Formen systemischer Gesprächsführung
Die systemische Therapie nach Wilhelm Stierlin nutzt verschiedene Formen der Gesprächsführung, um neue Perspektiven zu eröffnen und Veränderungen im System anzuregen. Diese Techniken sind darauf ausgerichtet, die Dynamiken und Beziehungsmuster innerhalb des Systems sichtbar zu machen und zu hinterfragen.
Eine zentrale Methode ist das zirkuläre Fragen. Hierbei werden Fragen nicht direkt an den Sender einer Botschaft gerichtet, sondern an den Empfänger. Dies ermöglicht es, Gefühle und Wahrnehmungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Example: "Was denkst du, Helmut, was dein Weinen für Hannelore bedeutet?"
Klassifikationsfragen und Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion dienen dazu, Unterschiede zu verdeutlichen und den Kontext zu erhellen. Sie helfen dabei, die subjektiven Realitäten der Familienmitglieder zu verstehen und zu vergleichen.
Möglichkeitskonstruktionen sind ein weiteres wichtiges Instrument. Diese Fragen rücken neue Möglichkeiten in den Blick und regen die Vorstellungskraft der Beteiligten an.
Example: "Was wäre, wenn Sie Ihren Sohn, nachdem er aus der Schule kommt, fragen würden, wie der Schultag ablief? Würde er dann einen Wutausbruch bekommen?"
Prozentfragen und Übereinstimmungsfragen werden genutzt, um Meinungen und Einschätzungen genauer zu differenzieren und eigene Stellungnahmen zu ermöglichen.
Vocabulary: Subsystemvergleiche sind Fragen, die Unterschiede in Sichtweisen und Beziehungen durch Rangfolgen verdeutlichen.
Die Funktion dieser Gesprächstechniken liegt darin, bei den Beteiligten neue Sichtweisen und Denkprozesse anzuregen, Beziehungsmuster deutlich zu machen, ohne direkte Auseinandersetzungen zu provozieren, und eine Außenperspektive anzubieten. Sie dienen auch dazu, indirekte Rückmeldungen zu geben und Vermutungen sowie Missverständnisse zu klären.
Eine besondere Form der systemischen Arbeit ist die systemische Aufstellung. Hierbei stellt sich die Familie auf und verdeutlicht durch Gestik und Mimik, wie das Verhalten untereinander ist. Der Therapeut kann darauf eingehen und die Gründe für die gewählten Positionen erforschen. Diese Methode macht aktuelle Beziehungsmuster deutlich und kann zu Diskussionen und Veränderungen im System führen.
Highlight: Die systemische Aufstellung ist eine visuelle und erlebnisorientierte Methode, um Familienstrukturen und Beziehungsdynamiken sichtbar zu machen.




