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Heimsuchung Klausur mit Lösungen: Aufgabe 2








Klausuraufgaben im Überblick
Diese Klausur testet euer Verständnis für epische Textanalyse anhand von Jenny Erpenbecks Werken. Die erste Aufgabe fordert eine Inhaltsangabe des Textauszugs, gefolgt von einer Analyse der Protagonisten-Reflexionen über seine Besitztümer.
Der zweite Teil verlangt einen Charaktervergleich zwischen drei Personen: der Besucherin und dem Kinderfreund aus "Heimsuchung" sowie dem Protagonisten aus "Gehen, ging, gegangen". Hier geht's besonders um ihr Verhältnis zum Haus am See.
Tipp: Achtet auf die Operatoren - zusammenfassen, analysieren und vergleichen erfordern unterschiedliche Herangehensweisen!
Die Punkteverteilung zeigt, dass der Vergleich mit 50 BE den Schwerpunkt bildet. Plant eure Zeit entsprechend und denkt daran, die Wörter zu zählen.

Der Protagonist Richard und seine Lebenssituation
Professor Richard steht am Ende seiner Universitätslaufbahn und muss sein Arbeitszimmer ausräumen. Als Altphilologe hat er jahrelang Wissen gesammelt, das nun zu seinem "Privateigentum" wird. Er lebt allein in einem Haus am See, seit seine Frau gestorben ist.
Der Text beginnt während der Sommerschließzeit des Instituts - während andere verreisen, beschäftigt sich Richard mit dem Ausräumen. Seine gepackten Kartons stehen im Keller und warten darauf, ausgepackt zu werden. Doch er zögert und fragt sich, ob es sich überhaupt noch lohnt.
Wichtig: Richards Reflexionen über seine Besitztümer zeigen seine existenzielle Krise nach dem Übergang in den Ruhestand.
Der Merseburger Zauberspruch "Bein zu Bein, Blut zu Blut" verdeutlicht, wie Richard seine Gegenstände in seinen Privathaushalt "einverleiben" will. Seine Bildung und sein Wissen sind jetzt nur noch für ihn da - ohne Nachkommen fehlt die Weitergabe.

Richards philosophische Betrachtungen über Besitz
Richard entwickelt eine tiefgreifende Philosophie über Gegenstände und ihre Bedeutung. Er denkt darüber nach, wie seine Besitztümer nach seinem Tod auseinandergetrieben werden - der Bauernschrank wird nicht mehr neben seiner Kaffeetasse stehen, sein Sessel wird von fremden Händen bewegt.
Diese Überlegungen führen zu metaphysischen Fragen: Hat der durch ihn gestiftete Sinn eine Masse? Besteht eine unsichtbare Verbindung zwischen seinen Gegenständen für alle Zeit? Er vergleicht sich sogar mit einer Sonne, deren Schwerkraft leblose Dinge mit lebendigen Wesen verknüpft.
Achtung: Richards Sorge, "irre zu werden", zeigt seine Isolation und existenzielle Angst.
Seine Frau nannte seine Sammlung früher "Krempel" - jetzt ist alles nur noch zu seinem eigenen Vergnügen da. Nach seinem Tod wird höchstens ein Antiquar noch einzelne Bücher schätzen, aber das persönliche System seiner Welt wird sich auflösen.

Schüleranalyse: Der Kinderfreund im Vergleich
Die Schülerarbeit zeigt eine durchdachte Vergleichsanalyse zwischen dem Protagonisten Richard und dem Kinderfreund aus "Heimsuchung". Der wichtigste Unterschied: Richard ist mit den Gegenständen im Haus verbunden, der Kinderfreund hingegen mit Kindheitserinnerungen an seine Freundin.
Der Kinderfreund besitzt das Haus nicht materiell - er war nur dort, um auf seine Freundin zu warten und mit ihr zu spielen. Seine Verbindung entsteht durch gemeinsame Erlebnisse, auch traumatische wie die Vergewaltigung, die beide erlebt haben.
Merke: Beide Charaktere haben "unsichtbare Verbindungen" zu ihren Erinnerungsorten, aber unterschiedliche Grundlagen.
Beim Ausräumen des Hauses kommt der Kinderfreund nur oberflächlich mit den Besitztümern in Kontakt. Sein Heimatbegriff basiert auf Erinnerungen, nicht auf materiellen Dingen. Seine Identität hängt von diesen Erinnerungen ab - er kann nicht vom Haus wegkommen.

Die Besucherin als Gegenpol
Die Besucherin bildet den stärksten Kontrast zum Protagonisten Richard. Ihr wurden alle Besitztümer weggenommen - sie hat keinen eigenen Besitz mehr. Für sie war nur wichtig, ihre Kinder zu retten. Sie hinterfragt nicht, was mit Gegenständen passiert ist.
Ihr Heimatbegriff unterscheidet sich fundamental: Sie verbindet Heimat mit Aktivitäten wie Schwimmen und Musik. Diese stehen für Traditionen, Erinnerungen und Lebenserfahrungen - ihre "innere Heimat" ist nicht materiell gebunden.
Entscheidend: Die Besucherin verliert durch den Verlust ihrer Besitztümer nicht ihre Identität - im Gegensatz zu Richard.
Interessant ist die gemeinsame Wissenskomponente: Sowohl Richard als auch die Besucherin besitzen Fachwissen (Altphilologie vs. Landwirtschaft), können es aber nicht mehr weitergeben. Richard wegen seiner beendeten Laufbahn, die Besucherin weil der Garten am See nur der Entspannung dient.

Gemeinsame Themen: Einsamkeit und Verlust
Alle drei Charaktere verbindet ihre Einsamkeit: Die Besucherin fühlt sich fremd, der Kinderfreund vermisst seine Nachbarin aus der Kindheit, Richard trauert um seine verstorbene Frau. Diese Isolation prägt ihr jeweiliges Verhältnis zu Orten und Besitztümern.
Ein weiteres verbindendes Element ist der Verlust: Richard hat Arbeitsstelle und Frau verloren, die Besucherin alle Besitztümer, der Kinderfreund seine Kindheitsfreundin. Jeder geht unterschiedlich mit diesem Verlust um - durch Reflexion, innere Stärke oder nostalgische Erinnerung.
Fazit: Erpenbeck zeigt drei verschiedene Bewältigungsstrategien für existenzielle Verluste und Übergänge.
Die Analyse verdeutlicht, wie materielle und immaterielle Heimatkonzepte nebeneinander existieren. Während Richard an Gegenständen hängt, finden die anderen ihre Identität in Erinnerungen oder inneren Werten. Das macht Erpenbecks psychologische Charakterzeichnung so vielschichtig.

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Heimsuchung Klausur mit Lösungen: Aufgabe 2
Eine Klassenarbeit zu Jenny Erpenbecks Romanen beschäftigt sich mit dem Thema "Sprache und Literatur in politisch-gesellschaftlichen Spannungsfeldern". Ihr müsst einen Textauszug aus "Gehen, ging, gegangen" analysieren und Charaktere aus beiden Romanen vergleichen.

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