Nervenzellen sind die Grundbausteine deines Nervensystems und sorgen dafür, dass...
Neurobiologie Themenübersicht Q4











Aufbau der Nervenzelle
Stell dir eine Nervenzelle wie eine hochmoderne Datenautobahn vor - jeder Teil hat eine spezielle Aufgabe! Das Soma ist das Kontrollzentrum mit Zellkern und allen wichtigen Organellen. Die Dendriten funktionieren wie Antennen, die Signale von anderen Nervenzellen empfangen.
Der Axonhügel sammelt alle eingehenden Signale und entscheidet, ob ein Signal weitergeleitet wird. Das Axon ist die Hauptleitung - manchmal über einen Meter lang! - die elektrische Impulse zu anderen Zellen transportiert.
Die Schwann'schen Zellen bilden um das Axon eine isolierende Myelinscheide, die nur an den Ranvier'schen Schnürringen unterbrochen ist. Am Ende sitzen die synaptischen Endknöpfchen, die Signale an die nächste Zelle übertragen.
Merktipp: Dendrit = empfangen, Axon = senden - so einfach!

Das Ruhepotential
Wenn deine Nervenzelle "chillt", herrscht trotzdem maximale Spannung - buchstäblich! Das Ruhepotential beträgt -70mV und entsteht durch eine ungleiche Verteilung von Ionen. Innen sind hauptsächlich Kalium-Ionen und negativ geladene Proteine, außen dominieren Natrium- und Chlorid-Ionen.
Die Zellmembran ist semipermeabel - sie lässt Kalium gut durch, Natrium aber kaum. Kalium-Ionen wollen nach außen diffundieren, aber die negativen Proteine können nicht folgen. Dadurch wird das Zellinnere negativ geladen.
Das Gleichgewicht entsteht, wenn der Diffusionsdruck der Kalium-Ionen genau dem elektrischen "Gegensog" entspricht. So bleibt die Spannung konstant bei -70mV.
Fun Fact: Deine ruhende Nervenzelle ist wie eine geladene Batterie - bereit für Action!

Die Natrium-Kalium-Pumpe und Aktionspotential
Die Natrium-Kalium-Pumpe ist der Motor, der dein Ruhepotential aufrechterhält. Sie pumpt im 3:2-Verhältnis drei Natrium-Ionen raus und zwei Kalium-Ionen rein - das kostet Energie in Form von ATP.
Wenn ein Reiz stark genug ist und die Schwellenspannung von -50mV erreicht, startet das Aktionspotential. Jetzt gilt das Alles-oder-Nichts-Gesetz: Entweder läuft das komplette Programm ab oder gar nichts passiert.
Bei der Depolarisation öffnen sich schlagartig die Natrium-Kanäle. Positive Natrium-Ionen stürmen rein und kehren die Ladung um - das Zellinnere wird positiv! Diese positive Rückkopplung sorgt für eine lawinenartige Verstärkung.
Wichtig: Das Aktionspotential ist immer gleich stark - nur die Häufigkeit variiert!

Repolarisation und Refraktärzeit
Nach dem Höhepunkt kommt die Erholung: Bei der Repolarisation schließen sich die Natrium-Kanäle und Kalium-Kanäle öffnen sich. Kalium strömt raus und macht das Zellinnere wieder negativ.
Da die Kalium-Kanäle etwas träge sind, strömt zu viel Kalium raus - es entsteht eine Hyperpolarisation unter den Ruhewert. Die Zelle ist kurzzeitig "übernegativ".
Jetzt folgt die Refraktärzeit - die Nervenzelle braucht eine Pause! In der absoluten Refraktärphase geht gar nichts, in der relativen Phase sind nur schwächere Signale möglich. Danach ist das Ruhepotential wieder hergestellt.
Analogie: Wie bei einem Sprint - nach Vollgas brauchst du erst mal eine Erholungspause!

Erregungsleitung
Deine Nervenzellen haben zwei Turbo-Modi entwickelt! Bei der saltatorischen Erregungsleitung springt das Signal von Ranvier'schem Schnürring zu Schnürring - die Myelinscheide isoliert dazwischen perfekt. Das ist supereffizient und spart Energie.
Die kontinuierliche Erregungsleitung läuft bei nicht-isolierten Axonen ab. Hier muss jede Stelle der Membran depolarisiert werden - das ist langsamer, funktioniert aber auch.
Große Axone leiten schneller als dünne - wie bei Wasserschläuchen! Tintenfische haben deshalb Riesenaxone mit 1mm Durchmesser für Fluchtreflexe.
Effizienz-Tipp: Myelinisierte Axone sind bis zu 100-mal schneller als unmyelinisierte!

Synapsentypen
Synapsen sind die Kommunikationszentralen zwischen Nervenzellen - ohne sie läuft nichts! Es gibt elektrische Synapsen mit direkter Verbindung durch Gap Junctions - superschnell und bidirektional.
Chemische Synapsen wandeln elektrische in chemische Signale um. Das dauert etwas länger, ermöglicht aber viel komplexere Informationsverarbeitung.
Je nach Wirkung unterscheidet man erregende Synapsen (EPSP auslösend) und hemmende Synapsen (IPSP auslösend). Die verschiedenen Neurotransmitter wie Acetylcholin, Dopamin oder GABA bestimmen die spezifische Wirkung.
Wichtig: Chemische Synapsen sind Einbahnstraßen - Signal läuft nur in eine Richtung!

Chemische Synapsen im Detail
An chemischen Synapsen läuft ein faszinierender Prozess ab! Das Aktionspotential öffnet Calcium-Kanäle im synaptischen Endknöpfchen. Calcium-Ionen strömen rein und sorgen dafür, dass Vesikel mit Neurotransmittern mit der präsynaptischen Membran verschmelzen.
Die Neurotransmitter werden in den synaptischen Spalt freigesetzt und docken an Rezeptoren der postsynaptischen Membran an. Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip öffnen sich Ionenkanäle.
Bei erregenden Synapsen strömen Natrium-Ionen rein und erzeugen ein EPSP (erregendes postsynaptisches Potential). Ist dieses stark genug, entsteht am Axonhügel ein neues Aktionspotential.
Zeitfaktor: Der ganze Vorgang dauert nur etwa 0,5 Millisekunden!

Signalverarbeitung und Abbau
Der enzymatische Abbau sorgt dafür, dass das Signal wieder stoppt. Acetylcholinesterase spaltet Acetylcholin in unwirksame Bruchstücke. Das Cholin wird recycelt und zu neuem Acetylcholin zusammengebaut.
Summation macht Nervenzellen zu cleveren Computern! Bei der zeitlichen Summation addieren sich schnell aufeinanderfolgende Signale. Bei der räumlichen Summation werden gleichzeitige Signale verschiedener Synapsen zusammengerechnet.
EPSP und IPSP können sich gegenseitig verstärken oder aufheben - so entstehen komplexe Berechnungen. Hemmende Synapsen liegen oft näher am Axonhügel und haben dadurch mehr Einfluss.
Rechenpower: Eine einzige Nervenzelle kann tausende Eingangssignale verarbeiten!

Synapsengifte und Hemmung
Synapsengifte greifen an verschiedenen Stellen an und zeigen, wie empfindlich die Signalübertragung ist. Botulinum-Toxin blockiert die Ausschüttung von Neurotransmittern, Sarin hemmt den Abbau von Acetylcholin.
Curare besetzt die Rezeptoren, ohne sie zu aktivieren - das führt zur Lähmung. Nikotin aktiviert die Rezeptoren dauerhaft. Das Tetanus-Toxin stört die Hemmung und verursacht Muskelkrämpfe.
Bei hemmenden Synapsen öffnet der Neurotransmitter GABA Chlorid-Kanäle. Negative Chlorid-Ionen strömen rein und erzeugen eine Hyperpolarisation - ein IPSP entsteht.
Lebenswichtig: Viele Gifte sind deshalb so gefährlich, weil sie die Atmung lähmen!

Motorische Endplatte
Die motorische Endplatte ist deine Schnittstelle zwischen Denken und Handeln! Diese spezielle Synapse verbindet Motoneuronen mit Muskelzellen und funktioniert wie eine chemische Synapse.
Das ausgelöste Signal heißt hier Endplattenpotential (EPP) und löst ein Muskel-Aktionspotential aus. Dieses wird über T-Tubuli tief in die Muskelfaser geleitet.
Das Aktionspotential setzt aus dem sarkoplasmatischen Reticulum Calcium-Ionen frei - und los geht die Muskelkontraktion! So wird aus einem elektrischen Signal eine mechanische Bewegung.
Faszinierend: Von der Entscheidung im Gehirn bis zur Muskelbewegung vergehen nur Millisekunden!
Wir dachten schon, du fragst nie...
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