Stürze können in jedem Alter passieren und haben oft schwerwiegende...
Sturzprophylaxe: So vermeiden Sie effektiv Stürze







Was ist ein Sturz? - Grundlagen
Laut WHO-Definition ist ein Sturz ein Ereignis, bei dem jemand unabsichtlich auf dem Boden oder einer tieferen Ebene aufkommt. Das klingt simpel, aber Stürze sind ein allgemeines Lebensrisiko, das uns alle betrifft.
Je nach Lebensalter haben Stürze unterschiedliche Ursachen und Folgen. Bei Kleinkindern passieren Stürze vom Wickeltisch oder von Spielgeräten und führen oft zu Kopfverletzungen oder Knochenbrüchen. Kinder und Jugendliche stürzen meist beim Erlernen neuer Fähigkeiten oder beim Sport.
Bei Erwachsenen entstehen Stürze häufig berufsbedingt oder beim Sport - typisch sind dabei Radiusfrakturen (Handgelenkbrüche). Der sogenannte "Teufelskreis Sturz" zeigt, wie ein Sturz zu Angst führt, diese zu weniger Bewegung und dadurch zu erhöhter Sturzgefahr.
Merke: Ein Sturz zieht oft weitere Stürze nach sich - deshalb ist Vorbeugung so wichtig!

Sturzgefahr im Erwachsenenalter
Bei Erwachsenen passieren Sturzunfälle typischerweise bei Freizeitaktivitäten wie Skifahren oder Fußballspielen, aber auch im Haushalt beim Fensterputzen. Im beruflichen Alltag können Stürze sogar zu langer Berufsunfähigkeit führen.
Sturzprophylaktische Maßnahmen im Beruf umfassen rutschfeste Arbeitsschuhe, sicheres Tragen von Lasten und Ordnung am Arbeitsplatz. Arbeitgeber müssen rutschsichere Fußböden bereitstellen und Warnschilder bei nassen Böden aufstellen.
Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege hat ein klares Ziel: Jeder Bewohner mit erhöhtem Sturzrisiko soll passende Vorbeugungsmaßnahmen erhalten. Durch rechtzeitige Risikoeinschätzung und systematische Erfassung kann sichere Mobilität erreicht werden.
Wichtig: Sturzprophylaxe bedeutet nicht Bewegungsverbot, sondern sichere Mobilität!

Risikofaktoren erkennen
Das Sturzrisiko setzt sich aus drei Faktoren zusammen: personenbezogene, medikamentenbezogene und umgebungsbezogene Risiken. Diese systematische Erfassung hilft dabei, gezielte Maßnahmen zu entwickeln.
Personenbezogene Risikofaktoren umfassen Sehstörungen, Depressionen, Bewegungsbeeinträchtigungen wie Halbseitenlähmungen, Inkontinenz und Schwindel. Besonders wichtig: Stürze in der Vorgeschichte erhöhen das Risiko erheblich, da sie oft Sturzangst auslösen.
Medikamentenbezogene Risiken entstehen durch die Behandlung mit mehreren Medikamenten gleichzeitig (Polypharmazie) oder durch Psychopharmaka wie Antidepressiva. Bei umgebungsbezogenen Faktoren spielen ungeeignete Schuhe, fehlende Haltegriffe, Stolperfallen und kurzfristige Umgebungsveränderungen eine Rolle.
Praxistipp: Eine neue Risikoeinschätzung ist immer dann nötig, wenn sich die Gesundheit verschlechtert oder Medikamente geändert werden.

Konkrete Präventionsmaßnahmen
Sturzprophylaktische Interventionen gibt es als Einzelmaßnahmen (typisch in der ambulanten Pflege) oder als multimodale Programme in stationären Einrichtungen. Die Maßnahmen richten sich immer nach den vorhandenen Risikofaktoren.
Bei Sehstörungen helfen saubere, angepasste Brillen und deren Erreichbarkeit. Störungen der Sensibilität lassen sich durch weiche, dicke Schuhsohlen verbessern. Gang- und Balancestörungen erfordern gezieltes Training von Muskeln und Balance sowie den sicheren Einsatz von Mobilitätshilfen.
Inkontinenz macht einen sicheren, erreichbaren Weg zur Toilette nötig - eventuell mit Nachtlicht oder Bewegungsmelder. Bei Sturzangst ist es wichtig, über die Angst zu sprechen, Mut zu geben und Sicherheiten bei Transfers zu vermitteln.
Erfolgsfaktor: Individuelle Maßnahmen sind viel wirksamer als Standardlösungen für alle!

Weitere Schutzmaßnahmen
Bei Polypharmazie (Behandlung mit vielen Medikamenten) sollte der Arzt die Medikation sorgfältig überprüfen und nicht-medikamentöse Alternativen erwägen. Freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettgitter sollten hinterfragt und Alternativen besprochen werden.
Stolperfallen und Hindernisse müssen beseitigt werden - dazu gehören Kabel, Teppiche, Stufen und Bodenungleichheiten. Zusätzliche Haltegriffe und bessere Beleuchtung erhöhen die Sicherheit erheblich. Bei kurzfristigen Umgebungsveränderungen helfen Beschriftungen und erweiterte Klingelmöglichkeiten.
Protektive Maßnahmen verhindern Sturzfolgen: Niedrigbetten reduzieren die Sturzhöhe, Alarmsysteme wie Sensormatten ermöglichen sofortige Reaktionen. Stützhelme und Hüftprotektoren schützen vor Verletzungen, während Vitamin D und Kalzium Knochenbrüchen vorbeugen.
Clever: Protektive Maßnahmen wirken auch dann, wenn ein Sturz trotzdem passiert!

Sturzdokumentation und Analyse
Eine systematische Sturzerfassung bildet die Grundlage für aktualisierte Risikoeinschätzungen und verbesserte Präventionsmaßnahmen. Nach jedem Sturz müssen zentrale Fragen geklärt werden: Wie waren die Umstände, welche Aktivität wurde ausgeführt und welche Folgen entstanden?
Sturzprotokolle helfen dabei, das Ereignis genau zu erfassen und alle relevanten Details zu dokumentieren. Dazu gehören Datum, Zeit, Ort, anwesende Personen und die genauen Umstände des Sturzes. Besonders wichtig ist die Dokumentation von Sturzfolgen und eingeleiteten Maßnahmen.
Das Sturzprotokoll erfasst systematisch alle Faktoren: Lichtverhältnisse, Kleidung, Hilfsmittel, Verletzungen und durchgeführte Maßnahmen. Diese detaillierte Dokumentation ermöglicht es, eine aktualisierte und wirksamere Sturzprophylaxe zu planen.
Qualitätssicherung: Nur was dokumentiert wird, kann auch verbessert werden - Sturzprotokolle sind unverzichtbar!
Wir dachten schon, du fragst nie...
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