Der Text: Eine Begegnung in den Trümmern
Stell dir vor, du müsstest tagelang allein in einer zerstörten Stadt ausharren - genau das erlebt der neunjährige Jürgen in Borcherts Geschichte. Er sitzt mit einem Stock bewaffnet in den Trümmern und bewacht etwas Geheimnisvolles.
Ein älterer Mann mit krummen Beinen entdeckt ihn und beginnt vorsichtig ein Gespräch. Zunächst ist Jürgen misstrauisch, doch der Mann zeigt echtes Interesse und lockt ihn mit 27 Kaninchen aus seinem Korb. Geschickt rechnet er mit Jürgen und baut so Vertrauen auf.
Das Geheimnis wird schließlich gelüftet: Jürgens kleiner Bruder liegt unter den Trümmern ihres bombardierten Hauses. Der Junge glaubt, er müsse Tag und Nacht wachen, damit die Ratten nicht an seinen toten Bruder gelangen - so hat es ihm sein Lehrer erklärt.
Wichtig zu wissen: Der Mann erzählt Jürgen eine bewusste Lüge: "Nachts schlafen die Ratten doch." Diese kleine Unwahrheit soll dem traumatisierten Kind helfen und ihm die nächtliche Angst nehmen.
Der alte Mann verspricht, Jürgen am Abend abzuholen und ihm sogar ein weißes Kaninchen mitzubringen. Die Geschichte endet hoffnungsvoll, als der Mann in der Abendsonne davongeht und Jürgen zum ersten Mal seit Tagen Hoffnung schöpft.



