gewaltbereitschaft werden in der individuellen Sozialisation erlernt in bestimmten Interaktionskontexten schlagen diese in Gewalttätigkeit um für den Gewalttäter hat sein Handeln einen subjektiven Sinn (konstruiert sich eine Legitimation für sein Handeln) O Unterschiedliche Motive gewalttätigen Verhaltens: Expressive Gewalt Ausleben von aggressiven Spannungen Ausüben von Macht Erzielung von Statusgewinn über Stärke Häufig bei Gewalt unter Jugendlichen O Erscheint vielen Menschen als besonders bedrohlich, weil diese Form oft unberechenbar ist, Opfer beliebig ausgewählt werden und Zufälle eine große Rolle spielen Opfer bleiben beliebig und zweitrangig Gewinnung von Aufmerksamkeit durch Tabubrüche → Unterstreichung der Einzigartigkeit Instrumentelle Gewalt O O Bewusstes Mittel um ökonomische oder soziale Ziele zu erreichen, die man ohne Gewalt nicht erreichen kann Mittel zur (angestrebten) Problemlösung Regressive Gewalt Politisch und ideologisch motiviert O Vordergründig um Gewalt gegen politische Gegner oder Menschen andere Nationalität oder ethnischer Herkunft Autoaggressive Gewalt Richtet sich gegen die eigene Person Ventil für psychische Spannungen, für die eine Person keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten hat O Wenn andere Wege oder Auswege sich nicht eröffnen Sozialer Desintegrationsansatz: ● ● ● ● ● ● ● Auftreten von Gewalt hangt zusammen mit fehlgeschlagenen gesellschaftlichen Integrationen + vermittelnde Faktoren z. B. die Wohnumgebung Gewaltbilligung & Gewalttätigkeit hängen in einem starken Maß von Desintegrationserfahrungen ab Erfahrungsebenen/ Dimensionen: sozialstrukturelle Ebene (Arbeit, Wohnung, Konsum) → individuell-funktionale Systemintegration institutionelle Ebene (Sicherstellung gleichwertiger Behandlung, etwa in der Schule) → kommunikativ- interaktive Sozialintegration personale Ebene (emotionale, soziale Beziehungen) → kulturell-expressive Sozialintegration o gesellschaftliche Ebene → Wertepluralismus hohes Maß von Integration auf einer Ebene kann Desintegrationserfahrungen auf anderen Ebenen kompensieren, eine Kopplung von Desintegrationserfahrungen auf mehreren Ebenen verstärkt Wahrscheinlichkeit dysfunktionaler Problemverarbeitung Gewalt entsteht dann, wenn Desintegrationserfahrungen mit anderen Faktoren vermittelt werden, z. B. das Gefühl der Nicht-Anerkennung, der Orientierungslosigkeit, der Machtlosigkeit, der Benachteiligung etc. Unterscheidung von objektiven/ subjektiven Formen der Integration, von faktischer/ subjektiv wahrgenomme Einbindung (Gefühl& Bedürfnis nach Anerkennung) Verhaltensweisen: Rückzug (passiv), Gewalttätigkeit (aktiv), Abwertung (rassistisch oder von Minderheiten) Abwertung anderer = Kompensierung wahrgenommener Vorenthaltung eigener Integration + Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls Annahme: Spezifika des sozialräumlichen Kontextes haben Einfluss auf die individuellen Einstellungen & Verhaltensweisen (z.B. Gewaltbereitschaft im Wohnumfeld & Abwertung gesellschaftlicher Gruppen) Gefühl von Machtlosigkeit & Orientierungslosigkeit + Desintegration in einer Ebene = Anerkennungsdefizite → Abwertung anderer Gruppen & Gewalt möglich Desintegration und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) Wir unterscheiden 3 Dimensionen, die für die Integration in eine Gesellschaft (für den Menschen mit und ohne Migrationshintergrund) bedeutend sind: Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Bildung etc. → aus einem erfolgreichen Zugang entstehen Anerkennungspotenziale z.B. aus der beruflichen Position, die erreicht wurde Teilnahmemöglichkeiten an der Auseinandersetzung um öffentliche Angelegenheiten des Zusammenlebens wie Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness → moralisches Anerkennungspotenzial durch das Gehört- werden und durch das Zählen der eigenen Stimme oder die eigene Gruppe Gemeinschaftliche Dimensionen → emotionale Anerkennung durch Zugehörigkeit zu Nilicus etc. (eigene Identität) These: Desintegrationsängste bzw. -erfahrungen, die immer auch mit Anerkennungsverlusten und - beschädigungen verbunden sind, führen dazu, sich selbst aufzuwerten und durch Abwertung anderer, die als Konkurrenten, als Nutzlose oder „Überflüssige etc. angesehen werden (→ GMF! → regressive Gewalt) Pluralisierung von Lebensformen und damit einhergehend unterschiedliche Werte + Normenerschwert zunehmend die Integration Bsp.: berufliche Desintegrationspotenziale geförderte höhere Schulabschlüsse; moralische Desintegrationspotenziale durch teilweise konträre Werte + Normvorstellungen; emotionale Desintegrationspotenziale durch die Überforderung, sich für eine soziale Gruppe zu entscheiden (Multioptionalität der Lebensentwürfe führt zu Entscheidungszwang)

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Cool, mit dem Lernzettel konnte ich mich richtig gut auf meine Klassenarbeit vorbereiten. Danke 👍👍

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B. Kirchengemeinden) O Gesellschaftliche Werte: Wertepluralismus → es existieren kaum noch allgemein verbindliche Werte und Normen und Verhaltensstandards Sozialstruktur / soziale Ungleichheit: geringe Möglichkeiten zur ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Teilhabe an unserer Gesellschaft für Menschen, die schlechte Bildungsqualifikationen aufweisen, arm oder arbeitslos sind oder einer sozialen Randgruppe angehören Die Risiken die mit dem Individualisierungsprozess verbunden sind führen bei vielen Jugendlichen zu Verunsicherung → in emotionaler Form (Zukunftsängste, niedriges Selbstwertgefühl) oder in Form von Handlungsunsicherheiten gilt insbesondere für Jugendliche mit Desintegrationserfahrung Mögliche Form der Verarbeitung ist gewalttätiges Verhalten Bei Menschen mit Familie Scheidung Gewalt Zeitmangel Desintegration Werte & Normen Kirche Ehe & Familie Gemeinschaft gesellsch. 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B. die Wohnumgebung Gewaltbilligung & Gewalttätigkeit hängen in einem starken Maß von Desintegrationserfahrungen ab Erfahrungsebenen/ Dimensionen: sozialstrukturelle Ebene (Arbeit, Wohnung, Konsum) → individuell-funktionale Systemintegration institutionelle Ebene (Sicherstellung gleichwertiger Behandlung, etwa in der Schule) → kommunikativ- interaktive Sozialintegration personale Ebene (emotionale, soziale Beziehungen) → kulturell-expressive Sozialintegration o gesellschaftliche Ebene → Wertepluralismus hohes Maß von Integration auf einer Ebene kann Desintegrationserfahrungen auf anderen Ebenen kompensieren, eine Kopplung von Desintegrationserfahrungen auf mehreren Ebenen verstärkt Wahrscheinlichkeit dysfunktionaler Problemverarbeitung Gewalt entsteht dann, wenn Desintegrationserfahrungen mit anderen Faktoren vermittelt werden, z. B. das Gefühl der Nicht-Anerkennung, der Orientierungslosigkeit, der Machtlosigkeit, der Benachteiligung etc. Unterscheidung von objektiven/ subjektiven Formen der Integration, von faktischer/ subjektiv wahrgenomme Einbindung (Gefühl& Bedürfnis nach Anerkennung) Verhaltensweisen: Rückzug (passiv), Gewalttätigkeit (aktiv), Abwertung (rassistisch oder von Minderheiten) Abwertung anderer = Kompensierung wahrgenommener Vorenthaltung eigener Integration + Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls Annahme: Spezifika des sozialräumlichen Kontextes haben Einfluss auf die individuellen Einstellungen & Verhaltensweisen (z.B. Gewaltbereitschaft im Wohnumfeld & Abwertung gesellschaftlicher Gruppen) Gefühl von Machtlosigkeit & Orientierungslosigkeit + Desintegration in einer Ebene = Anerkennungsdefizite → Abwertung anderer Gruppen & Gewalt möglich Desintegration und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) Wir unterscheiden 3 Dimensionen, die für die Integration in eine Gesellschaft (für den Menschen mit und ohne Migrationshintergrund) bedeutend sind: Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Bildung etc. → aus einem erfolgreichen Zugang entstehen Anerkennungspotenziale z.B. aus der beruflichen Position, die erreicht wurde Teilnahmemöglichkeiten an der Auseinandersetzung um öffentliche Angelegenheiten des Zusammenlebens wie Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness → moralisches Anerkennungspotenzial durch das Gehört- werden und durch das Zählen der eigenen Stimme oder die eigene Gruppe Gemeinschaftliche Dimensionen → emotionale Anerkennung durch Zugehörigkeit zu Nilicus etc. (eigene Identität) These: Desintegrationsängste bzw. -erfahrungen, die immer auch mit Anerkennungsverlusten und - beschädigungen verbunden sind, führen dazu, sich selbst aufzuwerten und durch Abwertung anderer, die als Konkurrenten, als Nutzlose oder „Überflüssige etc. angesehen werden (→ GMF! → regressive Gewalt) Pluralisierung von Lebensformen und damit einhergehend unterschiedliche Werte + Normenerschwert zunehmend die Integration Bsp.: berufliche Desintegrationspotenziale geförderte höhere Schulabschlüsse; moralische Desintegrationspotenziale durch teilweise konträre Werte + Normvorstellungen; emotionale Desintegrationspotenziale durch die Überforderung, sich für eine soziale Gruppe zu entscheiden (Multioptionalität der Lebensentwürfe führt zu Entscheidungszwang)