Ökosysteme funktionieren durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren - von...
Bio LK Abi 2023 Lernzettel Ökologie











Abiotische und biotische Faktoren
Abiotische Faktoren sind die unbelebte Umwelt um dich herum - Licht, Temperatur, Wasser und sogar Schadstoffe. Diese Faktoren bestimmen maßgeblich, wo Lebewesen überleben können.
Ein super wichtiges Prinzip ist die RGT-Regel: Steigt die Körpertemperatur um 10°C, verdoppelt sich die Stoffwechselleistung! Das erklärt, warum Reptilien in der Sonne "auftanken" müssen.
Die Toleranzkurve zeigt dir, wie gut eine Art mit verschiedenen Umweltfaktoren klarkommt. Im Optimum geht's der Art am besten, im Pessimum überlebt sie nur kurz, und außerhalb von Minimum/Maximum stirbt sie. Die physiologische Potenz gilt ohne Konkurrenz, die ökologische Potenz mit Konkurrenz - deshalb ist der reale Toleranzbereich meist kleiner.
Biotische Faktoren umfassen alle Lebewesen: Fressfeinde, Konkurrenten, Symbiosepartner und Parasiten. Diese bestimmen genauso stark wie abiotische Faktoren, wo eine Art leben kann.
Merktipp: Physiologische Potenz = Theorie, ökologische Potenz = Realität mit Konkurrenz!

Zwischenartliche Beziehungen
Konkurrenz gibt's in zwei Varianten: intraspezifisch (innerhalb einer Art) und interspezifisch (zwischen verschiedenen Arten). Beide kämpfen um dieselben Ressourcen.
Symbiose ist ein Win-Win-Deal - beide Partner profitieren und sind oft aufeinander angewiesen. Klassisches Beispiel: Putzerfische, die andere Fische von Parasiten befreien und dafür Futter bekommen.
Parasitismus ist einseitig: Der Parasit lebt auf Kosten seines Wirts, tötet ihn aber meist nicht (wäre ja schlecht fürs Geschäft!). Der Teufelszwirn ist so ein Parasit, der andere Pflanzen anzapft.
Räuber-Beute-Beziehungen folgen den Lotka-Volterra-Regeln: Die Populationen schwanken periodisch, wobei die Räuberpopulation der Beutepopulation zeitversetzt folgt. Nach einer Dezimierung erholt sich die Beute schneller als der Räuber.
Fun Fact: In idealen Räuber-Beute-Systemen pendeln die Populationen endlos - wie ein biologisches Uhrwerk!

Ökologische Nische und Stoffkreisläufe
Die ökologische Nische ist nicht nur ein Ort, sondern die Gesamtheit aller Beziehungen einer Art zu ihrer Umwelt. Die Fundamentalnische berücksichtigt nur abiotische Faktoren, die Realnische auch biotische - deshalb ist sie kleiner.
Biotop = unbelebte Umwelt (abiotische Faktoren), Biozönose = Lebensgemeinschaft (biotische Faktoren). Zusammen bilden sie ein Ökosystem.
Der Kohlenstoffkreislauf zeigt perfekt, wie Stoffe zirkulieren: Produzenten (meist Pflanzen) sind autotroph und stellen organische Stoffe her. Konsumenten sind heterotroph und fressen andere. Destruenten zersetzen tote Organismen und geben Mineralstoffe frei.
C-Senken wie Ozeane oder Wälder speichern Kohlenstoff über lange Zeit. Die Lithosphäre ist mit 100 Millionen Gigatonnen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde.
Wichtig: Ohne Destruenten würde nichts recycelt werden - sie sind die "Müllabfuhr" der Natur!

Energiefluss und Nahrungsbeziehungen
Energiefluss beginnt immer mit der Sonne und fließt in eine Richtung - er wird nicht recycelt wie Stoffe! Nahrungsketten zeigen einfache Fress-Beziehungen, Nahrungsnetze die komplexe Realität mit vielen Verbindungen.
Biomassepyramiden veranschaulichen, warum es viel mehr Pflanzen als Fleischfresser gibt. Bei jedem Übergang zur nächsten Trophieebene gehen etwa 90% der Energie als Wärme verloren - deshalb die Pyramidenform.
Trophieebenen sind wie Stockwerke: Produzenten (Erdgeschoss), Primärkonsumenten (1. Stock), Sekundärkonsumenten (2. Stock) usw. Je höher das Stockwerk, desto weniger Energie ist verfügbar.
Von 100.000 kJ Sonneneinstrahlung nutzen Pflanzen nur etwa 100 kJ netto - der Rest wird reflektiert oder in Wärme umgewandelt. Das zeigt, wie ineffizient Energieübertragung in der Natur ist.
Denk daran: Energie fließt nur in eine Richtung - von der Sonne bis zur Wärme!

Fließgewässer als Ökosystem
Fließgewässer verändern sich dramatisch von der Quelle zur Mündung. Die Temperatur steigt vom Oberlauf zum Unterlauf , während die Fließgeschwindigkeit abnimmt - von über 100 cm/s auf unter 10 cm/s.
Das Bachsediment wird feiner: Oberlauf hat Felsen und große Steine, Unterlauf Sand und Schlick. Jeder Abschnitt hat seine typischen Leitfische: Forellen im Oberlauf, Brachsen im Unterlauf.
Die RGT-Regel wirkt auch hier: Kälteres Wasser im Oberlauf bedeutet langsamere Stoffwechselprozesse. Höhen über dem Meeresspiegel beeinflussen die Temperaturen je nach Jahreszeit unterschiedlich.
Profile zeigen die verschiedenen Regionen: Forellenregion, Äschenregion, Barbenregion, Brachsenregion und Kaulbarsch-Flunder-Region. Jede hat charakteristische Bodenarten und Wassertemperaturen.
Cool zu wissen: Ein Fluss ist wie eine natürliche Sortiermaschine - er sortiert Sedimente nach Größe!

Sauerstoff und Mineralstoffe in Gewässern
Sauerstoffgehalt hängt von vier Hauptfaktoren ab: Wassertemperatur (kälter = mehr O₂), Fließgeschwindigkeit, Turbulenzen und Mikroorganismen. Produzenten geben bei Licht O₂ ab, brauchen aber nachts selbst welchen.
Bei Sauerstoffverknappung entstehen Probleme: Konsumenten können nicht atmen, Destruenten arbeiten anaerob und produzieren giftige Stoffe wie Schwefelwasserstoff. Das stoppt die natürlichen "Reinigungsprozesse" des Gewässers.
Mineralstoffe werden von Destruenten produziert und ins Meer transportiert. Zu viele Mineralstoffe (besonders Nitrat) führen in stehenden Gewässern zu Algenboom - diese nehmen den unteren Schichten Licht weg und verbrauchen nachts den Sauerstoff.
Die Regel gilt: Je tiefer und trüber das Gewässer, desto weniger Licht für Fotosynthese und damit weniger Sauerstoffproduktion. Turbulenzen sind deshalb lebenswichtig für Gewässer.
Aha-Moment: Sauerstoff ist der Schlüssel für gesunde Gewässer - ohne ihn kollabiert das ganze System!

Lebewesen und ihre Anpassungen im Fließgewässer
Biozönotische Längsgliederung bedeutet: Jeder Gewässerabschnitt hat seine typische Lebensgemeinschaft. Wirbellose sind oft spezialisiert auf bestimmte Bereiche und dienen als Zeigerorganismen für Wasserqualität.
Ernährungstypen zeigen perfekte Anpassungen: Zerkleinerer beißen Pflanzenteile, Weidegänger raspeln Algen ab, Sedimentfresser verwerten organische Abfälle, Filtrierer sieben Plankton aus dem Wasser, Räuber jagen aktiv.
Mäanderstrukturen (Fluss-Schleifen) schaffen verschiedene ökologische Nischen: Furten sind seicht und sauerstoffreich, Kolken sind tiefe Ruhezonen, Prallhänge werden stark umspült, Gleithänge sind ruhiger. Das macht sie ökologisch wertvoller als begradigte Gewässer.
Mikroorganismen spielen eine Schlüsselrolle bei Nährstoffumwandlung und sind Nahrungsgrundlage vieler größerer Organismen. Sie sind die "unsichtbaren Arbeiter" des Ökosystems.
Nachhaltigkeitstipp: Mäander sind wie Wohnviertel mit vielen verschiedenen "Apartments" für unterschiedliche Arten!

Thermoregulation und Pflanzenaufbau
Ektotherme (wechselwarme) Tiere wie Reptilien sind von der Außentemperatur abhängig. Sie haben einen kleinen Temperaturtoleranzbereich und müssen bei Kälte in Winterstarre gehen oder erfrieren sogar.
Endotherme (gleichwarme) Säugetiere und Vögel halten ihre Körpertemperatur durch Stoffwechselaktivität konstant. Das gibt ihnen einen größeren Toleranzbereich, kostet aber viel Energie durch hohen Nährstoffbedarf.
Mesophyte Pflanzen haben einen typischen Blattaufbau: Palisadengewebe für effiziente Fotosynthese oben, Schwammgewebe für Gasaustausch unten. Stomata (Spaltöffnungen) regulieren Wasserdampf- und CO₂-Austausch.
Chloroplasten sind die Fotosynthese-Fabriken: Thylakoidmembranen fangen Licht ein, im Stroma läuft die CO₂-Fixierung ab. Die Doppelmembran grenzt sie vom Rest der Zelle ab.
Energievergleich: Endothermie ist wie Standheizung - teuer aber zuverlässig, Ektothermie wie Sonnenenergie - günstig aber wetterabhängig!


Wir dachten schon, du fragst nie...
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