Kohlenwasserstoffe, Alkohole und Carbonsäuren sind die Grundbausteine der organischen Chemie...
Chemie Abitur Lernzettel 2024 - LK Hessen











Kohlenwasserstoffe - Die Grundlagen der organischen Chemie
Alkane sind eure ersten Verbündeten in der organischen Chemie. Die Namensfindung ist eigentlich simpel: Anzahl der C-Atome + Endung "-an". Bei verzweigten Ketten sucht ihr die längste Kette und nummeriert die Alkylreste alphabetisch durch.
Die homologe Reihe (Methan, Ethan, Propan...) solltet ihr im Schlaf können. Bei Konstitutionsisomeren habt ihr die gleiche Summenformel, aber unterschiedliche Verknüpfungen - Butan hat 2 Möglichkeiten, Pentan schon 3.
Van-der-Waals-Kräfte bestimmen die physikalischen Eigenschaften. Längere Ketten = stärkere VdWK = höhere Siedetemperatur. Verzweigte Alkane haben schwächere VdWK als lineare, daher niedrigere Siede- und Schmelztemperaturen.
Merksatz: Alkene haben Doppelbindungen , Alkine haben Dreifachbindungen . Je mehr Bindungen, desto schwächer die VdWK, desto niedriger die Siedetemperatur!
Alkene bilden durch ihre Doppelbindungen cis-trans-Isomere - die Substituenten können auf derselben oder gegenüberliegenden Seite stehen.

Oxidation und molekulare Effekte
Vollständige Oxidation bedeutet Verbrennung zu CO₂ und H₂O. Den Nachweis macht ihr mit Kalkwasser für CO₂ und Kupfersulfat für Wasser - das kommt gerne in Experimenten dran.
Der I-Effekt (induktiver Effekt) beschreibt, wie sich Ladungen verschieben. Elektronegativere Atome ziehen Elektronen an (-I-Effekt), weniger elektronegative schieben sie weg (+I-Effekt). Das beeinflusst direkt die Säurestärke von Carbonsäuren.
Bei der Säurestärke gilt: Je leichter das H-Atom abgespalten wird, desto stärker die Säure. Der -I-Effekt erleichtert die Abspaltung, der +I-Effekt erschwert sie.
Klausur-Tipp: Die Markovnikov-Regel besagt, dass bei elektrophiler Addition das Wasserstoffatom an das C-Atom geht, das bereits mehr H-Atome hat!
Cis-trans-Isomerie entsteht bei Mehrfachbindungen, wenn die Substituenten unterschiedlich angeordnet sind.

Orbitalmodell - Die räumliche Struktur verstehen
Hybridisierung erklärt, warum Moleküle bestimmte Formen haben. Das sp³-Orbital ist tetraedrisch mit 4 Bindungspartnern (109,5°), sp² ist trigonal-planar mit 3 Partnern (120°), sp ist linear mit 2 Partnern (180°).
Sigma-Bindungen entstehen durch Überlappung von Hybridorbitalen. Pi-Bindungen bilden sich aus unhybridisierten p-Orbitalen - das ist der "zweite Stock" bei Doppel- und Dreifachbindungen.
Die Anzahl der Elektronendichtebereiche bestimmt die Hybridisierung: 2 Bereiche = sp (linear), 3 Bereiche = sp² (trigonal-planar), 4 Bereiche = sp³ (tetraedrisch).
Verstehen statt auswendig lernen: Je mehr Bindungspartner ein C-Atom hat, desto "voller" wird der Raum um es herum!

Benzol und Mesomerie
Benzol ist der Superstar der aromatischen Verbindungen. Alle C-Atome sind sp²-hybridisiert mit 120° Bindungswinkeln. Das Besondere: die delokalisierten π-Elektronen bewegen sich frei im Ring.
Mesomerie bedeutet, dass ihr mehrere Grenzformeln braucht, um eine Verbindung zu beschreiben. Der reale Zustand liegt irgendwo dazwischen. Je mehr Grenzformeln möglich sind, desto stabiler wird die Verbindung.
Für Benzol könnt ihr zwei klassische Grenzformeln zeichnen, aber die Realität ist ein mesomerer Zustand mit gleichmäßig verteilten Elektronen.
Aha-Moment: Mesomerie ist wie ein Durchschnitt - die Elektronen "entscheiden" sich nicht für eine Position, sondern sind überall gleichzeitig!
Bei Phenol, Anilin und Benzaldehyd könnt ihr jeweils mehrere Grenzformeln formulieren, was ihre Stabilität erklärt.

Alkohole - Primär, sekundär, tertiär
Konstitutionsisomere haben die gleiche Summenformel, aber unterschiedliche Strukturen. Bei Alkoholen unterscheidet ihr zwischen primären (OH-Gruppe am Ende), sekundären (OH-Gruppe in der Mitte) und tertiären (OH-Gruppe am verzweigten C-Atom).
Primäre Alkohole oxidieren zu Aldehyden und dann zu Carbonsäuren. Sekundäre Alkohole werden zu Ketonen oxidiert.
Tertiäre Alkohole lassen sich nicht oxidieren, weil am C-Atom mit der OH-Gruppe kein H-Atom sitzt, das abgegeben werden könnte.
Oxidations-Regel: Nur da wo H-Atome sind, kann auch oxidiert werden!

Zwischenmolekulare Kräfte und Redoxreaktionen
Wasserstoffbrückenbindungen bei Alkoholen sind die stärksten zwischenmolekularen Kräfte. Deshalb haben Alkohole höhere Siedetemperaturen als Carbonyle, die nur Dipol-Dipol-Wechselwirkungen haben.
Bei der Löslichkeit sind kurzkette Alkohole hydrophil (wasserlöslich), ab 4 C-Atomen überwiegt der hydrophobe Teil.
Oxidationszahlen bestimmt ihr systematisch: Elemente haben 0, F hat -I, H hat +I, O meist -II. Die Summe im Molekül muss 0 ergeben.
Redox-Merksatz: Reduktionsmittel geben Elektronen ab (werden selbst oxidiert), Oxidationsmittel nehmen auf (werden selbst reduziert)!
Mehrwertige Alkohole wie Ethylenglykol oder Glycerin haben mehrere OH-Gruppen und sind daher besonders polar.

Aldehyde und Ketone - Carbonylverbindungen im Detail
Die Aldehydgruppe ist reaktiver als die Ketogruppe (C=O zwischen zwei Resten), weil sie reduzierend wirkt. Mit der Fehling-Probe (roter Niederschlag) oder Tollens-Probe (Silberspiegel) weist ihr Aldehyde nach.
Keto-Enol-Tautomerie beschreibt das Gleichgewicht zwischen Keton und Enol-Form. Meist liegt es auf der Keto-Seite, weil diese stabiler ist.
Der M-Effekt (Mesomerie-Effekt) ist stärker als der I-Effekt. +M-Effekt erhöht die Elektronendichte (+M schneller), -M-Effekt verringert sie (-M langsamer).
Nachweis-Trick: Nur Aldehyde geben positive Fehling- oder Tollens-Probe, Ketone bleiben negativ!
Tertiäre Alkohole haben am C-Atom mit der OH-Gruppe keine H-Atome mehr - deshalb können sie nicht oxidiert werden.

Reaktionsmechanismen - Addition und Bildung
Hydratisierung bedeutet Wasseranlagerung an Carbonyle. Bei der Halbacetalbildung greift ein Alkohol nucleophil an, bei der Acetalbildung reagiert ein zweites Alkoholmolekül unter Wasserabspaltung.
Der Mechanismus läuft über Säurekatalyse: Protonierung macht das Carbonyl-C elektrophiler, dann folgt der nucleophile Angriff des Alkohols.
+M-Effekt bedeutet Elektronenschieben (z.B. Amingruppe), -M-Effekt bedeutet Elektronenziehen (z.B. Carboxygruppe). Das beeinflusst die Elektronendichte im Benzolring.
Mechanismus-Tipp: Säure protoniert zuerst, dann greift das Nucleophil an, am Ende wird wieder deprotoniert!
Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von der Elektronendichte ab: +M beschleunigt, -M verlangsamt.

Carbonsäuren und ihre Eigenschaften
Carbonsäuren haben eine Carboxygruppe aus Carbonyl- und Hydroxygruppe. Der unpolare Rest und die polare Carboxygruppe bestimmen die Eigenschaften.
Wasserstoffbrückenbindungen zwischen zwei Carbonsäuren sind besonders stark. Mit wachsender Kettenlänge steigt die Siedetemperatur, aber die Wasserlöslichkeit sinkt (bis Butansäure gut löslich).
Die Acidität wird durch I-Effekte beeinflusst: -I-Effekt (wie -COOH, -OH) erhöht die Acidität, +I-Effekt (wie -CH₃) verringert sie. Je größer der pKₛ-Wert, desto schwächer die Säure.
Säurestärke-Regel: Je leichter das Proton abgespalten wird, desto stärker die Säure!
Hydroxysäuren haben mindestens eine Carboxy- und eine Hydroxygruppe. Aminosäuren können beide Protonen abgeben - erst von der Carboxy-, dann von der Aminogruppe.

Carbonsäurederivate und Veresterung
Carbonsäureester entstehen durch Reaktion von Carbonsäure mit Alkohol. Die allgemeine Formel ist R₁-COO-R₂, wobei die Esterbindung zwischen Carbonyl-C und Sauerstoff liegt.
Veresterung ist eine Kondensationsreaktion: Carbonsäure + Alkohol → Ester + Wasser. Das klassische Beispiel ist Essigsäure + Methanol → Essigsäuremethylester.
Di- und Tricarbonsäuren haben mehrere Carboxygruppen. Oxalsäure ist die einfachste Dicarbonsäure mit zwei COOH-Gruppen.
Ester-Merkmal: Die Esterbindung -COO- ist das Erkennungszeichen - ein Sauerstoff "klebt" Säure und Alkohol zusammen!
Ester haben meist angenehme Gerüche und kommen in natürlichen Aromastoffen vor.
Wir dachten schon, du fragst nie...
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Klausur-Tipp: Die Markovnikov-Regel besagt, dass bei elektrophiler Addition das Wasserstoffatom an das C-Atom geht, das bereits mehr H-Atome hat!
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Für Benzol könnt ihr zwei klassische Grenzformeln zeichnen, aber die Realität ist ein mesomerer Zustand mit gleichmäßig verteilten Elektronen.
Aha-Moment: Mesomerie ist wie ein Durchschnitt - die Elektronen "entscheiden" sich nicht für eine Position, sondern sind überall gleichzeitig!
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