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“Auf der Terrasse des Café Josty” analysiert und interpretiert

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 Deutsch: E-Phase
Gedicht:
von Lara
Gedichtanalyse
Auf der Terrasse des Café Josty
Gedicht von Paul Boldt
Der Potsdamer Platz in ewigem Gebr

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Deutsch: E-Phase Gedicht: von Lara Gedichtanalyse Auf der Terrasse des Café Josty Gedicht von Paul Boldt Der Potsdamer Platz in ewigem Gebrüll Vergletschert alle hallenden Lawinen Der Straßentakte: Trams auf Eisenschienen Automobile und den Menschenmüll. Die Menschen rinnen über den Asphalt, Ameisenemsig, wie Eidechsen flink. Stirne und Hände, von Gedanken blink, schwimmen wie Sonnenlicht durch dunklen Wald. Nachtregen hüllt den Platz in eine Höhle, Wo Fledermäuse, weiß, mit Flügeln schlagen Und lila Quallen liegen - bunte Öle; Die mehren sich, zerschnitten von den Wagen.- Aufspritzt Berlin, des Tages glitzernd Nest, Vom Rauch der Nacht wie Eiter einer Pest. 27. Juni 2021 Analyse: Der Umbruch um 1900 bringt neue kulturelle, gesellschaftliche und politische Entwicklungen mit sich. Der Mensch wird gezwungen, sich neu zu orientieren. Vor allem durch die Industrialisierung entsteht eine Gefährdung des Individuums. Das Umziehen vom Land in die, dadurch überbevölkerten, Städte führt zu Sinnkrisen, Hektik und Anonymität. Paul Boldt greift genau diese Themen in seinem expressionistischen Gedicht „Auf der Terrasse des Café Josty" auf. Es wurde 1912 erstmals in „Die Aktion" veröffentlicht und handelt von dem Potsdamer Platz in Berlin, der aus dem Café Josty von dem Lyrischen Sprecher beschrieben wird. In der Berliner Konditorei der Gebrüder Josty gastierten von 1812 bis 1930 einige berühmte Persönlichkeiten, wodurch sie als Künstlercafé bekannt war. Insbesondere Künstler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeiten waren dort anzutreffen, sie nutzten den Ort um sich vom...

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Potsdamer Platz, mit seiner Dynamik und Modernität inspirieren zu lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, mitsamt Café zerstört. Deutsch: E-Phase von Lara 27. Juni 2021 Bei dem Gedicht von Paul Boldt handelt es sich um ein Sonett, da es aus vier Strophen mit zwei Quartetten und zwei Terzetten besteht. Die erste und die zweite Strophe weisen einen umarmenden Reim auf. Strophe drei bildet, mit dem ersten Vers von Strophe vier, einen Kreuzreim und die letzten beiden Verse, von der vierten Strophe bestehen aus einem Paarreim. In der ersten Strophe haben die Verse 10, 11, 11, und 10 Silben, wohingegen die Verse in Strophe zwei Silbenlängen von 8, 9, 10 und 10 aufweisen. Strophe drei hat 11, 11 und 10 Silben pro Vers und die letzte Strophe hat 11, 10 und 10 Silben. Das Gedicht lässt sich in zwei Sinnabschnitte aufteilen, von Vers eins bis acht und von Vers neun bis vierzehn. Der erste Sinnabschnitt handelt von dem Potsdamer Platz bei Tag und Sinnabschnitt zwei vom Platz in der Nacht. Solch eine Aufteilung ist bei Sonetten häufig, da es den Unterschied zwischen den Quartetten und den Terzetten deutlich macht. Wenn man sich die Strophen noch ein wenig genauer ansieht, verdeutlicht die erste den Lärm in der Großstadt. In Strophe zwei ist Boldt genauer auf die Menschen und ihre Hektik eingegangen. Die, darauffolgende dritte, Strophe beschreibt den Potsdamer Platz bei nächtlichem Regen und bei der letzten Strophe werden Tag und Nacht miteinander verglichen. Boldts Gedicht ist zu Beginn der Epoche des Expressionismus entstanden, wo die Lyriker sich mit der Kritik an der Urbanisierung befasst haben. Sie konnten sich nicht mit den existierenden Städten identifizieren und haben daher versucht ihre Leser, vor allem vor dem Individualitätsverlust, zu warnen. Das Gedicht beginnt mit einer Personifikation, die die Atmosphäre des Potsdamer Platzes lebendig werden lässt und sich auf den Großstadtlärm bezieht. Durch den übertriebenen Ausdruck ,,Gebrüll" stellt der lyrische Sprecher den Großstadtlärm negativ und aggressiv dar, was noch einmal durch das Adjektiv „ewig" unterstützt wird. Der Sprecher will damit klarmachen, dass der Lärm nie aufhört. Die „hallenden Lawinen“ in Vers 2 sind ein Sinnbild für die unzähligen Verkehrsmittel und Menschen, die sich auf dem Platz ausbreiten. Er verwendet das Wort „vergletschert“ um damit auszudrücken, dass sich die Situation nie ändert, sie scheint wie eingefroren. Durch den Enjambement zwischen den ersten Versen wird deutlich, dass sich die Stadt durchgehend in Bewegung befindet und es keinen Ort von Ruhe gibt. Die erste Strophe endet mit dem Wort ,,Menschenmüll". Der Deutsch: E-Phase 27. Juni 2021 von Lara lyrische Sprecher deutet damit auf seine abwertende Sichtweise gegenüber den Menschen auf dem Potsdamer Platz hin. Man antizipiert mit dem Wort etwas Lebloses und Wertloses. Durch ihr Auftreten in Scharen wirken sie wie eine homogene Masse auf den Sprecher, ohne Berücksichtigung des Individuums. In der zweiten Strophe werden nun die Menschen explizit genannt, allerdings auf ungewöhnliche Weise. Die Menschen „rinnen über den Asphalt", was sie als ziellos und planlos erscheinen lässt. Man könnte meinen sie sind nicht mehr Herr ihrer selbst, sondern, dass sie sich durch den Willen eines anderen fortbewegen. Dieses Auftreten kann man auf die Urbanisierung beziehen, da sich der Tagesablauf der Menschen dadurch verändert und gefestigt hat. Sie können nicht mehr länger entscheiden, wann sie aufstehen, weil sie an Arbeitszeiten in Fabriken gebunden sind. In Vers 6 wird erneut ein Begriff aus der Natur benutzt, diesmal aus der Tierwelt. Der lyrische Sprecher vergleicht die Menschen mit dem fleißigen und eiligen Verhalten von Ameisen und Eidechsen. Diese Begriffe können vielfältig assoziiert werden, unter anderem wirken die Menschen wie ein Haufen voller, wild umherlaufender, Ameisen. Außerdem erscheinen sie alle uniform, denn die Menschen sind nicht von einander zu unterscheiden. Der Sprecher deutet damit an, dass das Individuum im Treiben der Stadt seine Einzigartigkeit verliert. Vers 7 geht weiter auf das Handeln der Menschen ein: „Stirne und Hände, von Gedanken blink". Mit dem letzten Wort könnte blank gemeint sein, was wieder zu dem Handeln durch Fremdeinwirkung führt. Auch könnte das Wort blind gebildet werden, was deutlich machen würde, dass die Menschen für andere Dinge keine Zeit haben. Sie konzentrieren sich komplett auf ihre vorbestimmte Aufgabe. Im letzten Vers des zweiten Quartetts verwendet der lyrische Sprecher erneut ein Naturbild. Die Menschen „schwimmen wie Sonnenlicht durch dunklen Wald“. Mit Sonnenlicht assoziiert man Freude, wo hingegen man mit einem dunklen Wald Angst verbindet. Mit dem Wald könnte der Potsdamer Platz gemeint sein und mit dem Sonnenlicht die Ströme an Menschen. Die Menschen wirken durch den Wald, also den Platz, gefährdet. Es lauern Gefahren um die Menschen herum, die sie auf den ersten Blick nicht wahrnehmen. Die dritte Strophe beschreibt den Potsdamer Platz bei Nacht. In Vers 9 wird mit einer Metapher in eine komplett neue Szenerie eingeführt, indem das Wort „Höhle“ genutzt wird. Durch diesen Begriff verdeutlicht der Sprecher die Einsamkeit und Isolation der Menschen Deutsch: E-Phase von Lara 27. Juni 2021 auf dem Platz. Die weiteren beiden Verse können auf unterschiedliche Weise gedeutet werden. Sie könnten zum einen auf die Bibel hindeuten, denn der Nachtregen in Vers 9 kann als bestrafende Sintflut betrachtet werden. Weiter wären die weißen „Fledermäuse“ als die weißen Tauben der Arche wiederzuerkennen. Die „bunten Öle“ sind demnach der erlösende Regenbogen, nach der Sintflut. Zum anderen kann man die Verse jedoch auch abseits der Bibel deuten. Die Fledermäuse wären bei dieser Deutung dann lediglich weggeworfene Zeitschriften. Anfang des 20. Jahrhunderts verstärkte sich das Zeitungsaufkommen und dadurch fand man nachts, durch das Wetter umherfliegende, Zeitschriften auf dem Potsdamer Platz. Die „Öle“ deuten auf die vielen Autos und ihre Verschmutzung hin, sie wirken durch das Laternenlicht bunt auf den Betrachter. Durch diese Interpretation wird ein weiteres Problem der Großstädte deutlich, denn auch die starke Umweltbelastung wird sichtbar. In der vierten Strophe wird nochmal das Bild der Pfützen aufgegriffen, da der Regen nicht aufhört und diese immer größer werden. Vers 12 bildet den Übergang zwischen den beiden Terzetten und die letzten beiden Verse lesen sich abschließend wie eine kleine Zusammenfassung. Tagsüber „glitzert“ der Potsdamer Platz, er wirkt attraktiv. Der Begriff „Nest“ führt zu der Assoziation, die darin lebenden vor Gefahre zu schützen. In Vers 14 ist der Kontrast deutlich zu erkennen, denn dort vergleicht der lyrische Sprecher den Platz mit der Pest. Pest bedeutete für Tausende von Menschen in den letzten Jahrhunderten Tod. Die Großstadt wird also als etwas beschrieben, dass erkrankt ist. Die Menschen, die dort leben, werden krank und könnten sterben. Das könnte unter anderem dafür stehen, dass man in der Stadt nicht sicher und hygienisch leben kann. In dem Gedicht von Boldt wird die Industrialisierung gelungen kritisiert, unter anderem durch die Nutzung von Begriffen aus der Natur. Der Titel hat, bis auf den Standpunkt des Betrachters, nichts weiter mit dem Inhalt zu tun. Man kann an dieser Stelle anmerken, dass das Gedicht auch in der heutigen Zeit noch aktuell ist. Menschen in Großstädten genießen den übermäßigen Konsum von Luxusgütern und beachten nur das schöne, „glitzernde". Vor ihnen werden die Schattenseiten der Stadt, wie beispielsweise der Müll, versteckt. Die Menschen erkennen das Problem nicht, da sie mit der Masse mit schwimmen, um nicht alleine zu sein.

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Potsdamer Platz, mit seiner Dynamik und Modernität inspirieren zu lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, mitsamt Café zerstört. Deutsch: E-Phase von Lara 27. Juni 2021 Bei dem Gedicht von Paul Boldt handelt es sich um ein Sonett, da es aus vier Strophen mit zwei Quartetten und zwei Terzetten besteht. Die erste und die zweite Strophe weisen einen umarmenden Reim auf. Strophe drei bildet, mit dem ersten Vers von Strophe vier, einen Kreuzreim und die letzten beiden Verse, von der vierten Strophe bestehen aus einem Paarreim. In der ersten Strophe haben die Verse 10, 11, 11, und 10 Silben, wohingegen die Verse in Strophe zwei Silbenlängen von 8, 9, 10 und 10 aufweisen. Strophe drei hat 11, 11 und 10 Silben pro Vers und die letzte Strophe hat 11, 10 und 10 Silben. Das Gedicht lässt sich in zwei Sinnabschnitte aufteilen, von Vers eins bis acht und von Vers neun bis vierzehn. Der erste Sinnabschnitt handelt von dem Potsdamer Platz bei Tag und Sinnabschnitt zwei vom Platz in der Nacht. Solch eine Aufteilung ist bei Sonetten häufig, da es den Unterschied zwischen den Quartetten und den Terzetten deutlich macht. Wenn man sich die Strophen noch ein wenig genauer ansieht, verdeutlicht die erste den Lärm in der Großstadt. In Strophe zwei ist Boldt genauer auf die Menschen und ihre Hektik eingegangen. Die, darauffolgende dritte, Strophe beschreibt den Potsdamer Platz bei nächtlichem Regen und bei der letzten Strophe werden Tag und Nacht miteinander verglichen. Boldts Gedicht ist zu Beginn der Epoche des Expressionismus entstanden, wo die Lyriker sich mit der Kritik an der Urbanisierung befasst haben. Sie konnten sich nicht mit den existierenden Städten identifizieren und haben daher versucht ihre Leser, vor allem vor dem Individualitätsverlust, zu warnen. Das Gedicht beginnt mit einer Personifikation, die die Atmosphäre des Potsdamer Platzes lebendig werden lässt und sich auf den Großstadtlärm bezieht. Durch den übertriebenen Ausdruck ,,Gebrüll" stellt der lyrische Sprecher den Großstadtlärm negativ und aggressiv dar, was noch einmal durch das Adjektiv „ewig" unterstützt wird. Der Sprecher will damit klarmachen, dass der Lärm nie aufhört. Die „hallenden Lawinen“ in Vers 2 sind ein Sinnbild für die unzähligen Verkehrsmittel und Menschen, die sich auf dem Platz ausbreiten. Er verwendet das Wort „vergletschert“ um damit auszudrücken, dass sich die Situation nie ändert, sie scheint wie eingefroren. Durch den Enjambement zwischen den ersten Versen wird deutlich, dass sich die Stadt durchgehend in Bewegung befindet und es keinen Ort von Ruhe gibt. Die erste Strophe endet mit dem Wort ,,Menschenmüll". Der Deutsch: E-Phase 27. 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Der lyrische Sprecher vergleicht die Menschen mit dem fleißigen und eiligen Verhalten von Ameisen und Eidechsen. Diese Begriffe können vielfältig assoziiert werden, unter anderem wirken die Menschen wie ein Haufen voller, wild umherlaufender, Ameisen. Außerdem erscheinen sie alle uniform, denn die Menschen sind nicht von einander zu unterscheiden. Der Sprecher deutet damit an, dass das Individuum im Treiben der Stadt seine Einzigartigkeit verliert. Vers 7 geht weiter auf das Handeln der Menschen ein: „Stirne und Hände, von Gedanken blink". Mit dem letzten Wort könnte blank gemeint sein, was wieder zu dem Handeln durch Fremdeinwirkung führt. Auch könnte das Wort blind gebildet werden, was deutlich machen würde, dass die Menschen für andere Dinge keine Zeit haben. Sie konzentrieren sich komplett auf ihre vorbestimmte Aufgabe. Im letzten Vers des zweiten Quartetts verwendet der lyrische Sprecher erneut ein Naturbild. Die Menschen „schwimmen wie Sonnenlicht durch dunklen Wald“. Mit Sonnenlicht assoziiert man Freude, wo hingegen man mit einem dunklen Wald Angst verbindet. Mit dem Wald könnte der Potsdamer Platz gemeint sein und mit dem Sonnenlicht die Ströme an Menschen. Die Menschen wirken durch den Wald, also den Platz, gefährdet. Es lauern Gefahren um die Menschen herum, die sie auf den ersten Blick nicht wahrnehmen. Die dritte Strophe beschreibt den Potsdamer Platz bei Nacht. In Vers 9 wird mit einer Metapher in eine komplett neue Szenerie eingeführt, indem das Wort „Höhle“ genutzt wird. Durch diesen Begriff verdeutlicht der Sprecher die Einsamkeit und Isolation der Menschen Deutsch: E-Phase von Lara 27. Juni 2021 auf dem Platz. Die weiteren beiden Verse können auf unterschiedliche Weise gedeutet werden. Sie könnten zum einen auf die Bibel hindeuten, denn der Nachtregen in Vers 9 kann als bestrafende Sintflut betrachtet werden. Weiter wären die weißen „Fledermäuse“ als die weißen Tauben der Arche wiederzuerkennen. Die „bunten Öle“ sind demnach der erlösende Regenbogen, nach der Sintflut. Zum anderen kann man die Verse jedoch auch abseits der Bibel deuten. Die Fledermäuse wären bei dieser Deutung dann lediglich weggeworfene Zeitschriften. Anfang des 20. Jahrhunderts verstärkte sich das Zeitungsaufkommen und dadurch fand man nachts, durch das Wetter umherfliegende, Zeitschriften auf dem Potsdamer Platz. Die „Öle“ deuten auf die vielen Autos und ihre Verschmutzung hin, sie wirken durch das Laternenlicht bunt auf den Betrachter. Durch diese Interpretation wird ein weiteres Problem der Großstädte deutlich, denn auch die starke Umweltbelastung wird sichtbar. In der vierten Strophe wird nochmal das Bild der Pfützen aufgegriffen, da der Regen nicht aufhört und diese immer größer werden. Vers 12 bildet den Übergang zwischen den beiden Terzetten und die letzten beiden Verse lesen sich abschließend wie eine kleine Zusammenfassung. Tagsüber „glitzert“ der Potsdamer Platz, er wirkt attraktiv. Der Begriff „Nest“ führt zu der Assoziation, die darin lebenden vor Gefahre zu schützen. In Vers 14 ist der Kontrast deutlich zu erkennen, denn dort vergleicht der lyrische Sprecher den Platz mit der Pest. Pest bedeutete für Tausende von Menschen in den letzten Jahrhunderten Tod. Die Großstadt wird also als etwas beschrieben, dass erkrankt ist. Die Menschen, die dort leben, werden krank und könnten sterben. Das könnte unter anderem dafür stehen, dass man in der Stadt nicht sicher und hygienisch leben kann. In dem Gedicht von Boldt wird die Industrialisierung gelungen kritisiert, unter anderem durch die Nutzung von Begriffen aus der Natur. Der Titel hat, bis auf den Standpunkt des Betrachters, nichts weiter mit dem Inhalt zu tun. Man kann an dieser Stelle anmerken, dass das Gedicht auch in der heutigen Zeit noch aktuell ist. Menschen in Großstädten genießen den übermäßigen Konsum von Luxusgütern und beachten nur das schöne, „glitzernde". 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